#1

"Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 10:29
von Angelo | 12.396 Beiträge

Gerade mal 16 ist Maria Vey, als sie im Januar 1962 über die Grenze bei Oberaschenbach flüchtet. Sie will weg. Raus aus der DDR. Doch dass sie dafür ihre Familie in Spahl verlassen muss, bricht ihr das Herz.

Spahl/Steinhaus - Maria Vey aus Steinhaus sitzt an ihrem Wohnzimmertisch und hält ein altes Foto in der Hand. Ein Bild, auf dem sie als junges Mädchen zu sehen ist. Für die 65-Jährige hat es eine große Bedeutung. "Das Foto habe ich in Hünfeld machen lassen und meiner Mutter nach Spahl geschickt, kurz nachdem ich im Westen angekommen bin. Ich wollte ihr zeigen, dass es mir gut geht", erzählt sie.

Maria Vey, geborene Spiegel, wuchs in der DDR auf. Je älter sie wurde, desto eingeengter fühlte sie sich in dem Land. "Wir waren eingeschlossen." Mehr und mehr entwickelte sie eine Antipathie gegen die DDR. Erst recht, als sie bemerkte, dass sie ihren Traumberuf Krankenschwester nicht lernen durfte. "Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen, und da sollte ich auch arbeiten", berichtet die dreifache Mutter, deren Vater Landwirt war, aber früh starb. In Geisa musste sie eine Ausbildung als Fachangestellte für Landwirtschaft absolvieren. "Jeden Tag wurde mir dort gesagt, dass ich in die SED eintreten soll. Aber das wollte ich nicht." Spätestens mit dieser Entscheidung wurde ihr klar: "Hier kann ich nix werden." Im Kopf spukte schon länger der Gedanke, in den Westen zu flüchten.

Und dann, als 16-Jährige, kam die passende Gelegenheit. Für den geplanten Zehn-Meter-Streifen musste an der Grenze alles platt gemacht werden. Jede Familie in der Umgebung musste für diesen Kahlschlag einen Helfer stellen. Maria Vey meldete sich und nutzte die Chance - so nah wäre sie sonst nie wieder ins Sperrgebiet gekommen. Von ihren Fluchtplänen konnte sie keinem etwas erzählen - auch nicht ihrer Mutter. "Ich hatte sie einige Zeit zuvor gefragt, was sie dazu sagen würde, wenn ich in den Westen gehe. Und sie antwortete: Mach das bloß nicht." Viel zu groß war die Angst, dass der Tochter etwas zustoßen könnte.

Mehrere Schichten Klamotten hatte sie für die Arbeit an der Grenze angezogen und ihre Ausweise hatte sie dabei - mehr nicht. Zwei Tage lang ergab sich keine Möglichkeit zu fliehen. Zu genau hielten die Wachen Ausschau. Am dritten Tag wusste sie, dass sie sich trauen musste. "Wenn es jetzt nicht klappt, dann nie mehr." Als die Wachen ihr Mittagessen bekamen, nutzte sie die Gunst der Stunde. In der Ferne sah sie Oberaschenbach. "Das ist nicht weit, das packst du", sprach sie sich Mut zu. Sie lief los, den anderen Helfern hatte sie gesagt, sie müsse austreten. Maria Vey sprang über den Koppeldrahtzaun, blieb hängen - und schon fiel der erste Warnschuss. Doch sie rannte weiter. Dann kam der zweite Warnschuss. Aber da war sie schon in Oberaschenbach. Mit ihrem Kopftuch winkte sie noch schnell den anderen Helfern zu. Die 16-Jährige war glücklich. Sie war frei.

Die ersten beiden Häuser in Oberaschenbach, bei denen sie klingelte, blieben verschlossen. Erst am dritten Haus öffnete ihr ein altes Ehepaar die Tür. Dort bekam sie eine Tasse Kaffee und fünf Mark. Doch sie sollte noch mehr Glück haben: Eine andere Familie aus Oberaschenbach, die mit ihrem Vater befreundet und selbst geflüchtet war, erkannte sie wieder. "Du schläfst heute erst mal bei uns", sagten sie zu ihr.

Am nächsten Tag wurde sie zu ihrer Patentante nach Obernüst gebracht, wo sie die erste Zeit lebte. Drei Wochen hatte sie Schonfrist, dann fragte ihr Onkel die junge Frau, wo sie arbeiten wolle. Sie hatte die Wahl: in Gotthards in der Näherei oder in Hünfeld im Krankenhaus. Die Entscheidung fiel ihr leicht, sie wählte ihren Traumberuf Krankenschwester, in dem sie fast 40 Jahre arbeitete - die meiste Zeit davon im Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda.

In einem Brief erklärte sie ihrer Familie, warum sie flüchtete - und schickte das Foto mit, das sie heute am Wohnzimmertisch in der Hand hält. Die erste Zeit im Westen war für Maria Vey nicht leicht. "Nach einem halben Jahr hatte ich Heimweh. Ich saß schon auf gepackten Koffern." Doch sie hielt durch. "Ich war schon immer ein positiv denkender Mensch. Ich habe mir gesagt, ich bin jung und gesund und kann alles erreichen." Und so kam es auch. Alles, was sie sich gewünscht habe, sei in Erfüllung gegangen, freut sich Maria Vey. 1966 lernte sie in Fulda bei der Fastnacht ihren heutigen Mann Peter kennen, drei Jahre später heirateten sie. Das Paar hat drei Kinder, sie konnte sich in ihrem Beruf verwirklichen, seit 1984 lebt die Familie in ihrem Haus in Steinhaus.

Ihre Familie in der DDR hat ihr trotzdem oft gefehlt. Elf Jahre nach ihrer Flucht sah sie zum ersten Mal ihre Mutter wieder - für sie ein ganz besonderer Moment. Mit Beginn des kleinen Grenzverkehrs traf sie sich auch regelmäßig mit ihren Geschwistern. Trotzdem hätten sie auch 20 Jahre nach der Deutschen Einheit noch viel aufzuholen, sagt die 65-Jährige.

Besonders gern erinnert sich Maria Vey an die Grenzöffnung zurück. "Nach 27 Jahren habe ich zum ersten Mal mein Elternhaus wieder gesehen, mein Dorf Spahl." Und auch ihre Silberhochzeit wird sie nie vergessen. Weil ihre Familie bei der grünen Hochzeit nicht dabei sein konnte, haben die Veys 1994 noch mal in der Marienkapelle im Fuldaer Dom geheiratet - und der Brautstrauß hatte wie damals 24 dunkelrote Rosen.

Quelle:
http://www.freies-wort.de/nachrichten/re...art2511,1303371


Der Schildower hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 10:35
von Sonne | 510 Beiträge

Eine schöne "Geschichte"
Sie hat alles richtig gemacht.Es ghörte Mut dazu und die Zuversicht alles wird gut.


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#3

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 11:00
von SET800 | 3.104 Beiträge

Was soll diese "weihnanchtsgeschichte" uns erzählen?

Daß Kaderleiter und Parteifunktionäre auswürfelten wer was beruflich wird?

Wer sag uns wieviel besser qualifizierte und interessierte junge Bürger in Krankenpflegeausbildung
wollten und auch wegen Stellenzahlerfüllung abgewiesen wurden? Einen Lehr- oder Ausbildungsplatz
nach Wunsch nicht zu bekommen war für die geburtenstarken Jahrgänge auch in der BRD nicht
gewährt.

Und alle Bürger der DDR wollten und sollten was zum Essen bekommen, also war dort die Personal-
besetzung sicherzustellen.

Im Übrigen wurde nur teilweise der Berufsweg politisch gelenkt, siehe die Pastorentochter mit Physik-
studium, es hieß Kirchenfamilien dürften nicht studieren......, nicht Abitur machen....
es hieße



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#4

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 11:18
von Sonne | 510 Beiträge

Aber, warum konnte man nicht dorthingehen, wohin man wollte?????


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#5

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 11:25
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von SET800

Im Übrigen wurde nur teilweise der Berufsweg politisch gelenkt, siehe die Pastorentochter mit Physik-
studium, es hieß Kirchenfamilien dürften nicht studieren......, nicht Abitur machen....
es hieße





Und dies noch als Übersiedlerin aus dem Westen ...


zuletzt bearbeitet 13.12.2010 11:26 | nach oben springen

#6

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 11:30
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Für mich hat dieser Beitrag nun absolut nichts mit Weihnachten zun,den hätte man auch im Juli reinstellen können.Sie hat sich mit Ihrer Entscheidung frei zu Leben einen Wunsch erfüllt,den tausende und Hunderttausende DDR Bürger hatten,nur fehlte vielen der Mut.
Klasse meine Hochachtung.


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#7

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 13:52
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Sonne
Aber, warum konnte man nicht dorthingehen, wohin man wollte?????



Eine echte Frage oder ist die nur die Antwort unangenehm?

Die Frage beantwortet: Über die Existens der DDR und ihre Einbindung in WP und COMECON durfte bis
Mitte 1989 ( Perestroika ) das Politbüro der SED und damit die Regierung der DDR nicht selbst entscheiden.

Und der Sinn war eine funktionierende Volkswirtschaft zum Wohle der UdSSR zu betreiben, produktive
Menschen gehören nun mal dazu. Die DDR war ebenso Vasall für die UdSSR wie die BRD für die USA.

Und das Lager ( staatlich ) verlassen, das war auch in der NATO nicht gestattet, siehe Italien mit Gladio, P2, in
Griechenland die Obristen, KPD-Verbot in der BRD, alles um freigewählte sozialistische oder
sozialdemokratische Regierungen zu verhindern.

Geschichte ist mehr als die persönlich-inviduelle Spähre!

Persönliche Auswanderung war in der NATO-Welt keine frage, der Schaufensterwohlstand teilweise
beruhend auf Ausbeutung etlicher Dritt-Welt-Staaten reichte für die materielle Bestechung.



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#8

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 14:03
von Rabe (gelöscht)
avatar

Hallo,

ich bin entsetzt über den Schreiber der Geschichte, der Erzählerin der Geschichte und letztendlich über eine Zeitung die soetwas
druckt. Wer soll mit solcher Geschichte beeindruckt werden? Die Dame war zum Zeitpunkt des geschilderten Geschehens gerade
16 Jahre alt. Sie befand sich in der Ausbildung als Fachkraft für Landwirtschaft. Gab es diesen Ausbildungsberuf in der DDR so ?
Als 16 jährige sollte sie gezwungen werden, in die SED einzutreten. Das Statut der SED hätte dazu geändert werden müssen. Und der
Zwang zum Eintritt in die SED als Minderjährige ist eine politische Sensation, die so viele Jahre unbeachtet blieb?
Mir war weiterhin nicht bekannt, daß für den Ausbau der Staatsgrenze Familien gezwungen wurden Arbeitskräfte zu stellen und dass sogar dann noch freiwillige minderjährige Mädchen dazu eingesetzt werden. Glaubt dies jemand ernsthaft?
Im günstigen Moment gelingt der Dame die Flucht. Trotz zweier Warnschüsse. Wieso Warnschüsse?Unterm Strich also:
Minderjährig, politisch bedrängt, zur Arbeit an der Zonengrenze gezwungen, Flucht gelungen, trotz Schüssen der GrePo - dies alles findet
auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges keine Beachtung in Funk, Fernsehen und Zeitungen?
Wie verhält es sich aber mit der bundesdeutchen Gesetzgebung? Hätte die Dame nicht an die Erziehungsberechtigten in der DDR
übergeben werden müssen? Familienzusammenführung?
Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass sich der " Schwarze Kanal " diese Geschichte hätte entgehenlassen. Wo doch die Behörden
der Bonner Ultras den liebevollen Eltern ihr minderjähriges Kind vorenthalten haben.

Rabe


zuletzt bearbeitet 13.12.2010 14:03 | nach oben springen

#9

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 14:21
von Gert | 12.356 Beiträge

@Set 800

Zitat: Im Übrigen wurde nur teilweise der Berufsweg politisch gelenkt, siehe die Pastorentochter mit Physik-
studium, es hieß Kirchenfamilien dürften nicht studieren......, nicht Abitur machen....

Das ist richtig, was du schreibst. Aber das mit der Angie ist einer der Ausnahmen, wo man nicht durchblickt wie sie es machten.(evtll. beziehungen )Aber im Grunde genommen wurden vielen jungen Menschen das Leben verbaut, in dem man sie nicht die Berufe lernen liess die sie wollten, sondern sie in die Berufe abdrängte, die die Planwirtschaft erforderte. Dazu benutzte man überwiegend das Diskriminierungswerkzeug soziale Herkunft. Wenn du kein Arbeiter und Bauernkind warst, hast du in der Regel nicht die Möglichkeit gehabt, die Hochschulreife zu erwerben und ein Studium aufzunehmen. Das gilt für Tagesschulen. Auf Abendschulen konntest du neben dem Beruf das Abitur machen, ob du dann aber nach diesem mühsamen Weg einen Studienplatz bekamst war nicht garantiert.
So ist es auch mir ergangen und ich habe dann später noch ein Loch im Zaun gefunden wie das junge Mädchen hier. Meine Aussage bezieht sich auf die Jahre 1958 - zu meiner Flucht 1965. Wie es danach war kann ich nicht sagen


Viele Grüße aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#10

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 14:38
von Gert | 12.356 Beiträge

SET 800
Zitat:Und das Lager ( staatlich ) verlassen, das war auch in der NATO nicht gestattet,

Das ist nicht ganz korrekt. de Gaulle hat 1966 die NATO aus Frankreich rausgeschmissen ( das Hauptquartier der Nato war bis dahin in Fontainblue bei Paris) ebenso mussten 30.000 US Militärs und kanadische Natoverbände Frankreich verlassen.
Folgen für Frankreich : Keine
das nur als Korrektur



Viele Grüße aus dem Rheinland


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#11

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 14:45
von Gert | 12.356 Beiträge

@Rabe
Wie verhält es sich aber mit der bundesdeutchen Gesetzgebung? Hätte die Dame nicht an die Erziehungsberechtigten in der DDR
übergeben werden müssen? Familienzusammenführung?


Also ich habe damals 1961/62 davon gehört dass Flüchtlinge, die 16 Jahre oder älter waren nicht gegen ihren Willen den Eltern und somit den DDR Behörden überstellt wurden. Das soll damals so gängige Praxis gewesen sein. Kinder unter 16 wurden an die Eltern zurückgesandt wenn sie über Westberlin ( vor Mauerbau) oder grüne Grenze in die Bundesrepublik gelangten.


Viele Grüße aus dem Rheinland


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#12

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 14:48
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert
Das ist nicht ganz korrekt. de Gaulle hat 1966 die NATO aus Frankreich rausgeschmissen ( das Hauptquartier der Nato war bis dahin in Fontainblue bei Paris) ebenso mussten 30.000 US Militärs und kanadische Natoverbände Frankreich verlassen.



Frankreich war Siegermacht und nicht Deutschland, denen hätte man dies nicht durchgehen lassen. Zum Wahrheitsgehalt der Geschichte hat @Rabe ja bereits alles gesagt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#13

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 15:02
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Gert

...........Aber im Grunde genommen wurden vielen jungen Menschen das Leben verbaut, in dem man sie nicht
die Berufe lernen liess die sie wollten, sondern sie in die Berufe abdrängte, die die Planwirtschaft erforderte.
Dazu benutzte man überwiegend das Diskriminierungswerkzeug soziale Herkunft. .....................................................
Viele Grüße aus dem Rheinland




Wirklich Diskriminisierungswerkzeug? Oder nur Bedarfslenkung?

Wurden die begehrten Ausbildungsplanstellen/Studienplätze in nennenswerter Anzahl mit weniger qualifizierten
aber politisch richtig gefärbten Bewerbern besetzt?


Vereinfacht:
Wird wirklich 2000 jungen Leuten der Lebensweg versaut wenn 2500 gerne Medizin studieren würden,
prinzipiell genügend gute Vorbildung haben aber nur 500 Studienplätze dafür verfügbar sind?

Inviduelle Wünsche enden an gesellschaftlichen Notwendigkeiten, bitte auch an Imanuell Kant denken!



zuletzt bearbeitet 13.12.2010 15:03 | nach oben springen

#14

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 15:14
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Angelo
In Geisa musste sie eine Ausbildung als Fachangestellte für Landwirtschaft absolvieren. "Jeden Tag wurde mir dort gesagt, dass ich in die SED eintreten soll. Aber das wollte ich nicht." Spätestens mit dieser Entscheidung wurde ihr klar: "Hier kann ich nix werden." Im Kopf spukte schon länger der Gedanke, in den Westen zu flüchten.

Und dann, als 16-Jährige, kam die passende Gelegenheit.



oooh, wieder eine märchenstunde ...
eine 16 jährige sollte also in die sed eintreten wo man doch erst ab dem 18 lebensjahr kandidat/ in werden konnte...
mein gott, die welt ist voll mit solchen märchen


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#15

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 15:26
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Märchen gab es doch viele.Hatten wir nicht in der DDR viele Märchenerzähler.
DER SOZIALISMUS SIEGT
NIEMAND HAT VOR EINE MAUER ZU ERRICHTEN
MIT ERFÜLLTEN PLÄNEN ZUM PARTEITAG
DIE PARTEI HAT IMMER RECHT
Über die Märchenerzähler könnte man Seiten füllen.


zuletzt bearbeitet 13.12.2010 15:34 | nach oben springen

#16

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 16:01
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Pit 59
Märchen gab es doch viele.Hatten wir nicht in der DDR viele Märchenerzähler.
DER SOZIALISMUS SIEGT
NIEMAND HAT VOR EINE MAUER ZU ERRICHTEN
MIT ERFÜLLTEN PLÄNEN ZUM PARTEITAG
DIE PARTEI HAT IMMER RECHT
Über die Märchenerzähler könnte man Seiten füllen.




so ist es, Nagel auf den Kopf getroffen. Sprücheklopfer aller Länder vereinigt euch.


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#17

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 16:04
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Angelo
In Geisa musste sie eine Ausbildung als Fachangestellte für Landwirtschaft absolvieren. "Jeden Tag wurde mir dort gesagt, dass ich in die SED eintreten soll. Aber das wollte ich nicht." Spätestens mit dieser Entscheidung wurde ihr klar: "Hier kann ich nix werden." Im Kopf spukte schon länger der Gedanke, in den Westen zu flüchten.

Und dann, als 16-Jährige, kam die passende Gelegenheit.



oooh, wieder eine märchenstunde ...
eine 16 jährige sollte also in die sed eintreten wo man doch erst ab dem 18 lebensjahr kandidat/ in werden konnte...
mein gott, die welt ist voll mit solchen märchen





Gilbert, hat man nicht in diesem Alter mit dem Weichklopfen des anvisierten " Objekte" begonnen ?

Gruß Gert


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#18

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 16:22
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von SET800

Zitat von Gert

...........Aber im Grunde genommen wurden vielen jungen Menschen das Leben verbaut, in dem man sie nicht
die Berufe lernen liess die sie wollten, sondern sie in die Berufe abdrängte, die die Planwirtschaft erforderte.
Dazu benutzte man überwiegend das Diskriminierungswerkzeug soziale Herkunft. .....................................................
Viele Grüße aus dem Rheinland




Wirklich Diskriminisierungswerkzeug? Oder nur Bedarfslenkung?

Wurden die begehrten Ausbildungsplanstellen/Studienplätze in nennenswerter Anzahl mit weniger qualifizierten
aber politisch richtig gefärbten Bewerbern besetzt?

Das ist dir als Betroffenem sche... egal, warum das so geschieht, du spürst in dem Moment nur die Ohnmacht. Weiterhin wird dir klar dass du deine Pläne auch nicht in einem anderen Land realisieren kannst, weil du rundum eingemauert bist. OK ?

Vereinfacht:
Wird wirklich 2000 jungen Leuten der Lebensweg versaut wenn 2500 gerne Medizin studieren würden,
prinzipiell genügend gute Vorbildung haben aber nur 500 Studienplätze dafür verfügbar sind?

Lass mal das besondere Thema Medizin außer acht, das ist ja auch in der Bundesrepublik gesteuert. Aber so, wie das Thema Medizin in der Bundesrepublik, waren alle Studienmöglichkeiten und auch Ausbildungsberufe von irgendwelchen Funktionären gesteuert und viele junge Menschen in meiner Zeit konnten nicht da lernen was sie gern mochten. Bis 13.August 1961 konnt eman das korrigieren und sich in die Bundesrepublik absetzen um dort sein Wünsche zu realisieren. Die nach dem 13. August hatten die A.-Karte.


Inviduelle Wünsche enden an gesellschaftlichen Notwendigkeiten, bitte auch an Imanuell Kant denken!
Der Ratschlag ist natürlich für den Einzelnen sehr hifreich[quote]




Viele Grüße aus dem Rheinland


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#19

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 16:25
von Angelo | 12.396 Beiträge

Jetzt habe ich mal eine Frage an Mitschreiber in diesem Thread.
Ist es eigentlich überhaupt nicht mehr möglich einmal beim Thema zu bleiben ?


Also ich gebe diesem Thread jetzt noch eine Chance wieder zu einer normalen Diskussion zurück zu kehren ansonsten wird er geschlossen


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#20

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 13.12.2010 16:44
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Gert
Aber so, wie das Thema Medizin in der Bundesrepublik, waren alle Studienmöglichkeiten und auch Ausbildungsberufe von irgendwelchen Funktionären gesteuert und viele junge Menschen in meiner Zeit konnten nicht da lernen was sie gern mochten.

Inviduelle Wünsche enden an gesellschaftlichen Notwendigkeiten, bitte auch an Imanuell Kant denken!
Der Ratschlag ist natürlich für den Einzelnen sehr hifreich

Viele Grüße aus dem Rheinland



Wer war "irgendwelche" Funktionäre? Böse Männer die jungen Leute triezen wollten? Oder waren
es in den Betrieben die Kaderleiter zusammen mit Lehrern der Schulen die sich ein Bild des
jungen Menschen machten und trotzdem soweit es ging inviduelle Wünsche persönliche Eignung und
praktisches Angebot/Bedarf weitestgehend zur Deckung zu bringen.

Oder boshaft um Menschen zu ärgern, den der Bäcker werden wollte als Melker ausbilden, den der
in die Landwirtschaft wollte zum Bäcker verdonnern, Job erfüllt, zweimal Unzufriedenheit, 2 Betriebe
mit unwilligen Auszubildenden versorgt? Plan Unzufriedenheit und Republikverdruß schüren
zu 200% erfüllt, so?

Auch inviduell zu sehen, wenn MEIN Wunsch erfüllt wird, dann scheitert EIN anderer!

Insgesamt ist das die andere Seite von keine Arbeitslosigkeit! Wieviel mehr Juristen werden
zur Richteramtsbefähigung ausgebildet, wieviel Planstellen dafür wieviel Hungerjobs als
freie Anwälte gibt es?

Um 16 - 17 zu werden brauchte es viele elterliche und gesellschaftliche Recourcen, daher ist auch
das spätere Leben nicht losgelöst von gesellschaftlichen Zusammenhängen möglich.



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