#61

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 16:43
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ja, da hat jede kleinste Produktveränderung den Zusatz "de Luxe" bekommen und schon gab es höllische Aufpreise. Für meine erste MZ TS150 habe ich 1975 2380M bezahlt. Die wurde erst "de Luxe" in Heimarbeit und dank der Galvanik vom FER Eisenach.
Das "Mäusekino" beim Trabi hat allein mit 380M zu Buche geschlagen. Das war eine als "Momentanverbrauchsanzeige" deklarierte Anordnung von grünen, gelben und roten Leuchtdioden.
Je mehr Gas man gab, desto mehr Dioden haben geleuchtet. Da wusste dann auch der dümmste Bauer, das Gasgeben Sprit kostet. Da war einem manchmal schon richtig peinlich, wenn mal wieder das neueste Wartburgmodell auf der Leipziger Frühjahrsmesse als Sensation vorgestellt wurde. Die einzige Änderung waren z.B. schwarze Türklinken oder eben mal ein PUR-Lenkrad.


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#62

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 16:59
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Gab ja mal die Zeit, als die Herren im ZK merkten, daß die Versorgungslage langsam zum Politikum wird (heute sagt man "systemrelevant). Also Auflagen an die Betriebe, zusätzlich zum Plan mußten soundsoviel % der Warenproduktion (ich glaube, es waren 8 oder 10%) Konsumgüter produziert worden. Was wurde sich da nicht alles aus dem Finger gesaugt von den Betriebsdirektoren, was ungedeckter Bedarf in der Bevölkerung sein könnte. Neben wirklich guten Ideen war natürlich auch einiger Schrott dabei, der Not gehorchend, daß die Kennziffer Konsumgüterproduktion Gesetz war.
Wir produzierten als KG neben dem Tubenklebstoff "Chemikal-Kleber" den "Saladur". Dafür, einen "Westkleber" zu haben, hat die DDR-Bevölkerung eine menge Geld ausgegeben. Für den Namen "Saladur" hat die DDR meines Wissens 200.000,-DM/Jahr an die Salamander AG berappt. Nur die Leertuben waren von dort. Der Kleber war von uns und er war entsprechend der Messwerte besser als der original Saladur.



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#63

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 17:12
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Salamander -Schuhe aus DDR-Produktion sind mir auch in positiver Erinnerung. Da ist es bis heute schwierig, Schuhe in der damaligen Qualität zu kaufen. Die waren zwar nicht gerade billig(Winterstiefel haben 280M gekostet), aber von einer Top-Qualität und auch ein beliebtes Kaufobjekt durch Soldaten der Besatzungsmächte und auch die Polen hatten Gefallen an den Salamanderschuhen gefunden.


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#64

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 17:13
von Gelöschtes Mitglied
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Nun, der SKR-700 war den Geräten dieser Preisklasse aus westlicher Produktion um Welten Überlegen. Man wollte eben Geräte, die auch halbwegs ein paar Jährchen funktionieren. Meine 3 Exemplare laufen heute noch.
Der RFT-Walkman war zwar nur untere Mittelklasse, dafür viel billiger als SoNie Geräte und Konsorten in der DDR. Dafür aber den 15 DM Kassettenfräsen überlegen.
ORWO-Cassetten waren nicht sooo schlecht, klangen aber auf Westgeräten schlecht. Grund war, das Westgeräte nach IEC-Norm hergestellt worden. Ab 1988 (?) war auch ORWO-Bandmaterial IEC-Norm konform.

Sehr gute Geräte allerdings waren auch im Westen nie billig.


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#65

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 17:16
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat
. Die einzige Änderung waren z.B. schwarze Türklinken oder eben mal ein PUR-Lenkrad.




Falsch. Frontkühler, andere Kurbelwellengewichte. Ein bisschen mehr als Tuergriffe waren das schon.


Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#66

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 17:31
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Toll war auch dann der neue Kühlergrill , den konnte man im Winter mit verstellbaren Lamellen verschließen. Da brauchte man dann keinen Pappkarton mehr um die Heizleistung zu verbessern. Durch meine guten Beziehungen ins AWE, habe ich den dann in meinen 353W eingebaut. Da war das gute Stück gleich 5000M mehr wert, auf dem Automarkt.


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#67

RE: Konsumgüterproduktion in der DDR

in Leben in der DDR 01.11.2012 17:33
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Mein SKR-700 funktioniert auch noch.

Wußte nicht mehr das er so teuer war.

Unser Stammbetrieb im Kombinat stellte aus unerfindlichen Gründen dieses Teil her:


Es handelt sich um den EAW Audio 145 Stereo-Kassettenrekorder.
EAP lag bei 2.100 Mark der DDR.

Der Fertigungspreis pro Stück bei jenseits von gut und böse. Problem war unter anderem das die Entwickler den Ehrgeiz hatten das beste vom besten was der DDR Markt an elektronischen Bauteilen zu bieten hatte einzubauen.....

Dann hatten wir immense Probleme mit der Boxenhalterung. Zeitweise hieß der Rekorder intern, der erste Stereo Radio Rekorder mit abfallenden Boxen......
Nachdem er Serienreif und für den Handel tauglich geprügelt war, hieß er dem Namen des damaligen Generaldirektors nachempfunden "Jacobs Krönung".......

Falls jetzt so ein Meckerwessi meint; ja aber so heißt doch Kaffee, ne unser GD hieß Jacob.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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