#41

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 12:51
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von willie
Hallo,

ist ist doch sehr seltsam, wenn man schon beim ersten Anhalten des Pkw`s mit seinem Namen angesprochen wird und man die geforderten Unterlagen (Zählkarte, Reisepaß) noch nicht mal aus der Hand gegeben hat. Oder?

@Gohrbi hatte in seinem Beitrag auch das Ansprechen eines BW-Anhörigen mit Dienstgrad erwähnt. Gleich zwei Zufälligkeiten?
Nebenbei:
Die Reise mußte ja auch zuvor rechtzeitig bei den zuständigen Behörden beantragt werden. Allein schon dort waren Daten frühzeitig über mich bekannt.
Ich glaube nicht, das hier jemand mit "telepathischen Fähigkeiten" eingesetzt wurde.

Gruß Willie




Auweia Willie,

..also immer diese "Verdächtigungen"....
Das Einfachste wäre doch..Du lässt Dir "Deine persönliche Akte"kommen,dann kannste insofern vorhanden oder noch in "Rekonstruktion"
befindlich,Ein/An/Aussichten erhalten,die zur "Klärung dieses Sachverhaltes"behilflich sein könnte.
Gruss BO


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#42

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 13:12
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von willie
Ich glaube nicht, das hier jemand mit "telepathischen Fähigkeiten" eingesetzt wurde.


[Achtung, IRONIE]
Ha, da isser wieder, der Glaube *grins*
Nun @willie, warum eigentlich nicht? Die 'andere' Seite hatte ja sogar ein Forschungsprojekt in diese Richtung finanziert.
Seit 1970 wurde das Remote-Viewing-Projekt von amerikanischen Bundesbehörden – darunter die Armee, die Marine, die NASA und der Geheimdienst CIA – finanziell unterstützt, da man Anfang der siebziger Jahre eine „Psi-Lücke“ (Psychic gap) gegenüber der Sowjetunion festzustellen glaubte. Die aus sechs Medien bestehende Gruppe arbeitete isoliert an militärischen Projekten. Sie versuchte z. B. Atomraketen, geheime Militärgelände und unterirdische Stationen zu entdecken. Ende der siebziger Jahre sprang die Defense Intelligence Agency (DIA) für die CIA ein und gab dem Projekt den Codenamen Stargate. 1989 wurde das Programm zunächst für geheim erklärt, bis man ihm 1995 die Unterstützung entzog. In 24 Jahren hatte die Regierung die Aktivitäten der kleinen Gruppe mit insgesamt 20 Millionen Dollar unterstützt. Die offizielle Begründung für die Einstellung von Stargate lautete, die Arbeit der Gruppe habe nicht viel gebracht.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fernwahrnehmung#Geschichte
Ein schöner Spielfilm (das Richtige für die Feiertage) dazu: Männer, die auf Ziegen starren


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#43

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 15:46
von willie | 612 Beiträge

Hallo BO und 94,
genau daran hab ich auch schon die ganze Zeit gedacht. Eine Akte gibt es mit Sicherheit.
Kann mir vielleicht mal jemand aus dem Forum mitteilen wie man an "seine" Akte/gesammelten Daten herankommt.
Welche Formalitäten hierfür notwendig sind?
Habe mir früher nie so richtig Gedanken hierüber gemacht, aber jetzt ist doch die Neugier da.
Vielen Dank schon mal.
Gruß Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
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#44

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 15:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von willie
Kann mir vielleicht mal jemand aus dem Forum mitteilen wie man an "seine" Akte/gesammelten Daten herankommt.


Na sicher doch, schau mal: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#45

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 17:37
von Eumel | 139 Beiträge

Für das Ansprechen mit Namen vor der Passkontrolle gibt es wirklich keine schlüssige Erklärung. Lag das Auto in Fahndung und wurde schon von Weitem erkannt bzw. abgeglichen (was auch ungewöhnlich wäre), dann wäre das Ansprechen völlig falsch gewesen. Ebenso falls eine Lichtbildfahndung vorläge. Das ist allerdings so ziemlich ausgeschlossen (gab es sehr selten). Im Prinzip sehe ich da auch dem "satirischen Beitrag" von Rabe eine Erklärung. Es entbehrt eigentlich jeder Logik, wenn eine "operativ wichtige" Person einreist und man zeigt ihr gleich, dass man schon auf sie gewartet hat. Abgleich erfolgte ja erst mit Pass und nach zweifelsfrei festgestellter Identität konnte man dann immer noch auf das Ziel zusteuern. Vielleicht spielte auch nur einfach ein großer Zufall eine Rolle (Unterhaltung von Reisenden, welche ihn kannten oder was auch immer).

Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall. Und ich gebe auch gern zu, dass manches Handel von Personen (früher wie heute) nichts mit Logik zu tun hat. Klärung gibt es da wahrscheinlich wirklich nur nach Einsicht in die Akte (falls da was vermerkt ist).


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#46

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 21.12.2010 18:51
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von willie
Hallo BO und 94,
genau daran hab ich auch schon die ganze Zeit gedacht. Eine Akte gibt es mit Sicherheit.
Kann mir vielleicht mal jemand aus dem Forum mitteilen wie man an "seine" Akte/gesammelten Daten herankommt.
Welche Formalitäten hierfür notwendig sind?
Habe mir früher nie so richtig Gedanken hierüber gemacht, aber jetzt ist doch die Neugier da.
Vielen Dank schon mal.
Gruß Willie


"Früher war mehr Lametta" Willie,
bissle Einsicht findest Du erst einmal auf der Hompage...und etwas "Lesestoff"
http://www.bstu.de/

Zu beachten wäre,das Du für Deine Person eine Legitimation aufzeigen kannst,also das Du eben Du bist,ein Telefonat zu Auskünften ist eine schnelle Möglichkeit,die Antragsstellung zu "beleuchten".
Sodann,viel Erfolg bei der "Klärung eines Sachverhaltes"
Gruss BO




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#47

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 15:16
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von willie im Beitrag #43
Eine Akte gibt es mit Sicherheit.
..., aber jetzt ist doch die Neugier da...
Vielen Dank schon mal.
Gruß Willie




Hallo Willie,

hast Du denn inzwischen in Deine Stasiakte, so Du eine hast reingeguckt?

So Du in der z.B. Zählkarte Deine Zugehörigkeit zum BGS angegeben hast, bist Du automatisch in das Blickfeld u.a. folgender Diensteinheiten des MfS gelangt: BV des jeweiligen Bezirkes/Abt. XV, Linie XV der zuständigen KD, im Bereich der GüST liegenden Unterabteilung der HA I/Aufklärung.

Hast Du dann auch noch in Grenznähe gewohnt und Dein Reiseziel in der DDR angegeben sollte es mich wundern, wenn sich niemand unter operativen Gesichtspunkten mit Deinem DDR-Reiseziel beschäftigt hätte.

Aus der Sicht der HA I/Aufklärung dürfte lt. Deinem Profil für Dich die Unterabteilung (UA) GR 1 in Mühlhausen (GKS) "zuständig" gewesen sein. Die sichern sich die "Rechte" an Deiner operativen Bearbeitung und beschäftigten sich dann sicher erstmal mit der operativen Personenaufklärung Deines Reisezieles in der DDR hinsichtlich der Eignung für eine Kontaktaufnahme.

Insgesamt ein langwieriger Prozess, allerdings gehörte der BGS, insbesondere der in Grenznähe selbstredend zu den Zielobjekten des MfS.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
willie hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#48

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 15:43
von willie | 612 Beiträge

Hi Andy,
vielen Dank für Deine Info.
Denke mal, daß ich in nächster Zeit einen Antrag auf Einsichtignahme stellen werde.
Ich möchte mich nun doch noch mal überraschen lassen. Nach über 20 Jahren.
Schaun mer mal.
Gruß
Willie


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#49

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 16:17
von Passer | 74 Beiträge

Zitat von willie im Beitrag #48
Hi Andy,
vielen Dank für Deine Info.
Denke mal, daß ich in nächster Zeit einen Antrag auf Einsichtignahme stellen werde.
Ich möchte mich nun doch noch mal überraschen lassen. Nach über 20 Jahren.
Schaun mer mal.
Gruß
Willie


Hallo Willie,

Der PKE Mitarbeiter der Sie angesprochen hat, war kein normaler aus dem Abfertigungsprozess. Für so etwas gab es speziell ausgebildete Operativ-Offiziere. Die wussten ganz genau an welchem Tag die Einreise erfolgen wird. Diese Avisierungen kamen in der Regel entweder über die HA VI/AGV = (Antrags- und Genehmigungsverfahren) bzw. wenn die Zielperson bereits zum Interesse der bearbeitenden DIensteinheit des MfS geworden ist, über diese. Wahrscheinlich lagen Sie auch in der Grenzfahndung mit den üblichen Maßnahmen: Dokumentation der Reisedokumente und Information über Einreise- und Ausreisezeitpunkt. Über Sie, aber insbesondere die Personen des Besuchsziels gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Akte.

Sie sollten deshalb ein Antrag auf Akteneinsicht stellen. Gleichlaufend sollten die Personen ihres damaligen Besuchsziels einen Antrag stellen. Wäre doch mal interessant die Zusammenhänge herauszufinden...

Passer


1981-1984 MFS PKE
1985-1989 MFS Abt. VI/OLZ/Fahndung
1990 Fahndungsoffizier GBK (GT)
1990-1991 Kontrolloffizier f. Rückbau d. Grenzanlagen

François Mitterrand: "Ich war das Produkt meiner Erziehung und meines Milieus!"
willie hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#50

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 16:31
von willie | 612 Beiträge

Herzlichen Dank für die Info`s. Antrag werd ich stellen. Bin recht neugierig geworden.
Gruß Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
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#51

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 16:42
von eisenringtheo | 9.164 Beiträge

In der Schweiz gab es damals ein Buch (das jedermann kaufen konnte), in dem die KfZ-Nummern alphabetisch aufgeführt waren und bei jeder Nummer stand der Fahrzeughalter. Sah aus wie ein Telefonbuch. Falls es Ähnliches in der BRD gab, wäre das eine einfache Erklärung. Bei einem auffälligen Auto, Fahrer oder Beifahrer den Fahrer mit Namen anzusprechen, wäre immerhin eine gute Methode, um rasch festzustellen, ob alles koscher ist.
Theo


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#52

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 17:52
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von willie im Beitrag #50
Herzlichen Dank für die Info`s. Antrag werd ich stellen. Bin recht neugierig geworden.
Gruß Willie


http://www.bstu.bund.de/DE/Akteneinsicht...mular_node.html

Hallo Willie,

ich habe mal den Link zum Antrag auf Akteneinsicht voran gestellt.
Allerdings muss ich Deine Euphorie ein wenig dämpfen.

Auch wenn Du als Angehöriger des BGS regelmäßig an der Staatsgrenze für die Grenzaufklärer sichtbar warst und für diverse Sicherheitsstufen in Deiner Dienststelle zugelassen warst heisst das noch lange nicht, dass im Archiv des MfS über Dich eine Akte exestiert. Selbst wenn Deine Personalien dem allein auftretenen BGS-Beamten an der Grenze hätten zugeordnet werden können, sichert das keine MfS-Akte (im Archiv).

Zum besseren Verständnis will ich mal die Prozedur aus Sicht der HA I/Aufklärung näher beschreiben:

Das Bildmaterial, dass die Grenzaufklärer an der grünen Grenze und an der Berliner Mauer erstellten, war auch den UA'en Aufklärung der jeweiligen Grenzregimenter zugänglich und es wurden dazu auch Akten in den DE geführt. Konnten zu den einzelnen BGS-Leuten weitere Angaben ermittelt werden (z.B. pol. Kz. des Privatfahrzeuges auf dem PP der Dienststelle) kamen auch diese Infos in die entsprechende Akte und blieb da erstmal liegen. Waren die an der Grenze handelnden BGS-Leute namentlich bekannt, wurden sie im Regelfall in der HA XII (zentraler MfS-Speicher) für die jeweilige DE gespeichert (Karteikarte). Tauchte die Person dann im Dunstkreis des MfS in irgendeinem Zusammenhang auf, wurde die erfassende DE davon informiert.

Das könnte z.B. der Fall sein, wenn Du bei Deiner Einreise in die DDR Deine Tätigkeit beim BGS angegeben hast und irgendeine DE des MfS mit Interesse an dem BGS Deine Einreiseunterlagen in die Finger bekommt und Dich in eben dieser HA XII mit dem entsprechendem Formular (F 10) überprüft. Auch das zieht nicht zwingend das Anlegen einer Akte nach sich.

Hast Du auch ein Reiseziel in der DDR angegeben, lag operatives Interesse vor und diese Person(en) wurden ebenfalls namentlich in der HA XII erfasst.
In einem nächsten Schritt wurde durch Speicherabfrage geprüft, ob es sich um eine einmalige Einreise handelte oder ob Du schon mehrfach in der DDR warst.

Ergaben sich im Rahmen der weiteren Speicherabfragen Hinweise auf häufigere Einreisen in die DDR wurden Informationen zum DDR-Reiseziel gesammelt (Personalunterlagen, Umfeldermittlungen, etc.)

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte.

Stellte sich Dein DDR-Reiseziel als "operativ brauchbar" heraus wurde es unter einer Legende mit dem Ziel angesprochen, die operative Nutzung des Kontaktes eines DDR-Bürgers zu einem BGS-Angehörigen zu prüfen.

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte, sondern nur den Nachweis der Erfassung in der HA XII.

Die Prüfung der operativen Nutzungsmöglichkeiten Deines DDR-Reiseziels konnte Monate oder auch Jahre dauern und zu diesem Zeitpunkt gab es in der bearbeitenden DE eine kleine Akte über Dich und eine mehr oder weniger größere über Dein Reiseziel. Diese hingen allerdings beim zuständigen MA im Panzerschrank, ein Duplikat gab es nicht.

Erst wenn die Werbung der DDR-Verbindung als IM geplant wurde, wurde auch eine Akte im Archiv angelegt (IM-Vorlauf), die dann nach der erfolgreichen Werbung der DDR-Verbindung in einen IM-Vorgang umgewandelt wurde.

Auch zu diesem Zeitpunkt hing die Akte mit den Infos über Dich noch im Panzerschrank des MA's und nicht im Archiv des MfS.

Kam man dann irgendwann über die DDR-Verbindung mit Dir in Kontakt und rechnete sich Chancen für eine operative Nutzung Deiner Person aus - dann wurde mglw. auch der IM-Vorlauf in der HA XII angelegt.

So lange warst Du lediglich mit Deinen Personalien erfasst, um eine Doppelbearbeitung von Anfang an auszuschliessen.

Es kann also auch gut sein, dass alle bekannten Informationen zu Deiner Person den Panzerschrank des zuständigen MA's nie verlassen haben und im Zuge der Wende, wie bei mir, im Feuer einer Heizungsanlage zu Asche wurden.

Im Übrigen füllte das vorhanden Bild- und Schriftmaterial mehrere Kisten (100x40x40 oder so).

Es gab zwar im Vorfeld der Wende den Befehl, die laufenden Vorgänge zu archivieren - ich kenne aber niemanden, der das dann auch getan hat.


Wenn Deine Einreisen in die DDR vielleich 1-2 Jahre vor der Wende stattfanden gibt es evtl. die Möglichkeit, dass über Dein Reiseziel ein IM-Vorlauf oder IM-Vorgang im Archiv der HA XII vorliegt.

Gab es Dir gegenüber noch keine Kontaktaufnahme und hat der zuständige MA die Vorfeldakten nicht, wie befohlen archiviert, wirst Du mglw. leer ausgehen.

Dein DDR-Reiseziel bzw. deren Verwandte sollten aber auf jeden Fall einen Antrag auf Einsichtnahme stellen.

andy


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exgakl und willie haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#53

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 20:41
von Passer | 74 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #52
Zitat von willie im Beitrag #50
Herzlichen Dank für die Info`s. Antrag werd ich stellen. Bin recht neugierig geworden.
Gruß Willie


http://www.bstu.bund.de/DE/Akteneinsicht...mular_node.html

Hallo Willie,

ich habe mal den Link zum Antrag auf Akteneinsicht voran gestellt.
Allerdings muss ich Deine Euphorie ein wenig dämpfen.

Auch wenn Du als Angehöriger des BGS regelmäßig an der Staatsgrenze für die Grenzaufklärer sichtbar warst und für diverse Sicherheitsstufen in Deiner Dienststelle zugelassen warst heisst das noch lange nicht, dass im Archiv des MfS über Dich eine Akte exestiert. Selbst wenn Deine Personalien dem allein auftretenen BGS-Beamten an der Grenze hätten zugeordnet werden können, sichert das keine MfS-Akte (im Archiv).

Zum besseren Verständnis will ich mal die Prozedur aus Sicht der HA I/Aufklärung näher beschreiben:

Das Bildmaterial, dass die Grenzaufklärer an der grünen Grenze und an der Berliner Mauer erstellten, war auch den UA'en Aufklärung der jeweiligen Grenzregimenter zugänglich und es wurden dazu auch Akten in den DE geführt. Konnten zu den einzelnen BGS-Leuten weitere Angaben ermittelt werden (z.B. pol. Kz. des Privatfahrzeuges auf dem PP der Dienststelle) kamen auch diese Infos in die entsprechende Akte und blieb da erstmal liegen. Waren die an der Grenze handelnden BGS-Leute namentlich bekannt, wurden sie im Regelfall in der HA XII (zentraler MfS-Speicher) für die jeweilige DE gespeichert (Karteikarte). Tauchte die Person dann im Dunstkreis des MfS in irgendeinem Zusammenhang auf, wurde die erfassende DE davon informiert.

Das könnte z.B. der Fall sein, wenn Du bei Deiner Einreise in die DDR Deine Tätigkeit beim BGS angegeben hast und irgendeine DE des MfS mit Interesse an dem BGS Deine Einreiseunterlagen in die Finger bekommt und Dich in eben dieser HA XII mit dem entsprechendem Formular (F 10) überprüft. Auch das zieht nicht zwingend das Anlegen einer Akte nach sich.

Hast Du auch ein Reiseziel in der DDR angegeben, lag operatives Interesse vor und diese Person(en) wurden ebenfalls namentlich in der HA XII erfasst.
In einem nächsten Schritt wurde durch Speicherabfrage geprüft, ob es sich um eine einmalige Einreise handelte oder ob Du schon mehrfach in der DDR warst.

Ergaben sich im Rahmen der weiteren Speicherabfragen Hinweise auf häufigere Einreisen in die DDR wurden Informationen zum DDR-Reiseziel gesammelt (Personalunterlagen, Umfeldermittlungen, etc.)

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte.

Stellte sich Dein DDR-Reiseziel als "operativ brauchbar" heraus wurde es unter einer Legende mit dem Ziel angesprochen, die operative Nutzung des Kontaktes eines DDR-Bürgers zu einem BGS-Angehörigen zu prüfen.

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte, sondern nur den Nachweis der Erfassung in der HA XII.

Die Prüfung der operativen Nutzungsmöglichkeiten Deines DDR-Reiseziels konnte Monate oder auch Jahre dauern und zu diesem Zeitpunkt gab es in der bearbeitenden DE eine kleine Akte über Dich und eine mehr oder weniger größere über Dein Reiseziel. Diese hingen allerdings beim zuständigen MA im Panzerschrank, ein Duplikat gab es nicht.

Erst wenn die Werbung der DDR-Verbindung als IM geplant wurde, wurde auch eine Akte im Archiv angelegt (IM-Vorlauf), die dann nach der erfolgreichen Werbung der DDR-Verbindung in einen IM-Vorgang umgewandelt wurde.

Auch zu diesem Zeitpunkt hing die Akte mit den Infos über Dich noch im Panzerschrank des MA's und nicht im Archiv des MfS.

Kam man dann irgendwann über die DDR-Verbindung mit Dir in Kontakt und rechnete sich Chancen für eine operative Nutzung Deiner Person aus - dann wurde mglw. auch der IM-Vorlauf in der HA XII angelegt.

So lange warst Du lediglich mit Deinen Personalien erfasst, um eine Doppelbearbeitung von Anfang an auszuschliessen.

Es kann also auch gut sein, dass alle bekannten Informationen zu Deiner Person den Panzerschrank des zuständigen MA's nie verlassen haben und im Zuge der Wende, wie bei mir, im Feuer einer Heizungsanlage zu Asche wurden.

Im Übrigen füllte das vorhanden Bild- und Schriftmaterial mehrere Kisten (100x40x40 oder so).

Es gab zwar im Vorfeld der Wende den Befehl, die laufenden Vorgänge zu archivieren - ich kenne aber niemanden, der das dann auch getan hat.


Wenn Deine Einreisen in die DDR vielleich 1-2 Jahre vor der Wende stattfanden gibt es evtl. die Möglichkeit, dass über Dein Reiseziel ein IM-Vorlauf oder IM-Vorgang im Archiv der HA XII vorliegt.

Gab es Dir gegenüber noch keine Kontaktaufnahme und hat der zuständige MA die Vorfeldakten nicht, wie befohlen archiviert, wirst Du mglw. leer ausgehen.

Dein DDR-Reiseziel bzw. deren Verwandte sollten aber auf jeden Fall einen Antrag auf Einsichtnahme stellen.

andy






Du meinst, Willie könnte auch nur eine "VSH-Leiche" sein? Auch das ist möglich...

Aber Antrag stellen, kost ja nix...

Passer


1981-1984 MFS PKE
1985-1989 MFS Abt. VI/OLZ/Fahndung
1990 Fahndungsoffizier GBK (GT)
1990-1991 Kontrolloffizier f. Rückbau d. Grenzanlagen

François Mitterrand: "Ich war das Produkt meiner Erziehung und meines Milieus!"
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#54

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 20:58
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #52
Zitat von willie im Beitrag #50
Herzlichen Dank für die Info`s. Antrag werd ich stellen. Bin recht neugierig geworden.
Gruß Willie


http://www.bstu.bund.de/DE/Akteneinsicht...mular_node.html

Hallo Willie,

ich habe mal den Link zum Antrag auf Akteneinsicht voran gestellt.
Allerdings muss ich Deine Euphorie ein wenig dämpfen.

Auch wenn Du als Angehöriger des BGS regelmäßig an der Staatsgrenze für die Grenzaufklärer sichtbar warst und für diverse Sicherheitsstufen in Deiner Dienststelle zugelassen warst heisst das noch lange nicht, dass im Archiv des MfS über Dich eine Akte exestiert. Selbst wenn Deine Personalien dem allein auftretenen BGS-Beamten an der Grenze hätten zugeordnet werden können, sichert das keine MfS-Akte (im Archiv).

Zum besseren Verständnis will ich mal die Prozedur aus Sicht der HA I/Aufklärung näher beschreiben:

Das Bildmaterial, dass die Grenzaufklärer an der grünen Grenze und an der Berliner Mauer erstellten, war auch den UA'en Aufklärung der jeweiligen Grenzregimenter zugänglich und es wurden dazu auch Akten in den DE geführt. Konnten zu den einzelnen BGS-Leuten weitere Angaben ermittelt werden (z.B. pol. Kz. des Privatfahrzeuges auf dem PP der Dienststelle) kamen auch diese Infos in die entsprechende Akte und blieb da erstmal liegen. Waren die an der Grenze handelnden BGS-Leute namentlich bekannt, wurden sie im Regelfall in der HA XII (zentraler MfS-Speicher) für die jeweilige DE gespeichert (Karteikarte). Tauchte die Person dann im Dunstkreis des MfS in irgendeinem Zusammenhang auf, wurde die erfassende DE davon informiert.

Das könnte z.B. der Fall sein, wenn Du bei Deiner Einreise in die DDR Deine Tätigkeit beim BGS angegeben hast und irgendeine DE des MfS mit Interesse an dem BGS Deine Einreiseunterlagen in die Finger bekommt und Dich in eben dieser HA XII mit dem entsprechendem Formular (F 10) überprüft. Auch das zieht nicht zwingend das Anlegen einer Akte nach sich.

Hast Du auch ein Reiseziel in der DDR angegeben, lag operatives Interesse vor und diese Person(en) wurden ebenfalls namentlich in der HA XII erfasst.
In einem nächsten Schritt wurde durch Speicherabfrage geprüft, ob es sich um eine einmalige Einreise handelte oder ob Du schon mehrfach in der DDR warst.

Ergaben sich im Rahmen der weiteren Speicherabfragen Hinweise auf häufigere Einreisen in die DDR wurden Informationen zum DDR-Reiseziel gesammelt (Personalunterlagen, Umfeldermittlungen, etc.)

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte.

Stellte sich Dein DDR-Reiseziel als "operativ brauchbar" heraus wurde es unter einer Legende mit dem Ziel angesprochen, die operative Nutzung des Kontaktes eines DDR-Bürgers zu einem BGS-Angehörigen zu prüfen.

Auch zu diesem Zeitpunkt gab es über Dich im Archiv noch keine Akte, sondern nur den Nachweis der Erfassung in der HA XII.

Die Prüfung der operativen Nutzungsmöglichkeiten Deines DDR-Reiseziels konnte Monate oder auch Jahre dauern und zu diesem Zeitpunkt gab es in der bearbeitenden DE eine kleine Akte über Dich und eine mehr oder weniger größere über Dein Reiseziel. Diese hingen allerdings beim zuständigen MA im Panzerschrank, ein Duplikat gab es nicht.

Erst wenn die Werbung der DDR-Verbindung als IM geplant wurde, wurde auch eine Akte im Archiv angelegt (IM-Vorlauf), die dann nach der erfolgreichen Werbung der DDR-Verbindung in einen IM-Vorgang umgewandelt wurde.

Auch zu diesem Zeitpunkt hing die Akte mit den Infos über Dich noch im Panzerschrank des MA's und nicht im Archiv des MfS.

Kam man dann irgendwann über die DDR-Verbindung mit Dir in Kontakt und rechnete sich Chancen für eine operative Nutzung Deiner Person aus - dann wurde mglw. auch der IM-Vorlauf in der HA XII angelegt.

So lange warst Du lediglich mit Deinen Personalien erfasst, um eine Doppelbearbeitung von Anfang an auszuschliessen.

Es kann also auch gut sein, dass alle bekannten Informationen zu Deiner Person den Panzerschrank des zuständigen MA's nie verlassen haben und im Zuge der Wende, wie bei mir, im Feuer einer Heizungsanlage zu Asche wurden.

Im Übrigen füllte das vorhanden Bild- und Schriftmaterial mehrere Kisten (100x40x40 oder so).

Es gab zwar im Vorfeld der Wende den Befehl, die laufenden Vorgänge zu archivieren - ich kenne aber niemanden, der das dann auch getan hat.


Wenn Deine Einreisen in die DDR vielleich 1-2 Jahre vor der Wende stattfanden gibt es evtl. die Möglichkeit, dass über Dein Reiseziel ein IM-Vorlauf oder IM-Vorgang im Archiv der HA XII vorliegt.

Gab es Dir gegenüber noch keine Kontaktaufnahme und hat der zuständige MA die Vorfeldakten nicht, wie befohlen archiviert, wirst Du mglw. leer ausgehen.

Dein DDR-Reiseziel bzw. deren Verwandte sollten aber auf jeden Fall einen Antrag auf Einsichtnahme stellen.

andy







Nur mal so.

Einiges passt nicht.

Es gab z:B. keine HA XII

Was es gab waren Abt: XII.

Auch einige andere Beschreibungen sind nicht korrekt.


zuletzt bearbeitet 28.01.2013 21:09 | nach oben springen

#55

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 21:10
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #54
[
Kam man dann irgendwann über die DDR-Verbindung mit Dir in Kontakt und rechnete sich Chancen für eine operative Nutzung Deiner Person aus - dann wurde mglw. auch der IM-Vorlauf in der HA XII angelegt.







Nur mal so.

Einiges passt nicht.

Es gab z:B. keine HA XII.[/quote]

Es gab eine Abt XII, diese erteilte u.a. operative Auskünfte.

Für die Objektbearbeitung, z.B. Grenzübergänge West waren die entsprechenden Abt. VI der BV zuständig.
Dort wurden auch Informationen zu Personen die in den bearbeiteten Objekten tätig waren gesammelt.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#56

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 21:50
von Passer | 74 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #55
Zitat von Alfred im Beitrag #54
[
Kam man dann irgendwann über die DDR-Verbindung mit Dir in Kontakt und rechnete sich Chancen für eine operative Nutzung Deiner Person aus - dann wurde mglw. auch der IM-Vorlauf in der HA XII angelegt.







Nur mal so.

Einiges passt nicht.

Es gab z:B. keine HA XII.


Es gab eine Abt XII, diese erteilte u.a. operative Auskünfte.

Für die Objektbearbeitung, z.B. Grenzübergänge West waren die entsprechenden Abt. VI der BV zuständig.
Dort wurden auch Informationen zu Personen die in den bearbeiteten Objekten tätig waren gesammelt.[/quote]






******************************************

Genau, In den Abteilungen VI der Bezirksverwaltungen gab es ein Referat dafür:
Aufklärung der Grenzübergangsstellen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin-West

Passer


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1985-1989 MFS Abt. VI/OLZ/Fahndung
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François Mitterrand: "Ich war das Produkt meiner Erziehung und meines Milieus!"
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#57

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 28.01.2013 22:10
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #54
Zitat von andy im Beitrag #52
[quote=willie|p229064]





Nur mal so.

Einiges passt nicht.

Es gab z:B. keine HA XII

Was es gab waren Abt: XII.

Auch einige andere Beschreibungen sind nicht korrekt.




Alfred, wir leben im Jahr 2013, Du hast Recht, eine HA XII gab es nicht, es gab aber eine HA I/XII und die habe ich gemeint.

Du kannst ja gerne ins Detail gehen, was an meiner Schilderung ausser der XII-Beschreibung nicht stimmt.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 28.01.2013 22:11 | nach oben springen

#58

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 29.01.2013 09:59
von Gelöschtes Mitglied
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Eine Frage nebenbei an Andy und Passer - Zu meiner Schweriner Zeit war die VI noch im unterem Teil des Seitenflügels (Mozartstraße) der BV untergebracht. War das noch bis Schluß so ???

Vierkrug


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#59

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 29.01.2013 14:07
von andy | 1.199 Beiträge

[/quote]

Für die Objektbearbeitung, z.B. Grenzübergänge West waren die entsprechenden Abt. VI der BV zuständig.
Dort wurden auch Informationen zu Personen die in den bearbeiteten Objekten tätig waren gesammelt.[/quote]



Genau, In den Abteilungen VI der Bezirksverwaltungen gab es ein Referat dafür:
Aufklärung der Grenzübergangsstellen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin-West

Passer[/quote]



Ja, das mag wohl so gewesen sein und die Güst'n gehörte auch nicht zu den Zielobjekten der HA I/Aufklärung.

Die im Bereich der Staatsgrenze agierenden Polizei- und Zoll-Dienststellen (West-Berlin) sowie in der BRD der BGS sowie der GZD waren aber schon Zielobjekte und es kam das eine oder andere Mal auch zu Überschneidungen in der vermeintlichen Zuständigkeit mit anderen DE des MfS..

Die konkreten Aufgaben der Aufklärung der HA I im Bereich des KGT sind übrigens im Handbuch über die "Anatmie der Staatssicherheit" bei der Jahn-Behörde nachlesbar.


Vierkrug@

Mit der VI in SN hatte ich dienstlich nie zu tun, da ich im Berliner Raum angesiedelt war.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
zuletzt bearbeitet 29.01.2013 14:10 | nach oben springen

#60

RE: BGS-Beamte zu Besuch bei den Verwandten in der DDR

in Bundesgrenzschutz BGS 29.01.2013 15:06
von Gelöschtes Mitglied
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Sorry, daran hatte ich nicht gedacht Andy.

Gruß
Vierkrug


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