#101

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 07.08.2012 09:18
von 94 | 10.792 Beiträge

Wird wohl wie bei jeder urbanen Legende sein, was ist schon dran. Na und das mit den Behältern stellt ja auch keiner hier in Abrede. Nur was war drin? Bin nun überhaupt kein Chemiker, aber könnte es vielleicht Gallussäure gewesen sein. Immerhin ein Ausgangsstoff für Tannin. Und Tannin in der 'Braukunst', ich zitiere ...

Das Tannin ist bekanntlich der reine Gerbstoff der Galläpfel und besitzt alle Eigenschaften des Hopfengerbstoffes, von welchen wir wissen, daß auf seiner Anwesenheit in den Blättern der Hopfendolde wesentlich die klärenden und conservirenden Eigenschaften des Hopfens beruhen. Ein Zusatz von 15 Grammen Tannin, welches einen Werth von 1 1/2 Sgr. besitzt, wirkt eben so klärend und läuternd auf das Bier, wie 1 Pfund bester Hopfen.
Quelle: Polytechnische Journal, Band 200, Seite 424

Nur das, was sich wie ein Neuerervorschlag zu besten DDR-Zeiten anhört, stammt aus dem Jahre 1871.
Na egal, ich hole mir erstma 'n Enerdschiee-Drink, da ist ja auch angeblich ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#102

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 07.08.2012 18:53
von PF75 | 3.294 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #97
Ist Brauereirecherche schrieben, BUR Riley Lüth
Zitat von Damals87 im Beitrag #96
Hallo,

@josy95, ich hatte nie damit gerechnet, hier noch von Galle im Bier zu lesen, dieses Gerücht kenne ich nur als urban legend.



Gruß aus Hessen

Entschuldigung , Helles 0,33l = 0,48 Pf
Pils 0,33 l =0,61 Pf
Eigenbier der lokalen Brauerei 0,5l = 0,98 Pf
, das sind Preise aus Mitte der achtziger Jahre, schau heute einmal in den Supermarkt und rechne um.
Lagerung bei Temperaturen um die 30 °C gab es in den Brauereien nicht. Die Fahrzeuge standen Schlange, um laden zu können. Die armen Bierfahrer sie tun mir heute noch leid.
MfG Harra 318


sind die preise nicht ein bißchen mager ?statt Pf sollte da doch sicherlich M stehen .


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#103

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.08.2012 20:57
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Über das Mindesthaltbarkeitsdatum der Lebensmittel brauchten sich damals die Verkaufsstellenleiter, heute sagt man Marktleiter, keine Gedanken zu machen. Es gab kein Mindesthaltbarkeitsdatum, auf den Produkten stand das Herstellungsdatum. Darum waren unsere Produkte in der Deutschen Demokratischen Republik immer ganz frisch………..!!!!!! Die Südfrucht die zum damaligen Zeitpunkt hier verkauft wurde, hat einer unserer hochrangigen User einfach mal so über den Zaun geschmissen,als Jugendsünde. Es braucht auch niemand zu sagen es war bestimmt vor der Ladenöffnungszeit, denn im Verkaufsraum sah es genauso aus. Im Laden konnte ich nicht fotografieren ich hatte kein Blitzlicht(?), oder Angst
Das Bild stammt von 1988, also nicht das einer auf den Gedanken kommt es wäre heutzutage in der BRD, die Tafel.


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#104

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.08.2012 21:02
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Warum fotografierst Du deine Mutter wenn sie in der Schlange steht?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#105

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 10.08.2012 21:04
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ja früher stand man vorm Laden bis man dran kam um frisches zu bekommen, heute steht man vorm Regal um zu gucken wo das Frische ist.

Also falls euch mal einer fragt was sich seit der Wende geändert hat, wäre das eine Alternative Antwort.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#106

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 15.09.2012 20:36
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #105
Ja früher stand man vorm Laden bis man dran kam um frisches zu bekommen, heute steht man vorm Regal um zu gucken wo das Frische ist.[lachen]

Also falls euch mal einer fragt was sich seit der Wende geändert hat, wäre das eine Alternative Antwort.[grins]



Deine Aussagen bzw. deine Bemerkung zu diesem Thema kannst du strecken lassen. Der Preiskampf unter den Discountern ist so knallhart, dass sich keiner diesbezüglich etwas zu Schulden kommen lässt, bzw. zu Schulden kommen lassen kann. Sollte es sein das zum Beispiel bei Obst und Gemüse in einigen Supermärkten die Produkte nicht mehr so aussehen wie am Tag der Ernte, liegt es daran das sie ihre Ware auch schon einen Tag eher erhalten.Nachmittag oder abends. Es sind die so genannten“ Vorfahrtouren“die vom Zentrallager des jeweiligen Discounter disponiert werden. Wenn es nun so ist das bei dir die Verkaufsstelle wo du einkaufen gehst, mit diesen negativen Aspekt belastet ist, ist es schon möglich das die" Frischegarantie "nicht gewährleistet ist.


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#107

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 14:29
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat
Sollte es sein das zum Beispiel bei Obst und Gemüse in einigen Supermärkten die Produkte nicht mehr so aussehen wie am Tag der Ernte, liegt es daran das sie ihre Ware auch schon einen Tag eher erhalten.Nachmittag oder abends.



Vorallem liegt es erstmal daran, dass Obst und Gemüse 1-3 Tage quer durch Europa gekachelt wird, bevor es erstmal im Zentrallager ankommt.
Richtige Frischware (alles was gekühlt werden muss), wird in der Regel nicht vorgefahren, seidenn es handelt sich um Kartoffeln, Zwiebeln, Rotkohl, Weisskohl, Möhren etc.pp., das fällt u.a. nicht unter Frischware, bedarf auch keiner durchgängigen Kühlkette und kann problemlos über Nacht im Lager eines Supermarktes lagern.
Die Supermärkte haben heute kaum noch Möglichkeiten grössere Mengen an Frischware zu lagern.
Darum werden grössere Supermärkte in Dauerkette, den ganzen Tag über, nach einem dem Verkauf angemessenem Mengen/Belieferungskonzept beliefert, damit abends möglichst keine Frischware über ist.

Meine Aussage bezog sich vorallem darauf, dass gerade Obst und Gemüse, je wo es her kommt, viel zu lange unterwegs ist, bis es im Laden steht und daher längst nicht mehr Erntefrisch ist auch wenn es noch frisch aussieht.
Es macht eben einen Unterschied, ob die Erdbeere morgens um die Ecke geerntet wurde und Mittags im Laden steht, oder ob die Erdbeere am Freitagmorgen in Huelva geerntet wurde und erst am Montag oder gar Dienstag auf dem Ladentisch steht.
Natürlich kann man das dann immernoch essen und in der Regel ist die Ware auch in Ordnung, weil sich die Firmen vom Erzeuger bis zur Ladentheke die grösste Mühe geben, für Frischefanatiker ist das aber nichts mehr.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#108

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 19:03
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #107
[quote]
Meine Aussage bezog sich vorallem darauf, dass gerade Obst und Gemüse, je wo es her kommt, viel zu lange unterwegs ist, bis es im Laden steht und daher längst nicht mehr Erntefrisch ist auch wenn es noch frisch aussieht.
r.



Ja, da spricht der Fachmann - OT: ohne neuseeländische Äpfel oder chinesische Birnen kommt ein Teil der deutschen Bevölkerung nicht mehr aus. Auch bei mir schlagen da zwei Herzen in einer Brust: einerseits stehe ich auf Produktion vor Ort und andererseits bin ich neugierig auf exotische Frücht. Für letzteres habe ich dann meine orale Befriedigung im KaDeWe in Berlin gefunden und wenn es mich überkommt, bin ich da schon mal 2 h unterweges.

aber wir sind ja beim Thema: Leben in der DDR

Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Steppke in den 60'er und 70'er Jahren in den Schulferien bei meiner Oma in Dömitz oft zum Milchladen gelaufen bin, um ein halbes Pfund Butter und 2 Liter Milch, die direkt in die Kanne gefüllt wurde, zu kaufen. Später hatten die Milchflaschen dann so einen silbernen Deckel, der immer so leicht ab ging. Darauf waren die Produktionsdaten eingestanzt.
Die Brause gab es in Bügelverschlussflaschen aus Holzkisten und in einem heissen Sommer wurden die auch mal knapp. Das Eis gab's beim Bäcker Liebert gegenüber (die Dömitz-Teilnehmer müssten ihn eigentlich gesehen haben) genauso wie die leckere Streuselschnecke für 10 Pfennig. Im ortsansässigem Kaufhaus habe ich Angelsehne, Harken und Taschenmesser gekauft um in der Elde auf Stichlinge-Jagd zu gehen.
An Mangel kann ich mich nicht erinnern, allerdings waren zumindest meine Ansprüche auch nicht besonders hoch.

Eingekauft haben wir Kinder (Eltern beide voll berufstätig) in einer Kaufhalle mit dem Namen "Hol fix" und besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Geflügelwerbung a'la "Geflügel - lecker und gesund" oder "nimm ein Ei mehr". Die Eier gab es in Papiertüten und man musste immer verdammt aufpassen, dass die Dinger nicht kaputt gingen. Ein Broiler (1900g?) hat meiner Erinnerung nach 10 Mark gekostet - davon wurde zumindest meine Familie (2 E/3K) aber auch satt.

Mitte der 70'er, ich war im grillfähigem Alter, war es nicht ganz einfach, Schweinekamm in ausreichender Menge für grössere Feten zu beschaffen - da mussten dann die Beziehungen zur Landfleischerei herhalten. Schnitzel und Kottelet gab es eigentlich immer, die konnte ich nur nicht grillen.

Gross geworden bin ich in einem 4-Familienhaus mit Ofenheizung, Beistellherd und Gas-Boiler im Bad. Das Haus stand direkt gegenüber dem Stab des GR-8 und meine Eltern hatten beide einen kurzen Arbeitsweg. Wir 3 Kinder teilten uns ein 12 qm grosses Kinderzimmer bis auf dem Dachboden 1975 dann ein weiteres Zimmer ausgebaut wurde (20 qm für zwei Jungs). Das war dann schon echt komfortabel. Entgegen der Masse der DDR-Bevölkerung hatten wir seit Anfang der 70'er Jahre zu Hause sogar 2 Telefone: Dienst- und Privatanschluss. Das Diensttelefon hat oft geklingelt, das private weniger ...

Mitte der 70'er Jahre wurde in meiner Heimatstadt ein Waldbad mit regelmäßigen Waldbad-Discos eröffnet und neben dem Jugendclub, dem Kino für die Kino-Discos und zwei weiteren Kulturhäusern hatten wir für eine 8000-EW-Stadt ein imsbesondere aus heutiger Sicht starkes Kulturangebot. Ich habe als 14jähriger 2x die Tanzschule mit grossen Abschlussbällen besucht und an den Wochenenden war eigentlich immer was los: Freitagabend der Jugendclub, Samstag von 19-24 Uhr Disco, Familientanz oder es hat eine Band gespielt. Sonntags gab es oft noch von 15-20 Uhr Disco oder der Jugendclub hatte geöffnet. Ab meinem 12. Lebensjahr (1973) habe ich diese Veranstaltungen regelmäßig besucht oder wir sind mit den Mopeds übers Land gefahren. Montagabend gab es bei uns die legendäre Kino-Disco - erst Film dann Tanz - ich habe die Olsenbande genauso gesehen wie "Klute" mit Jane Fonda oder "Blutige Erdbeeren" über die Demos gegen den Vietnamkrieg in den USA oder "Meine Stunde Null" mit Günter Simon und das Filmepos "Befreiung" über den 2.Weltkrieg. Nächtelang habe ich Pink Floy-Platten/Bänder bei einem Kumpel gehört oder die Formel 1 bei Freunden geguckt.

Wir sind mit den Motorrädern verbotenerweise im Volkspark rumgerast und haben auf der Kofferheule in den 70'ern in der Öffentlichkeit Radio-Tele-Luxembourgh auf Kurzwelle gehört - alles ganz ohne Kontakte zu netten Herren der Staatssicherheit.

Ja, meine Kindheit und Jugend war schön und aufregend und ich habe nie gespürt, dass mich irgendwer einschränken wollte oder mich kontrolliert hat.

Auch von Seiten meines Vaters (damals Kdr. GR-8) gab es nie irgendwelche Probleme: und das obwohl ich als Sohn des Regimenters nach etlichen Discos in meinem Zimmer über der elterlichen Wohnung mit seinen Soldaten aus dem Stab weitergefeiert und sein Bier getrunken habe.

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#109

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 19:16
von Gelöschtes Mitglied
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Die Kino-Disco's von denen du schreibst gab es bei uns auch.
Hier bei uns hieß das dann Filmothek.
Ja es stimmt,es war immer mächtig was los in der Stadt.
Mittwochs,Freitags,Samstag und Sonntag immer Disco oder Jugendtanz mit guten Livebands.
Oha,Sonntags zu gehen war nicht so Gut,..........der Montag (in der Frühe raus) war dann ein Graus.......


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#110

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 19:35
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Danke andy für Deinen schönen ausführlichen Bericht.
Ja so in etwa, angepasst an meine Stadt, kenne ich das auch.
Mit den Eiern in der Tüte, das sind niedliche Details die man vergessen hat.

Zitat
Ja, meine Kindheit und Jugend war schön und aufregend und ich habe nie gespürt, dass mich irgendwer einschränken wollte oder mich kontrolliert hat.


Das unterschreibe ich zu 100%


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#111

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 19:47
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #107

Zitat
Sollte es sein das zum Beispiel bei Obst und Gemüse in einigen Supermärkten die Produkte nicht mehr so aussehen wie am Tag der Ernte, liegt es daran das sie ihre Ware auch schon einen Tag eher erhalten.Nachmittag oder abends.


Vorallem liegt es erstmal daran, dass Obst und Gemüse 1-3 Tage quer durch Europa gekachelt wird, bevor es erstmal im Zentrallager ankommt.
Richtige Frischware (alles was gekühlt werden muss), wird in der Regel nicht vorgefahren, seidenn es handelt sich um Kartoffeln, Zwiebeln, Rotkohl, Weisskohl, Möhren etc.pp., das fällt u.a. nicht unter Frischware, bedarf auch keiner durchgängigen Kühlkette und kann problemlos über Nacht im Lager eines Supermarktes lagern.
Die Supermärkte haben heute kaum noch Möglichkeiten grössere Mengen an Frischware zu lagern.
Darum werden grössere Supermärkte in Dauerkette, den ganzen Tag über, nach einem dem Verkauf angemessenem Mengen/Belieferungskonzept beliefert, damit abends möglichst keine Frischware über ist.

Meine Aussage bezog sich vorallem darauf, dass gerade Obst und Gemüse, je wo es her kommt, viel zu lange unterwegs ist, bis es im Laden steht und daher längst nicht mehr Erntefrisch ist auch wenn es noch frisch aussieht.
Es macht eben einen Unterschied, ob die Erdbeere morgens um die Ecke geerntet wurde und Mittags im Laden steht, oder ob die Erdbeere am Freitagmorgen in Huelva geerntet wurde und erst am Montag oder gar Dienstag auf dem Ladentisch steht.
Natürlich kann man das dann immernoch essen und in der Regel ist die Ware auch in Ordnung, weil sich die Firmen vom Erzeuger bis zur Ladentheke die grösste Mühe geben, für Frischefanatiker ist das aber nichts mehr.


Es scheint als kennst du dich in dieser Branche sehr gut aus? Von wie viel Quadratmeter Fläche des Supermarktes gehst du aus? Und wie groß ist deiner Meinung nach das Kühlhaus, Palettenstellplätze? Dass ein Lkw von Spanien bis nach Deutschland ca. drei Tage braucht streitet ja niemand ab, bei ein Mann Besatzung. Bei zwei Mann Besatzung sieht es schon wieder ganz anders aus, ich meine mit den Lenk und Ruhezeiten. Demzufolge kann der Lkw 30 h am Stück rollen. Nur ein Beispiel, die Banane. Sie werden grün abgenommen und kommen hier in Deutschland in eine Bananenreferei. Bei deiner Annahme das Produkte aus der Kühlung ( + 4 Grad Celsius) nicht vorgefahren wird, irrst Du dich gewaltig.


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#112

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 20:10
von Ex-Huf (gelöscht)
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Zitat von Udo im Beitrag #72

Unten links das berühmtberüchtigte Logo des Wittenberger Hells.
Die anderen drei Sorten sind meines Wissens nie in den Handel gelangt.


Lieber Udo,

die Biere zu den von Dir zitierten Etiketten gab es es teilweise ganzjährig oder saisonal.
Zeit: 1980er Jahre.

VG Ex-Huf

P.S.: Etwaige Engpässe waren durch Mangel an Leergut erklärt worden.


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#113

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 17.09.2012 20:14
von Mike59 | 7.978 Beiträge

Zitat von Ex-Huf im Beitrag #112
Zitat von Udo im Beitrag #72

Unten links das berühmtberüchtigte Logo des Wittenberger Hells.
Die anderen drei Sorten sind meines Wissens nie in den Handel gelangt.


Lieber Udo,

die Biere zu den von Dir zitierten Etiketten gab es es teilweise ganzjährig oder saisonal.
Zeit: 1980er Jahre.

VG Ex-Huf

P.S.: Etwaige Engpässe waren durch Mangel an Leergut erklärt worden.


Das die Engpässe bis heute bei dieser Sorte anhalten ist bedauerlich. Ein paar pixel mehr beim Bild wären super gewesen. Und welches Links meinst du?

Mike59


zuletzt bearbeitet 17.09.2012 20:15 | nach oben springen

#114

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 18.09.2012 16:05
von KARNAK | 1.696 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #111
[quote=LO-Wahnsinn|p208984][quote] Bei zwei Mann Besatzung sieht es schon wieder ganz anders aus, ich meine mit den Lenk und Ruhezeiten. Demzufolge kann der Lkw 30 h am Stück rollen.

Eine lustige Vorstellung,die Du hast.
Das ökonomische System in dem wir leben,wir nennen es soziale Marktwirtschaft,könnte man auch Kapitalismus nennen.Das ist durchaus nicht unbedingt negativ gemeint,nur man muß sich darüber im Klaren sein daß das so ist.Und da geht es vor allem um Eines,um Geld verdienen.Alles andere hat sich dem unterzuordnen,ob uns das nun gefällt oder nicht,es ist ganz einfach so.Langfristig ist genau dieser Fakt das Problem,daß dieses System in Schwierigkeiten bringen wird.Wenn wir auch den"schönen Tod" einer "sterbenden Gesellschaftsordnung" im Augenblick alle in vollen Zügen geniesen.Oder sagen wir besser ein Teil von uns.
Ich habe nun seit vielen Jahren mit dem Lebensmitteleinzelhandel beruflich zutun.Die Vorstellungen,daß ein LKW mit einer 2 Mann Besatzung fährt um Lebensmittel entsprechend frisch zum Konsumenten zu bringen sind einfach naiv.Da gibt es heute wahrlich andere Möglichkeiten,technischer und chemischer Art.Die sind wesentlich billiger als der Kostenfaktor Mensch.Nebenbei gesagt darf ein Beifahrer sowieso nicht während der Fahrt in der Schlafkabine schlafen.Der LKW muß zum schlafen in jedem Fall stehen.Zumindest glaube ich,daß das so ist.
Aber es geht ja hier eigentlich um das Leben in der DDR.Zur Wendezeit hatte ich eine kulinarische Erinnerung.Ich konnte mich erinnern,ab und an gab es in der DDR auch mal Pfirsiche aus Bulgarien.Wahrscheinlich hat man vergessen eine LKW-Ladung in den Westen zu schicken,also ist der LKW in die DDR gefahren.Jedenfalls hatte ich die Erinnerung an einen Hochgenuss.Und den wollte ich mir nun leisten,eben nach Einzug des Kapitalismus in meine DDR.Aber meine Hoffnungen haben sich nur ganz selten erfüllt.Entweder waren und sind die Dinger noch hart,dann sagt meine Frau,die müssen noch etwas liegen.Machst Du das sind sie von wenigen Ausnahmen abgesehen,dann mehlig.Schmecken auch nicht so wie ich sie in Erinnerung hatte.Dazu kommt dann noch,daß sie innerhalb kürzester Zeit zu Hause anfangen zu schimmeln und faulen.Ich vermute die Chemische Keule lässt dann schon langsam nach.Die Urache dafür ist,daß die Dinger halb grün geerntet werden,weil, dann sind sie nicht so empfindlich für den Transport.Und dann werden sie in Deutschland,in irgendwelchen Reifekammern,mit hohem Energieaufwand" nachgereift",so nennt sich das und so schmeckt der Mist dann auch.Aber einen Trost haben wir,sie sehen im Obstregal wie gemalt aus,schön unter Spezialbeleuchtung.
Ich fahre in der Regel einmal im Jahr in die Toskana und dort gibt es tatsächlich noch Pfirsiche die schmecken wie die DDR-Goldstaub-Pfirsiche.Aber die kommen eben auch einfach reif vom Baum.
Und damit schliest sich für mich der Kreis.Dank des Kapitalismus kann ich heute auch einmal im Jahr"richtige"Pfirsiche essen,so wie im Sozialismus,bzw.was wir dafür gehalten haben.Aber im Sozialismus hätte ich,wegen einmal im Jahr Pfirsiche nicht in die Toskana fahren müssen.
Ach so,eines habe ich noch vergessen,mit dem dürfen wäre es auch schwierig gewesen.Aber wie gerade gesagt,irgendwie schliest sich der Kreis.Man muß in allem einfach immer nur das Gute sehen,macht vieles einfacher


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
zuletzt bearbeitet 18.09.2012 16:09 | nach oben springen

#115

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 18.09.2012 21:20
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #114
Zitat von Harra318 im Beitrag #111
[quote=LO-Wahnsinn|p208984][quote] Bei zwei Mann Besatzung sieht es schon wieder ganz anders aus, ich meine mit den Lenk und Ruhezeiten. Demzufolge kann der Lkw 30 h am Stück rollen.

Eine lustige Vorstellung,die Du hast.
Das ökonomische System in dem wir leben,wir nennen es soziale Marktwirtschaft,könnte man auch Kapitalismus nennen.Das ist durchaus nicht unbedingt negativ gemeint,nur man muß sich darüber im Klaren sein daß das so ist.Und da geht es vor allem um Eines,um Geld verdienen.Alles andere hat sich dem unterzuordnen,ob uns das nun gefällt oder nicht,es ist ganz einfach so.Langfristig ist genau dieser Fakt das Problem,daß dieses System in Schwierigkeiten bringen wird.Wenn wir auch den"schönen Tod" einer "sterbenden Gesellschaftsordnung" im Augenblick alle in vollen Zügen geniesen.Oder sagen wir besser ein Teil von uns.
Ich habe nun seit vielen Jahren mit dem Lebensmitteleinzelhandel beruflich zutun.Die Vorstellungen,daß ein LKW mit einer 2 Mann Besatzung fährt um Lebensmittel entsprechend frisch zum Konsumenten zu bringen sind einfach naiv.Da gibt es heute wahrlich andere Möglichkeiten,technischer und chemischer Art.Die sind wesentlich billiger als der Kostenfaktor Mensch.Nebenbei gesagt darf ein Beifahrer sowieso nicht während der Fahrt in der Schlafkabine schlafen.Der LKW muß zum schlafen in jedem Fall stehen.Zumindest glaube ich,daß das so ist.
Aber es geht ja hier eigentlich um das Leben in der DDR.Zur Wendezeit hatte ich eine kulinarische Erinnerung.Ich konnte mich erinnern,ab und an gab es in der DDR auch mal Pfirsiche aus Bulgarien.Wahrscheinlich hat man vergessen eine LKW-Ladung in den Westen zu schicken,also ist der LKW in die DDR gefahren.Jedenfalls hatte ich die Erinnerung an einen Hochgenuss.Und den wollte ich mir nun leisten,eben nach Einzug des Kapitalismus in meine DDR.Aber meine Hoffnungen haben sich nur ganz selten erfüllt.Entweder waren und sind die Dinger noch hart,dann sagt meine Frau,die müssen noch etwas liegen.Machst Du das sind sie von wenigen Ausnahmen abgesehen,dann mehlig.Schmecken auch nicht so wie ich sie in Erinnerung hatte.Dazu kommt dann noch,daß sie innerhalb kürzester Zeit zu Hause anfangen zu schimmeln und faulen.Ich vermute die Chemische Keule lässt dann schon langsam nach.Die Urache dafür ist,daß die Dinger halb grün geerntet werden,weil, dann sind sie nicht so empfindlich für den Transport.Und dann werden sie in Deutschland,in irgendwelchen Reifekammern,mit hohem Energieaufwand" nachgereift",so nennt sich das und so schmeckt der Mist dann auch.Aber einen Trost haben wir,sie sehen im Obstregal wie gemalt aus,schön unter Spezialbeleuchtung.
Ich fahre in der Regel einmal im Jahr in die Toskana und dort gibt es tatsächlich noch Pfirsiche die schmecken wie die DDR-Goldstaub-Pfirsiche.Aber die kommen eben auch einfach reif vom Baum.
Und damit schliest sich für mich der Kreis.Dank des Kapitalismus kann ich heute auch einmal im Jahr"richtige"Pfirsiche essen,so wie im Sozialismus,bzw.was wir dafür gehalten haben.Aber im Sozialismus hätte ich,wegen einmal im Jahr Pfirsiche nicht in die Toskana fahren müssen.
Ach so,eines habe ich noch vergessen,mit dem dürfen wäre es auch schwierig gewesen.Aber wie gerade gesagt,irgendwie schliest sich der Kreis.Man muß in allem einfach immer nur das Gute sehen,macht vieles einfacher

Ja@Karnak, ich mag eine lustige Vorstellung haben, aber meiner Ansicht nach ist sie auch realistisch. Das mit den 30 h am Stück rollen des LKW war ehrlich gesagt ein kleiner Test an@LO-Wahnsinn weil er sich ja so gut auskennt in allen Branchen. Laut seiner Tätigkeit die in seinem Profil steht habe ich angenommen, das er gleich kontert. Als Fahrer eines Kühlzuges. Selbstverständlich muss in den 30 h Schichtzeit, 8 h der Lkw stehen. Das geht auch nur wenn eine Schlafkabine vorhanden ist. Wie ich deinen Text entnehme hast du eine eigene Ansicht von der jetzigen Gesellschaftsordnung. In einem Punkt muss ich dir natürlich Recht geben, früher bei der“ Deutrans“ ist lukrativer gefahren worden. Aber nur in Hinsicht auf die Routenplanung. Zum Beispiel ist ein Lkw nach Dänemark gefahren von Erfurt aus, dann begann er systematisch die einzelnen Ladestellen(Möbel-Zeulenroda) bis zum Beispiel nach Berlin, abzuklappern. Heute fährt jedes Unternehmen bzw. Spedition seine Paletten oder je nach dem was er zu befördern hat, quer von A nach B und C. Wenn es sein muss (soll) auch das ganze wieder in umgekehrter Reihenfolge. Da fährt eben ein 40- Tonner mit acht Paletten nochmal 150 km. Dann wird auch noch von Umweltschutz gesprochen. Das ist auch für mich sehr widersprüchlich.Mit deinen Pfirsichen aus der Toskana ist natürlich Geschmackssache. Meine Katze frisst Mäuse das ist mir auch nichts. Aber nun wieder zurück zum Thema. Wenn du schon seit vielen Jahren mit Lebensmitteln zu tun hast, kannst du doch sicherlich bestätigen, dass die Discounter und Verbrauchermärkte schon am Vortag mit der Belieferung des Frischesortiment konfrontiert werden. Natürlich nicht alle, aber diejenigen die mindestens eine Verkaufsfläche von 1000-1300 m² haben und ein Kühlhaus mit mindestens einer Kapazität von sieben Paletten oder 14 Rollbehälter haben.
Mit freundlichen Grüßen Harra 318


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#116

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 19.09.2012 15:33
von KARNAK | 1.696 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #115
[quote=KARNAK|p209131][quote=Harra318|p209035][quote=LO-Wahnsinn|p208984][quote] Wenn du schon seit vielen Jahren mit Lebensmitteln zu tun hast, kannst du doch sicherlich bestätigen, dass die Discounter und Verbrauchermärkte schon am Vortag mit der Belieferung des Frischesortiment konfrontiert werden. Natürlich nicht alle, aber diejenigen die mindestens eine Verkaufsfläche von 1000-1300 m² haben und ein Kühlhaus mit mindestens einer Kapazität von sieben Paletten oder 14 Rollbehälter haben.
Mit freundlichen Grüßen Harra 318


Das kann ich in der Hinsicht bestätigen,daß alle große Handelsketten über große Zentrallager in den jeweiligen Regionen verfügen.Mit ensprechender Lagerfläche auch was die Kühlmöglichkeiten angeht.Von dort werden die einzelnen Geschäfte am Vorabend und im Laufe der Nacht beliefert.Die Fahrer haben Schlüssel für die einzelnen Geschäfte.Die Lagermöglichkeiten dort sind nur sehr begrenzt,denn Lagerfläche in den Märkten kostet Geld,nur Verkaufsfläche bringt Geld.Und darum geht es,wie schon von mir beschrieben.Die zu kühlenden Lebensmittel werden in den Zentrallägern in Kühlbehälter verstaut und in diesen in den Märkten abgestellt.Diese Praxis hat sich in den letzten Jahren ziemlich durchgesetzt.
Die Nachtbelieferung ist in aller Regel schon deswegen notwendig,da der König Kunde zur Ladenöffnungszeit wohlgefüllte und geordnete Regale erwartet.Und das ist ja nur möglich,wenn die Mitarbeiter der Geschäfte entsprechende Vorlaufzeit,vor Öffnung des Geschäftes haben.
Was meine Meinung zu der derzeitigen Gesellschaft betrifft.Ich bin durchaus kein prinzipieller Ablehner("Ewiggestriger")der sozialen Marktwirtschaft(Kapitalismus).Seine Effizienz hat das System ja nun durchaus bewiesen,im Wettstreit mit dem was wir für Sozialismus hielten.NUR,was mir zu Denken gibt,daß wir schon wieder in großen Teilen der Überzeugung sind,mit dem derzeitigen System haben wir den Stein des Weisen gefunden und deswegen kann es ewig so weitergehen.ICH bin zumindest der Überzeugung die Welt wird sich weiterdrehen und ich sehe Anzeichen,daß dieses System mehr und mehr an seine Grenzen stößt.Das alles nennt sich letztlich Evolution und ist durch nichts und niemanden aufzuhalten.Ich bin tatsächlich der Überzeugung das der Weg früher oder später von privatwirtschaftlicher zu gesammtgesellschaftlicher Ökonomie führen wird,weil die einfach letztlich effektiver ist.Es gibt ja dieses,fast schon Schimpfwort,von der unfähigen Planwirtschaft.Nach der Wende habe ich auch mal eine Weile so gedacht.Ich habe aber mit den Erfahrungen in den letzten 20 Jahren wieder in Teilen umgedacht,aus den gemachten Erfahrungen heraus.Wer kann mir eigentlich erklären warum eine gesammtgesellschaftliche Planung der Wirtschaft prinzipiel nicht die Bedürfnisse eines Marktes erfüllen kann?Es wird uns einfach gesagt,daß geht nicht und Ende,ihr habt das ja in der DDR erlebt,also kommt lieber nicht auf dumme Gedanken."Den Sozialismus in seinen Lauf hält weder Ochs noch Esel auf"wurde uns auch einfach gesagt und es kam dann doch ETWAS anders.
Wie sich zukünftige Gesellschaftssysteme einmal nennen werden weiß ich nicht und das ist letztlich auch egal,aber der Weg wird dorthin führen.Zumindest ist das meine Überzeugung.Und damit Du Dir jetzt keine Sorgen machst,auch ich bin mir sicher wir werden das beide nicht mehr erleben.
Ansonsten kann ich Dir sagen,ich bin das, was man einen Einheitsgewinnler nennt.Ich kann mir heute Dinge leisten,von denen hätte ich vor 30 Jahren nicht mal zuträumen gewagt.Ich hätte mir das wahrscheinlich nicht als Minister für Staatsicherheit leisten können.Ich kann also,auch durch meinen Fleiß,die"sterbende Gesellschaftsordnung"in vollen Zügen geniesen.Ich hoffe das ärgert nicht zuviele hier.
Das hindert mich aber nicht über die Dinge dieser Welt nachzudenken.Und meiner Meinung nach sollte das jeder mal tun,das nachdenken.
Nun bin ich wieder gewaltig vom Thema abgekommen,aber das musste ich einfach loswerden.Und,ich bin nun mal ein alter Agitator,Bezirksparteischule halt,daß wird man nicht mehr ganz los.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
werner, Pitti53 und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.09.2012 15:40 | nach oben springen

#117

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.09.2012 12:03
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #108
Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #107
[quote]
Meine Aussage bezog sich vorallem darauf, dass gerade Obst und Gemüse, je wo es her kommt, viel zu lange unterwegs ist, bis es im Laden steht und daher längst nicht mehr Erntefrisch ist auch wenn es noch frisch aussieht.
r.



Ja, da spricht der Fachmann - OT: ohne neuseeländische Äpfel oder chinesische Birnen kommt ein Teil der deutschen Bevölkerung nicht mehr aus. Auch bei mir schlagen da zwei Herzen in einer Brust: einerseits stehe ich auf Produktion vor Ort und andererseits bin ich neugierig auf exotische Frücht. Für letzteres habe ich dann meine orale Befriedigung im KaDeWe in Berlin gefunden und wenn es mich überkommt, bin ich da schon mal 2 h unterweges.

aber wir sind ja beim Thema: Leben in der DDR

Ich kann mich gut erinnern, dass ich als Steppke in den 60'er und 70'er Jahren in den Schulferien bei meiner Oma in Dömitz oft zum Milchladen gelaufen bin, um ein halbes Pfund Butter und 2 Liter Milch, die direkt in die Kanne gefüllt wurde, zu kaufen. Später hatten die Milchflaschen dann so einen silbernen Deckel, der immer so leicht ab ging. Darauf waren die Produktionsdaten eingestanzt.
Die Brause gab es in Bügelverschlussflaschen aus Holzkisten und in einem heissen Sommer wurden die auch mal knapp. Das Eis gab's beim Bäcker Liebert gegenüber (die Dömitz-Teilnehmer müssten ihn eigentlich gesehen haben) genauso wie die leckere Streuselschnecke für 10 Pfennig. Im ortsansässigem Kaufhaus habe ich Angelsehne, Harken und Taschenmesser gekauft um in der Elde auf Stichlinge-Jagd zu gehen.
An Mangel kann ich mich nicht erinnern, allerdings waren zumindest meine Ansprüche auch nicht besonders hoch.

Eingekauft haben wir Kinder (Eltern beide voll berufstätig) in einer Kaufhalle mit dem Namen "Hol fix" und besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Geflügelwerbung a'la "Geflügel - lecker und gesund" oder "nimm ein Ei mehr". Die Eier gab es in Papiertüten und man musste immer verdammt aufpassen, dass die Dinger nicht kaputt gingen. Ein Broiler (1900g?) hat meiner Erinnerung nach 10 Mark gekostet - davon wurde zumindest meine Familie (2 E/3K) aber auch satt.

Mitte der 70'er, ich war im grillfähigem Alter, war es nicht ganz einfach, Schweinekamm in ausreichender Menge für grössere Feten zu beschaffen - da mussten dann die Beziehungen zur Landfleischerei herhalten. Schnitzel und Kottelet gab es eigentlich immer, die konnte ich nur nicht grillen.

Gross geworden bin ich in einem 4-Familienhaus mit Ofenheizung, Beistellherd und Gas-Boiler im Bad. Das Haus stand direkt gegenüber dem Stab des GR-8 und meine Eltern hatten beide einen kurzen Arbeitsweg. Wir 3 Kinder teilten uns ein 12 qm grosses Kinderzimmer bis auf dem Dachboden 1975 dann ein weiteres Zimmer ausgebaut wurde (20 qm für zwei Jungs). Das war dann schon echt komfortabel. Entgegen der Masse der DDR-Bevölkerung hatten wir seit Anfang der 70'er Jahre zu Hause sogar 2 Telefone: Dienst- und Privatanschluss. Das Diensttelefon hat oft geklingelt, das private weniger ...

Mitte der 70'er Jahre wurde in meiner Heimatstadt ein Waldbad mit regelmäßigen Waldbad-Discos eröffnet und neben dem Jugendclub, dem Kino für die Kino-Discos und zwei weiteren Kulturhäusern hatten wir für eine 8000-EW-Stadt ein imsbesondere aus heutiger Sicht starkes Kulturangebot. Ich habe als 14jähriger 2x die Tanzschule mit grossen Abschlussbällen besucht und an den Wochenenden war eigentlich immer was los: Freitagabend der Jugendclub, Samstag von 19-24 Uhr Disco, Familientanz oder es hat eine Band gespielt. Sonntags gab es oft noch von 15-20 Uhr Disco oder der Jugendclub hatte geöffnet. Ab meinem 12. Lebensjahr (1973) habe ich diese Veranstaltungen regelmäßig besucht oder wir sind mit den Mopeds übers Land gefahren. Montagabend gab es bei uns die legendäre Kino-Disco - erst Film dann Tanz - ich habe die Olsenbande genauso gesehen wie "Klute" mit Jane Fonda oder "Blutige Erdbeeren" über die Demos gegen den Vietnamkrieg in den USA oder "Meine Stunde Null" mit Günter Simon und das Filmepos "Befreiung" über den 2.Weltkrieg. Nächtelang habe ich Pink Floy-Platten/Bänder bei einem Kumpel gehört oder die Formel 1 bei Freunden geguckt.

Wir sind mit den Motorrädern verbotenerweise im Volkspark rumgerast und haben auf der Kofferheule in den 70'ern in der Öffentlichkeit Radio-Tele-Luxembourgh auf Kurzwelle gehört - alles ganz ohne Kontakte zu netten Herren der Staatssicherheit.

Ja, meine Kindheit und Jugend war schön und aufregend und ich habe nie gespürt, dass mich irgendwer einschränken wollte oder mich kontrolliert hat.

Auch von Seiten meines Vaters (damals Kdr. GR-8) gab es nie irgendwelche Probleme: und das obwohl ich als Sohn des Regimenters nach etlichen Discos in meinem Zimmer über der elterlichen Wohnung mit seinen Soldaten aus dem Stab weitergefeiert und sein Bier getrunken habe.

andy



Ja so war's.
Im Prinzip sind sich die Städte und Gemeinden recht ähnlich gewesen in der DDR, nur für Stichlinge hat man doch aber keine Angel gebraucht ??
Unsere schwarz und offiziell angelnde DDR- Jugend hatte da nach meiner Erinnerung schon höhere Ziele.
So ergab sich bei einem Wandertag im Wörlitzer Park die einmalige Chance, auf Schwimmbrot handzahme Karpfen aus dem Schloßteich zu angeln, bis sie nicht mehr in den Setzkescher paßten, was für ein Spaß...bis die Lehrerin mit Tränen in den Augen und einem Aufseher an ihrer Seite dem Treiben ein Ende setzte, die selbe Lehrerin übrigens, die uns beim Zoobesuch aus dem Stachelschweingehege rausholen mußte, weil deren Borsten recht brauchbare Posen waren.
Ich weiß nicht ob das wieder gut zu machen war im weiteren Verlauf der Schulzeit.
Feste gab es zu jedem Anlaß, nur war alles früher irgendwie spontaner, da gab es Wohngebietsfeste, ein Parkfest für die Bergarbeiter, ein Sportfest für die Eisenbahner am Dienstort und und und.
Bergarbeiter gab es damals im Braunkohlekombinat G. Sobottka genauso viele wie es heute Einwohner am Standort dieser längst untergegangenen Industriekultur gab, über 3000 in den 1980er Jahren.
Die Beschaffung guter Musik war im Prinzip mit guten Verbindungen und etwas Geduld auch möglich, ich denke da an unsere Phonothek in der Kreisstadt. Wenn man da lange genug abwartete kamen irgendwann doch recht exotische Lp's zurück in die Regale.
Die besten Songs der Kinks, Smokie, Middle of The Road, Cliff Richards u.v.a. waren nach monate- oder gar jahrelangen Warten verfügbar, die Freude überwog trotz aller Widrigkeiten trotzdem- zumindest in diesem Zusammenhang war das Glas immer halb voll.



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#118

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.09.2012 13:09
von Udo | 1.267 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #113
Zitat von Ex-Huf im Beitrag #112
Zitat von Udo im Beitrag #72

Unten links das berühmtberüchtigte Logo des Wittenberger Hells.
Die anderen drei Sorten sind meines Wissens nie in den Handel gelangt.


Lieber Udo,

die Biere zu den von Dir zitierten Etiketten gab es es teilweise ganzjährig oder saisonal.
Zeit: 1980er Jahre.

VG Ex-Huf

P.S.: Etwaige Engpässe waren durch Mangel an Leergut erklärt worden.


Das die Engpässe bis heute bei dieser Sorte anhalten ist bedauerlich. Ein paar pixel mehr beim Bild wären super gewesen. Und welches Links meinst du?

Mike59

@Maik59
Natürlich das andere Links ;-). Pixel waren nicht von mir, kopieren, einfügen, fertig.

@EX-Huf
Kann schon sein, ich erinnere mich bloss nicht mehr daran.

Gruß Udo


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#119

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.09.2012 16:17
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich habe meine 18Monate NVA auf dem Flughafen Preschen 1.LVD 3.FTB verbracht. Wir hatten 3 wunderschöne Karpfenaufzuchtteiche nicht weit vom KDP im Wald. In 20min hatten wir 10Prachtexemplare an der Angel. Einmal war es nur blöd, als der OvD am Sonntag vorbei kam, ohne Anmeldung und er die armen Fische ausgenommen im Duschraum sah. Aber wir haben uns geeinigt. Er hat was abbekommen.


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#120

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 11.05.2013 18:11
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich habe einmal dieses Thema genommen für meine These. Genau diese T., die ich schonmal in einem anderen Forum eingebracht hatte und wo es danach recht turbulent zuging.
Geht also los, mal sehen, ob ich das noch einigermaßen treffend formulieren kann(weil, ich fand meinen alten Text nicht mehr, war auch irgendwie zu faul zum suchen). Ich behaupte also:

"Hätte es seit Grenzschließung 13. August 1961 in der DDR "ähnliche" Konsumbedingungen wie heute und Reiseregelungen ins nichtsozialistische Ausland (wenn auch begrenzt, sagen wir maximal zweimal pro Jahr und Bürger/auf Anmeldung-Antrag) gegeben, dann wäre es nie zu einer Wiedervereinigung in D. (hier benannt Wende)gekommen."

Ich muss das auch einmal begrenzen auf die DDR, sonst wird es zu kompliziert, diese sozusagen recht fiktive Behauptung. Denn ich vergleiche gerne, Alltag damals mit heute und da scheint mir diese kühne Behauptung garnicht so abwegig.(siehe was braucht der Mensch zum Leben)

Lebensläufer


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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