#361

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 11:38
von werner | 1.591 Beiträge

Respekt, ganze zwei Beiträge geschrieben, die noch dazu wirklich qualifiziert die Frage beantworten und dafür schon andere zurechtweisen . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#362

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 13:05
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von werner

Zitat von Gert


Richtig Rabe das hat die SED zunächst so gemacht und ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern wo von einem einig Deutschland die Rede war. Als Kind konnte ich die wahren Hintergründe aber nicht durchschauen. Heute weiss ich , dass die SED und die ostdeutsche Staatsmacht ersten die Hilfstruppe der stalinistischen Sowjetunion war, einem imperialistischen Staat wie er im Buche steht, und dass sie im Auftrag dieser imperialistischen Sowjetunion ein einheitliches Deutschland anstrebte, aber unter kommunistischen Vorzeichen. Warum, weil die Sowjets machtpolitisch am Rhein stehen wollten, weil sie an die Fressnäpfe der deutschen Industrie im Ruhrgebiet heranwollten, weil sie die Kohlegruben und Stahlwerke, die großene Werften an der Küste usw, usw. in ihren Besitz bringen wollten usw. Und wenn sie Gesamtdeutschland gehabt hätten, wäre es nur noch ein Katzensprung bis zum Atlantik. Denn wer Deutschland beherrscht, beherrscht Europa das ist ja wohl jedem klar. Das haben aber die sonst so naiven Amerikaner dann doch gemerkt, vielleicht auch, weil sie der alte Fuchs Adenauer aufgeklärt hat und haben es verhindert.

Gruß Gert



Gert, da muss ich mal einsteigen, damit Deine einseitigen Worte nicht so im Raum stehen bleiben und von Menschen, die sich informieren wollen, als universelle Wahrheit verstanden werden.
Du glaubst heute, die wahren Hintergründe zu kennen? Bestimmt nicht! Ich übrigens auch nicht, erhebe aber im Gegensatz auch nicht den Anspruch darauf.

Aber ergänzend und richtigstellend kann ich einiges sagen, damit das Geschehen damals wenigstens ansatzweise in die Gesamtsituation eingeordnet werden kann, ohne den Rahmen des Forums zu sprengen.

Vorweg: Kann es sein, dass Du auf dem Tripp bist, dass die Sowjetunion nur darauf gewartet hat, dass Deutschland einen Krieg anzettelt, um dann selbst Europa bis an den Atlantik unter Hammer und Sichel zu regieren? Das ist ja finsterste Propaganda aus dem Kalten Krieg, darüber sollten wir doch wohl längst hinweg sein!?

Die Sowjetunion hat sich nicht imperialistisch in dem von Dir erwähnten Sinne verhalten, sie hat ihre berechtigten Interessen vertreten, einen künftigen potentiellen Kriegsgegner so weit wie möglich vom eigenen Territorium fern zu halten. Das halte ich nach den Erfahrungen und Opfern des Krieges für durchaus legitim. Machen die Amerikaner übrigens noch viel extremer, und hält sich damit mögliche Kriegsgegner auf Distanz. Aus Sicht der Sowjetunion / Russlands aber kann man das Netz amerikanischer Militärbasen rund um das Land an dessen Außengrenze durchaus als Bedrohung ansehen.

Während die KPD am 11.06.1945 in ihrem Aufruf erklärte: „Wir sind der Auffassung, dass der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre, denn dieser Weg entspricht nicht den gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen in Deutschland.“(Zitat Der kalte Krieg, H.W. Kahn), sprengte Adenauer die lokalen Grenzen seines Amtes als OB von Köln und plädierte am 5.10.1945 bereits für einen westdeutschen Separatstaat: Das beste wäre, wenn die Russen nicht mittun wollen, sofort wenigstens aus den drei westlichen Zonen einen Bundesstaat zu bilden. Um aber den Sicherheitswünschen Frankreichs gegenüber einem solchen westdeutschen Bundesstaat zu genügen, müsste man die Wirtschaft dieses westdeutschen Gebiets mit der Frankreichs und Belgiens so fest wie möglich verflechten“. (ebenda)

Frankreich hat die Zerstückelung Deutschlands angestrebt, von Anfang an, konnte sich aber gegen die Amerikaner nicht vollständig durchsetzen. De Gaulle am 13.10.1945 auf die Frage nach seiner Meinung über die Einrichtung einer deutschen Zentralverwaltung: „Wir sind in einer Generation dreimal von Deutschland überrannt worden. Wir wollen nie mehr ein Reich sehen.“ (ebenda)

Was sollte die Sowjetunion ein Jahr nach Kriegsende davon halten, wenn sich ein Deutscher, nicht irgendwer, sondern Adenauer im Mai 1946, hinstellt und verkündet: „Warum sollten diejenigen Republiken Russlands, die auf europäischem Boden liegen, nicht auch Mitglied der vereinigten Staaten von Europa werden?“(ebenda) Klingt nicht nach Demut einer Nation, die innerhalb von 30 Jahren zwei verheerende Kriege angezettelt hat, insbesondere in den Ohren eines Landes, auf dessen europäisches Territorium dieser Satz zielt!

Entgegen der Potsdamer Bestimmungen über Reparationen Deutschlands setzte Clay am 03.05.1946 die Reparationszahlungen aus der laufenden Produktion in der amerikanischen Zone aus und bezeichnete selbst diesen Schritt als Beginn der Spaltung. Den Amerikanern machte das nicht viel aus, ihr Land hatte durch den Krieg keinen Schaden genommen, während die Sowjetunion erhebliche Mittel benötigte und sich ihre Hoffnungen auf amerikanische Anleihen, wie sie zu der Zeit England erhielt, in Luft aufgelöst hatten, die Reparationen also dringend benötigte.

Unter solchen äußeren Bedingungen auch eine Möglichkeit eines geteilten Deutschlands in Betracht zu ziehen ist doch wohl normal, gewünscht war das keinesfalls, auch von der Sowjetunion nicht. Erst recht wurde von dieser Seite nicht darauf hingearbeitet. Vorangetrieben wurde die Spaltung von anderen Seiten.

Lesen, und nicht nur das, was der eigenen Grundhaltung entspricht, bildet. Kann ich wärmstens empfehlen . . . Dazulernen kann man immer, wenn man wirklich will.




werner lesen kann ich sehr wohl da musst du nicht ständig daran erinnern. So habe ich auch deinen Post aufmerksam gelesen. Ich kann nur sagen : Im Osten nichts neues, all diese Erklärungen und Beschreibung(ich möchte das Wort Propaganda vermeiden ) kenn ich aus meiner Lebenszeit in der DDR. Ich teile diese Meinung nicht. Nur eine Bemerkung: Nein,offenen Krieg wollte Stalin in dieser Zeit nicht. Er war ja ein Fuchs und hat sehr wohl anerkannt, das die Vereinigten Staaten das Atombombenmonopol haben. Aber er lauerte sicher auf anderen Gelegenheiten, wie z.B. ein kleiner Putsch mit Hilferufen durch die KPD( ist ja eine gängige Praxis gewesen in der Durchsetzung brachialer Politik , siehe Ungarn, CSSR) das gilt dann auch für Benelux und Frankreich. In der Wahl der Mittel war Stalin nicht zimperlich wie man weiss.So meinte ich dass. OK ist alles lange her, die Geschichte lief gottseidank anders und Josef S. wäre sicher sehr betrübt, wenn er noch erfahren hätte, wie sein Satellitenstaatensystem implodierte.Man möchte singen "hurra, wir leben noch ....... tralalalala"
Nun bin ich aber so was von OT, dass sich kurzerhand Schluss mache.

Grüße aus dem Rheinland im traumhaften Frühling


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#363

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 13:13
von SET800 | 3.104 Beiträge

Aber er lauerte sicher auf anderen Gelegenheiten, wie z.B. ein kleiner Putsch mit Hilferufen durch die KPD( ist ja eine gängige Praxis gewesen in der Durchsetzung brachialer Politik , siehe Ungarn, CSSR) das gilt dann auch für Benelux und Frankreich.

Grüße aus dem Rheinland im traumhaften Frühling




Auch in Lybien aktuelles Rezept.....



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#364

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 16:34
von wosch (gelöscht)
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Hallo Rabe, das alte deutsche Kinderlied geht aber noch weiter, nämlich nach "Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er" , kommt: "fällt er in den Graben, Fressen ihn die Raben". Nicht daß Du oder ein Administrator das als Anspielung auf Deinen Nicknamen ansehen solltest, Ähnlichkeiten mit Personen sind rein zufällig!
Schönen Geuß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 22.03.2011 16:40 | nach oben springen

#365

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 16:48
von Rabe (gelöscht)
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Zitat von wosch
Hallo Rabe, das alte deutsche Kinderlied geht aber noch weiter, nämlich nach "Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er" , kommt: "fällt er in den Graben, Fressen ihn die Raben". Nicht daß Du oder ein Administrator das als Anspielung auf Deinen Nicknamen ansehen solltest, Ähnlichkeiten mit Personen sind rein zufällig!
Schönen Geuß aus Kassel.



Du verstehst mich. Ich wollte doch nicht so offen drohen.

Rabe


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#366

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 16:53
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von werner
Respekt, ganze zwei Beiträge geschrieben, die noch dazu wirklich qualifiziert die Frage beantworten und dafür schon andere zurechtweisen . . .




Respekt werner, deine Begrüßungsformel für neue User ist wirklich sehr ermutigend

Gruß Gert


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#367

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 18:06
von Fritz (gelöscht)
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Der Name DDR kam also von der SED. Warum war es der SED so wichtig, kurz nach der Gründung, sich mit einem Namen für Deutschland zu befassen? Noch dazu wo die Partei im größten Teil des Landes nicht vorhanden war. Warum beschäftigten sich andere Parteien nicht auch damit? Und man muss sich auch die Frage stellen, warum gerade später der Name aus dem Entwurf überlebte, die anderen "demokratischen Artikel" aber meist nicht?
Fritz


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#368

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 18:28
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Gert

Warum, weil die Sowjets machtpolitisch am Rhein stehen wollten, weil sie an die Fressnäpfe der deutschen Industrie im Ruhrgebiet heranwollten, weil sie die Kohlegruben und Stahlwerke, die großene Werften an der Küste usw, usw. in ihren Besitz bringen wollten usw. Und wenn sie Gesamtdeutschland gehabt hätten, wäre es nur noch ein Katzensprung bis zum Atlantik.



Ich halte es für möglich und sehe dabei auf die Staaten Finnland,Schweden, Österreich und Jugoslavien, ein Puffer neutraler Staaten gering militarisiert, deshalb mit kostengünstiger Industrieproduktion, unbelastet von Besatzungskosten hätte "Väterchen Stalin" auch gefallen.

Ob die west-mitteleuropäischen Mäuse ( Staaten ) schwarz oder weis sind egal ( sozialistisch oder kommunistisch ) , Hauptsache sie fangen Mäuse ( produzieren fleissig und preisgünstig ). Genau diese Option denke ich wollten die USA auf keinem Fall!

Und, vergessen wir nicht, die BRD war für die USA eine ertragreiche Kriegsbeute, siehe Starfighter und Dollar in den Büchern der Bundesbank....



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#369

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 18:34
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von SET800

Zitat von Gert

Warum, weil die Sowjets machtpolitisch am Rhein stehen wollten, weil sie an die Fressnäpfe der deutschen Industrie im Ruhrgebiet heranwollten, weil sie die Kohlegruben und Stahlwerke, die großene Werften an der Küste usw, usw. in ihren Besitz bringen wollten usw. Und wenn sie Gesamtdeutschland gehabt hätten, wäre es nur noch ein Katzensprung bis zum Atlantik.



Ich halte es für möglich und sehe dabei auf die Staaten Finnland,Schweden, Österreich und Jugoslavien, ein Puffer neutraler Staaten gering militarisiert, deshalb mit kostengünstiger Industrieproduktion, unbelastet von Besatzungskosten hätte "Väterchen Stalin" auch gefallen.

Ob die west-mitteleuropäischen Mäuse ( Staaten ) schwarz oder weis sind egal ( sozialistisch oder kommunistisch ) , Hauptsache sie fangen Mäuse ( produzieren fleissig und preisgünstig ). Genau diese Option denke ich wollten die USA auf keinem Fall!

Und, vergessen wir nicht, die BRD war für die USA eine ertragreiche Kriegsbeute, siehe Starfighter und Dollar in den Büchern der Bundesbank....



Österreich hatte auch gewaltige Reparationszahlungen an die Sowjetunion zu leisten. Zum Glück sind wir die Besatzer wesentlich früher los geworden als Deutschland.

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#370

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 20:17
von werner | 1.591 Beiträge

Gert, schön, dass wir ein nettes Zwiegespräch führen abseits des Themas. Aber schau doch bitte nochmal nach. Ich habe den User bereits nach seinem ersten Beitrag sehr höflich begrüßt, und ICH habe ihn wenigstens begrüßt. Wenn ich daran denke, wie ich zu meiner Begrüßung von jemanden abgebürstet wurde auf meinen Beitrag, der nicht OT war. Da habe ich dem Neuen ja fast einen Strauß Blumen überreicht:.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
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#371

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 20:42
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Fritz
Der Name DDR kam also von der SED. Warum war es der SED so wichtig, kurz nach der Gründung, sich mit einem Namen für Deutschland zu befassen? Noch dazu wo die Partei im größten Teil des Landes nicht vorhanden war. Warum beschäftigten sich andere Parteien nicht auch damit? Und man muss sich auch die Frage stellen, warum gerade später der Name aus dem Entwurf überlebte, die anderen "demokratischen Artikel" aber meist nicht?
Fritz




Wenn sich hier kein Zeitzeuge findet, der was dazu beitragen kann oder jemand, der über aussagekräftige Quellen verfügt, wird diese Frage schwer zu beantworten sein.
Man darf eines nicht vergessen: Die Sowjetunion hat in ihrem Sektor die Parteinbildung zugelassen, da haben die Westalliierten noch NO gesagt. Somit könnte die zeitliche Komponente ein Faktor gewesen sein für Deine erste Frage sein.

Ob die anderen Parteien nicht auch einen Entwurf vorgelegt haben, sollte man vielleicht erst mal klären.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
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#372

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 21:11
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von Fritz
Der Name DDR kam also von der SED. Warum war es der SED so wichtig, kurz nach der Gründung, sich mit einem Namen für Deutschland zu befassen? Noch dazu wo die Partei im größten Teil des Landes nicht vorhanden war. Warum beschäftigten sich andere Parteien nicht auch damit? Und man muss sich auch die Frage stellen, warum gerade später der Name aus dem Entwurf überlebte, die anderen "demokratischen Artikel" aber meist nicht?
Fritz




Leider finde ich übers Internet keine Protokolle der späteren Parteitage der SED. Ich vermute, dass man eine deutsch-deutsch Annäherung und als Endziel ein sozialistisches Deutschland nie ausgeschlossen hat. Von Schnitzler im "Schwarzen Kanal" betonte, dass die BRD der letzte kapitalistische Staat auf deutschem Boden sei. Nach dessen Ende hätte die SED in ganz Deutschland wirken können.

Theo


zuletzt bearbeitet 22.03.2011 21:13 | nach oben springen

#373

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 21:26
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von werner

Zitat von Fritz
Der Name DDR kam also von der SED. Warum war es der SED so wichtig, kurz nach der Gründung, sich mit einem Namen für Deutschland zu befassen? Noch dazu wo die Partei im größten Teil des Landes nicht vorhanden war. Warum beschäftigten sich andere Parteien nicht auch damit? Und man muss sich auch die Frage stellen, warum gerade später der Name aus dem Entwurf überlebte, die anderen "demokratischen Artikel" aber meist nicht?
Fritz




Wenn sich hier kein Zeitzeuge findet, der was dazu beitragen kann oder jemand, der über aussagekräftige Quellen verfügt, wird diese Frage schwer zu beantworten sein.
Man darf eines nicht vergessen: Die Sowjetunion hat in ihrem Sektor die Parteinbildung zugelassen, da haben die Westalliierten noch NO gesagt. Somit könnte die zeitliche Komponente ein Faktor gewesen sein für Deine erste Frage sein.

Ob die anderen Parteien nicht auch einen Entwurf vorgelegt haben, sollte man vielleicht erst mal klären.





werner ich bin natürlich keine Zeitzeuge ( Gnade der späten Geburt, du weisst schon) aber ich lebte schon, als sich die SED bildete. Meine Mutter ( authentischer Zeitzeuge ) erzählte mir später, dass die SED 1946 oder etwas später sich einer wirklich demokratischen Wahl stellte ( in Thüringen wo wir damals lebten). Dabei hat sie sich aber eine solche Klatsche eingefangen, dass die sowj. Militärkommandantur Kopf stand. Dann wurd der Wahlmodus so verändert, dass die SED immer gewinnt. Wie Ulbricht schon sagte, es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen die Macht haben. So war das damals in der sich neu bildende größten und schönsten DDR der Welt. Es gibt doch einen Zeitzeugen aus de rZeit, Wolfgang Leonard, während des Krieges im Hotel Lux Moskau, gehörte zu der Gruppe Ulbricht, die direkt nach der Kapitulation Deutschlands in Berlin einflogen. Leonard hat schnell das miese Spiel durchschaut und floh, ich glaube über Jugoslawien, in die damaligen Westzonen. Er hat auch Bücher darüber geschrieben.

Gruß Gert


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#374

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 21:35
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von werner
Gert, schön, dass wir ein nettes Zwiegespräch führen abseits des Themas. Aber schau doch bitte nochmal nach. Ich habe den User bereits nach seinem ersten Beitrag sehr höflich begrüßt, und ICH habe ihn wenigstens begrüßt. Wenn ich daran denke, wie ich zu meiner Begrüßung von jemanden abgebürstet wurde auf meinen Beitrag, der nicht OT war. Da habe ich dem Neuen ja fast einen Strauß Blumen überreicht:.




Tja werner, dann ist ja dein persönliches Konto nach dieser Buchung wieder ausgeglichen, wenn ich das mal ins Bild eines Kaufmanns setze.
Schönen Abend noch, Gruß Gert


.
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#375

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 22.03.2011 21:55
von diego (gelöscht)
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@ werner, vielen Dank für den Strauß Blumen

aber bitte sag doch mal, auch nur ansatzweise, was in oder was an der DDR demokratisch war !!

- freie Wahlen = Fehlanzeige
- freie Meinungsäußerung = Fehlanzeige
- Pressefreiheit = Fehlanzeige
- freie persönliche und berufliche Entwicklung ( Existenzgründung ) = Fehlanzeige

grüße Diego


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#376

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 23.03.2011 13:38
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Hallo Diego,Du hast ja in allen Punkten recht,aber das haben wir hier im Forum schon ohne Ende durch gekaut.


Gruß aus Thueringen


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#377

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 23.03.2011 16:13
von SET800 | 3.104 Beiträge

Wie Ulbricht schon sagte, es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen die Macht haben. So war das damals in der sich neu bildende größten und schönsten DDR der Welt. Es gibt doch einen Zeitzeugen aus de rZeit, Wolfgang Leonard, während des Krieges im Hotel Lux Moskau, gehörte zu der Gruppe Ulbricht, die direkt nach der Kapitulation Deutschlands in Berlin einflogen. Leonard hat schnell das miese Spiel durchschaut und floh, ich glaube über Jugoslawien, in die damaligen Westzonen. Er hat auch Bücher darüber geschrieben.
Gruß Gert


Wieso mieses Spiel, die DDR sollte oder durfte auf keinen Fall so frei sein daß sie die "Seiten wechselt", das Politbüro der KPDSU oder "Väterchen Stalin" betrachteten die DDR als reparationspflichtige Kriegsbeute! Ob die Methoden der Berherrschung unter Sicherheits- oder Kostenaspekten optimal waren, eine Detailfrage.



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#378

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 23.03.2011 16:44
von Rabe (gelöscht)
avatar

Zitat von Pit 59
Hallo Diego,Du hast ja in allen Punkten recht,aber das haben wir hier im Forum schon ohne Ende durch gekaut.


Gruß aus Thueringen



Recht in allen Punkten? Es wurde diskutiert. Ein Ende zu dieser Diskussion wird es wohl nicht geben, weil es in der DDR sehr wohl
Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung gab. Wenn jedoch das große Paket der Menschenrechte auf Reisefreiheit in den damaligen
" Westen " und Aufrufe, Reden zum Sturz der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR reduziert wird, ja dann gab es Einschränkungen.

Rabe


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#379

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 23.03.2011 17:54
von Fritz (gelöscht)
avatar

Zitat von Rabe
weil es in der DDR sehr wohl Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung gab.
Rabe



Ja sicher, Rabe, in deinen 4 Wänden vielleicht. Ergebnisbehaftete Mitbestimmung bei der Wahl, Studieren bei anderer Ideologie als der Staat es vorschrieb, erlaubte Kritik an Entscheidungen der SED..... Alles möglich? Fritz


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#380

RE: Wieso nannte sich die DDR "Demokratische" Republik?

in DDR Staat und Regime 23.03.2011 18:01
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Rabe

Zitat von Pit 59
Hallo Diego,Du hast ja in allen Punkten recht,aber das haben wir hier im Forum schon ohne Ende durch gekaut.


Gruß aus Thueringen



Recht in allen Punkten? Es wurde diskutiert. Ein Ende zu dieser Diskussion wird es wohl nicht geben, weil es in der DDR sehr wohl
Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung gab. Wenn jedoch das große Paket der Menschenrechte auf Reisefreiheit in den damaligen
" Westen " und Aufrufe, Reden zum Sturz der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR reduziert wird, ja dann gab es Einschränkungen.

Rabe





Oh nein Rabe, so einfach war das nicht, wie du hier schreibst. Nach dem Mauerbau war die Freizügigkeit total jedem Bürger entzogen, von ein paar Ausnahme abgesehen, die aber dann im Interesse des Regimes waren. Erst später wurde diese Totalverweigerung etwas aufgeweicht, 1.Rentner durften fahren ( bei denen war man dann froh wenn sie im Westen blieben), dann Häftlingsfreikauf politischer H.,für die betroffenen eine gute Sache, moralisch unterste Schublade, danach kam dann der Ausreiseantrag, der aber nicht bürokratisch abgearbeitet wurde bis zum ja oder nein, sondern vom Tag der Antragstellung bis zur Genehmigung bekamen die Betroffenen von ihrem verschmähten Staat jeden Tag einen Tritt in den Ar..., damit sie auch "gute Erinnerungen" mitnahmen ins Land der Imperialisten.( der Tritt ist natürlich bildhaft zu sehen, schreibe das prophylaktisch für die, die das evtll. nicht verstehen) ) Dafür habe ich Freunde die das als Betroffene erzählten, also Augenzeugen
Ein freie Meinugnsäußerung gab es nicht. Ich habe selbst im TV die Greiftrupps des MfS gesehen, wie sie Demonstranten Plakate und Banner entrissen und sie in ihre Mannschaftswagen schleiften. Ich selbst habe noch 1964 in der DDR ein westliches Flugblatt in einem Cafe aus der Tasche gezogen und gelesen. Schon stand am Nebentisch ein Greifer des MfS auf und wollte mich mitnehmen zur Klärung eines Sachverhaltes. Meine Freunde haben auf ihn eingeredet und er hat sich dann mit dem Flugblatt begnügt.( vorbeugend: so etwas macht der Verfassungsschutz in Cafehäusern nicht) So viel zur Meinungsfreiheit in der DDR.
Frei Berufswahl : Mitnichten , Herr Rabe, mir wurde ein Besuch des Gymnasiums verweigert natürlich auch kein Studium danach.
Ich konnte keine Lehrstelle meiner Wahl erhalten sondern mir wurde eine zugewiesen. Und das härteste war, als ich meine Stasiakte las. Erster Eintrag 1956 ( ich war 12 jahre alt ! ) Gert " fährt zu seinem Vater nach Braunschweig.( ist ja wohl die normalste Sache der Welt, dass ein Kind seinen Vater besuchen möchte) Zweiter Eintrag 1962 "Gert schreibt an ausländische Radiostationen". Ich war begeisterter Radiohörer und hatte, so weit ich mich erinnere, an einem Quiz mit Gewinnspiel einer österreichischen Radiostation teilgenommen, völlig harmlose Sache. Das heisst die Stasi schnüffelte in meiner Ausgangspost. Das ist eine Verletzung des Postgeheimnisses!

Das nur mal zu den Grundfreiheiten, möchtest du noch mehr hören über diese "demokratische Republik"

Gruß Gert


.
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zuletzt bearbeitet 23.03.2011 18:14 | nach oben springen



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