#21

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 00:32
von Lulatsch (gelöscht)
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OK, die heutige "Überallundjederzeiterreichbarkeit" ist eigentlich mitverantwortlich für die Misstände in der Gesellschaft. Nicht dass nur Arbeitgeber ausserhalb der Arbeitszeiten nerven, habe im Verein ein Jugendprojekt ehrenamtlich geleitet und konnte nur mit den Leutz arbeiten, nachdem alle Handys eingesammelt und im Blechspind neutralisiert waren.
Dass zu DDR Zeiten die Telefoner noch die Kontahte der Hebdrehwähler Bj. 1913 (Siemens&Halske)nachgeschliffen haben, habe ich 1978 selbst gesehen, auf den Schleifkontakten waren aber auch noch 8 mm Kupfer drauf- halt für Jahrhunderte gebaut.
Ja, dann hatte ich irgendwann ein Telefon, zwar als "aussenliegendes Betriebstelefon". Und kein Mensch verstand, warum er nicht mal gegen Bezahlung anrufen durfte...


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#22

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 11:51
von Anton | 156 Beiträge

Wenn man diesen Thread durchliest, bekommt man den Eindruck, daß das Defizit an nicht vorhandenen Telefonanschlüssen in der DDR allein der Tatsache geschuldet ist, daß nicht genügend Kupfer- oder andere Kabel verlegt waren. Dem ist ja nicht so. Das Defizit lag mehr in der nicht vorhandenen Vermittlungstechnik. Und die Vorhandene war auf dem Vorkriegsstand.
Ein neues Wohngebiet kann durchaus mit 100 Prozent Fernmeldekabeln ausgestattet sein. Aber wenn in der nächsten zuständigen Ortsvermittlungsstelle nur 5 bis 10 Prozent Vermittlungskapazität gegenüberstehen, können eben nicht mehr Fernsprechteilnehmer an dieser angeschlossen sein. Beispielsweise wurde in Magdeburg im Jahr 1993 aufgrund der Digitalisierung des Telefonnetzes eine analoge Ortsvermittlungsstelle außer Betrieb gesetzt, die ihre Einweihung im Jahr 1927 hatte. Und das ist auch nur ein Beispiel für die veraltete Struktur des DDR-Fernsprechnetzes.
Meine Hochachtung gilt den Mitarbeitern der damaligen DDR-Post, die solche veralteten Anlagen trotz fehlender Ersatz- oder neuer Technik am Laufen hielten. Treu nach dem Motto: "Wir machen aus Sch***e Bonbon!"

Übrigens: Die Telefonvorwahlen waren im Westen Deutschlands auch nicht immer und ewig einheitlich z. B. verkürzte Vorwahlen (vereinfachter Selbstwählferndienst) usw..
Erst im Zuge der Digitalisierung in den 80iger Jahren wurde das uns heute bekannte einheitliche System geschaffen.

VG
Anton



zuletzt bearbeitet 13.04.2010 13:03 | nach oben springen

#23

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 15:12
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von Anton

Übrigens: Die Telefonvorwahlen waren im Westen Deutschlands auch nicht immer und ewig einheitlich z. B. verkürzte Vorwahlen (vereinfachter Selbstwählferndienst) usw..
Erst im Zuge der Digitalisierung in den 80iger Jahren wurde das uns heute bekannte einheitliche System geschaffen.

VG
Anton



@ Hallo Anton,
die DDR hatte ja genauso wie die Bundesrepublik den hirarischen Verbindungsaufbau und damit auch die Gliederung. Du kannst aber nicht den vereinfachten Selbstwähldienst mit dem Problem der DDR, unterschiedliche Vorwahlen von verschiedenen Orten damit vergleichen. Der vereinf. Selbstwähldienst, welcher mit der Verkehrsausscheidungsziffer "9" in einigen Ballungsgebieten der Bundesrepublik ab Ende der 40er Jahre parallel betrieben wurde, lief also quasi nebenher. Trotzdem hatte jedes Ortsnetz eine einheitliche Vorwahl mit der es auch erreicht werden konnte.


zuletzt bearbeitet 13.04.2010 18:29 | nach oben springen

#24

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 18:22
von Boelleronkel (gelöscht)
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Telefone gabs genug,nur kein ausgebautes Netz und ausreichende Vermittlungsstellen.
Wenn ich mich recht erinnere,hat man Ferngespräche beim regionalen Fernamt bestellt und die Frauen dort(meldeten sich mit Fernmeldeamt und Platznummer)
wussten schon fast wer dran war.
Am allerschlimmsten war es,dass man warten musste,dann klingelt das Fernamt wieder an und die nette Stimme sagt
Ihr Gespräch mit.....(was für eine Zeitverschwendung)


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#25

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 18:46
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wie sah es denn mit Telefonzellen aus ,mit öffentlichen Fernsprecheinrichtungen ?



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#26

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 19:26
von werraglück | 679 Beiträge

Zitat von Zermatt
Wie sah es denn mit Telefonzellen aus ,mit öffentlichen Fernsprecheinrichtungen ?




Die gab es, waren hier in Leipzig gut vernetzt, manchmal aber auch unbrauchbar gemacht durch Vandalismus...

MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#27

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 19:26
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Zermatt
Wie sah es denn mit Telefonzellen aus ,mit öffentlichen Fernsprecheinrichtungen ?



Selbswählfernverkehr war nicht,wurde geblockt,rein technisch gesehen.
Aber wenn eine "wichtige Person"ein Telefon brauchte wurde schon mal manch Telefonzelle auf Störung geschaltet.
Nach einiger Zeit war dann der nächste Anschluss dran,so gings dann immer die Runde rum.


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#28

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 21:21
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Mike59

Zitat von ABV

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von ABV

Wenn ich an meinem Dienstapparat in meinem ABV-Zimmer zwei oder drei Nummern wählte, konnte ich mich regelmäßig in Gespräche einmischen. So unglaublich das klingt, aber man konnte zuhören und mit den Leuten reden. Das war natürlich verboten und ganz bestimmt nicht mein Auftrag. Aber es machte ja auch Spaß, wenn zum Beispiel eine Ehefrau ihrem Holden am Telefon flüsterte, was es Abends zu Essen gibt. Und ich dann ein kräftiges " Nicht schon wieder in den Hörer" flötete. Na ich war halt jung und neigte zu Scherzen.



lass mich raten, wem heute noch dein spässchen angedichtet wird....




Hallo Gilbert!
Die Worte Stasi raus, bzw. Stasischwein sind tatsächlich gefallen, als die beiden merkten das sich ein dritter ins Gespräch eingeklingt hatte. Das war im November 1989, wo die Leute mutig wurden. Wahrscheinlich haben die beiden später ganz stolz erzählt, dass auch sie von der Stasi abgehört wurden. Dabei handelte es sich nur um einen gelangweilten, an seinem Telefonapparat herumspielenden Hauptwachtmeister der VP. Solche Konsequenzen hatte ich damals nicht bedacht und auch nicht bedenken können. Aber Bedenklich ist das schon, dass ich damit einen Teil zur damaligen Stasihysterie beigetragen hatte.

Gruß Uwe



------------------------------

Ich glaube es dir, nein ich weiss das es so war.

Aber der Wosch kauft dir das nicht ab.

Mike59



Ach Mike, so schlimm ist doch unser Wosch nun auch wieder nicht

Gruß an alle Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#29

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 21:46
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von karl143

Zitat von Anton

Übrigens: Die Telefonvorwahlen waren im Westen Deutschlands auch nicht immer und ewig einheitlich z. B. verkürzte Vorwahlen (vereinfachter Selbstwählferndienst) usw..
Erst im Zuge der Digitalisierung in den 80iger Jahren wurde das uns heute bekannte einheitliche System geschaffen.

VG
Anton



@ Hallo Anton,
die DDR hatte ja genauso wie die Bundesrepublik den hirarischen Verbindungsaufbau und damit auch die Gliederung. Du kannst aber nicht den vereinfachten Selbstwähldienst mit dem Problem der DDR, unterschiedliche Vorwahlen von verschiedenen Orten damit vergleichen. Der vereinf. Selbstwähldienst, welcher mit der Verkehrsausscheidungsziffer "9" in einigen Ballungsgebieten der Bundesrepublik ab Ende der 40er Jahre parallel betrieben wurde, lief also quasi nebenher. Trotzdem hatte jedes Ortsnetz eine einheitliche Vorwahl mit der es auch erreicht werden konnte.





Hallo Karl,
ich gebe Dir insofern recht, daß die Bundespost viel mehr Investitionen tätigte und ihren Telefonkunden ein einheitliches Vorwahlsystem und den vereinfachten Selbstwählferndienst parallel zur Verfügung stellte.

In der DDR galten unterschiedliche Vorwahlen von verschiedenen Orten aus. Das betraf aber nur den Bereich der eigenen Hauptvermittlungsstelle, indem der jeweilige Ortsnetzbereich integriert war. Aus der Ferne war die Ortnetzkennzahl immer die Gleiche.
Beispiel: Halberstadt hatte in der DDR die Vorwahl 00926 und war mit dieser aus den Bereichen anderer Hauptvermittlungsstellen, wie z. B. Rostock, Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt etc. und aus dem Ausland erreichbar. Nur im jeweiligen Nahbereich nicht. Ein Telefonat von Osterwieck oder Badersleben nach Halberstadt begann immer mit der Ziffer 02.

VG
ANTON



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#30

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 13.04.2010 21:50
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von Anton

Beispiel: Halberstadt hatte in der DDR die Vorwahl 00926 und war mit dieser aus den Bereichen anderer Hauptvermittlungsstellen, wie z. B. Rostock, Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt etc. und aus dem Ausland erreichbar. Nur im jeweiligen Nahbereich nicht. Ein Telefonat von Osterwieck oder Badersleben nach Halberstadt begann immer mit der Ziffer 02.

VG
ANTON



Hallo Anton,
das leuchtet ein. Mit der 02 am Anfang wurde dadurch die direkte Leitung unterhalb des Knotenvermittlungspunktes 9 (Halberstadt) gewählt, und dadurch nicht die umständliche weitere Leitung belastet. Vom System her ist es das gleiche wie in hier in den Ballungsräumen.


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#31

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 07:24
von Angelo | 12.396 Beiträge

ich habe neulich gehört das es vor kam das z.B in einem Plattennbau nur eine Familie ein Telefon hatte und dort trafen sich dann alle wenn sie mal Telefonieren mußten.

Gab es eigentlich öffentliche Telefonzellen in der DDR ?


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#32

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 08:48
von Pit 59 | 10.151 Beiträge

Das stimmt genau,wenn überhaupt eines da war.Das war dann schon für die betreffenden belastend wenn laufend jemand geklingelt hat um mal zu Telefonieren.Also ich hatte keines zu DDR Zeiten,da war ich für das Regime nicht wichtig genug,das heisst man musste eine hohe Position im Betrieb haben,Parteifunktion,Mfs Angehöriger oder so da bekam man ein Telefon.Angemeldet war ich,ich glaube so 15 Jahre,also so wie für einen Wartburg oder Lada.
Öffentliche Telefonzellen gab es.Man konnte ja auch nicht hin Telefonieren wo und wann man wollte,Gespräche nach der BRD mussten angemeldet werden.

Angefügte Bilder:
IMG_0001.JPG

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#33

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 09:06
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Im Jahre 1986 habe ich mehrmals von Cottbus aus der Telefonzelle in die Schweiz angerufen. Selbstwählverkehr ging nach überall hin (ausser Westberlin und DDR) und man brauchte viel 20Pf Stücke. Andere Geldstücke überforderten die Geldautomatik oft und wurden wieder ausgespuckt. Gespräche in die BRD und Berlin(West) waren "technisch bedingt" nur mit Voranmeldung und Wartezeit möglich. Offenbar eine ganz andere Technik als die, welche in den Rest der Welt verwendet wurde.
Unterhaltsam waren die Gespräche aus der Poststelle auf dem Lande. "in die BRD nur mit Voranmeldung!!!" aha "Schweiz, das geht gleich, Zelle 1!" Dann hat der Postler seine Stoppuhr genommen und kaum war die Verbindung aufgebaut und der Teilnehmer erreicht, bekam er wohl ein Signal, denn man sah, wie er auf die Stoppuhr drückte. Am Ende hat er ausgerechnet, was es kostet, man bekam Quittung und zahlte.
Theo


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#34

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 09:40
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Im Jahre 1986 habe ich mehrmals von Cottbus aus der Telefonzelle in die Schweiz angerufen. Selbstwählverkehr ging nach überall hin (ausser Westberlin und DDR) und man brauchte viel 20Pf Stücke. Andere Geldstücke überforderten die Geldautomatik oft und wurden wieder ausgespuckt. Gespräche in die BRD und Berlin(West) waren "technisch bedingt" nur mit Voranmeldung und Wartezeit möglich. Offenbar eine ganz andere Technik als die, welche in den Rest der Welt verwendet wurde.

Theo



Die Technik, die verwandt wurde, war schon miteinander kompatibel. Das Problem war, daß aus der DDR in die BRD nur 30 analoge Leitungen zur Verfügung standen. Das war eben nicht ausreichend und hätte jede automatisierte Vermittlungstechnik total überfordert bzw. zum Erliegen gebracht.
Zum Vergleich: Fast jede mittelständische Firma nutzt heutzutage den sogenannten Primärmultiplexanschluß mit 30 eingehenden und 30 abgehenden Leitungen. Auf dieses Beispiel bezogen, stehen bei dieser Anschlußart mehr Leitungen zur Verfügung, als damals zwischen beiden deutschen Staaten.

VG Anton



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#35

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 09:44
von Angelo | 12.396 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Im Jahre 1986 habe ich mehrmals von Cottbus aus der Telefonzelle in die Schweiz angerufen. Selbstwählverkehr ging nach überall hin (ausser Westberlin und DDR) und man brauchte viel 20Pf Stücke. Andere Geldstücke überforderten die Geldautomatik oft und wurden wieder ausgespuckt. Gespräche in die BRD und Berlin(West) waren "technisch bedingt" nur mit Voranmeldung und Wartezeit möglich. Offenbar eine ganz andere Technik als die, welche in den Rest der Welt verwendet wurde.
Unterhaltsam waren die Gespräche aus der Poststelle auf dem Lande. "in die BRD nur mit Voranmeldung!!!" aha "Schweiz, das geht gleich, Zelle 1!" Dann hat der Postler seine Stoppuhr genommen und kaum war die Verbindung aufgebaut und der Teilnehmer erreicht, bekam er wohl ein Signal, denn man sah, wie er auf die Stoppuhr drückte. Am Ende hat er ausgerechnet, was es kostet, man bekam Quittung und zahlte.
Theo




Warum ging die Schweiz ohne Probleme ?


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#36

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 09:52
von werner | 1.591 Beiträge

@Angelo, ja die gab es. Ortsgespräche 20Pfennig, Ferngespräche je nach Entfernung, da hingen dann auch Preistafeln in den Telefonzellen, so dass man eine Orientierung hatte. Und es hing das obligatorische Schild

"Fasse Dich kurz!!"

Aber zu dem Telefonnetz und der Versorgung mit Telefonen als Solches sind mehrere Dinge zu sagen, die ich aber auch nicht allein abdecken kann, da ich hinsichtlich einiger Zusammenhänge auch rückfragen muss. Nur soviel zu den bisherigen Beiträgen:

1. Schon erstaunlich, wenn in einem Fernsehbericht Techniker herangezogen werden, die ja aus ihrer Ameisenperspektive sicher einen Überblick über das Fernmeldenetz, die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge haben. Wenigstens Abteilungs- oder Betriebsleiter hätten neben den Informationen über die Probleme ganz sicher auch mehr über die Technik sagen können, als derjenige, der die Kontakte zu schleifen hatte. Vielleicht hätte man mal Menschen zu Wort kommen lassen, die tiefer in der Materie waren und einen besseren Überblick haben. Aber die haben wohl nicht das erzählt was die Auftraggeber der Sendung über den Äther schicken wollten und wollte sich wohl auch nicht dazu bewegen lassen, abfällig über die Verhältnisse zu reden.

2. Das S-1 Netz war irrsinnig teuer und aufwendig in der Unterhaltung, besonders in der Wartung und volkswirtschaftlich eigentlich idiotisch. MfS hatte bei der Einführung keine Aktien, sondern war eher ein Anhängsel, denn die Aufgaben des Stabsnetzes waren andere. Hinsichtlich der Einführung gab es in der NVA massiven Widerstand dagegen aus fachlicher und aus ökonomischer Sicht.

3. Hatte auch die Bahn ein eigenes Netz. Das wird ja geflissentlich unter den Tisch gekehrt.

4. Hatte die DDR innerhalb des RGW im Zuge der internationalen Arbeitsteilung zunächst die Aufgabe erhalten, die anderen RGW - Staaten mit Fernmeldeanlagen auszurüsten. Allein für die flächendeckende Ausrüstung der Sowjetunion hätten alle Firmen der DDR auf die Fertigung von FM- Anlagen umgestellt werden müssen. (Ähnlich war es mit LKW 7,5 t - STAR 25, Bussen -IKARUS), Flugzeugen - ILJUSCHIN etc.) Dass das nicht funktioniert hat man dann irgendwann erkannt. Dennoch gingen viele Anlagen ins Ausland und fehlten damit in der DDR.
Übrigens hatte ein skandinavisches Land, wenn ich mich recht erinnere Finnland, seinerzeit die Ausstattung mit Siemens&Halske Drehwählern abgelehnt und die DDR- Anlagen mit damals fortschrittlicher Relais-Technik beauftragt

5. War Kupfer auf dem Weltmarkt nur gegen Devisen zu bekommen, wenig Devisen, wenig Kupfer, wenig FM- Anlagen.

6. War auch die BRD außerhalb der großen Vermittlungen noch sehr häufig mit Siemens - Drehwählern (Sorry wegen der unkorrekten Abkürzung) ausgestattet. Bis Ende der 90er Jahre war beim Wählen das typische Rattern noch zu hören. In der DDR waren die Relaiswähler schon weit auf dem Vormarsch. In einigen Regionen mit Neubauten wurden zur Versorgung mit Telefonen einfach Container mit automatischen Vermittlungen aufgestellt.

7. Auf Grund der Kupferknappheit hat die DDR die Einführung der Glasfasertechnik massiv vorangetrieben (und z.T. auch übertrieben) Die Ausstattung mit Glasfasertechnik war in der DDR schon deutlich weiter als in der BRD, was bei der Übernahme der Netze durch die Teuerkom zu erheblichen Problemen führte und bis vor ein paar Jahren noch bei der Einführung der DSL- Technik zu Schwierigkeiten führte. Heute hat man das wohl weitgehend im Griff.

7. Hatte keiner ein Interesse daran, die Menschen ohne Telefon zu lassen.

@Feliks hat dazu ja schon was gesagt. Die DDR wollte schon in der Lebensqualität der Menschen und in der Technik auf dem internationalen Niveau sein. Wenn aber die Decke zu kurz ist, kann man sich aussuchen, ob es an der Schulter kalt wird oder an den Füßen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#37

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 10:15
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von Angelo

Zitat von eisenringtheo
Im Jahre 1986 habe ich mehrmals von Cottbus aus der Telefonzelle in die Schweiz angerufen. Selbstwählverkehr ging nach überall hin (ausser Westberlin und DDR) und man brauchte viel 20Pf Stücke. Andere Geldstücke überforderten die Geldautomatik oft und wurden wieder ausgespuckt. Gespräche in die BRD und Berlin(West) waren "technisch bedingt" nur mit Voranmeldung und Wartezeit möglich. Offenbar eine ganz andere Technik als die, welche in den Rest der Welt verwendet wurde.
Unterhaltsam waren die Gespräche aus der Poststelle auf dem Lande. "in die BRD nur mit Voranmeldung!!!" aha "Schweiz, das geht gleich, Zelle 1!" Dann hat der Postler seine Stoppuhr genommen und kaum war die Verbindung aufgebaut und der Teilnehmer erreicht, bekam er wohl ein Signal, denn man sah, wie er auf die Stoppuhr drückte. Am Ende hat er ausgerechnet, was es kostet, man bekam Quittung und zahlte.
Theo




Warum ging die Schweiz ohne Probleme ?






Hallo Angelo,

in den 80iger Jahren konnte man viele (west)europäische Länder von der DDR aus per "Selbstwahlferndienst" erreichen außer bei Gesprächen in die BRD u. Westberlin. Die Anzahl der Leitungen für die Direktwahl wird wohl nicht höher gewesen sein, als die 30 analogen Leitungen zwischen DDR u. BRD. Nur wurden diese Leitungen weniger frequentiert, so das man dort den Selbstwahlferndienst einrichtete ohne befürchten zu müssen, das die Vermittlungstechnik abschmiert oder überlastet wird.
Die Möglichkeit des Selbstwahlferndienstes in westeuropäische Länder wurde nach meiner Wahrnehmung auch nicht publik gemacht. Die meisten DDR-Bürger wussten es schlichtweg nicht.


VG Anton



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#38

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 10:51
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von werner
@Angelo, ja die gab es. Ortsgespräche 20Pfennig, Ferngespräche je nach Entfernung, da hingen dann auch Preistafeln in den Telefonzellen, so dass man eine Orientierung hatte. Und es hing das obligatorische Schild

"Fasse Dich kurz!!"

Aber zu dem Telefonnetz und der Versorgung mit Telefonen als Solches sind mehrere Dinge zu sagen, die ich aber auch nicht allein abdecken kann, da ich hinsichtlich einiger Zusammenhänge auch rückfragen muss. Nur soviel zu den bisherigen Beiträgen:

1. Schon erstaunlich, wenn in einem Fernsehbericht Techniker herangezogen werden, die ja aus ihrer Ameisenperspektive sicher einen Überblick über das Fernmeldenetz, die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge haben. Wenigstens Abteilungs- oder Betriebsleiter hätten neben den Informationen über die Probleme ganz sicher auch mehr über die Technik sagen können, als derjenige, der die Kontakte zu schleifen hatte. Vielleicht hätte man mal Menschen zu Wort kommen lassen, die tiefer in der Materie waren und einen besseren Überblick haben. Aber die haben wohl nicht das erzählt was die Auftraggeber der Sendung über den Äther schicken wollten und wollte sich wohl auch nicht dazu bewegen lassen, abfällig über die Verhältnisse zu reden.

2. Das S-1 Netz war irrsinnig teuer und aufwendig in der Unterhaltung, besonders in der Wartung und volkswirtschaftlich eigentlich idiotisch. MfS hatte bei der Einführung keine Aktien, sondern war eher ein Anhängsel, denn die Aufgaben des Stabsnetzes waren andere. Hinsichtlich der Einführung gab es in der NVA massiven Widerstand dagegen aus fachlicher und aus ökonomischer Sicht.

3. Hatte auch die Bahn ein eigenes Netz. Das wird ja geflissentlich unter den Tisch gekehrt.

4. Hatte die DDR innerhalb des RGW im Zuge der internationalen Arbeitsteilung zunächst die Aufgabe erhalten, die anderen RGW - Staaten mit Fernmeldeanlagen auszurüsten. Allein für die flächendeckende Ausrüstung der Sowjetunion hätten alle Firmen der DDR auf die Fertigung von FM- Anlagen umgestellt werden müssen. (Ähnlich war es mit LKW 7,5 t - STAR 25, Bussen -IKARUS), Flugzeugen - ILJUSCHIN etc.) Dass das nicht funktioniert hat man dann irgendwann erkannt. Dennoch gingen viele Anlagen ins Ausland und fehlten damit in der DDR.
Übrigens hatte ein skandinavisches Land, wenn ich mich recht erinnere Finnland, seinerzeit die Ausstattung mit Siemens&Halske Drehwählern abgelehnt und die DDR- Anlagen mit damals fortschrittlicher Relais-Technik beauftragt

5. War Kupfer auf dem Weltmarkt nur gegen Devisen zu bekommen, wenig Devisen, wenig Kupfer, wenig FM- Anlagen.

6. War auch die BRD außerhalb der großen Vermittlungen noch sehr häufig mit Siemens - Drehwählern (Sorry wegen der unkorrekten Abkürzung) ausgestattet. Bis Ende der 90er Jahre war beim Wählen das typische Rattern noch zu hören. In der DDR waren die Relaiswähler schon weit auf dem Vormarsch. In einigen Regionen mit Neubauten wurden zur Versorgung mit Telefonen einfach Container mit automatischen Vermittlungen aufgestellt.

7. Auf Grund der Kupferknappheit hat die DDR die Einführung der Glasfasertechnik massiv vorangetrieben (und z.T. auch übertrieben) Die Ausstattung mit Glasfasertechnik war in der DDR schon deutlich weiter als in der BRD, was bei der Übernahme der Netze durch die Teuerkom zu erheblichen Problemen führte und bis vor ein paar Jahren noch bei der Einführung der DSL- Technik zu Schwierigkeiten führte. Heute hat man das wohl weitgehend im Griff.

7. Hatte keiner ein Interesse daran, die Menschen ohne Telefon zu lassen.

@Feliks hat dazu ja schon was gesagt. Die DDR wollte schon in der Lebensqualität der Menschen und in der Technik auf dem internationalen Niveau sein. Wenn aber die Decke zu kurz ist, kann man sich aussuchen, ob es an der Schulter kalt wird oder an den Füßen.




Hallo Werner,

die Bundespost verwendete bis Ende der 80iger Jahre die sogenannten EMD-Wähler.
Diese hatten einen wesentlich geringeren Verschleiß und waren viel leiser im Gegensatz zu den Hebdrehwählern, die im Bereich der Deutschen Post der DDR bis Mitte der 90iger Jahre Verwendung fanden.

Die letzte analoge Vermittlungsstelle der Telekom ging 1997 vom Netz. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war kein Rattern mehr in der Leitung zu vernehmen. Das Gros des öffentlichen Netzes wurde aber schon früher auf Digitalvermittlung umgeschaltet (1988 - 1995).
Das bahneigene Telefonnetz BASA-Netz gibt es bis zum heutigen Tage schon seit 1928 und hat von seiner Geschichte her gar nichts mit der DDR zu tun.

VG Anton



zuletzt bearbeitet 26.11.2010 10:55 | nach oben springen

#39

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 10:59
von eisenringtheo | 9.174 Beiträge

Zitat von Anton
[Hallo Angelo,

in den 80iger Jahren konnte man viele (west)europäische Länder von der DDR aus per "Selbstwahlferndienst" erreichen außer bei Gesprächen in die BRD u. Westberlin. Die Anzahl der Leitungen für die Direktwahl wird wohl nicht höher gewesen sein, als die 30 analogen Leitungen zwischen DDR u. BRD. Nur wurden diese Leitungen weniger frequentiert, so das man dort den Selbstwahlferndienst einrichtete ohne befürchten zu müssen, das die Vermittlungstechnik abschmiert oder überlastet wird.
Die Möglichkeit des Selbstwahlferndienstes in westeuropäische Länder wurde nach meiner Wahrnehmung auch nicht publik gemacht. Die meisten DDR-Bürger wussten es schlichtweg nicht.


VG Anton



Ein Postler hat mal versucht, mir das zu erklären. Für abgehende Gespräche muss man bezahlen. Die Fernmeldegesellschaft des Anrufers im Inland zahlt an diejenige des Angerufenen im Ausland eine Gebühr (in Devisen), die sogenannte Interkonnektionsgebühr. Diese verrechnet sie dem Anrufer plus Marge. Ich vermute mal, "technisch bedingt" bedeutet, die Deutsche Post hat die abgehenden Gespräche nach der BRD und Westberlin mengenmässig eingeschränkt, damit nicht zuviel Devisen abflossen. Umgekehrt - aus der BRD und Berlin(West) gab es Selbstwählverkehr und auch keine Wartezeiten.
Die Anrufe in andere Länder waren so gering, dass dorthin wohl keine Beschränkungen galten.
Theo


zuletzt bearbeitet 26.11.2010 10:59 | nach oben springen

#40

RE: Überwachungsmethoden in der DDR

in Mythos DDR und Grenze 26.11.2010 11:57
von Anton | 156 Beiträge

Zitat von eisenringtheo


Ein Postler hat mal versucht, mir das zu erklären. Für abgehende Gespräche muss man bezahlen. Die Fernmeldegesellschaft des Anrufers im Inland zahlt an diejenige des Angerufenen im Ausland eine Gebühr (in Devisen), die sogenannte Interkonnektionsgebühr. Diese verrechnet sie dem Anrufer plus Marge. Ich vermute mal, "technisch bedingt" bedeutet, die Deutsche Post hat die abgehenden Gespräche nach der BRD und Westberlin mengenmässig eingeschränkt, damit nicht zuviel Devisen abflossen. Umgekehrt - aus der BRD und Berlin(West) gab es Selbstwählverkehr und auch keine Wartezeiten.
Die Anrufe in andere Länder waren so gering, dass dorthin wohl keine Beschränkungen galten.
Theo



Diese Erklärung ist nachvollziehbar. Das Gesprächsaufkommen aus der DDR in die BRD wurde von der Deutschen Post der DDR kanalisiert, weil am Ende sich wieder alles ums Geld dreht. Sonst hätte man die Anzahl der abgehenden Leitungen mit wenig Aufwand im Laufe des Bestehens der beiden deutschen Staaten um einiges vervielfachen können.

Die oben beschriebene Interkonnektionsgebühr führt auch heutzutage zu seltsamen Gebühren-Konstellationen. So bezahle ich beispielsweise für Gespräche nach Australien, Kanada, USA etc. bei entsprechendem Telekom-Tarif keinen Cent (Bestandteil einer Flatrate) und für Gespräche ins 1.500 km entfernte Sarajevo zahle ich mindestens 10 Cent/min.

VG Anton



zuletzt bearbeitet 26.11.2010 11:59 | nach oben springen



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