#1

DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 20.10.2010 16:51
von Angelo | 12.391 Beiträge

Als Begleitwelle zu dem von der FDJ organisierten "Deutschlandtreffen der Jugend" 1964 strahlt der DDR- Rundfunk an den Pfingsttagen ein 99stündiges Sonderprogramm aus, das sich in Anlehnung an die Veranstaltung "Sonderstudio DT 64" nennt. Vier Tage und Nächte wird durchweg live moderiert, ein Spree-Boot fungiert als Schwimmender Ü-Wagen. Dichterlesungen mit Wolf Biermann und Sarah Kirsch werden übertragen und westliche Musik gespielt. An dem Treffen nehmen rund 500.000 Jugendliche aus der DDR und etwa 10.000 westdeutsche Jugendliche teil, die drei Tage lang ungehindert und offen miteinander diskutieren können.

Wegen des großen Erfolges beschließt die Jugendkommission nach dem Deutschlandtreffen die Fortführung von "DT 64". Seit dem 29. Juni 1964 ist es unter dem Namen "Jugendstudio DT 64" als ständiges Nachmittagsprogramm im Berliner Rundfunk zu hören. Der Sender versteht sich als Begleiter und Anwalt seiner jungen Hörer. Er berichtet kritisch und offen über Jugendliche und ihre Probleme und fördert Beatgruppen aus der DDR. Der SED missfällt der Inhalt des Programms. In seinem Bericht zur Jugendpolitik der DDR auf dem 11. ZK-Plenum im Dezember 1965 attackiert Erich Honecker den Sender heftig und wirft ihm vor, in seinem Musikprogramm einseitig die Beatmusik zu propagieren und Fragen der politischen Bildung zu vernachlässigen.

Nicht zuletzt wegen seiner großen Popularität wird "DT 64" nicht wie viele andere kritische Filme und Bücher nach dem Ende der Reformzeit verboten. Stattdessen versucht die SED, das Jugendstudio für eigene Ziele einzuspannen. 1986 entsteht durch Fusion mit "Hallo - das Jugendjournal" vom Sender "Stimme der DDR" das Vollprogramm "Jugendradio DT 64", das vor allem Rock- und Popmusik sendet. Nach der Wende 1989/90 führt der Verlust von zahlreichen Sendefrequenzen im Rahmen der Umgestaltung der ostdeutschen Medienlandschaft zu einer beispiellosen Hörermobilisierung, die das Jugendradio vor der Abschaltung bewahren soll. Trotz zahlreicher Proteste lehnt der Bundestag eine Unterstützung von "DT 64" jedoch ab. Seit 1993 wird es als MDR-Jugendwelle unter dem neuen Namen "MDR-Sputnik" fortgeführt.





Quelle: http://www.hdg.de


zuletzt bearbeitet 20.10.2010 16:53 | nach oben springen

#2

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 20.10.2010 17:13
von 94 | 10.792 Beiträge

Nun, einer der Moderatoren von DT64 ist im Verlauf der 'Top 2000 D' beim SDR3 gelandet und dort (inzwischen SWR3) heute noch zu hören. Bin mir momentan nicht sicher, aber hatte Günter Schneidewind nicht öfters mal die Podiumsdikothek moderiert?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#3

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 21.10.2010 00:02
von Eumel | 139 Beiträge

Zu dem weiteren Werdegang der "Macher" noch einige Informationen:

http://www.radio-geschichte-dt64.de/091216.html


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#4

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 21.10.2010 07:05
von Jo.E. (gelöscht)
avatar

Moin !
Also ich habe früher immer den Soldatensender 904 ("der einzige Sender der Bundesrepublik, der nicht unter Regierungskontrolle steht" (dabei stand er bei Magdeburg) gehört. Da gab es fast nur Beatmusik (Rattles, Lords, Stones usw.) Und man sollte an "Klaus Schütz" in Westberlin schreiben wenn man irgendwelche Wünsche hatte. Ich glaube so hieß damals auch der Westberliner Bürgermeister ? Und der Empfang war 1000x besser als Radio Luxemburg auf Mittelwelle.
mfg
Jo.E.


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#5

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 21.10.2010 07:17
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Jo.E.
Moin !
Und man sollte an "Klaus Schütz" in Westberlin schreiben wenn man irgendwelche Wünsche hatte. Ich glaube so hieß damals auch der Westberliner Bürgermeister ? Und der Empfang war 1000x besser als Radio Luxemburg auf Mittelwelle.
mfg
Jo.E.



Hallo,

der West-Berliner Bürgermeister hiess Anfang der 70er tatsächlich Klaus Schütz. Der Adressat für die Post an den Deutschen Soldatensender hieß allerdings Werner Schütz, und als Anschrift wurde Berlin W8 verwendet - was eine Westberliner Anschrift suggerieren sollte, jedoch nur die vor der Einführung der Postleitzahlen gebräuchliche Postbezeichnung eines Berliner Bezirks war, der sich im Ostteil der Stadt befand.

Gruss

icke



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#6

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 21.10.2010 08:10
von bendix | 2.642 Beiträge

Zitat von icke46

Zitat von Jo.E.
Moin !
Und man sollte an "Klaus Schütz" in Westberlin schreiben wenn man irgendwelche Wünsche hatte. Ich glaube so hieß damals auch der Westberliner Bürgermeister ? Und der Empfang war 1000x besser als Radio Luxemburg auf Mittelwelle.
mfg
Jo.E.



Hallo,

der West-Berliner Bürgermeister hiess Anfang der 70er tatsächlich Klaus Schütz. Der Adressat für die Post an den Deutschen Soldatensender hieß allerdings Werner Schütz, und als Anschrift wurde Berlin W8 verwendet - was eine Westberliner Anschrift suggerieren sollte, jedoch nur die vor der Einführung der Postleitzahlen gebräuchliche Postbezeichnung eines Berliner Bezirks war, der sich im Ostteil der Stadt befand.

Gruss

icke




http://www.deutscher-soldatensender.de/page7.php

Ich hörte den DSS auch jeden Tag und benutzte ihn als Quelle für meine Musiksammlung.Leider sind die Aufnahmen verschollen,schade,es befanden sich darunter sehr seltene Aufnahmen wie Livemitschnitte des legendären Konzerts von Woodstock oder auch Deep Purple Live in Japan..........allerdings
nicht vom DSS aufgenommen.
DT64 -Mitschnitte waren auch dabei.
Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
zuletzt bearbeitet 21.10.2010 08:11 | nach oben springen

#7

RE: DDR- Rundfunk Jugendprogramm "DT 64"

in DDR Zeiten 21.10.2010 12:48
von Rotten (gelöscht)
avatar

Aus meiner Sicht schaffte es der Sender DT64 , zumindest ab ca.1984/85 , doch auch etwas 'andere Töne' in den recht drögen Musikalltag zu bringen und sich mit zeitgerechten Independant - Kapellen auseinanderzusetzen. Und das nicht nur kritisch.
Hier konnten sich Bands vorstellen , die eine beträchtliche Fangemeinde hinter sich zu wissen wussten , aber vor dem Sommer 1989 nie einen Plattenvertrag bei der staatlich - allmächtigen AMIGA bekommen hätten.
Aber auch die auf UKW hörbaren westgermanischen Sender waren und dabei denke ich an meine aktive Radiohörzeit ab ca.1980 , mehr auf 'Viva la Kommerz' als an 'Viva la Revolution' interessiert. Gleiches galt für die auf UKW empfangbaren Sender aus Dänemark & Schweden. Man sollte schon wissen , wann evtl. interessante Lauscherlebnisse zu erwarten waren. Und eine Menge Glück gehörte auch dazu.
Der Sender DT64 hatte ab 1990 das Zeug , sich zu einem alternativen Independant - Sender zu entwickeln. Allerdings bin ich mir nicht sicher , ob das auch einigen Leuten gefallen hat. Schade.
Die Länder waren wohl nicht sehr erpicht , einen unabhängigen und nicht auf 'Kommerz & Krawall gebürsteten' Sender , dazu mit treuer Fangemeinde um sich zu haben. Und die überregionalen Musiksender a'la 'Mainstream & Lustig-Pupustig' - Musik wohl auch nicht.
Lasse mich gerne belehren , wenn ich mit meinem Gedankengang falsch liegen sollte.
Bis Mitte der 90er-Jahre habe ich noch den Nachfolger 'Sputnik' verfolgt , der sich immer noch deutlich von der Masse abhob.
Seit ca. 10 Jahren höre ich überhaupt kein Radio mehr , es sei denn , dass ich auf die Auswahl keinen Einfluss habe.
Rotten


zuletzt bearbeitet 21.10.2010 18:21 | nach oben springen


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