#221

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 12:33
von Sachsendreier (gelöscht)
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@Gert...........
immer öfter stellt man fest, daß du das Thema verfehlst...gibts da nen Grund dafür ??
Nach den letzten Beiträgen frag ich mich, was dich eigentlich krank macht, das man so unsachlich reagiert ??

Ich kann nicht einschätzen ob eheml. polit. Häftlinge oft krank sind.
Ich geh mal davon aus das j e d e r der mal eingesessen hat seine Haftzeit nicht vergisst. Wie er sie persönlich verarbeitet hängt doch von verschiedenen Faktoren ab. Das es auch Folgeerscheinungen gibt stell ich da gar nicht in Abrede.

Ich hab mit Strafgefangenen zusammengearbeitet, die wurden krank wenn sie vor der Entlassung standen, weil sie dieHälfte ihres Lebens im Knast sassen und draussen nicht zurecht kamen. Das ist auch nicht exemplarisch, aber auch das hats gegeben.
Aus terretorialen und zeitlichen Abstand "Absonderungen" von sich zu geben, die auch oftmals an der Realität vorbeigehen.....werden nichts bewirken. Was sollen sie auch bewirken ?....außer Widerspruch zu erregen.


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#222

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 12:43
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Gert,

ich habe nur eine Bitte: lass es einfach.

Nostagiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 24.05.2011 12:44 | nach oben springen

#223

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 12:45
von moreau | 384 Beiträge

Zitat @nostalgiker
Übrigens habe ich um diese ganze Problematik besser zu verstehen einige wirklich gute Veröffentlichungen von Betroffenen gelesen.
Erstaunlich für mich war das ich zwar im Fokus der Bobachtung stand aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen trotzdem verschont blieb.
Denn einiges was bei ihnen der Anlass für Verhaftung und Verurteilung war habe ich auch getan.

Das interressiert mich. Kannst du mal ein oder mehrere Quellen angeben.

Gruß
Moreau


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#224

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 12:48
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@moreau,

da muß ich mal in meinen Büchern wühlen und dann schicke ich Dir eine PN mit den Titeln.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#225

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 12:51
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
@Gert,

ich habe nur eine Bitte: lass es einfach.

Nostagiker



die Zeiten wo missliebige Menschen mundtot gemacht wurden in Deutschland, sind vorbei und das hoffentlich für immer. Wenn dir meine politische Einstellung nicht passt, dann diskutiere mit anderen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#226

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 13:47
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker
@Gert,

ich habe nur eine Bitte: lass es einfach.

Nostagiker



die Zeiten wo missliebige Menschen mundtot gemacht wurden in Deutschland, sind vorbei und das hoffentlich für immer. Wenn dir meine politische Einstellung nicht passt, dann diskutiere mit anderen.




Speziell für Dich Gert und von mir ganz langsam geschrieben damit es besser verstanden wird.

Deine politische Einstellung als solche interessiert mich erstmal nicht. Im Gegenteil, ich diskutiere gerne mit Menschen über ein Thema gerade wenn in die Betrachtungsweise die unterschiedlichsten Auffassungen einfließen und sich alle Beteiligten einig sind das aus der gesamten Diskussion mit den unterschiedlichsten Auffassungen Jeder neue Sichtweisen und Erfahrungen gewinnen kann. Dazu gehört auch das ich bereit bin meinen bisherigen Standpunkt kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls revidiere und den diskutierten Fakt für mich neu bewerte.
Nur dazu gehört das alle aufeinander zugehen.
Ich muß nicht alles gutheißen, ich muß nicht alles verstehen, ich muß nicht alles tolerieren aber unverlässlich ist ein gegenseitiges Respektieren unterschiedlichster Meinungen, auch wenn es schwerfällt.
Dazu muß ich allerdings einschränkend bemerken das dieses 'Respektieren' der anderen Meinung, jedenfalls bei mir, unabdingbar damit verbunden ist das ich erkenne wie umfassend sich mein "Gegenüber" mit der dsikutierten Thematik befasst hat. Hat er dies ist es für mich interessant herauszufinden wie er zu solch anderen Erkenntnissen wie ich kommt. Dadurch betreten wir die nächste Ebene, nämlich das persönliche Erfahrungen, bisherige Lebensumstände zu einer sehr unterschiedlichen Bewertung der gleichen Thematik führte.
Damit kann ich leben und ich lebe sehr gut damit.
Nur wenn ich merke das da eine ziemliche Ahnungslosigkeit zum Thema herrscht und Zusammenhänge weder erkannt werden, noch erkannt werden wollen, weil auf dem eigenen Vorurteil beharrt wird ist ein Punkt in einer Diskussion erreicht wo es keinen Sinn mehr macht weiter zu reden.

Ich habe Dich einfach gebeten zu einem Thema wo es Dir offenbar am Sachverstand fehlt nichts mehr zu sagen, ich habe Dir nicht den Mund verboten. Wenn Du sachlich fundierte Beiträge zum Thema beisteuern kannst, nur zu. Jede Meinung dazu ist interessant, wertvoll und sollte gehört werden.
Nur mal ehrlich Argumentationsketten aus dem Repertoireschatzkästchen ewig Gestriger langweilen mich ziemlich.
Das bezieht sich auf beide Seiten der übrig gebliebenen kalten Krieger, damit keine Missverständnisse aufkommen.

gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

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Text: Kurt Demmler

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#227

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 24.05.2011 23:03
von SkinnyTrucky | 1.260 Beiträge

Man muß immer betrachten warum Menschen hinter Gittern verschwanden und sie möglich garnich gleichsetzen mit notorischen Knastbrüdern......weil, das ist mir hier mal wieder auf den letzten Seiten des Freds aufgefallen......

.....vielleicht sollten das mal die Menschen beachten, die sagen, sie hätten Knastbrüder kennengelernt, die es krank machte als sie die staatlichen Einrichtungen verlassen mußten.....

...ich denke, wer solche Vergleiche tolleriert, muß auch Gerts Vergleiche mit einer anderen viel schrecklicheren Diktatur akzeptieren.....

Fakt ist doch, das sehr viele in der DDR gesessen haben, weil man das bestehende recht gebogen hat und unmöglich ausgelegt hat.....moralisch absolut verwerflich und im Einzelfall recht krankmachend.....und darum ging es hier.....

....wenn jemand was dagegen sagen will, dann meine ich, er soll den Mut haben, das den Betroffenen recht ins Gesicht sagen, das sie angeblich simulieren.....

Na wer traut sich....????? Die Täter werden wissen, mit wem se es damals zu tun gehabt haben.....und wenn nich, naja, in einschlägigen (Internet)Büchereien findet man genug Opferberichte....traut euch und sagt denen, das es ganz anders war und dat se sich nur anstellen.....

in dat Sinn

Mara


Kein Sex mit Nazis...!!!
zuletzt bearbeitet 24.05.2011 23:05 | nach oben springen

#228

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 25.05.2011 09:10
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Nostalgiker

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker
@Gert,

ich habe nur eine Bitte: lass es einfach.

Nostagiker



die Zeiten wo missliebige Menschen mundtot gemacht wurden in Deutschland, sind vorbei und das hoffentlich für immer. Wenn dir meine politische Einstellung nicht passt, dann diskutiere mit anderen.




Speziell für Dich Gert und von mir ganz langsam geschrieben damit es besser verstanden wird.

Deine politische Einstellung als solche interessiert mich erstmal nicht. Im Gegenteil, ich diskutiere gerne mit Menschen über ein Thema gerade wenn in die Betrachtungsweise die unterschiedlichsten Auffassungen einfließen und sich alle Beteiligten einig sind das aus der gesamten Diskussion mit den unterschiedlichsten Auffassungen Jeder neue Sichtweisen und Erfahrungen gewinnen kann. Dazu gehört auch das ich bereit bin meinen bisherigen Standpunkt kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls revidiere und den diskutierten Fakt für mich neu bewerte.
Nur dazu gehört das alle aufeinander zugehen.
Ich muß nicht alles gutheißen, ich muß nicht alles verstehen, ich muß nicht alles tolerieren aber unverlässlich ist ein gegenseitiges Respektieren unterschiedlichster Meinungen, auch wenn es schwerfällt.
Dazu muß ich allerdings einschränkend bemerken das dieses 'Respektieren' der anderen Meinung, jedenfalls bei mir, unabdingbar damit verbunden ist das ich erkenne wie umfassend sich mein "Gegenüber" mit der dsikutierten Thematik befasst hat. Hat er dies ist es für mich interessant herauszufinden wie er zu solch anderen Erkenntnissen wie ich kommt. Dadurch betreten wir die nächste Ebene, nämlich das persönliche Erfahrungen, bisherige Lebensumstände zu einer sehr unterschiedlichen Bewertung der gleichen Thematik führte.
Damit kann ich leben und ich lebe sehr gut damit.
Nur wenn ich merke das da eine ziemliche Ahnungslosigkeit zum Thema herrscht und Zusammenhänge weder erkannt werden, noch erkannt werden wollen, weil auf dem eigenen Vorurteil beharrt wird ist ein Punkt in einer Diskussion erreicht wo es keinen Sinn mehr macht weiter zu reden.

Ich habe Dich einfach gebeten zu einem Thema wo es Dir offenbar am Sachverstand fehlt nichts mehr zu sagen, ich habe Dir nicht den Mund verboten. Wenn Du sachlich fundierte Beiträge zum Thema beisteuern kannst, nur zu. Jede Meinung dazu ist interessant, wertvoll und sollte gehört werden.
Nur mal ehrlich Argumentationsketten aus dem Repertoireschatzkästchen ewig Gestriger langweilen mich ziemlich.
Das bezieht sich auf beide Seiten der übrig gebliebenen kalten Krieger, damit keine Missverständnisse aufkommen.

gruß
Nostalgiker





Nostalgiker du bist nicht nur vergangenheitsbezogen(Nostalgiker), ich vermute, dass du im wirklichen Leben Oberlehrer bist/warst. Jedenfalls vermittelt mir der Duktus deiner Posts dieses Gefühl.

Beste Grüße vom Rhein nach irgendwo


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#229

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 25.05.2011 09:52
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Gert,

nicht orakeln, einfach im Profil von mir nachschauen.
Dann wüßtest Du das ich einerseits einen Akademischen Grad habe und andererseits wo ich wohne.

Meine Empfehlung: lies Dir bitte mal das Motto dieses Forums durch "Wer die Vergangenheit nicht kennt , wird die Gegenwart nicht verstehen" aufmerksam durch denn wirst Du feststellen das dieses Forum "vergangenheitsbezogen" ist. Die DDR als solche ist seit 21 Jahren nur noch Geschichte, die Nachwehen dauern noch an.

Dein persönlicher 'Oberlehrer'
Nostalgiker

Ps.: Ich habe mich dafür entschieden Deine Äußerung weder als Herabsetzung meiner Person noch als persönliche Beleidigung zu sehen.
Ich bin belustigt.
Hast Du ein generelles Obrigkeitsproblem?


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#230

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 25.05.2011 19:59
von vs1 (gelöscht)
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Als ich mich damals zur Flucht entschlossen hab, wusste ich genau was auf mich zukommt wenn ich scheitere und ich hab das eben mit einkalkuliert. Wärend der Haftzeit bin ich dann in eine Art innere Emigration gegangen. Ich hab auch versucht mir keinerlei Gefühlsregungen anmerken zu lassen. Denn Gefühle machen mich angreifbar. Und so hab ich auch die Vorzeitige Haftentlassung abgelehnt weil ich dafür IM werden sollte. Und das liegt auch in meiner persönlichen Eistellung, mit Druck kann man bei mir gar nichts erreichen und mit dem Gegenteil auch nicht. Ich weiss das mir niemand etwas schenkt. Meine Loyalität basiert nur auf meinen eigenen Moralischen Grundsätzen und lässt sich nicht erkaufen. Auch wenn ich dadurch Nachteile in Kauf nehmen muss aber ich hab dann wenigstens vor mir selbst ein reines Gewissen. Für mich ist eigentlich das wichtigste, das ich im Nachhinein richtig gehandelt habe.

Andreas


@ Forenteam: ich hoffe ihr entschuldigt das OT, doch für mich gehört es mit zum thema. ich möchte gern die zusammenhänge verstehen können. (... betrifft auch meine folgenden posts.)


hallo Andreas,

sorry das ich erst jetzt antworte und danke fürs erklären!
du warst 18jahre als du fliehen wolltest, wie kamst du zu diesem entschluss und was wurde aus den zurückgelassenen?

#207, habe ich natürlich auch gelesen und falls es nicht nervt, auch einige fragen dazu.
hast du in der haft jemals deinen entschluss bereut und entstanden während dieser zeit irgendwie kontakte, zu mitgefangenen, die dir seelisch halfen?



hallo turtle,

auch dir sei gedankt für deine antwort und wenn du gestattest, hätte ich noch fragen an dich.
hattest du nicht einfach glück, einen pastor im ruhestand als nachbarn zu haben?
welche gedanken hattest du vor 2004? ... es war ja eine lange zeit vergangen.
was geschah mit dem "rest" deiner familie? ... sorry, doch ich denke mir, das man dass mit 18jahren einfach nicht beachtet.



hallo Major Tom,

nun neige ich nicht gern dazu mich zu wiederholen, daher ein nettes THX für deine antwort.
... und ja, ich wiederhole mich nochmals ... sorry, sorry, sorry!
auch du hast den "laden" recht jung verlassen, warum und war es geplant?
wann bist du denn rüber?

gruß vs

ps: könten die user der stasithematik eventuell nen eigenen fred eröffnen?
BITTE!


zuletzt bearbeitet 25.05.2011 20:09 | nach oben springen

#231

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 03:33
von Major Tom | 846 Beiträge

@vs1

Ich war Anfang 20 als ich freigekauft wurde. Noch recht jung aber der Entschluss diesen Staat zu verlassen stand seit Jahren fest. Genau an meinem 18. Geburtstag überreichte ich der Abteilung Inneres im Rat der Stadt Potsdam meinen Ausreiseantrag, welcher natürlich abgelehnt wurde. Aufgewachsen bin ich bedingt durch die leitende Tätigkeit meines Vaters bei der Defa in Babelsberg mit vielen ausländischen Freunden, welche uns regelmässig aus allen Kontinenten besuchten, ob nun Kenia, England, Hawaii, Argentinien... Ich konnte mir einfach nicht vorstellen dass ich diese Länder nie kennenlernen würde und so schlimm wie in Staatsbürgerkunde immer wieder eingetrichtert waren unsere Freunde auch nicht. Ich hatte schon immer ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und merkte sehr schnell dass in diesem Land so einiges extrem schief lief. Wie konnte es sein dass mich meine Brüder, Cousins, Onkel, Tanten, Oma regelmässig besuchen konnten aber für mich diese Welt am Bahnhof Friedrichstraße zuende ist? Warum flog ich fast von der Schule weil ich ein paar Bravos mit in den Unterricht brachte? Da gerät man schon als Jugendlicher schon ins Grübeln. Ich kam zu dem Entschluss, versuche es und wenn es nicht klappt nimm die Hände hoch. Und so kam es. Schon wenigen Tage nach meiner Festnahme lag meine Fall bei mehreren Bundesbehörden und Anwälten auf dem Tisch, so dass ich schon nach wenigen Wochen in der U-Haft vom Rechtsanwalt Vogel die Infos bekam dass ich für eine Übersiedlung in der Haftzeit vorgesehen war. Und das trotz abgelehntem Ausreiseantrag. Das Bargeld aus dem Westen für diesen Freikauf war für diesen Staat wohl zu verlockend. Und ich habe es nie bereut, beruflich konnte ich im Westen mit einem Handwerksbetrieb richtig durchstarten, konnte mir etwas aufbauen wovon man in der DDR nur träumen konnte. Vieleicht hätte ich es mal zum Maurerbrigadier gebracht, mit einer Fahrt zur Krim als Auszeichnung. Wie toll.

Gruß aus Costa Rica

Tom

PS: Warum Sorry??


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
http://www.costarica-forum.net
http://directorios-costarica.com
http://www.link-team.net
zuletzt bearbeitet 26.05.2011 03:34 | nach oben springen

#232

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 10:05
von turtle | 6.961 Beiträge

@vs1
Da ich faul bin kopiere ich Dir einfach mal alte Beiträge von mir hier mit rein. Gruß Peter

Natürlich kann ich nur meine Beweggründe für eine Republikflucht schreiben., besser gesagt wie entstand meine negative Einstellung zur DDR. Nun ich denke da muss ich beim Elternhaus anfangen ,das eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient . Ich stamme aus einen Ort bei Leipzig (inzwischen eingemeindet) wo nach dem Krieg sowj.Soldaten stationiert waren. Ständig hörte ich was die wieder geklaut hatten, oder welche Frau vergewaltigt wurde. Was vergewaltigt war wusste ich nicht es muss aber etwas schlimmes gewesen sein. In der Schule lernten wir das Lied Partisanen vom Amur. Doch mein Onkel erzählte das waren alles Verbrecher ,welche feige aus dem Hinterhalt angegriffen haben und gefangene deutsche Soldaten bevor sie erschossen wurden grausam gefoltert haben! Als im Dorf die Bauern enteignet wurden hörte ich auch nur negatives über die Kommunisten und des SED Regimes. Doch im Westen soll alles besser sein. Meine ablehnende Haltung zur DDR wurde also da bereits geprägt. Später kam ich in ein Kinderheim wo ich die Sozialistische Erziehung genießen sollte. Doch mit Zwang erreichten die das Gegenteil! Als auch noch ständig massiv auf mich eingeredet wurde ich soll Rinderzüchter werden (wir hatten eine Paten LPG)
lernte ich aus Protest Bäcker da dass der einzige Laden in dem Kaff war. Ich hatte einfach das Heim vor vollendete Tatsachen gestellt mit dem Lehrvertrag .Meine Mutter hatte mit unterschrieben somit war das Rechtskräftig. Meine Orientierung ging immer mehr in Richtung Westen!
Ich empfand immer mehr dass der Sozialismus nicht mein Ding ist. Ich hatte Sehnsucht nach der weiten Welt, Freiheit (welche ich darunter Verstand) Ich kam mir vor wie mit Maulkorb und Zwangsjacke. Paris, New York, Rom, auch Moskau, oder Samarkand das wollte ich sehen.
Doch in der DDR gab es nur eine Richtung, und das auch nicht für alle oder mit viel Glück! Mit der Mauer und den Ausbau der Grenze zur BRD sah ich die DDR nur noch als riesiges Gefängnis .Mir war immer mehr klar das ich meine Träume da nie verwirklichen kann.
Nach meiner Lehre versuchte ich daher die DDR illegal zu verlassen. Ich war aber zu blöd und wurde bereits im Sperrgebiet festgenommen. Ich wurde mit 18 Jahren zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Natürlich habe ich das nicht als gerecht empfunden! Nein meine Liebe zur DDR wurde dadurch nicht besser,. Nach der Haft wurde mir Arbeit im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk zugewiesen. Ich bekam einen Sonderausweis der mich negativ abstempelte . Reisen durfte ich mit diesem Ausweis nun noch weniger! Einmal pro Woche musste ich mich beim ABV melden. Jeder kriminelle Straftäter wurde nach der Haft besser behandelt ,wegen der Wiedereingliederung in die sozialistische Gesellschaft.! Meine Zukunft sah ich nun in der DDR noch mehr negativ. Von einem Ausreiseantrag war mir damals (1968) nichts bekannt.
Also versuchte ich erneut die Republikflucht welche mir auch gelang. Ich fuhr in Hamburg zur See ,sah die Welt und erfüllte meine Träume !
Nein bereut habe ich meine Flucht nie es ist mir auch zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen in die DDR zurückzukehren! Das war nun fast eine Lebensgeschichte doch zum besseren Verständnis wollte ich so weit ausholen. Wäre mein Elterhaus oder meine Erziehung eine andere gewesen vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen. Doch ich denke auch dann hätte ich dem System in der DDR kritisch gegenübergestanden!

Wegen meiner Familie (Mutter, Bruder, Schwester) hatte ich eigentlich wegen der Stasi nicht so viel Angst. Sie konnten sich nicht verraten da sie absolut nichts gewusst haben ,das ich wieder abhauen möchte. Und nach meinem 1.Fluchtversuch wurden sie zwar vernommen, hatten aber so weit mir bekannt ist keinen großen Ärger.

Vor 2004 hatte ich Abneigung für das System in der DDR ,mit Hass möchte ich das aber nicht gleichsetzen. So etwas wie Hass empfand ich erst nach der Einsicht in meine Stasiunterlagen. Als ich erkannte wer mir alles geschadet hat und noch schlimmer wenn es ein guter Freund war. Da waren Unwahrheiten dabei ,was ich nie getan oder gesagt hatte. Ich konnte mich ja nie vereidigen. Hauptsache die Schmierfinken hatten was auf dem Papier.

Ja sicher der Pastor als Nachbar hat mich mit beeinflusst meinen Hass abzubauen , ich denke es war auch mit die Zeit die vergangen ist und das Alter macht nicht unbedingt weiser aber abgeklärter . Durch das Auseinandersetzen mit den vermeintlichen Gegnern von einst musste ich einiges von meiner Meinung revidieren.

Zuletzt noch einmal etwas aus der Haftzeit. Hatte ich so auch schon einmal geschrieben.

. Ich möchte nichts vom Hörensagen schreiben sondern nur was ich selber erlebt habe! Ich war über 6 Monate in der U-Haft in einer Einzelzelle. Ich hatte das Urteil nicht angenommen ,ging in Berufung . Natürlich hat das nichts gebracht also war ich weiter stur und beantragte Kassation! Das wurde aber abgelehnt somit war das Urteil 18 Monate rechtskräftig. Das alles hatte mir keine Sympathie eingebracht. Bei der Urteilsverkündung sagte der Oberrichter Ich müsste dankbar sein, das mich die Sicherheitsorgane der DDR vor diesen Schritt bewahrt haben“ (Republikflucht) . Nun hätte ich aber Gelegenheit darüber nachzudenken wie ich wieder ein vollwertiges Mitglied der Sozialistischen Gesellschaft werde! Na wie schon geschrieben ich hatte eine andere Ansicht! Nun zu den von mir Erlebten. Mir wurde Tagelang Schlaf entzogen, damit ich bei den Vernehmungen für sie Brauchbares aussage! Der oder die Vernehmer waren mal allein oder zu zweit.
Wenn ich dachte Ruhe und endlich schlafen wurde ich wieder aus dem Verwahrraum gezerrt, und die Vernehmung begann von vorn.
Das macht schon müde und mürbe. Doch ich konnte nichts brauchbares sagen ,nach 3 Tagen gaben sie auf. In dem Verwahrraum wurde das Bett welches an der Wand befestigt war hochgeschlossen ,nichts mit liegen! Ein Klappbrett zum sitzen und einen Klapptisch gab es aber! Pro Tag gab es 20 oder 30 ? Min. Hofgang. . Beim Ablauf aus den Zellen( Wir mussten immer bei der Meldung Verwahrraum sagen) und auf dem Hof ging es immer schön im Kreis herum. In dem Kreis waren Markierungen mit gewissen Abständen, welche eingehalten werden mussten. So war es nicht möglich etwas zuzustecken. Reden war natürlich verboten! Pro Tag durfte ich fünf Zigarette rauchen, eigenes Feuer durfte man nicht haben und mehr als fünf mal gab es kein Feuer . Mehrmals musste ich auf Transport, (Grotewohl Express) wohin erfuhr man erst wenn man da war. Ich war 3x wegen Sturheit ,oder nicht befolgen einer Anweisung in der Arrestzelle! Dort bekam ich jeden 3.Tag warmes Essen. Gibt es noch zu erwähnen pro Monat durfte ich 20 Zeilen schreiben, wurde natürlich kontrolliert. Wenn woanders Literatur erwähnt wird, ich bekam nie welche, warum auch immer. Besuch war auch einmal im Monat mit Antrag erlaubt (30 Min) War aber Scheiße, wenn meine Mutter angereist kam, war ich manchmal schon wieder auf Tournee. Gehört habe ich von Unrecht oder Misshandlungen in der Haft doch erlebt und bestätigen kann ich nur das von mir geschriebene! Vergessen kann ich nie! Doch den ersten Stein werde ich trotzdem nicht werfen, vielleicht haben die tatsächlich gedacht sie sprechen Recht, ansonsten müssten viele Ex-Juristen der DDR heute angeklagt werden oder ihre Zulassung entzogen werden! Das mit den Unrechtsurteilen hatten wir doch schon einmal vor der DDR ! Wie viele mussten sich damals für ihre Unrechtsurteile verantworten?
Na lassen wir das! Sie haben nach den für sie gültigem Recht und Gesetz gehandelt! Ob sie wenigstens manchmal ein schlechtes Gewissen hatten?
Zum Glück habe ich es beim zweiten Versuch geschafft in die BRD zu kommen.
Das meiste hier beschriebene betraf die U-Haft.


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#233

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 19:20
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Major Tom
beruflich konnte ich im Westen mit einem Handwerksbetrieb richtig durchstarten, konnte mir etwas aufbauen wovon man in der DDR nur träumen konnte. Vieleicht hätte ich es mal zum Maurerbrigadier gebracht, mit einer Fahrt zur Krim als Auszeichnung. Wie toll.



Mal ganz davon abgesehen dass ich die Krim eigentlich immer ganz gut fand, freut es mich, dass materielle Beweggründe natürlich auch bei dieser Flucht keine Rolle spielten. Freiheit ist das einzige was zählt... *lachend singt*


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#234

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 22:47
von vs1 (gelöscht)
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Zitat von Major Tom
@vs1

Ich war Anfang 20 als ich freigekauft wurde. Noch recht jung aber der Entschluss diesen Staat zu verlassen stand seit Jahren fest. Genau an meinem 18. Geburtstag überreichte ich der Abteilung Inneres im Rat der Stadt Potsdam meinen Ausreiseantrag, welcher natürlich abgelehnt wurde. Aufgewachsen bin ich bedingt durch die leitende Tätigkeit meines Vaters bei der Defa in Babelsberg mit vielen ausländischen Freunden, welche uns regelmässig aus allen Kontinenten besuchten, ob nun Kenia, England, Hawaii, Argentinien... Ich konnte mir einfach nicht vorstellen dass ich diese Länder nie kennenlernen würde und so schlimm wie in Staatsbürgerkunde immer wieder eingetrichtert waren unsere Freunde auch nicht. Ich hatte schon immer ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und merkte sehr schnell dass in diesem Land so einiges extrem schief lief. Wie konnte es sein dass mich meine Brüder, Cousins, Onkel, Tanten, Oma regelmässig besuchen konnten aber für mich diese Welt am Bahnhof Friedrichstraße zuende ist? Warum flog ich fast von der Schule weil ich ein paar Bravos mit in den Unterricht brachte? Da gerät man schon als Jugendlicher schon ins Grübeln. Ich kam zu dem Entschluss, versuche es und wenn es nicht klappt nimm die Hände hoch. Und so kam es. Schon wenigen Tage nach meiner Festnahme lag meine Fall bei mehreren Bundesbehörden und Anwälten auf dem Tisch, so dass ich schon nach wenigen Wochen in der U-Haft vom Rechtsanwalt Vogel die Infos bekam dass ich für eine Übersiedlung in der Haftzeit vorgesehen war. Und das trotz abgelehntem Ausreiseantrag. Das Bargeld aus dem Westen für diesen Freikauf war für diesen Staat wohl zu verlockend. Und ich habe es nie bereut, beruflich konnte ich im Westen mit einem Handwerksbetrieb richtig durchstarten, konnte mir etwas aufbauen wovon man in der DDR nur träumen konnte. Vieleicht hätte ich es mal zum Maurerbrigadier gebracht, mit einer Fahrt zur Krim als Auszeichnung. Wie toll.

Gruß aus Costa Rica

Tom

PS: Warum Sorry??



hallo Tom,

zum PS: ich bin hier der einzigste der fragen stellt.

hattest du nicht angst um deine familie, oder war es dir, damals, egal?

gruß vs ... und danke für deine antwort!


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#235

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 23:13
von vs1 (gelöscht)
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Zitat von turtle
@vs1
Da ich faul bin kopiere ich Dir einfach mal alte Beiträge von mir hier mit rein. Gruß Peter

Natürlich kann ich nur meine Beweggründe für eine Republikflucht schreiben., besser gesagt wie entstand meine negative Einstellung zur DDR. Nun ich denke da muss ich beim Elternhaus anfangen ,das eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient . Ich stamme aus einen Ort bei Leipzig (inzwischen eingemeindet) wo nach dem Krieg sowj.Soldaten stationiert waren. Ständig hörte ich was die wieder geklaut hatten, oder welche Frau vergewaltigt wurde. Was vergewaltigt war wusste ich nicht es muss aber etwas schlimmes gewesen sein. In der Schule lernten wir das Lied Partisanen vom Amur. Doch mein Onkel erzählte das waren alles Verbrecher ,welche feige aus dem Hinterhalt angegriffen haben und gefangene deutsche Soldaten bevor sie erschossen wurden grausam gefoltert haben! Als im Dorf die Bauern enteignet wurden hörte ich auch nur negatives über die Kommunisten und des SED Regimes. Doch im Westen soll alles besser sein. Meine ablehnende Haltung zur DDR wurde also da bereits geprägt. Später kam ich in ein Kinderheim wo ich die Sozialistische Erziehung genießen sollte. Doch mit Zwang erreichten die das Gegenteil! Als auch noch ständig massiv auf mich eingeredet wurde ich soll Rinderzüchter werden (wir hatten eine Paten LPG)
lernte ich aus Protest Bäcker da dass der einzige Laden in dem Kaff war. Ich hatte einfach das Heim vor vollendete Tatsachen gestellt mit dem Lehrvertrag .Meine Mutter hatte mit unterschrieben somit war das Rechtskräftig. Meine Orientierung ging immer mehr in Richtung Westen!
Ich empfand immer mehr dass der Sozialismus nicht mein Ding ist. Ich hatte Sehnsucht nach der weiten Welt, Freiheit (welche ich darunter Verstand) Ich kam mir vor wie mit Maulkorb und Zwangsjacke. Paris, New York, Rom, auch Moskau, oder Samarkand das wollte ich sehen.
Doch in der DDR gab es nur eine Richtung, und das auch nicht für alle oder mit viel Glück! Mit der Mauer und den Ausbau der Grenze zur BRD sah ich die DDR nur noch als riesiges Gefängnis .Mir war immer mehr klar das ich meine Träume da nie verwirklichen kann.
Nach meiner Lehre versuchte ich daher die DDR illegal zu verlassen. Ich war aber zu blöd und wurde bereits im Sperrgebiet festgenommen. Ich wurde mit 18 Jahren zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Natürlich habe ich das nicht als gerecht empfunden! Nein meine Liebe zur DDR wurde dadurch nicht besser,. Nach der Haft wurde mir Arbeit im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk zugewiesen. Ich bekam einen Sonderausweis der mich negativ abstempelte . Reisen durfte ich mit diesem Ausweis nun noch weniger! Einmal pro Woche musste ich mich beim ABV melden. Jeder kriminelle Straftäter wurde nach der Haft besser behandelt ,wegen der Wiedereingliederung in die sozialistische Gesellschaft.! Meine Zukunft sah ich nun in der DDR noch mehr negativ. Von einem Ausreiseantrag war mir damals (1968) nichts bekannt.
Also versuchte ich erneut die Republikflucht welche mir auch gelang. Ich fuhr in Hamburg zur See ,sah die Welt und erfüllte meine Träume !
Nein bereut habe ich meine Flucht nie es ist mir auch zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen in die DDR zurückzukehren! Das war nun fast eine Lebensgeschichte doch zum besseren Verständnis wollte ich so weit ausholen. Wäre mein Elterhaus oder meine Erziehung eine andere gewesen vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen. Doch ich denke auch dann hätte ich dem System in der DDR kritisch gegenübergestanden!

Wegen meiner Familie (Mutter, Bruder, Schwester) hatte ich eigentlich wegen der Stasi nicht so viel Angst. Sie konnten sich nicht verraten da sie absolut nichts gewusst haben ,das ich wieder abhauen möchte. Und nach meinem 1.Fluchtversuch wurden sie zwar vernommen, hatten aber so weit mir bekannt ist keinen großen Ärger.

Vor 2004 hatte ich Abneigung für das System in der DDR ,mit Hass möchte ich das aber nicht gleichsetzen. So etwas wie Hass empfand ich erst nach der Einsicht in meine Stasiunterlagen. Als ich erkannte wer mir alles geschadet hat und noch schlimmer wenn es ein guter Freund war. Da waren Unwahrheiten dabei ,was ich nie getan oder gesagt hatte. Ich konnte mich ja nie vereidigen. Hauptsache die Schmierfinken hatten was auf dem Papier.

Ja sicher der Pastor als Nachbar hat mich mit beeinflusst meinen Hass abzubauen , ich denke es war auch mit die Zeit die vergangen ist und das Alter macht nicht unbedingt weiser aber abgeklärter . Durch das Auseinandersetzen mit den vermeintlichen Gegnern von einst musste ich einiges von meiner Meinung revidieren.

Zuletzt noch einmal etwas aus der Haftzeit. Hatte ich so auch schon einmal geschrieben.

. Ich möchte nichts vom Hörensagen schreiben sondern nur was ich selber erlebt habe! Ich war über 6 Monate in der U-Haft in einer Einzelzelle. Ich hatte das Urteil nicht angenommen ,ging in Berufung . Natürlich hat das nichts gebracht also war ich weiter stur und beantragte Kassation! Das wurde aber abgelehnt somit war das Urteil 18 Monate rechtskräftig. Das alles hatte mir keine Sympathie eingebracht. Bei der Urteilsverkündung sagte der Oberrichter Ich müsste dankbar sein, das mich die Sicherheitsorgane der DDR vor diesen Schritt bewahrt haben“ (Republikflucht) . Nun hätte ich aber Gelegenheit darüber nachzudenken wie ich wieder ein vollwertiges Mitglied der Sozialistischen Gesellschaft werde! Na wie schon geschrieben ich hatte eine andere Ansicht! Nun zu den von mir Erlebten. Mir wurde Tagelang Schlaf entzogen, damit ich bei den Vernehmungen für sie Brauchbares aussage! Der oder die Vernehmer waren mal allein oder zu zweit.
Wenn ich dachte Ruhe und endlich schlafen wurde ich wieder aus dem Verwahrraum gezerrt, und die Vernehmung begann von vorn.
Das macht schon müde und mürbe. Doch ich konnte nichts brauchbares sagen ,nach 3 Tagen gaben sie auf. In dem Verwahrraum wurde das Bett welches an der Wand befestigt war hochgeschlossen ,nichts mit liegen! Ein Klappbrett zum sitzen und einen Klapptisch gab es aber! Pro Tag gab es 20 oder 30 ? Min. Hofgang. . Beim Ablauf aus den Zellen( Wir mussten immer bei der Meldung Verwahrraum sagen) und auf dem Hof ging es immer schön im Kreis herum. In dem Kreis waren Markierungen mit gewissen Abständen, welche eingehalten werden mussten. So war es nicht möglich etwas zuzustecken. Reden war natürlich verboten! Pro Tag durfte ich fünf Zigarette rauchen, eigenes Feuer durfte man nicht haben und mehr als fünf mal gab es kein Feuer . Mehrmals musste ich auf Transport, (Grotewohl Express) wohin erfuhr man erst wenn man da war. Ich war 3x wegen Sturheit ,oder nicht befolgen einer Anweisung in der Arrestzelle! Dort bekam ich jeden 3.Tag warmes Essen. Gibt es noch zu erwähnen pro Monat durfte ich 20 Zeilen schreiben, wurde natürlich kontrolliert. Wenn woanders Literatur erwähnt wird, ich bekam nie welche, warum auch immer. Besuch war auch einmal im Monat mit Antrag erlaubt (30 Min) War aber Scheiße, wenn meine Mutter angereist kam, war ich manchmal schon wieder auf Tournee. Gehört habe ich von Unrecht oder Misshandlungen in der Haft doch erlebt und bestätigen kann ich nur das von mir geschriebene! Vergessen kann ich nie! Doch den ersten Stein werde ich trotzdem nicht werfen, vielleicht haben die tatsächlich gedacht sie sprechen Recht, ansonsten müssten viele Ex-Juristen der DDR heute angeklagt werden oder ihre Zulassung entzogen werden! Das mit den Unrechtsurteilen hatten wir doch schon einmal vor der DDR ! Wie viele mussten sich damals für ihre Unrechtsurteile verantworten?
Na lassen wir das! Sie haben nach den für sie gültigem Recht und Gesetz gehandelt! Ob sie wenigstens manchmal ein schlechtes Gewissen hatten?
Zum Glück habe ich es beim zweiten Versuch geschafft in die BRD zu kommen.
Das meiste hier beschriebene betraf die U-Haft.








hallo peter,

danke für deine "faulheit", hättest mir auch mit anderen worten antworten können ... suchen- finden- lesen ... oder so.
THX also an dich!

ganz offen gesagt, muss ich deine erfahrungen erst mal verdauen.
ich hab die posts von Andreas, Tom und Dir mehr als einmal gelesen und fühle mich schuldig, obwohl ich es nicht war.

gruß vs


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#236

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 23:43
von turtle | 6.961 Beiträge

Vs1 Du musst Dich nicht schuldig fühlen! Schuldig war ein Krieg der die Teilung Deutschlands brachte. Schuldig waren Unrechtsgesetze.Schuldig war der kalte Krieg zwischen den Weltmächten.


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#237

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 26.05.2011 23:55
von vs1 (gelöscht)
avatar

Zitat von turtle
Vs1 Du musst Dich nicht schuldig fühlen! Schuldig war ein Krieg der die Teilung Deutschlands brachte. Schuldig waren Unrechtsgesetze.Schuldig war der kalte Krieg zwischen den Weltmächten.



es fällt mir nicht leicht, wenn ich derartiges lese und noch gedanken dieser zeit im kopf habe!
theoretisch ist die grenze schon lange geschichte, doch wer andere gedanken hatte und nicht den mut dazu ... eben familie etc.pp. .

gruß vs


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#238

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 27.05.2011 00:53
von Major Tom | 846 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Major Tom
beruflich konnte ich im Westen mit einem Handwerksbetrieb richtig durchstarten, konnte mir etwas aufbauen wovon man in der DDR nur träumen konnte. Vieleicht hätte ich es mal zum Maurerbrigadier gebracht, mit einer Fahrt zur Krim als Auszeichnung. Wie toll.



Mal ganz davon abgesehen dass ich die Krim eigentlich immer ganz gut fand, freut es mich, dass materielle Beweggründe natürlich auch bei dieser Flucht keine Rolle spielten. Freiheit ist das einzige was zählt... *lachend singt*




Deine hasserfüllten und sich ständig wiederholenden Beiträge langweilen mich. Wie ein Mensch nach 20 Jahren noch so hassen kann. Wegen solch Betonköpfen wie dir und deinen Genossen ist die DDR im Lokus der Geschichte gelandet, schon vergessen? Den Spitzeljob verloren zu haben muss für dich ja heute noch schmerzen.

Ach übrigens: Willkommen im Kapitalismus


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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zuletzt bearbeitet 27.05.2011 04:41 | nach oben springen

#239

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 27.05.2011 00:56
von Major Tom | 846 Beiträge

Zitat von vs1


hallo Tom,

zum PS: ich bin hier der einzigste der fragen stellt.

hattest du nicht angst um deine familie, oder war es dir, damals, egal?

gruß vs ... und danke für deine antwort!




Außer meinem Vater wollten so fast alle einfach nur noch raus. Mein Onkel, welcher bei der Handelsmarine fuhr verlor kurz nach meinem Freikauf seinen Job, eine Art Sippenhaft die es außer in der DDR nur im Nationalsozialismus gab.

Gruß Tom


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#240

RE: Politische frühere DDR-Häftlinge oft krank

in Themen vom Tage 27.05.2011 12:58
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Major mit Hass liegst du falsch, warum sollte ich hassen und vor allem warum Dich? Du warst doch, nach gängiger Polemik, unterm Strich ein Unzufriedener weniger und dafür mehr in der Staatskasse. Da waren die, die blieben doch eher problematisch. Ich finde es bei Erzählungen zu den unterschiedlichsten Erscheinungsformen des ungesetzlichen Verlassens der DDR nur immer beachtenswert, wenn ganz oben als Grund die Freiheit angeführt wird und ganz unten dann doch die materiellen Motivlagen zum Vorschein kommen. Das habe ich damals oft genug gehört, denn der Spitzeljob bestand gar nicht so sehr aus spitzeln, man brachte sein Gegenüber meistens fast ganz von allein zum erzählen.

Was Du als Sippenhaft bezeichnest waren ganz einfach sicherheitspolitische Erwägungen und mit Deiner Flucht entstand halt für Deinen Onkel eine Motivlage mehr. Bevor Du dies jetzt der DDR ankreiden willst, dann überdenke erst einmal Deinen Anteil daran. Der Vergleich mit dem 3. Reich geht ja wieder ins Bodenlose. Meine Schwester musste damals bei etlichen Bewerbungen angeben, ob Sie oder Angehörige in der DDR bei staatlichen Organen oder dem MfS gedient haben und bekam nach wahrheitsgemäßer Antwort etliche Absagen. Wozu diese Fragebögen nach Angehörigen, fällt das auch unter Sippenhaft? Dann gibt's die also auch noch in der BRD, scheint fast schon allgemein eine deutsche Eigenart zu sein.

Über die Landung im Kapitalismus mach Dir mal keine Sorgen. Dank erheblich reduzierter Wochenarbeitszeit, ohne Nacht- und Wochenenddiensten, bei gleichzeitig extrem gestiegenen Einkommen, fiel diese außerordentlich weich aus. Sicher weitaus weicher als bei vielen die damals auf der Straße standen und nach diesem System gierten, es sei ihnen gegönnt.

Wie gesagt Hass gegen Dich oder andere hier liegt mir fern, ich fand es sogar außerordentlich interessant dass jemand direkt mit 18 ein ÜSE stellt. War bei uns auf dem "Land" so nicht üblich.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 27.05.2011 13:07 | nach oben springen



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