#21

RE: In der DDR gab es Religionsfreiheit ?

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 23:07
von P3 | 357 Beiträge

Es gab keine Religionsfreiheit in der DDR. Die Zeugen Jehovas hat man verfolgt, wenn sie auf Missionstour erfolgreich waren.
Mein Arbeitskollege hat zwei Jahre im Knast verbracht, weil er den Wehrdienst total verweigerte. Es gab keinen Unterschied zwischen Schwerverbrechern und Totalverweigerern.
Sieben Tags-Adventisten waren dann Bausoldaten, habe mit Leuten aus der Reihe gesprochen. Es ging ihnen gut.


GRuß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#22

RE: In der DDR gab es Religionsfreiheit ?

in Mythos DDR und Grenze 27.11.2010 12:28
von X-X-X (gelöscht)
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Der Staat hat das richtig verstanden. Atheisten wissen, das der Glaube selbst nicht Voraussetzung fuer eine moralische Haltung im Leben ist. Moralitaet ist unabhaengig vom Glauben. Religions- bzw. Glaubensfreiheit gab es. Bloss die Freiheit, sein Glauben oeffentlich und unerwuenscht zu verbreiten hatte man nicht. Die Trennung von Kirche und Staat ist notwendig. In den USA beklagen sich die christlichen Fanatiker, dass Beten in den oeffentlichen Schulen untersagt ist. Sie sagen: "Geben Sie uns nur fuenf Minuten vor Unterrichtsbeginn, damit wir uns zu unserem Glauben bekennen koennen, ja?" Ich sage: Wenn ich bein ihnen in der Kirche fuenf Minuten haben darf ueber Mathe, Physik oder Evolution zu reden, dann ginge das vielleicht. Religion gehoert in der Kirche, nicht in der Schule... und auch nicht vor meiner Haustuer!

1988 wurde in der Pfingstkirche (Bersarinplatz) 750 Jahre Christentum in Russland gefeiert. Nicht mal in Russland durften sie das. Also bitte die Kirche im Dorf lassen.... Mormonen durften auch zu DDR-Zeiten eine Kirche bauen (mit Hilfe aus den USA). Warum es den Zeugen so schlecht ging? Es geht ihnen ueberall so schlecht, weil sie sich weigern dem Staat mit Geloebnis zu dienen (Kein Wehrdienst, kein Zivildienst, Kein Fahneneid, und keine Nationalhymne singen, wobei das fuer keinen in der spaeteren DDR zum Problem wurde...) aber auch z.B. keine Transfusionen oder Organspenden fuer kranke Kinder. Gruende eine Religion hier in der BRD.... sage, du willst keine Steuern mehr bezahlen...ist Glaubenssache! Mal sehen wie lange du noch die Freiheit geniesst. In der BRD ist auch Scientology eigentlich so gut wie verfolgt . Wie steht es da mit Glaubensfreiheit? Sie haben doch auch das Recht an Irrsinniges zu glauben, oder?

Noch eins muss ich sagen: waehrend meiner Jahre in der DDR hatte ich nie erlebt, dass sich Leute ueber Religion streiteten. Das fiel mir erst auf, als ich danach in den USA inhaftiert wurde. Hinter den Mauern ging es unaufhoerlich um Glauben und Kirche (oder Moschee).

"So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehoert, und Gott, was Gott gehoert." Also Gehorsam. Ab und zu sollte man vielleicht doch noch auf den Jesu hoeren.

Schoenes Wochenende!

Jens


zuletzt bearbeitet 27.11.2010 12:49 | nach oben springen

#23

RE: In der DDR gab es Religionsfreiheit ?

in Mythos DDR und Grenze 27.11.2010 15:38
von Rabe (gelöscht)
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Hallo

Die Religionsfreiheit in der DDR allein an den Zeugen Jehovas festzumachen, halte ich für nicht richtig. Auch in der BRD war das
Wirken der Zeugen Jehovas bis zu einem Urteil im Jahre 2006 sehr umstritten.
Wenn man das Verhältnis der Kirchen in der DDR zum Staat betrachtet, muß man nach meiner Meinung sehen, daß die Kirchen mit
ihren Einrichtungen einen geachteten Platz eingenommen haben. Nicht nur bei den Menschen anerkannt, sondern auch bei den
staatlichen Organen geschätzt, leisteten die Kirchen einen unverzichtbaren Beitrag im Gesundheitswesen. Ich denke hier an die
vielen Krankenhäuser und Sozialdienste.

Rabe


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#24

RE: In der DDR gab es Religionsfreiheit ?

in Mythos DDR und Grenze 27.11.2010 16:15
von P3 | 357 Beiträge

Hallo Rabe !

Ich fühle mich mal angesprochen ! Es war sicher nur ein Beispiel von mir, die Zeugen Jehovas in dieses Thema zu bringen, aber deshalb, weil ich es als Zeitzeuge so beurteilen kann. Es sind Fakten ! Auch die Nachteile von FDJ-Verweigerern im späteren Berufsleben sind nicht einfach wegzufegen. Ob Evangelist oder Katholist, sie gingen in die Christenlehre, standen dem Wehrkundeunterricht im Wege. Ich als religionsloser Mitbürger habe es halt registriert, den betroffenen Leuten galt mein Respekt, sie haben es oft geduldig ertragen und standen zu ihrer Religion. Das ist auch ein Teil meiner Kritik an der DDR, daß man eigentlich die Kirche nicht ins Boot holte, um den Staat besser zu machen. Wenn ich sehe, was heute für Sekten am Start sind, welchen Schaden sie anrichten, kann ich nur lächeln.

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#25

RE: In der DDR gab es Religionsfreiheit ?

in Mythos DDR und Grenze 27.11.2010 17:11
von Anton | 156 Beiträge

Auch wenn die Kirche in der DDR ihren Platz einnahm, passierte es häufig im Alltag, daß Christen - Huf hatte es oben schon erwähnt - in der Wahrnehmung ihres Glaubens beeinträchtigt wurden. Und selbst Kinder waren davon nicht ausgeschlossen.

Als Grundschüler war ich in Ganztagsbetreuung untergebracht. Nach dem Unterricht besuchte ich den Schulhort. Freitags wurde von der evangelischen Kirchengemeinde im Ort eine wöchentliche Kinder- u. Jugendbetreuung (sogenannte Christenlehre) angeboten. Das bedeutete, daß wir als Gruppe von 5-6 christlichen Kindern und dem Einverständnis von Eltern und Erziehern nach 13.00 Uhr den Schulhort verlassen durften.

Regelmäßig waren wir dabei den Beschimpfungen und den Hasstiraden der Leiterin des Schulhorts ausgesetzt. Sie brachte vor versammelter Runde ihren Unmut gegen die Kirche und unseren Eltern zum Ausdruck. Heute würde man das vielleicht als Mobbing bezeichnen. Aber es ist für Kinder im Grundschulalter sehr prägend.
Nach einem ca. halben Jahr nahmen mich meine Eltern aus der Ganztagsbetreuung und ich war fortan ein glückliches Schlüsselkind

Auch in der Schule kam es später hin und wieder vor, daß Lehrer sich abfällig in meinem Beisein über die Kirche äußerten.
Im Berufsleben relativierte sich alles, da nicht jeder wußte, daß ich kirchlich engagiert war.


VG Anton



zuletzt bearbeitet 28.11.2010 13:28 | nach oben springen


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