#41

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 26.01.2013 14:00
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von damals wars im Beitrag #40
Nachts auf Toilette?
Dank Nachttopf kein Problem. Aber der hatte gar keine Deckel.
Muss damals ganz schön gestunken haben in den Schlafzimmern.


ich will ehrlich sein.......... es gab Nachttoepfe im Haus, aber die waren dem Opa und den Eltern vorbehalten.....und manchmal habe ich dann eben auch es nicht ganz geschafft zum Outhouse.... die Buesche boten auch Gelegenheit im Dunkel der Nacht. So spielte sich bei mir im gesamten Leben vieles im Dunkeln ab....


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#42

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 26.01.2013 21:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Es ist schon erstaunlich, wie präzise einzelne Kindheitserinnerungen wiedergegeben werden, während andere vollkommen verschwunden sind.
So sah ich mich selbst kürzlich bei Filmaufnahmen im Betrieb unserer Patenbrigade bei der Romonta Amsdorf.
Dort wurde 1974 der 25. Jahrestag der DDR gefeiert und ich Drittklässler war nachweislich mit einigen Mitschülern dabei, ohne mich daran erinnern zu können.
Bei diesen Aufnahmen waren auch Militärangehörige und wohl auch ein Geschütz zu sehen, da meine ich, so etwas schon mal in Aktion erlebt zu haben.
Das Pfeifen in meinen Ohren von diesen Salutschüssen habe ich bis heute nicht vergessen.
Ansonsten war die Kindheit auch bereits von Erinnerungen an Arbeitseinsätze der verschiedendsten Art durchsetzt, die Einsätze auf der Apfelplantage am Süßen See (größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet der DDR) , der Ferienjob bei der MITROPA, Steine sammeln auf dem Acker oder eben auch die alljährlichen Altstoffsammlungen sind im Gedächtnis geblieben.
Auch mein damaliger Ekel vor bestimmten Mahlzeiten ist mir bis heute unerklärlich, das was Larissa über deutsches Sauerkraut schrieb war für mich die Erbsensuppe aus dem grünen Blechkübel, die an einem bestimmten Tag immer im Kindergarten ausgereicht wurde.
Das war eine breiige Masse, die ich regelmäßig ausgek***zt habe, heute kann ich von Erbsensuppe nicht genug kriegen.
Unvergessen auch die Angelausflüge und dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit, als 12jähriger an den Wochenenden bis 1 Uhr nachts mit dem Kumpels auf Aal angeln zu dürfen (ohne daß es vom Statut her erlaubt war...ich war aber im Angelverein).
Notlügen waren dabei mitunter aber unverzichtbar und so mußten wir bis gegen Abend vorab den Eltern immer Bescheid zu sagen, wer von den "Großen" auch mit am Teich war und wenn keiner da war, wurde eben einer erfunden, das ging auch schon schief als wir einen angelnden Arbeitskollegen meines Vaters als "Aufsichter" angaben, der aber mit dem Vater gleichzeitig Mittagschicht im Braunkohlekombinat hatte.
Wir wurden dann gegen 23 Uhr am Gewässer "abgeholt" und brauchten für die folgenden 4-5 Wochen keine Notlügen mehr....Angelsperre und zwar Vollzeit !!



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zuletzt bearbeitet 27.01.2013 09:30 | nach oben springen

#43

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 26.01.2013 22:49
von Acki | 169 Beiträge

Zitat von Larissa im Beitrag #41
Zitat von damals wars im Beitrag #40
Nachts auf Toilette?
Dank Nachttopf kein Problem. Aber der hatte gar keine Deckel.
Muss damals ganz schön gestunken haben in den Schlafzimmern.


ich will ehrlich sein.......... es gab Nachttoepfe im Haus, aber die waren dem Opa und den Eltern vorbehalten.....und manchmal habe ich dann eben auch es nicht ganz geschafft zum Outhouse.... die Buesche boten auch Gelegenheit im Dunkel der Nacht. So spielte sich bei mir im gesamten Leben vieles im Dunkeln ab....



also das mit dem Nachttopf kenne ich auch noch.Den hatten wir ( meine Schwester und ich) oben in unserem Zimmer unterm Bett zu stehen.Die Eltern wollten nicht das wir nachts die knarrende Treppe am Kühlschrank vorbei runtergehen um aufs Klo zu gehen. Aber ob das gestunken hat unterm Bett, weiss ich garnicht mehr. Ich glaub da lag ne Zeitung drüber...


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zuletzt bearbeitet 26.01.2013 22:50 | nach oben springen

#44

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 00:15
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Mutz im Beitrag #43
Zitat von Larissa im Beitrag #41
Zitat von damals wars im Beitrag #40
Nachts auf Toilette?
Dank Nachttopf kein Problem. Aber der hatte gar keine Deckel.
Muss damals ganz schön gestunken haben in den Schlafzimmern.


ich will ehrlich sein.......... es gab Nachttoepfe im Haus, aber die waren dem Opa und den Eltern vorbehalten.....und manchmal habe ich dann eben auch es nicht ganz geschafft zum Outhouse.... die Buesche boten auch Gelegenheit im Dunkel der Nacht. So spielte sich bei mir im gesamten Leben vieles im Dunkeln ab....



also das mit dem Nachttopf kenne ich auch noch.Den hatten wir ( meine Schwester und ich) oben in unserem Zimmer unterm Bett zu stehen.Die Eltern wollten nicht das wir nachts die knarrende Treppe am Kühlschrank vorbei runtergehen um aufs Klo zu gehen. Aber ob das gestunken hat unterm Bett, weiss ich garnicht mehr. Ich glaub da lag ne Zeitung drüber...



ja, da gibt es noch so viel was einem einfallt........ich meine nicht nur zu den Nachttoepfen!
Dachbodentreppen, die heruntergelassen werden mussten bevor man aufsteigen konnte, mit dem bloeden kleinen Bruder in einem Zimmer schlafen muessen, ueberhitzte Oefen und Ofenrohre, Weihnachten ohne Geschenke, Apfelsinenkonzentrat und Lebertran
Ich freue mich schon sehr auf weitere Berichte hier. Und ich hoffe viele User schreiben noch.
gute Nacht
Larissa


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#45

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 10:58
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Die Piss-Pötte waren schon eine alte Sauerrei, aber halt auch praktisch.
Seh immer noch meine Mutter vor mir wie sie mit Papas Nachtgeschirr zur Entsorgung des Inhaltes schritt.
Übrigens waren da normale emallierte Topfdeckel drauf.


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#46

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 12:03
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Zu den Nachttöpfchen mal ne schöne Geschichte aus mener Kindheit in Leipzig. Im Schlafzimmer meiner Eltern stand auch so ein Teil (mein Vater war Schichtarbeiter und halbe Treppe tiefer war er wohl zu faul, benutzte gleich das Teil) In dem großen Schlafzimmer stand ne Wäschekommode nahe am Fenster und darauf baute ich als Junge immer Wehrmachtssoldaten mit Tornister und Geschütze(die gibts heute noch im Trödel, auch mit Zündplättchen rein und bumms) auf.

Dann Watte drum als Geschütznebel, Soldaten dazwischen und die Schlacht am Kursker Bogen (nur die Panzer fehlten) konnte beginnen. Jedenfalls, ich Zündplättchen rein, Kanone geladen und rumms...stand die Watte auf einmal in Flammen. In meiner Hilflosigkeit den Nachttopf unterm Bett geschnappt...der könnte gefüllt gewesen sein keine Ahnung mehr, in die Küche gerannt, Wasserhahn auf, Wasser rein, zurückgesaust und zack das Gefechtsfeld abgelöscht. Alles qualmte, Gardinen gottseidank noch i.O, meine Mutter hinterher und zack..links rechts hatte ich ordentlich welche sitzen.

Lebensläufer und Ende gut alles ...eben nicht so gut. Schlachten mit der Wehrmacht wurden keine mehr geschlagen, irgendwann stieg ich auf Zinnsoldaten um, die Echten kleinen Originalen aber da gings los. Habe heute noch so zwei Dutzend. Nur brennen tat dann nichts mehr.


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#47

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 12:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #36
Wir haben, als Horde, den ganzen Tag gebolzt, Cowboy und Indianer gespielt und und und.
Heute sind auf meinem kindlichen Spielplatz riesige Bäume gewachsen und ein Wald ist entstanden. Nicht, das dies so sein sollte, die Pflanzen haben sich dort selbst ausgesäht und haben nach und nach Klettergerüste, Fußballtore, Schaukeln und Wippen erobert.
Es sind einfach keine spielenden Kinder mehr da, die auch nur den Ansatz einer Pflanze durch ihr wildes Getobe zunichte gemacht hätten.
Gehe ich heute durch die Strassen meiner Kindheit finde ich nur ferngesteuerte und chillende Kinder vor. Richtiges Spielen habe ich das letzte Mal in einem kleinen Dorf gesehen, wo Kinder mit Bullerwagen und großem Hallo durch die Wiesen zogen.


Ja die Kinder heuzutage sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Ich war gestern und heute mit der kleinen Tochter meiner Nichte auf den Rodelbergen meiner Kindheit unterwegs, auch hier hat die Vegetation die Erinnerungen überwuchert, die Rennstrecken (Todeskuhle...nahezu 80 % Gefälle ca. 7-8 m in die Tiefe...) werden außerhalb der Winterzeit von Rindern bevölkert und sind eingezäunt, so daß nur noch kleinste Reste nutztbar sind.
Kinder verirren sich hier nicht mehr hin, die Spuren würde man sehen und der Schnee würde noch zum Rodeln reichen.
Lediglich im Dorfzentrum gibt es so etwas wie einen Rodelberg, die Kinder werden per Auto dort hingekarrt, der ganze Straßenrand steht manchmal voll davon, den Eltern kann man es wahrscheinlich auch nicht zumuten, die weiten Wege zu den tausendmal besseren aber nur zu Fuß erreichbaren Abenteuerspielplätze meiner Kindheit aufzusuchen.
Was waren da für Menschen unterwegs an diesen Plätzen, das gilt übrigens auch für die Badeseen hier in der Gegend, die waren nahezu restlos bevölkert in der Sommerzeit, hier traf sich die halbe Siedlung und wenn es nur zum Tratschen war.
Anregungen haben wir übrigens kaum nötig gehabt als Kinder, weil es fast keine Grenzen und Zäune gab, so z.B. wenn es gerade mal wieder angesagt war, Federball zu spielen (Treibjagd....je stärker man schlug desto mehr trieb man die Gegner zurück auf der Straße....gewonnen hatte der, der zuerst bis zur Hauptstraße am jeweiligen Ende der Kampfstrecke war).
Und wenn der Ball im Garten eines Anwohners landete, mußte man einschätzen können, ob man fragen mußte, oder so rein gehen konnte, Letzteres war die Regel, da jeder von denen ja auch Kinder hatte und dieses ewige Gefrage nervte viel mehr als die manchmal zertrampelten Beete.



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#48

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 13:54
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #46
Zu den Nachttöpfchen mal ne schöne Geschichte aus mener Kindheit in Leipzig. Im Schlafzimmer meiner Eltern stand auch so ein Teil (mein Vater war Schichtarbeiter und halbe Treppe tiefer war er wohl zu faul, benutzte gleich das Teil) In dem großen Schlafzimmer stand ne Wäschekommode nahe am Fenster und darauf baute ich als Junge immer Wehrmachtssoldaten mit Tornister und Geschütze(die gibts heute noch im Trödel, auch mit Zündplättchen rein und bumms) auf.

Dann Watte drum als Geschütznebel, Soldaten dazwischen und die Schlacht am Kursker Bogen (nur die Panzer fehlten) konnte beginnen. Jedenfalls, ich Zündplättchen rein, Kanone geladen und rumms...stand die Watte auf einmal in Flammen. In meiner Hilflosigkeit den Nachttopf unterm Bett geschnappt...der könnte gefüllt gewesen sein keine Ahnung mehr, in die Küche gerannt, Wasserhahn auf, Wasser rein, zurückgesaust und zack das Gefechtsfeld abgelöscht. Alles qualmte, Gardinen gottseidank noch i.O, meine Mutter hinterher und zack..links rechts hatte ich ordentlich welche sitzen.

Lebensläufer und Ende gut alles ...eben nicht so gut. Schlachten mit der Wehrmacht wurden keine mehr geschlagen, irgendwann stieg ich auf Zinnsoldaten um, die Echten kleinen Originalen aber da gings los. Habe heute noch so zwei Dutzend. Nur brennen tat dann nichts mehr.


Mit Gokeleien hatte ich auch schon mal was angestellt. Wir wohnten in der zweiten Etage, balkon auf der Hofseite. Mein Vater hatte ein Feuerzeug, damals noch mit Docht und Benzin. Und natürlich eine kleine Flasche feuerzeugbenzin. Die bekam ich in die Hand. Soviel wußte ich schon, daß ich nicht in der Wohnung damit rumgokeln kann, also raus auf den balkon. Ein paar Tropfen Benzin ausgestreut und angebrannt. Ach, war das schön ! Und as noch ein paar mal. So passierte es, daß plötzlich die Öffnung der Flasche brannte. In Panik schüttelte ich die Flasche, aber desto mehr brannte es. Zum Glück war nicht mehr viel drin, das Feuer war aus und ich stand vor der Frage, was ich meinem alten Herrn erzähle, warum sein Feuerzeugbenzin alle ist. Also Wasser reingemacht. Wenige Tage später zitierte er mich ran und fragte eindringlich, ob ich ihm erzählen würde, warum sein Feuerzeug anstatt zu brennen anfing zu rosten. Da mußte ich alles gestehen. Es setzte keine Tracht Prügel.



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#49

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 14:13
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #46
Zu den Nachttöpfchen mal ne schöne Geschichte aus mener Kindheit in Leipzig. Im Schlafzimmer meiner Eltern stand auch so ein Teil (mein Vater war Schichtarbeiter und halbe Treppe tiefer war er wohl zu faul, benutzte gleich das Teil) In dem großen Schlafzimmer stand ne Wäschekommode nahe am Fenster und darauf baute ich als Junge immer Wehrmachtssoldaten mit Tornister und Geschütze(die gibts heute noch im Trödel, auch mit Zündplättchen rein und bumms) auf.

Dann Watte drum als Geschütznebel, Soldaten dazwischen und die Schlacht am Kursker Bogen (nur die Panzer fehlten) konnte beginnen. Jedenfalls, ich Zündplättchen rein, Kanone geladen und rumms...stand die Watte auf einmal in Flammen. In meiner Hilflosigkeit den Nachttopf unterm Bett geschnappt...der könnte gefüllt gewesen sein keine Ahnung mehr, in die Küche gerannt, Wasserhahn auf, Wasser rein, zurückgesaust und zack das Gefechtsfeld abgelöscht. Alles qualmte, Gardinen gottseidank noch i.O, meine Mutter hinterher und zack..links rechts hatte ich ordentlich welche sitzen.

Lebensläufer und Ende gut alles ...eben nicht so gut. Schlachten mit der Wehrmacht wurden keine mehr geschlagen, irgendwann stieg ich auf Zinnsoldaten um, die Echten kleinen Originalen aber da gings los. Habe heute noch so zwei Dutzend. Nur brennen tat dann nichts mehr.
\

Mir tut der Bauch weh, aber vor Lachen! Wenn einer Bedarf hat hier:

http://www.derbund.ch/bern/region/1000-N.../story/11480339


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#50

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 14:19
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #48
Zitat von Lebensläufer im Beitrag #46
Zu den Nachttöpfchen mal ne schöne Geschichte aus mener Kindheit in Leipzig. Im Schlafzimmer meiner Eltern stand auch so ein Teil (mein Vater war Schichtarbeiter und halbe Treppe tiefer war er wohl zu faul, benutzte gleich das Teil) In dem großen Schlafzimmer stand ne Wäschekommode nahe am Fenster und darauf baute ich als Junge immer Wehrmachtssoldaten mit Tornister und Geschütze(die gibts heute noch im Trödel, auch mit Zündplättchen rein und bumms) auf.

Dann Watte drum als Geschütznebel, Soldaten dazwischen und die Schlacht am Kursker Bogen (nur die Panzer fehlten) konnte beginnen. Jedenfalls, ich Zündplättchen rein, Kanone geladen und rumms...stand die Watte auf einmal in Flammen. In meiner Hilflosigkeit den Nachttopf unterm Bett geschnappt...der könnte gefüllt gewesen sein keine Ahnung mehr, in die Küche gerannt, Wasserhahn auf, Wasser rein, zurückgesaust und zack das Gefechtsfeld abgelöscht. Alles qualmte, Gardinen gottseidank noch i.O, meine Mutter hinterher und zack..links rechts hatte ich ordentlich welche sitzen.

Lebensläufer und Ende gut alles ...eben nicht so gut. Schlachten mit der Wehrmacht wurden keine mehr geschlagen, irgendwann stieg ich auf Zinnsoldaten um, die Echten kleinen Originalen aber da gings los. Habe heute noch so zwei Dutzend. Nur brennen tat dann nichts mehr.


Mit Gokeleien hatte ich auch schon mal was angestellt. Wir wohnten in der zweiten Etage, balkon auf der Hofseite. Mein Vater hatte ein Feuerzeug, damals noch mit Docht und Benzin. Und natürlich eine kleine Flasche feuerzeugbenzin. Die bekam ich in die Hand. Soviel wußte ich schon, daß ich nicht in der Wohnung damit rumgokeln kann, also raus auf den balkon. Ein paar Tropfen Benzin ausgestreut und angebrannt. Ach, war das schön ! Und as noch ein paar mal. So passierte es, daß plötzlich die Öffnung der Flasche brannte. In Panik schüttelte ich die Flasche, aber desto mehr brannte es. Zum Glück war nicht mehr viel drin, das Feuer war aus und ich stand vor der Frage, was ich meinem alten Herrn erzähle, warum sein Feuerzeugbenzin alle ist. Also Wasser reingemacht. Wenige Tage später zitierte er mich ran und fragte eindringlich, ob ich ihm erzählen würde, warum sein Feuerzeug anstatt zu brennen anfing zu rosten. Da mußte ich alles gestehen. Es setzte keine Tracht Prügel.



Wir haben unsere Kokeleien früher von Anfang an ins Freie verlegt, unvorstellbar heute.
Meist waren die Hänge an unserem Angelteich oder auch Teile vom Strohdiemen die Versuchsfelder unserer Schandtaten, passiert ist nie irgendwas spektakuläres, das Risiko war aber da.
Eine andere Erinnerung war das Hamster graben auf den abgeernteten Feldern, wo uns die Bauern immer gern gesehen haben, wenngleich die Wühlstätten fast schon Tagebaugröße erreicht hatten, auf jedem Fall war es eine echte Plackerei so eine Petze rauszuholen aber eben auch unvorstellbar spannend.
Die Hauptbeute waren jedoch Mäuse, die haben wir dann unseren Klassenkameradinnen geschenkt.
Im Prinzip kann man sagen, daß die Kindheit fast durchweg in der Natur erlebt wurde und es war auch ganz und gar nicht so, daß die von der Pionierorganisation durchorganisiert wurde, die war wohl nur Mittwoch Nachmittag ein Thema.
Manchmal gelang es sogar, diesen Spaß mit Geld verdienen zu verbinden.
So hatten wie damals zur Herbstzeit immer ein paar Aufträge zur Beschaffung von Rohrbomben (Schilfpflanzen) abzuwickeln, manche Leute stellten sich die naß oder getrocknet in der Vase in die gute Stube, so etwas habe ich in der Neuzeit nie wieder irgendwo gesehen, damals gabs das aber.
Manche Ernteflächen waren dabei richtig gefährlich, so z.B. an den Rändern des ausgekohlten Tagebaus, die schon wieder durchfeuchtet waren, so daß dort riesige Rohrflächen entstanden, in denen sich auch die Wildschweine sauwohl fühlten.
Solche Begenungen hat es schon gegeben wobei wir aber immer auch unsere Fluchwege hatten, einerseits war da der Stromleitungsmast, wenn der Rückweg abgeschnitten war oder eben die Gleisanlage der Grubenbahn.



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#51

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 27.01.2013 16:02
von furry | 3.580 Beiträge

Eine bequeme Möglichkeit zu Geld zu kommen, also was man damals Geld nannte, so 20 oder etwas mehr Pfennige, waren Hochzeiten. Da wurde immer gehemmt. Wenn das Brautpaar (warum heißt das eigentlich Brautpaar?) aus der Kirche kam, wurde ein Strick, mit etwas Grünzeug oder weggefundenen Blümchen verschönert, über den Weg gespannt und der Bräutigam warf ein paar Händevoll Münzen in die Gegend und die ganze Meute schmiss sich darauf. Ein Eis, wenn es denn mal gerade welches im Dorf gab, oder ein Lutscher waren dann immer drin. Manchmal wollten wir das noch ein zweites Mal wiederholen, aber da verjagte uns in der Regel der Herr Pastor.
Der Herr Pastor hat ja seine Schäfchen auf allen Wegen begleitet, auch auf dem letzten. Bei einer Beerdigung waren wir mal wieder als Zaun- oder Hinterdembuschgäste dabei. Nur eins konnten wir nicht verstehen, warum hatte der Pastor so komische Schuhe an. Solche Schuhe hatten wir noch nicht gesehen, die hatten unter der Sohle 4 Knubbel. (Den Begriff Stollen kannte ich damals noch nicht.) Und nach der Beerdigung ist er zu seinem Fahrrad gestürzt und in einem Affenzahn davon gefahren. Hier war aber auch für uns wichtig zu sehen, wie der immer auf das Fahrrad aufgestiegen ist. An der Hinterachse seiner Tretmühle hatte er wie eine Fußraste, mit einem Fuß stellte er sich da drauf, mit dem anderen gab er Schwung und schwang sich dann mit wehendem Talar in den Sattel. Jedenfalls habe ich zu Hause meinen Eltern erzählt, dass der Pastor ganz komische Schuhe an den Füßen hatte. Die Aufklärung durch meine Eltern ergab, der Kerl spielte in der Mannschaft vom Nachbardorf Fußball und wollte an dem besagten Nachmittag den Anpfiff nicht verpassen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#52

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 28.01.2013 14:48
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo furry, wir hatten in der Stadt einen Probst Scheidung (der war u.a. eng befreundet mit dem Pastor Niemöller aus der BRD) - muß von der kirchlichen Stellung etwas mehr sein, wie ein Pastor.
Jedenfalls befand sich das Pfarramt gleich neben unserer Schule. Es kam die Zeit der Jugendweihe und parallel erfolgten die Konfirmationen. Manche Mitschüler nahmen beide Möglichkeiten war - egal aus welchen Motiven und Beweggründen. Geschenkemäßig lagen sie uns Nurjugendweihlern um Längen voraus.
Machmal kam es zu zeitlichen Überlagerungen der Jugendweihestunden mit den nebenan stattfindenden Konfirmationsstunden. So kamen wir auch auf die Idee, die Fronten mal zu wechseln. Wir hatten in einer dieser besagten Jugendweihestunden mal eine Thematik, die uns nicht sonderlich interessierte. So beschlossen wir, am diesem besagtem Tag den "Schüleraustausch" vorzunehmen. Bei der Jugendweihestunde ist das nicht sonderlich aufgefallen. Auch anfänglich nicht bei der Konfirmationsstunde. Doch dann, als der Probst seine Brille aufsetzte um etwas vozulesen, sah er die Bescherung und die anwesende Präsenz von "Antichristen". Wir wurden namentlich erfasst und durften dann wegen allzu groben Unfugs beim Schuldirektor antanzen. Tadel und Verweis blieben uns erspart, wie auch die Erwähnung beim nächstem montaglichem Fahnenappell. Den Probst hatten wir aber diesen Tag genascht, wie 10 Pfund grüne Seife. Das hielt sich bis in das Erwachsenenalter.

Kleine andere Episode aus der Schulzeit, da es hier auch eine Reihe von Eisenbahnfreaks gibt. Also nicht das Aufladen von Türklinken im Physikraum mittels Kurbelinduktor oder das Abbrennen von Blitzlichtbeuteln an der Lehrertür des Chemieraumes.
Boizenburg war eine Kleinstadt mit 3 Stadtteilen, das war Boizenburg-Bahnhof, Boizenburg-Stadt und Boizenburg-Siedlung. Als Bahnhofsvorstädter gingen wir bis zur 4. Klasse in die Mittelschule I, die sich in der damaligen Karl-Liebknecht-Straße befand. Ab 5. Klasse hieß es aber in die Stadt. Die spätere August-Bebel-Schule (POS I) wurde noch umgebaut bzw. rekonstruiert und so mußte die alte Mittelschule die zusätzlichen Schüler verkraften. Die POS II war die Schule der Städter.
In der DDR hatte man für alle Probleme auch eine entsprechende Lösung. Die hieß im diesem Fall Schichtbetrieb - 1 Woche vormittags die darauffolgende Woche dann nachmittags Schulbesuch. Nun sind es zwischen Boizenburg-Bahnhof und Boizenburg-Stadt doch ein paar Kilometer gewesen und damals verkehrte noch die "Hafenbahn" zwischen beiden Stadtteilen. Haltestellen waren Boizenburg-Bahnhof, Stiftstraße, E-Werk und Boizenburg-Hafen.
In der Regel besaßen wir Wochen- bzw. Monatskarten und in den ersten Jahren waren noch Schienenomnibusse (siehe Fotos) im Einsatz. Da wir ja auch immer bedacht waren irgendwie etwas Kleingeld zu verdienen, hatten wir auch für diesen Schienenverkehr eine Lösung parat. Um das Geld für die Fahrkarten zu sparen, wurde eine Fahrkarte einer Mehrfachverwendung zugeführt. Das klappte mit meinen Brüdern recht gut durch den Schichtschulbetrieb, der sich über 2-3 Jahre erstreckte. Bei den "Mollis", wie wir die Schienenomnibusse nannten erfolgte auch nur die Fahrkartenkontrolle oberflächlich durch den Fahrzeugführer und unsere Täuschung fiel somit auch nicht weiter auf. Das änderte sich erst dann, als die DR die Transportmittel veränderte - denn es kam eine kleine Diesellok mit 3 Waggons zum Einsatz und zu unserem Leidwesen noch dazu eine Kontrolle, die durch die Wagen ging. Es kam noch fieser, die Wochen- und Monatskarten wurden bei der Lösung dann mit Namen und Vornamen versehen. Das mit der Trickserei klappte dann auch nur noch sporadisch. Die DR wurde immer perfekter und irgendwann hißten wir dann auch die weiße Fahne, weil dieses Katz- und Maus-Spiel enorm an die Substanz ging.
Auch setzte die später zunehmende Verfügbarkeit von Fahrrädern diesen Aktionen ein verdientes Ende. Unser Kräftemessen mit der DR galt jetzt den Wettrennen zwischen den Triebfahrzeugen und uns auf den Fahrrädern. Start / Ziel Tonlager der Fliesenwerke parallel zum Bahndamm dann an den Kleingärten bis zur Stiftstrasse bzw. umgekehrt. Es gab sogar Siegerlisten und Streckenrekorde, die auch schriftlich festgehalten wurden. Die Anlieger in der Stiftstrasse mußten sich manchmal wie Zwangsbeteiligte an unseren "kleinen Friedensfahrten" vorgekommen sein. Aber es war eine schöne Zeit.

Vierkrug


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#53

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 19.02.2013 23:50
von der glatte | 1.356 Beiträge

So ein Nachttopf war eine praktische Sache, nur nannte man die Teile bei uns in Sachsen "Seechkachel". Den es gab auch welche aus Keramik. Ich hatte zwar ein eigenes Zimmer doch gab es darin keinen Ofen. Wie oft im Winter hatte ich Eisblumen am Fenster oder meine Wand glitzerte voll mit Eiskristallen. Gejammert wurde nicht. Meine Mutter holte mein Federbett am frühen Abend in die Wohnstube, legte es über einen Stuhl und rückte den Stuhl an den Ofen. So wurde mein Bett angewärmt. Was haben wir im Winter gehofft, dass wegen Kälte die Schule ausfiel. Das kam auch noch bis Anfang der 70er Jahre vor, denn die Heizungsanlage war schon sehr alt und der Heizer bekam dann die Zimmer einfach nicht mehr warm. In der Schule wurde in den großen Pausen mit Pfennigen "geklimpert", aber wir sagten auch "Miemeln" dazu. Kennt noch einer das Spiel?

Oh, was habe ich gern mit Indianer gespielt. Meine ersten Indianer waren noch aus einer Art Tonmasse, wenn die dann einmal aus der Hand fielen, waren die Krieger gleich verwundet. Statt einem Arm hatten die dann nur noch ein Stück Draht. Wir haben uns damals aus den Holzspielfiguren vom "Mensch ärgere Dich nicht Spiel" selbst Leute gebastelt. Verziert wurden die dann mit Knete. Sie bekamen Arme, bunte Hüte und Gesichter mit Knete gezaubert.

Es war damals ganz normal, dass man auch von fremden Leuten eine "gelatscht" bekam, wenn man etwas angestellt hatte. Heute undenkbar, das Geschrei der Eltern könnte man bis zum Bundesverfassungsgericht hören. Und der Täter müsste ein Leben lang für die Watschen Erwerbsunfähigkeits-Rente für den Geschädigten zahlen. Mist, ich hätte mir damals alle Namen aufschreiben sollen von dem ich eine gefanngen hatte, dann könnte ich mich heute zurücklehnen.

Ja, ja, wir sind mit unseren Rädern wie Klaus Ampler und Werner Otto um die Wette gefahren und die Mädels spielten "Gummihopse" oder "Abnehmen". Das Abnehmen war ein Spiel mit einem Wollfaden, welcher um beide Hände in einer bestimmten Form gewickelt wurde. Dann übernahm ein zweites Mädel mit ihren Händen die Wollschlaufe und es musste dabei eine neue Figur entstehen.

Später dann haben wir mit den Mädels gemeinsam Flaschen gedreht, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

ES LEBE DIE KINDHEIT !

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


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#54

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:01
von der glatte | 1.356 Beiträge

„Miemeln“ war auf dem Schulgelände verboten – Wir „miemelten“ doch!

Es gibt Dinge im Leben, welche man gerade in der Kindheit, nicht tun sollte. Allerdings werden, gerade in der Kindheit, solche Dinge immer interessanter und man hat den Drang es doch zu tun. Wenn man dann noch ein bestimmtes Spiel an einem bestimmten Ort verboten hatte, gaben wir Kinder dem Verbot, egal wer es erlassen hatte, keine Chance. Ein scheinbar vergessenes Spiel mit DDR-Pfennigen, das „Miemeln“, war zu meiner Kindheit äußerst beliebt und damals ein Streitobjekt zwischen Schule und Elternhaus geworden. Wir Schüler lebten ganz gut zwischen den Fronten, miemelten fleißig weiter und der Direktor schrieb Briefe an die Eltern. Darin war von der mutwilligen Beschädigung von Volkseigentum (die Hauswand der Schule) und unerlaubtem Glücksspiel mit Geld die Rede. Unsere Eltern sahen das alles etwas gelassener. Denn dass man mit dem Werfen von Pfennigen gegen eine Schulhauswand Schaden anrichten konnte, glaubten sie nicht, dafür hielten auch sie unsere DDR-Währung nicht für stabil genug. Was war das nun für ein so gefährliches Glücksspiel, das uns Kinder gerade zum krankhaften Zocker ausbildete und durch dessen Spiel in der großen Pause auf dem Hof, vermutlich sogar das Schulgebäude einstürzen könnte? Wir spielten zu jeder Jahreszeit und es gab darin kleine Meisterschaften.
Um die Weihnachtszeit, wenn Schnee auf dem Schulhof lag, konnte man nach der Pause im zertretenen Schnee, viele Orte der Spielhöllen an der Häuserwand entdecken. Die Lehrer waren machtlos, denn die Spieler waren meist durch eine große Anzahl Zuschauer gut abgeschirmt. Kam ein Lehrer dann doch einmal verdächtig nahe, waren die Pfennige schnell in der Hosentasche verschwunden. Komisch fand ich es damals, dass man meist ausschließlich auf dem Schulhof spielte. Nach dem Unterricht, sah man kaum Kinder an einer Hauswand stehen, um diesem Spiele zu frönen. Das war eben der Reiz des Verbotenen. Den Hauswänden hat das Werfen mit Pfennigen sicher nicht geschadet, denn unser altes Schulgebäude steht noch heute. Das „Miemeln“ oder „Klimpern“, ist dagegen aus der Mode gekommen. Eventuell müssen erst ausgesprochene Verbote das Spiel wieder interessant machen? Auf dem letzten Klassentreffen, haben wir allerdings wieder „gemiemelt“ und mussten feststellen, dass man das Spiel auch mit dem 1-Cent-Stück spielen kann. Schnell waren wir Alten von einigen Schülern umringt und das Spiel erlebte seine Renaissance. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung an einem Schulgebäude, gab es übrigens auch dieses Mal nicht. Es scheint doch ein harmloses Spiel zu sein.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


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#55

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:11
von Gelöschtes Mitglied
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Bei uns nannte man das "Miemeln" Schangeln.

Gruß ek40


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#56

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:28
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von der glatte im Beitrag #54
„Miemeln“ war auf dem Schulgelände verboten – Wir „miemelten“ doch!

Es gibt Dinge im Leben, welche man gerade in der Kindheit, nicht tun sollte. Allerdings werden, gerade in der Kindheit, solche Dinge immer interessanter und man hat den Drang es doch zu tun. Wenn man dann noch ein bestimmtes Spiel an einem bestimmten Ort verboten hatte, gaben wir Kinder dem Verbot, egal wer es erlassen hatte, keine Chance. Ein scheinbar vergessenes Spiel mit DDR-Pfennigen, das „Miemeln“, war zu meiner Kindheit äußerst beliebt und damals ein Streitobjekt zwischen Schule und Elternhaus geworden. Wir Schüler lebten ganz gut zwischen den Fronten, miemelten fleißig weiter und der Direktor schrieb Briefe an die Eltern. Darin war von der mutwilligen Beschädigung von Volkseigentum (die Hauswand der Schule) und unerlaubtem Glücksspiel mit Geld die Rede. Unsere Eltern sahen das alles etwas gelassener. Denn dass man mit dem Werfen von Pfennigen gegen eine Schulhauswand Schaden anrichten konnte, glaubten sie nicht, dafür hielten auch sie unsere DDR-Währung nicht für stabil genug. Was war das nun für ein so gefährliches Glücksspiel, das uns Kinder gerade zum krankhaften Zocker ausbildete und durch dessen Spiel in der großen Pause auf dem Hof, vermutlich sogar das Schulgebäude einstürzen könnte? Wir spielten zu jeder Jahreszeit und es gab darin kleine Meisterschaften.
Um die Weihnachtszeit, wenn Schnee auf dem Schulhof lag, konnte man nach der Pause im zertretenen Schnee, viele Orte der Spielhöllen an der Häuserwand entdecken. Die Lehrer waren machtlos, denn die Spieler waren meist durch eine große Anzahl Zuschauer gut abgeschirmt. Kam ein Lehrer dann doch einmal verdächtig nahe, waren die Pfennige schnell in der Hosentasche verschwunden. Komisch fand ich es damals, dass man meist ausschließlich auf dem Schulhof spielte. Nach dem Unterricht, sah man kaum Kinder an einer Hauswand stehen, um diesem Spiele zu frönen. Das war eben der Reiz des Verbotenen. Den Hauswänden hat das Werfen mit Pfennigen sicher nicht geschadet, denn unser altes Schulgebäude steht noch heute. Das „Miemeln“ oder „Klimpern“, ist dagegen aus der Mode gekommen. Eventuell müssen erst ausgesprochene Verbote das Spiel wieder interessant machen? Auf dem letzten Klassentreffen, haben wir allerdings wieder „gemiemelt“ und mussten feststellen, dass man das Spiel auch mit dem 1-Cent-Stück spielen kann. Schnell waren wir Alten von einigen Schülern umringt und das Spiel erlebte seine Renaissance. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung an einem Schulgebäude, gab es übrigens auch dieses Mal nicht. Es scheint doch ein harmloses Spiel zu sein.

Gruß vom Glatten



Habe von Dir noch nie was gelesen! Toll, es geht hier weiter mit den Kindheitsgeschichten. Also Miemeln, auch das noch nie gehoert. Wie spielt man denn das mit nur einer Muenze? Ich bin von Haus aus neugierig, wuerde gerne das wissen.
Gruesse, Larissa

Leute heraus aus den Loechern und Kindheitsgeschichten schreiben!


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#57

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:35
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo.

Also so haben wir es gespielt.

Die Spielregeln beim „Miemeln“ sind:

Das Spiel
Fünf Schüler spielten gegeneinander. Jeder hatte zu Beginn des Spieles, zehn einzelne Pfennigstücke in der Hand. Dann brauchte man noch eine glatt verputzte Hauswand.
So ca. fünf Schritte vor der Wand wurde ein Strich gezogen, dieser diente als Aufstelllinie.
Die Aufgabe bestand nun darin, ein Pfennigstück in Richtung Wand zu werfen und damit möglichst nahe an die Wand zu kommen. Jeder der fünf Spieler musste zu Beginn eine Münze in Richtung Wand werfen. Prallte die Münze durch den Wurf gegen die Wand, war das kein Problem. Hatte jeder seine Münze geworfen, ging man zur Wand, begutachtete den Wurf und legte die Platzierung fest. Der Spieler, welcher mit seiner geworfenen Münze der Wand am nächsten war, konnte sich nun zurücklehnen und abwarten. Die Anderen überlegten inzwischen, ob es möglich wäre, dem bisherigen Sieger mit einem besseren Wurf, den ersten Platz abzujagen. Jeder konnte nun dazu seine restlichen neun Pfennige einsetzen. Dabei wurde genau auf die Lage seiner Münze geachtet, manche waren auch schon vom Eigentümer farblich markiert. Weitere Würfe brachten eventuell einen neuen Sieger, aber es gingen auch einige fehl. Wollte keiner mehr einen Wurf wagen, wurden nochmals Sieger sowie die weiteren Platzierungen festgelegt. Der Sieger durfte sich nun alle geworfenen Stücke einsammeln, allerdings hatte er diese noch lange nicht gewonnen!

Das Werfen der Münzen nach festgelegtem Ritual
Der Sieger fügte die Münzen zu einer Rolle und legte sich diese zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Mit einem Ruck, musste er nun die Münzrolle hochwerfen und dabei die Hand mit dem Handrücken noch oben ausstrecken. Dabei sollte er versuchen, möglichst viele der Münzen aufzufangen. Hier „klimperte“ es schon mächtig und viele nicht aufgefangene Münzen lagen nun wieder auf der Erde. Die Pfennige aber, welche noch auf dem Handrücken lagen, wurden erneut hochgeworfen um danach gleichzeitig zu greifen. Was nun mit der Hand aufgefangen wurde, war der Gewinn. Die Münzen welche heruntergefallen waren, durfte sich der Zweitplazierte, ebenfalls nach dem gleichen Ritual erkämpfen. Dann begann das Spiel, wenn noch Pause war, von vorn. Wer keine Münzen mehr hatte schied aus.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


Peter42 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#58

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 00:44
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von der glatte im Beitrag #57
Hallo.

Also so haben wir es gespielt.

Die Spielregeln beim „Miemeln“ sind:

Das Spiel
Fünf Schüler spielten gegeneinander. Jeder hatte zu Beginn des Spieles, zehn einzelne Pfennigstücke in der Hand. Dann brauchte man noch eine glatt verputzte Hauswand.
So ca. fünf Schritte vor der Wand wurde ein Strich gezogen, dieser diente als Aufstelllinie.
Die Aufgabe bestand nun darin, ein Pfennigstück in Richtung Wand zu werfen und damit möglichst nahe an die Wand zu kommen. Jeder der fünf Spieler musste zu Beginn eine Münze in Richtung Wand werfen. Prallte die Münze durch den Wurf gegen die Wand, war das kein Problem. Hatte jeder seine Münze geworfen, ging man zur Wand, begutachtete den Wurf und legte die Platzierung fest. Der Spieler, welcher mit seiner geworfenen Münze der Wand am nächsten war, konnte sich nun zurücklehnen und abwarten. Die Anderen überlegten inzwischen, ob es möglich wäre, dem bisherigen Sieger mit einem besseren Wurf, den ersten Platz abzujagen. Jeder konnte nun dazu seine restlichen neun Pfennige einsetzen. Dabei wurde genau auf die Lage seiner Münze geachtet, manche waren auch schon vom Eigentümer farblich markiert. Weitere Würfe brachten eventuell einen neuen Sieger, aber es gingen auch einige fehl. Wollte keiner mehr einen Wurf wagen, wurden nochmals Sieger sowie die weiteren Platzierungen festgelegt. Der Sieger durfte sich nun alle geworfenen Stücke einsammeln, allerdings hatte er diese noch lange nicht gewonnen!

Das Werfen der Münzen nach festgelegtem Ritual
Der Sieger fügte die Münzen zu einer Rolle und legte sich diese zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Mit einem Ruck, musste er nun die Münzrolle hochwerfen und dabei die Hand mit dem Handrücken noch oben ausstrecken. Dabei sollte er versuchen, möglichst viele der Münzen aufzufangen. Hier „klimperte“ es schon mächtig und viele nicht aufgefangene Münzen lagen nun wieder auf der Erde. Die Pfennige aber, welche noch auf dem Handrücken lagen, wurden erneut hochgeworfen um danach gleichzeitig zu greifen. Was nun mit der Hand aufgefangen wurde, war der Gewinn. Die Münzen welche heruntergefallen waren, durfte sich der Zweitplazierte, ebenfalls nach dem gleichen Ritual erkämpfen. Dann begann das Spiel, wenn noch Pause war, von vorn. Wer keine Münzen mehr hatte schied aus.

Gruß vom Glatten




Oh so schnell die Antwort, vielen vielen Dank. Ich werde Morgen frueh mir das nochmal alles durchlesen aber so ein richtig schlimmes Gluecksspiel, denke ich nicht war das. Erfinderisch waren die Kinder damals sicher mehr als heute. Es war bei den Glasmurmeln (marmeln) marbles heisst das auf English, auch eine Art Gewinnspiel. Auch das Hop Scotch aber mit Steinen gespielt, habe ich den deutschen Maedchen beigebracht, da nahm man am Ende auch den anderen die Steine weg........
Das hier alles zu lesen ist eine richtige Erholung von der ganzen Politik, tut gut! Auch wenn wir alle in politisch hochbrisanten Zeiten lebten.
Gruesse, Larissa
korr.kl./la


Peter42 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 09:56
von Gelöschtes Mitglied
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Wer von euch kennt noch das beliebte Kinderspiel Kippel - Kappel ???

Vierkrug


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#60

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 20.02.2013 13:35
von der glatte | 1.356 Beiträge

Nö, vom Namen her nicht. Gebe doch bitte einmal einige Infos dazu.

Gruß vom Glatten


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