#1

Norbert Juretzko ehem. MA des BND

in Bundesnachrichtendienst BND 09.06.2010 10:17
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

von norbert juretzko erschienen die beiden bücher "bedingt dienstbereit" und "im visir". er selbst war quellenführender mitarbeiter des bnd von 1984 bis 1999.

beide bücher erachte ich als lesenswert und schätze herrn juretzko als vollblutprofi ein, der seine arbeit mit witz, kreativität und enthusiasmus durchführte und damit entsprechenden erfolg erntete.

über sein dienstliches ende streiten sich bis heute alle seiten.

wikipedia schreibt: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Juretzko

Juretzko schildert dort (in seinen büchern d.verf.) unter anderem folgende Vorgänge:

Zur „Lagebildgewinnung“ habe der BND noch zu seiner Dienstzeit wahllos Briefe von DDR-Bürgern an Westbürger gelesen, wobei der Bruch des Briefgeheimnisses durchwegs ungerechtfertigt gewesen sei.

Der BND habe den deutschen Teil des Gladio-Netzwerks betrieben.

Diese von ihm mit betreute stay behind-Organisation sei der Stasi gänzlich bekannt, und aufgrund zahlreicher grober Fehler (Verbindungsführer gaben Funkgeräte nicht an die „Quellen“ – die verdeckten Kräfte vor Ort – weiter, leere Ausrüstungsverstecke, etc.) sowieso nie einsatzbereit gewesen.

Der BND habe den Verrat seiner Gladio-„Quellen“ ignoriert und diese so unnötig gefährdet.

Der BND habe „verbrannte“ — also gegnerischen Diensten bekannte — Immobilien weiter operativ genutzt.

Bei einer Kooperation mit amerikanischen Diensten habe der BND eine unangemessene Verteilung der gewonnenen Informationen toleriert, sowie Bestechungs- und Abhöraktionen durch die Partnerdienste klaglos hingenommen.

Die Professionalität sei beim BND ganz allgemein mangelhaft gewesen, es hätten teils chaotische Zustände geherrscht – insgesamt sei der Dienst kein ernsthafter Gegenspieler, insbesondere für die Stasi, gewesen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#2

RE: Norbert Juretzko ehem. MA des BND

in Bundesnachrichtendienst BND 09.06.2010 10:23
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Berliner Zeitung vom 10. September 2004

Verratene und Verräter
Norbert Juretzko hat fünfzehn Jahre lang für den BND gearbeitet. Nun hat er ein Buch geschrieben. Es soll eine Abrechnung sein
Andreas Förster


CELLE/BERLIN, im September. "Ich bin kein Verräter", sagt Norbert Juretzko. Er sitzt in Celle in einem Gartenrestaurant. Menschen kommen und gehen, Juretzko schaut ihnen entgegen, manchmal grüßt er mit einem Nicken. Der mittelgroße freundliche Mann mit dem Bürstenhaarschnitt ist bekannt in der Stadt, auch weil er dem SPD-Stadtverband vorsteht. Seine unbekannte Seite wird erst in diesen Tagen offenbar, da Celler Zeitungen sein Foto drucken. Der Grund ist ein Buch, das Norbert Juretzko geschrieben hat: "Bedingt dienstbereit" heißt es und wird im Untertitel als "die Abrechnung eines Aussteigers" aus dem Bundesnachrichtendienst angepriesen.

Juretzko hat fünfzehn Jahre für den BND gearbeitet, undercover, von 1984 bis 1999. Er hat in dieser Zeit mehrere russische Topagenten des Dienstes geführt. Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen Geheimnisverrats, den er mit seinem Buch begangen haben soll. Auf den knapp vierhundert Seiten des Buches geht es um Intrigen, Pannen und Pleiten beim BND. Vor allem aber geht es um Verrat.

"Ich bin kein Verräter", sagt auch Volker Foertsch am Telefon. Foertsch war von 1953 bis 1999 im Bundesnachrichtendienst, brachte es dort bis zum Ersten Direktor und zeitweiligem Chef der Beschaffungsabteilung, wo er den Überblick über alle BND-Spione hatte. Er pflegt einen speziellen Umgang mit Journalisten. Manche empfängt er zu Hintergrundgesprächen, andere, die er nicht einzuschätzen vermag, lässt er nicht vor. In Juretzkos Buch spielt Foertsch eine zentrale Rolle. Eine Reihe schwer wiegender Indizien lassen ihn als Verräter erscheinen: Von 1993 bis 1997, vielleicht sogar schon seit 1976, soll er demnach mit dem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben.

Der Verdacht ist nicht neu, aber er ist bis heute unbewiesen. Auch das Buch vermag nur, das Misstrauen gegen Foertsch neu anzufachen. Beweise bleibt es schuldig.

Im BND aber werden die Diskussionen wieder aufflammen. Noch immer spaltet die Meinung darüber, ob nicht doch was dran ist an dem ungeheuerlichen Verdacht, einer aus der obersten Spitze des Geheimdienstes habe für den Gegner gearbeitet, die Lager. Zu viel Staub hatte vor sechs Jahren die Untersuchung gegen Foertsch aufgewirbelt, zu viele Merkwürdigkeiten traten zu Tage, zu viele Intrigen und Interessen verhinderten eine eindeutige Aufklärung. Wenn das Buch Juretzkos eines deutlich macht, dann dies: Eine Spionageaffäre im BND hat es ganz sicher gegeben - wer darin aber der Verräter war und wer der Verratene, bleibt im Nebel.

Dabei liegt der Anfang der Geschichte - sofern man das bei Spionagestories überhaupt sagen kann - noch im klaren Sonnenlicht. Mitte 1990, der kalte Krieg war vorüber, setzte der BND Juretzko auf die aus der DDR abrückenden sowjetischen Truppen an. Zusammen mit seinem Partner - im Buch Freddy genannt - war Juretzko sehr erfolgreich im Tauschgeschäft mit sowjetischen Offizieren. Gegen Toaster und Videorecorder gab es militärisches Gerät und Geheimpapiere.

Neben diesen Geschäften aber rekrutierten die beiden damals auch vielversprechende Agenten für eine längerfristige Zusammenarbeit. Den Spionen verpasste das Zweier-Team so phantasievolle Decknamen wie "Lilienthal", "Münchhausen", "Eulenspiegel" und "Rübezahl". Insbesondere die beiden letztgenannten Quellen sprudelten in den folgenden Jahren so fleißig, dass man in der Pullacher Zentrale von einer Verzückung in die andere fiel. "Das Material, das bis 1994 von 'Eulenspiegel' und 'Rübezahl' kam, war wirklich gut", bestätigt Volker Foertsch, damals Leiter der für Informationsbeschaffung zuständigen BND-Abteilung 1 und damit oberster Chef Juretzkos.

Die Lieferungen hatten natürlich ihren Preis. Allein "Rübezahl" ließ sich der BND über all die Jahre insgesamt eine halbe Million D-Mark kosten. "Der Mann war sein Geld wert", sagt Norbert Juretzko. "Daran hat im Dienst nie jemand einen Zweifel gehabt."

Während ihrer Zusammenarbeit mit den Spionen stolperten Juretzko und Freddy aber immer wieder über Bemerkungen ihrer Quellen und Auffälligkeiten, die auf einen Informationsabfluss aus Pullach Richtung Moskau hindeuteten. Sie begannen, diese oftmals nur winzigen Puzzlesteine in einem Extra-Dossier zu sammeln. Es bekam die Deckbezeichnung "Sorbas".

Als sich die "Sorbas"-Mappe immer weiter füllte, entschieden sich die beiden, das Material 1993 ihrem direkten Vorgesetzten beim BND zu übergeben. Dort stieß es aber zunächst auf wenig Interesse. "Nicht verwertbar", lautete der lapidare Kommentar.

Nach 1994 führten Juretzko und Freddy den Kontakt zu ihren nun in Moskau arbeitenden Quellen weiter. Vor allem "Eulenspiegel" und "Rübezahl" erwiesen sich weiterhin als lohnende Objekte, verfügten doch beide über exklusive Zugänge zu einem der KGB-Nachfolger, dem auch für Spionageabwehr zuständigen Inlandsgeheimdienst FSB.

Verläuft die Geschichte bis zu diesem Punkt wie ein gerader Pfad, auf dem Juretzko und sein Chef Foertsch gemeinsam vorwärts schreiten, gelangt man nun, 1994, an eine Gabelung, die beider Wege trennt. Folgt man Juretzkos Spur, dann haben ihm seine beiden FSB-Agenten in den folgenden Jahren bis 1997 immer stärkere Belege dafür geliefert, dass an einer zentralen Stelle innerhalb des BND ein russischer Spion sitzt. Die nach und nach übergebenen Hinweise einschließlich eines schriftlichen Dokuments aus dem FSB, einem "Rapport" vom 24. April 1997, hätten demnach den Verdacht eindeutig auf Foertsch gelenkt.

Schreitet man mit Foertsch den anderen Weg entlang, dann hat Juretzko nach 1994 keinen Kontakt mehr mit "Rübezahl" gehabt, aber weiter für ihn Agentenhonorare kassiert. Die Informationen über russische Geheimdienste, die Juretzko als Quellenmeldungen ablieferte, stammten entweder von dem geringer eingestuften "Eulenspiegel" oder hätten sich als wenig stichhaltig und nicht nachprüfbar erwiesen, so Foertsch. Als die Sache aufzufliegen drohte und Juretzko in ihm eine Gefahr für seinen Schwindel erkannte, habe er die Maulwurf-Spur gelegt und dazu Quellenmeldungen und den FSB-Rapport gefälscht.

Auf welchem der beiden Wege gelangt man zur Wahrheit? Oder gibt es - wir bewegen uns schließlich auf dem unergründlichen und vielschichtigen Terrain der Spionage - etwa noch einen dritten Pfad, der unter den anderen beiden verborgen liegt?

Auch die Sicherheitsabteilung des BND stand 1997 vor dieser Frage und traf eine Entscheidung: Sie begann eine Abwehroperation gegen Foertsch, Deckname "Kosak-3". Eine heikle Sache, denn die Beamten hatten damit ihren eigenen Chef im Visier - Foertsch war 1994 an die Spitze der Sicherheitstruppe gewechselt. Über Monate hinweg wurden seine Telefonate mitgeschnitten, mit Kamera und Mikrofon beobachtete man den ahnungslosen Verdächtigen in seinem Pullacher Büro. Als sich auch noch die von "Rübezahl" via Juretzko an den BND gelangten Verdachtsmomente gegen Foertsch verdichteten, holte sich die BND-Sicherheit Rat von einem Expertenkollegen aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz. Der Abwehrspezialist sichtete die zusammengetragenen Erkenntnisse, bescheinigte dem BND eine tadellose Arbeit und empfahl, das Kanzleramt einzuschalten.

So geschah es: Am 18. März 1998 kam eine kleine Runde bei Bernd Schmidbauer, Kanzler Kohls Geheimdienstkoordinator, zu einer Top-Secret-Konferenz zusammen. Schmidbauer, wegen seines Hineinregierens in BND-Operationen als "008" verschrien, war die Sache sichtlich unangenehm - kein Wunder, verband ihn mit Foertsch doch eine lange Freundschaft. Juretzko, der an der Runde im Kanzleramt teilnahm, erinnert sich in seinem Buch dann auch an einen entscheidenden Satz, mit dem Schmidbauer die Sitzung eröffnete: "Wenn das rauskommt", soll der CDU-Politiker gesagt haben, "kauft doch keiner mehr von mir ein Stück Brot. Dann können wir doch alle gleich mit einpacken."

Tatsächlich hatten insbesondere die Amerikaner und Briten seit jeher ein gestörtes Vertrauensverhältnis zum deutschen BND, den sie von KGB und Stasi unterwandert wähnten. Sollten sich ihre Ahnungen auch in einem so hochrangigen Fall wie dem von Foertsch bestätigen - so mag es Schmidbauer gedämmert haben - , hätte das verheerende Folgen für die weitere Zusammenarbeit gehabt.

Nach wie vor aber befinden wir uns auf zwei getrennten Wegen der Geschichte. Auf Juretzkos Pfad erfahren wir, dass in der Schmidbauer-Runde zwar die Übergabe des Verfahrens an die Bundesanwaltschaft beschlossen wurde. Insgeheim aber, so Juretzkos Vermutung, sei danach entschieden worden, die Sache aus Staatsräson zu beerdigen. Schmidbauer habe noch vor Beginn der Ermittlungen mit Foertsch telefoniert, woraufhin dieser belastende Unterlagen vernichten konnte. Und die Bundesanwaltschaft habe den Fall einem Ermittler übertragen, der zu den Duzfreunden des Verdächtigen gehörte. Nach nur oberflächlichen Ermittlungen habe der das Verfahren mangels Beweisen eingestellt. Um die Sache abzusichern, klagte man plötzlich ihn und seinen Partner an, "Rübezahl" erfunden und dessen Honorare unterschlagen zu haben, sagt Juretzko. Foertsch ging ein Jahr nach dem Ende der Ermittlungen in Pension.

Von Foertschs Seite erfahren wir, dass er tatsächlich mit Schmidbauer nach der Kanzleramtsrunde telefoniert habe - aber von einer bevorstehenden Ermittlung habe der ihm nichts erzählt. Es stimme auch, dass er den Bundesanwalt seit langem gekannt habe - aber der Ermittler habe seine Arbeit korrekt gemacht. Und die Anklage gegen Juretzko sei ja wohl berechtigt gewesen - schließlich habe ihn das Gericht im Januar 2003 wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Tatsächlich gab es einen Prozess gegen Juretzko und Freddy vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht. Betrug wurde beiden vorgeworfen und die Unterschlagung von einer halben Million Mark.

Es war ein Geheimverfahren, keiner der Beteiligten darf bis heute darüber reden, was in dem Gerichtssaal ablief. Offensichtlich aber hat es eine Absprache gegeben: Nach elf Verhandlungstagen wurde das Verfahren gegen Freddy gegen eine geringe Geldstrafe eingestellt, Juretzko kam mit einer Bewährungsstrafe unter zwölf Monaten davon, wodurch er seine Pensionsansprüche wahrte. Ein Beweis dafür oder gar ein Geständnis, dass "Rübezahl" und dessen Informationen über den Maulwurf in Pullach eine Erfindung waren, hat es aber - so viel steht fest - nicht gegeben.

"Ich bin verraten worden", sagt Norbert Juretzko. Die Politik habe damals daran gedreht, dass die Foertsch-Affäre nicht aufgeklärt wurde. "Mich hat man dafür geopfert."

"Ich bin verraten worden", sagt auch Volker Foertsch. Es seien angebliche Beweise und Indizien gegen ihn gefälscht worden, damit der Schwindel um "Rübezahl" nicht auffliegt. "Das war eine durchsichtige Sache, um mich aus dem Weg zu räumen", ist Volker Foertsch sicher.


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#3

RE: Norbert Juretzko ehem. MA des BND

in Bundesnachrichtendienst BND 09.06.2010 10:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Norbert Juretzko, Jahrgang 1953, war Bundeswehrsoldat und wurde 1984 Berufsoffizier. Bis Ende 1999 war er für den BND tätig. Er lebt heute mit seiner Familie bei Celle und ist dort SPDVorsitzender.



quelle: ullstein-verlag


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