#1

Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 16.09.2010 10:45
von Angelo | 12.396 Beiträge

Der Grundlagenvertrag von 1972 verbesserte die Reise- und Besuchsmöglichkeiten an der deutsch-deutschen Grenze. Die Bewohner der in der Karte farbig gekennzeichneten Gebietsstreifen auf beiden Seiten der Grenze hatten nun das Recht, ohne besonderen Anlass einen Einreiseantrag zum Besuch von Personen auf der jeweils anderen Seite der Grenze zu stellen. Die Karte zeigt das Gebiet, für das diese Vertragsabmachungen in den beiden deutschen Staaten galten. Sieht man von Eisenach ab, so lagen auf DDR-Seite nahezu alle potentiell betroffenen großen Städte (Magdeburg, Weimar, Erfurt) nicht im Geltungsbereich der Besuchsregelung. Auch auf bundesrepublikanischer Seite fällt diese Besonderheit auf. Hier waren Kiel, Hamburg, Frankfurt und Würzburg ausgenommen, ebenso Hannover, das sogar als Exklave innerhalb des grenznahen Reisebereichs lag. Große Teile der städtischen Bevölkerung konnten somit von der Verbesserung der Besuchsregelungen nicht Gebrauch machen. Eine rechtlich verbindliche Garantie auf Einreise in die DDR bestand für Bundesbürger zudem nicht. Für Besuchsanträge von DDR-Bürgern galt in der Regel, dass sie nur bei Personen, die über 60 (Frauen) oder 65 Jahre (Männer) alt waren, genehmigt wurden.



Quelle:
http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/map....language=german


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#2

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 16.09.2010 14:41
von Anton | 156 Beiträge

Ja Angelo, so war es.
Wenn Sonntag morgens um 7.00 Uhr die westdeutsche Verwandtschaft unangemeldet vor der Tür stand, war das sicher kein schöner Moment, aber ich habe es einige Male erlebt. Nur konnten wir uns bis zum Fall der Mauer nicht revanchieren. Insbesondere meine Eltern haben das aber nach 1989 nachgeholt.

VG Anton



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#3

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 16.09.2010 19:01
von icke46 | 2.593 Beiträge

Kleine Ergänzung noch zu Angelos Text:

Der kleine Grenzverkehr war nicht nur au den Besuch von Personen in dem auf der Karte definierten grenznahen Bereich der DDR beschränkt, sondern konnte ausdrücklich auch zu touristischen Zwecken genutzt werden. Der zweite Punkt dürfte mit ein Grund gewesen sein, warum grössere Städte in dem grenznahen Bereich fast nicht einbezogen waren.

Eine weitere Ergänzung: Die Einreise musste über den dem Reiseziel nächstgelegenen Grenzübergang erfolgen. Für mich hiess das seinerzeit, dass ich bei meiner Besuchsreise 1988 nach Wismar und Schwerin von Helmstedt aus über Hamburg zum Grenzübergang Lübeck-Schlutup - Selmstorf fahren musste, um dort in die DDR einzureisen. Genauso Anfang 1989 für den Besuch in Eisenach: von Helmstedt entlang der Grenze zum Übergang Herleshausen-Wartha. Am Übergang Selmstorf bestieg der DDR-Reiseleiter unseren Bus, bei der Fahrt nach Eisenach nahmen wir die Reiseleiterin vor dem Eisenacher Bahnhof auf.

Gruss

icke



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#4

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 16.09.2010 20:29
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Anton
Ja Angelo, so war es.
Wenn Sonntag morgens um 7.00 Uhr die westdeutsche Verwandtschaft unangemeldet vor der Tür stand, war das sicher kein schöner Moment, aber ich habe es einige Male erlebt. Nur konnten wir uns bis zum Fall der Mauer nicht revanchieren. Insbesondere meine Eltern haben das aber nach 1989 nachgeholt.

VG Anton




Anton, wenn ich im Zuge des "Kleinen Grenzverkehr´s" die Verwandschaft besuchte, hatte ich mich zumindestens immer vorher angemeldet und bin auch immer freudig begrüßt worden. Ich denke mal Dein Beispiel gehört unter "Ausnahmen bestätigen die Regel".
Schönen Gruß aus Kassel.


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#5

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 17.09.2010 08:14
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von Anton
Ja Angelo, so war es.
Wenn Sonntag morgens um 7.00 Uhr die westdeutsche Verwandtschaft unangemeldet vor der Tür stand, war das sicher kein schöner Moment, aber ich habe es einige Male erlebt. Nur konnten wir uns bis zum Fall der Mauer nicht revanchieren. Insbesondere meine Eltern haben das aber nach 1989 nachgeholt.

VG Anton




Anton, wenn ich im Zuge des "Kleinen Grenzverkehr´s" die Verwandschaft besuchte, hatte ich mich zumindestens immer vorher angemeldet und bin auch immer freudig begrüßt worden. Ich denke mal Dein Beispiel gehört unter "Ausnahmen bestätigen die Regel".
Schönen Gruß aus Kassel.








Hallo wosch

das Problem war meistens kommunikativer Art. Wir wußten zwar, das der Besuch in absehbarer Zeit erfolgt, aber wir kannten den genauen Termin nicht, weil unsere Verwandten aufgrund der o. g. Regelung sich immer kurzfristig für einen Tagesbesuch entschlossen.
Heute bzw. auch damals in der alten BRD griff man kurzerhand zum Telefon und kündigte seinen Besuch an. Aber wir hatten in der DDR kein Telefon, eine einfache Kommunikation war nicht möglich. Der Nachbar drei Häuser weiter (über den im Dorf inoffiziell erzählt wurde, er hätte sein Telefon aufgrund seiner Kontakte zum MfS bekommen) hatte zwar einen Telefonanschluß, aber den wollten wir auch nicht gerade "belästigen", Anrufe entgegen zunehmen. Es blieb nur der Weg, ein Telegramm zu versenden. Aber auch die Übermittlung von Telegrammen von hüben nach drüben war alles andere, aber nicht schnell.
Natürlich haben wir uns über jeden Besuch gefreut. Es ist nur etwas unangenehm, sonntags in aller Frühe von Besuch überrascht zu werden.

VG Anton



zuletzt bearbeitet 17.09.2010 08:16 | nach oben springen

#6

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 17.09.2010 09:41
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Anton

Zitat von wosch

Zitat von Anton
Ja Angelo, so war es.
Wenn Sonntag morgens um 7.00 Uhr die westdeutsche Verwandtschaft unangemeldet vor der Tür stand, war das sicher kein schöner Moment, aber ich habe es einige Male erlebt. Nur konnten wir uns bis zum Fall der Mauer nicht revanchieren. Insbesondere meine Eltern haben das aber nach 1989 nachgeholt.

VG Anton






Anton, wenn ich im Zuge des "Kleinen Grenzverkehr´s" die Verwandschaft besuchte, hatte ich mich zumindestens immer vorher angemeldet und bin auch immer freudig begrüßt worden. Ich denke mal Dein Beispiel gehört unter "Ausnahmen bestätigen die Regel".
Schönen Gruß aus Kassel.








Hallo wosch

das Problem war meistens kommunikativer Art. Wir wußten zwar, das der Besuch in absehbarer Zeit erfolgt, aber wir kannten den genauen Termin nicht, weil unsere Verwandten aufgrund der o. g. Regelung sich immer kurzfristig für einen Tagesbesuch entschlossen.
Heute bzw. auch damals in der alten BRD griff man kurzerhand zum Telefon und kündigte seinen Besuch an. Aber wir hatten in der DDR kein Telefon, eine einfache Kommunikation war nicht möglich. Der Nachbar drei Häuser weiter (über den im Dorf inoffiziell erzählt wurde, er hätte sein Telefon aufgrund seiner Kontakte zum MfS bekommen) hatte zwar einen Telefonanschluß, aber den wollten wir auch nicht gerade "belästigen", Anrufe entgegen zunehmen. Es blieb nur der Weg, ein Telegramm zu versenden. Aber auch die Übermittlung von Telegrammen von hüben nach drüben war alles andere, aber nicht schnell.
Natürlich haben wir uns über jeden Besuch gefreut. Es ist nur etwas unangenehm, sonntags in aller Frühe von Besuch überrascht zu werden.

VG Anton




Alles klar Anton, mit der Komminikation war es übers Telefon nicht zum Besten bestellt. In den 6 Jahren in denen ich in Holland war, hatte ich von da aus überhaupt keine Probleme, man kam sofort durch, ohne Wartezeiten!! In der Regel bin ich auch selber nie vor 9:00 Uhr eingetrudelt, da waren die, die ich besucht hatte, schon lange aus den Federn. Wie sagt man ansonsten doch so gerne: "Der frühe Vogel fängt den Wurm.", oder?
Schönen Gruß aus Kassel.


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#7

RE: Grenznaher Verkehr Bundesrepublik-DDR (1973-1989)

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 17.08.2011 23:41
von Eisenbahner (gelöscht)
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Zitat von Angelo
Sieht man von Eisenach ab, so lagen auf DDR-Seite nahezu alle potentiell betroffenen großen Städte (Magdeburg, Weimar, Erfurt) nicht im Geltungsbereich der Besuchsregelung.



Also da muss ich doch mal protestierend einschreiten *g*
Aber ganz im Ernst: Da hast Du, was die Größe der Städte betrifft, wohl nicht ganz gründlich nachgeschaut. Eisenach war innerhalb des Gebietes des grenznahen Verkehrs doch eher noch eine kleine Stadt. Es gab in der DDR sehr wohl größere Städte, die in den grenznahen Verkehr einbezogen waren. So sind - und waren damals erstrecht - Plauen, Stendal und Schwerin sicherlich die größten Städte innerhalb des Gebietes und die waren schon damals erheblich größer als Eisenach. Auch Gotha war dies damals (und ist es heute noch). Weiterhin wären Nordhausen sowie Wismar als damals nicht gerade kleine Städte zu nennen, die in den grenznahen Verkehr einbezogen waren.


zuletzt bearbeitet 17.08.2011 23:42 | nach oben springen



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