#1

1982, das Jahr als Karl May rehabilitiert wurde

in DDR Zeiten 24.09.2010 20:57
von ABV | 4.202 Beiträge

Eines Tages im Herbst des Jahres 1982, wollte ich beim Durchblättern der Programmzeitschrift "FF Dabei", meinen Augen nicht trauen. Da waren doch tatsächlich Winnetou und Old Shatterhand, alias Pierre Brice und Lex Barker,abgebildet. Es handelte sich nicht etwa um einen hämischen Artikel über den in der DDR verpönten Schriftsteller Karl May, dem "geistigen Vater" der beiden. Nein, im Fernsehen der DDR lief demnächst der "Schatz im Silbersee". Der Film welcher im "Westen" Anfang der sechziger Jahre einen regelrechten "Karl-May-Boom" auslöste. Karl May wurde in der DDR zum Verhängnis, dass die Nazis einige seiner Werke mißbraucht haben sollen. Old Shatterhand, angeblich mit Karl May identisch, galt den brauen Dumpfbacken als Inbegriff des "teutonischen Helden. Ein kruzer Blick auf ein Foto von Karl May hätte aber selbst den blödesten "Herrenmenschen" gezeigt, dass May alles andere als ein Vorzeigegermane war. Das lag nicht nur an dem Makel das er aus Sachsen stammt, ]RMR möge mir verzeihen.,sondern auch an seiner
schmächtigen Gestalt. Eine Vielzahl seiner Romane verfasste May, der Nordamerika erst im Alter bereiste, während seiner Gefängnisaufenthalte. Bettelarm, hatte er immer wieder versucht sich mit kleineren Gaunereien über Wasser zu halten.
May hatte die Zeit des Nationalsozialismus und den Mißbrauch seiner Werke, persönlich nicht mehr erlebt. Trotz allem galt er in der DDR lange Zeit als Unperson. Selbst das sich an seinem früheren Wohnort, in Radebeul, befindliche einstige Karl-May-Museum, firmierte nur noch als "Indianermuseum". Wie bereits erwähnt entstanden vom Anfang bis zum Ende der sechziger Jahre in der BRD eine Reihe von " Karl-May-Filmen", welche noch heute ihr Publikum begeistern. Ich oute mich mal an dieser Stelle als absoluter Fan dieser Filme. Schon der Vorspann, verbunden mit der Filmmusik von Martin Böttcher, wirkt auf mich wie eine Droge. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, wo Helden noch edel und stark sind und das Gute stets über das Böse siegt. Also quasi wie der Brandenburger Polizei . Dabei spielt es auch keine Rolle, dass weder die Handlungen noch die auftretenden Personen auch nur im Ansatz etwas mit der Realität des "Wilden Westens" zu tun hatten. Und ganz nebenbei, aus den Romanen Mays hatten die Filmemacher lediglich die Namen der Hauptfiguren übernommen. Die Handlungen selbst hatten mit der Buchvorlage kaum mehr etwas gemein. Was aber veranlasste die DDR den Schriftsteller Karl May quasi über Nacht zu rehabilitieren? Die Frage hatte mich schon damals beschäftigt, ohne das ich je eine Antwort bekam. In der erwähnten Fernsehzeitschrift fand sich auch ein Artikel über den Schriftsteller Karl May und die Entstehungsgeschichte der besagten Filme, welche bald zum Standartprogramm des DDR-Fernsehens und der Kinos gehörten. In diversen Zeitschriften, zum Beispiel dem "Filmspiegel" fanden sich Informationen zu den Hauptdarstellern und sogar das eine oder andere Poster!! Voraussetzung dafür war allerdings, dass man über die Notwendigen Beziehungen verfügte, denn solche Zeitschriften gehörten zur so genannten "Bückware". Bald nach den Filmen tauchten in den Buchläden die ersten Neuauflagen der Mayschen Romane auf. In aller Regel waen diese Bücher allerdings sehr schnell vergriffen und nur in den Leihbücherein erhältlich. Die DDR hatte den Humanisten Karl May, der ja ein waschechter "Ossi" war, für sich entdeckt. Aber warum erst so spät??????

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#2

RE: 1982, das Jahr als Karl May rehabilitiert wurde

in DDR Zeiten 24.09.2010 21:09
von icke46 | 2.593 Beiträge

Auf die Schnelle mal ein Link, der das Verhältnis der DDR zu Karl May zusammenfasst:

http://karlmay.agerth.de/wiki/index.php/Karl_May_in_der_DDR

Übrigens fällt mir gerade ein, dass Hermann Kant in seinem Roman "Das Impressum" eine Lanze für Karl May gebrochen hat.

Gruss

icke



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#3

RE: 1982, das Jahr als Karl May rehabilitiert wurde

in DDR Zeiten 24.09.2010 21:26
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Zitat von ABV
(...) Selbst das sich an seinem früheren Wohnort, in Radebeul, befindliche einstige Karl-May-Museum, firmierte nur noch als "Indianermuseum".
(...)
Gruß an alle
Uwe



Es hiess nicht mehr "Karl May Museum", sondern "Indianermuseum der Karl May Stiftung"
http://karlmay.agerth.de/wiki/index.php/Karl-May-Museum
http://karlmay.agerth.de/wiki/index.php/Karl_May_in_der_DDR
Theo


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