#101

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 18.09.2010 15:10
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von bruno
ende juni 1989, ausbildungskompanie eisenach, feldlager.
ein soldat meiner kompanie bekam post von seiner verlobten,
sie hatten eine gemeinsame wohnung, darin schrieb sie sinngemäß,
das sie es nicht aushalten würde 18 monate auf ihm zu warten und sie
beendete mit diesem brief die beziehung. natürlich war der soldat
total fertig und niedergeschlagen, er teilte sich einem freund mit,
dieser ging sofort zum polit (hauptmann f.) und erzählte ihm alles.
sofort wurde der soldat aus dem "rennen" genommen, hpt f. fuhr mit
den soldaten zu seiner freundin nach k. um mit ihr zu sprechen.
diese lies sich nicht mehr von ihrer getroffenen entscheidung umstimmen,
daraufhin besorgte hpt f. eine neue wohnung und organisierte den umzug
des soldaten. dieser kam nach ende der ausbildung (20.juli1989) auch nicht
mehr an die grenze, sondern auf den böller(schießplatz) nach nordhausen.
was ich damit sagen will, man tat schon von seiten gt alles um eine
mögliche fahnenflucht zu verhindern. ich denke das viele fahnenfluchten
bei gt eine kurzschlußreaktion war.




kann das nur bestätigen.in meiner zeit hatte ich einige solche fälle klären können.aber ich mußte auch feststellen,daß einige das ausgenutzt haben,um einen außerplanmäßigen urlaub zu ergattern.da war ich richtig sauer


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#102

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 18.09.2010 16:33
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Pitti, man muss aber auch anmerken, das die emotionale Belastung der Soldaten, ob jetzt NVA oder der Grenztruppe enorm war. Grund gerade bei Unklarheiten in Beziehungen oder Familie waren die wenigen und viel zu kurzen Urlaube...vielleicht erläutert Einer nochmal die KU, VkU in der Zeit...Beginn ab Kompanie/Stab bis Rückkehr, oder weißt du was, du alter Polit, du machst es gleich selbst.
Unser Zugführer, ein Hauptmann war eine Flasche, knickte ständig ein, wenn der Staber brüllte...was blieb mir übrig, das hieß dann kein Urlaub, das hieß dann "Mauern", was so viel bedeutet wie, ich machte nur noch die Hälfte.
Heute lacht man darüber, damals war in meinem Inneren der Teufel los und gottseidank ist nichts Dummes passiert, was ich hinterher wohl gewaltig bereut hätte.
Ein Soldat der BW heute kann das eventuell im Auslandseinsatz nachvollziehen, wenn er dann Wochen im Camp sitzt und Zuhause sitzt seine Liebste und er sitzt, und sitzt, und sitzt und trinkt, und trinkt, und trinkt....vor Kummer.
Ein guter Soldat wird er da nicht, das weiß der Taliban, denn Der ist nicht dumm.

Rainer-Maria


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#103

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 18.09.2010 16:47
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

ein soldat im gwd hatte 18 tage urlaub in 18 monaten. meist wurden die so verteilt,daß er 2 mal im halbjahr im urlaub war.dazu kamen noch abwechselnd weihnachten/silvester und ostern/pfingsten.für besondere anlässe oder gute leistungen konnte man auch noch sonderurlaub ergattern


zuletzt bearbeitet 18.09.2010 16:48 | nach oben springen

#104

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 18.09.2010 16:58
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Pitti, geht es bitte noch etwas genauer? Ich möchte, das der Leser auch nachvollziehen kann, wie verdammt kurz die Zeit zu Hause war, denn, so bei mir und tausenden Anderen war auch die Zugfahrt von Hinfahrt gute 7 Stunden/ Rückfahrt desgl.im Urlaubsgesamtzeitraum mit drin.
Und das nach meist 12 langen Wochen am Kanten?

Rainer-Maria


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#105

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 20.09.2010 08:15
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von wosch
Also Sentry, auch wenn Du mir vor ca 7 Stunden mit der virtuellen Bratpfanne Eins rübergezogen hattest ...



Hatte ich natürlich nicht. Ich habe mit meinem primitven Humor nur Deinen kleinen Versprecher illustriert.
Jedenfalls auch von mir schönen Dank für Deinen Bericht - sehr anschaulich und offen geschildert...Respekt dafür. Ich gebe Dir recht. In dieser Situation warst Du tatsächlich eher eine Hilfe für Deine Familie, obwohl sie das sicher im ersten Moment anders gesehen hat.
Ich sehe das übrigens nicht so, dass Du, nur weil Du mal einen redaktionellen Artikel geschrieben hast, gleich Deine Diskussionskultur verändern sollst. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun - eine Änderung der Diskussionskultur muss aus einem anderen Winkel des Gehirns kommen.

Zitat von Freedom
Ich wollte zu diesen Thema der Fahnenflucht gen Westen was wissen. Wie hat das überhaupt geklappt das gleich 2 Kameraden in den Westen geflüchtet sind? Beispiele habe ich nicht, habe jedoch davon gehört.



Noch eine Ausführung dazu: Es gab sehr wohl unter Grenzern recht tief sitzende Freundschaften. Einige gingen so weit, dass man über fast alles miteinander redete. Ob das immer gerechtfertigt war und ob das dem einen oder anderen IM-Berichte oder sogar persönliche Schwierigkeiten einbrachte, steht auf einem anderen Blatt. In dem Moment war das einfach so und man hatte für sich entschieden, was man mit wem besprechen konnte und wollte. Es war absolut nicht so, dass man jedem Kameraden mit Misstrauen gegenüberstand. Dazu hatte man mit einigen wiel zu viel gemeinsam durchgemacht und natürlich auch jede Menge gemeinsame Verfehlungen begangen.
Ich kann das jetzt nicht weiter ausführen, weil ich selber nie konkrete Fluchtgedanken hatte. Aber ich denke, ich hatte 2 bis 3 Freunde denen ich mich durchaus hätte anvertrauen können. Gemeinsam hatten sie, dass wir gemeinsam eingezogen wurden und seit dem ersten Tag in der gleichen Einheit waren.
Das wird es sicher auch in anderen Einheiten gegeben haben, so dass es durchaus Situationen gegeben haben kann, wo eine Flucht einvernehmlich ablief. Meine Freunde waren allerdings, wie gesagt, alle im gleichen Diensthalbjahr, so dass die Chance eines gemeinsamen Grenzdienstes, den man zur Flucht hätte nutzen können, äußerst gering waren.
In unserer Einheit war es allerdings so, dass über Fluchtmöglichkeiten und -gedanken auf keinen Fall gesprochen wurde. Uns war wohl unausgesprochen allen klar, dass man damit eine Freundschaft nur zerstören und den Gesprächspartner kompromittieren würde. Wenn die Katze einmal aus dem Sack war, konnte der Gesprächspartner ja eigentlich nur noch denunzieren. Schließlich konnte er nicht wissen, ob der andere vielleicht doch ein Spitzel war und nur die Reaktion seines Gegenüber testen wollte. Wir brauchen heute im Abstand von vielen Jahrenm nicht darüber diskutieren, ob irgend etwas davon realistisch oder vernünftig ist. Damals war die Situation so und wir wussten bei weitem nicht so viel über das System wie heute.

Ein weiteres Szenario, dass sich heute sicher kaum noch belegen lässt, hatte ich als Grenzer aber auch immer im Kopf:
Wenn doch einmal der Fall eingetreten wäre, dass man im Grenzdienst von seinem Kameraden überrumpelt worden wäre, wie z.B. im Schlaf entwaffnet, und der Kamerad die Flucht angetreten hätte, wäre immer noch der Weg geblieben, ebenfalls zu flüchten und sich so der erwarteten schweren Bestrafung zu entziehen. Ich habe keine Ahnung, ob das jemals tatsächlich passiert ist. Fakt ist, dass das im Nachhinein auch wie eine gemeinsame Flucht aussehen würde.


zuletzt bearbeitet 20.09.2010 08:17 | nach oben springen

#106

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.09.2010 14:18
von Sonne | 510 Beiträge

[




Ein weiteres Szenario, dass sich heute sicher kaum noch belegen lässt, hatte ich als Grenzer aber auch immer im Kopf:
Wenn doch einmal der Fall eingetreten wäre, dass man im Grenzdienst von seinem Kameraden überrumpelt worden wäre, wie z.B. im Schlaf entwaffnet, und der Kamerad die Flucht angetreten hätte, wäre immer noch der Weg geblieben, ebenfalls zu flüchten und sich so der erwarteten schweren Bestrafung zu entziehen. Ich habe keine Ahnung, ob das jemals tatsächlich passiert ist. Fakt ist, dass das im Nachhinein auch wie eine gemeinsame Flucht aussehen würde.

Ob es wie eine gemeinsame Flucht aussieh oder nicht-eine Möglichkeit wäre es gewesen, vorausgesetzt das die Flucht noch nicht zu lange her war und noch kein Grenzarlarm ausgelöst war.
[/quote]


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#107

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.09.2010 16:42
von VNRut | 1.483 Beiträge

Ich verstand es nicht, wie einige Posten unbekümmert im tiefsten Schlaf mit lautem Schnarchen den Grenzdienst verbringen konnten. Auch ich war durch Stresssituationen (viele A-Gruppen, Innendienste etc.) manchmal nicht zu 100% fit, aber schlafen ... und wenn dann nur mit einen Auge. Ein Respekt (Misstrauen) dem Posten gegenüber war immer da, ob als junger Dachs beim ersten Grenzdienst oder bei der letzten Schicht vor der Entlassung.

Gut es kam vor, das mein Postenführer wie ein nasser Sack in einer der ersten "Schichten nach Dienstvorschrift" übermüdet am Hebel des Beleuchtungsscheinwerfer hing und einschlief, und ich dann seine Seite mitsicherte, was eigentlich nicht sein dürfte. Wohl war mir in dieser Nachtschicht trotz allem nicht. Meine DV-Zeit wurde durch eine EK-Versammlung nach Absprache sofort gestrichen.

Gruß VN_Rut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#108

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.10.2010 19:41
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von linamax

Zitat von Freedom
Ich wollte zu diesen Thema der Fahnenflucht gen Westen was wissen. Wie hat das überhaupt geklappt das gleich 2 Kameraden in den Westen geflüchtet sind? Beispiele habe ich nicht, habe jedoch davon gehört.


Das beste Beispiel bin ich . Ich bin 1967 mit meinen Vorgesetzten in den Westen geflohen .
Gruß linamax




Hallo Linamax, das ist interessant, kannst du den Ablauf erzählen, vor allem wie du die Hürde genommen hast zusammen mit dem Vorgesetzten ( Mißtrauen bei der Verabredung usw.) Ich selbst bin auch ehem. Grenzsoldat habe aber erst nach meiner Entlassung aus den GT im Frühjahr 1965 den " großen" Sprung in den Westen gemacht.

Gruß Gert




Hallo Gert
Ich bin wie gesagt 1967 geflüchtet und zwar nach dem Ausgang mein Vorgesetzter hatte an diesen Abend schwere Probleme mit unseren Kompaniechef . Es war noch ein dritter Mann dabei aber er hat dann doch einen Rückzieher gemacht . Das ich es geschaft habe verdanke ich nur Ihm .Den ich war nur Küchenleiter einer Grenzkompanie . Das alles war 9 Dezember 1967 .


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#109

RE: Warum sind so wenig Grenzer abgehauen ?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.10.2010 23:20
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von linamax

Zitat von Gert

Zitat von linamax

Zitat von Freedom
Ich wollte zu diesen Thema der Fahnenflucht gen Westen was wissen. Wie hat das überhaupt geklappt das gleich 2 Kameraden in den Westen geflüchtet sind? Beispiele habe ich nicht, habe jedoch davon gehört.


Das beste Beispiel bin ich . Ich bin 1967 mit meinen Vorgesetzten in den Westen geflohen .
Gruß linamax




Hallo Linamax, das ist interessant, kannst du den Ablauf erzählen, vor allem wie du die Hürde genommen hast zusammen mit dem Vorgesetzten ( Mißtrauen bei der Verabredung usw.) Ich selbst bin auch ehem. Grenzsoldat habe aber erst nach meiner Entlassung aus den GT im Frühjahr 1965 den " großen" Sprung in den Westen gemacht.

Gruß Gert




Hallo Gert
Ich bin wie gesagt 1967 geflüchtet und zwar nach dem Ausgang mein Vorgesetzter hatte an diesen Abend schwere Probleme mit unseren Kompaniechef . Es war noch ein dritter Mann dabei aber er hat dann doch einen Rückzieher gemacht . Das ich es geschaft habe verdanke ich nur Ihm .Den ich war nur Küchenleiter einer Grenzkompanie . Das alles war 9 Dezember 1967 .





Glückwunsch Linamax, da war ich als Ehemaliger ( bin nicht von dem Grenzdienst abgehauen sondern ein halbes Jahr nach Entlassung ) schon fast Tausend Tage im "gelobten Land" ( Fluchtdatum 31. März 1965 ).

Viele Grüße aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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