#1

DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 27.02.2009 23:00
von Angelo | 12.397 Beiträge

Ich habe hier nochmal eine Foto gefunden die das Arbeiten der DDR Grenzaufklärer nochmal genau zeigt.Die Grenzaufklärer der DDR Grenztruppen hatten oft nur einen Schritt in die Freiheit. Um das mal zu zeigen hier ein sehr schönes Foto.

Angefügte Bilder:
grenzaufklärer.jpg

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#2

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 28.02.2009 12:55
von Galaxy (gelöscht)
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Ich hab damals auch oft so gestanden.Man hat die Gespräche der westlichen Besucher genau verstanden und man wurde auch angesprochen aber ohne zu erwiedern.Einmal sagte einer das er es gut und richtig fände das wir hier wären.Er outete sich dann als Sympatisant der DKP.Ob es stimmte kann ich nicht sagen. An der Straße von Kirchgandern/Ost zum Gut Besenhausen/West war eine Einweisungsstelle des BGS/GZD mit allerlei Schau und Hinweistafeln.Dort war immer viel los.Ich müsste lügen wenn ich behaupte das ich nicht an Flucht dachte aber das war es mir dann doch nicht wert da ich auch eine Fam.hatte und mein Vater nunauch kein unbeschriebenes Blatt in GT Kreisen war.


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#3

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.03.2009 12:24
von rustenfelde | 676 Beiträge

Recht so, Galaxy!
Schöne Grüße rustenfelde!


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#4

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.03.2009 13:30
von Angelo | 12.397 Beiträge

Aber mal ehrlich auch als DDR Grensoldat hat man doch eine gute Kinderstube genossen und ich wäre mir da echt blöd vor gekommen wenn ich am Zaun gestanden hätte und es kommt jemand vorbei und sagt zu mir "Guten Tag" und ich darf nicht darauf antworten.


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#5

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.03.2009 14:37
von Rainman2 | 5.764 Beiträge
Hallo Angelo,

die Kinderstube ist das eine, das andere sind Befehle. Das ist genauso, wie mit den Paradesoldaten überall auf der Welt (Buckingham Palast, Athen - Parlamentsgebäude etc.), die antworten Dir auch nicht. Es gibt für Soldaten verschiedene Motivationen, Befehle auszuführen. Bei einem wie mir konntest Du voraussetzen, dass es Überzeugung von der Richtigkeit der Sache war. Andere wollten einfach keinen Stress, dachten erst garnicht drüber nach oder hatten Angst, "aufgeklatscht" zu werden. In den Threads zur EK-Bewegung war bereits angeklungen, dass es in den grenzsichernden Einheiten durchaus das kollektive und von den EK's mit gesteuerte und überwachte Interesse gab, dass der Dienst ordentlich und vorschriftsgemäß ablief. Einfaches Motto: Ordentlicher Dienst = weniger "Sackstand". Und außerdem, was sollte man mit den Leuten reden, man kannte sie doch gar nicht. Auch die Geschichte von Galaxy mit dem Sympatisanten der DKP hört sich für mich eher nach einer Provokation an. Aber das konnte man eben nicht wissen. Was, wenn Dein Gespräch am nächsten Tag in einer Westzeitung mit großen Buchstaben stand?

Und so galt damals eben schon das wunderschöne Motto der heutigen Zeit: Wenn Du etwas nicht weißt, einfach Schnauze halten.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 01.03.2009 14:40 | nach oben springen

#6

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.03.2009 15:58
von Angelo | 12.397 Beiträge

Ja ich verstehe das schon und ich finde es auch wirklich gut das wir hier so offen über die Vergangenheit unterhalten können. Viele Dinge die damals passiert sind werfen auch heute noch viele fragen auf und ich hoffe das wir irgendwann in diesem Forum alle fragen beantwortet haben.


hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 31.03.2009 01:02
von moewe1604 (gelöscht)
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@ rustenfelde/Galaxy. komme aus Thalwenden/Eichsfeld. Da kennt man die Stelle bei kirchgandern natürlich. die BGS-Schutzhütte steht heut noch da, von der Grenze ist nicht mehr viel zu sehen.


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#8

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 31.03.2009 02:42
von S51 | 3.733 Beiträge

Na ja, Einsätze 13/81 waren beliebt. Mal was anderes als der Streifendienst im Hinterland. Was zum gucken (besonders im Sommer) und auch so eine Art "Ritterschlag". Wir fühlten uns als etwas Besonderes. Kenne es gut, war 83/85 als GAK in Schierke.
Dass man von der anderen Seite blöd angemacht wurde, war den Umständen geschuldet. Wir durften nicht reagieren und das reizt den Gegenüber natürlich. Aber für eine dumme Bemerkung die Blutgruppe riskieren? Haben wir halt Zoo gespielt und wer da nun was war, war Ansichtssache (oder Einbildung).


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#9

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 31.03.2009 11:24
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo S51,

willkommen im Forum. Zu Schierke und um den Brocken herum wirst Du hier im Forum bestimmt noch schwer fündig. Ich habe aber eine Bitte: Erzähl kurz nochmal etwas zu den "Einsätzen 13/81" und zur "Blutgruppe" (Das kann dann vielleicht auch in den Thread (in)offizielle Abkürzungen.

Schön das Du mit dabei bist und bis neulich im Forum
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#10

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 31.03.2009 19:43
von Bürger (gelöscht)
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Herzlich willkommen S51 im Forum, die Harzgedienten werden mehr.

Gruß Bürger


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#11

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 31.03.2009 19:55
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainman,

also Paradesoldaten waren die GT doch wohl eher nicht. Und Befehle können doch auch recht "schwachsinnig" sein. Ich stand auch mehrere Male Gakl´s direkt gegenüber. In ein-zwei Meter Abstand. Die haben mich immer angeguckt, als wenn ich jeden Moment die DDR überfallen würde. Die voll aufgerüstet und ich in Zivil. Ein ungutes Gefühl beschleicht Dich da doch, wenn Du ganz allein mit den Gakl´s an der Grenze stehst. Also eine Grußerwiderung hätte die Situation leichter gemacht. Man wollte ja keine politische Diskussion führen.

Gruß
Peter


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#12

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.04.2009 02:20
von S51 | 3.733 Beiträge

Hallo allerseits! Ich bin nicht sicher, ob meine Antworten zu 13/81 und zu den Blutgruppen einer objektiven Prüfung standhalten können, da sie lediglich auf praktischen Erfahrungen beruhen.
13/81 war eine Dienstvorschrift, beruhend auf einem Befehl, über den Einsatz auf dem vorgelagerten Bereich. Also zwischen Sperranlagen und Grenzsteinen. Nach ihr wurden zumindest in unserer Kompanie die entsprechenden Einsätze benannt. Geregelt war in dieser Vorschrift, wie man nach vorne gelangte (durch gesicherte Tore oder auch nur Luken im Zaun, manchmal, indem der Zaun am Durchgang schlicht aufgeschraubt wurde), Wie ein Einsatztrupp aufgestellt war (am Anfang immer drei Mann, davon einer Offizier oder Berufs-GAK, einer konnte wie ich UaZ-GAK sein und der dritte Mann war immer ein Soldat/Gefreiter aus Kompanie oder Bataillion). Später, so ab Frühjahr 1985 waren wir mitunter auch nur zu Zweit (Zwei GAK oder ein GAK und ein Soldat). Wie die Ausrüstung auzusehen hatte (Anzugsordnung, keine Personalpapiere mitführen außer Parteibuch und Hundemarke, MPi, Pistole, Munition, Fototasche, Fotoausrüstung, Funkgerät, Schlüsselbuch, ggf. Ski oder Motorschlitten), was man zu tun hatte (Präsenz zeigen oder gedeckt Informationen beschaffen, Sonderaufgaben, wie sichere Begleitung von Personen nach hüben und drüben und anderen Püsterkram), dass man lediglich den militärischen Gruß erwidern durfte, "sogar" sollte, ansonsten aber keinerlei "Kontaktaufnahmen" durchführen durfte. Da gab es freilich Ausnahmen beim Einsatz mit der Grenzkommision oder bei Katastrophenfällen. Und manchmal, ganz, ganz selten, wenn man sich sehr sicher war auch zu anderen Gelegenheiten (die man besser für sich behielt). Wie was an wen zu melden war. Und wo Filme, Notizen oder Einsatzbücher abzuliefern waren. Dass der Einsatz der Schußwaffe außer in Notwehr möglichst zu unterlassen war, da bin ich mir nicht sicher, ob das auch dort stand. Aber es war Usus.
Einsätze 13/81 kamen etwa ein bis zweimal pro Woche vor. Mitunter auch längere Zeit nicht (siehe "Blutgruppen"), was dann ein sicheres Zeichen war, dass es irgendwo Probleme gab. Wir waren meistens gerne vorne, weil es abwechslungsreich war und zumindest im Sommer aus getarnten Stellungen (zum Beispiel am dreieckigen Pfahl) schöne Aussichten (im wahrsten Sinne des Wortes) möglich waren.
Dabei bin ich mir im Klaren, die oft typische Harzwetterlage (kalter Niesel) in meiner Erinnerung größtmöglich weggeblendet zu haben.
Blutgruppen - Es war ein offenes Geheimnis, dass nicht jeder mit jedem überall und zu jeder Zeit hinkonnte. Die entsprechende Einstufung (A, B, C) nannten wir eben "Blutgruppen". Da gab es auch noch feine Unterabstufungen, wie AA, A, AB. Wir kannten unsere Blutgruppen nicht, genauso wenig, wie die unserer begleitenden Offiziere oder Soldaten. Die Einstufungen wurden durch die Kompanieführung und die 2000 vorgenommen. Woran aber sicher auch unsere Einsatzberichte ihren Anteil hatten. Das will ich gar nicht beschönigen. Welche Blutgruppe gerade für uns galt, das merkten wir an den Einsatzorten. War man im Sperrgebiet als Einzelstreife eingesetzt, war das schon ziemlich hoch. Denn nur Gevatter Zufall hätte so einen wie uns gegebenenfalls noch aufhalten können. Besser war nur noch 13/81. Weniger gut war es, wenn man am Kolonnenweg als normaler Postenführer (nur eben zusätzlich mit Fotoausrüstung) als Dokumentationsposten tätig war. Dann war klar, auch ohne Post von zu Hause, dass da irgendwas nicht in Ordnung war. Mit der Familie, mit der Freundin oder so.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#13

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.04.2009 07:24
von Rainman2 | 5.764 Beiträge
Hallo S51!

Danke für die ausführliche und soweit ich es noch weiß auch richtige Erklärung. Ich könnte im Moment auch nicht mehr sagen, ob 13/81 ein Befehl oder eine Vorschrift war. Die "Blutgruppen" wurden bei uns ausschließlich von der 2000 festgelegt. Eventuell gab es dazu noch Rückfragen oder Abstimmung im Rahmen des Befehls 44/85 (Personalanalyse), aber die Kompanieleitung hatte darauf, soweit ich weiß, keinen unmittelbaren Einfluss.

Hallo Peter (Transitfahrer)!

Nein, Paradesoldaten waren wir bestimmt nicht, aber in gewisser Weise doch diszipliniert. Anders kann eine solche Truppe in solch einem diensthabenden System nicht funktionieren. Es mag vielleicht erschütternd klingen, aber es war schon irgendwie "mit der Muttermilch eingesogen", dass im Westen der Klassenfeind stand, von dem nichts Gutes zu erwarten war. Das war schon eine starke Motivation für dieses Verhalten bei einer Vielzahl von uns. Natürlich kam hinzu, dass es berechtigte Sorge gab, dass ein Fehlverhalten auffallen konnte (Beobachtung oder Veröffentlichungen in den westlichen Medien). Das hat nicht alle abgehalten. Es gab Kontaktaufnahmen. Aber die Leute, die "feindwärts" durften (Blutgruppe "Bestätigt bis Bonn"), waren durchaus auch ausgesucht, wie S51 das hier schon richtig dargestellt hat. Für jede Armee im harten Einsatz (ich zähle das diensthabende System der Grenztruppen dazu, ohne es als Kampfeinsatz bezeichnen zu wollen) gab es zu jeder Zeit das Problem, dass sich seine Soldaten nicht der feindlichen Seite annähern durften. Persönliche Kontakte sind in solchen Situationen die "Zersetzung überhaupt". Aus diesem Grund wurden auch bei den Grenztruppen solche Kontakte im Ansatz geblockt. Du nennst einen solchen Befehl schwachsinnig und ich stimme Dir aus heutiger Sicht vollkommen zu. Damit geht bei mir aber eine allgemeine Kritik der militärischen Prinzipien einher, die immer darauf angelegt sein müssen, Menschen den eigenen Willen zu nehmen. Niemand schießt auf Menschen, man schießt immer nur auf Feinde. So ist Krieg, ob nun heiß oder kalt - das ist egal.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 01.04.2009 07:26 | nach oben springen

#14

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.04.2009 20:34
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo rainman2,

du schreibst: "Für jede Armee im harten Einsatz (ich zähle das diensthabende System der Grenztruppen dazu, ohne es als Kampfeinsatz bezeichnen zu wollen) gab es zu jeder Zeit das Problem, dass sich seine Soldaten nicht der feindlichen Seite annähern durften."

Richtig ist doch, das dies nur von der Ostseite so gesehen wurde, im Westen gab es diese Verbote nicht. Feindbilder wurden dort nie so direkt aufgebaut. Sie waren nicht notwendig, nicht mal im kalten Krieg. Deshalb haben die BGS-Beamten die DDR-Grenzer nicht als direkte Feinde gesehen. Ich weiß von permanenten Kontakten zwischen BGS-Offizieren und einem DDR- Major, die sich sogar gegenseitige Fotos geschenkt haben. Das zeigt doch, das etwas möglich war. Aber das von dir geschilderte Verhalten entspricht eben leider dieser preusischen Tugend...kurz gesagt, so wie die Mauer war auch das Feindbild notwendig- aber eben nur für den Staat, der seinem Volk nicht vertraute!

Sei gegrüßt vom Augenzeugen!


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#15

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 02:25
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Hallo Augenzeuge,

es mag sein, dass viele für sich kein Feindbild sehen bzw. diese Bezeichnung nicht für sich in Anspruch nehmen wollten. Ich bezweifle allerdings, dass es keinerlei Feindbild gegeben hat. Man hat die Dinge im Westen lockerer gehandhabt, als bei uns. Das stimmt. Um mich damit allerdings auseinanderzusetzen, müsste ein paar Fakten oder die Zeit bei Euch genauer kennen, ich habe aber nur Vermutungen und die haben ihre Wurzeln in anderen Zeiten. Also weise ich hier nur auf meine Vermutung hin.

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#16

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 16:08
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Die Militärführung der DDR war bemüht,bei den Soldaten ein Feindbild aufzubauen.

In der Zeitschrift "Pädagogik" aus dem Jahr 1957 heisst es" Die Erziehung zum Hass ist notwendig,sie muss Bestandteil unserer Erziehung zu einem kämpferischen Humanismus und zum sozialistischen Patriotismus sein..

Weiter heisst es" Hass ist in unserer Zeit als politisch-moralisches Gefühl ein ebenso hoher sittlich positiver
Wert wie die Liebe"



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#17

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 16:16
von Augenzeuge (gelöscht)
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Danke Zermatt für diese Erklärungen. Sie sprechen für sich. Humanismus bedingt Hass- das ist Rhetorik von Kranken und Rechtsverdrehern, hier offenbart sich das wahre System. wut]....ich glaube, das lehnt sogar die PDS ab....


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#18

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 18:27
von S51 | 3.733 Beiträge

Ganz so einfach ist es nicht. Ich habe eine recht zahlreiche Verwandtschaft beiderseits dieser in der Geschichte versunkenen Grenzlinie. Seit der Wende weiß ich, dass da einige auch bei Polzens sind/waren. Der Wissensstand über die Grenze und die Grenztruppen war schon sehr krass. Teilweise habe ich danach "das Messer zwischen den Zähnen" bei mir vermißt. Und warum wir die Bunderepublik kraft unser "ungeheuren Überlegenheit und Angriffslust" nicht alle 14 Tage überrannt haben, war mir nach deren Schilderungen doch sehr rätselhaft. Ebenso gab es wie bei uns Kontaktverbote und die Pflicht, bei Kontakten Bericht an den 1S zu erstatten.
Manches kam mir sehr bekannt vor. Die Vorzeichen waren nur jeweils anders.
Die alte Regel, dass man dem Bello nur einen Namen geben muss um ihn dann problemlos aufhä... oder ersch... lassen zu können, wurde hüben wie drüben praktiziert (Raimann kennt das Zitat sicher etwas anders).
Die Praxis direkt an der Linie muß man ein bischen davon trennen. Den politischen Machtblöcken wäre nicht gedient gewesen, hätten wir uns nur bepflastert. Für ein halbwegs funktionierendes System der Konfliktvermeidung musste es dort Leute geben, die wenigstens zeitweise akzeptieren, dass die Gegenseite auch ein Existensrecht hat sowie ihre Rechte und die miteinander sprechen konnten, ohne gleich zu Waffe zu greifen. Aber ich weiß auch, dass zum Beispiel für uns Aufklärer keine zweite Kampfration eingeplant war. Auf gut deutsch: Im Konfliktfall hätte rein rechnerisch wohl keiner von uns die ersten drei Tage überlebt. Dann wäre das Feld für die frei gewesen, für die es keine Gegner, sondern nur noch Feinde gab. Das ist ein Unterschied. Und da ich meine Aufgaben für den Konfliktfall in spe kannte, schätze ich, dass es der Gegenseite genauso ergangen wäre...


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#19

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 20:03
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo zusammen,
ich weiß ja nicht ob jemand die beiden kennt, aber einen super Draht zueinander hatten Major Ulrich Schmidt und Reinhard Kilian (BGS), Probstzella und Ludwigsstadt, nach der Wende haben sie sich gleich mit Familie besucht. Sind wohl sogar Freunde geworden.
Aber ich denke, das gab es selten.


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#20

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 20:17
von Rainman2 | 5.764 Beiträge
Hallo Zermatt, hallo Augenzeuge,

die "Erziehung zum Hass" hat nach meiner Auffassung in diesem Fall nichts mit dem bürgerlichen Begriff des Hasses zu tun, sondern kommt aus der weltanschaulichen Betrachtung der Klassen. Das Zitat ist etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber die damalige Zeit verwendete den Begriff des Hasses nicht gegen Völker, sondern gegen Ausbeutung, Faschismus und Kriegstreiberei. In diese Zeit und in diese Betrachtungsweise reihen sich durchaus prominente Leute ein. Hier einmal zwei Brecht-Zitate dazu:

1. Das Ende eines Gedichts über den kriegsteiberischen Lehrer Huber:
"Da kam die Waschfrau Schmitten,
die war gegen Dreck, gegen Dreck.
Sie nahm den Lehrer Huber,
steckt ihn in den Zuber
und wusch ihn einfach weg."


2. Aus einem Spruch über die Notwendigkeit für die Erhaltung des Fiedens zu kämpfen heißt es zu den Kriegen:
" ... und sie werden kommen, wenn nicht denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, die Hände zerschlagen werden."

Diese Haltung ist drastisch, meint aber den Hass und den unversöhnlichen Kampf gegen Ausbeutung und Krieg.

Im Rahmen der politischen Arbeit in den von mir dazu direkt erlebten 80-er Jahren war der Ton ein anderer. Ich gestatte mir dazu zwei Zitate aus dem "Handbuch für die poltische Arbeit in den Truppenteilen und Einheiten", dem Standardwerk in der Ausbildung der Politkader:

"Erziehung zur revolutionären Wachsamkeit erfordert, den Armeeangehörigen unter Berücksichtigung ihrer konkreten militärischen Aufgaben, differenziert nach Teilstreitkräften, Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten sowie Kommandoebenen, exakte Kenntnisse über den Klassengegner und seine Streitkräfte zu vermitteln."

"Wirksame politische Arbeit zur Ausprägung der Klassenposition gegenüber den Feinden des Friedens und des Sozialismus schließt die Erkenntnis ein, dass die Schärfe des ideologischen Kampfes zunimmt."

Es wirkt auf mich etwas pauschal, wenn ein Begriff einfach so herangenommen wird, um ihn gleich wieder zur Dämonisierung der Zeit und des Landes, und damit übrigens wieder der Menschen darin, zu verwenden. Und ich wage bewusst mal die provokatorische Rückfrage: Könnte das nicht vielleicht auch auf eine Art Feindbild schließen lassen?

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 01.05.2009 20:22 | nach oben springen



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