#1

GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 12.04.2011 20:25
von Huf (gelöscht)
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Hallo Leute,

wenn man in meinem Alter ist und durch bestimmte Bedingungen zu ungewohnter Ruhe verdammt ist, fällt einem als Mitglied im Grenzforum so manche, schon vergessen geglaubte Geschichte aus alten Zeiten als Soldat wieder ein.

Ich fasse mich anfangs kurz, es geht darum, dass in unserem Objekt in Glöwen im Jahre 1978/79 eine Generalsanierung der Soldatenunterkünfte stattfand.
Was dazu führte, dass etwa die Hälfte der auszubildenden Wehrpflichtigen in jenem Jahr in der Nähe von Glöwen in einem Feldlager untergebracht war, das zeitweise als 2. Ausbildungs-Batallion neben dem ersten in Potsdam ausgewiesen wurde.

In der Nähe von Glöwen auf dem TüP hatten die Pioniere zuvor den Ausbau vollzogen, Objektzaun, Latrinen u.ä., bis dann wimre drei ABK´s mir Rückwärtigen Diensten und allem, was dazu gehörte (Nachrichten, Küche, Stasi(?)) Tank-Fuzzi usw. umgesetzt wurden.

Das war im zeitigen Frühling jenen Jahres, so dass in jedem Mannschafts-Zelt und in allen anderen Zelten Heizmöglichkeiten, Buller-Öfen oder Benzinheizungen vorhanden waren.

Die Küche war zentral auf dem Platz angelegt, was sich als günstig für alle Beteiligten erweisen sollte.
Kochzelte, Verpflegungszelte für Mannschaften und Zeitsoldaten.

Mein Med-Punkt lag auch gut zentral. Ausgestattet mit weißem Innenzelt und allen notwendigen und üblichen Gerätschaften. Hinter einer rückwärtigen Schrankkulisse befanden sich das Bett des Sanis mit Nachtschrank! Der Fussboden war durch Holzlatten und Beläge üblicherweise hergestellt worden.

Dezentral war eine "Bude" errichtet worden, die etwa 40 m lang war, in ihr befand sich die Latrine, d.h. gegenüberliegende Bänke mit jederseits 12 Klobrillen einschl. Klodeckel, jedoch ohne Schamwände, wie man heute sagt. Unter jenen Einrichtungen hatten die Pios zuvor tiefe Gruben angelegt.
Erst bei Ankunft an jenem Ort wurde mir bekannt, dass ich nunmehr der Verantwortliche für dieses ungewohnt überdimensionelle Scheißhaus werden sollte.

Umgeben war das gesamte Feldlager, d.h. "Objekt" von dem gewohnten Objektzaun. Mit Wache usw.

In jener Zeit habe ich viel erlebt, militärisch, jedoch auch erstaunlich Menschliches.
Ich möchte jene Zeit nicht missen.

Das soll keineswegs bedeuten, dass in der damaligen Zeit vorherschende Zustände als angenehm empfunden wurden, sondern, dass sich alle Soldaten (alle Dienstgrade) ungewohnt näher waren, um alles zu ertragen.
Es war also kein Pfadfinder-Camp!

Sollte Bedarf bestehen, würde ich gern aus meinen lückenhaften, aber nachhaltigen Erlebnissen jener Zeit aus dem Feldlager berichten.

VG Huf


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#2

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 12.04.2011 20:57
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Wäre interessant zu lesen @Huf !

Schreib mal, bitte.


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#3

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 12.04.2011 21:05
von Huf (gelöscht)
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Naja, wie geschrieben, es war keine Zeit mit Fun oder so, wie man heute sagt.

Anfangs gab es gewaltige Probleme, z.B. das Grüßen von Vorgesetzten. Alle hatten FDU an und die jungen GWD´ler hatten wohl höhere Dienstgrade eher am Alter visuell erkannt, als an den abgetarnten Schulterstücken...

Aber alles sollte besser werden, und es wurde auch eine gute Zeit für die beteiligten Menschen, wenn auch unter den damaligen Prämissen.

Davon demnächst mehr.

Und dies wird kein Märchen a´la RMR.

VG Huf


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#4

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 08:13
von Weichmolch (gelöscht)
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So Huf,

ich erwarte den nächsten Beitrag.

Weichmolch


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#5

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 09:57
von Huf (gelöscht)
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Jürgen, ich komme Deiner Bitte gern nach, allerdings habe ich erst heute Abend die Zeit dazu, wenn dann im Hintergrund das Grenzradio 911 läuft.

VG aus dem Sprechzimmer,

Huf


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#6

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 10:38
von Weichmolch (gelöscht)
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Huf,

dem allgegenwärtigem Mythos, dass "Abgammeln der Sanitätsdienstgrade", musst Du entschieden entgegentreten.
Ich kann Dich sonst nie zum Kommandanten eines FFP 6-4 ernennen.

Weichmolch


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#7

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 19:11
von Huf (gelöscht)
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Liebe Forumgemeinde,

auf Wunsch unseres Jürgens werde ich hier weiter berichten, nachdem ich meine Birne den ganzen Tag angestrengt habe, um noch alte Erinnerungen auszugraben.

Nach wenigen Wochen zog der gewohnte Alltag im Feldlager ein, der Tagesablauf war eingeschliffen, die Soldaten im 1. DHJ machten ihre gewohnte Ausbildung, jeder kannte seine Aufgabe, und mit dem Frühling wurde es wärmer und lebenswerter im "Camp".

Für mich als Sani im Hintergrund gab es neue Aufgaben: häufige Hygiene-Kontrollen in den Unterkünften, in der Feldküche und an anderen Orten. Mit Berichte schreiben usw.
Neu war für mich und ungewohnt, dass ich regelmäßig an Besprechungen der leitenden Offiziere teilnehmen mußte, um dort Berichte (s.o.) zu erstatten.
Krankenstandsberichte allerdings wurden nicht erfragt, damals auch schon Schweigepflicht!

Die Verbindung zu meinem Med.-Punkt klappte sehr gut. Täglich um 08:00 Uhr kam der B 1000, um etwaige erkrankte Genossen abzuholen, oder Medikamente und Verbrauchsmittel zu liefern. Für den Fall akuter Erkrankungen konnte ich den RMP direkt über ein Feldtelefon erreichen, was aber nur selten nötig war. Nicht wegen meiner "Fähigkeiten", sondern, weil alle sich bemüht hatten, nicht auszufallen.

Die Jungs machten täglich ihre Ausbildung, die Verpflegung der Truppe funktionierte auf die Uhr genau, das Leben hatte sich wie im Regiment "eingependelt". Mittlerweile war auch der militärische Gruß gegenüber Vorgesetzten trotz der Anfangsprobleme normal.

Meine täglichen Verrichtungen bestanden in Sprechstunden, Hygienekontrollen, Küchenkontrollen usw., streng nach Tagesdienstablaufplan.

Trotz allem entwickelten sich Lagerbedingungen, die eben diese unvergeßlichen Momente erzeugten, von denen ich Euch demnächst berichten möchte.

Bis dann...

VG Huf


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#8

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 19:57
von Huf (gelöscht)
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Ja, nun die Frage, was war das Besondere?
Ich möchte hier nichts verklären, die Zeiten waren hart, anders als heute. Aber die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität des Menschen werden oft heute unterschätzt.

Der Kontakt mit allen Soldaten, ob GWD, Uaz oder BS wurde enger, ohne dass militärische Belange verwuschelt wurden.
Dies resultierte z. B. daraus, dass ich die geforderten Hygiene-Kontrollen und -Belehrungen miteinander verband, was mir mein Regimentsarzt empfohlen hatte.
Abends nach dem Abendessen tauchte ich also im Mannschaftszelt mit 10 bis 12 Genossen auf, und schaute, wie es so läuft. Vom Ablauf jedoch nicht militärisch, eher sachlich. Man sprach mit den Soldaten und gab Tips oder Rat, wie man manches noch besser machen kann.
Das hört sich sehr weichgespült an, aber es war so, mit Brüllen hätte man niemals Zugang zu den Jungs bekommen. Und ich war z.T. jünger, als die Jungs.
Die Abende wurden sehr häufig gemeinsam im Kulturzelt verbracht, bei Kaffee, Cola oder Konsü-Waffeln und Cabinet oder Juwel.
Dabei entwickelte sich die beschriebene Kameradschaft, die man heute als kaum glaubhaft empfindet.

Beim Kommandeur hatten wir, mein RA und ich mit meinen Erfahrungsberichten durchgesetzt, dass die gesamte Truppe 2x pro Woche zum Duschen und Unterwäschetausch ins Regiment gefahren wurde. Die Bettwäsche wurde 1x pro Woche gewechselt.

In jener Zeit habe ich viel von den Sorgen und Ängsten der jungen Grenzer erfahren. Menschliche Lebensläufe und Schicksale. Und sie wurden ja nicht nach Hause entlassen, sondern sollten dann ein Jahr an der Grenze dienen, unter jenen Umständen, die ich erst hier im Forum nach 30 Jahren erfuhr.

Demnächst ein Abschluß zu diesem Thema.

VG Huf


zuletzt bearbeitet 19.04.2011 19:58 | nach oben springen

#9

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 21:54
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Zitat von Huf
Ja, nun die Frage, was war das Besondere?
Ich möchte hier nichts verklären, die Zeiten waren hart, anders als heute. Aber die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität des Menschen werden oft heute unterschätzt.

Der Kontakt mit allen Soldaten, ob GWD, Uaz oder BS wurde enger, ohne dass militärische Belange verwuschelt wurden.
Dies resultierte z. B. daraus, dass ich die geforderten Hygiene-Kontrollen und -Belehrungen miteinander verband, was mir mein Regimentsarzt empfohlen hatte.
Abends nach dem Abendessen tauchte ich also im Mannschaftszelt mit 10 bis 12 Genossen auf, und schaute, wie es so läuft. Vom Ablauf jedoch nicht militärisch, eher sachlich. Man sprach mit den Soldaten und gab Tips oder Rat, wie man manches noch besser machen kann.
Das hört sich sehr weichgespült an, aber es war so, mit Brüllen hätte man niemals Zugang zu den Jungs bekommen. Und ich war z.T. jünger, als die Jungs.
Die Abende wurden sehr häufig gemeinsam im Kulturzelt verbracht, bei Kaffee, Cola oder Konsü-Waffeln und Cabinet oder Juwel.
Dabei entwickelte sich die beschriebene Kameradschaft, die man heute als kaum glaubhaft empfindet.

Beim Kommandeur hatten wir, mein RA und ich mit meinen Erfahrungsberichten durchgesetzt, dass die gesamte Truppe 2x pro Woche zum Duschen und Unterwäschetausch ins Regiment gefahren wurde. Die Bettwäsche wurde 1x pro Woche gewechselt.

In jener Zeit habe ich viel von den Sorgen und Ängsten der jungen Grenzer erfahren. Menschliche Lebensläufe und Schicksale. Und sie wurden ja nicht nach Hause entlassen, sondern sollten dann ein Jahr an der Grenze dienen, unter jenen Umständen, die ich erst hier im Forum nach 30 Jahren erfuhr.

Demnächst ein Abschluß zu diesem Thema.

VG Huf



Schöner Bericht Huf Aber eins muß ich noch Anfügen--Zu meiner Zeit in Glöwen und das war in der Ausbildung 74 war nur einmal in der Woche -Duschen angesagt. Bin zu früh eingezogen worden unter Deiner Regie wäre es zweimal die Woche gewesen.


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#10

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 22:52
von Weichmolch (gelöscht)
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Rostocker,

heißt das jetzt, ich wage es kaum zu schreiben - denn zu denken, Du warst drecksch?
Die Hygienekontrolle hätte Mängel gehabt? Entsetztlich!

Weichmolch


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#11

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 19.04.2011 23:07
von Weichmolch (gelöscht)
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Spass beiseite...

Huf´s Beiträge annimieren mich, in den Erinnerungen zu kramen. Ich kann nicht genau sagen, an wie vielen Übungen, Manövern, Kommandostabsübungen ich teilgenommen habe. Da gab es einige lustige Begebenheiten. Schon der Bau einer ordentlichen Feldlatrine kann zur Wissenschaft werden, mit anderen Worten: Kacken im Wald ist nicht ganz ungefährlich.

Mal schauen, was ich da so zusammen bekomme.

Weichmolch


zuletzt bearbeitet 19.04.2011 23:07 | nach oben springen

#12

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 20.04.2011 07:16
von Huf (gelöscht)
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@Rostocker, das "Privileg" des 2 x Duschens pro Woche bezog sich nur auf die GWDler im Feldlager zu jener Zeit. Die Leute im Stammobjekt duschten auch zu meiner Zeit 1977 bis 1980 1 x pro Woche.

VG Huf


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#13

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 20.04.2011 18:34
von PF75 | 3.291 Beiträge

wie sagte doch uffz. krüger im Film "Steiner" dreck hält warm und macht wasserdicht,also nichts mit x duschen die woche.


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#14

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 21.04.2011 21:38
von Huf (gelöscht)
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Das war ein falscher Klick zur falschen Zeit, sorry.

Huf


zuletzt bearbeitet 21.04.2011 21:40 | nach oben springen

#15

RE: GAR-5 Glöwen teilweise im Feldlager

in Grenztruppen der DDR 21.04.2011 21:39
von Huf (gelöscht)
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Im letzten Abschnitt werde ich vom Ende des dann so geliebten Feldlagers berichten, natürlich aus den Erinnerungen eine SaniUffz.

VG Huf


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