#21

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 18.04.2010 21:09
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Jörg, der Mann, der Schnur hat doch ein bewegtes Leben hinter sich. Er stand, er fiel, er ist geläutert. Wohl dem, der sagen kann: " So war mein Leben".
Der Otto Normalo zwischen Schicht bei Volkswagen, Eigenheim, Fussball, Bier auf der Couch und einmal in der Woche Geschlechtsverkeht, immer Sonntag früh, dessen Leben ist doch langweilig gegen Schnur seines.
Der hat wenigstens ein Ziel und als Untertan würde ich ihn nicht bezeichnen, eher als tragische Figur, der sich und seine Fähigkeiten einfach überschätzt hatte.
Mit dem Grundstück, da war er clever und mal sehen, ob er sich da herauswinden kann...zumal dieser unser Staat so gute Möglichkeiten bietet.
Untertan, nein, würde ich nicht so sehen.

R-M-R


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#22

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 17:56
von turmwache (gelöscht)
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Icke + rostocker

Rosen für den Staatsanwalt - krasser Film, ein Landser der Wehrmacht - und später dann nach dem Krieg steht wieder vor dem gleichen Richter wenn ich mich recht erinnere.ich wurde hier kritisiert, daß ich über den ideologische Tellerrand hinausblicken soll.
ich verstehe ja , das so wer im westen zur Schule ging brauchte sich mit diesen Fakten nicht herumschlagen oder durfte es vielleicht garnicht, hatte einfach Angst in die kommunistische Ecke gestellt zu werden.
es war doch an der Tagesordnung, daß bis ins Auswärtige Amt der BRD Nazis saßen und sich gegenseitig deckten, auch in der BW der Generalinspekteurs der Bundeswehr General Heinz Trettner hat Kriegsverbrechen begangen - Bombardierung von Rotterdam.Oder die "Mölders" Namensverleihungen - hat man erst vor wenigen Jahren korrigieren wollen oder müssen.Sogar die SPD hat sich gegen die Namensrücknahme enthalten.
TW


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#23

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 18:00
von karl143 (gelöscht)
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Du bist also der Meinung, das in der DDR Nazis keine Karriere gemacht haben?

http://idw-online.de/pages/de/news348357


zuletzt bearbeitet 19.04.2010 18:02 | nach oben springen

#24

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 18:21
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Karl, das hatten wir doch schon alles einmal hier in einem anderen Fred, das mit den Altnazis in der DDR und wenn mich nicht alles täuscht, wurde in dem Fred eindeutig klargestellt, das es eben keine direkten Kriegsverbrecher waren, siehe Vorgesetzte der SD- Einsatzgruppen und anderes schlimmes Kaliber.
Im Gegensatz eben zum schönen Westen.
Logisch, das der...ich nenne ihn einmal den Schreibtischtäter, natürlich nicht gerade den, der Massenvernichtung plante, sondern ganz andere Ecken betreute, eine zweite Chance verdient hatte. Das ist und wäre heute nicht viel Anders, also der Mann vom MfS, so Feliks oder Gilbert wollen die Kanzlerin ablösen, also sollen sie sich wählen lassen.Hätte ich absolud nichts dagegen, nur Turtle, mein Freund Peter muss dann Regierungssprecher werden, der Fairnis halber und ich werde Kassierer, nein besser, ich werde oberster Richter im Staate Deutschland.
Meine Stimme haben sie schon mal...siehe diese zweite Chance. Und schauen wir doch mal in den alten Fred, was da schon geschrieben stand, aber ich weiß, wir haben mittlerweile Suchprobleme, weil das Forum schon ein wandelndes Lexikon ist.

R-M-R


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#25

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 18:23
von karl143 (gelöscht)
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@ RM,
ich weiß das wir das schon hatten. Aber ich lasse auch nicht die gegenteilige Meinung hier unbeantwortet stehen. Das würde für mich bedeuten, sie stimme. Und das tut sie nicht.
Auch in der DDR waren ranghohe Nazis später in der Verwaltung usw.
Da sollte man so etwas nicht behaupten. Es war nicht das vorbildliche Land als das es sich ausgab.


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#26

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 18:28
von Rüganer (gelöscht)
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@RMR, Karl lässt da in dieser Hinsicht nichts durchgehen...


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#27

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 18:36
von turmwache (gelöscht)
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Nein, das auf keinen Fall, nur hier hat von Anfang an die Rote Armee dafür gesorgt, daß diesen Leuten der Zugang verwehrt wurde
Im Westen war es aber Programm, dort war man unter sich.
Wir hatten daß sehr oft in Schulen, Medien usw. behandelt bekommen - nur hat es uns nicht interessiert, wer da drüben wo saß.Bei uns ging es darum wo kriegst de was.
Jedoch blieb das eine oder andere haften in der Erinnerung u. wenn ich heute dann mal nachgoogle dann ist das Bild viel objektiver als aus der Erinnerung und Zusammenhänge tun sich auf.
Zum Forum "DDR-Grenze" bin ich durch googlen über die Brücke über die Elbe bei Tangermünde gekommen.
Will es nochmal wiederholen, wir die kleinen Leute bzw die Generation unserer Väter,uns hat man den Finger an den Abzug der MP oder Haubitze legen lassen. Nur die Befehlshaber sind in der Regel schon immer gestärkt daraus hervorgegangen.Zu Trettner habe ich eine Dokumentation, auch zum Luftkrieg von Groehler
Jetzt gibt es die DDR nicht mehr, aber die Nachwehen (Mölders)(Division Edelweiß - Stoiber) wirken bis in die vergangenen Jahre und ob NATO-Verbündete oder andere anliegenden Länder - wir werden an zweierlei Maß gemessen: offiziell und inoffiziell.
Wenn bei uns die Regulierer der Roten Armee an Kreuzungen standen - wir wußten außer Zuckerstücken und harten schwarzen brot hatten die manchmal nichts - oft wurde ihnen zugesteckt.

Die Westalliierten haben drüben genauso die Chance gegeben, zumindestens zu Anfang.

Weißte ich bin kein Pazifist und daß ich nicht freiwillig zu Grenze oder längerdienend gegangen bin habe ich der Erziehung, in Form von Erlebnisberichten, in erster Linie meinen Eltern zu verdanken, die diesseits und jenseits der Elbe wenige Kilometer voneinander entfern,in den Kriegsjahren groß geworden sind.
Ein DDR-Widerstanskämpfer war ich nicht und zur Reserve konnte ich 2 x tricksen.
TW


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#28

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 19:09
von karl143 (gelöscht)
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@ Turmwache,
der Anteil der Altnazis, und hier sind nicht die Parteigänger aufgeführt, sondern schon höhere Kaliber, im Land S-A im Jahre 1947: Beispiel.: Land Sachsen-Anhalt, Stand 31. Januar 1947, NSDAP-Anteil in %: Volksbildung: 0,2; Polizei: 0,8; Gesundheitswesen: 25,0; Industrie: 10,0; Postwesen: 17,1; Justiz/Gerichte/Staatsanwaltschaft: 6,0 usw.

Im Jahre 1965 waren so noch 53 Alt-Nazis Abgeordnete der Volkskammer, 12 Mitglieder und Kandidaten des ZK der SED, 2 Mitglieder des Staatsrates der DDR und 5 besaßen Landesministerposten. Etliche Alt-Nazis halfen beim Aufbau der "Volkspolizei" und der NVA. In den Medien besaßen sie großen Einfluß. Sie bekleideten die Stellungen von Chefredakteuren und bildeten z.B. in den Redaktionen des "Neuen Deutschland" und der "Deutschen Außenpolitik" eigene Arbeitsgruppen. In all diesen "roten" Institutionen ließen sich Nazis finden, dort gab es ehemalige SS-Mitglieder, SA-Führer, Vertrauensleute der Gestapo, Angehörige von Propagandakompanien, Mitarbeiter des NS-Rundfunks, des "Völkischen Beobachters", des "Schwarzen Korps", Beamte des Propagandaministeriums, Mitglieder des "SS-Rasse und Siedlungs-Hauptamtes", Angehörige der "Legion Condor".

Du schreibst, in der Schule wurdet ihr darüber aufgeklärt, wieviele Nazis im Westen hochgekommen sind.
Die eigenen Probleme bei der Vergangenheitsbewältigung wurden dabei außer Acht gelassen. Ging ja auch prima, war ja alles gleichgeschaltet. Schule, Presse, und alle anderen Medien.


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#29

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 19:20
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Soll doch keiner so naiv sein anzunehmen,in seinem Land(also BRD und DDR)wären viele Schlüsselstellen in Politik und Wirtschaft nicht von Altnazis besetzt
worden sein.Fakt ist doch,diese Leute kammen weit,sehr weit und viele wussten um die Vergangenheit.



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#30

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 19:34
von turmwache (gelöscht)
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Paulus hatte in der SU an der Militärakademie und in der DDR offiziell unterrichtet und durfte eine Waffe tragen nur wenn er "rüber" gegangen wäre tja was wäre dann passiert von wem wäre er wohl ermordet worden.
Nazis die hier arbeiten wollten oder durften hatten sich absolut unterzuordnen und konnten nicht das Gedankengut der Nazis weiterführen.
Vielen hauten dank dieser Ungewißheit aber ab.
In der NVA war ja dieser preußisch-nationale Schliff auch noch drinn.(Wei ich ledig war 1978 und 85% Gefechtsbereitschaft gewährleistet sein mußten = 16 Wochen kein U+A nur Betonstraße und Plattenbauten in Lehnitz - innerhalb 45 min bei blaulicht war unser Regiment 1200 Mann bis auf die Wache geräunmt)Ich bin nicht stolz darauf für 80-120 Ostmark dabeigewesen zu sein.
Stolz wäre ich einen Beitrag zu leisten, daß die jungen Männer endlich nach Hause dürfen.
TW


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#31

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 19:35
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von karl143


Im Jahre 1965 waren so noch 53 Alt-Nazis Abgeordnete der Volkskammer, 12 Mitglieder und Kandidaten des ZK der SED, 2 Mitglieder des Staatsrates der DDR und 5 besaßen Landesministerposten.




Zumindest die Zahl mit den Landesministern kann nicht von 1965 sein - da gab es in der DDR keine Länder mehr - 1952 wurden die Länder aufgelöst und die Bezirksstruktur angelegt.

Gruss

icke



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#32

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 19.04.2010 23:59
von Sonny (gelöscht)
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Noch einmal zum "Untertan": Wir haben damals in der Schule erst das Buch gelesen und dann den Film gesehen.

Der Roman von Heinrich Mann ist sehr gut und lesenswert --- leider konnte sich der 1950 verstorbene Autor nicht mehr gegen den Mißbrauch seines Werkes für kommunistische Propaganda wehren

Der Spiegel bemerkte schon damals (1951) treffend:

Ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man läßt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen.

Der Film läßt vollständig außer acht, dass es in der ganzen preußischen Geschichte keinen Untertan gegeben hat, der so unfrei gewesen wäre, wie die volkseigenen Menschen unter Stalins Gesinnungspolizei es samt und sonders sind.


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#33

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 20.04.2010 00:11
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Sonny
Noch einmal zum "Untertan": Wir haben damals in der Schule erst das Buch gelesen und dann den Film gesehen.
...


Sonny,

dann bekommst Du nun doch den heißen Tipp von mir: Lies das Buch nochmal! Es bildet mehr als der Spiegel von 1951. Glaub mir!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#34

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 20.04.2010 11:15
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Haben wir beides, erst das Buch und auch den Film, schon 1953 in der 8. Klasse gesehen, waren sehr beeindruckt.
Buch und Film stehen in meiner Bibliothek.
Gruß H.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#35

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 20.04.2010 22:15
von Sonny (gelöscht)
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@ Rainman

Daß das Buch gut ist, habe ich ja selber gesagt.

Der Film bildet in gewisser Weise auch, das stimmt --- nur finde ich eben, daß er Inhalt und Intention des Buches verzerrt wiedergibt.

Ohnehin habe ich mit Publikationen aus der frühen DDR-Zeit so meine Probleme. Bei Sachen aus den 70er oder 80er Jahren ist es dagegen anders: Wenn sie nicht allzu politisch sind, dann können sie richtig gut sein; und wenn sie sehr politisch sind, dann sind sie zumindest lehrreich --- und gelegentlich auch erheiternd


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#36

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 10.11.2014 21:47
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Gast im Beitrag #20
Der Untertan, Ausgabe Ost

Er war so gierig auf die Macht, dass er seine Vergangenheit und die 33 Stasi-Ordner glatt vergaß. Darum fiel nach der Wende keiner tiefer als Wolfgang Schnur. "Ich wusste nicht mehr, dass die Akten existierten. Ich hatte Charisma, ich war doch künftiger Ministerpräsident", sagt er.

Wolfgang Schnur hat zusammen mit seinem Freund Rainer Eppelmann den Demokratischen Aufbruch gegründet, und Bundeskanzler Helmut Kohl sagt: "Ihm können Sie vertrauen." Und Schnur, ein kleiner Mann, ein bisschen verhuscht und ein wenig verklemmt, packt das Mikrofon. "40 Jahre ist unser Land ruiniert worden. Wir wollen nicht mehr Ruinen, wir wollen ein neues Aufbauwerk", schreit er.

"...ich habe gespürt, die Menschen wollen mich, sie lieben mich."

Schnur wohnt in jenem 2 Millionen-Prachtbau, den er für wenig Geld gekauft hat, nachdem er dem Besitzer "die Ausreise ermöglicht hatte", wie er den Vorgang nennt.

Weiter hier:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16044498.html

AZ




Erklärungen suchend um Antworten verständnisvoll begreifen zu können stolperte ich heute über obigen Link ... und tatsächlich, kurz geguggelt: war schonmal im Forum. Und sogar die Antwort auf die Frage nach dem Stiefelputz am Steg findet eine gängige Suchmaschine ... hier im Forum
(1. Treffer -> dieser Beitrag ... www.forum-ddr-grenze.de/t2258f98-.html#msg40572)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#37

RE: Der Untertan

in DDR Grenze Literatur 11.11.2014 15:42
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

In der DDR (wer will das nicht wissen) war politische Unterordnung unter die Staatsmacht mehr gefragt als heute. Staatsräson bringt Untertanen hervor.

Heute ist der Staat eher gleichgültig. Jedenfalls werden vom Normalbürger nicht mehr so dringend Bekenntnisse gefordert.
Heute wird eher "gemeckert", gerechtfertigt oder auch nicht.

Aktuell haben die Lockführer gezeigt, was heute möglich ist, auch gegen Staat, Wirtschaft und Allgemeinheit.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 11.11.2014 15:46 | nach oben springen



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