#1

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 21:08
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Nach der ganzen Aufregung der vergangenen Tage, denke ich, es ist Zeit, dass wir wieder zum Tagesgeschäft
übergehen. Was ich hiermit tue und zwar mit Teil 3 meines Grenzertagebuches.
Nach dem die letzten Einträge eine eher heitere Note hatten, möchte ich jetzt über etwas ernsteres schreiben.


Das Jahr 1988 war, von uns ersehnt, angebrochen. Der Entlassungstag 28.April war schon am Horizont sichtbar
geworden und das Bandmaß würde zunehmend kürzer.
Bevor es aber nach Hause ging, mussten wir uns noch an einige personelle Änderungen gewöhnen.
Zum einen wurde unser StKC, ein Oberleutnant, zum Hauptmann befördert, auf seine neue Aufgabe als KC in Rothesütte
vorbereitet und versetzt. Sein Nachfolger wurde ein in Ecklingerode wohnender Oberleutnant. Einen neuen Polit hatten
wir schon seit mehreren Wochen. Dieser hatte schon durch seine Rechtschreibkünste an der Wandzeitung von sich reden
gemacht. Im Januar kam auch neue Soldaten zu uns, die im Herbst 1987 eingezogen wurden nach einer vierteljährigen
Ausbildung in der Keimschmiede, vor allem in Eisenach, aber auch Halberstadt.
Die nächste Neuerung betraf den KfZ-Techniker, einen Oberfähnrich, auch dieser wurde abgelöst.
Für ihn kam ein junger Fähnrich frisch von der Schule, um diesen Posten einzunehmen.
Den Fähnrich, dessen Namen ich vergessen habe, nenne ich im Folgenden einfach mal "Kowalski"
Ein KfZ-Techniker war so gut wie gar nicht im Grenzdienst eingesetzt, aber es wurde doch eine Grundkenntnis
von ihm über den Grenzabschnitt erwartet. Außerdem musste jeder, der bestätigt war, aufgrund einer Regel innerhalb eines gewissen
Zeitraumes (ich glaube mal, es war ein Jahr) mindestens 1 mal einen Grenzdienst absolviert haben.
So kam es, dass auch der Fähnrich Kowalski in den Grenzdienst musste, gar nicht solange nach seiner Ankunft.
Dies geschah im Februar 1988.
Nun war es üblich, einem Frischling, einem "Greenhorn" sozusagen in den ersten Dienst einen erfahrenen Kameraden mitzugeben.
Bei der Planung wurde aber ein verhängnisvoller Fehler begangen, der seine Ursachen in 2 eklatanten Denkfehlern
hatte: 1. Je höher der Dienstgrad, umso zuverlässiger derjenige
2. Da jeder Dienstgrad aufwärts ab Unteroffizier automatisch Postenführer war, setzte man die
Erfahrung, die ein Postenführer haben musste, einfach vorraus.
So würde Kowalski als Postenführer eingeteilt. Soweit so gut. bekam er wenigstens einen diensterfahrenen
Posten? Mitnichten! Einen blutjungen Soldaten, erst im Januar gekommen. 2 Frischlinge allein, konnte das
gut gehen? Wir werden sehen. Ich kann nicht glauben, dass der Planer der KC war, denn planen tat er souverän.
Schön und gut, die beiden traten ihren Grenzdienst an ud ab gng es Richtung Neuendorf, Etzenborner Hang.
Ich kümmerte mich weiter nicht darum, was die trieben, für mich war es nur wichtig, nachher wieder den
GMN-Höhrer, das Funkgerät und die PT wieder zu bekommen.
So sah ich erstmal keinen von beiden.
Eines Nachmittags im Februar rief mich ein sichtlich verärgerter KC zu sich: "Müller, Sie fahren als Fahrzeug-
verantwortlicher mit und bringen den Kowalski nach Erfurt!"
Ich dachte nur "Hä, was ist jetzt los?? Aber egal, komm ich mal raus und sehe etwas von heimatlicher Gegend."
Ich Nachhinein erfuhr ich, dass Kowalski in Heiligenstadt-Richteberg im Arrest saß. "Was zum Teufel hat der
ausgefressen??", dachte ich nur.
Vorher gab mir der Hauptfeld noch Post für ihn und eine vergessene Trainingsjacke mit.
Der Kraftfahrer und ich fuhren mit einem Trabi-Kübel zuerst nach Heiligenstadt-Iberg, wo der Sitz des
Regimentskommadeurs war. Wir holten dort einen Major ab, den wir schon kannten.
Er galt als angenehm und freundlich. Im Winter war der Trabi mit Seitenplanen versehen, von denen nur zum
Einsteigen die rechte geöffnet wurde, die linke blieb geschlossen. Nun ging es zum Richteberg, wo sich
mehrere Kasernen des GR und auch die Arrestzellen befanden. Der Major instruierte uns: "Der steigt ein und
sitzt hinten links. Mit ihm wird kein Wort gesprochen!" Und dazu lamentierend: "Das hat er sich selber zuzuschreiben!"
Aber um was es genau ging, wollte er nicht sagen. Der Arrestant kam und ich gab ihm wortlos die Dinge vom
Hauptfeld.
So ging die Fahrt in Richtung Erfurt los. Erfurt war auch der Sitz des Grenzkommandos SÜD. Ich nahm an, dass es dort hin ging und Kowalski dort in den Arrest sollte.Warum, war mir die ganze Zeit ein Rätsel. Es ging über Leinefelde, Mühlhausen, Langensalza nach Erfurt.
Vorbei an Medizinischer Akademie und Pädagogischer Hochschule erreichten wir den Domplatz, wir bogen Richtung
Petersberg rechts ab, die nächste wieder rechts. (in dieser Seitenstraße befindet sich heute die Zufahrt zur Tiefgarage
unter dem Petersberg. Die Straße endete an einem Schlagbaum. Hinter dem Schlagbaum waren Uniformierte.
Es waren aber keine GT Uniformen. Das gründe Ärmelband fehlte, ich glaubte als Waffengattungsfarbe weinrot
erkennen zu können. Stasi??? Es wurde immer mysteriöser. Der Major stieg aus und wechselte mit einem der Uniformierten
einige Worte. Der antwortete (ich hörte nur): "Sie fahren da und da hin, gehen da rein und da wird das geklärt."
Wir fuhren zurück, bogen auf die Andreasstraße ein und parkten an einem kleinen Parkplatz neben der Andreaskirche.
der Major stieg mit Kowalski aus und sie gingen zur gegenüberliegenden Straße zu einem langgestreckten grauen Gebäude,
direkt neben den backsteinfarbenen Bau des Untersuchungs-Knastes. Heute weiß ich, dass dieses Gebäude die Bezirksverwaltung
Erfurt des MfS war, dmals vermutete ich diese behörde nur in einem neubau am Nordende dieses Komplexes. Nach etwa 20 min bis
einer halben Stunde kam der Major zusammen mit Kowalski heraus und sie stiegen wieder bei uns im Trabi ein.
Es ging zurück zu der Sackgasse neben dem Petersberg, aber nicht bis zum Schlagbaum. Wir hielten an der Rückfront des
des Backsteinbaues vbor einem riesigen, etwa 5-6 m hohem Tor. Wie von geisterhand öffnete es sich.
Wir fuhren rein. Wie es sich geöffnet hatte, schloss sich das Tor wieder.
Das war also kein Arrest, das war kein Spaß mehr, das war ein Knast! Verdammt, was war da los??
Man bekam beklemmende Gefühle, obwohl man selbst nichts zu befürchten hatte.
Der Major stieg wieder aus und meldete sich an einer kleinen grauen Tür. Diese Situation nutzte ich aus und umging das Redeverbot.
"Verdammt, Alter, was hast Du denn nur ausgefressen???", fragte ich Kowalski.
Der antwortete: "Ich hab zu dem gesagt, dass er mal über den 6er gehen soll...."
Er konnte nicht zuende reden, der Major war zurück und lies ihn aussteigen. Aus der kleinen grauen Tür kam ein
blau uniformierter. Diese Farbe wies ihn als Strafvollzugsangehörigen des MdI aus. heute verwirt mich das ganze, da doch
der Knast am Erfurter Domplatz dem MfS unterstanden haben soll.
(Vielleicht liest dss hier ein Insider, der aufklärend wirken kann.)
Der war übrigens (so mein Eindruck) zu Kowalski sehr freundlich. "Na, bist du schon untersucht woren?", konnte
ich noch hören, bevor sich die Tür schloss. Möglicherweise hatte er die Untersuchung zur Haftfähigkeit gemeint.
Alös der Major zurück war, verließen wir den unheimlichen Ort, ohne Kowalski. Neben Smalltalk war wieder sein
Lamentieren zu hören: "Das hat er sich selber zuzuschreiben. Da hat er sich einen Bärendienst erwiesen, der Bruder..."
Man gewann den Eindruck, dass er Mitleid empfand und dass er sein Schicksal als ungerecht einordnete.
Aber was genau los war, sagte er trotzdem nicht.
Nachdem wir ihn in Heiligenstadt abgeliefert hatten, fuhren wir nach Teistungen zurück.
An der Landstraße von Heiligenstadt nach Günterode fuhren wir in eine Feldeinfahrt und legten eine Pinkelpause
ein. Nachdem der Schnee deswinterlichen Eichsfeldes sein gelbes Muster erhalten hatte fuhren wir rückwärts auf die Landstraße zurück.
Dabei war ein verdächtiges Klimpern und Rumpeln zu hören. Der Fahrer schaute nach und fand die Ursache: Eine
Flasche Schnaps. "Ach, die hatte ich ja ganz vergessen, die sollte ich ja besorgen!"
So hatten wir zusammen mit einem Major vom Regiment eine Flasche Schnaps in ein Gefängis hinein und wieder
heraus geschmuggelt. Wenn die uns gefilzt hätten!
In der Kompanie angekommen hatte sich da grade die größte Aufregung gelegt. Es hatte eine außerordentliche
Tapi mit dem Regimentskommandeur stattgefunden, bei der dieser Vorfall ausgewertet wurde.
Nach dieser war folgendes geschehen:
Kowalski hatte den Soldaten aufgefordert, mit ihn zusammen über den 6er (K6-Kontrollstreifen) zu gehen,
bishin zum GZ1. Weitere Aufforderungen gab es nicht. Tatsächlich blieb es auch nur bei dieser Aufforderung.
Keiner der beiden hatte je einen Fuß auf den K6 gesetzt. Eine warum auch immer blödsinnige Anwandlung
Kowalskis, ein Dummer-Jungenstreich. Wäre mit ein paar Tagen Arrest wirklich abgegolten gewesen.
Zurück in der Kaserne erzählte der junge Soldat seines Kameraden
von dem Vorfall. Wie dies solche Kreise ziehen konnte ist mir unklar. Entweder unter den Zuhörern oder
unter der weiteren Erzählkette muss wohl ein IM gewesen sein. Denn die Anordnung zum Arrest kam nicht
von der Kompanieleitung (die offenbar übergangen wurde), sondern aus dem Regiment.
Als dies ruchbar wurde, muss wohl ein Staatsanwalt Haftbefehl erlassen haben.
Denn man hatte aus einem an und für sich Blödsinn eine "versuchte Fahnenflucht bzw Aufforderung dazu"
konstruiert.
Was sollte nun mit dem armen Schwein passieren?
In mir besiegte die Neugierde die Vorsicht und uch fragte den 2000er, als er mich mal wieder im Funkraum
"besuchte" nach dem zu erwartenden Schicksal für Kowalski.
"Nun, er kann dafür bis zu 8 Jahre bekommen, auch Vorbereitung und Versuch sind strafbar. Aber wir wollen
dem jungen Kerl doch nicht das Leben versauen. Mehr als 2 Jahre werden es wohl nicht werden."

Toll, 2 Jahre Knast, für so einen Unfug, alles was konstruiert wurde ist doch nicht zu beweisen.
Schon ein mittelmäßiger Rechtsanwalt würde doch die Anklage in der Luft zerreißen!
Aber stopp, das war damals die DDR. Und diese Fahrt nach Erfurt war so eine Art Schlüsselerlebnis, wo man
ds wahre Gesicht dieses Systems sehen konnte.
Was aus Kowalski, der so nicht hieß, geworden ist, weiß ich nicht.
Vielleicht ließt dies hier jemand, der mehr weiß.


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#2

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 21:47
von LO-driver | 750 Beiträge

Toller Beitrag von Dir Tommi. Wenn ich doch auch so viel zeit zum schreiben hätte. Aber vieleicht ist ja auch mal eine Phase der Muse in kürze. Paar Geschichten habe ich auch auf Lager.
So schnell ist man da weg vom Fenster gewesen. Huch, ich habe die 18 Monate ohne größeren Ärger abgerissen.

LO-Driver



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#3

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 22:00
von Holtenauer | 1.158 Beiträge

super Geschichte, danke.
Sehr informativ


Gruß
Thomas
Zerstörer Lütjens - D185

Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erweisen sich viele von ihnen als falsch

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast


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#4

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 22:13
von ABV | 4.202 Beiträge

Beim Lesen dieser Geschichte schauert es einem richtig. Man stelle sich das mal vor, zwei Jahre Gefängnis für nichts!! Der arme Kerl kann einem echt leid tun.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#5

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 22:57
von werraglück | 679 Beiträge

@ TOMMI,

danke für diese sehr interessante Begebenheit! Ist schon heftig. Ich kann auch deine Empfindungen nachvollziehen, als du, obwohl selbst unbeteiligt in den Hof des Knastes gefahren bist...mein lieber Mann. Und das ist quasi kein Einzelfall gewesen!

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#6

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 22:58
von nolle (gelöscht)
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Also das ist ja jetzt echt gruselig. Ich gebe mir Mühe zu glauben das diese Geschichte stimmt, also das passt mir echt nicht in den Kopf. Für blödes Gequatsche 2Jahre? Mein Gott der arme Kerl.
tschüß


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#7

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 23:01
von Greso | 2.377 Beiträge

TOMMI,ein klasse Bericht.
Gruß Greso


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#8

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 23:42
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Also Tommi--ich schließe mich den anderen mal an--klasse Beitrag.
Noch dazu erwähnt,wenn ich so nach Denke was wir manchmal für Unsinn im Grenzdienst gemacht haben.Da sag ich nur,was für ein Glück das man die Zeit unbeschadet überstanden hat.


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#9

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 28.04.2010 23:58
von werraglück | 679 Beiträge

Hi Rostocker,

genau das waren meine Gedanken...wie recht du hast!


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#10

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 29.04.2010 19:46
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Ja, Leute so war das. Das war DDR, übrigens entschuldigt die vielen Tippfehler. Ich wollte das Ding
noch schnell unterbringen, da habe ich es sozusagen mit der heißen Nadel gestrickt, oder besser
miter heißen Tastatur getippt. Aber trotzdem ist alles wahr. Ich denke mal, die Wende war für
"Kowalski" der Tag der Befreiung. Dennoch wäre ich neugierig, was aus ihm geworden ist.

@Rostocker /@Werraglück
Ja ich kann das nur bestätigen. Was wir so alles unter uns gequatscht haben. Da uns nichts geschehen ist,
wissen wir, es war kein Spitzel unter uns.
Zum Beispiel war folgende Flachserei unter uns zu Gange:
"Man müsste mal 'feindwärts' gehen, auf westlichen Gebiet etwas Dreck ausbuddeln, in ein Glas tun
und mitnehmen."
"Wieso?"
"Na, wenn dir hier jemand ans Leder will, schüttest du den Dreck aus, stellst dich drauf und sagst:
'Ich stehe auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland! Wagen Sie nicht, mich anzurühren!'"
Wenn das jemand gehört hätte, der es nicht hätte hören sollen, owei owei owei......

Aber versprochen Leute, die nächste Geschichte wird wieder lustiger, aber wahr ist sie auch...


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#11

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 29.04.2010 21:09
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo TOMMI,

schöner Bericht aber leider muss ich gestehen wenn dies Nr. 3 ist, dann sind mir die ersten beiden entgangen. Es wäre schön wenn du für Leute wie mich bei jedem neuen Bericht auch die links zu den alten Berichten einstellen könntst. Auch User der erst später gekommen sind finden so die anderen Berichte leichter.

Ich gebe mal mein Kommentar zu dem Sachverhalt ab.

Grinsen mußte ich beim ersten mal an dieser Stelle, denn ab da wußte ich wohin deine Fahrt gehen würde.

Zitat von TOMMI

Vorbei an Medizinischer Akademie und Pädagogischer Hochschule erreichten wir den Domplatz, wir bogen Richtung
Petersberg rechts ab, die nächste wieder rechts.



Zitat von TOMMI
Das gründe Ärmelband fehlte, ich glaubte als Waffengattungsfarbe weinrot
erkennen zu können. Stasi???



Du bekommst heute auch MfS-Uniformen mit grünen Ärmelband, allerdings als Fake bei Ebay. Dann ersetz mal dein Weinrot durch ein herrliches Bordeauxrot und dann bist du auch beim MfS.

Zitat von TOMMI
Aus der kleinen grauen Tür kam ein
blau uniformierter. Diese Farbe wies ihn als Strafvollzugsangehörigen des MdI aus. heute verwirt mich das ganze, da doch
der Knast am Erfurter Domplatz dem MfS unterstanden haben soll.



Hmm, also ich bin mir sicher bei der Uniform hast du dich getäuscht. Die UHA Andreasstraße unterstand dem MfS und war hier Besetzung der UHA Andreasstraße schon mal kurz Thema. Allerdings gab es in Efurt aufgrund es Befehls 26/82 von AG Hoffmann auch eine kleine NVA eigene U-Haft in der Hermann Danz Kaserne in unmittelbarer Nähe zur Militärstaatsanwaltschaft. Hierher kamen jedoch nur Straftäter bei denen eine Haftstrafe von max. 2 Jahren erwartet wurde. In Fällen wo das MfS die EV führte kamen die Beschuldigten jedoch grundsätzlich auch immer dort in U-Haft, daher auch deine Fahrt in die Andreasstraße.

Zitat von TOMMI
Denn man hatte aus einem an und für sich Blödsinn eine "versuchte Fahnenflucht bzw Aufforderung dazu" konstruiert.



Unglücklich gelaufen sein Einsatz als PF und die Folgen, aber rein rechtlich konnte man mit etwas Misstrauen schon eine versuchte Fahnenflucht unterstellen.

Zitat von TOMMI
In mir besiegte die Neugierde die Vorsicht und uch fragte den 2000er, als er mich mal wieder im Funkraum "besuchte" nach dem zu erwartenden Schicksal für Kowalski.
"Nun, er kann dafür bis zu 8 Jahre bekommen, auch Vorbereitung und Versuch sind strafbar. Aber wir wollen dem jungen Kerl doch nicht das Leben versauen. Mehr als 2 Jahre werden es wohl nicht werden."



Hmm, würde mich interessieren woher euer 2000er seine Weisheit bzgl. des maximalen und dem zu erwartendem Strafmaß hatte?

1. Bei einer normalen Fahnenflucht (auch Vorbereitung & Versuch) waren max. 6 Jahre möglich, beim hier vorliegendem schweren Fall wären max. 10 Jahre möglich gewesen. Mit seinen max. 8 Jahren hatte er wohl grob über den Daumen gepeilt.

2. Wieviel es letztendlich werden läßt sich vor dem EV noch gar nicht vorhersagen, da ja mögliche weitere be- oder entlastende Fakten noch gar nicht bekannt sind.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 30.04.2010 13:49 | nach oben springen

#12

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 29.04.2010 22:57
von kirsche.ndh | 109 Beiträge

@tommi,
echt Scheiße gelaufen für den Guten.
Was der wirklich gemacht hat oder wen er verärgert hat ??????????
Zu meiner Zeit I 81 bis II 82 habe ich folgendes erlebt.
Grenzausbau 81 fing in Ecklingerode neben Duderstadt an, ging über Etzenborner Hang bis Richtung Ministerstandfläche.
Unsere PIK 4 im GR 4 wurde von einen Sicherungszug abgesichert, da wir ja unbewaffnet waren.
Dieser setzte sich aus Grenzern aus verschiedenen Kompanien zusammen nebst Zugführer ( Leutnant ) und Stellvertreter ( steinalter Fähnrich ).
Sommer 81 fuhr ich einen Raupe D 493 A von Ecklingerode auf Höhe des B Punktes von Fuhrbach.
Dort sprang die Kette ab und es ging erst mal nichts mehr.
Info an Schirrmeister und warten auf Brechstange, Vorschlaghammer und Schweißgerät autogen.
Dies alles ohne Handy und damit genügend Zeit zum abducken.
Ich war zu der Zeit ein relatiever Frischling am Kanten und kannte noch nicht allzuviele Dinge.
Die beiden Posten bei mir, einer aus der Raupe und der feindwärts stand, lümmelten schön im Gras run, kein Zoll und BGS in Sicht.
Plözlich stand einer auf und erklärte mir, er ginge erst mal einen " Westschiss " machen.
Dann verschwand er im Wald hinter der weißen Säule mit der roten Kappe.
Nach einer Weile kam er nicht mehr so blass und mit wesentlich dünneren Hals zurück.
Ich als Glatter wußte nicht was ich zu wen sagen sollte und schwieg.
Nach einigen Wochen hatte ich mitbekommen daß der Fähnrich wenn er feindwärts stand immer mit BGS und Zoll intensiev redete.
Einmal hat er mir mal erklärt, weil ich wahrscheinlich sau blöd gekuckt habe, daß er mit diesen Leuten vor 61 die Waffen im Wald gehangen hat und sie gemeinsam zum Tanz waren, hüben wie drüben.
Auch die Grenzer vom Sicherungszug die feindwärts standen, rauchten fast alle Malboro.

Direkt am Fuß des Etzenborner Hangs, wo die Hunde immer Probleme mit den Wasser hatten an der Laufleine, hat die Melioration damals Abflüsse neu verlegt bis in den Westbereich hinein in Zusammenarbeit mit einer Westfirma.
Dadurch plapperten alle sowieso miteinander.

Später ist mir als Pio immer aufgefallen, daß unsere Unterstände immer schön mit Stroh ausgekleidet waren obwohl auf unserer Seite nur Gras war, aber feindwärts waren Weizenfelder abgeerntet?
Was der Wind doch so alles rübergeweht hat.
Da wo die Pios bauten war übrigends kein Zaun mehr jedenfalls bis wir fertig waren mit bauen.

Unsere PIK 4 bestand eigentlich fast nur aus Eichssfeldern außer ein paar Nordhäusern.
Ich war z. B. auf der Bude mir einen der mit mir seit 1965 in einen Haus gewohnt hat, 10 Jahre in eine Klasse gegangen ist und nur ein halbes Jahr eher eingezogen war.
So ähnlich ging es alles.

81 und 82 war auf dem Richteberg kein Knast sondern in Mengelrode, nur in der Abteilung 2000 rechts am Eingang gegenüber der Wache gab es Ausnüchterungszellen.
Dort daß damals ein Major Pingel.
Mit den hatte ich mal als GOvP eine Schicht abzudrücken.
Dort hat er mir so nebenbei abends erzählet wo in Heiligenstadt der PKW von meinen Kumpel ( zusammen eingezogen, gleiche Kompanie, gleicher Wohnort und Sohn eines privaten Klempners )versteckt steht, mit den wir am Wochenende im Ausgang immer nach Nordhausen nach Hause gefahren sind.
Er sagte mir nur "wir wissen mehr wie ihr denkt.
Ist aber nie was gekommen.
Als EKs durften wir im Ausgang dann offiziell nach Hause fahren und mußten dann für bestimmte Leute farbige Waschbecken und Klos mitbringen.
Wir hatten auch einen Schirrmeister der alles gelassen sah, da er mit uns 82 II nach Hause ging.
Allerdings hat der Gute dann 2 Wochen vorm Heimgang noch einmal aufgekohlt für ne 4 Raumwohnung ( verh. 2 Kinder ).
Als ich dann Zuhause war und studiert habe, hatten wir immer mal Kontakt. Zur Belohnung hatte dann seine Holde einen Anderen in der schönen großen Wohnung.
Aber nach der Scheidung mußte sie raus, da es Armeeblöcke waren.


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#13

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 30.04.2010 19:23
von TOMMI | 1.985 Beiträge

@ Feliks D. Zunächst erst mal Danke für Deine interessanten Informationen.
Bei der Frage Strafmaß 6 oder 8 Jahre kann es natürlich sein, dass
er 6 Jahre gesagt hatte. Irren ist menschlich und das Ganze ist 22 Jahre her.
Zu Deiner Frage nach den anderen Tagebucheintragungen, die liegen schon ein
paar Tage zurück. Die haben eher eine etwas heitere Note und haben als Schwerpunkt
die Fußball-WM 1986 in Mexiko, die titel lauten:
"Wie ich bei einem GSZ-Tor den Alarm abschaltete und es keiner merkte" und
"Wie Rudi Völler ein SED-Rednerpult zum Einsturz brachte."
Wenn Du in den vergangenen tagen zurück blätterst, sollten sie zu finden sein.

@ Kirsche.ndh Ist ja ein Ding, was da war. Wenn das jemand spitz gekriegt hätte, da wäre was fällig
gewesen. Streng genommen war der Westschiss §213.
Übrigens, am Etzenborner Hang ist ja auch die von mir geschilderte Geschichte passiert.
Auch ist mir in Erinnerung, dass auch zu meiner zeit dort Melorationsarbeiten gemacht
wurden. Die FÜSt erhielt dann die Nachricht, dass die West-Arbeiter dann die Genehmigung
hatten, im geringen Umfang (ich denke mal so 1m) das DDR-Gebiet zu betreten.
Sag mal, wenn Du in der PIK warst, warst Du doch in Günterode, oder?


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#14

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 30.04.2010 21:12
von kirsche.ndh | 109 Beiträge

@tommi,
nein zu meiner Zeit haben wir bis 82 II in Heiligenstadt auf den Richteberg geschlafen.
Frühs mit den Mannschaftstransporter Uri oder W 50 bis nach Teistungen auf unseren Lagerplatz neben der Klinkerbude. Dort stiegen die Kraftfahrer auf ihre Fahrzeuge ( Kraz Kipper, Kran ZT 300 usw. )um und fuhren dann Wehnde, Breme Zwinge. Ausbau hörte in Zwinge an der Zieglei auf.
Unsere Nachfolger wohnten dann im Ausbau 83 in Zelten in Weilrode.
Dort hat dann im Sommer unser KC genannt Decko während der Tapi auf ne Miene getreten und die Mi ist abgestürzt.


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#15

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 01.05.2010 09:33
von TOMMI | 1.985 Beiträge

@ ABV: Ich wollte schon immer mal zu Deinem Bildchen gratulieren!
Grenzmarkierungen von Mensch und Tier gemeinsam, wo gibt es schon sowas.


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#16

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 01.05.2010 20:17
von Granate | 132 Beiträge

hey tommy. wo komme ich rein ,,kindermund,,gruss granate.



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#17

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 02.05.2010 00:31
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Zitat von Granate
hey tommy. wo komme ich rein ,,kindermund,,gruss granate.


Du gehst einfach auf Suche (3.Link im Navigationsmenü ganz links) und tippst das Suchwort
ein.


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#18

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 07.05.2010 01:58
von 94 | 10.792 Beiträge

Hallo TOMMI, hab mir gerad mal Deinen Beitrag reingezogen. Und da lief es mir auf einmal kalt übern Rücken. Weil, ich glaube das arme Schw... war als einer von zwei FS zum Praktikum in 10./GR-1. Im NVA-Forum ist der andere glaube ich unter [automodel]225 angemeldet, vielleicht ist es aber auch der von Dir so genannte Kowalski.
Normalerweise kamen Praktikanten nach der Ernennung zurück in 'ihre' GK. Nun, bei den beiden 'Fraggels' war dem nicht so. Eines Morgens erwähnte der KC zur morgendlichen Lage genau den von Dir beschrieben Fall mit einem Hinweis auf Verräter in den eignen Reihen, die zum Glück nicht in seine Einheit versetzt wurden.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#19

Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 07.05.2010 07:29
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Dann stell doch mal den Kontakt zwischen ihm und Tommi her @94, wäre ja für alle interessant wie die ganze Geschichte dann am Ende wirklich ausgegangen ist.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#20

RE: Eine Fahrt nach Erfurt

in Mein Grenzer Tagebuch 07.05.2010 07:36
von 94 | 10.792 Beiträge

Ja bin ich denn hier der Kontaktbereichsbeamte, hä? Ich denke mal, wenn es so ist wie ich denke ...
Also bei Interesse, der Anfangsverdacht ist vorhanden, Rest selbst ermitteln. Stehe gern dabei per PN zur Verfügung. Achso, ich bin NICHT beim nva-forum angemeldet. Alle Info hat er öffentlich gefunden. Und so wie es aussieht ist der Kamerad noch genauso naiv wie damals. Zumindest benutzt er den nick nicht nur in der oben erwähnten Mitbewerber-Plattform, wo er nach zwei oder drei Beiträgen vor zwei oder drei Jahren inaktiv wurde.

So, jetzt muß ich mich aber um richtige Dinge kümmern, Tank ist mal wieder leer und auf der Maus im Eisschrank sind jetzt schon irgendwelche Krabbeltiere.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 07.05.2010 07:44 | nach oben springen



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