#1

Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 16.10.2010 20:19
von Huf (gelöscht)
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Liebe Freunde,

grundsätzlich gilt, dass zu DDR-Zeiten jeder Student ein Stipendium von 200,00 M (Mark der DDR) erhalten hat. An Ausnahmen kann ich mich jedenfalls für den Zeitraum von 1980 bis 1986 nicht erinnern.
Wie haben damalige Studenten ihre Einkommenssituation zu jener Zeit aufgebessert, ohne in Konflikte mit dem Studieren zu kommen?
Geschichten sind erwünscht, später auch von mir.

Euer Huf


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#2

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 12:22
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Huf
..., ohne in Konflikte mit dem Studieren zu kommen?



http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Stipendium


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#3

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 14:59
von VNRut | 1.485 Beiträge

Ich bin 1985 als Brigadeur einer jungen 7-köpfigen, gemischten Truppe von Zimmerleuten und Mauer nach Berlin-Schöneweide ins Batteriewerk* (gegenüber Kabelwerke Oberspree (KWO) und einen Technik(TV)werk) delegiert worden. Zuerst sollte es nur ein halbes Jahr sein, welches sich sehr schnell nach unserer Ankunft zerschlug und auf 15 Monate verlängert wurde. Weil wir alle um die 20 Jahre alt waren, wurden wir widerwillig der „FDJ-Jugendinitiative Berlin“ untergliedert. Doch bis zu dieser Zeit hatte kaum noch einer von uns Kontakt zur FDJ gehabt. Also wurde unsere Truppe mit 7 Studenten/innen aufgefüllt, die ihren Studentensommer mit „Arbeit in der Produktion“ und einen „kleinen Zuverdienest“ ausglichen. Und uns half es unsere Termine mit diesen Billigjobbern zu halten, die für uns Transport-, Aufräum-, Schacht-, Betonierarbeiten etc. erledigten. Natürlich wurde auch nach der Arbeit diese Freundschaft gepflegt, … speziell mit den Studentinnen. Wir luden Sie dann mal in unsere Diskothek „Bärensiegel?“ am Tiergarten ein, wo auch unsere Wohnunterkünfte (Plattenbauwohnungen) in der Nähe standen, oder machten einen italienischen Abend (Nacht) mit Nudel-Essen und reichlich Alkohol auf der Bude. Es soll schon mal vorgekommen sein, dass sie (St-innen) dann bei uns übernachteten.

In den damaligen Sommermonaten kamen zu unserer lustig zusammen gewürfelten Truppe, auch noch 8 Vietnamesen zur Verstärkung und wir wurden zur Multi-Kulti-Gang. Leider hatten wir nur während der Arbeitszeit einen guten Kontakt/freundschaftliches Verhältnis zu unseren vietnamesischen Vertragsarbeitern. Nach Feierabend holte man sie mit einem Bus ab und brachte sie in ihre Wohnunterkünfte. Ich kann mich nur an ein großes gemeinsames Erlebnis zum „Tag des Bauarbeiters“ erinnern, eine Dampferfahrt die von unserer Firma gesponsert wurde, an denen auch alle Bauhelfer (Studenten/Vietnamesen) teilnehmen durften.

*http://maps.google.de/maps?ll=52.456791,...&z=17&t=h&hl=de

Gruß VN_Rut

Angefügte Bilder:
Deligierung nach Berlin.jpg

GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
zuletzt bearbeitet 17.10.2010 15:08 | nach oben springen

#4

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 17:16
von Rotten (gelöscht)
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Hallo @Huf , ich bekam ab Semesterbeginn 1987 ein FDJ - Stipendium (450 Mark). Dieses konnte jedes FDJ - Mitglied beantragen , meistens erfolgte das in dem Betrieb , welcher den Studienantrag unterstützte.
Dieses war vielen späteren Studenten nicht bekannt , ein nachträglicher Antrag auf dieses Stipendium war nicht möglich.
Antragstellung war ca. ein Jahr vor Studienbeginn.
Ausgezahlt wurden 440 Mark (ohne Leistungsstip) , 10 Mark waren die obligatorische Miete.
Einen Zuverdienst hatte ich im Ostseestudio Rostock , meist als Komparse (bspw. in Marine- oder NVA-Uniform). Wenn ich mich recht erinnere , gab es dort 25 Mark/Stunde. Frisör war gratis.
Hin und wieder war ich auch Aushilfe in der Uni-Bücherei und im Buchankauf , ebenda.
Nicht zu vergessen der Studentensommer (Berlin-Wuhlheide) , habe in der Zeit im Fleischkombinat Berlin gejobbt (3 Wochen/950 Mark).
Der Überseehafen suchte auch ständig Studenten für Verladearbeiten , das war allerdings nicht Jederman(n)s-Sache...
Rotten


zuletzt bearbeitet 17.10.2010 17:17 | nach oben springen

#5

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 17:22
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von VNRut
Wir luden Sie dann mal in unsere Diskothek „Bärensiegel?“ am Tiergarten ein, wo auch unsere Wohnunterkünfte (Plattenbauwohnungen) in der Nähe standen,



Ist ja Wahnsinn - das man seinerzeit aus der Hauptstadt der DDR so einfach in den Tiergarten konnte, und dort noch untergebracht war.

Ich denk doch mal, dass hier der Tierpark gemeint ist, also Berlin-Friedrichsfelde.

Gruss

icke



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#6

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 20:53
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Da war ein Studium in "Uniform" doch von Vorteil


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#7

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 21:54
von VNRut | 1.485 Beiträge

Zitat von icke46

Zitat von VNRut
Wir luden Sie dann mal in unsere Diskothek „Bärensiegel?“ am Tiergarten ein, wo auch unsere Wohnunterkünfte (Plattenbauwohnungen) in der Nähe standen,



Ist ja Wahnsinn - das man seinerzeit aus der Hauptstadt der DDR so einfach in den Tiergarten konnte, und dort noch untergebracht war.

Ich denk doch mal, dass hier der Tierpark gemeint ist, also Berlin-Friedrichsfelde.

Gruss

icke




Sorry, natürlich meinte ich den Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde. Und wir pennten damals, ich glaube in der Sewanstraße in Wohnblöcke mit 10 Etagen. Da war ein großes Getto für deutsche Bauarbeiter, polnische und andere Gastarbeiter eingerichtet. Die Polen verkauften uns Jeans, Uhren, Schmuck, Porzellan und anderen Plunder. Vor dem Block stand ein Flachbau (Baracke) die als Getränkehalle genutzt wurde, wo man auch gut futtern konnte. Die Diskothek stand ungefähr dort wo sich heute das Hotel "Am Tierpark" befindet. Sind zwar schon gute 25 Jahre her, aber ich erinnere mich gut daran. Übrigens war dort 1985/86 ein "harter" Großeinsatz der Bereitschaftspolizei. Betrunkene Bauarbeiter hatten leere Flaschen nach einer Polizeistreife geworfen. Darauf hin räumten weitere Bauarbeiter ihre Leergutbestände auf und beförderten sie ebenfalls auf die Straße. Das war vielleicht ein großer Scherbenhaufen und jede Menge Ärger für die Bewohner der Blöcke. Die ganze Nacht waren Vernehmungen etc. angesagt. Unser Glück war, das wir diesen Abend eine Berlin-tour unternahmen und erst verspätet dort eintrafen.

http://maps.google.de/maps?ll=52.498115,...&z=16&t=h&hl=de

VN_Rut


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#8

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 17.10.2010 23:20
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Da war ein Studium in "Uniform" doch von Vorteil




Feliks hattest du nicht in irgendeinem Post mir geantwortet, es hätte keine Privilegien für Angehörige des MfS in diesem Staat gegeben?

Ich sehe aus meiner Sicht schon die Tatsache, dass du studieren konntest und mir man das verweigerte als ein Privileg für dich und als eine Diskriminierung für mich an.

Trotzdem viele Grüße aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#9

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 18.10.2010 13:22
von schulmeister | 28 Beiträge

Du solltest Dir eventuell einmal Gedanken über die Definition des Begriffes Privileg machen. Aus meiner Sicht war der Anteil derer, die in der DDR nicht studieren durften sehr gering, zumal bei denen, deren Eltern der Arbeiterschaft angehörten. Der Zugang zum Studium wurde eher dadurch erschwert, dass das Erreichen der Hochschulreife über den Weg der EOS an überdurchschnittliche Schulleistungen gekoppelt war. Nur etwa 25% eines Jahrgangs heutiger Gymnasiasten weisen das Leistungspotential ehemaliger DDR-Pennäler auf. Ich sehe es eher als Privileg, wenn der ehemalige Chef der HRE monatlich 75.000 Mucken nach Hause bringt, die man bei normaler Lebensweise eigentlich nicht verbraten kann. Der kleine Angestellte im Handwerksbetrieb wenn es gut läuft 1200 EUR Lohn erhält und davon noch drei Mäuler stopfen darf.
Noch kurz zum eigentlichen Thema Zusatzverdienst Studium: Mit dem Öffnen und Schließen von Gräbern konnte ich mit eigener Hände Arbeit mein Studium recht gut finanzieren, denn gestorben wird und wurde immer.


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#10

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 18.10.2010 15:01
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von schulmeister
Du solltest Dir eventuell einmal Gedanken über die Definition des Begriffes Privileg machen. Aus meiner Sicht war der Anteil derer, die in der DDR nicht studieren durften sehr gering, zumal bei denen, deren Eltern der Arbeiterschaft angehörten. Der Zugang zum Studium wurde eher dadurch erschwert, dass das Erreichen der Hochschulreife über den Weg der EOS an überdurchschnittliche Schulleistungen gekoppelt war. Nur etwa 25% eines Jahrgangs heutiger Gymnasiasten weisen das Leistungspotential ehemaliger DDR-Pennäler auf. Ich sehe es eher als Privileg, wenn der ehemalige Chef der HRE monatlich 75.000 Mucken nach Hause bringt, die man bei normaler Lebensweise eigentlich nicht verbraten kann. Der kleine Angestellte im Handwerksbetrieb wenn es gut läuft 1200 EUR Lohn erhält und davon noch drei Mäuler stopfen darf.
Noch kurz zum eigentlichen Thema Zusatzverdienst Studium: Mit dem Öffnen und Schließen von Gräbern konnte ich mit eigener Hände Arbeit mein Studium recht gut finanzieren, denn gestorben wird und wurde immer.



@schulmeister: vielleicht mal ein paar Hintergrundinformation zu meiner Aussage, denn ich sehe dein Statement geht voll an der Wirklichkleit vorbei : das ganze spielte sich bei mir Ende der Fünfziger Jahre in der stalinistischen Ulbricht Ära ab. Ich war kein Arbeiter-und Bauernkind ( was hat das eigentlich mit Bildung zu tun, welcher Herkunft man ist).( Das kommt mir fast so vor, als wenn du in der Nazizeit der falschen Rasse angehörtest ) Also, aufgrund dieser Herkunft wurde mir nach 8 Jahren Grundschule, Abschluss mit Prädikat " gut" ( 2 ) der weiter Zugang zur Oberschule und/oder Mittelschule verweigert und ich wurde in einen Beruf abgedrängt, den ich nicht lernen wollte.
Erst später habe ich mit viel Mühe auf der Abendschule die Mittlere Reife ( 10.Klasse), wie das damals hieß, nachgemacht. Später,im Westen Deutschlands, habe ich dann eine neue Lehre als Industriekaufmann absolviert und dadurch noch einen sehr guten Berufsweg gefunden, der mir Spass machte. So viele zu Bildungschancen in der früheren DDR und so viel zu dem DDR Handbuch " wie schafft man sich am besten Feinde ". Dass ich ein solcher Feind wurde gegen alles kommunistische, wirst du wahrscheinlich verstehen, wenn du nicht zu den ganz " Vernagelten " gehörst. Aber heute im Alter sehe ich das schon gelassener, aber an der Grundstruktur meiner Einstellung zu dieser Politikrichtung hat sich wenig geändert.

Viele Grüße aus dem Rheinland


.
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#11

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 18.10.2010 15:05
von sentry | 1.081 Beiträge

Zitat von schulmeister
Du solltest Dir eventuell einmal Gedanken über die Definition des Begriffes Privileg machen. Aus meiner Sicht war der Anteil derer, die in der DDR nicht studieren durften sehr gering, zumal bei denen, deren Eltern der Arbeiterschaft angehörten. Der Zugang zum Studium wurde eher dadurch erschwert, dass das Erreichen der Hochschulreife über den Weg der EOS an überdurchschnittliche Schulleistungen gekoppelt war. Nur etwa 25% eines Jahrgangs heutiger Gymnasiasten weisen das Leistungspotential ehemaliger DDR-Pennäler auf.



Dein Nickname deutet auf erhöhte Sachkenntnis hin, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die zitierten Aussagen einer Prüfung standhalten. Insbesondere der letzte Satz dürfte kaum nachprüfbar respektive belegbar sein. Oder gibt es tatsächlich vergleichende Untersuchungen die heute in Deutschland und in ähnlicher Qualität vor 20+ Jahren in der DDR angestellt wurden?
Das der Anteil derer, die nicht studieren durften, gering war, würde ich auch nicht sagen. 1989 sind in der DDR nur 14% der Schüler in die Abiturstufe eingetreten (BRD 24%). Tatsächlich wurde die Quote der Abiturienten künstlich niedrig gehalten. Aus meiner eigenen Erfahrung von vor 1989 durften eher weniger als 14% der Schüler im geradlinigen Weg Abitur machen.

Zwar wurden definitiv Plätze an den EOSen bevorzugt an Offiziersbewerber, also die erwähnten Studenten in Uniform vergeben. Das hat die Chancen für uns Zivilisten zusätzlich gesenkt.
Dennoch würde auch ich nicht so weit gehen, die Studienmöglichkeiten der Uniformierten als Privileg zu bezeichnen. Und wenn dem doch so wäre, dann gäbe es dieses Privileg vermutlich in jedem Land der Welt.

Zu dem eigentlichen Thema kann ich gar nicht viel sagen. Irgendwie haben wir uns so durchgewurschtelt. Wir waren durch Lehre und Grundwehrdienst auf das Leben mit wenig Geld bestens eingestellt. Auf heute übertragen muss man wohl sagen, dass ein Großteil der heutigen Akademiker aus der DDR vorher 10 Jahre an der Armutsgrenze rumgekrepelt ist.
Irgendwie erinnere ich mich nur an rasante Verdienstmöglichkeiten nach der Wende auf Messen (nich' wat ihr denkt ) und im gastronomischen / Catering-Sektor.

...Ach doch...im Sommer, kurz bevor das Westgeld kam, habe ich auf einem klapprigen Fahrrad in Schwerin Telegramme ausgefahren. Eigentlich hätten wir zu Reserveoffiziers-Ausbildung gemusst, aber wir waren der erste Studienjahrgang, der davon befreit war


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#12

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 19.10.2010 22:04
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

man konnte zum Beispiel Nachtschichten bei der Deutschen Reichsbahn schieben.
Als gelernter Schlosser durfte man die ganze Nacht Puffer abbrennen und bekam dafür ca. 70 DDR-Mark (wenn ich mich dunkel erinnere).
Der nächste Tag war dann vorlesungsfrei bis ca. 12.00 Uhr.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#13

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 14:36
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Bis Ende der siebziger Jahre garantiert, wenn nicht sogar bis 1981 wurde in der DDR laut §3 - Stipendienordnung - vom 4. Juli 1968 (GBI. II Nr. 72 Seite 527) "ein Stipendium grundsätzlich in Abhängigkeit vom Bruttoeinkommen der Eltern bzw. des Ehegatten und der Anzahl der insgesamt von den Eltern bzw. dem Studenten zu versorgenden Kindern gewährt. Die Berechnung erfolgt auf der Grundlage des durchschnittlichen Bruttoeinkommens des letzten Kalenderjahres."

Im §4 der Anordnung zur Gewährung von Stipendien war die Höhe des Stipendiums geregelt.
Für Universitäten und Hochschulen variierte das Stipendium zwischen 190 und 110 Mark, für Fachschulen zwischen 160 und 80 Mark.

Das war die gültige Stipendienordnung für Direktstudenten.
Natürlich gab es Sonderregelungen.
Um die wichtigste zu nennen: Das Grundstipendium von 190/160 erhielten Studenten die als Soldat auf Zeit gedient haben (3Jahre) und/oder vor Antritt des Studiums 5 Jahre beruflich tätig waren. ( Dienst bei der NVA wurde einer beruflichen Tätigkeit gleichgesetzt)
Wer vor dem Studium seinen Grundwehrdienst abgeleistet hatte bekam 80 Mark.
Weitere Sonderregelungen erspare ich mir hier.

Bei der Berechnung des Stipendiums wurden das zu Grunde gelegte Bruttoeinkommen um 300 Mark niedriger angesetzt wenn beide Elternteile berufstätig waren.
Beispiel:
Um 190 Mark Stipendium zu bekommen durften die Eltern nicht mehr wie 1000 Mark Brutto verdienen. Arbeiteten beide sank der "Freibetrag" auf 700 Mark ab.

Die Stipendiumsbewilligung für das Grundstipendium wurde jedes Jahr durchgeführt.
Ein entsprechendes Formblatt wurde von der zuständigen Lohn-/Gehaltsbuchhaltung des Betriebes ausgefüllt indem die Eltern des Studierenden arbeiteten.

Ab dem zweiten Studienjahr konnte ein Leistungsstipendium gewährt werden. Es war gestaffelt von 80 über 60 auf 40 Mark.
Erhalten konnten das Leistungsstipendium laut Verordnungstext "Studenten mit sehr guten Leistungen, hoher gesellschaftlicher Aktivität und vorbildlichem politisch-moralischem Verhalten [können] im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel [Leistungsstipendien] erhalten.
Das ganze wurde noch prozentual gestaffelt. 10% der Studenten 80 M, 10% 60 M und 20% 40 M. Ab dritten Studienjahr stieg der prozentuale Anteil um 5% bei 60 und 40 M.
Vorschlagsberechtigt waren die Hoch- und Fachschullehrer (Seminargruppenbetreuer) und die Leitung der FDJ (FDJ-Leitung der Seminargruppe)

Dazu gab es noch sogenannte Sonderstipendien ab zweiten Studienjahr für die ebenfalls "strenge" Auswahlkriterien galten.
Im einzelnen:
Die Sonderstipendien betragen:
- Karl-Marx-Stipendium 550 M monatlich
- Wilhelm-Pieck-Stipendium 500 M monatlich
- Johannes-R.-Becher-Stipendium 450 M monatlich.

Sie wurden anstelle des Grund- und Leistungsstipendiums gezahlt.

Viel 'Vortext'

Ich habe von 1970 bis 1974 an einer Uni studiert und erhielt auf Grund der Einkommensverhältnisse meiner Eltern kein Stipendium.

Ab zweiten Studienjahr erkämpfte ich mir ein Leistungstip. Bei der oben genannten prozentualen Verteilung bei 22 Kommilitonen in der Seminargruppe schon nicht schlecht.
Zusätzlich konnte man sich als Student noch als sogenannter Hilfsassistent im Hauptfachbereich etwas dazuverdienen. 70 Mark waren das.
Voraussetzung auch hier die Zustimmung des Seminargruppenbetreuers und der FDJ-Gruppenleitung.

Arbeiten während des Studiums war allgemein üblich.
Ich habe an Wochenenden und/oder Abends gearbeitet. Nicht jedes WE, nicht jeden Abend.
Das war schon durch das straff organisierte Studium nicht möglich.

Für Studenten in Leipzig ergab sich ein Zuverdienst zur Leipziger Messe, wenn man eine Unterkunft hatte.
Obwohl es offiziell nicht erlaubt war. Während der Messen im Frühjahr/Herbst war eine dreiwöchige Vorlesungs- und Seminarpause in Leipzig. Nicht zu verwechseln mit Semesterferien. In der (Messe)Zeit wurden wir mit Selbststudiumsaufgaben eingedeckt welche auch zur Kontrolle vorgelegt werden mußten.
Nur wurden überall Standhilfen u. ä. gesucht und das Messeamt oder die einstellenden Firmen nahmen es mit den "Verbot" nicht so genau.
Ich habe jedenfalls jede Messe gearbeitet.

Von den männlichen Kommilitonen meiner Seminargruppe war es nur Einer, von 12, der vor dem Studium seinen Grundwehrdienst ableisten mußte. "3 Jährige" hatten wir überhaupt nicht, alle Anderen: 'Ungediente'.

Zusätzlich kam im Sommer noch der Studentensommer mit mindestens einer dreiwöchigen Arbeit in der Produktion hinzu.
Das wurde tariflich bezahlt.
Wir arbeiteten, wen wunderte es in der Braunkohle bei Leipzig.
Auch dort haben wir gut verdient. Wer als Student einen Facharbeiter vorweisen konnte wurde auch als FA bezahlt.

Nach meinen Studium arbeitete ich zunächst als Assistent an einer Hochschule und dort wurde ich zum Seminargruppenleiter "gemacht"
Also hatte ich jedes Jahr das Vergnügen die Stipendien der Seminargruppenmitglieder zu ermitteln und einzureichen.
Ebenso mit der FDJ-Gruppenleitung "auzuwürfeln" wer in den Genuß eines Leistungsstipendiums kam.

Die Vorschläge für die Gewährung eines Sonderstipendiums mußte bei der zuständigen Sektionsleitung zur Entscheidung eingereicht werden.
Da hatte ich einige Kämpfe auszufechten um meine Kandidaten durchzubekommen.
Denn auch diese Stipendien wurden in prozentualen Anteilen pro Hoch-/Fachschule oder Universität gewährt.

Es war keine leichte Zeit, zumindest war das erste Studienjahr finanziell etwas eng aber auch nicht schlecht.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#14

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 16:09
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von schulmeister
Du solltest Dir eventuell einmal Gedanken über die Definition des Begriffes Privileg machen. Aus meiner Sicht war der Anteil derer, die in der DDR nicht studieren durften sehr gering, zumal bei denen, deren Eltern der Arbeiterschaft angehörten. Der Zugang zum Studium wurde eher dadurch erschwert, dass das Erreichen der Hochschulreife über den Weg der EOS an überdurchschnittliche Schulleistungen gekoppelt war. Nur etwa 25% eines Jahrgangs heutiger Gymnasiasten weisen das Leistungspotential ehemaliger DDR-Pennäler auf. Ich sehe es eher als Privileg, wenn der ehemalige Chef der HRE monatlich 75.000 Mucken nach Hause bringt, die man bei normaler Lebensweise eigentlich nicht verbraten kann. Der kleine Angestellte im Handwerksbetrieb wenn es gut läuft 1200 EUR Lohn erhält und davon noch drei Mäuler stopfen darf.
Noch kurz zum eigentlichen Thema Zusatzverdienst Studium: Mit dem Öffnen und Schließen von Gräbern konnte ich mit eigener Hände Arbeit mein Studium recht gut finanzieren, denn gestorben wird und wurde immer.



Kannste Knicken. In meiner alten Klasse gab es 2 Schüler, die mit einem Notendurchschnitt von 3,irgendwas locker zur EOS zugelassen wurden, da sie sich, wohl auf Grund häuslicher Gegebenheiten, für twentyfive years verpflichtet hatten. Dafür mußten 2 andere mit weitaus bessrem Notenschnitt, aber weniger militärisch geprägten Berufsambitionen den Weg über die Berufsausbildung mit Abi wählen!



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#15

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 19:34
von Huf (gelöscht)
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Ich antworte dann auch mal, wie es bei mir war.
Da ich als UaZ gedient hatte, erhielt ich 300,00 M Stipendium statt der 200,00 M. Abzüglich der schon aufgeführten Wohnheimmiete von 10,00 M.
Ich glaube, dass 1982 die Sätze für Leistungsstipendium auf max. 150,00 M erhöht worden sind.
Jedenfalls erhielten sowohl meine Frau, als auch ich ab 1982 je 150,00 M Leistungsstip pro Monat. Ihr dürft mich jetzt gern als Streber sehen, aber wenn man Medizin studiert, sind beste Studienergebnisse eine super Grundlage für die künftige Tätigkeit.
Ab dem 4. Studienjahr konnte ich eine Woche pro Monat Nachtdienst in der HNO-Klinik der MAM machen. Bedeutete zusätzlich 400,00 M, Dienstzeit allerdings 16:00 bis 06:00 Uhr.
Den größten Teil unserer Einkünfte haben meine Frau und ich allerdings aufs Sparbuch gebracht, weil wir stammen aus einfachen Verhältnissen und wären sonst völlig mittellos gewesen.
Als wir 1985 unsere erste Wohnung am neuen Arbeitsort einrichteten, haben wir auch eine Menge Geld gebraucht. Eine Papp-Schrankwand etwa 5 Meter lang kostete damals 4400,00 M. Die Küche 3200,00 M und der Farbfernseher 6250,00 M.

VG Huf


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#16

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 20:21
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Huf
Eine Papp-Schrankwand etwa 5 Meter lang kostete damals 4400,00 M. Die Küche 3200,00 M und der Farbfernseher 6250,00 M.

VG Huf



Hallo Huf,

hat zwar nichts mit dem Thread zu tun - aber eine 5 Meter lange Schrankwand? Wie gross war da dass Wohnzimmer? Meins ist grade 27 qm gross - deshalb passt wohl eine Schrankwand der Länge auch nicht rein-

Kurze Info wär nett - dann wieder Back to Topic.

Gruss

icke



zuletzt bearbeitet 22.07.2011 20:21 | nach oben springen

#17

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 20:40
von mannomann14 | 625 Beiträge

Zitat von icke46

Zitat von Huf
Eine Papp-Schrankwand etwa 5 Meter lang kostete damals 4400,00 M. Die Küche 3200,00 M und der Farbfernseher 6250,00 M.

VG Huf



Hallo Huf,

hat zwar nichts mit dem Thread zu tun - aber eine 5 Meter lange Schrankwand? Wie gross war da dass Wohnzimmer? Meins ist grade 27 qm gross - deshalb passt wohl eine Schrankwand der Länge auch nicht rein-

Kurze Info wär nett - dann wieder Back to Topic.

Gruss

icke




icke,
5,5m x 4,5m ergeben24,75 m²
gruß mannomann


Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...
zuletzt bearbeitet 22.07.2011 21:00 | nach oben springen

#18

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 20:54
von icke46 | 2.593 Beiträge

Das wär nun aber wirklich ein neues Thema wert: Wurden in der DDR schrankwandgerechte Wohnungen gebaut? bei mir ist die eine Längsseite 6 Meter - wovon 2 drittel Fenster und Terrassentür sind - gegenüber logischerweise die Tür, um in den Raum zu kommen - also auch nix mit 5 Metern.

Nichtsdestotrotz: Wär schon interessant, ob das Möbelprogramm in der DDR mit dem Wohnungsbauprogramm gewissermassen synchronisiert wurde.

Gruss

icke



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#19

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 20:58
von Backe | 480 Beiträge

Hääää?
Wat habe ick mit deiner Schrankwand zu tun Manno. Hab ne eigene.
Juten Freitach.


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
zuletzt bearbeitet 22.07.2011 20:59 | nach oben springen

#20

RE: Wie hat man als Student in der DDR sein Einkommen erhöht?

in DDR Zeiten 22.07.2011 21:18
von VNRut | 1.485 Beiträge

zum Nachmessen: WBS 70 & WBS 80 Grundrisse

http://www.google.de/search?q=WBS+70+Gru...om.microsoft:de:{referrer:source%3F}&rlz=1I7DVXE_de&prmd=ivns&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=5skpTvKuA4X5sgbKu7WlDA&ved=0CCIQsAQ&biw=1228&bih=594


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
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