#661

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 13:56
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ja Rostocker, so etwas kam vor bei der Privatisierung von Bahn, Post und Telekom, die nicht benötigten Beamten liefen bei der Bahn z.B. unter dem Begriff Strategische Reserve, hatte so 2006 rum mal geschäftlich mit der Bahn zu tun, da wurden ein paar Mann aus der Reserve aktiviert, waren nicht so richtig motiviert würde ich mal ganz geschmeichelt ausdrücken


zuletzt bearbeitet 14.10.2014 14:09 | nach oben springen

#662

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 13:58
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Rüganer im Beitrag #656
Das will ich Dir genau schreiben, mein Kraftfahrer hatte im Juni 1.491,25 Brutto. 26 Tage Urlaub, Überstunden werden bezahlt, wir fangen morgens um 6.45 Uhr an und für ihn endete es um 15.45. Wir leben und arbeiten hier auf der Insel Rügen, bei uns kostet der Diesel zwar 1.45 dafür verdienen wir hier allgemein aber weniger als auf dem Festland. Deswegen - Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld - Fehlanzeige, es sei denn, das Jahr lief verdammt gut, dann gibt es was, ohne dass daraus aber in den Folgejahren Ansprüche abgeleitet werden können. Es gibt keine Unterschiede, ob Single oder Verheiratet, außer in deiner Steuerklasse, aber die ist nicht mein Problem. Ich kann Dir auch nicht bei der Arbeitssuche Deiner Frau behilflich sein, es sei denn, meine Kontakte würden da etwas hergeben, aber meist ist es dann so, dass wenn es dann da nicht so klappt, der Vermittler die Prügel bezieht.
Wie geschrieben, es ist hypothetisch, da du ja nicht auf Arbeitssuche bist und ich schon den Kumpel meines Sohnes genommen habe.... nicht über das Arbeitsamt...


Danke für die ausführliche Antwort!

Das sind ja dann bei 30 Minuten Pause (?) 42,5 Wochenstunden. Durch meine Versetzung in eine Bundesbehörde hätte ich jetzt eigentlich 41, mit Kindern unter 12 aber zum Glück nur 40 Wochenstunden. Urlaub jetzt statt 30 nur noch 29 Tage, wäre also beides schlechter. Die 3 Tage Urlaub könnte man wohl verschmerzen die hätte man durch Überstunden ja schnell wieder reingeholt, aber die 2,5 Stunden mehr summieren sich aufs Jahr gerechnet doch zu einigen zusätzlichen Arbeitstagen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es hier auch nicht mehr, bei meinem alten Dienstherrn gab es wenigstens noch eine jährliche Sonderzahlung von ca. 75% eines Monatslohns. Das berechnete sich ganz kompliziert nach Tagen, Besoldungsgruppe, verheiratet oder nicht und Zuschlägen pro Tag für jedes Kind. Wäre alles nicht so prickelnd aber annehmbar wenn ansonsten Arbeitslosigkeit als einzige Alternative drohen würde.

Etwas erschrocken bin ich beim Gehalt. Das wären ja dann nur 1.098€ ausgezahlt, mit Kindergeld dann 1.466€ und da stelle ich mir schon die Frage wie man davon leben kann. Die günstigste Wohnung auf Rügen mit 4 Zimmern und 80qm schmeißt er mir mit 690€ warm raus, dann noch 50 Strom und 40 für Telefon und Internet wären ja schon 780€ weg. Also noch knapp 690€ von denen nochmal gute 250 für Kinderbetreuung weggehen und dann sind es schon nur noch 440€. Davon müsste man dann noch zur Firma kommen, Essen bezahlen und ein Auto unterhalten. An notwendige Versicherungen, Altersvorsorge, Urlaub und Sparen ist dann ja gar nicht zu denken.

Finanzierbar ist damit doch maximal ein bescheidenes Leben als Single mit einer möglichst günstigen 1 oder 2 Raumwohnung, alles weitere wird dann schon eng. Allerdings kann ich mir gut vorstellen dass es in MV handfeste wirtschaftliche Zwänge gibt die ein höheres Gehalt nur sehr schwer ermöglichen und kenne eine Firma die nur 900€ netto an ihre Kraftfahrer (Regionalverkehr in MV) zahlt und nur den gesetzlichen Mindesturlaub gewährt, der ist aber auch ganz schnell vorbei wenn der Chef anruft weil ein Kollege krank ist. Von daher würde man es bei Dir noch nicht einmal besonders schlecht treffen. Die allgemeine Lage in MV ist wohl recht beschissen wenn man nicht gerade selbstständig, Fachkraft oder Akademiker ist. Höchstens noch wenn man in einer größeren Firma westlichen Ursprungs arbeitet, da hat mein Cousin während der Ausbildung in HRO schon 980€ im 3. Lehrjahr bekommen.

Bei solchen Zahlen geht man dann erstmal in sich und ist einen kurzen Moment dankbar es doch noch so gut getroffen zu haben, also nochmals vielen Dank für die offene und ehrliche Antwort.


zuletzt bearbeitet 14.10.2014 14:02 | nach oben springen

#663

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 14:24
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #645
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #644
Ja, da kann man leicht den Überblick verlieren.
Es geht um die kleine DDR, mit dem für ihre Bürger eingeschränkten Blick in die Welt.


Und über wen schreibst Du konkret? Die DDR war klein - stimmt. Die DDR hatte ca. 16 Mio Einwohner - alle mit einem eingeschränkten Blick? Wäre es so gewesen, dann hätten sich im Sommer und Herbst 1989 nicht tausende auf den Weg Richtung Westen gemacht. Von den vielen anderen vorher ganz zu schweigen.

Hätte es nicht die mit dem eingeschränkten Blick gegeben, dann wäre eine solche Umstrukturierung des Staates in kürzester Zeit nicht möglich gewesen. Von Rentenversicherung, Krankenversicherung, wo für nicht wenige die tägliche Kohle dran hing, ganz zu schweigen. Und es waren nicht nur Beamte aus den Partnerländern mit Buschzulage, die die Ärmel hoch gekrempelt haben. Ich habe etliche mit einegeschränkten Blick in der Umbruchzeit erlebt, die kreativ und mit viel Herzblut sich für die eingesetzt haben, die zu den Verlierern der Wende hätten gehören können - zum Beispiel alleinerziehende Mütter, Jugendlichen, deren Ausbildungsplätze auf einmal perdu waren usw. usf. ....

Ich erinnere an die Welle von ABM - und Qualifizierungsmaßnahmen für die da gebliebenen, die sie damals weggingen wie warme Brötchen, weil sie mit vielen Hoffnungen verbunden waren. Und die mit dem eingeschränkten Blick haben, wenn sie eine solche Möglichkeit hatten, auch wieder angepackt - man was gab es für schöne Projekte in den Städten und Gemeinden. Ich war damals viel in solchen Projekten in Brandenburg und Berlin unterwegs und kann mich an viele Menschen mit dem eingeschränkten Blick erinnern.

Der Bruch kam später. Ich kann ihn nicht datieren. Er kam dann, als sich abzeichnete, dass es in den neuen Bundesländern kein produzirenden Gewerbe oder Industrie geben würde um alle in Lohn und Brot zu bringen. Aber diesbezüglich gab es dann schon keine Unterschiede mehr zwischen Brandenburg und dem Ruhrgebiet.

LG von der Moskwitschka




Naja , die Umstrukturierung der ehemaligen DDR war wohl eher ein Überstülpen der bundesdeutschen Gesetzgebung über die erschrockenen Ossis.
Kürzlich hörte ich irgendwo einen Vergleich, in dem wurde die DDR mit einem Wassertümpel ohne Frischwasserzufuhr verglichen, der nach einer gewissen Zeit unweigerlich anfängt zu stinken.
Das zweite Problem , das Wasser im Tümpel wurde trübe und seine Bewohner konnten sehr schlecht sehen was ausserhalb vorsich ging.
Das meinte ich mit dem eingeschränkten Blick.


zuletzt bearbeitet 14.10.2014 14:37 | nach oben springen

#664

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 14:33
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #657
Zitat von Gert im Beitrag #648
Zitat von Rüganer im Beitrag #646
Nehmt doch einfach mal ein praktisches Beispiel für diese These:

War wohl auch ein Mentalitätsproblem.
Der DDR Bürger wurde nicht zum kühnen Chancenergreifer erzogen, sondern eher zum Warteschlangennörgler und Anweisungsempfänger.
Das ist sicher manchem nach der Kehre zum Verhängnis geworden.
Die flexibelsten waren oft die ehemalige Betriebsleiter und Direktoren, die schnell in der neuen Gesellschaftsordnung ankamen.
Zitat: Schnatterinchen
Ich war zur Wendezeit Technischer Leiter in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb,
es war doch eindeutig abzusehen, dass diese Strukturen den Bach herunter gehen werden. Also musste man sich doch auf dass besinnen, was man konnte und irgend etwas aus dem, was man hatte, machen. Wir haben dann angefangen, Wasserleitungen in Eigenheimen zu installieren, haben uns dem Wasserversorger angedient und bauten in mehreren Gemeinden Wasseruhren ein und nach und nach nabelten wir uns von der eigentlichen Tätigkeit für den Mutterbetrieb ab und letztendlich entstand dann eine eigene Firma daraus. Mit dem letzten Geld meiner Familie und der Belastung unseres Eigenheimes.
Ich hätte auch meine Füße stillhalten können und darauf warten, dass irgendwann einmal das Arbeitsamt mir eine Maßnahme vermittelt oder einen Job bringt.
Und ich verstand Schnattchen so, dass gerade die Leute, die irgendwie schon immer die sogenannten „Macher“ gewesen sind, dass die heute auch wieder obenauf sind und bestätige diese, seine Meinung.
Der ehemalige Betriebsleiter führte erfolgreich den Kernteil des Betriebes weiter, paar Dörfer weiter wurde ein Direktor Wiedereinrichter und pachtete sich Land hinzu, Brigadiere wurden Betriebsleiter neuer Landwirtschaftsbetriebe, mein Betrieb ist zur Miete in einem Unternehmen, was durch Betriebsleiter, Buchhalterin, Produktionsdirektor und Technischen Leiter in eine GmbH überführt wurde und heute sehr erfolgreich arbeitet.
Ich schrieb es schon an anderer Stelle, wer sich mit seiner Neubauwohnung zufrieden gab und nichts weiter machte, der konnte sich wahrlich in der Wende nur schwer umstellen, wer allerdings schon vorher wühlte und ackerte, der war es zumindest gewohnt, selbst nun etwas auf die Beine zu stellen und loszulegen. So verstand ich auch Schnattchen


@Rüganer das hast du sehr gut verstanden und hier auch dargestellt. Ich erlebte es nach meiner Flucht genauso.In der DDR daran gewöhnt für alles und jedes ein Rezept vorgesetzt zu bekommen begriff ich sehr schnell dass hier eine andere Art herrschte Dinge, zu planen und durchzuführen. Ihc musste mich komplett neu orientieren und umstellen
Da kam keiner und nahm mich ans Händchen, Gert mach mal das oder das. Ich selbst war gefragt, etwas für mich zu tun.
Na ja, die DDR Bürger die in ihrem Plattenbau sitzen blieben und auf den großen Wohlstand warteten, sitzen heute noch da, schlimmstenfalls mit einer Hartz IV Versorgung. Das wird auch so bleiben.





Brav, wer so schreibt, hat immer seine B...-Zeitung gelesen und den damit erworbenen Horizont über 25 Jahre bewahren können. Respekt!

Gruß Reiner



ja das selbe dümmliche Argument, wie es hier schon zig mal dargeboten wurde. Du gehörst offenbar auch zu den ND + JW Lesern des Forums die in den letzten 25 Jahren nichts dazu gelernt haben und ihre Vorurteile pflegen. Weil selbst nichts zustande gebracht wurde, wird diese Nummer immer wieder abgespielt. Immer sind die anderen Schuld.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#665

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 16:25
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #664
Weil selbst nichts zustande gebracht wurde, wird diese Nummer immer wieder abgespielt. Immer sind die anderen Schuld.
Das ist ein weit verbreitetes Phänomen - ganz unabhängig von den Diskussionen hier im Forum. Wenn's nicht gut läuft, sind die anderen Schuld. Wenns gut läuft hat man alles selbst geschafft.
Kommt mir ein bisschen wie im Sport vor: Steht ein Österreicher nach einem Skirennen auf dem Podest ganz oben, dann haben wir gewonnen. Wenn kein Österreicher am Podest steht, dann haben unsere Schifahrer versagt.

cheers matloh

ps: Ich kann nix dafür, dass ich noch nicht Vorstandsvorsitzender bin, meine Eltern sind Schuld, die hätten mich doch besser erziehen sollen... ;-)


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
nach oben springen

#666

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 17:11
von der glatte | 1.356 Beiträge

@Gert

Nöö, mir geht es heute besser als früher. Doch habe ich Augen im Kopf und sehe was um mich herum geschehen ist.

ND gelesen? Ja, weil die aus Zürich immer schon alle war.

Aber wir sollten beim Thema bleiben.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#667

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 17:24
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #664
Zitat von der glatte im Beitrag #657
Zitat von Gert im Beitrag #648
Zitat von Rüganer im Beitrag #646
Nehmt doch einfach mal ein praktisches Beispiel für diese These:

War wohl auch ein Mentalitätsproblem.
Der DDR Bürger wurde nicht zum kühnen Chancenergreifer erzogen, sondern eher zum Warteschlangennörgler und Anweisungsempfänger.
Das ist sicher manchem nach der Kehre zum Verhängnis geworden.
Die flexibelsten waren oft die ehemalige Betriebsleiter und Direktoren, die schnell in der neuen Gesellschaftsordnung ankamen.
Zitat: Schnatterinchen
Ich war zur Wendezeit Technischer Leiter in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb,
es war doch eindeutig abzusehen, dass diese Strukturen den Bach herunter gehen werden. Also musste man sich doch auf dass besinnen, was man konnte und irgend etwas aus dem, was man hatte, machen. Wir haben dann angefangen, Wasserleitungen in Eigenheimen zu installieren, haben uns dem Wasserversorger angedient und bauten in mehreren Gemeinden Wasseruhren ein und nach und nach nabelten wir uns von der eigentlichen Tätigkeit für den Mutterbetrieb ab und letztendlich entstand dann eine eigene Firma daraus. Mit dem letzten Geld meiner Familie und der Belastung unseres Eigenheimes.
Ich hätte auch meine Füße stillhalten können und darauf warten, dass irgendwann einmal das Arbeitsamt mir eine Maßnahme vermittelt oder einen Job bringt.
Und ich verstand Schnattchen so, dass gerade die Leute, die irgendwie schon immer die sogenannten „Macher“ gewesen sind, dass die heute auch wieder obenauf sind und bestätige diese, seine Meinung.
Der ehemalige Betriebsleiter führte erfolgreich den Kernteil des Betriebes weiter, paar Dörfer weiter wurde ein Direktor Wiedereinrichter und pachtete sich Land hinzu, Brigadiere wurden Betriebsleiter neuer Landwirtschaftsbetriebe, mein Betrieb ist zur Miete in einem Unternehmen, was durch Betriebsleiter, Buchhalterin, Produktionsdirektor und Technischen Leiter in eine GmbH überführt wurde und heute sehr erfolgreich arbeitet.
Ich schrieb es schon an anderer Stelle, wer sich mit seiner Neubauwohnung zufrieden gab und nichts weiter machte, der konnte sich wahrlich in der Wende nur schwer umstellen, wer allerdings schon vorher wühlte und ackerte, der war es zumindest gewohnt, selbst nun etwas auf die Beine zu stellen und loszulegen. So verstand ich auch Schnattchen


@Rüganer das hast du sehr gut verstanden und hier auch dargestellt. Ich erlebte es nach meiner Flucht genauso.In der DDR daran gewöhnt für alles und jedes ein Rezept vorgesetzt zu bekommen begriff ich sehr schnell dass hier eine andere Art herrschte Dinge, zu planen und durchzuführen. Ihc musste mich komplett neu orientieren und umstellen
Da kam keiner und nahm mich ans Händchen, Gert mach mal das oder das. Ich selbst war gefragt, etwas für mich zu tun.
Na ja, die DDR Bürger die in ihrem Plattenbau sitzen blieben und auf den großen Wohlstand warteten, sitzen heute noch da, schlimmstenfalls mit einer Hartz IV Versorgung. Das wird auch so bleiben.





Brav, wer so schreibt, hat immer seine B...-Zeitung gelesen und den damit erworbenen Horizont über 25 Jahre bewahren können. Respekt!

Gruß Reiner



ja das selbe dümmliche Argument, wie es hier schon zig mal dargeboten wurde. Du gehörst offenbar auch zu den ND + JW Lesern des Forums die in den letzten 25 Jahren nichts dazu gelernt haben und ihre Vorurteile pflegen. Weil selbst nichts zustande gebracht wurde, wird diese Nummer immer wieder abgespielt. Immer sind die anderen Schuld.


Verstehe einfach nicht warum Du mich so anfauchst, ich bin das doch gar nicht wert.

Ich mache mir jetzt ein West-Bier, geht auf Deine Rechnung, auf. Die zweite Bierrunde, Ost-Bier, geht dann auf mich. Prost.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#668

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 18:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von der glatte im Beitrag #667
Zitat von Gert im Beitrag #664
Zitat von der glatte im Beitrag #657
Zitat von Gert im Beitrag #648
Zitat von Rüganer im Beitrag #646
Nehmt doch einfach mal ein praktisches Beispiel für diese These:

War wohl auch ein Mentalitätsproblem.
Der DDR Bürger wurde nicht zum kühnen Chancenergreifer erzogen, sondern eher zum Warteschlangennörgler und Anweisungsempfänger.
Das ist sicher manchem nach der Kehre zum Verhängnis geworden.
Die flexibelsten waren oft die ehemalige Betriebsleiter und Direktoren, die schnell in der neuen Gesellschaftsordnung ankamen.
Zitat: Schnatterinchen
Ich war zur Wendezeit Technischer Leiter in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb,
es war doch eindeutig abzusehen, dass diese Strukturen den Bach herunter gehen werden. Also musste man sich doch auf dass besinnen, was man konnte und irgend etwas aus dem, was man hatte, machen. Wir haben dann angefangen, Wasserleitungen in Eigenheimen zu installieren, haben uns dem Wasserversorger angedient und bauten in mehreren Gemeinden Wasseruhren ein und nach und nach nabelten wir uns von der eigentlichen Tätigkeit für den Mutterbetrieb ab und letztendlich entstand dann eine eigene Firma daraus. Mit dem letzten Geld meiner Familie und der Belastung unseres Eigenheimes.
Ich hätte auch meine Füße stillhalten können und darauf warten, dass irgendwann einmal das Arbeitsamt mir eine Maßnahme vermittelt oder einen Job bringt.
Und ich verstand Schnattchen so, dass gerade die Leute, die irgendwie schon immer die sogenannten „Macher“ gewesen sind, dass die heute auch wieder obenauf sind und bestätige diese, seine Meinung.
Der ehemalige Betriebsleiter führte erfolgreich den Kernteil des Betriebes weiter, paar Dörfer weiter wurde ein Direktor Wiedereinrichter und pachtete sich Land hinzu, Brigadiere wurden Betriebsleiter neuer Landwirtschaftsbetriebe, mein Betrieb ist zur Miete in einem Unternehmen, was durch Betriebsleiter, Buchhalterin, Produktionsdirektor und Technischen Leiter in eine GmbH überführt wurde und heute sehr erfolgreich arbeitet.
Ich schrieb es schon an anderer Stelle, wer sich mit seiner Neubauwohnung zufrieden gab und nichts weiter machte, der konnte sich wahrlich in der Wende nur schwer umstellen, wer allerdings schon vorher wühlte und ackerte, der war es zumindest gewohnt, selbst nun etwas auf die Beine zu stellen und loszulegen. So verstand ich auch Schnattchen


@Rüganer das hast du sehr gut verstanden und hier auch dargestellt. Ich erlebte es nach meiner Flucht genauso.In der DDR daran gewöhnt für alles und jedes ein Rezept vorgesetzt zu bekommen begriff ich sehr schnell dass hier eine andere Art herrschte Dinge, zu planen und durchzuführen. Ihc musste mich komplett neu orientieren und umstellen
Da kam keiner und nahm mich ans Händchen, Gert mach mal das oder das. Ich selbst war gefragt, etwas für mich zu tun.
Na ja, die DDR Bürger die in ihrem Plattenbau sitzen blieben und auf den großen Wohlstand warteten, sitzen heute noch da, schlimmstenfalls mit einer Hartz IV Versorgung. Das wird auch so bleiben.





Brav, wer so schreibt, hat immer seine B...-Zeitung gelesen und den damit erworbenen Horizont über 25 Jahre bewahren können. Respekt!

Gruß Reiner



ja das selbe dümmliche Argument, wie es hier schon zig mal dargeboten wurde. Du gehörst offenbar auch zu den ND + JW Lesern des Forums die in den letzten 25 Jahren nichts dazu gelernt haben und ihre Vorurteile pflegen. Weil selbst nichts zustande gebracht wurde, wird diese Nummer immer wieder abgespielt. Immer sind die anderen Schuld.


Verstehe einfach nicht warum Du mich so anfauchst, ich bin das doch gar nicht wert.

Ich mache mir jetzt ein West-Bier, geht auf Deine Rechnung, auf. Die zweite Bierrunde, Ost-Bier, geht dann auf mich. Prost.

Gruß Reiner


Verschlucke Dich nicht und trinke mit Verstand.
MfG.Rei.


nach oben springen

#669

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 18:59
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von der glatte im Beitrag #655
Zitat von Sicherheitsrisiko im Beitrag #632
Ich würde denken ja @seaman denn jeder hatte doch die Chance sich neu zu orientieren, sich weiterzubilden, sich einen neuen Job zu suchen und und und. Sicher hatten es nicht alle gleich leicht, aber die grundsätzliche Möglichkeit hatte wohl jeder.

Der Vater von einem Kumpel war bis zur Wende beim MfS, und selbst der hat wieder einen Job bekommen und hatte sich nicht aufgegeben. Leider auch nur für einen schmalen Lohn in einer Stasi Firma (Wachdienst) aber immerhin. Ich kenne zwar auch andere Fälle, aber dann lag es meist daran dass man nichts neues anfangen wollte und umziehen dorthin wo es Arbeit gab schon gleich gar nicht.


Was soll den das nun wieder???

Der ewige Prügelknabe wird einmal wieder aus der Tasche geholt. Es ist einfach köstlich, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen.

Gruß Reiner

Es gab dann wohl nur Wachdienste unter Stasi Führung???
Hier klemmt die Säge,die meisten Sicherheitsfirmen kamen aus den Alten Bundesländern,sie zahlten hier die miesen Löhne,denn sie wussten genau,das es im Osten sehr wenig Arbeit gab und viele eine Arbeit suchten.In den alten Bundesländern würde doch keiner für den miesen Lohn arbeiten.
Gruß Rei


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#670

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 19:13
von damals wars | 12.175 Beiträge

Ja,wenn die Enten nicht immer in den Teich gesch..... hätten, wäre der Teich auch nicht trübe geworden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#671

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 19:17
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Zu kleine und stehende Gewässer kippen gerne Hubert.


nach oben springen

#672

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 19:23
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #664
Zitat von der glatte im Beitrag #657
Zitat von Gert im Beitrag #648
Zitat von Rüganer im Beitrag #646
Nehmt doch einfach mal ein praktisches Beispiel für diese These:

War wohl auch ein Mentalitätsproblem.
Der DDR Bürger wurde nicht zum kühnen Chancenergreifer erzogen, sondern eher zum Warteschlangennörgler und Anweisungsempfänger.
Das ist sicher manchem nach der Kehre zum Verhängnis geworden.
Die flexibelsten waren oft die ehemalige Betriebsleiter und Direktoren, die schnell in der neuen Gesellschaftsordnung ankamen.
Zitat: Schnatterinchen
Ich war zur Wendezeit Technischer Leiter in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb,
es war doch eindeutig abzusehen, dass diese Strukturen den Bach herunter gehen werden. Also musste man sich doch auf dass besinnen, was man konnte und irgend etwas aus dem, was man hatte, machen. Wir haben dann angefangen, Wasserleitungen in Eigenheimen zu installieren, haben uns dem Wasserversorger angedient und bauten in mehreren Gemeinden Wasseruhren ein und nach und nach nabelten wir uns von der eigentlichen Tätigkeit für den Mutterbetrieb ab und letztendlich entstand dann eine eigene Firma daraus. Mit dem letzten Geld meiner Familie und der Belastung unseres Eigenheimes.
Ich hätte auch meine Füße stillhalten können und darauf warten, dass irgendwann einmal das Arbeitsamt mir eine Maßnahme vermittelt oder einen Job bringt.
Und ich verstand Schnattchen so, dass gerade die Leute, die irgendwie schon immer die sogenannten „Macher“ gewesen sind, dass die heute auch wieder obenauf sind und bestätige diese, seine Meinung.
Der ehemalige Betriebsleiter führte erfolgreich den Kernteil des Betriebes weiter, paar Dörfer weiter wurde ein Direktor Wiedereinrichter und pachtete sich Land hinzu, Brigadiere wurden Betriebsleiter neuer Landwirtschaftsbetriebe, mein Betrieb ist zur Miete in einem Unternehmen, was durch Betriebsleiter, Buchhalterin, Produktionsdirektor und Technischen Leiter in eine GmbH überführt wurde und heute sehr erfolgreich arbeitet.
Ich schrieb es schon an anderer Stelle, wer sich mit seiner Neubauwohnung zufrieden gab und nichts weiter machte, der konnte sich wahrlich in der Wende nur schwer umstellen, wer allerdings schon vorher wühlte und ackerte, der war es zumindest gewohnt, selbst nun etwas auf die Beine zu stellen und loszulegen. So verstand ich auch Schnattchen


@Rüganer das hast du sehr gut verstanden und hier auch dargestellt. Ich erlebte es nach meiner Flucht genauso.In der DDR daran gewöhnt für alles und jedes ein Rezept vorgesetzt zu bekommen begriff ich sehr schnell dass hier eine andere Art herrschte Dinge, zu planen und durchzuführen. Ihc musste mich komplett neu orientieren und umstellen
Da kam keiner und nahm mich ans Händchen, Gert mach mal das oder das. Ich selbst war gefragt, etwas für mich zu tun.
Na ja, die DDR Bürger die in ihrem Plattenbau sitzen blieben und auf den großen Wohlstand warteten, sitzen heute noch da, schlimmstenfalls mit einer Hartz IV Versorgung. Das wird auch so bleiben.





Brav, wer so schreibt, hat immer seine B...-Zeitung gelesen und den damit erworbenen Horizont über 25 Jahre bewahren können. Respekt!

Gruß Reiner



ja das selbe dümmliche Argument, wie es hier schon zig mal dargeboten wurde. Du gehörst offenbar auch zu den ND + JW Lesern des Forums die in den letzten 25 Jahren nichts dazu gelernt haben und ihre Vorurteile pflegen. Weil selbst nichts zustande gebracht wurde, wird diese Nummer immer wieder abgespielt. Immer sind die anderen Schuld.


Grün: Na, Gert, die Du da beschreibst, gibt es auch auf der anderen Seite. Eine Familie, mit der wir mal eine verkehrten, da kam nur Gejammere, weil er keinen Job fand in seinem erlernten Beruf. War mal kurzzeitig selbständig, aber wohl wenig erfolgreich. Kurz, man konnte sich vor allem mit ihm kaum mehr vernünftig unterhalten. Bei ihm war das halbvolle Glas immer schon um 3/4 leer. Und wem gab er die Schuld für seine Missere ? Natürlich, den Kommunisten. Wenn der damals schon gewußt hätte, daß er mit einer roten Socke beim Kaffee saß. Habe es aber vermieden, ihm dauernd Kontra zu geben, eher, wenn möglich, Tips für Neustart. Kann mich nicht erinnern, daß er mal bei den Treffen herzlich gelacht hatte. Immer nur Mißmut, ein Jammerossi, wie er im Buche stand.



nach oben springen

#673

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 19:42
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #644
Ja, da kann man leicht den Überblick verlieren.
Es geht um die kleine DDR, mit dem für ihre Bürger eingeschränkten Blick in die Welt.


Wer einen erweiteren Horizont wollte, hat sich auch informieren können. Klar nicht durch westliche Printmedien, aber die waren auch nicht der einzige Weg. Das hieß aber, beim ZDF und ARD nicht nur die Western angucken, sondern auch die Sendungen zu Politik, Wirtschaft und Soziales, die es zweifelsfrei gab und die nicht nur von der DDR handelten, sondern von den Zuständen im eigenen Land, der alten BRD. Meist vom 3. Programm. Gut, Tal der Ahnungslosen mal ausgeklammert. Es gab aber auch hier in der DDR periodisch erscheinende Literatur (Horizont, "Was und Wie", Illustrierte historische Hefte (habe 24 Ausgaben davon), wissenschaftliche Literatur (Wissenschaft und Fortschritt" und Anderes. Man muße aber eben mal den Hintern heben, zum Kiosk gehen oder in die Bibo, sich dafür interessieren und auch mal ein paar Mark für ein Abo ausgeben und, natürlich, über den logischen Menschenverstand nicht nur zu verfügen, sondern ihn auch zu gebrauchen, um auch zwischen den Zeilen zu lesen. Was mich betrifft, hat mir das neue gesellschaftliche System wenig Überraschungen beschert. So etwa hatte ich es vorher auch eingeschätzt und wußte in etwa, was auf mich und meine Ost-Landsleute zukommt. Es waren eher die Nebensächlichkeiten, über die ich etwas überrascht war.



nach oben springen

#674

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 19:59
von FRITZE (gelöscht)
avatar

Es gab dann wohl nur Wachdienste unter Stasi Führung???
Hier klemmt die Säge,die meisten Sicherheitsfirmen kamen aus den Alten Bundesländern,sie zahlten hier die miesen Löhne,denn sie wussten genau,das es im Osten sehr wenig Arbeit gab und viele eine Arbeit suchten.In den alten Bundesländern würde doch keiner für den miesen Lohn arbeiten.
Gruß Rei


So habe ich es auch in Erinnerung ! Und die Arbeitgeber aus dem Westen nahmen die gedienten Leute gerne !


zuletzt bearbeitet 14.10.2014 19:59 | nach oben springen

#675

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 20:00
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #651
Zitat von DoreHolm im Beitrag #649


Schattchen, da machst Du es Dir etwas zu einfach. Nicht die besseren Konatkte waren es vorrangig, sondern auch das höhere Wissen in Technik, Naturwissenschaften und Ökonomie. Ein Ökonomiestudium (meist Ing.-Ökonom) beinhaltete stehts auch die ökonomie des Kapitalismus und da weiß man eben, wie der Hase in der neuen Zeit läuft. Und sich diese Fähigkeiten und Kennnisse rechtzeitig anzueignen, lag ganz allein bei jedem Einzelnen. Auch die Bereitschaft, mitunter unbequeme Änderungen in seiner Lebensführung und dem Familieleben zu akzeptieren. In unserer Firma gab es einen Lagerarbeiter, der absolut nicht bereit war, innerhalb der Firma eine anderen Arbeitsplatz zu betreuen. Resultat: Kündigung. Seine Frau, die auch in unserer Firma in der Verwaltung arbeitete, traf ich einmal und sie konnte absolut nicht verstehen, daß ich rote Socke noch in Lohn und Brot stehe, einen neutralen Firmenwagen auch für Privatnutzung habe und überall in Deutschland rumkomme, gutes Geld verdiente und mich auf Messen beim Geschäftsessen den Bauch vollschlug. Da war für diese kollegin völlig nebensächlich, daß auch ich mein Leben radikal umstellen mußte. "Wir bauen einen Außendienst auf und Du gehst in den Außendienst" höre ich noch heute meine Chef so um den Wechsel 1989/90 sagen. Da gab es für mich kein Herummaulen, auch wenn es für meine Frau erst mal schwer zu verkraften war, fast die ganze Woche allein zu sein. Gerade Außendienst, eine Tätigkeit, für die Unternehmen nicht so einfach geeignete und engagierte Leute finden.



Sehr gutes Beispiel dafür, dass man sich "bewegen" musste und auch mal etwas Unangenehmes in Kauf zu nehmen hatte. Kein Herummaulen, wie Dore es so treffend beschreibt.
Ich will nicht bestreiten, dass es Tausende gegeben haben kann, die sich zum Arbeitsamt bewegten und dort auf solche Dinge wie ABM und Weiterbildung hofften und letztendlich an der Unfähigkeit dieser Leute verzweifelten, etwas wirklich festes für die Tausende beschaffen zu können. Andererseits, ich suche einen Kraftfahrer, der Ortskenntnisse besitzt, mitunter auch 40 Säcke zu 25kg von Hand abladen muss und der einen Doppelnippel von einer Muffe unterscheiden kann..... werde ich den über das Arbeitsamt finden? Ich bezweifle es, besagt jedenfalls meine nunmehr 24-jährige Erfahrung..


Lila: Da gebe ich Dir natürlich Recht. Ich hatte das Glück, in der richtigen Firma zu arbeiten (Schweizer Konzern hat uns übernommen), die richtigen Kenntnisse zu haben und eben flexibel zu sein. War dann der erste und einzige ADM für ein halbes Jahr für sämliche Branchen, die unsere Produkte einsetzten (alles was Boden-Wand-Decke betrifft), Schuh- und Lederwaren, Polstermöbel, Heimwerker u.a. Dann kamen weitere ADM dazu, sodaß eine gewisse Spezialisierung einsetzte. Bei einem dieser Neuen bekam ich sehr schnell mit, daß er sich mit Kunden und technischen Fragen befasste, die eigentlich mein Gebiet betrafen. Den Zahn, an meinem Stuhl zu sägen, habe ich ihm in einem sehr deutlichen Gespräch schnell gezogen. Ich habe schon wenige Jahre nach der Wende immer gesagt, daß es Leute mit viel mehr in der Birne gibt als ich verfüge, die lediglich das Pech hatten, in der flaschen Firma zu arbeiten oder die falsche, da nicht benötigte Ausbildung zu haben. Wenn ich auf die anderen Firmen schaue, in denen ich vorher gearbeitet habe, hätte auch ich beim AA landen Können. 1. Leuna-Werke. Da war ich Anlagenfahrer (Chemiefacharbeiter). Die gibt es noch, auch die Anlage, wo ich arbeitet (HD-Polyethylen). 2. Kühlschrankbau (Gewerbe-Kühlschrä
nke) in EF-Nord: plattgemacht. 3. Chema Rudisleben, als Kranfahrer mit Option Ausbildung zum Luft- und Kältetechniker. Gibt es noch, weiß aber nicht, in welchem Umfang produziert wird und 4. eben mein letzter Betrieb, bei dem ich über einige Jahre Produktion hängen blieb.



zuletzt bearbeitet 14.10.2014 20:02 | nach oben springen

#676

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 20:13
von utkieker | 2.922 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #663
Naja , die Umstrukturierung der ehemaligen DDR war wohl eher ein Überstülpen der bundesdeutschen Gesetzgebung über die erschrockenen Ossis.
Kürzlich hörte ich irgendwo einen Vergleich, in dem wurde die DDR mit einem Wassertümpel ohne Frischwasserzufuhr verglichen, der nach einer gewissen Zeit unweigerlich anfängt zu stinken.
Das zweite Problem , das Wasser im Tümpel wurde trübe und seine Bewohner konnten sehr schlecht sehen was ausserhalb vorsich ging.
Das meinte ich mit dem eingeschränkten Blick.

Die üblen Gerüche eines Tümpels mögen wohl so manchen angestunken haben, @schnatterinchen. Und wer im Trüben taucht dem ist die Sicht tatsächlich versperrt. Aber ich habe schwimmen gelernt und nicht mal schlecht, hatte somit freie Sicht zum rettenden Ufer. Nun ja für Manchen war die Bildung doch nicht umsonst, sondern kostenlos. So wie ich, hatten genügend DDR- Bürger es gelernt ihren Kopf über Wasser zu halten.
Aber es soll ja immer noch Leute geben, die den Bademeister vertrauen, welcher sich nur deswegen über Wasser halten kann, weil er über aufgeplusterte Schwimmärmel verfügt und uns erklären möchte, daß das Wasser azurblau ist, obwohl wir uns aus der Jauche selbst befreit haben.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
nach oben springen

#677

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 20:35
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Gert im Beitrag #648
Zitat von Rüganer im Beitrag #646
Nehmt doch einfach mal ein praktisches Beispiel für diese These:

War wohl auch ein Mentalitätsproblem.
Der DDR Bürger wurde nicht zum kühnen Chancenergreifer erzogen, sondern eher zum Warteschlangennörgler und Anweisungsempfänger.
Das ist sicher manchem nach der Kehre zum Verhängnis geworden.
Die flexibelsten waren oft die ehemalige Betriebsleiter und Direktoren, die schnell in der neuen Gesellschaftsordnung ankamen.
Zitat: Schnatterinchen
Ich war zur Wendezeit Technischer Leiter in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb,
es war doch eindeutig abzusehen, dass diese Strukturen den Bach herunter gehen werden. Also musste man sich doch auf dass besinnen, was man konnte und irgend etwas aus dem, was man hatte, machen. Wir haben dann angefangen, Wasserleitungen in Eigenheimen zu installieren, haben uns dem Wasserversorger angedient und bauten in mehreren Gemeinden Wasseruhren ein und nach und nach nabelten wir uns von der eigentlichen Tätigkeit für den Mutterbetrieb ab und letztendlich entstand dann eine eigene Firma daraus. Mit dem letzten Geld meiner Familie und der Belastung unseres Eigenheimes.
Ich hätte auch meine Füße stillhalten können und darauf warten, dass irgendwann einmal das Arbeitsamt mir eine Maßnahme vermittelt oder einen Job bringt.
Und ich verstand Schnattchen so, dass gerade die Leute, die irgendwie schon immer die sogenannten „Macher“ gewesen sind, dass die heute auch wieder obenauf sind und bestätige diese, seine Meinung.
Der ehemalige Betriebsleiter führte erfolgreich den Kernteil des Betriebes weiter, paar Dörfer weiter wurde ein Direktor Wiedereinrichter und pachtete sich Land hinzu, Brigadiere wurden Betriebsleiter neuer Landwirtschaftsbetriebe, mein Betrieb ist zur Miete in einem Unternehmen, was durch Betriebsleiter, Buchhalterin, Produktionsdirektor und Technischen Leiter in eine GmbH überführt wurde und heute sehr erfolgreich arbeitet.
Ich schrieb es schon an anderer Stelle, wer sich mit seiner Neubauwohnung zufrieden gab und nichts weiter machte, der konnte sich wahrlich in der Wende nur schwer umstellen, wer allerdings schon vorher wühlte und ackerte, der war es zumindest gewohnt, selbst nun etwas auf die Beine zu stellen und loszulegen. So verstand ich auch Schnattchen


@Rüganer das hast du sehr gut verstanden und hier auch dargestellt. Ich erlebte es nach meiner Flucht genauso.In der DDR daran gewöhnt für alles und jedes ein Rezept vorgesetzt zu bekommen begriff ich sehr schnell dass hier eine andere Art herrschte Dinge, zu planen und durchzuführen. Ihc musste mich komplett neu orientieren und umstellen
Da kam keiner und nahm mich ans Händchen, Gert mach mal das oder das. Ich selbst war gefragt, etwas für mich zu tun.
Na ja, die DDR Bürger die in ihrem Plattenbau sitzen blieben und auf den großen Wohlstand warteten, sitzen heute noch da, schlimmstenfalls mit einer Hartz IV Versorgung. Das wird auch so bleiben.




Ich frage Dich mal,was Du gegen die Plattenbauten im Osten hast????Komme mal nach Dresden und schau Dir Plattenbauten an,was aus ihnen geworden ist.Dann fallen Dir wahrscheinlich die Augen raus,über das Aussehen und den Mietpreisen und die Innenausstattung.
Als Du abgehauen bist,waren auch noch andere Verhältnisse im Westen.Schau Dir mal,die Plattenbauten bei Euch an,dann komm ich mir wirklich vor wie in der tiefsten DDR Zeit.
Eigentlich ist es schon für mich eine Beleidigung,wer heute in einer Platte wohnt,so wie Du es darstellst,sind es fast alle Hartz IV Bezieher.
Mich hat niemand an die Hand genommen und gebratene Tauben sind mir auch nicht zu geflogen.
Gruß Rei


nach oben springen

#678

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 21:32
von Rüganer (gelöscht)
avatar

@ rei

Und ich weiß nicht, warum du dieses Synomym nicht begreifst, mit dem ich in #646 angefangen habe und was @Gert nur aufgegriffen hat.
kann es sein, dass hier das Sprichwort von den getroffenen Hunden zutrifft und du in einer solchen Neubauwohnung wohnst?
Noch einmal für dich zum Verstehen:
Ich behaupte, diejenigen, die sich zu DDR - Zeiten ein Eigenheim gebaut haben und nicht mit der Neubauwohnung zufrieden gewesen sind, die haben sich "bewegen" müssen, die haben geschachert und geschoben, die haben meinetwegen auch "sozialistisch umgelagert", jedenfalls sind sie nicht dem Phlegma verfallen. All dieses war auch notwendig, um in den Wirren der Wende erfolgreich etwas für den Neuanfang zu tun und dies auch dauerhaft zu halten.
Derjenige, der nur in der WBS 70 Wohnung und ähnlichem saß und solch "Bewegung" nicht gewohnt war, sie gar nicht kannte, der hatte eben Pech. Und @Gert hat es nur noch kommentiert. Und nun schau dir mal die Typen an, die in Lichtenhagen (Rostock) damals mit der Bierflasche und den eingenässten Trainingshosen dem Brandschatzen des Asyls zugesehen haben.... Fällt dir was auf? Wohnten die da in diesen Platten?
Es geht nicht darum dass die Neubauwohnungen inzwischen bunt angestrichen sind und Fahrstühle haben... Dies wäre ein Nebenkriegsschauplatz...


nach oben springen

#679

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 21:54
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wer zu DDR Zeiten selbst genutztes Wohneigentum hatte, musste alle Register ziehen um die Substanz unterhalten zu können. Wer Häuser oder Wohnungen vermietet hat konnte von den Mieteinnahmen nicht mal die notwendigsten Unterhaltungen finanzieren, geschweige denn richtig sanieren oder gar Gewinn erwirtschaften. Wer als Mieter gewohnt hat, hat selbst nach offizieller Lesart nur ca. 1/3 der realen Kosten an Miete gezahlt. Deswegen waren die vermieteten Privathäuser so marode und die Platte eine Wundertüte für die Mieter.

Der Hesselfuchs


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#680

RE: Fragen über Fragen zum Leben in der DDR

in Leben in der DDR 14.10.2014 22:22
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Ja und auch dies war das reale Leben in der DDR.... Mieten so gering, dass der Vermieter nicht die anfallenden Kosten für die Werterhaltung des Hauses aus diesen Mieten generieren konnte... Woher sollte der für das alte Haus denn eine neue Holztreppe bekommen? Baumärkte gab es nicht, polnische Anbieter auch nicht. Getrocknete Holz? Irrtum.... Farbe? in DDR Qualität kam man an die schon ran, aber dann? Und wer reparierte das Abflussrohr?
Schon wären wir wieder bei der Diskussion um Nachbarschaftshilfe, "umgelagertes" Material usw.
Leben in der DDR: meine Mutter hatte die Möglichkeit, um 1974 ihr Haus an die Wasserversorgung anschließen zu lassen. Die nahm eine Feierabendbrigade vor, offiziell von der Gemeinde angestellt. Aber was nach dem Hauseingang erfolgte, blieb im Dunklen, war nicht vorgesehen.
Woher Badewanne nehmen, woher Kohlebadeofen, woher Waschbecken, Toilette, Spülkasten?
Nichts zu bekommen, hier oben. Der Mitarbeiter der Installationsfirma in Bergen, unserer Kreisstadt, hatte angeblich nichts. Zum Glück machte meine Mutter unter anderen auch die Buchhaltung für den Gärtner hier im Ort und der "erpresste" dann den Installateur: ohne Herausrücken dieses Materials keine Blumen zum Frauentag und keine ersten Tomaten... so in dieser Art und Weise.
Die Badewanne kam von der Schulfreundin meiner Mutter, die in der Einkaufs- u. Liefergenossenschaft Metall arbeitete. Den Kohlebadeofen konnte ich in Neuruppin kaufen und fuhr ihn nach Rügen, installiert habe ich dann auch alleine. Als ein Doppelnippel fehlte, habe ich mir Gewinde geschnitten, mit einer geborgten Kluppe von der LPG und die Gewinde dann an eine Mutter geschweißt. habe ich nach der Wende sofort rausgerissen und durch Kupfer ersetzt. Leben in der DDR...
In 30 Jahren werden alle denken, das Leben in der DDR wäre nur toll gewesen oder hätte in politischer - ich bin dafür / ich bin dagegen - Denke bestanden. Diesen anderen Scheiß, wie man sich durch diese Mangelwirtschaft kämpfen musste, wenn man eben mehr als eine Wohnung haben wollte, wird in Zeiten von Zalando und Online - Einkauf nicht mehr in den Köpfen der Menschen präsent sein. Leider...


Hapedi und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen



Besucher
6 Mitglieder und 36 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Andre Lambert
Besucherzähler
Heute waren 110 Gäste und 17 Mitglieder, gestern 3660 Gäste und 197 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14371 Themen und 558171 Beiträge.

Heute waren 17 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen