#1

Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 06:13
von Angelo | 12.391 Beiträge

Gerrit Große will sich nicht für ihre Vergangenheit schämen. 20 Jahre lang war sie Lehrerin für Musik und Deutsch in der DDR und Mitglied der SED. „Ich wollte diesen Staat“, sagt die heutige Landtagsvizepräsidentin und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Gerade Großes Offenheit wirkt authentisch und lädt zu Auseinandersetzungen ein, wie sie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburgs und den drei anderen Veranstaltern wohl vorschwebten, als sie die Reihe „Wertvolle Gespräche“ schufen. Um Schule in der DDR ging es bei der von GEW-Lan-deschef Günther Fuchs moderierten Debatte kürzlich in Potsdam. Rund 30 Lehrerinnen und Lehrer, die meisten von ihnen DDR-sozialisiert, mischten sich in einen Streit ein.

Gerrit Große hält bestimmte Strukturen des DDR-Schulsystems auch heute noch für bewahrenswert. Langes gemeinsames Lernen, das polytechnische Schulsystem oder der interdisziplinäre Fächerzusammenhang fallen ihr ein. Sie räumte aber auch ein, dass sie oftmals zu „blauäugig“ war und vieles nicht gesehen hat. Besonders schockiert sei sie etwa darüber, dass geistig Behinderte als „nicht schulfähig“ galten. Trotzdem sieht die Ex-Lehrerin viele persönliche Freiräume. In den 80er-Jahren habe sie zum Beispiel Schülerinnen ihrer Klasse nicht – wie von der SED vorgeschrieben – dazu gebracht, das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen“ abzunehmen, sondern mit ihnen diskutiert.

Hier weiter lesen
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/b...ume-in-der.html


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#2

Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 06:37
von Gelöschtes Mitglied
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Also, wenn ich Schulbücher und Schulhefte von meiner Frau (1980er Jahre) und mir (1970er-bis 80er Jahre) mit denen meiner Kinder vergleiche, muss ich gestehen, das die Bildung breiter gefächert war und das die Inflationären Hinweise auf Demokratie und Freiheit weit stärker im Vordergrund stehen, als ideologische Hinweise in der DDR. Auch die andere Seite, BRD, Frankreich oder USA wurden (in meiner DDR!) wesentlich intensiver berhandelt, als in der alten BRD die DDR oder sie Sowjetunion.

Ich selber habe in meiner Schulzeit nur zwei Hardliner kennengelernt. Eine Staatsbürgerkundelehre mit Betonansichten (den aber keiner für Voll nahm) sowie eine Physiklehrerin. Letztere schwärtzte mich in 1981 an, warum ich einen Beutel von "C&A" als Schultasche nehme. Ich muss hier erklären, das ich immer gegen Werbung bin, auch heute. Aber meine Schultasche flog vom Fahrrad in eine Pfütze, so dass ich Ersatz brauchte. Und das war die erwähnte PVC-Tragetasche. Ich musste also zum Direktor, übrigens damals Lehrer für Staatsbürgerkunde (!!!) und absolut streitbar - also man konnte mit ihm über alles Reden. Auch Sendungen von ARD und ZDF konnten normal beredet werden - ohne ideologischen Fingerzeig. Jedenfalls frgte der gute mann, was denn sei. Die mitgegangene Lehrerin zeigte auf den Beutel. Er fragte nur, ob das alles sei und schickte uns weg......


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#3

Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 10:31
von Drewitz | 356 Beiträge

Okay-eins muß man der Schule meiner Töchter lassen:es wird mehr Wert gelegt auf Teamarbeiten (Geschichte,Deutsch,NaWi),
Systematik und freie Rede,Präsentationen gelegt als bei mir früher.


Torsten


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#4

Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 12:27
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es leider haarsträubende Defizite zu früher.

Meine Tochter leider unglücklich auf der Hauptschule gelandet und 9. Klasse beherrscht nicht den Stoff der 6. und 7. Klassen der POS !!!

Chemie, Physik, Mathe, Bio und und und - die Bücher hab ich noch und sind ein Armutszeugnis für das derzeitige Schulsystem.


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#5

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 13:30
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Drewitz
Okay-eins muß man der Schule meiner Töchter lassen:es wird mehr Wert gelegt auf Teamarbeiten (Geschichte,Deutsch,NaWi),
Systematik und freie Rede,Präsentationen gelegt als bei mir früher.


Torsten


Man macht sowas ähnliches. Schwächere werden dabei gnadenlos ausgbuht (- um gut dar zu stehen) oder durchgeschliffen, ohne zu begreifen. Und was da in NaWi gelehrt wird......

Wandertage sind übrigens auch zu reinen Fußschnellmärschen verkommen oder als Klassenfahrt sündhaft teuer.


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#6

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 08.06.2010 13:30
von Ernest | 210 Beiträge

Meine ganz persönliche Meinung.....................

würde man das alte Schulsystem nehmen (natürlich bildungsmäßig auf den heutigen Stand),
die Fächer Staatsbürgerkunde streichen, Fächer, wie Geschichte u.a. von all dem sozialistischen Gesülze befreien, dann könnte man es voll übernehmen.
An die moderne Zeit angepaßt, wie mein Freund Drewitz schon schreibt, mit Anreiz zur Teamarbeit, freien Rede und dergleichen, hätte es vollen Bestand und würde mir auch besser gefallen.
Dann wäre es auch egal, ob der kleine Fritz mitten im Schuljahr von Kiel nach München o.ä. verzieht.
Dieses Zitat kann ich nur bedingt stehen lassen.

Zitat von Angelo
Besonders schockiert sei sie etwa darüber, dass geistig Behinderte als „nicht schulfähig“ galten.


Sie galten ihrer Meinung nach als nicht schulfähig. Andererseits gab man diesen Leuten später, wenn möglich, eine berufliche Chance. Wir hatten in unserem Betrieb auch geistig Behinderte, die entsprechend ihren Fähigkeiten eine Aufgabe hatten und gefordert wurden. Sie haben sich als vollwertig und anerkannt gefühlt, wußten sie wurden gebraucht und hatten einen Wert. Manch einer mag jetzt sagen, Beschäftigungstherapie... na und, aber sie fühlten sich gleichwertig.
Heute werden diese Leute an die Wand gedrückt und kalt gestellt. Manch ein Arbeitgeber scheut sich auch nicht, zu sagen: """""was sollen wir denn mit so einem"""" Mensch zu sein und sich auch als solcher zu fühlen, ist mehr als nur eine Herausforderung für diese Leute....nein, es ist teils schier unmöglich. Oftmals bekommen sie ihr kleines Almosen und dümpeln am Rand der Gesellschaft herum.


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#7

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 09:30
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Ernest:
Manch einer mag jetzt sagen, Beschäftigungstherapie... na und, aber sie fühlten sich gleichwertig.

Woher weißt Du, lieber Ernest, wie ein "geistig Behinderter" sich fühlt? Was die "Gleichwertigkeit betraf, kannst Du da auch mal konkrete Beispiele aufzählen?

Heute werden diese Leute an die Wand gedrückt und kalt gestellt.

Wo werden diese Leute einfach an die Wand gedrückt? Meinst du etwa in den Behinderten-Werkstätten, die es hier in der BRD vielfach gibt?


Manch ein Arbeitgeber scheut sich auch nicht, zu sagen: """""was sollen wir denn mit so einem""""


Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!!


Mensch zu sein und sich auch als solcher zu fühlen, ist mehr als nur eine Herausforderung für diese Leute....nein, es ist teils schier unmöglich. Oftmals bekommen sie ihr kleines Almosen und dümpeln am Rand der Gesellschaft herum.

Wenn Du damit meinst, daß sich diese Leute in der DDR besser gefühlt haben müßten als die Behinderten in der heutigen BRD dann mag es wohl an deren geistigen Behinderung gelegen haben, oder aber an einer konfusen Sicht Deinerseits!
Vielleicht kannst Du mal genauer präzisieren, worin die Unterschiede im Umgang mit geistig Behinderten in beiden deutschen Republiken Deiner Meinung nach bestanden haben sollten!!

Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 11.06.2010 09:31 | nach oben springen

#8

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 10:31
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von wosch

[quote="wosch"]

Wo werden diese Leute einfach an die Wand gedrückt? Meinst du etwa in den Behinderten-Werkstätten, die es hier in der BRD vielfach gibt?

Durchschnittsentgelt in Werkstätten für behinderte Menschen: 159 Euro monatlich, wovon der Behinderte noch erhebliche Eigenleistungen bringen muss (Quelle: Wikipedia). Immerhin ein Fortschritt, zu der Zeit, als ich noch mit WfB-Abrechnungen zu tun hatte, betrug das Arbeitsentgelt 120 DM im Monat. Solche "fürstlichen" Entlohnungen tragen sicher nicht zur Teilhabe an der Gesellschaft bei.



Manch ein Arbeitgeber scheut sich auch nicht, zu sagen: """""was sollen wir denn mit so einem""""


Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!!

Es ist doch allgemein bekannt, dass das Gros der Arbeitgeber lieber die lächerliche Ausgleichsabgabe pro nicht besetztem Behinderten-Arbeitsplatz zahlt, als der sozialen Verpflichtung nachzukommen. In der Hinsicht könnte ich auch aus früheren bundesdeutschen Zeiten ein Lied singen (in der Zeitschiene Mitte 70er Jahre).

]



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#9

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 11:14
von wosch (gelöscht)
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Zitat von icke46

Zitat von wosch

[quote="wosch"]

Wo werden diese Leute einfach an die Wand gedrückt? Meinst du etwa in den Behinderten-Werkstätten, die es hier in der BRD vielfach gibt?

Durchschnittsentgelt in Werkstätten für behinderte Menschen: 159 Euro monatlich, wovon der Behinderte noch erhebliche Eigenleistungen bringen muss (Quelle: Wikipedia). Immerhin ein Fortschritt, zu der Zeit, als ich noch mit WfB-Abrechnungen zu tun hatte, betrug das Arbeitsentgelt 120 DM im Monat. Solche "fürstlichen" Entlohnungen tragen sicher nicht zur Teilhabe an der Gesellschaft bei.



Manch ein Arbeitgeber scheut sich auch nicht, zu sagen: """""was sollen wir denn mit so einem""""


Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!!

Es ist doch allgemein bekannt, dass das Gros der Arbeitgeber lieber die lächerliche Ausgleichsabgabe pro nicht besetztem Behinderten-Arbeitsplatz zahlt, als der sozialen Verpflichtung nachzukommen. In der Hinsicht könnte ich auch aus früheren bundesdeutschen Zeiten ein Lied singen (in der Zeitschiene Mitte 70er Jahre).

]






Hallo icke, mit meinen Fragen wollte ich nicht zum Ausdruck bringen daß es sich in der BRD um paradiesisische Zustände, was die Teilhabe von Behinderten in der Gesellschaft betrifft, handelt.
Ich bin trotzt Deiner Antworten zu den von den nur zwei von Dir angesprochenen Fragen der Meinung, daß man nicht so tun sollte, als ob es in der DDR den "geistig Behinderten" besser ergangen ist, als ihren Leidensgenossen hier und Heute!
Eine "Teilhabe" im wahrsten Sinne des Wortes an der Gesellschaft in der DDR habe ich auch in der DDR für diesen Personenkreis NICHT erkennen können!!
Darauf wollte ich eigentlich nur hinweisen!!

Schönen Gruß aus Kassel.


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#10

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 14:05
von Ernest | 210 Beiträge

Hallo Wosch,

hab erst heute deine Antwort gelesen und möchte dir auch gern darauf antworten.
Eins vorweg, wenn ich etwas schreibe, dann beruht es auf eigenes Erleben oder eigene Erfahrungen. Es ist kein zusammengezimmertes Bild, wie du es hast, wenn du nur sporadisch mal bei deiner Verwandtschaft in der DDR warst.

Zitat von wosch
Woher weißt Du, lieber Ernest, wie ein "geistig Behinderter" sich fühlt? Was die "Gleichwertigkeit betraf, kannst Du da auch mal konkrete Beispiele aufzählen?


Wir haben in unserer Familie zwei Fälle, wo genau dieses zutrifft. Über das warum und weswegen brauch ich hier wohl nichts zu schreiben. Aber du kannst du mir glauben, ich weiß wovon ich rede. Einen Fall habe ich tag-täglich hier vor Augen, selbst ich bin da mit eingespannt und glaube mir, auch meine Nerven leiden darunter, Also geh nicht immer so an die Sache heran, als wären andere blöd und hätten keine Ahnung.
Aber weg von meinem zu Hause.

Zitat von wosch
Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!



Mein Schwager, krankheitsbedingt hirngeschädigt hatte bei seinem Vater im Betrieb eine sehr schöne Arbeit. Er hat gearbeitet wie ein Pferd, es hat ihm Spaß gemacht, er ist gern gegangen und seine Arbeit wurde auch gelobt und anerkannt...................ja.............tja, bis zur Wende. Da fiel er durch das "Raster". Kannst ja mal herkommen und ihn fragen, was er alles unternommen hat Arbeit zu finden. Beim Arbeitsamt hieß es nur , sie sind nicht zu vermitteln. Selbst auf Suche gegangen, bekam er solche Abwertungen, die du ja nicht für wahr haben willst. Bist ja so schlau und weißt alles. Und wenn du schon mal hier bist, dann wirst du auch sehen, was aus ihm geworden ist................ich will es hier nicht schreiben, aber es ist erschreckend, wenn ich daran denke, wer er einmal war und was er jetzt ist.

In meinem damaligen Betrieb waren zwei, sie bekamen nur einfache, bzw, ganz einfache Arbeiten....................Späne rausfahren, Ölstände kontrollieren und nachfüllen und, und, und . Arbeiten die gemacht werden müssen, da sie wichtig sind, Es waren halt leichte Hilfsarbeiten, die man selbst nebenbei kontrollieren konnte, damit nichts schief läuft. Und von diesen Leuten wurde sie auch gemacht. Sie waren fleißig und pünktlich. Wenn wir Glück haben werden wir einen oder vielleicht auch beide hier irgendwo treffen. Sie schlafen mal hier und mal dort............haben keinen festen Wohnsitz. Sie sind untergegangen, weil ihnen die Füße unter den Boden weggerissen wurde, Sie haben weder Halt, noch Hilfe, noch werden sie anerkannt..........viele, vielleicht sogar du, rümpfen jetzt die Nase, wenn man sie sieht. Das sind Menschen, die an die Hand genommen werden müssen, denen man ein Ziel geben muß ..........nur sie haben weder die benötigte Hand, noch ein Ziel.
Willst du ihnen jetzt ein Vorwurf machen ???? So nach dem Motto....selbst schuld. Das sind Menschen, die kommen rein geistig mit der Welt nicht mehr klar. Aber du meinst ja, hier wird jedem geholfen.

Wenn ich das nicht alles selbst miterleben würde, vor und nach der Wende, hätte ich diesen Beitrag bestimmt nicht geschrieben. Nur leider kenne und sehe das Negative...........leider habe ich das täglich und sogar hautnah vor Augen. Also klär du mich nicht auf, zumindest nicht mit dieser Art von Abwertung, als hättest nur du das Wissen. Dein Wissen bis 62 und das andere Halbwissen reichen scheinbar doch nicht aus, die Realtät zu sehen. Und wer nicht unmittelbar, auch in der heutigen Zeit mit solchen Fällen zu tun hat, wird sich da auch schlecht ein Bild machen können.

Klar gibt es Behindertenwerkstätten, klar, es wird auch viel gemacht, das hab ich auch gar nicht abgestritten. Viele, sogar sehr viele Fälle werden auf irgendeine Art abgefangen. Aber es ist trotzdem nicht alles nur rosarot. Du als Realist müßtest es doch wissen.

Ach so, und bei der Gelegenheit kannst ja dann auch einen nach dem anderen fragen, wie er sich fühlt....heute und damals.
Bei einem wirst du zwar keine Antwort bekommen, aber er wird dich erkennen und anlächeln. Mußt nur aufpassen, falls du Brillenträger bist, er ist blitzschnell und auch meine Brille ging dabei schon zu Bruch.
Siehst du, dann weiß nicht nur ich, wie sich ein Behinderter fühlt, dann wirst auch du dieses Wissen haben. Nur dieses Wissen hat dann auch "Hand und Fuß".



Viele Grüße
Herbert


zuletzt bearbeitet 11.06.2010 14:18 | nach oben springen

#11

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 22:01
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Ernest
Hallo Wosch,

hab erst heute deine Antwort gelesen und möchte dir auch gern darauf antworten.
Eins vorweg, wenn ich etwas schreibe, dann beruht es auf eigenes Erleben oder eigene Erfahrungen. Es ist kein zusammengezimmertes Bild, wie du es hast, wenn du nur sporadisch mal bei deiner Verwandtschaft in der DDR warst.

Zitat von wosch
Woher weißt Du, lieber Ernest, wie ein "geistig Behinderter" sich fühlt? Was die "Gleichwertigkeit betraf, kannst Du da auch mal konkrete Beispiele aufzählen?


Wir haben in unserer Familie zwei Fälle, wo genau dieses zutrifft. Über das warum und weswegen brauch ich hier wohl nichts zu schreiben. Aber du kannst du mir glauben, ich weiß wovon ich rede. Einen Fall habe ich tag-täglich hier vor Augen, selbst ich bin da mit eingespannt und glaube mir, auch meine Nerven leiden darunter, Also geh nicht immer so an die Sache heran, als wären andere blöd und hätten keine Ahnung.
Aber weg von meinem zu Hause.

Zitat von wosch
Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!



Mein Schwager, krankheitsbedingt hirngeschädigt hatte bei seinem Vater im Betrieb eine sehr schöne Arbeit. Er hat gearbeitet wie ein Pferd, es hat ihm Spaß gemacht, er ist gern gegangen und seine Arbeit wurde auch gelobt und anerkannt...................ja.............tja, bis zur Wende. Da fiel er durch das "Raster". Kannst ja mal herkommen und ihn fragen, was er alles unternommen hat Arbeit zu finden. Beim Arbeitsamt hieß es nur , sie sind nicht zu vermitteln. Selbst auf Suche gegangen, bekam er solche Abwertungen, die du ja nicht für wahr haben willst. Bist ja so schlau und weißt alles. Und wenn du schon mal hier bist, dann wirst du auch sehen, was aus ihm geworden ist................ich will es hier nicht schreiben, aber es ist erschreckend, wenn ich daran denke, wer er einmal war und was er jetzt ist.

In meinem damaligen Betrieb waren zwei, sie bekamen nur einfache, bzw, ganz einfache Arbeiten....................Späne rausfahren, Ölstände kontrollieren und nachfüllen und, und, und . Arbeiten die gemacht werden müssen, da sie wichtig sind, Es waren halt leichte Hilfsarbeiten, die man selbst nebenbei kontrollieren konnte, damit nichts schief läuft. Und von diesen Leuten wurde sie auch gemacht. Sie waren fleißig und pünktlich. Wenn wir Glück haben werden wir einen oder vielleicht auch beide hier irgendwo treffen. Sie schlafen mal hier und mal dort............haben keinen festen Wohnsitz. Sie sind untergegangen, weil ihnen die Füße unter den Boden weggerissen wurde, Sie haben weder Halt, noch Hilfe, noch werden sie anerkannt..........viele, vielleicht sogar du, rümpfen jetzt die Nase, wenn man sie sieht. Das sind Menschen, die an die Hand genommen werden müssen, denen man ein Ziel geben muß ..........nur sie haben weder die benötigte Hand, noch ein Ziel.
Willst du ihnen jetzt ein Vorwurf machen ???? So nach dem Motto....selbst schuld. Das sind Menschen, die kommen rein geistig mit der Welt nicht mehr klar. Aber du meinst ja, hier wird jedem geholfen.

Wenn ich das nicht alles selbst miterleben würde, vor und nach der Wende, hätte ich diesen Beitrag bestimmt nicht geschrieben. Nur leider kenne und sehe das Negative...........leider habe ich das täglich und sogar hautnah vor Augen. Also klär du mich nicht auf, zumindest nicht mit dieser Art von Abwertung, als hättest nur du das Wissen. Dein Wissen bis 62 und das andere Halbwissen reichen scheinbar doch nicht aus, die Realtät zu sehen. Und wer nicht unmittelbar, auch in der heutigen Zeit mit solchen Fällen zu tun hat, wird sich da auch schlecht ein Bild machen können.

Klar gibt es Behindertenwerkstätten, klar, es wird auch viel gemacht, das hab ich auch gar nicht abgestritten. Viele, sogar sehr viele Fälle werden auf irgendeine Art abgefangen. Aber es ist trotzdem nicht alles nur rosarot. Du als Realist müßtest es doch wissen.

Ach so, und bei der Gelegenheit kannst ja dann auch einen nach dem anderen fragen, wie er sich fühlt....heute und damals.
Bei einem wirst du zwar keine Antwort bekommen, aber er wird dich erkennen und anlächeln. Mußt nur aufpassen, falls du Brillenträger bist, er ist blitzschnell und auch meine Brille ging dabei schon zu Bruch.
Siehst du, dann weiß nicht nur ich, wie sich ein Behinderter fühlt, dann wirst auch du dieses Wissen haben. Nur dieses Wissen hat dann auch "Hand und Fuß".



Viele Grüße
Herbert





Hallo Herbert!
Ich habe Deine Zeilen sehr aufmerksam gelesen und werde Dir wegen Deiner persönlichen Betroffenheit in der Sache nicht antworten. Nicht etwa, weil ich zu dem Thema nichts zu sagen hätte, sondern einfach deswegen damit keine weiteren Mißverständnisse auftreten können! Wenn ich gewußt hätte, daß Du als Betroffener den Vergleich "vor und nach der Wende" gebracht hattest, hätte ich nicht darauf geantwortet. Es tut mir leid und ich wünsche Dir viel Kraft für die Zukunft!

Schönen Gruß aus Kassel.


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#12

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 11.06.2010 22:04
von wosch (gelöscht)
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Zitat von wosch

Zitat von Ernest
Hallo Wosch,

hab erst heute deine Antwort gelesen und möchte dir auch gern darauf antworten.
Eins vorweg, wenn ich etwas schreibe, dann beruht es auf eigenes Erleben oder eigene Erfahrungen. Es ist kein zusammengezimmertes Bild, wie du es hast, wenn du nur sporadisch mal bei deiner Verwandtschaft in der DDR warst.

Zitat von wosch
Woher weißt Du, lieber Ernest, wie ein "geistig Behinderter" sich fühlt? Was die "Gleichwertigkeit betraf, kannst Du da auch mal konkrete Beispiele aufzählen?


Wir haben in unserer Familie zwei Fälle, wo genau dieses zutrifft. Über das warum und weswegen brauch ich hier wohl nichts zu schreiben. Aber du kannst du mir glauben, ich weiß wovon ich rede. Einen Fall habe ich tag-täglich hier vor Augen, selbst ich bin da mit eingespannt und glaube mir, auch meine Nerven leiden darunter, Also geh nicht immer so an die Sache heran, als wären andere blöd und hätten keine Ahnung.
Aber weg von meinem zu Hause.

Zitat von wosch
Gib mal Beispiele, Dein "Manch ein Arbeitgeber" ist mir zu pauschal und die Aussagekraft ist gleich null!



Mein Schwager, krankheitsbedingt hirngeschädigt hatte bei seinem Vater im Betrieb eine sehr schöne Arbeit. Er hat gearbeitet wie ein Pferd, es hat ihm Spaß gemacht, er ist gern gegangen und seine Arbeit wurde auch gelobt und anerkannt...................ja.............tja, bis zur Wende. Da fiel er durch das "Raster". Kannst ja mal herkommen und ihn fragen, was er alles unternommen hat Arbeit zu finden. Beim Arbeitsamt hieß es nur , sie sind nicht zu vermitteln. Selbst auf Suche gegangen, bekam er solche Abwertungen, die du ja nicht für wahr haben willst. Bist ja so schlau und weißt alles. Und wenn du schon mal hier bist, dann wirst du auch sehen, was aus ihm geworden ist................ich will es hier nicht schreiben, aber es ist erschreckend, wenn ich daran denke, wer er einmal war und was er jetzt ist.

In meinem damaligen Betrieb waren zwei, sie bekamen nur einfache, bzw, ganz einfache Arbeiten....................Späne rausfahren, Ölstände kontrollieren und nachfüllen und, und, und . Arbeiten die gemacht werden müssen, da sie wichtig sind, Es waren halt leichte Hilfsarbeiten, die man selbst nebenbei kontrollieren konnte, damit nichts schief läuft. Und von diesen Leuten wurde sie auch gemacht. Sie waren fleißig und pünktlich. Wenn wir Glück haben werden wir einen oder vielleicht auch beide hier irgendwo treffen. Sie schlafen mal hier und mal dort............haben keinen festen Wohnsitz. Sie sind untergegangen, weil ihnen die Füße unter den Boden weggerissen wurde, Sie haben weder Halt, noch Hilfe, noch werden sie anerkannt..........viele, vielleicht sogar du, rümpfen jetzt die Nase, wenn man sie sieht. Das sind Menschen, die an die Hand genommen werden müssen, denen man ein Ziel geben muß ..........nur sie haben weder die benötigte Hand, noch ein Ziel.
Willst du ihnen jetzt ein Vorwurf machen ???? So nach dem Motto....selbst schuld. Das sind Menschen, die kommen rein geistig mit der Welt nicht mehr klar. Aber du meinst ja, hier wird jedem geholfen.

Wenn ich das nicht alles selbst miterleben würde, vor und nach der Wende, hätte ich diesen Beitrag bestimmt nicht geschrieben. Nur leider kenne und sehe das Negative...........leider habe ich das täglich und sogar hautnah vor Augen. Also klär du mich nicht auf, zumindest nicht mit dieser Art von Abwertung, als hättest nur du das Wissen. Dein Wissen bis 62 und das andere Halbwissen reichen scheinbar doch nicht aus, die Realtät zu sehen. Und wer nicht unmittelbar, auch in der heutigen Zeit mit solchen Fällen zu tun hat, wird sich da auch schlecht ein Bild machen können.

Klar gibt es Behindertenwerkstätten, klar, es wird auch viel gemacht, das hab ich auch gar nicht abgestritten. Viele, sogar sehr viele Fälle werden auf irgendeine Art abgefangen. Aber es ist trotzdem nicht alles nur rosarot. Du als Realist müßtest es doch wissen.

Ach so, und bei der Gelegenheit kannst ja dann auch einen nach dem anderen fragen, wie er sich fühlt....heute und damals.
Bei einem wirst du zwar keine Antwort bekommen, aber er wird dich erkennen und anlächeln. Mußt nur aufpassen, falls du Brillenträger bist, er ist blitzschnell und auch meine Brille ging dabei schon zu Bruch.
Siehst du, dann weiß nicht nur ich, wie sich ein Behinderter fühlt, dann wirst auch du dieses Wissen haben. Nur dieses Wissen hat dann auch "Hand und Fuß".



Viele Grüße
Herbert





Hallo Herbert!
Ich habe Deine Zeilen sehr aufmerksam gelesen und werde Dir wegen Deiner persönlichen Betroffenheit in der Sache nicht antworten. Nicht etwa, weil ich zu dem Thema nichts zu sagen hätte, sondern einfach deswegen damit keine weiteren Mißverständnisse auftreten können! Wenn ich gewußt hätte, daß Du als Betroffener den Vergleich "vor und nach der Wende" gebracht hattest, hätte ich nicht darauf geantwortet. Es tut mir leid und ich wünsche Dir viel Kraft für die Zukunft!

Schönen Gruß aus Kassel.



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#13

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 12.06.2010 00:15
von grenzsoldat (gelöscht)
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BESCHEUERT UND SPITZENMÄßIG!

Es ist schon ein Problem, sich mit der Geschichte des DDR-Schulsystems sachlich auseinander zu setzen. Die das DDR Schulsystem durchlaufen haben und für ihre eigene Entwicklung positven Input erfahren haben, haben Probleme das denen gegenüber zu kommunizieren, die den positiven Input jenseits der Elbe bekommen haben. Es hört niemand zu.

Das ähnliche Problem hatte ich zu DDR Zeiten effektivere pädagogische und fachliche Kompetenz aus dem Westen innerhalb des DDR Bildungswesens als vorbildlich und annehmar nutzen zu können. Ich bin damit gegen die Wand gefahren. "Alle pädagogischen, methodischen, didaktischen und wissentschaftlich inhaltlichen Methoden des ""Klassengegners"" sind absolut destruktiv und unannehmbar!" wurde mir gegenüber postuliert.

Heute ist es halt anders rum. Es ist eben so. Die gleiche Ignoranz, die gleiche Dummheit, Unwissenheit und gesellschaftliche Verblendung innerhalb der Anwender und Entscheider.

Vor zehn Jahren jobbte ich als Dozent in der Weiterbildungsabteilung der Freien Universität. Wenn ich da offenbarte, das die methodischen und didaktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten aus dem Osten waren, flog ich aus dem Kurs. Sagte ich, das habe ich aus Berkley/Californien, konnte ich weiter machen.

Eigentlich mache ich nicht gerne drei Kreuze, das ich Rentner bin und nehme irgendwann mein Wissen mit ins Grab, eine Horde renitenter Jugendlicher innerhalb weniger Minuten fromm wie die Lämmchen werden zu lassen. Die Tricks hatte ich bei Makarenko, einem ehemals sowjetischen Pädagogen angelesen. Als ich mal in einer Kreuzberger Schule hospitierte und einer Lehrerin danach meine Methoden erläuterte, winkte sie erbost ab.

In der DDR jobbte ich 7 Jahre als Berufsberater und bis vor 2 Jahren auch sporadisch im gemeinsamen Deutschland. Das DDR Berufsberatungssystem in Hinsicht auf die Berufskunde war gleichzeitig bescheuert und spitzenmäßig. Heute ist es umgekehrt....gleichzeitig spitzenmäßig und bescheuert!


Ein wenig über das Bildungswesen in der DDR habe ich mal 2001 geschrieben. (Thema Studieren in der DDR)
http://www.rhebs.de/bln/d572/ifi5.html

Angefügte Bilder:
ifi9-1.jpg

zuletzt bearbeitet 12.06.2010 00:21 | nach oben springen

#14

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 12.06.2010 01:26
von Ernest | 210 Beiträge

Hallo Wosch..........

danke für deine Antwort...........sie ehrt dich und ich ziehe meinen Hut.
Und wie ich schon schrieb, wenn ich etwas wiedergebe, dann beruht es immer auf eigene, begründete Erfahrungen.
Ich schreibe nur Dinge, die ich glaubhaft machen kann, weil ich sie selbst erlebt habe.

Viele Grüße
Herbert


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#15

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 17.06.2010 12:49
von LO-Fahrer | 606 Beiträge

Wenn man mal von Wehruntericht, Staatsbürgerkunde u.ä. absieht war das DDR-Schulsystem sicherlich nicht schlecht. Allein daß es von Sassnitz bis Zittau den gleichen Lehrplan und die selben Schulbücher gab erscheint mir als Riesenvorteil. Heute kann man ja u.U. nicht mal innerhalb der Stadt die Schule wechseln ohne sich komplett neu ausstatten zu müssen. Das heutige System der verschiedenen Schulen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule.........) erscheint mir wesentlich komplizierter als das DDR-System von POS, EOS und gegebenenfalls Sonderschulen für Behinderte. Vielleich wird ja bald das System aus Schweden übernommen. Daß das verdächtige Ähnlichkeit mit dem DDR-System hat darf man aber nicht öffentlich erwähnen. Im übrigen bin ich der Meinung daß die deutsche Sprache, speziell Rechtschreibung und Grammatik, sowie auch die naturwissenschaftlichen Fächer stark vernachlässigt werden. Ich sehe das an unseren AZUBI's und Praktikanten. Was die teilweise für eine Rechtschreibung haben, da graust es der Sau. Von den Fähigkeiten im Kopfrechnen oder der Allgemeinbildung oberhalb von DSDS-Niveau will ich gar nicht erst reden.


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#16

RE: Debatte über das DDR-Schulsystem

in Das Ende der DDR 17.06.2010 18:09
von nolle (gelöscht)
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Als aktiver Teilnehmer des DDR-Schulsystems von 1961-1971 fühlte und fühle ich mich auch jetzt noch gut ausgebildet.
Ich hatte viele Lehrer die das eigene Denken in den Vordergrund stellten und das fand ich sehr gut.
Naturwissenschaften z.B. Astronomie fand ich sehr umfassend, der UTP (Unterrichtstag in der Produktion) würde
manch einem, auch heute, sehr gut tun.
Über Deutsch und Geschichte hat ja der LO-Fahrer schon ein paar Worte verloren denen nichts hinzuzufügen ist.
Wehrkunde gab es bei mir noch nicht, also alles in allem war es bestimmt nicht so schlecht wie es immer gemacht wird.
Ist natürlich gefährlich, in der Rückschau sieht immer alles ein wenig Rosaroter aus.

tschüß


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