#1

Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 25.07.2010 00:24
von kinski112 (gelöscht)
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Titelbeitrag "FW" vom 24.07.2010 !!!

Der 20. Juli 1990 war für die Nationale Volksarmee (NVA) ein besonderer Tag:
Erstmals wurden in Strausberg ostdeutsche Soldaten an einem Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler vereidigt.


Hauptakteur bei der feierlichen Zeremonie am 46. Jahrestag des Umsturzversuchs war der bekennende Pazifist und Theologe Rainer Eppelmann – nunmehr „Minister für Abrüstung und Verteidigung“ in der letzten DDR-Regierung.
Vor die zum Appell in ihren Uniformen formierten Truppenteile trat er in dunklem Anzug mit Schlips und Kragen, seine Begrüßung richtete er an die „Damen und Herren Soldaten und Unteroffiziere, Fähnrichschüler und Offiziersschüler, Fähnriche und
Offiziere“ sowie an die „Herren Generale und Admirale“. Die einst verbindliche Anrede „Genosse“ unter
Soldaten und Offizieren hatte für immer ausgedient.

Wichtiger als die augenfälligen Äußerlichkeiten an jenem Tag war jedoch ein Akt von tiefer symbolischer Bedeutung. In seiner Gedenkrede für die Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 verlieh Eppelmann dem Hauptgebäude seines Ministeriums den Namen
des Widerständlers Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ein weiteres Gebäude erinnerte fortan an dessen Mitverschwörer Henning von Tresckow.
Die Namensgebung wertete der Minister als Signal und Verpflichtung für die Soldaten: „Wir wollen nicht blinden Gehorsam, wir wollen den verantwortlichen, mitdenkenden, der Demokratie und den Menschenrechten verpflichteten Bürger in Uniform.“ Das war eine deutliche Abkehr vom bisherigen Untertanengeist in der NVA und zugleich ein Bekenntnis zum Widerstand gegen den
Nationalsozialismus in seiner Gesamtheit.Das war, zumindest in dieser Deutlichkeit, ungewohnt. Denn nach der jahrzehntelangen Vermittlung einer äußerst platten und eindimensionalen Sicht auf widerständisches Handeln in der NS-Zeit hatte sich in der DDR weithin ein Bild vom Widerstand verfestigt, das aus den 50er Jahren stammte. Als dominierend galt der kommunistische Widerstandstandskampf, aus dem die DDR ihre geschichtliche Legitimation ableitete.

Keine differenzierte Sicht

Lange Zeit wurde sozialdemokratischer, bürgerlicher oder gar christlicher Widerstand nur dann als opportun betrachtet, wenn Einzelne ihren Einsatz gegen das Hitler-Regime mit dem eigenen Leben bezahlten. Überlebende
KZ-Häftlinge mit einer differenzierten Sicht auf ihre Erfahrungen und ihr Leid in der NS-Zeit – Eugen Kogon, Ernst Wiechert, Jorge
Semprun und andere – standen in der DDR lange Zeit außerhalb des offiziellen Geschichtsbildes.
An diese DDR-Sicht erinnerte im Juli 1990 auch der ostdeutsche Historiker Kurt Finker. Zwar konnte er 1967 in der DDR eine umfassende Stauffenberg-Monografie veröffentlichen, die im Union-Verlag der Ost-CDU bis 1989 immerhin sieben Auflagen
erreichte und auch in Polen,der CSSR und der Sowjetunion erschien.
Sie löste damals heftige Diskussionen aus, zumal das Buch in westdeutschen Zeitungen eine überaus wohlwollende Resonanz fand.
Gleichwohl sei das Hitler-Attentat in der DDR zunächst „an den Rand der Geschichte gedrängt“ worden, stellte Finker in einem Vortrag fest. Dem Umsturzversuch in der „Wolfsschanze“sei anfangs „sogar der Charakter einer Widerstandsaktion abgesprochen“worden: „Es wurde als ein reaktionäres,im Grunde volksfeindliches Unternehmen disqualifiziert.“
Während der 20. Juli 1944 im Selbstverständnis der Bundesrepublik stets einen festen Platz hatte, begann in der DDR eine differenziertere Betrachtungsweise zu diesem Thema erst in den 70er Jahren. Sie fand ihren Höhepunkt im Juli 1984 mit einem wissenschaftlichen Kolloquium zum 40. Jahrestag des Attentats. Mit der Vereidigung vor 20 Jahren in Strausberg wurde das Vermächtnis der Widerständler endgültig zum gemeinsamen historischen Erbe im damals noch geteilten Deutschland.

Quelle:"FW" 24.07.10
P.S. Hinweis wenn Thread hier nicht richtig ist, bitte in entsprechende Rubrik verschieben !


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#2

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 25.07.2010 11:09
von Gert | 12.354 Beiträge

Kinski , das hast du sehr schön dargestellt mit den Hitlerattentätern. Ich habe allerdings gewisse Bedenken, was die Attentäten des 20. Juli angeht. Mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, als ob es sich bei den Attentätern um ehemalige Akteure des Hitlerregimes handelt, die 1943/44 erkannten, dass sie am größten GAU der jüngeren deutschen Geschichte aktiv mitgearbeitet hatten und nun diesen "Betriebsunfall" versuchten zu korrigieren. Wenn man sich mal die Namen anschaut, so klingt es wie das Verzeichnis des deutschen Adels und die hatten alles andere als eine demokratische Gesinnung. 11 Jahre zuvor hatten die "von und zu's" aktiv daran mitgewirkt das dieser böhmische Gefreite Reichskanzler des deutschen Reiches wurde.
Nicht zu vergessen, wird aber oft in Deutschland, ist Georg Elser. Der Schreiner aus Würtemberg hatte am 9.November 1938 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombe mit Zeitzünder in eine Säule installiert. Die Bombe explodierte pünktlich zu der geplanten Zeit. Das Dumme an der Sache war, dass Hitler jedoch das Redepult dort 13 Minuten früher als geplant verließ. Der Kerl hatte offenbar ein Gespür für Gefahren.
Elser wurde kurz vor der Schweizer Grenze bei Konstanz vom Zollgrenzdienst festgenommen. Er bekam keinen Prozeß, sondern wurde im KZ Dachau gefangen gehalten und wenige Tage vor der Befreiung durch US Truppen auf Befehl Hitlers ermordert.

Viele Grüße vom Rhein


.
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zuletzt bearbeitet 25.07.2010 11:34 | nach oben springen

#3

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 25.07.2010 22:03
von Mike59 | 7.969 Beiträge

Zitat von Gert
Kinski , das hast du sehr schön dargestellt mit den Hitlerattentätern. Ich habe allerdings gewisse Bedenken, was die Attentäten des 20. Juli angeht. Mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, als ob es sich bei den Attentätern um ehemalige Akteure des Hitlerregimes handelt, die 1943/44 erkannten, dass sie am größten GAU der jüngeren deutschen Geschichte aktiv mitgearbeitet hatten und nun diesen "Betriebsunfall" versuchten zu korrigieren. Wenn man sich mal die Namen anschaut, so klingt es wie das Verzeichnis des deutschen Adels und die hatten alles andere als eine demokratische Gesinnung. 11 Jahre zuvor hatten die "von und zu's" aktiv daran mitgewirkt das dieser böhmische Gefreite Reichskanzler des deutschen Reiches wurde.
Nicht zu vergessen, wird aber oft in Deutschland, ist Georg Elser. Der Schreiner aus Würtemberg hatte am 9.November 1938 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombe mit Zeitzünder in eine Säule installiert. Die Bombe explodierte pünktlich zu der geplanten Zeit. Das Dumme an der Sache war, dass Hitler jedoch das Redepult dort 13 Minuten früher als geplant verließ. Der Kerl hatte offenbar ein Gespür für Gefahren.
Elser wurde kurz vor der Schweizer Grenze bei Konstanz vom Zollgrenzdienst festgenommen. Er bekam keinen Prozeß, sondern wurde im KZ Dachau gefangen gehalten und wenige Tage vor der Befreiung durch US Truppen auf Befehl Hitlers ermordert.

Viele Grüße vom Rhein


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Nicht schlecht, ich glaube auch nicht das die Attentäter des 20 Juli, Demokraten waren oder geworden wären. Egal, nur Sie zählen heute, alles andere waren offensichtlich ideologisch verblendete Personen. So ändern sich die Zeiten.
Mike59


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#4

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 26.07.2010 17:11
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Gut , ob sie Demokraten waren oder geworden wären ist die eine Sache,aber klar ist,wie es damals Wiston Churchill sagte-
Der Widerstand gegen Hitler habe"zum Edelsten und Grössten gehört,was in der politischen Geschichte der Völker je hervorgebracht wurde"



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#5

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 26.07.2010 19:32
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert
Kinski , das hast du sehr schön dargestellt mit den Hitlerattentätern. Ich habe allerdings gewisse Bedenken, was die Attentäten des 20. Juli angeht. Mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, als ob es sich bei den Attentätern um ehemalige Akteure des Hitlerregimes handelt, die 1943/44 erkannten, dass sie am größten GAU der jüngeren deutschen Geschichte aktiv mitgearbeitet hatten und nun diesen "Betriebsunfall" versuchten zu korrigieren. Wenn man sich mal die Namen anschaut, so klingt es wie das Verzeichnis des deutschen Adels und die hatten alles andere als eine demokratische Gesinnung. 11 Jahre zuvor hatten die "von und zu's" aktiv daran mitgewirkt das dieser böhmische Gefreite Reichskanzler des deutschen Reiches wurde.
Nicht zu vergessen, wird aber oft in Deutschland, ist Georg Elser. Der Schreiner aus Würtemberg hatte am 9.November 1938 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombe mit Zeitzünder in eine Säule installiert. Die Bombe explodierte pünktlich zu der geplanten Zeit. Das Dumme an der Sache war, dass Hitler jedoch das Redepult dort 13 Minuten früher als geplant verließ. Der Kerl hatte offenbar ein Gespür für Gefahren.
Elser wurde kurz vor der Schweizer Grenze bei Konstanz vom Zollgrenzdienst festgenommen. Er bekam keinen Prozeß, sondern wurde im KZ Dachau gefangen gehalten und wenige Tage vor der Befreiung durch US Truppen auf Befehl Hitlers ermordert.

Viele Grüße vom Rhein



Mensch @Gert das wir mal einer Meinung sind und ich dir uneingeschränkt zustimme hätte ich auch nicht gedacht.

Die Attentäter des 20. Juli waren alles Angehörige einer verbrecherischen bourgeoisen Adelsclique die erst in dem Moment zu opponieren begannen, als sie der Niederlage ins Auge blickten und ihre Felle davonschwimmen sahen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie willige Diener dieses verbrecherischen Systems und, als glühende von Standesdünkel durchdrungende Anhänger des Nationalsozialismus, keineswegs die freiheitlichen Demokraten als die sie dieses System heute verkaufen will.

Das verwerflichste an der ganzen Sache ist jedoch das vor dem Hintergrund der medialen Befeuerung dieser angeblichen "Helden" die eigentlichen Widerständler wie z.B. Elser oder die ungezählten Opfer des kommunistischen Untergrunds in Vergessenheit geraten.


Dies ist jedoch Strategie und Taktik des Kapitals, dem seit jeher jedes Mittel in seinem Kampf gegen den Kommunismus und damit eine Alternative zum eigenen System Recht war. Die zehntausenden Opfer des kommunistischen Widerstandes gegen Hitler werden somit bewußt ins Abseits gedrängt, um die 200 Opfer des bürgerlich-kapitalistischen "Pseudo"Aufstandes gegen Hitler zu glorifizieren und den moralischen Anstand dieser Kreise zu belegen. Dies alles mit dem Ziel die bürgerlich-kapitalistische Klasse, Hitlers Unterstützer und Förderer der ersten Stunde, zu rehabilitieren.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 27.07.2010 06:39 | nach oben springen

#6

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 26.07.2010 19:36
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Feliks und nicht zu vergessen,die vielen tausend auch nicht der KPD angehörigen Widerständler


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#7

RE: Vom Mauerfall zur deutschen Einheit 19. bis 25. Juli 1990

in Themen vom Tage 26.07.2010 19:39
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Pitti53
Feliks und nicht zu vergessen,die vielen tausend auch nicht der KPD angehörigen Widerständler



Diese sah ich in meiner Aufzählung im folgenden Passus durch das Beispiel Elser vertreten, da sie natürlich nicht vergessen sein sollen.

Zitat von Feliks D.


Das verwerflichste an der ganzen Sache ist jedoch das vor dem Hintergrund der medialen Befeuerung dieser angeblichen "Helden" die eigentlichen Widerständler wie z.B. Elser oder die ungezählten Opfer des kommunistischen Untergrunds in Vergessenheit geraten.



Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 27.07.2010 06:38 | nach oben springen



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