#21

RE: FDGB-Urlaubsort Fritz Heckert Heim

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2016 11:43
von damals wars | 12.213 Beiträge

Bei uns vergab der FDGB alle Ferienplätze.
Und das mit Krug und Waschschüssel kenne ich noch aus der sächsichen Schweiz. Die Vermieter stellten Kunstblumen her.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#22

RE: FDGB-Urlaubsort Fritz Heckert Heim

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2016 12:06
von Moskwitschka | 2.533 Beiträge

Natürlich liefen die Fäden der Ferienplatzplanung im Betrieb zusammen. Ob betriebseigene Erholungsheime, Kontigente von FDGB -Erholungsheimen - am Ende hatte die Ferienkommission das sagen:

Feriendienstkommission. Bei den F. (auch Ferienkommission) handelte es sich um auf verschiedenen Verwaltungsebenen bestehende Organe des Feriendienstes des FDGB. Seit 1972 bestanden zusätzlich zu den Abt. Feriendienst beim BuV, den BV und KV des FDGB ehrenamtlich bestellte Bezirks- und Kreiskommissionen. Diese waren für die Verteilung und Auslastung der Ferienplätze, auf Kreisebene zudem für die Umverteilung zurückgegebener Plätze zuständig. In den Grundorganisationen (GO) unterstützten sie die BGL oder AGL, welche die Reiseanträge entgegennahmen, nach von BV und KV jährlich ausgearbeiteten Auswahlkriterien - z.B. soziale Lage, Leistungsniveau und bisher beanspruchte gewerkschaftliche Leistungen - berieten und mit einer Stellungnahme an die zuständige F. weiterleiteten. Bei Nachfrageüberhang sowie in Konfliktfällen wurde seitens der F. mit den Antragstellern Gespräche geführt, um das Angebot mit den Reisewünschen in Einklang zu bringen. Die endgültige Entscheidung lag jedoch bei den BGL und AGL. Dort bestanden zudem Beschwerdemöglichkeiten der Interessenten in sog. Konfliktkommissionen.

http://library.fes.de/FDGB-Lexikon/rahmen/lexikon_frame.html

Ich kenne Leute, die sind Jahr für Jahr in das gleiche Erholungsheim gefahren. Hauptsache weg im Urlaub. Und ob da FDGB oder VEB dran stand - Hat das jemanden großartig interessiert, bei wenig Geld für 14 Tage Urlaub? Ich kenne aber genauso viele, die privat verreist sind und an der Ostsee nen Haufen Geld für Schlafplätze in nem "Schuppen" von einem Privatvermieter gezahlt haben. Und selbst die waren zufrieden.

Man darf auch nicht vergessen, dass die meisten, schon wegen der Schulkinder im Juli und August verreist sind. Das war eine zusätzliche Herausforderung für den Feriendienst.

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 09.04.2016 12:07 | nach oben springen

#23

RE: FDGB-Urlaubsort Fritz Heckert Heim

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2016 13:18
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #22

Ich kenne Leute, die sind Jahr für Jahr in das gleiche Erholungsheim gefahren. Hauptsache weg im Urlaub. Und ob da FDGB oder VEB dran stand - Hat das jemanden großartig interessiert, bei wenig Geld für 14 Tage Urlaub? Ich kenne aber genauso viele, die privat verreist sind und an der Ostsee nen Haufen Geld für Schlafplätze in nem "Schuppen" von einem Privatvermieter gezahlt haben. Und selbst die waren zufrieden.

Man darf auch nicht vergessen, dass die meisten, schon wegen der Schulkinder im Juli und August verreist sind. Das war eine zusätzliche Herausforderung für den Feriendienst.

Moskwitschka

Das waren nicht unbedingt Schuppen, was privat vermietet wurde, nur gab es dank der hervorragenden Infrastruktur in der DDR oft nicht einmal
Wasserklosetts, sondern diese nach Chlorkalk stinkenden Klos im Treppenhaus.
Sonst kann ich nicht klagen.

Was den Urlaub in den Ferien betrifft, zuerst kamen Kampfgruppe und Genossen, dann nicht organisierte Eltern, dann der Rest.
Deshalb verreisten wir dann nur noch privat, Kontakte hatten wir über verschiedene Quellen.
In den Betrieben lief das wie folgt : Die besten Plätze bekam Kategorie I, dann kamen die erwähnten Eltern, die nehmen mußten,
was übrig war. Und wenn dann noch Reisen da waren, gab es nur noch 2-Bett-Zimmer für die Kinderlosen.

Der FDGB war eben kein Reisebüro !
.
@Moskwitschka, was du dort eingestellt hast, war die graue Theorie, nicht die Realität.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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zuletzt bearbeitet 09.04.2016 13:21 | nach oben springen

#24

RE: FDGB-Urlaubsort Fritz Heckert Heim

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2016 14:51
von Moskwitschka | 2.533 Beiträge

Die graue Theorie ist meiner Meinung nach eine gute Grundlage, um sie mit persönlichen Erinnerungen entweder zu bestätigen oder ihr widersprechen.

Was die Verteilung von Ferienplätzen in den Betrieben betrifft, habe ich kaum Erfahrungen. Ich habe mich nämlich nie nach einem "angestellt". Das hatte 2 Gründe. Zum einen hatten mein Mann und ich nie das Bedürfnis mit dem FDGB zu verreisen. Zum anderen hatte der Betrieb, in dem ich gearbeitet hatte, keine Erholungsheime. Selbst einen Ferienlagerplatz für die Kinder zu bekommen bedeutete schon fast die Quadratur des Kreises. Das hatte folgenden Hintergrund:

Der VEB Metallwaren Berlin, auch wenn er sich Kombinat nannte, war ein Zusammenschluß kleiner und mittlerer Betriebe, die der letzten Enteignunswelle 1972 zum Opfer gefallen sind. In 8 oder 9 Betriebsteilen, überwiegend in Mitte, dem Nordosten und dem Randgebiet von Berlin wurden von Fahrradventilen über Sicherheitsschlösser bis hin zu Kleinwerkzeugen und Industriebedarfserzeugnissen produziert, was sowohl bei Privatkunden als auch in anderen Industriezweigen begehrt war. Es war also kein über die Jahrzehnte gewachsener Betrieb, der auf eigene Erholungsheime oder Ferienlager zurück greifen konnte. Wenn es Plätze gab, dann in Kooperation mit anderen Betrieben oder in eben Kontigente vom FDGB.

An einen heißen "Verteilungskampf" um einen dieser wenigen Ferienplätze kann ich mich nicht erinnern. Nicht wenige dachten so we ich - privat verreisen ist man unabhängiger, oder gingen mit ihrem Ehepartner auf FDGB - Reise, der in seinem Betreib ne Reise ergatterte.

Moskwitschka


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Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 09.04.2016 14:59 | nach oben springen

#25

RE: FDGB-Urlaubsort Fritz Heckert Heim

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 09.04.2016 15:32
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Ich glaube, wer es sich leisten konnte, der verzichtete auf die Bettelei beim FDGBums. Nicht umsonst waren
Campingurlaube der Renner.
Andere campierten tagelang vor den Reisebüros, wenn die Zeit des Schwarzmeerreisen-Verkaufs nahte.
Außerdem krankte das gewerkschaftliche Urlaubssystem daran, daß zu wenig Plätze für Familien existierten.
Als kinderloses Paar waren die Chancen ungleich besser.

Uns war´s egal, wir hatten private Kontakte ins Erzgebirge und an die Ostsee bei Wolgast, teils auch dank Grundwehrdienst,
das genügte.
So hat sie die ungewünschte Dienstzeit doch irgendwie positiv ausgewirkt.


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