#1

Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 12:52
von MK1987 | 50 Beiträge

Habe mal ein paar Fragen zu den Sicherungskompanien an den Grenzübergängen:

Waren da auch Wehrpflichtige dabei bzw. konnte es jeden treffen, in eine SiK zu kommen? Aufgrund der baulichen Besonderheiten an den Grenzübergängen im Vergleich zum Rest der Grenze kann ich mir vorstellen, dass man dort einfacher "die Fliege machen" konnte...?! Oder kamen dort nur politisch zuverlässige hin?
Waren die SiKs speziell in Nähe der Grenzübergänge untergebracht oder ganz normal in GT-Kasernen?
Gab es sie egtl. auch an den Flughäfen?



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#2

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 13:05
von exgakl | 7.238 Beiträge

Hallo MK1987,

ich hoffe ein paar Deiner Fragen beantworten zu können, da ich selbst eine gewisse Zeit in einem GÜST-Sicherungszug war. Die Soldaten waren im Prinzip der gleichen Betstätigung ausgesetzt wie normal in den Grenzeinheiten für die Feindwärtseinsätze (Anordnung 13/81).
Das hies nicht zwangsläufig, das die politisch Zuverlässig waren, sondern eher... wie soll man es ausdrücken.... eine verstärkte Heimatverbundenheit verspürten
In Berlin Treptow, war der Sicherungszug z.B. ganz normal in der Kaserne untergebracht. An Flughäfen war m.E. nur die PKE zuständig.... dafür möchte ich aber nicht meine Hand ins Feuer legen.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#3

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 15:15
von sentry | 1.108 Beiträge

In Marienborn hatten wir den üblichen Bevölkerungsquerschnitt. Man erzählte sich zwar, der Kommandant würde sich seine Soldaten selbst aussuchen, aber ich glaube nicht, dass das zu meiner Zeit noch stimmte.
Zukünftige SiK-Soldaten wurden schon vom ersten Tag an vorsortiert. In Halberstadt gab es zu meiner Zeit Ausbildungskompanien, die speziell auf die Versetzung an GÜSten vorbereiteten. Die Ausbildung dauerte 6 Monate (andere Kompanien 3 Monate).
Wie schon gesagt, waren wir nicht aussergewöhnlich linientreu, jedenfalls nicht alle. Aber ich bin davon überzeugt, dass man unser Fluchtrisiko geringer als bei anderen Soldaten einschätzte.
Nach der Ausbildung wurde die Kompanie auf die verschiedenen GÜSten verteilt, so dass mir ein guter Teil meiner Kameraden erhalten blieb. Die SiK Marienborn hatte ein eigenes Gebäude auf dem Gelände des Marienborner Grenzbataillon. Die Kaserne lag unmittelbar neben dem Sicherungsabschnitt der GÜSt Autobahn. Die Alarmgruppe konnte durchaus in 3 min zu Fuß den Abschnitt erreichen.
Auf Grund des großen Loches im Zaun war die Fluchtmöglichkeit natürlich offensichtlich besser. Allerdings wurde das durch einen größeren Personalaufwand als an der grünen Grenze ausgeglichen. So standen an der Autobahn-GÜSt rund um die Uhr 13 SiK-Angehörige auf Grenzdienst, der Abschnitt war aber nur 40 m lang, nämlich die weiße Linie, die schräg über die Autobahn lief.
Da gab es sicher bessere Abschnitte für einen Fluchtversuch.
Wie überall wurden natürlich auch an der GÜSt die besonders sensiblen und fluchtgefährdeten Postenpunkte von (vermeintlich) besonders zuverlässigen Soldaten besetzt (vgl. Stichwort Blutgruppen in diesem Forum); soll heißen, auch innerhalb der vorsortierten SiK-Soldaten gab es nochmals diverse Abstufungen, wer wo hingehen durfte und wo nicht.

@exgakl
Heimatverbundenheit ist niedlich, ich musste grinsen. Aber es trifft die Sache ganz hervorragend.


zuletzt bearbeitet 29.01.2011 15:17 | nach oben springen

#4

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 17:06
von dremi (gelöscht)
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Hallo" MK1987"
Ich schließe mich erstmal den Ausführungen meiner Vorschreiber an.
Nach meiner Erfahrung waren SIK prinzipiell selbständige Einheiten. Soweit den GT unterstellt: Unterstellung
direkt Kommandeur des Grenzregimentes. Mit dieser Unterstellung ist davon auszugehen das es sich um " handverlesene" AGT
handelte. Auch in der Anzugsordnung waren Unterschiede zu mormalen Grenzdienstleistenden zu erkennen.
Gruß dremi


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#5

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 17:15
von exgakl | 7.238 Beiträge

Hallo Dremi,

was verstehst du unter "prinzipiell selbständige Einheiten"? Die Sicherungseinheiten waren auch nicht direkt dem Regimentskommandeur unterstellt, was sollte der auch damit?
Ich nehme an, das Du das mit dem GÜST-Komandanten verwechselt hast!

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#6

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 17:26
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Ich kann die Aussagen von sentry und exgakl so bestätigen!


zuletzt bearbeitet 29.01.2011 17:28 | nach oben springen

#7

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 17:39
von exgakl | 7.238 Beiträge

Dremi was mir gerad noch auffiel... du schreibst, "wenn direkt den GT unterstellt" Wem sollten die Sicherungszüge bzw. Kompanien denn sonst unterstellt sein?

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#8

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 18:03
von MK1987 | 50 Beiträge

Vielleicht meint er die PKE, also Stasi...?



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#9

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 18:05
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von MK1987
Vielleicht meint er die PKE, also Stasi...?



na ich denke mal oder er hat das mit der SIK der HA1 verwechselt....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#10

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 18:15
von sentry | 1.108 Beiträge

Vielleicht noch zur Präzisierung: Im Grunde bestand die SiK fast NUR aus Wehrpflichtigen. Höhere Dienstgrade gab es kaum mehr, als in anderen Kompanien. Die Soldaten gingen zwar auf Grenzdienst in Uniformen von Berufsoffizieren, trugen aber auf der Schulter ihre echten Dienstgrade und auch die grünen Postenführeraufschübe. Wenn also an der GÜSt größere Gruppen Unteroffiziere oder Offiziere gesichtet wurden, waren sie höchstwahrscheinlich von der PKE.


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#11

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 18:59
von utkieker | 2.927 Beiträge

Eigentlich wollte ich es schnell hinter mich bringen, nach dem Wehrdienst zum Studium. Mir war es auch völlig Schnuppe wo ich hin komme. Also bekam ich meine Einberufung zu den Grenztruppen. Nach einem halben Jahr in Perleberg wurden wir auf die Grenzregimenter verteilt. Keine Ahnung, wie die ihre Kader aussuchen. An der Uffz- Schule war ich doch sowieso nur Mittelmaß. Der W50 fuhr uns nach Salzwedel, absitzen, danach ging alles relativ zügig. Die Namen wurden verlesen X nach Bonese Y nach Riebau Z nach Aulosen u.s.w. "Hab ich noch wen vergessen?", brüllte der Verteiler. "Ja hier", meldete ich kleinlaut. "Name?", "Unteroffizier Utkieker!" "Zur Güst" brummte der Einweiser und grinste dabei. Güst?? - keine Ahnung was das ist und bekam irgendwie sogar eher ein schlechtes Gewissen, hättest du dich an Uffz- Schule besser angestrengt, dann wärst du jetzt in Bonese, Riebau oder Aulosen. Ein Stabsfeldwebel nahm mich im Empfang und ab ging es zur Grenzkompanie nach Seebenau. Der Sicherungszug GüSt Salzwedel teilte sich die Kaserne mit der Grenzkompanie....
Die GüSt Salzwedel blieb für mich aber nur ein kurzes Intermezzo nach neun Monaten an der GüSt wurde ich von einem Tag auf den anderen nach Gollensdorf abgeschoben. Sicherlich war ich wohl doch ein Sicherheitsrisiko, zumal ich in Gollensdorf monatelang nicht im Grenzabschnitt 1 eingesetzt werden sollte. Scheißegal ich wollte doch nur meinen Zeitdienst absitzen und dann studieren, Fluchtgedanken hatte ich nie. Möglicherweise gefiel manchen Vorgesetzten meine schnodderige respektlose Art nicht. Aber man kann von mir doch nicht erwarten bei der Befehlsannahme das Gehirn auszuschalten, damit hatte ich schon in Perleberg meine Probleme.


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 19:33
von dremi (gelöscht)
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Ich habe gelernt, das es territoriale Besonderheiten gegeben hat. Wollte auch keinen auf den "Schlips " treten.
Ich betone auch ausdrücklich das eine andere, mögliche Unterstellung, nicht dem PKE zuzuweisen sein könnte., wie bereits
beschrieben, der Selbständigkeit. Die SIK`s im Bereich des GR-1 unterstanden, meines wissens nach, dem K-GR-1.
Ich lasse mich gern belehren.
Gruß dremi
PS: Kurze Frage? War de GÜST- Kommandant eigenständig?


zuletzt bearbeitet 29.01.2011 19:44 | nach oben springen

#13

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 19:53
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Die SiK unterstand dem Güst-Kdt. und der dem Kdr-GR. Das bedeutet eine Güst-SiK waren genauso selbständig oder nicht wie eine GK mit ihrem KC/ Batl-Kdr/ Kdr-GR in der Unterstellung.

Bei den SiK 25 - 27 (GT) oder der SiK der HA1 war das was anderes, allerdings hatten die im Normalfall nichts mit einer Güst zu tun.


Rainje hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.01.2011 19:58 | nach oben springen

#14

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 20:03
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von GZB1
Die SiK unterstand dem Güst-Kdt. und der dem Kdr-GR. Das bedeutet eine Güst-SiK waren genauso selbständig oder nicht wie eine GK mit ihrem KC/ Batl-Kdr/ Kdr-GR in der Unterstellung.

Bei den SiK 25 - 27 (GT) oder der SiK der HA1 war das was anderes, allerdings hatten die im Normalfall nichts mit einer Güst zu tun.



so isses!


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#15

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 20:06
von dremi (gelöscht)
avatar

GZB1
Danke


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#16

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 20:13
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Zitat von dremi
GZB1
Danke



Null Problemo!


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#17

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 29.01.2011 20:19
von utkieker | 2.927 Beiträge

Unser Sicherungszug war dem Kdr des GR direkt unterstellt, es gab also keine Batalionsebene dazwischen. Der Kdr der GüSt Salzwedel, war zu meiner Dienstzeit ein gewisser Osl L. auch der Löwe genannt und Weisungsbefugnisse gegenüber Zoll, PKE und dem SiZ. Ihm unterstanden vier DHO's die sich regelmäßig in der Führungsstelle der GüSt ablösten. Einer der DHO's, Spitzname Pittiplatsch ging nachher nach Marienborn.


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#18

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 09:07
von exgakl | 7.238 Beiträge

Moin Utkieker,

auch in Deinem Fall war der Sicherungszug nicht direkt dem Kommandeur des Grenzregiements unterstellt, sondern dem Kommandanten der GÜST. Dieser widerum war dem Regimentskommandeur unterstellt.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#19

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 12:24
von Germane | 3 Beiträge

Zitat von MK1987
Habe mal ein paar Fragen zu den Sicherungskompanien an den Grenzübergängen:

Waren da auch Wehrpflichtige dabei bzw. konnte es jeden treffen, in eine SiK zu kommen? Aufgrund der baulichen Besonderheiten an den Grenzübergängen im Vergleich zum Rest der Grenze kann ich mir vorstellen, dass man dort einfacher "die Fliege machen" konnte...?! Oder kamen dort nur politisch zuverlässige hin?
Waren die SiKs speziell in Nähe der Grenzübergänge untergebracht oder ganz normal in GT-Kasernen?
Gab es sie egtl. auch an den Flughäfen?



Ja, es wäre ein leichtes die "Fliege" zu machen, hatten eine Grenzbrücke in Hirschberg / Rudolphstein über die Saale. Viertelbrücke DDR, Dreiviertelbrücke BRD. Hinterm letzten Sperrelement war absolutes Schießverbot und dann war nur ein weißer Strich als Grenze. Aber man hat an die Familie zu Hause gedacht, und des dehalb hat man es nicht getan. Und außerdem wäre bei dem Grenztruppen die "Fahnenflucht" das größte Verbrechen gewesen.


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#20

RE: Wer kam in eine SiK?

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 12:32
von MK1987 | 50 Beiträge

Zitat von sentry
. Die Soldaten gingen zwar auf Grenzdienst in Uniformen von Berufsoffizieren, trugen aber auf der Schulter ihre echten Dienstgrade und auch die grünen Postenführeraufschübe.



Was heißt echte Dienstgrade? Da die Dienstgradbezeichnungen in den "bewaffneten Organen" der DDR bis auf den Zoll alle die gleichen waren, haben die PKE-Leute doch sicherlich die GT-Schulterklappen an der Uniform gehabt, die ihrem MfS-Rang entsprachen, z.B. war ein Major des MfS bestimmt als Major der GT getarnt..., oder?



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