#21

RE: Als 25 Trabis einfach falsch abbogen

in DDR Zeiten 16.12.2010 15:12
von josy95 | 4.915 Beiträge

@Feliks D.,
dieser Thread hier paßt auch sehr gut bzw. hat einige gravierende Gemeinsamkeiten/ Zusammenhänge mit dem auch von Dir eröffnetem Thread "Arbeitseinkommen DDR/ BRD".

Es wurde zusehens mehr und mehr zu einer Art berühmt- berüchtigtem Volkssport, zu Klauen, was nicht Niet- und Nagelfest war. Anschließend entweder zu horten, um im entscheidenden Augenblick gegen andere Ware einzutauschen oder gleich zu "verscheuern, verscherbeln", wie es im damaligen Jargon wohl auch hieß.
Es entstand doch wohl auch daraus dieser treffende DDR-Witz, als ein vermeintlicher Dieb beim Verlassen seines Betriebes, hoppla, heut sagt man ja bundesdeutsch- vornehm Firma..., mit Diebesgut ertappt wurde und zur Rede gestellt wurde. seine prompte Antwort soll wohl gewesen sein...: Erich Honecker hat öffentlich gesagt, aus den Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen...!"

Ich weiß von ganzen Güterwagen, die samt Achsen und Puffern verschwanden..., der Güterwagen tauchte als s. g. Irrläufer wieder auf..., natürlich ohne Ladung...!
Hab mir schon damals gesagt, hier müssen doch ganze Banden agiert haben und Leute auch in höheren Posten/ Funktionen mit am "Werk" gewesen sein....

Experten MfS, berichtet doch mal, was, wo und wie ihr in diesem Bereich einer Art "organisierten Kriminalität Made in DDR" ermittelt habt, was ans Tageslicht kam, wer die Täter, Hintermänner und Drahtzieher waren. Hintermänner und Drahtzieher, die bestimmt auch im Rampenlicht der Öffentlichkeit standen, sprich Funktionen inne hatten, SED- Genossen oder gar SED- Funktionäre waren. Deren Täter- oder Mittäterschaft mehr als peinlich war, wenn derartige Informationen an eine (breite) Öffentlichkeit gelangten...!
Oder wurde da der Informationsfluss ggfls. nach "ANweisung von Oben" blockiert?

Denn ich kann mir gut vorstellen, das mit derartigen Ermittlungen nicht nur die Abteilung K (Kriminalpolizei) der Volkspolizei betraut war, sondern das auch ein spezielles Tätigkeitsfeld des MfS im Bereich Wirtschaftsdelikte war.

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#22

RE: Als 25 Trabis einfach falsch abbogen

in DDR Zeiten 16.12.2010 19:23
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Stabsfähnrich

Zitat von Gert

Zitat von ABV

Zitat von Gert

Zitat von Feliks D.
Als 25 Trabis einfach falsch abbogen

In Betrieben der DDR wurde viel stibitzt – Kleinigkeiten zumeist. Einem Arbeiter gelang jedoch ein echter Coup. Er schaffte fertig montierte Autos beiseite.

Zwickau. Lebensmittel aus dem Delikat, Klamotten aus dem Exquisit, Auslandsreisen – acht Jahre lang hat es sich Peter Bachmann (Name geändert) gut gehen lassen. Eine Viertelmillion DDR-Mark hat er durchgebracht. Das Geld auszugeben, sei kein Problem gewesen, sagte er gegenüber dem Richter am Bezirksgericht in Karl-Marx-Stadt. Er habe mit seiner Familie einfach gut gelebt. Eine Viertelmillion, diese Summe war 1988 für sich schon spektakulär.

Noch viel spektakulärer war, wie Bachmann an so viel Geld kam. Er hatte nicht weniger als 25 Trabis gestohlen und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Aber es sind keine normalen Autodiebstähle gewesen. Bachmann hat sie dort mitgehen lassen, wo er seit 20 Jahren arbeitete: als Schlosser im VEB Sachsenring. Die geklauten Trabis waren Neuwagen.

Hier gehts weiter:
http://www.nordkurier.de/index.php?objek...n.m-v&id=755746
http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...0073/index.html





Ja Feliks, das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus. Dass das überhaupt möglich war, hätte ich vorher als Märchen abgetan. Aber so märchenhaft wie der Zusammenbruch der DDR innerhalb einiger Wochen stattfand, so märchenhaft einfach war es auch Volkseigentum mitgehen zu lassen. Spricht nicht gerade für eine straffe und gut geführte Organisationsform in den DDR Betrieben. Es erinnert mich an einen kürzlich ausgeschiedenen User aus Leipzsch, der immer mit solchen Aktionen prahlte, die aber vom Wert wohl nicht so spektakulär waren.
Ich habe mal einen Neuwagen in Werk eines Autoherstellers abgeholt, da waren am Ausgang so strikte Kontrollen, dass so etwas nicht möglich gewesen wäre. Die bösen Kapitalisten passen besser auf ihre Werke auf, deshalb gibt es sie heute noch.

Gruß Gert




Es soll aber schon durchaus vorgekommen sein, dass an der polnischen Grenze Fahrzeuge sichergestellt wurden, die direkt im Wolfsburger VW-Werk geklaut wurden. Immer passen die Kapitalisten also auch nicht auf.

Gruß an alle
Uwe




Uwe ich kann nicht das Gegenteil beweisen, halte das aber für sehr unwahrscheinlich. Bei VW habe ich noch keine Auto abgeholt, aber in einem Werk in Sindelfingen. Bevor ich meinen neuen Wagen da raus hatte, lief eine Menge Bürokratie und Kontrolle über die Bühne. Auch sehe ich das Problem bei geklauten Autos mit den Fahrzeugpapieren. Wie soll man ein solches Auto in den Verkehr bringen ? Der Fahrzeugbrief wird ja wohl kaum auf dem Beifahrersitz des Autos liegen. Es macht irgendwie keinen Sinn.

Gruß Gert




...............moin @Gert. Ob der VW nun direkt in Wolfsburg oder in Sindelfingen entwendet wurde - entzieht sich meiner Kenntnis. Aus eigener Erfahrung ( 1992/1993 Grenzschutzstelle Schmilka und Frankfurt/Oder Autobahn), dass durchaus fabrikneue Fahrzeuge der Marken VW, Opel, Mercedes u.a. mit teilweise ge- oder verfälschten amtlichen Kennzeichen aus der BR Deutschland verbracht werden sollten. Im Rahmen der Ermittlungen wurde bekannt, dass die Fahrzeuge teilweise direkt aus den Auslieferungsgelände der jeweiligen Werke/Händler bzw. von Umladestationen (Straße/Schiene z.B.) entwendet wurden. Mitgeführte Fahrzeugscheine (heute Zulassungsbescheinigung Teil II) waren teilweise ge- oder überwiegend verfälscht (mechanisch manipuliert). Ohne im Detail auf den Modus Operandi ein zu gehen..................der oder die Tatverdächtigen, änderten an den Fahrzeugen auch teilweise die Fahrgestellnummer (FIN). Beliebt und oft praktiziert war auch der s.g. Schrott-Trick. Zur Ausreise erschienen in diesen Fällen, Fahrzeuge mit Anhänger - auf welchen sich dem Anschein nach Schrottfahrzeuge befanden. Bei genauer Augenscheinsnahme, konnte festgestellt werden dass diese Fahrzeuge nur an leicht auszuwechselnen Fahrzeugteilen beschädigt waren. Entweder bei den Tatverdächtigen selber oder in dem Fahrzeug, konnten teilweise die originalen Fahrzeugschlüssel aufgefunden und sichergestellt werden.
...............so bevor ich weiter vom Thema abweiche.




Danke Chris, besser hätte ich es auch nicht erklären können. In Details darf ich mich an dieser Stelle leider auch nicht auslassen, um keine Dienstgeheimnisse auszuplaudern. Aber die Findigkeit der Auto-Mafia sollte man wirklich nicht unterschätzen. Wenn die Jungs in seriösen Autowerkstätten arbeiten würden, wären sie gefragte Fachleute. Leider verdient man anscheinend als Autoklauer mehr, als ein Autoschlosser.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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