#341

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:26
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #340
für manche Grenzoffiziere muß die Grenzöffnung
ein Versehen gewesen sein,das kann ich verstehen,
keiner gibt ihnen Bescheid,und es kommen immer mehr
Menschen an den Grenzübergangsstellen,
hat man nicht die Aufmüpfigsten zuerst passieren lassen?,
und was sollte der Ausreisestempel auf dem Passbild?,
um ihre Rückkehr zu erschweren?,
dachten die Grenzoffiziere,das die Grenze wieder geschlossen wird?
Lutze

Hallo Lutze,

die Abstempelung der Passbilder, mit denen der Personalausweis quasi ungültig gemacht wurde, was einer ständigen Ausreise aus der DDR gleichkam, war die erste sogenannte "Ventillösung". Diese wurde in Abstimmung mit dem verantwortlichen Diensthabenden für die Passkontrolleinheiten (PKE) im Ministerium für Staatssicherheit durch die Offiziere der PKE kurzzeitig angewendet. Was die Leute dachten, musst Du sie fragen. Ich denke, in dieser chaotischen Situation war jeder an der Bornholmer Straße froh, dass überhaupt eine Entscheidung "von oben" kam.

Was die Grenzer gedacht haben? Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe von dem ganzen Zinnober erst am Morgen des 10.11. erfahren, war ja auch zu dem Zeitpunkt kein aktiver Grenzoffizier, sondern Offiziershörer an der Militärpolitischen Hochschule.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#342

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:30
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #340
für manche Grenzoffiziere muß die Grenzöffnung
ein Versehen gewesen sein,das kann ich verstehen,
keiner gibt ihnen Bescheid,und es kommen immer mehr
Menschen an den Grenzübergangsstellen,
hat man nicht die Aufmüpfigsten zuerst passieren lassen?,
und was sollte der Ausreisestempel auf dem Passbild?,
um ihre Rückkehr zu erschweren?,
dachten die Grenzoffiziere,das die Grenze wieder geschlossen wird?
Lutze


Krenz schreibt dazu in seinen Memoiren:

"Die Grenzöffnung soll am Morgen des 10. November erfolgen. Für diesen Zeitpunkt sind die Befehle für die Grenztruppen, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei vorbereitet."

Wenn das so gewesen ist, warum hat dann OSL Jäger von der GüST Bornholmer Straße auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten in der Nacht vom 9. zum 10. keine entsprechende Antwort bekommen. Statt dessen ist erst mal, wie @Lutze schon andeutete, die "Ventillösung" befohlen worden.

Wo sind diese Befehle heute? Die müssten doch im Nachlass zu finden sein. Mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon mal veröffentlicht wurde.

Ich habe das Gefühl irgendwo in dieser Geschichte ist der Wurm drin.

Gruß Kalubke



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zuletzt bearbeitet 23.05.2014 20:34 | nach oben springen

#343

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:34
von Gelöschtes Mitglied
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Ja,@Lutze, einige dachten so und hatten gehofft es ist alles nur eine Eintagsfliege!War aber nicht so und das war für einige das Ende mit der Überzeugung, warum sie da stehen und die Grenze schützen! Was wurde ihnen Jahre lang auf Parteiversammlungen und Polit eingetrichtert und plötzlich das! Das kann doch nicht sein, so hat uns das ja keiner gesagt, wer rüber will, das sind Feinde der DDR und auf einmal stehen die halben DDR-Bürger vor ihrer Grenztür, was alles Feinde und nun? Erst mal paar durch lassen und dann weiter sehen, wir sind die Staatsmacht! Kannten es ja nicht anders, wo her auch! Aber zum Glück war der Führungsstab genau so hilflos wie sie und da haben eben ein paar die etwas mehr Grips im Kopf hatten, richtig gehandelt und die Kaschi im im Raum gelassen und sie bekamen den Dank mit Küsschen und Blümchen ! Was konnte ihnen besseres passieren! Die andere Variante hätte nur einigen den Kopf gekostet und das im wahrsten Sinne des Wortes!
Grüsse steffen52


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#344

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:36
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #324
Zitat von Rainman2 im Beitrag #323
Zitat von linamax im Beitrag #319
...
Hallo
Sind wir doch froh das er unfähig war .

Hallo linamax,

das kannst Du gerne so sehen. Es ging hier aber nicht drum, dass die Grenze geöffnet wurde, was sowieso in diesen Tagen passiert wäre. Es ging darum, welche Gefahr von der Art, wie sie geöffnet wurde ausging. Und da kann ich, ehrlich gesagt nicht froh sein.

ciao Rainman

Hallo Rainman2
Ich war sehr froh das es so gekommen ist .
Gruß linamax


Wäre es denn sooo viel schlimmer gewesen, wenn die Grenze nach offizieller Medieninformation erst am folgenden Vormittag geöffnet wurde ?



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#345

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:44
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #344
Zitat von linamax im Beitrag #324
Zitat von Rainman2 im Beitrag #323
Zitat von linamax im Beitrag #319
...
Hallo
Sind wir doch froh das er unfähig war .

Hallo linamax,

das kannst Du gerne so sehen. Es ging hier aber nicht drum, dass die Grenze geöffnet wurde, was sowieso in diesen Tagen passiert wäre. Es ging darum, welche Gefahr von der Art, wie sie geöffnet wurde ausging. Und da kann ich, ehrlich gesagt nicht froh sein.

ciao Rainman

Hallo Rainman2
Ich war sehr froh das es so gekommen ist .
Gruß linamax


Wäre es denn sooo viel schlimmer gewesen, wenn die Grenze nach offizieller Medieninformation erst am folgenden Vormittag geöffnet wurde ?


Wäre nicht schlimm gewesen, aber das der Trubel wäre der gleiche gewesen, nur die Offiziere an den Übergängen hätten etwas mehr gewusst! Aber gepasst hätte es ihnen genau so wenig wie den Stunden davor! Was nicht sein kann, das kann nicht sein, hatten es nicht anders gelernt bekommen! Immer schön so gemacht wie die 3 Affen, nichts sehen ,nichts hören, nicht sagen! Nur die Partei hatte recht, aber diesmal leider nicht!
Grüsse steffen52


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#346

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 20:52
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #342
Zitat von Lutze im Beitrag #340
für manche Grenzoffiziere muß die Grenzöffnung
ein Versehen gewesen sein,das kann ich verstehen,
keiner gibt ihnen Bescheid,und es kommen immer mehr
Menschen an den Grenzübergangsstellen,
hat man nicht die Aufmüpfigsten zuerst passieren lassen?,
und was sollte der Ausreisestempel auf dem Passbild?,
um ihre Rückkehr zu erschweren?,
dachten die Grenzoffiziere,das die Grenze wieder geschlossen wird?
Lutze


Krenz schreibt dazu in seinen Memoiren:

"Die Grenzöffnung soll am Morgen des 10. November erfolgen. Für diesen Zeitpunkt sind die Befehle für die Grenztruppen, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei vorbereitet."

Wenn das so gewesen ist, warum hat dann OSL Jäger von der GüST Bornholmer Straße auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten in der Nacht vom 9. zum 10. keine entsprechende Antwort bekommen. Statt dessen ist erst mal, wie @Lutze schon andeutete, die "Ventillösung" befohlen worden.

Wo sind diese Befehle heute? Die müssten doch im Nachlass zu finden sein. Mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon mal veröffentlicht wurde.

Ich habe das Gefühl irgendwo in dieser Geschichte ist der Wurm drin.

Gruß Kalubke

Krenz schreibt nach meinem Kenntnisstand die Unwahrheit. Lediglich das Ministerium des Inneren sollte auf den Ansturm auf die Pass- und Meldeämter vorbereitet werden. Der Führungsstab der NVA mit dem Chef Grenztruppen dabei saß zur Zeit der Pressekonferenz und der ersten Entwicklung der Lage im Auto auf der Fahrt nach Straußberg. Dort erst erfuhr man von der Lageentwicklung. Es gab zu der Zeit keine Befehle an den Verteidigungsminister oder an den Chef Grenztruppen. Wozu auch? Die Grenze sollte nicht in dem Sinne geöffnet werden, wie es dann geschah, sondern man ging davon aus, dass die Leute mit einem Pass und einem Visum an die Grenzübergangsstellen kämen. Das Dienstregime der Grenztruppen hätte sich durch die Regelung zunächst nicht grundlegend geändert. So der Plan.

Erst am Morgen des 10.11., um 06:00 Uhr, erhielt Fritz Strelitz, Chef des Hauptstabes der NVA und Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, die Weisung, eine operative Arbeitsgruppe zu bilden. Schalck-Golodkowski schilderte Krenz in der Nacht vom 09. zum 10.11. als "sichtlich verstört". Befehle ... nein, da werden keine gefunden und die mir bekannten Augenzeugen haben auch keine erhalten. Mumpitz.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 23.05.2014 20:56 | nach oben springen

#347

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:01
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #345
Zitat von DoreHolm im Beitrag #344
Zitat von linamax im Beitrag #324
Zitat von Rainman2 im Beitrag #323
Zitat von linamax im Beitrag #319
...
Hallo
Sind wir doch froh das er unfähig war .

Hallo linamax,

das kannst Du gerne so sehen. Es ging hier aber nicht drum, dass die Grenze geöffnet wurde, was sowieso in diesen Tagen passiert wäre. Es ging darum, welche Gefahr von der Art, wie sie geöffnet wurde ausging. Und da kann ich, ehrlich gesagt nicht froh sein.

ciao Rainman

Hallo Rainman2
Ich war sehr froh das es so gekommen ist .
Gruß linamax


Wäre es denn sooo viel schlimmer gewesen, wenn die Grenze nach offizieller Medieninformation erst am folgenden Vormittag geöffnet wurde ?


Wäre nicht schlimm gewesen, aber das der Trubel wäre der gleiche gewesen, nur die Offiziere an den Übergängen hätten etwas mehr gewusst! Aber gepasst hätte es ihnen genau so wenig wie den Stunden davor! Was nicht sein kann, das kann nicht sein, hatten es nicht anders gelernt bekommen! Immer schön so gemacht wie die 3 Affen, nichts sehen ,nichts hören, nicht sagen! Nur die Partei hatte recht, aber diesmal leider nicht!
Grüsse steffen52


Grün: Klar wäre der Trubel annähern der Gleiche gewesen. Manche wären spontan vom Arbeitsplatz weggerannt und hätten sich in ihren Trabi gesetzt. Aber darum ging es nur sekundär. Klar auch, daß viele Offiziere die Welt auch am 10.09. nicht mehr verstanden hätten, oder noch später. Aber der Ansturm hätte sie nicht überrascht, alle hätten ganz klar gewußt, was zu tun ist, also Schlagbaum hoch und meinetwegen auch Stempel in den PA, aber auf jeden Fall Magazin raus aus den Waffen und diese in die hinterste Ecke verstaut.

Nachtrag: Ich bin auch der Meinung, die Masse der DDR-Bürger hätte sich auch auf die von rainman2 dargelgte Variante eingelassen und wäre damit zufrieden gewesen, wenn ohne Vorbedingungen sofort Pässe ausgestellt werden und die Reise zu Tante Trudchen oder den nächsten Supermarkt losgehen konnte. Man hätte es ja nicht gekannt, die Variante, so wie es gekommen ist. Habe heute noch die Bilder von den langen Schlangen an den provisorischen Passausgaben vor Augen (meinen hatte ich schon Tage vor dem 9.11. über den Kulturbung gehabt für Tauschbörsen in CSSR).



zuletzt bearbeitet 23.05.2014 21:07 | nach oben springen

#348

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:12
von eisenringtheo | 9.183 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #342
(...)

Krenz schreibt dazu in seinen Memoiren:

"Die Grenzöffnung soll am Morgen des 10. November erfolgen. Für diesen Zeitpunkt sind die Befehle für die Grenztruppen, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei vorbereitet."

Wenn das so gewesen ist, warum hat dann OSL Jäger von der GüST Bornholmer Straße auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten in der Nacht vom 9. zum 10. keine entsprechende Antwort bekommen. Statt dessen ist erst mal, wie @Lutze schon andeutete, die "Ventillösung" befohlen worden.
(...)
Gruß Kalubke


Das schreibt Krenz. Aber das muss nicht stimmen. Liest man den Entwurf der neuen Reiseverordnung, genügt eine Dienstanweisung an die Bewilligungsbehörden, in welchen die genauen Voraussetzungen enthalten sind, ob und in welchen Zeitrahmen Reisen effektiv bewilligt werden. Diese können durchaus auch erst am 10. November 1989 oder noch später ausgearbeitet werden. Für die Angestellten "an der Front" hätte sich - abgehen von viel Überstunden -nichts geändert :
Volkspolizei: Entgegennahme von Anträge, Ausgabe von Reisepässen und Visa bei genehmigten Reisen;
PKE: Kontrolle der Identität der Reisenden und ihrer Grenzübertrittspapiere;
Zoll: Verhinderung von Schmuggel auch wie bisher,
Alle diese Angestellten hätten gar keine neuen Befehle benötigt.
http://files.homepagemodules.de/b150225/...11p356366n4.png
Privatreisen werden "kurzfristig" erteilt, Genehmigungen für ständige Ausreisen sogar "unverzüglich". Wenn man bedenkt, dass solche Zeitbegriffe dehnbar sind und die Verwaltung nur im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten tätig werden kann, muss jedem klar werden, dass ständige Ausreisen nur in kleiner Zahl und über einen längeren Zeitraum erfolgt wären ("unverzüglich") und Anträge auf Privatreisen erst später behandelt worden wären (nicht "unverzüglich", sondern nur "kurzfristig").
Theo


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#349

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:14
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #346
Zitat von Kalubke im Beitrag #342
Zitat von Lutze im Beitrag #340
für manche Grenzoffiziere muß die Grenzöffnung
ein Versehen gewesen sein,das kann ich verstehen,
keiner gibt ihnen Bescheid,und es kommen immer mehr
Menschen an den Grenzübergangsstellen,
hat man nicht die Aufmüpfigsten zuerst passieren lassen?,
und was sollte der Ausreisestempel auf dem Passbild?,
um ihre Rückkehr zu erschweren?,
dachten die Grenzoffiziere,das die Grenze wieder geschlossen wird?
Lutze


Krenz schreibt dazu in seinen Memoiren:

"Die Grenzöffnung soll am Morgen des 10. November erfolgen. Für diesen Zeitpunkt sind die Befehle für die Grenztruppen, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei vorbereitet."

Wenn das so gewesen ist, warum hat dann OSL Jäger von der GüST Bornholmer Straße auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten in der Nacht vom 9. zum 10. keine entsprechende Antwort bekommen. Statt dessen ist erst mal, wie @Lutze schon andeutete, die "Ventillösung" befohlen worden.

Wo sind diese Befehle heute? Die müssten doch im Nachlass zu finden sein. Mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon mal veröffentlicht wurde.

Ich habe das Gefühl irgendwo in dieser Geschichte ist der Wurm drin.

Gruß Kalubke

Krenz schreibt nach meinem Kenntnisstand die Unwahrheit. Lediglich das Ministerium des Inneren sollte auf den Ansturm auf die Pass- und Meldeämter vorbereitet werden. Der Führungsstab der NVA mit dem Chef Grenztruppen dabei saß zur Zeit der Pressekonferenz und der ersten Entwicklung der Lage im Auto auf der Fahrt nach Straußberg. Dort erst erfuhr man von der Lageentwicklung. Es gab zu der Zeit keine Befehle an den Verteidigungsminister oder an den Chef Grenztruppen. Wozu auch? Die Grenze sollte nicht in dem Sinne geöffnet werden, wie es dann geschah, sondern man ging davon aus, dass die Leute mit einem Pass und einem Visum an die Grenzübergangsstellen kämen. Das Dienstregime der Grenztruppen hätte sich durch die Regelung zunächst nicht grundlegend geändert. So der Plan.

Erst am Morgen des 10.11., um 06:00 Uhr, erhielt Fritz Strelitz, Chef des Hauptstabes der NVA und Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, die Weisung, eine operative Arbeitsgruppe zu bilden. Schalck-Golodkowski schilderte Krenz in der Nacht vom 09. zum 10.11. als "sichtlich verstört". Befehle ... nein, da werden keine gefunden und die mir bekannten Augenzeugen haben auch keine erhalten. Mumpitz.

ciao Rainman


...also doch dann eher Krenz als "master of desaster".

Vieleicht hat er Schabowski auch schon einen ausgegeben, dafür, dass er den Deppen spielen musste.

Gruß Kalubke



Ostlandritter hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.05.2014 08:49 | nach oben springen

#350

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:22
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #347
Zitat von steffen52 im Beitrag #345
Zitat von DoreHolm im Beitrag #344
Zitat von linamax im Beitrag #324
Zitat von Rainman2 im Beitrag #323
Zitat von linamax im Beitrag #319
...
Hallo
Sind wir doch froh das er unfähig war .

Hallo linamax,

das kannst Du gerne so sehen. Es ging hier aber nicht drum, dass die Grenze geöffnet wurde, was sowieso in diesen Tagen passiert wäre. Es ging darum, welche Gefahr von der Art, wie sie geöffnet wurde ausging. Und da kann ich, ehrlich gesagt nicht froh sein.

ciao Rainman

Hallo Rainman2
Ich war sehr froh das es so gekommen ist .
Gruß linamax


Wäre es denn sooo viel schlimmer gewesen, wenn die Grenze nach offizieller Medieninformation erst am folgenden Vormittag geöffnet wurde ?


Wäre nicht schlimm gewesen, aber das der Trubel wäre der gleiche gewesen, nur die Offiziere an den Übergängen hätten etwas mehr gewusst! Aber gepasst hätte es ihnen genau so wenig wie den Stunden davor! Was nicht sein kann, das kann nicht sein, hatten es nicht anders gelernt bekommen! Immer schön so gemacht wie die 3 Affen, nichts sehen ,nichts hören, nicht sagen! Nur die Partei hatte recht, aber diesmal leider nicht!
Grüsse steffen52


Grün: Klar wäre der Trubel annähern der Gleiche gewesen. Manche wären spontan vom Arbeitsplatz weggerannt und hätten sich in ihren Trabi gesetzt. Aber darum ging es nur sekundär. Klar auch, daß viele Offiziere die Welt auch am 10.09. nicht mehr verstanden hätten, oder noch später. Aber der Ansturm hätte sie nicht überrascht, alle hätten ganz klar gewußt, was zu tun ist, also Schlagbaum hoch und meinetwegen auch Stempel in den PA, aber auf jeden Fall Magazin raus aus den Waffen und diese in die hinterste Ecke verstaut.

Nachtrag: Ich bin auch der Meinung, die Masse der DDR-Bürger hätte sich auch auf die von rainman2 dargelgte Variante eingelassen und wäre damit zufrieden gewesen, wenn ohne Vorbedingungen sofort Pässe ausgestellt werden und die Reise zu Tante Trudchen oder den nächsten Supermarkt losgehen konnte. Man hätte es ja nicht gekannt, die Variante, so wie es gekommen ist. Habe heute noch die Bilder von den langen Schlangen an den provisorischen Passausgaben vor Augen (meinen hatte ich schon Tage vor dem 9.11. über den Kulturbung gehabt für Tauschbörsen in CSSR).

@DoreHolm, Frank, haben sie ja auch ohne Anweisung von oben gemacht, das Magazin aus der MPI genommen und den Lauf der Dinge einfach eben laufen lassen ohne Schaden ihrer Person oder Anderen! Ist doch zu begrüssen oder liege ich da falsch? Was wäre passiert wen einer geschossen hätte? Glaube kaum das da alle wie die Hühner davon gelaufen wären! Man hätte bei der Masse von Leuten nur ein paar erwischen können, der Rest hätte sie, ich möchte nicht in Einzelheiten gehen, aber wer mit denkt,der weiß was ich meine! Das wollte keiner, auch nicht die Genossen vom MfS! Es hängt doch jeder etwas an seinen Leben, auch der Überzeugte!!
Grüsse steffen52


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#351

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:22
von Ostlandritter | 2.453 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #349
Zitat von Rainman2 im Beitrag #346
Zitat von Kalubke im Beitrag #342
Zitat von Lutze im Beitrag #340
für manche Grenzoffiziere muß die Grenzöffnung
ein Versehen gewesen sein,das kann ich verstehen,
keiner gibt ihnen Bescheid,und es kommen immer mehr
Menschen an den Grenzübergangsstellen,
hat man nicht die Aufmüpfigsten zuerst passieren lassen?,
und was sollte der Ausreisestempel auf dem Passbild?,
um ihre Rückkehr zu erschweren?,
dachten die Grenzoffiziere,das die Grenze wieder geschlossen wird?
Lutze


Krenz schreibt dazu in seinen Memoiren:

"Die Grenzöffnung soll am Morgen des 10. November erfolgen. Für diesen Zeitpunkt sind die Befehle für die Grenztruppen, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei vorbereitet."

Wenn das so gewesen ist, warum hat dann OSL Jäger von der GüST Bornholmer Straße auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten in der Nacht vom 9. zum 10. keine entsprechende Antwort bekommen. Statt dessen ist erst mal, wie @Lutze schon andeutete, die "Ventillösung" befohlen worden.

Wo sind diese Befehle heute? Die müssten doch im Nachlass zu finden sein. Mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon mal veröffentlicht wurde.

Ich habe das Gefühl irgendwo in dieser Geschichte ist der Wurm drin.

Gruß Kalubke

Krenz schreibt nach meinem Kenntnisstand die Unwahrheit. Lediglich das Ministerium des Inneren sollte auf den Ansturm auf die Pass- und Meldeämter vorbereitet werden. Der Führungsstab der NVA mit dem Chef Grenztruppen dabei saß zur Zeit der Pressekonferenz und der ersten Entwicklung der Lage im Auto auf der Fahrt nach Straußberg. Dort erst erfuhr man von der Lageentwicklung. Es gab zu der Zeit keine Befehle an den Verteidigungsminister oder an den Chef Grenztruppen. Wozu auch? Die Grenze sollte nicht in dem Sinne geöffnet werden, wie es dann geschah, sondern man ging davon aus, dass die Leute mit einem Pass und einem Visum an die Grenzübergangsstellen kämen. Das Dienstregime der Grenztruppen hätte sich durch die Regelung zunächst nicht grundlegend geändert. So der Plan.

Erst am Morgen des 10.11., um 06:00 Uhr, erhielt Fritz Strelitz, Chef des Hauptstabes der NVA und Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, die Weisung, eine operative Arbeitsgruppe zu bilden. Schalck-Golodkowski schilderte Krenz in der Nacht vom 09. zum 10.11. als "sichtlich verstört". Befehle ... nein, da werden keine gefunden und die mir bekannten Augenzeugen haben auch keine erhalten. Mumpitz.

ciao Rainman


...also doch dann eher Krenz als "master of disaster".

Vieleicht hat er Schabowski auch schon einen ausgegeben, dafür, dass er den Deppen spielen musste.

Gruß Kalubke


O.T. : Oder beide lagen an dem Abend besoffen bei Harry unterm Tisch.....

Nee ,- im Ernst : Es gibt nichts Schlimmeres und Verlogeneres als Memoiren und Erinnerungen von Politikern ,-
da halte ich mich lieber an die Realitäten ,- die ihr vor Ort und ich mit offenem Mund vorm TV erleben durften


....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
Hapedi und Kalubke haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#352

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:31
von Kalubke | 2.301 Beiträge

...lagen an dem Abend besoffen bei Harry unterm Tisch..... der ist gut

da fällt mir auch einer ein:

Steht eines Tages eine Horde Kannibalen vorm Politbüro. "Was wollt ihr?", fragen die vom Einlassdienst. "Mittag!"

Gruß Kalubke



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#353

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 21:47
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo Kalubke,

Krenz als Master of Desaster ...

Ich staune immer wieder, wie wenig das Konzept der Verantwortung gilt. Für die Pressekonferenz war Schabowski verantwortlich. Er war nicht zuständig, nicht per fernem Zuruf hingebeten - er war Verantwortlich!

Er hat Ordnung in seine Materialien zu bringen, hat entsprechend informiert zu sein und muss, wenn etwas schief geht auch den Kopf hinhalten. Oder verstehe ich gerade das Prinzip der Verantwortung falsch?

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#354

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:11
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Mensch @rainman2,

das war mit Augenzwinkern gemeint, sollte doch wohl möglich sein ein viertel Jahrhundert später, oder? Mit einem kleinen Seitenhieb auf die allgemeinen menschlichen Schwächen, die auch ein Egon Krenz hatte. In seinen Memoiren mit dem Unschuldsgesicht eines Neugeborenen zu erzählen, dass der Apparat da alles im Griff hatte ist ja auch nicht die feine englische, oder?

Den Hut muss man wirklich vor OSL Jäger und seiner Truppe ziehen, die cool blieben, als sich der halbe Prenzlberg vor seiner Wachbude versammelt hatte und sie völlig auf sich allein gestellt waren. Das ist Zivilcourage und zwar vom höchsten Level !!!!


Gruß Kalubke



Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.05.2014 22:12 | nach oben springen

#355

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:12
von Harzwanderer | 2.933 Beiträge

Aber den Leuten die Pässe ungültig stempeln. Herzensgut bis zum Ende.
Schön, dass Keiner durchgedreht ist. Aber Lobhudeln muss man auch nicht.


zuletzt bearbeitet 23.05.2014 22:13 | nach oben springen

#356

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:16
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #355
Aber den Leuten die Pässe ungültig stempeln. Herzensgut bis zum Ende.

Schön, das Keiner durchgedreht ist. Aber Lobhudeln muss man auch nicht.


Nein, das ist Jin/Jang: im Guten ist immer auch ein wenig Schlechtes und im Schlechten ein wenig Gutes.

Gruß Kalubke



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#357

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:16
von damals wars | 12.204 Beiträge

Angesichts der Tatsache, das für die Krenztruppen keine Befehle vorlagen, haben die Todesschützen doch umsichtig gehandelt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#358

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:19
von Harzwanderer | 2.933 Beiträge

Oder: Die PKE haben ihre Zugehörigkeit zum MfS nochmal gezeigt.


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#359

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:21
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wer auch immer für die chaotische Maueröffnung verantwortlich war..die Grenzer blieben "cool" und ruhig..auch wenn viele mit offenem Mund da standen.Kein Wunder..denn das war ja schon schwer zu kapieren was das gerade passierte.



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#360

RE: Die Maueröffnung bleibt ein Versehen der SED

in Das Ende der DDR 23.05.2014 22:29
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #353
Hallo Kalubke,

Krenz als Master of Desaster ...

Ich staune immer wieder, wie wenig das Konzept der Verantwortung gilt. Für die Pressekonferenz war Schabowski verantwortlich. Er war nicht zuständig, nicht per fernem Zuruf hingebeten - er war Verantwortlich!

Er hat Ordnung in seine Materialien zu bringen, hat entsprechend informiert zu sein und muss, wenn etwas schief geht auch den Kopf hinhalten. Oder verstehe ich gerade das Prinzip der Verantwortung falsch?

Ciao Rainman

Es gab keine Ordnung mehr in dem System, egal wo auch! Es war vorbei, das wussten auch die noch (Regierung) , ob wahr haben oder auch nicht! Einfach der Satz: Am Ende Punkt und Aus!
Grüsse steffen52


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