#1

Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 04.05.2011 22:09
von Hans55 | 762 Beiträge

Hallo,zusammen! Heute vor 33Jahren wurde ich zu den Grenztruppen der DDR eingezogen! Die6.Monate Grundausbildung in Oranienburg waren ja wahrlich kein Zuckerschlecken! Die Begrüßung später in der Grenzkompanie war ja auch"herzzereissent" (Bohnerkeule, Schrubber,usw). Der Spieß frug"Wer hat Fahrerlaubnis Klasse.5?" Alle die sich meldeten kamen mit Eimer und Wischlappen wieder! Aber trotz alldem hatten wir auch schöne Zeiten bei dem Verein. Am meisten erinnere ich mich an die hervorragende Kameradschaft,ich hatte wirklich klasse Kameraden! Ich hatte später 2x Reservistenwehrdienst bei der NVA,aber diese Kameradschaft gab es dort nicht!(ehemalige NVAer,nicht meckern)! Heute ,nach so langer Zeit fragt man sich,was sollte das alles? Gruß Hans


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#2

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 04.05.2011 23:03
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Hans55
Hallo,zusammen! Heute vor 33Jahren wurde ich zu den Grenztruppen der DDR eingezogen! Die6.Monate Grundausbildung in Oranienburg waren ja wahrlich kein Zuckerschlecken! Die Begrüßung später in der Grenzkompanie war ja auch"herzzereissent" (Bohnerkeule, Schrubber,usw). Der Spieß frug"Wer hat Fahrerlaubnis Klasse.5?" Alle die sich meldeten kamen mit Eimer und Wischlappen wieder! Aber trotz alldem hatten wir auch schöne Zeiten bei dem Verein. Am meisten erinnere ich mich an die hervorragende Kameradschaft,ich hatte wirklich klasse Kameraden! Ich hatte später 2x Reservistenwehrdienst bei der NVA,aber diese Kameradschaft gab es dort nicht!(ehemalige NVAer,nicht meckern)! Heute ,nach so langer Zeit fragt man sich,was sollte das alles? Gruß Hans



Ja interessante Frage.Aber wie beantwortet man sie?Ein Grundwehrdienstleistender sagt sich,ich habe meinen Dienst 18 Monate runter gerissen und damit war die Sache für mich gelaufen und das zivile Leben ging weiter. Aber wie beantworten Berufssoldaten diese Frage?Es war ihr Beruf,ihre Exzistens und dann plötzlich von heute auf morgen das Aus.An was sie glaubten war mit einen mal nicht mehr wahr,allein gelassen von der politischen Führung eines Staates an dem sie glaubten und dann ins kalte Wasser geworfen. Ich glaube das war für die meisten eine harte Zeit. Gruß Rostocker


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#3

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 04.05.2011 23:21
von S51 | 3.733 Beiträge

Da sind so viele Antworten möglich:
Für den Weltfrieden natürlich (Grundstellung bitte!!!), auf dass der Bäume Blätter immer noch rauschen und die Kinnings weiter spielen. Auch wenn das Spiel nur "Mussa nach laden" heißt und wohl immer ewiglich heißen wird.
Für uns selber nicht zuletzt. als Erinnerung an eine manchmal schöne, nicht selten grundlangweilige und mitunter stressige Zeit. Die an sich so normal verlief, dass die ungeschönte Erinnerung daran heute schon fast unanständig ist, weil man sich dann eingestehen muss, an all die hehren Gründe und Anlässe genausowenig gedacht zu haben wie an Risiken für sich und andere. Mehr so an den ungehinderten Nachschub von Feuersteinen, Hasserödern, Pil(s)zen und ähnlich tiefgründigem.
An das ulkige Gefühl, wenn man nach vielen Jahren an einem Platz steht, wo sich vielleicht früher mal ein Schicksal entschieden hat, vielleicht sogar viele Schicksale und nun so gar kein Hahn auch nur ein Bischen nach kräht. Wenn man über groß gewordene Bäume schaut und sich fragt, warum das nun so alles bedeutungslos geworden ist. Wie das sein kann. Sich klar wird, dass man wie alles andere nur ein Sandkorn der Geschichte war und ist. Das irgendwann untergeht wie die Ereignisse da und dort. Einfach so.
Für das mitunter sogar merkwürdig angenehm prickelnde Gefühl, dass kommt, wenn einen die Leute fragen, ob man denn nun ... hätte oder lieber ein freiheitlich demokratischer Grundheld geworden wäre und man dann antwortet: Ja natürlich. Es war meine Überzeugung! Und sie dann je nach Gusto wie vor einem Wehrwolf erschauern, vor Entrüstung nach Luft ziehen oder einfach nur nicken. Doch so Normale sind selten.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#4

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 08:10
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Super Beschreibung, wirklich sehr gut gemacht. Auch und gerade der letzte Absatz. Respekt!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#5

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 09:13
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Super Beschreibung, wirklich sehr gut gemacht. Auch und gerade der letzte Absatz. Respekt!




Er schreibt: Ja natürlich. Es war meine Überzeugung!
Das heißt nicht das sie es immer noch ist !!
Bei Dir dürfte das allerdings klarer sein


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#6

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 10:07
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Peter um die Überzeugung, egal ob heute oder damals, ging es mir nicht. Allein um die ehrliche Antwort und die gelungene Beschreibung der Reaktionen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#7

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 10:52
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich mag auch ehrliche Antworten und habe immer Achtung vor denen gehabt welche zu dem stehen was ihre Überzeugung ist oder war.
Konnte mir einen kleinen Seitenhieb einfach nicht verkneifen. Würde mit Dir trotzdem ein Bier trinken. Reden kann man auch wenn nicht alles im Gleichklang ist.


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#8

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 14:44
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Rostocker

Zitat von Hans55
Hallo,zusammen! Heute vor 33Jahren wurde ich zu den Grenztruppen der DDR eingezogen! Die6.Monate Grundausbildung in Oranienburg waren ja wahrlich kein Zuckerschlecken! Die Begrüßung später in der Grenzkompanie war ja auch"herzzereissent" (Bohnerkeule, Schrubber,usw). Der Spieß frug"Wer hat Fahrerlaubnis Klasse.5?" Alle die sich meldeten kamen mit Eimer und Wischlappen wieder! Aber trotz alldem hatten wir auch schöne Zeiten bei dem Verein. Am meisten erinnere ich mich an die hervorragende Kameradschaft,ich hatte wirklich klasse Kameraden! Ich hatte später 2x Reservistenwehrdienst bei der NVA,aber diese Kameradschaft gab es dort nicht!(ehemalige NVAer,nicht meckern)! Heute ,nach so langer Zeit fragt man sich,was sollte das alles? Gruß Hans



Ja interessante Frage.Aber wie beantwortet man sie?Ein Grundwehrdienstleistender sagt sich,ich habe meinen Dienst 18 Monate runter gerissen und damit war die Sache für mich gelaufen und das zivile Leben ging weiter. Aber wie beantworten Berufssoldaten diese Frage?Es war ihr Beruf,ihre Exzistens und dann plötzlich von heute auf morgen das Aus.An was sie glaubten war mit einen mal nicht mehr wahr,allein gelassen von der politischen Führung eines Staates an dem sie glaubten und dann ins kalte Wasser geworfen. Ich glaube das war für die meisten eine harte Zeit. Gruß Rostocker




..............ja es war eine harte Zeit. Von der Führung im Stich gelassen, auf Fragen - keine Antwort oder nur Floskeln. Die Ereignisse in den Monaten Juni/Juli 1990 gerade bei den Grenztruppen überschlugen sich. Weisungen und Befehle, waren noch während diese gegeben wurden teilweise schon wieder ausser Kraft. Ganze Befehlsketten waren ausser Kraft, weil keiner mehr Befehle weiter gab. Teilweise "hirnrissige" Weisungen wurden umgesetzt, "kluge und durchdachte" Befehle und Weisungen wurden negiert. Fahrzeuge, Ausrüstung - ja ganze Grenzanlagen wie z.B. einige BT 11 - wurden unter der Hand verkauft. Im Abrüstungskommando Rummelsburg (ex. GR 36) tummelten sich zu bestimmten Zeiten mehr Zivilisten rum, als Uniformierte. Dies auch dadurch bedingt, dass es ab August keine Wache mehr gab, sondern ein privater Wachschutz am KdL den Einlaß übernahm.
Die Kfz-Kompanie bestand in einer Stärke von 0/3/1/4/0. Somit also aus drei Offizieren, einem Fähnrich und vier Unteroffizieren. Von den vier Unteroffizieren haben drei Unteroffiziere innerhalb von drei Tagen seit dem Bestehen des Abrüstungskommandos - das Dienstverhältnis beendet. Von den drei Offizieren (1x OSL, 2x Hptm) haben zwei das Dienstverhältnis "gekündigt".
Einzigste Motivation war - und dass sage ich ganz offen - dass das s.g. Überbrückungsgeld, welches im September 1990 gezahlt wurde, weit über dem lag, welches entsprechend der noch gültigen DV bei Ausscheiden aus dem aktiven Dienstverhältnis gezahlt wurde.
Die jenigen, welche von den Grenztruppen der DDR zum Grenzschutz der DDR übernommen wurden, tauschten die bisdahin getragenen Schirmmützen der Grenztruppen gegen die allgemeine Schirmmütze der NVA (Nationale Volksarmee) diese jedoch bereits mit der Korkade "schwarz-rot-gold". Auf der Dienstbekleidung wurde (sollte) der Ärmelstreifen "Grenztruppen der DDR" entfernt werden. An den noch vorhandenen Fahrzeugen wurde das bisherigen Hoheitsemblem einfach mittels grüner Farbe überpinselt und die die bisher verwendeten polizeilichen Kennzeichen mit den Anfangsbuchstaben GT in GS gewechselt. Fähnriche erhielten zusätzlich den Hinweis, auf den Dienstuniformen das Ärmelabzeichen mit dem Hoheitsemblem der DDR zu entfernen.
................Geschichte, jedoch live und in Farbe miterlebt, wenn auch vielleicht nicht ganz passend zum Thema "eine kleine Erinnerung".


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#9

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 16:18
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Möchte mal sagen,sind doch interessante Äußerungen--von S51 und dem Stabsfähnrich. Danke euch Beiden für die Antwort auf meine eingebaute Frage. Gruß Rostocker


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#10

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 16:56
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Rostocker
Möchte mal sagen,sind doch interessante Äußerungen--von S51 und dem Stabsfähnrich. Danke euch Beiden für die Antwort auf meine eingebaute Frage. Gruß Rostocker



..............von meiner Seits aus, gern geschehen. beschäftigen wir uns doch hier viel zu wenig, mit den Problemen der Berufssoldaten in der Wendezeit. Aber nicht nur mit den Problemen...........es gab auch Erfolge. Beförderungen und "Ordensverteilung" waren in dieser Zeit auch gang und gebe. Stabsfähnrich.............in "Friedenszeiten" zu dem Zeitpunkt - undenkbar. In der Zeit ging es......und dies ohne Vitamin B. Hier erfolgte sogar die Beförderung im offiziellen Rahmen der noch letzten verbliebenen offiziere, Fähnriche und Unteroffiziere (BU).


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
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#11

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 17:06
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Na ja, es gab aber auch genug denen aufgrund des Umbruchs die anstehende Beförderung durch die Lappen gegangen ist, nicht das hier der Eindruck entsteht alles wurde nochmal befördert was nur geht. Auch hier im Forum findet man welche.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#12

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 17:42
von Pit 59 | 10.131 Beiträge

Da haste nun mal wieder absolut Recht Feliks,un ich kenne einen ganz genau,mein Schwiegervater.Bis 1990 Oberst NVA stand kurz vor der Ernennung oder Beförderung,keine Ahnung zum General.Aus die Maus.Ich hatte das aber alles schon mal geschrieben.Der würde gut zu Dir passen Feliks.Mit dem könnteste mal Grillen und Bier Trinken,ich würde Bedienen,und Ihr könnt auch in Ost-Mark Bezahlen.


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#13

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 17:46
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Das is doch ein verhandelbares Angebot...


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#14

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 18:11
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Na ja, es gab aber auch genug denen aufgrund des Umbruchs die anstehende Beförderung durch die Lappen gegangen ist, nicht das hier der Eindruck entsteht alles wurde nochmal befördert was nur geht. Auch hier im Forum findet man welche.



..............ich muß ehrlich zugeben, dass meine persönlichen Erinnerungen an diese Zeit mich haben vergessen lassen, dass es auch noch eine zweite Seite der "Odensverleihung" gab. Haben am 08. Februar 1990 noch die Angehörigen der Paßkontrolleinheit (PKE) den 40-zigsten Jahrestag des MfS als Oberstleutnant, Oberleutnant, Hauptmann, Oberfeldwebel etc.gefeiert, so sind diese am 17. Februar 1990 vor meinen Schreibtisch mit ihrer Vergleichsmitteilung - jetzt als AGT - getreten und dies in den meisten Fällen um ein oder zwei Dienstgraden ja sogar um eine Dienstgradgruppe darunter. In nur einem mir bekannten Fall, wurde ein Feldwebel ( zuvor PKE ) zum Fähnrich ernannt. Dies an der Zeit des Bestehens der Grenzübergangsstelle Sonnenallee.
Ich möchte noch anmerken, dass überwiegend die arrogante und überhebliche Art der so übernommenen in Bezug auf ihre bis zum 16. Febuar 1990 Dienststellung an der Grenzübergangsstelle Sonnenallee (Berlin) absolvierte Tätigkeit - auch nach deren Entlassung aus der HVA XI ab dem 17. Febrauar 1990 anhielt. Dies äußerte sich insbesondere zu einem unkollegialen Verhalten gegenüber den AGT. Befehle und Weisungen der GT, welche ab dem 17. februar 1990 galten, wurden nicht befolgt oder bewußt ignoriert. Eine Bestandaufnahme der zu übergebenen Liegenschaften und dem darin enthaltenen Inventar, wurde bewußt unterlaufen. Dies durch ehemalige Angehörige der PKE. Auf unerklärlicher Weise verschwanden Blankopässe, Paßkontrollstempel und andere wichtige Unterlagen. Panzerschränke waren nicht mehr zu öffnen..............und wenn, dann waren diese leer. Fernmeldeverbindungen zu den Grenztruppen der DDR wurden - angeblich wegen techinischer Schwierigkeiten im Kotenpunkt - gekappt.
So............ich bin mir bewußt, dass ich mich evt. zu weit auis dem Fenster gelehnt habe mit diesem kurzen Beitrag und dafür "Prügel" bekommen werde. Ich stehe jedoch zu meinem Beitrag, auch wenn dieser nicht gerade in das Thema "kleines Andenken" passt.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#15

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 18:26
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich
Ich stehe jedoch zu meinem Beitrag, auch wenn dieser nicht gerade in das Thema "kleines Andenken" passt.



Warum sollte er nicht passen, ist doch ein kleines Andenken an diese Zeit der Beitrag. Prügeln werde ich Dich dafür sicher nicht, denn Deine Berichte hatten bisher immer Hand und Fuss. Also sehe ich keinerlei Veranlassung an deinen Worten zu zweifeln, auch wenn sie mich ehrlich gesagt etwas erstaunen. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits in anderen Funktionen tätig war fehlt mir da der Einblick, aus meinem Bereich kenne ich solche Schilderungen jedoch nicht.



Edit: Kommt immer auf die Worte an @Pit


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 05.05.2011 19:03 | nach oben springen

#16

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 18:37
von Pit 59 | 10.131 Beiträge

Feliks Du Zweifelst aber auch nicht an meinen Worten ?


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#17

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 19:25
von Freddy (gelöscht)
avatar

Ja, die Umbruchzeit hat jeder für sich anders erlebt. Unser Regiment, das GAR-5 war gerade in Auflösung, als die Ereignisse in Ungarn begannen. Mich hatte es nach vielem Hin und Her, auch aufgrund einer Beschwerde beim ZK, nach Schwerin in das neu zu bildende GBK Schwerin verschlagen. Kommandeur des GBK wurde damals mein ehem. SC, OSL Gr....... Da war ein riesiges Durcheinander. Und dann noch Ungarn/Prag. Wir saßen abends vorm Fernseher und waren entsetzt über die Handlungsunfähigkeit der Partei- und Staatsführung. Dann, eines abends, W50 mit vergitterten Scheiben, Wasserwerfer auf dem Dach, waren im Objekt eingerückt - BePo. Wir mußten nach einer Offiziersversammlung zu einer "Gegendemo" zur Schweriner Montagsdemo. War schon ziemlich unheimlich.

Von der eigentlichen Grenzöffnung haben wir erst am Morgen danach erfahren, als unser Kommandeur den Bericht zur Lage gab. Bis dahin vollkommene Ahnungslosigkeit. Und dann...? Nichts war mehr so, wie vorher. Als der Pastor (oder Pfarrer...?) Verteidigungsminister wurde, war auch die Disziplin dahin. Soldaten in Zivil in der Kaserne, "Westautos" im Kfz.-Park.

Meine Aufgabe bestand damals in der körperlichen Erfassung der in den GÜst bei unseren "Kollegen" vorhandene Nachrichtentechnik. Ich war so schockiert, wie die damit umgegangen sind. Bei uns alles nur mit Unterschrift und Vollzähligkeitskontrollen, auf den Güst lag alles zusammengewürfelt in einer Schublade, wirklich verantwortlich fühlte sich niemand. Die haben mich angeguckt, als käme ich vom anderen Stern. Nachweis, Vollzähligkeitskontrolle ? Wat dat denn ?

Es wurde auch nochmal angefangen, neue Anlagen zu bauen. Was für eine Ironie...ein paar Monate weiter waren wir "Einig Vaterland".
Im Juni 90 wurde uns vorgeschlagen, uns beim BGS zu bewerben. Funktion, Einsatzart, Einsatzort ? ... Unbekannt. Vielleicht Ostseeküste, vielleicht auch "Oder-Neisse-Friedensgrenze". Aber ich hatte nicht dreizehn Jahre meines Lebens "Freundschaft mit den sozialistischen Ländern" und "Klassenkampf mit den kapitalistischen Ländern" verinnerlicht, um mit einem Schlag meine ganze Überzeugung über den Haufen zu schmeissen, quasi eine 180-Grad-Wendung. Also reichte ich meinen Abschied ein und quittierte am 31.07.1990 den Dienst.

Für mich brach eine Welt zusammen, mein bisheriges Leben war völlig bedeutungslos geworden. Ich brauchte eine Weile, um sowohl persönlich, familiär als auch wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Meine Frau hat die Wende eigentlich nicht wirklich überwunden. Sie wurde depressiv und verstarb 1998 an einer Krebserkrankung.

Wenn ich heute an meine Dienstzeit zurück denke, rede ich mir ein: "Es kann nicht alles falsch gewesen sein, wofür wir damals eingestanden sind! Sonst wär das Leben völlig umsonst gewesen."


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#18

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 19:51
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich
[quote="Feliks D."][quote="Stabsfähnrich"] Ich stehe jedoch zu meinem Beitrag, auch wenn dieser nicht gerade in das Thema "kleines Andenken" passt.



Warum sollte er nicht passen, ist doch ein kleines Andenken an diese Zeit der Beitrag. Prügeln werde ich Dich dafür sicher nicht, denn Deine Berichte hatten bisher immer Hand und Fuss. Also sehe ich keinerlei Veranlassung an deinen Worten zu zweifeln, auch wenn sie mich ehrlich gesagt etwas erstaunen. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits in anderen Funktionen tätig war fehlt mir da der Einblick, aus meinem Bereich kenne ich solche Schilderungen jedoch nicht.

..............bitte immer beachten, dass sich meine Schilderungen betreffs der Grenzübergangsstelle Sonnenallee für den Zeitraum Dezember 1989 bis Juni 1990 beziehen und dies aus eigenem Erleben als Innendienstleiter (Hauptfeldwebel) der Grenztruppen der DDR. Ich bitte auch um Beachtung, dass ich sowohl vor der von mir genannten Zeit bis zur Übernahme in den Grenzschutz der DDR - Angehöriger der Grenztruppen der DDR war und auch noch heute dazu stehe.Weitere Anrufe oder Mails an meinen "Brötchengeber" bezüglich meiner Tätigkeit bei den Grenztruppen der DDR, können unterbleiben, da dieser von meiner damaligen Tätigkeit Kenntnis hat. Dies nicht durch die zuvor genannten Anrufe und Mail`s - sondern bereits seit 1990 durch die damalige Gauckbehörde sowie meiner Selbstauskunft im Bewerbungsbogen.Ich möchte auch erklären, dass ich weder Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit war, dies weder als hauptamtlich noch als "inoffizieller" Mitarbeiter. Auch habe ich in den fast 9 Jahren Zugehöriigkeit zu den Grenztruppen der DDR weder auf Menschen geschossen auch habe ich keine Personen festgenommen.

.............so dat musste mal raus, auch wenn sehr sehr weit vom Thema entfernt.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#19

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 20:18
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Freddy
Ja, die Umbruchzeit hat jeder für sich anders erlebt. Unser Regiment, das GAR-5 war gerade in Auflösung, als die Ereignisse in Ungarn begannen. Mich hatte es nach vielem Hin und Her, auch aufgrund einer Beschwerde beim ZK, nach Schwerin in das neu zu bildende GBK Schwerin verschlagen. Kommandeur des GBK wurde damals mein ehem. SC, OSL Gr....... Da war ein riesiges Durcheinander. Und dann noch Ungarn/Prag. Wir saßen abends vorm Fernseher und waren entsetzt über die Handlungsunfähigkeit der Partei- und Staatsführung. Dann, eines abends, W50 mit vergitterten Scheiben, Wasserwerfer auf dem Dach, waren im Objekt eingerückt - BePo. Wir mußten nach einer Offiziersversammlung zu einer "Gegendemo" zur Schweriner Montagsdemo. War schon ziemlich unheimlich.

Von der eigentlichen Grenzöffnung haben wir erst am Morgen danach erfahren, als unser Kommandeur den Bericht zur Lage gab. Bis dahin vollkommene Ahnungslosigkeit. Und dann...? Nichts war mehr so, wie vorher. Als der Pastor (oder Pfarrer...?) Verteidigungsminister wurde, war auch die Disziplin dahin. Soldaten in Zivil in der Kaserne, "Westautos" im Kfz.-Park.

Meine Aufgabe bestand damals in der körperlichen Erfassung der in den GÜst bei unseren "Kollegen" vorhandene Nachrichtentechnik. Ich war so schockiert, wie die damit umgegangen sind. Bei uns alles nur mit Unterschrift und Vollzähligkeitskontrollen, auf den Güst lag alles zusammengewürfelt in einer Schublade, wirklich verantwortlich fühlte sich niemand. Die haben mich angeguckt, als käme ich vom anderen Stern. Nachweis, Vollzähligkeitskontrolle ? Wat dat denn ?

Es wurde auch nochmal angefangen, neue Anlagen zu bauen. Was für eine Ironie...ein paar Monate weiter waren wir "Einig Vaterland".
Im Juni 90 wurde uns vorgeschlagen, uns beim BGS zu bewerben. Funktion, Einsatzart, Einsatzort ? ... Unbekannt. Vielleicht Ostseeküste, vielleicht auch "Oder-Neisse-Friedensgrenze". Aber ich hatte nicht dreizehn Jahre meines Lebens "Freundschaft mit den sozialistischen Ländern" und "Klassenkampf mit den kapitalistischen Ländern" verinnerlicht, um mit einem Schlag meine ganze Überzeugung über den Haufen zu schmeissen, quasi eine 180-Grad-Wendung. Also reichte ich meinen Abschied ein und quittierte am 31.07.1990 den Dienst.

Für mich brach eine Welt zusammen, mein bisheriges Leben war völlig bedeutungslos geworden. Ich brauchte eine Weile, um sowohl persönlich, familiär als auch wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Meine Frau hat die Wende eigentlich nicht wirklich überwunden. Sie wurde depressiv und verstarb 1998 an einer Krebserkrankung.

Wenn ich heute an meine Dienstzeit zurück denke, rede ich mir ein: "Es kann nicht alles falsch gewesen sein, wofür wir damals eingestanden sind! Sonst wär das Leben völlig umsonst gewesen."




................ohne weitere Worte. Stimmt, war ja nicht nur die NaT, sondern auch die B/A und UAK. Und nicht zu vergessen die Waffen.
Und zu Deinem letzen Satz: Wenn ich heute an meine Dienstzeit zurück denke, rede ich mir ein: "Es kann nicht alles falsch gewesen sein, wofür wir damals eingestanden sind! Sonst wär das Leben völlig umsonst gewesen." kann ich sagen, nein es war nicht falsch. Der überwiegende Teil der Träger des grünen Ärmelbandes, waren keine Mörder oder Soldateska welche nur sinnlos auf Menschen geschossen haben. Wir standen für einen Schutz der damaligen DDR dies sowohl gegen äußere wie auch gegen innere Feinde. Wir standen an einer Trennlinie zwischen Sozialismus und Imperialismus. Wir sahen den "Klassenfeind" direkt ins Auge.........nur getrennt duch einen dünnen Zaun. Wir wurden beschimpft und verunglimpft und nicht nur wir wurden.........wir werden es immer noch.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#20

RE: Eine kleine Erinnerung

in Grenztruppen der DDR 05.05.2011 20:21
von Freddy (gelöscht)
avatar

[/quote]

................ohne weitere Worte. Stimmt, war ja nicht nur die NaT, sondern auch die B/A und UAK. Und nicht zu vergessen die Waffen.
Und zu Deinem letzen Satz: Wenn ich heute an meine Dienstzeit zurück denke, rede ich mir ein: "Es kann nicht alles falsch gewesen sein, wofür wir damals eingestanden sind! Sonst wär das Leben völlig umsonst gewesen." kann ich sagen, nein es war nicht falsch. Der überwiegende Teil der Träger des grünen Ärmelbandes, waren keine Mörder oder Soldateska welche nur sinnlos auf Menschen geschossen haben. Wir standen für einen Schutz der damaligen DDR dies sowohl gegen äußere wie auch gegen innere Feinde. Wir standen an einer Trennlinie zwischen Sozialismus und Imperialismus. Wir sahen den "Klassenfeind" direkt ins Auge.........nur getrennt duch einen dünnen Zaun. Wir wurden beschimpft und verunglimpft und nicht nur wir wurden.........wir werden es immer noch.[/quote]


Danke!


zuletzt bearbeitet 05.05.2011 20:22 | nach oben springen


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