#81

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 21:45
von PF75 | 3.294 Beiträge

also wenn man ja auch für bier nix ausgeben will ,dan muß man ebend nur helles trinken,pilsner und das spezial (1,28 M ) gabs immer und das hielt sich auch.


zuletzt bearbeitet 26.07.2012 21:46 | nach oben springen

#82

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 21:54
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #77
Zitat von Rainman2 im Beitrag #75
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #70
... Kam sie nicht in den Genuss des Privilegs vom "dritten Nagel"? ...

Hallo Nostalgiker,

das mit diesem Privileg musst Du mir, und wahrscheinlich nicht nur mir, mal kurz erklären.

Übrigens: Meine Oma hätte sich lieber den Fuß abgehackt, statt um irgend etwas zu bitten. Das steckt nun irgendwie allen aus meiner Familie in den Knochen. Mit so einer Haltung hatte man nie Beziehungen oder Privilegien. Aber, wie schrieb ein anderer hier schon so richtig, wir haben es überlebt. Und ich ergänze: Und uns ging es ohne solche Sachen auch gut.

ciao Rainman


Ha! Erwischt! Bildungslücke

Im Ernst.
Im Jahr 1981 veröffentlichte Hermann Kant einen Band mit Erzählungen und dieser hieß "Der dritte Nagel".
Der Inhalt der Titelgebenden Geschichte ist kurz erzählt:
Der Ich-Erzähler (Kant selber?) versucht in einer privaten Bäckerei deren Erzeugnisse durchaus einen sehr guten Ruf ob ihrer Qualität haben auch ein bevorzugter Kunde des Bäckers zu werden.
Er entdeckte nämlich im rückwärtigen Verkaufsraum zwei Nägel an denen wohlgefüllte Leinenbeutel hängen und eines Tages wird der Erzähler Zeuge wie ein Kunde einen Beutel davon überreicht bekommt.
Auf Nachfrage wie dieser Kunde zu diesem Privileg kam deutete die Bäckersfrau an das es viele Dinge nur sehr selten oder nur über Beziehungen gäbe......
Nun muß der Erzähler eine ganze Kette von Beziehungen spielen lassen, neue anbahnen um für andere Leute schwer erhältliche Sachen zu besorgen.
Nachdem alles zur Zufriedenheit des Bäckers ausfällt, bekommt der Erzähler das Privileg des 'dritten Nagels' und er braucht zukünftig nur noch seine Bestellungen beim Bäcker abzugeben.......
Der einmal begonnene Tauschhandel mit raren Dingen bleibt selbstverständlich weiter bestehen....

Soweit die Erzählung.


Gruß
Nostalgiker


Ja, das war wirklich der Alltag in der DDR und vielleicht wären wir zum 100. Geburtstag auch in der reinen Tauschwirtschaft angekommen.
Hab auch schon in meiner ca. 100 Bücher umfassenden DDR- Bibliothek nach dieser Geschichte gesucht, aber wie erwartet nicht gefunden, da ich mich gewiß an diesen Stoff erinnert hätte.
Ich weiß auch nicht mehr ob Haß oder Depression überwogen hat, wenn man im Geschäft mit solchen Abläufen konfrontiert wurde.
Jedoch kann ich mich an eine Situation im Gemüseladen erinnern, als eine Kundin vor mir erstklassige Tafeläpfel über den Tresen gereicht bekam und dann noch 20 kg Kartoffeln mitnehmen wollte, die ich zu ihrem Gummiwagen vor der Tür raustragen sollte.
Vorher fragte ich aber geistesgegenwärtig, ob es solches Premiumobst noch gäbe, da es ja nicht zu sehen war.
Wie erwartet kam eine abschlägige Information worauf hin ich natürlich wegen eines schlimmen Handgelenkes auch keinen Kartoffelsack schleppen konnte, erst recht nicht, wenn dadurch mein Platz in der Schlange gefährdet war.
Die Tante aus dem Laden jedoch zu schmieren, fiel mir im Traum nicht ein und die kann heute noch froh sein, daß ich damals nicht wußte, welches der Fahrräder vor dem Geschäft ihres war.
Trotzdem muß ich sagen, daß ich auch ohne dritten Nagel überwiegend freundlich und gleichberechtigt in den Läden behandelt wurde, und die Kundschaft dieser Zeit waren ja Leidensgefährten in der Mangelwirtschaft.
Danke nochmal für den Literaturtipp, das Werk steht auf meiner Fahndungsliste, vielleicht werde ich ja im Kuhstall http://www.berlinerliteraturkritik.de/de...kommissars.html fündig.



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#83

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 22:03
von PF75 | 3.294 Beiträge

Als werktätiger bürger biste doch heute auch in vielen läden angeschissen wenn es aktionsware gibt,da braucht man doch größtenteils nach arbeitsschluß nicht mehr nachfragen.
habe es selber schon erlebt,das nach wenigen minuten nach eröfnung des ladens gesagt wurde, die ware ist schon ausverkauft und es warnoch kein kunde an der kasse.
Das märchen das es in der marktwitschaft immer alles gibt (im gegensatz zur verfluchten planwirtschaft der DDR ) auch heute ist der großhandel teilweise nicht in der lage normales ,standardelektroinstallationsmaterial zu liefern.


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#84

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 22:17
von Marder | 1.413 Beiträge

Zitat von PF75 im Beitrag #83
Als werktätiger bürger biste doch heute auch in vielen läden angeschissen wenn es aktionsware gibt,da braucht man doch größtenteils nach arbeitsschluß nicht mehr nachfragen.
habe es selber schon erlebt,das nach wenigen minuten nach eröfnung des ladens gesagt wurde, die ware ist schon ausverkauft und es warnoch kein kunde an der kasse.
Das märchen das es in der marktwitschaft immer alles gibt (im gegensatz zur verfluchten planwirtschaft der DDR ) auch heute ist der großhandel teilweise nicht in der lage normales ,standardelektroinstallationsmaterial zu liefern.


Na sagen wir mal, es gibt schon alles, aber nicht unbedingt immer als Sonderangebot. Da liegt der Unterschied!!!!

MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
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#85

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 26.07.2012 22:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von PF75 im Beitrag #83
Als werktätiger bürger biste doch heute auch in vielen läden angeschissen wenn es aktionsware gibt,da braucht man doch größtenteils nach arbeitsschluß nicht mehr nachfragen.
habe es selber schon erlebt,das nach wenigen minuten nach eröfnung des ladens gesagt wurde, die ware ist schon ausverkauft und es warnoch kein kunde an der kasse.
Das märchen das es in der marktwitschaft immer alles gibt (im gegensatz zur verfluchten planwirtschaft der DDR ) auch heute ist der großhandel teilweise nicht in der lage normales ,standardelektroinstallationsmaterial zu liefern.


Der Mangel beruht heute wohl eher auf der Liquidität und der Kreditlinie der Ladenbetreiber, die haben oft nur ein Standardsortiment vorrätig und man bekommt sehr oft zu hören "Muß ich bestellen", selbst auf Alltagskram trifft das mitunter zu, Gelierzucker zur Erdbeerzeit war mein letztes Erlebnis, aber auch Spitzenringe für die Angelrute, Hechtdrillinge Gr. 4 (wirklich Sachen, die es selbst früher in der Expovita Halle immer gab) waren im Fachgeschäft nicht erhältlich.
Weitere Lücken im Sortiment sind ein altbekannter Gummiwagen (Mopedanhänger...es gibt nichts gleichwertiges zu kaufen), Kindersitz am Fahrradlenker (soll verboten sein, nachdem Millionen Kinder darin unverletzt transportiert worden sind), bestimmte Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung sind einfach nicht mehr zu haben, ohne daß gleichwertiges nachgerückt ist.
Und meine MZ kriege ich auch nicht, wenn ich nach um 12 zum Bäcker gehe, abonnieren geht nicht wegen Montagearbeit, es ist schon ganz schön schwer geworden, sich in der Überflußgesellschaft zurecht zu finden...wahrscheinlich sehe ich ja auch den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Andererseits verkauft man in unserem Landwarenhandel das beliebte Roundup gegen tiefwurzelndes Unkraut nur in Flaschen zu 50 Euro...das ist fast schon so etwas wie der Dritte Nagel, und der kleine Konsument, der patriotisch am Heimatort einkaufen will, wird auf eine andere Art ausgesperrt.
Den Vogel abgeschossen hat ein Installateur in meinem Wohnort, der für einen Kostenvoranschlag pauschal 50 Euro (verrechnet bei Auftragserteilung) haben wollte, da wäre ich früher mit dem selbst geangelten Räucheraal als Konversionswährung aber besser gefahren !



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#86

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 04:39
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #79

Das sag ich doch immer---das Schweinefleisch ging in den Westen,die Knochen nach Polen und die Scheiße bieb hier. (Witz)



Rostocker, wenn in Deiner Gegend das Schweinefleisch knapp war, sei froh. Brauchtest Dir somit keine Gedanken um Grill-Holzkohle zu machen, denn die war wohl schwerer aufzutreiben.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#87

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 07:14
von damals wars | 12.212 Beiträge

Wenn es irgentwas in ausreichenden Mengen gab, war es Fleisch.
Sonst wäre die arbeitende Bevölkerung leicht unwirsch geworden.

Unvergessen die Unengen an Fleisch und Wurst, die die Bergarbeiterfrauen in Senftenberg (Braunkohlerevier) orderten.

Ich als Student mit meinen 200 mg Mettwurst fürs Wochenende kam mir da immer etwas fehl am Platze vor.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#88

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 08:31
von moreau | 384 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #85
Zitat von PF75 im Beitrag #83
Als werktätiger bürger biste doch heute auch in vielen läden angeschissen wenn es aktionsware gibt,da braucht man doch größtenteils nach arbeitsschluß nicht mehr nachfragen.
habe es selber schon erlebt,das nach wenigen minuten nach eröfnung des ladens gesagt wurde, die ware ist schon ausverkauft und es warnoch kein kunde an der kasse.
Das märchen das es in der marktwitschaft immer alles gibt (im gegensatz zur verfluchten planwirtschaft der DDR ) auch heute ist der großhandel teilweise nicht in der lage normales ,standardelektroinstallationsmaterial zu liefern.


Der Mangel beruht heute wohl eher auf der Liquidität und der Kreditlinie der Ladenbetreiber, die haben oft nur ein Standardsortiment vorrätig und man bekommt sehr oft zu hören "Muß ich bestellen", selbst auf Alltagskram trifft das mitunter zu, Gelierzucker zur Erdbeerzeit war mein letztes Erlebnis, aber auch Spitzenringe für die Angelrute, Hechtdrillinge Gr. 4 (wirklich Sachen, die es selbst früher in der Expovita Halle immer gab) waren im Fachgeschäft nicht erhältlich.
Weitere Lücken im Sortiment sind ein altbekannter Gummiwagen (Mopedanhänger...es gibt nichts gleichwertiges zu kaufen), Kindersitz am Fahrradlenker (soll verboten sein, nachdem Millionen Kinder darin unverletzt transportiert worden sind), bestimmte Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung sind einfach nicht mehr zu haben, ohne daß gleichwertiges nachgerückt ist.
Und meine MZ kriege ich auch nicht, wenn ich nach um 12 zum Bäcker gehe, abonnieren geht nicht wegen Montagearbeit, es ist schon ganz schön schwer geworden, sich in der Überflußgesellschaft zurecht zu finden...wahrscheinlich sehe ich ja auch den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Andererseits verkauft man in unserem Landwarenhandel das beliebte Roundup gegen tiefwurzelndes Unkraut nur in Flaschen zu 50 Euro...das ist fast schon so etwas wie der Dritte Nagel, und der kleine Konsument, der patriotisch am Heimatort einkaufen will, wird auf eine andere Art ausgesperrt.
Den Vogel abgeschossen hat ein Installateur in meinem Wohnort, der für einen Kostenvoranschlag pauschal 50 Euro (verrechnet bei Auftragserteilung) haben wollte, da wäre ich früher mit dem selbst geangelten Räucheraal als Konversionswährung aber besser gefahren !


Dieser Kostenvoranschlagswahnsinn ist aber wirklich eine Seuche. Ich kann den Handwerker verstehen, mir geht es genauso.
Da kommen Kunden mit vor 10 Jahren verschrotteten Geräten an ,die damals schon wirtschaflicher Totalschaden waren, weil Reparaturpreis und Neupreis sich nur unwesentlich unterschieden haben. Haben den Schrott wg. Geiz nicht entsorgt und denken heutzutage sie haben da noch ein Pfund Goldstaub gefunden, was billiger zu Reparieren wäre als ihre aktuellen Geräte. Und ich saß teilweise tagelang da, machte KOVOR`s ohne einen einzigen Cent zuverdienen.
Seit 3 Jahren berechne ich den Zeitaufwand für einen KOVOR mit 60,-€ und siehe da der Wahnsinn hat ein Ende. Jetzt wird vorher das Hirn eingeschaltet und sich gefragt "Ist mir der Schrott 60,-€ Wert?" Der unnütze Zeitaufwand ist weg und ich habe Zeit mich um die Kunden mit den realen Sorgen und Wünschen zu kümmern.

Gruß Moreau


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#89

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 08:55
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,
in der Jetztzeit hat sich der Rock gewendet. Der Kunde ist ein gottähnliches Geschöpf geworden.
Er latscht mit Kleidung, welche die Schmerzgrenze schon weit überschritten hat, in die edelsten Boutiquen und wühlt in den Ständern herum, als ob er im Secondhand-Shop wäre.
Dummdreist bietet er auf dem Flohmarkt für wirkliche rare Sammlerstücke einen ( 1 ) EURO und ist entrüstet, wenn er das Teil nicht bekommt.
Er benimmt sich in Gaststätten wie die Sau vorm Troge und ...
Die Kinderstuben vergangener Tage gibt es nicht mehr. Alle haben nur noch Rechte.
Zurück zum Handwerker mit den Kostenvoranschlägen. Nur von diesen kann er nicht leben und die Dinger kosten ihn Zeit und damit Geld.
Ebenfals muss nicht alles auf Lager liegen. Das ist gebundenes Kapital.
Und Qualität darf etwas kosten.

"Danke" darf man auch mal sagen - "Bitte" übrigens auch.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
furry hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#90

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 09:31
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@GeMi,

den von Dir geschilderten Verfall der Sitten kann auch mit 'Selbstverwirklichung' in einem 'selbstbestimmten' Leben beschrieben werden.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#91

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 10:56
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #90
@GeMi,

den von Dir geschilderten Verfall der Sitten kann auch mit 'Selbstverwirklichung' in einem 'selbstbestimmten' Leben beschrieben werden.

Gruß
Nostalgiker

Hallo Nostalgiker,

es kann aber auch als Verfall des Wertes der Arbeitskraft, oder meinetwegen maxistisch fortschreitende Minderung des Wertes der Ware Arbeitskraft beschrieben werden. Warum ist das wohl so in einer Zeit des ausufernden und alle Maßstäbe der letzten Vernunft menschlichen Zusammenlebens sprengenden Finanzkapitals?

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#92

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 11:32
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von moreau im Beitrag #88
Zitat von Hackel39 im Beitrag #85
Zitat von PF75 im Beitrag #83
Als werktätiger bürger biste doch heute auch in vielen läden angeschissen wenn es aktionsware gibt,da braucht man doch größtenteils nach arbeitsschluß nicht mehr nachfragen.
habe es selber schon erlebt,das nach wenigen minuten nach eröfnung des ladens gesagt wurde, die ware ist schon ausverkauft und es warnoch kein kunde an der kasse.
Das märchen das es in der marktwitschaft immer alles gibt (im gegensatz zur verfluchten planwirtschaft der DDR ) auch heute ist der großhandel teilweise nicht in der lage normales ,standardelektroinstallationsmaterial zu liefern.


Der Mangel beruht heute wohl eher auf der Liquidität und der Kreditlinie der Ladenbetreiber, die haben oft nur ein Standardsortiment vorrätig und man bekommt sehr oft zu hören "Muß ich bestellen", selbst auf Alltagskram trifft das mitunter zu, Gelierzucker zur Erdbeerzeit war mein letztes Erlebnis, aber auch Spitzenringe für die Angelrute, Hechtdrillinge Gr. 4 (wirklich Sachen, die es selbst früher in der Expovita Halle immer gab) waren im Fachgeschäft nicht erhältlich.
Weitere Lücken im Sortiment sind ein altbekannter Gummiwagen (Mopedanhänger...es gibt nichts gleichwertiges zu kaufen), Kindersitz am Fahrradlenker (soll verboten sein, nachdem Millionen Kinder darin unverletzt transportiert worden sind), bestimmte Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung sind einfach nicht mehr zu haben, ohne daß gleichwertiges nachgerückt ist.
Und meine MZ kriege ich auch nicht, wenn ich nach um 12 zum Bäcker gehe, abonnieren geht nicht wegen Montagearbeit, es ist schon ganz schön schwer geworden, sich in der Überflußgesellschaft zurecht zu finden...wahrscheinlich sehe ich ja auch den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Andererseits verkauft man in unserem Landwarenhandel das beliebte Roundup gegen tiefwurzelndes Unkraut nur in Flaschen zu 50 Euro...das ist fast schon so etwas wie der Dritte Nagel, und der kleine Konsument, der patriotisch am Heimatort einkaufen will, wird auf eine andere Art ausgesperrt.
Den Vogel abgeschossen hat ein Installateur in meinem Wohnort, der für einen Kostenvoranschlag pauschal 50 Euro (verrechnet bei Auftragserteilung) haben wollte, da wäre ich früher mit dem selbst geangelten Räucheraal als Konversionswährung aber besser gefahren !


Dieser Kostenvoranschlagswahnsinn ist aber wirklich eine Seuche. Ich kann den Handwerker verstehen, mir geht es genauso.
Da kommen Kunden mit vor 10 Jahren verschrotteten Geräten an ,die damals schon wirtschaflicher Totalschaden waren, weil Reparaturpreis und Neupreis sich nur unwesentlich unterschieden haben. Haben den Schrott wg. Geiz nicht entsorgt und denken heutzutage sie haben da noch ein Pfund Goldstaub gefunden, was billiger zu Reparieren wäre als ihre aktuellen Geräte. Und ich saß teilweise tagelang da, machte KOVOR`s ohne einen einzigen Cent zuverdienen.
Seit 3 Jahren berechne ich den Zeitaufwand für einen KOVOR mit 60,-€ und siehe da der Wahnsinn hat ein Ende. Jetzt wird vorher das Hirn eingeschaltet und sich gefragt "Ist mir der Schrott 60,-€ Wert?" Der unnütze Zeitaufwand ist weg und ich habe Zeit mich um die Kunden mit den realen Sorgen und Wünschen zu kümmern.

Gruß Moreau


Dann ist wohl eine genauere Information zu den Kostenvoranschlägen fällig.
Konkret ging es um einen ca. 7000- Euro Auftrag, den ich an eine von drei Firmen aus dem Umkreis von maximal 10-15 km inzwischen erledigen lassen habe, die Firmen konkurrierten also von vorn herein nicht mit überregionalen Unternehmen.
Die beiden anderen Meister waren nach 15 min durch, Anreisezeit war nicht der Rede wert, einer ließ jedoch durchblicken, daß es auch irgendwelches Pack gibt, das diese Kostenprognosen verwendet, um für den später schwarz ausgeführten Auftrag zu wissen, was man zahlen muß, um ein Schnäppchen zu machen.
Dann wiederum gehen die 50 Euro in Ordnung, aber der betreffende Handwerker wollte auch dann nicht ohne Kalkulationsvorkosten arbeiten, wenn ich ihm sage, wer wann den Auftrag am Ende ausführt.
Es ist und bleibt eine Betrügerökonomie, der Ärger heute hat nur eine andere Erscheinungsform wie in der Mangelwirtschaft der DDR.



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#93

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 11:37
von damals wars | 12.212 Beiträge

Und auch in der DDR hat der Handwerker extra gekostet.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#94

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 27.07.2012 12:23
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #91

Hallo Nostalgiker,

es kann aber auch als Verfall des Wertes der Arbeitskraft, oder meinetwegen maxistisch fortschreitende Minderung des Wertes der Ware Arbeitskraft beschrieben werden. Warum ist das wohl so in einer Zeit des ausufernden und alle Maßstäbe der letzten Vernunft menschlichen Zusammenlebens sprengenden Finanzkapitals?

ciao Rainman



@Rainmann2,

ich glaube mehr das diese von GeMi durchaus treffende Schilderung nicht unbedingt am Verfall des Wertes der Arbeitskraft liegt, denn da fragt Otto Normalbürger nur noch; Hä?, wenn er dieses hört.
Es ist m. M. n. diese von der Werbung eingetrommelte "Geiz ist geil" Mentalität auf der einen Seite und auf der anderen Seite der selbstsüchtige und irrige Anspruch das alles zu jeder Zeit permanent vorhanden sein muß.
Auch dieser Anspruch wird geschickt durch Neoliberale Politik, Ideologie und das wirtschaftliche Verhalten der Industrie geschürt.
Im Neoliberalismus wird das gesamte Leben ökonomisiert, so die Bildung, das Gesundheitswesen etc.
Das Leben wird dem Diktat des Marktes unterworfen.

Die DDR hat es gewagt, das Prinzip der Heiligkeit des Privateigentums anzutasten, natürlich war es keine Vergesellschaftung sondern nur eine Verstaatlichung. Geld war kein bzw. kaum ein Thema. Es herrschte kein Konsumterror. Die DDR war keine Wegwerfgesellschaft, die Produkte wurden gehegt und gepflegt.

Spielte Geld in der DDR nur eine relativ untergeordnete Rolle, so wird es in der Diktatur des Geldes zum alles entscheidenden Faktor. Geld ist heute nicht in erster Linie dazu da, um damit Dinge einzutauschen, die man zum Leben und für die Befriedigung eigener Bedürfnisse braucht. Geld im Kapitalismus wird investiert, um daraus mehr Geld zu machen. Ähnliches gilt auch für den Konsum unter kapitalistischem Vorzeichen. Der Konsum dient nicht in erster Linie der Bedürfnisbefriedigung, sondern ist der Kapitalverwertung untergeordnet.

Für Arme gibt es keine Reisefreiheit.Für Arme gibt es auch keine Konsumfreiheit, wieviel soll man schon für den Regelsatz Hartz IV oder Billiglohn im Monat konsumieren, das reicht nicht für ein menschenwürdiges Leben, die Miet- und Lebenshaltungskosten sind hoch, Mobilität, Telefon, Strom, Essen- da bleibt kein Geld für Kultur, Freizeit, Reisen.

Es ist meines Erachtens nicht entscheidend was der neueste Flachbildfernseher kostet, denn der kann nicht gegessen werden.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Udo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#95

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 16:30
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote=Nostalgiker


(Zitat @Nostalgiker Auszug)


@Rostocker, eine Biersorte hast Du vergessen: "Rostocker Hafenbräu". Da ging das Gerücht dass das für Bier notwendige Wasser direkt aus dem Hafenbecken des Rostocker Hafens stammen würde.....

Gruß
Nostalgiker[/quote]


Hallo ihr Beiden und die sachkundige Forengemeinde!

Im Großen und Ganzen kann ich das hier Geschriebene auch nur so bestätigen. Zu Essen und Trinken gab es genug, logischer Weise die hier und da mal üblichen Engpässe einer Mangelwirtschaft die sich dann auch mal zu s. g. Bückewaren auch bei Lebensmitteln mauserten. Ich erinnere hier nur an die Engpässe Anfang der 80-er u. a. bei Kaffee, Kaffeesahne, Butter.

War aber regional auch sehr unterschiedlich. Vielfach wurde von Reisenden immer die Botschaften aus der Hauptstadt oder aus Leipzig mitgebracht, das es dort Waren auch im Lebensmittelbereich ausreichend gab, die man hier in der Provinz nie, sehr selten oder nur unter dem Ladentisch zu sehen oder zu kaufen bekam. Dies besonders dann, wenn in Leipzig Messe war oder in Berlin irgendwelche Aufmärsche wie Parteitag, Pfingsttreffen der FDJ o. ä. . Diese Großveranstaltungen schlugen sich auch spürbar bis in das letzte HO- oder Konsumladen- Regal in der Provinz durch, wo man an der Fülle dieser Regale das schon ganz genau merkte.

Muß aber auch sagen, das der s. g. "Versorgung der Werktätigen" eine nicht kleine Priorität von Seiten der SED- Kreisleitungen zugemessen wurde. Deuten sich mal gravierende Engpässe an, merkte man spürbar, wie einige Verantwortliche ins Rudern und ins eifrige wirtschaften kamen, besser gesagt, ins erhebliche Rotieren kamen. Klar, von Seiten der SED wollte man sich hier kein Ei ins Nest legen und gewisse Komponenten der Konsum- Unzufriedenheit weiter erhöhen.

Anderseits hat aber auch eine gewisse Selbstversorgung über Klein- und Hausgärten, Kleintierhaltung, Hausschlachtungen ect. wesentlich bsser funktioniert. Gerade in diesem Bereich gehe ich davon aus, das die Ernährung einiges gesünder war, Recurcen wie Lebensmittelabfälle einfach besser genutzt wurden, nicht so viel und dazu noch in diesen Massen wie heute einfach wegflog.

Man kann geteilter Meinung über eine gewisse Art der Mangelwirtschaft oder eine Art der hemmungslosen Wegwerfgesellschaft sein. Ich ziehe dann die gewisse Art der Mangelwirtschaft vor...


Und nochwas zum Bier, des Ost- und Westdeutschen liebstes Getränk...


Das "Rostocker Hafenbräu" war in der Tat eine übles Gebräu, genauso wie das Stralsunder Bier. Heute übrings beides sehr gute Biersorten! Hasseröder Pils war ja zu DDR- Zeiten nicht nur eine beliebte Biersorte, es war ein Tauschobjekt erster Güte!

Aber selbst hier im Kreis, wo in WR die Brauerei ihren Sitz hatte, gab es bei Hasseröder Engpässe! Dann gab es dann Halberstädter oder gar Dessauer Pils oder Hell..., igitttipfui! Entsetzlich! Bald noch Schlimmer wie Rostocker Hafenplörre!

Und übrings. Die schnelle Eintrübung aller in der DDR vertriebenen Biersorten besonders in der wärmeren Jahreszeit (außer, was tatsächlich für den Export hergestellt und bestimmt war und auch in den DDR- Verkauf gelangte) hing mit dem (teilweisen) Ersatz von exportträchtigem echten Hopfen durch Extrakte aus der Rindergalle als s. g. Bitterstoffzusatz zusamen. In manchen Regionen haben sich diese Bitterstoffe mit bestimmten Inhaltsstoffen und Bestandteilen des verwendeten Brauwassers nicht vertragen. U. a. spielt der ph- Wert und die Wasserhärte da eine gewichtige Rolle mit und führten somit zur wesentlich schnelleren Eintrübung als anderswo.

Prosit!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 06.08.2012 16:34 | nach oben springen

#96

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 17:33
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@josy95, ich hatte nie damit gerechnet, hier noch von Galle im Bier zu lesen, dieses Gerücht kenne ich nur als urban legend.

Die geringe Haltbarkeit vieler lokaler Biere kam wimre daher, daß die vielen lokalen Brauereien aus Kostengründen auf eine Feinfiltration des Produktes verzichteten. Da eine Pasteurisation ebenfalls unterblieb, enthielt das Bier Reste lebender Hefe, die sich bei warmer Lagerung unkontrolliert vermehren und das Bier zum schnellen Umkippen bringen konnte.
Die Biere moderner Großbrauereien sind so lange lagerfähig, weil sie biologisch tot sind (sein müssen).

Gruß aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#97

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 20:13
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Ist Brauereirecherche schrieben, BUR Riley Lüth

Zitat von Damals87 im Beitrag #96
Hallo,

@josy95, ich hatte nie damit gerechnet, hier noch von Galle im Bier zu lesen, dieses Gerücht kenne ich nur als urban legend.

Die geringe Haltbarkeit vieler lokaler Biere kam wimre daher, daß die vielen lokalen Brauereien aus Kostengründen auf eine Feinfiltration des Produktes verzichteten. Da eine Pasteurisation ebenfalls unterblieb, enthielt das Bier Reste lebender Hefe, die sich bei warmer Lagerung unkontrolliert vermehren und das Bier zum schnellen Umkippen bringen konnte.
Die Biere moderner Großbrauereien sind so lange lagerfähig, weil sie biologisch tot sind (sein müssen).

Gruß aus Hessen

Entschuldigung , Helles 0,33l = 0,48 Pf
Pils 0,33 l =0,61 Pf
Eigenbier der lokalen Brauerei 0,5l = 0,98 Pf
, das sind Preise aus Mitte der achtziger Jahre, schau heute einmal in den Supermarkt und rechne um.
Lagerung bei Temperaturen um die 30 °C gab es in den Brauereien nicht. Die Fahrzeuge standen Schlange, um laden zu können. Die armen Bierfahrer sie tun mir heute noch leid.
MfG Harra 318


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#98

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 21:50
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Damals87 im Beitrag #96
Hallo,

@josy95, ich hatte nie damit gerechnet, hier noch von Galle im Bier zu lesen, dieses Gerücht kenne ich nur als urban legend.

Die geringe Haltbarkeit vieler lokaler Biere kam wimre daher, daß die vielen lokalen Brauereien aus Kostengründen auf eine Feinfiltration des Produktes verzichteten. Da eine Pasteurisation ebenfalls unterblieb, enthielt das Bier Reste lebender Hefe, die sich bei warmer Lagerung unkontrolliert vermehren und das Bier zum schnellen Umkippen bringen konnte.
Die Biere moderner Großbrauereien sind so lange lagerfähig, weil sie biologisch tot sind (sein müssen).

Gruß aus Hessen



Zum Thema Rindergallenextrakt als Bier- (Bitterstoff-) Zusatz muß ich Dir leider wiedersprechen!

Das hat es gegeben. Ein guter und glaubwürdiger, leider schon verstorbener Bekannter hat zu DDR- Zeiten in der Hasseröder Brauerei gearbeitet und öfter davon erzählt, mein Bruder beim dam. VEB KIK Magdeburg, Kraftverkehr Zweigstelle Wernigerode als LKW- Fahrer in der Spedition (Nahverkehr, Kreis WR) gearbeitet. Ich hab die Gebinde mit dieser Brühe auf dem Güterboden Bahnhof Wernigerode mit eigenen Augen selbst gesehen, auch die Lieferanschrift..."VEB Hasseröder Brauere Wernigerode..." .

Bruder selbst auch, das öfter mal ein solches Gebinde geleckt hat und die auslaufende Flüssigkeit nicht gerade angenehm roch und besonders in der wärmeren Jahreszeit die Fliegen in Schaaren anlockte. Er und seine Kollegen den Krams auch nicht gern transportierten und beim Verladen immer besonders sorgsam waren, damit nur nichts auslief...

Dieser Rindergallenextrakt wurde dem Bier zur Einsparung von Hopfen zugesetzt, um einen gewissen bitteren Geschmack, eben den Hopfengeschmack zu bekommen. D. h. auch, das auf echten Hopfen nicht vollständig verzichtet wurde bzw. verzichtet werden konnte.

Deine Argumentation mit der nicht durchgeführten Feinfiltration, Pasteurisation usw. stimmen natürlich auch. Daran bestehen keine Zweifel.

Gut, beim Brauprozess in der Hasseröder Brauerei war ich selbst nie dabei. Später einmal und nach der Wende in der Colbitzer Heidebrauerei.
Aber warum sollte ich die Ausführungen eines guten und glaubhaften Bekannten, auch wenn er mittlerweile leider verstorben ist, nicht Glauben schenken?
Was hat eine Hasseröder Brauerei mit Rindergallenextrakten denn sonst angestellt?


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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zuletzt bearbeitet 06.08.2012 21:52 | nach oben springen

#99

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 22:36
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Vielleicht weil er selber an das Gerücht geglaubt hat?


Zitat von Ludwig im Beitrag RE: Die Bierbraukunst in der DDR
Auch wenn das Thema wenig mit "Grenze" zu tun hat, ich finde es hochinteressant, da da Bierbrauen
mein eigentlich erlernter Beruf ist. Nach dem Lesen der einzelnen Beiträge kurz 2 Bemerkungen.
1. Rotkäppchen gehört nicht zu Eckes sondern hat seinerseits Westmarken (Mumm z.B. ) gekauft.
2. Die Rindergalle im Bier ist Quatsch. Freilich wurde experimentiert, um Hopfen, der sehr knapp
war einzusparen (mußte ich für die Dipl.-Arbeit selbst machen), aber diese Dinge sind nie
zu einem Praxiseinsatz gekommen, und von "Galle" im Experiment habe ich nie selbst etwas gehört.
Die fehlende Haltbarkeit (Biertrübung) hatte ihre Ursache nicht in der Unfähigkeit der Brauer,
wie es oft im Westen gern hingestellt wurde, sondern in der Qualität der Rohstoffe, der Filtrations-
mittel und der Brennstoffe. So wurde aufgrund des fehlenden Malzes Rohgerste verwendet, was dazu
zwang, chemisch hergestellte Enzyme zuzusetzen. Die wenigsten (außer den angesprochenen Großen)
Brauereien hatten briketts oder gar Steinkohle. Wir z.B. mußten eine Art Blumenerde verheizen,
das Erreichen von Kochtemperaturen war damit fast unmöglich !!


Zitat
Sachsenbräu

1946 erfolgte die Verstaatlichung des Betriebes und die VEB Riebeck-Brauerei entstand. Gemeinsam mit anderen Brauereien wurde das Unternehmen 1959 zum Kombinat VEB Sachsenbräu zusammengefasst. 1968 erfolgte die Bildung des VEB Getränkekombinates Leipzig, Stammbetrieb war der VEB Sachsenbräu in der Mühlstraße.
In der traditionsreichen Brauerei musste man sich schon bald vom Deutschen Reinheitsgebot verabschieden. Die schwierige Rohstofflage zwang dazu und eine Anpassung der TGL machte es möglich. Zusatzstoffe wie Gerstenrohfrucht, Maisgrieß, Reisgrieß, Tannin, Kieselgelpräparate und andere waren durchaus erlaubt. Verboten war und blieb, entgegen hartnäckiger anderslautender Gerüchte, der Einsatz von Rindergalle!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#100

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 06.08.2012 22:44
von josy95 | 4.915 Beiträge

Wenn ich die Behälter (kleine, fässerartige Behälter, DDR- typisch als Leihverpackung mit aufgeschriebenem Hinweis der Rückgabepflicht!) nicht selbst gesehen hätte..., würde ich das nie und nimmer behaupten!

Wäre wohl damals schon besser gewesen, die Fotoknipse immer bei sich zu haben. Weiß nur nicht, ob das damals der Trapo gefallen hätte...

Die schauten schon immer komisch, obwohl man sich größtenteils kannte, wenn ich rüber bin zum Güterboden, weil mein Bruder dort mit seinem nicht gerade unauffälligen W 50 vorfuhr und wir ein Schwätzchen machen wollten...

Aber ist ja egal. Weihnachten gibt`s wieder Stolle!
Garantiert!


....und für heute, gute Nacht, Kameraden!

josy 95


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winfried hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 07.08.2012 08:57 | nach oben springen



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