#1

Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.11.2008 20:29
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Guten Tag,

habe mich eben hier angemeldet, vollständiges Profil und Vorstellung lasse ich folgen.
Zunächst hoffe ich, mit meinen Fragen im richtigen Forum und dann auch in der richtigen Rubrik gelandet zu sein?!

Meine Geschichte, die Geschichte meiner Familie, werde ich bei Interesse gerne erzählen.

Heute möchte ich, nach einer kurzen Vorgeschichte, jedoch nur eine für mich ganz wichtige Frage stellen:

Mein Vater (*1928) und sein jüngerer Bruder (*1932) flohen entweder zusammen, oder kurz hintereinander in den Westen. Dies spätestens 1950 und auf jeden Fall über die gleiche, auch mit anderen Familienmitgliedern abgesprochene Route.
Mein Vater war dann von 1950 - 1954 in der Fremdenlegion.
Der Bruder hielt sich während dieser Zeit am Niederrhein auf.

Im August 1954 meldete sich Helmut (der jüngere Bruder) urplötzlich nach Hannover ab, ohne sich jedoch zwei Monate lang hier anzumelden.
Gleichzeitig wurde Willi (mein Vater) in Offenburg (BW) bei der Legion entlassen.
Ich vermute sie trafen sich in der "Gegend" ihrer damaligen Flucht, um vielleicht die gemeinsame Rückkehr anzutreten. Das wiederum muss irgendwie schiefgegangen sein? Na ja, soweit meine Vermutung!

Jedenfalls meldete sich Helmut dann im Oktober in Stemmen/Kreis Hannover Haus Nr.9 bei einem Bauern (Gustav Schattschneider) an. - Die beteiligten Personen leben alle nicht mehr, deshalb in Klarschrift.
Willi hingegen meldete sich, ebenfalls im Oktober, in Freiburg an.

Wenn wundert's, schon zwei Monate später zog dann Helmut "offiziell" nach Freiburg (gleiche Anschrift)?.

Bis November 1956 lebeten die Brüder zusammen in Freiburg, ehe Helmut an den Niederrhein zurückkehrte.
Dort wechselte Helmut in kürzester Zeit noch zwei mal den Wohnort, um sich schließlich am 2. Januar 1957 nach "NEUKIRCHEN" abzumelden.

In Freiburg heirateten derweil am 17. Januar 1957 meine Eltern. Drei Tage später kam ich zur Welt und erhielt nebenbei bemerkt, den Zweitnamen Helmut.

Ab 1960 hatte ich, das ist dann eine andere Geschichte, bis kurz vor seinem Ableben keinen Kontakt zu meinem Vater. Demzufolge wusste ich mehr als 45 Jahre weder über ihn, noch seinen Bruder, oder die Familie irgendetwas.

Vor einiger Zeit begann ich dann meine Ahnen- und Familienforschung, die mich nun auch hierher führt.

Ach ja, Onkel Helmut verschwand also im Januar 1957. Vor einiger Zeit bekam ich nun raus, dass er schon 1957 in Boecke (das liegt so in der Ecke Ziesar - Görzke) geheiratet hatte. Offensichtlich war er statt nach "Neukirchen" zurück in die DDR gegangen.

Er hatte "offenbar" keine Probleme nach seinem Übertritt, wie die schnelle Hochzeit belegt. Aus der Ehe gingen dann bis 1963 drei Kinder hervor. Onkel Helmut arbeitete bei einer LPG im Ort.
Nach der Scheidung 1963 zog es ihn, anscheinend in einer "zwiespältigen" Beziehung nach Berlin oder Brandenburg, wo er als Taxifahrer arbeitete. In der Familie wird hinter vorgehaltener Hand von "Stasikontakten" geredet. Mitte der 1970er Jahre beging Onkel Helmut "angeblich" Selbstmord, in dem er sich mit Gas vergiftete!

So, jetzt habe ich sehr weit ausgeholt um meine Fragen zu stellen:

Wie kann man sich damals 1957 eine Rückkehr vorstellen? - Guten Tag, hier bin ich wieder ...?
Wurde man nicht automatisch zur "Mitarbeit" gezwungen?
"Mir als ehemaligem Fremdenlegionär hätten sie den A... aufgerissen", sagte mein Vater kurz vor seinem Tod.
Gab es damals "an der grünen Grenze" so etwas wie Schleuser, vielleicht sogar in beide Richtungen?
Gibt es "einsehbare" Unterlagen für eine solche Rückkehr? Ich komme kuroserweise heute noch nicht an Unterlagen der Melde- und Standesämter der Wohnorte meiner Familie. Weder für Großeltern, Vater oder seine Geschwister!

Na, jetzt hör ich mal auf, mir tun schon die Finger weh.


Grüße aus Freiburg im Breisgau,
Wolfgang





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#2

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.11.2008 21:06
von altgrenzer (gelöscht)
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Lieber Wolfgang,

da steckt mehr dahinter. Ich vermute, Dein Onkel war unfreiwillig im Westen als Agent.

In Antwort auf:
Wie kann man sich damals 1957 eine Rückkehr vorstellen? - Guten Tag, hier bin ich wieder ...?


Wer seinen Agentenjob aufgab, galt als Verräter. Todesurteil. Auf jeden Fall gab es im Osten Verbindungsoffiziere, die alles kontrollierten, die leben evntl. heute noch. Recherchier das mal.

Rolf


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#3

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.11.2008 10:55
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Guten Morgen Rolf,

Danke für Deine Antwort.
Das mehr "dahinter" steckt, vermute ich schon lange.

Aber das Onkel Helmut, so um 1950 mit etwa 18 Jahren als Agent in den Westen ging, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Warum hätte er das tun sollen?
Schließlich war es ja so, dass die gemeinsame, alledings wohl zeitversetzte Flucht meines Vaters Willi und seiner Geschwister Helmut und Elli (*1930) abgesprochen war. Das hat mir Tante Elli (78), leider schwer krank, so erzählt. - Die Flucht ging durch einen Bach, durch irgendeine Unterführung und an einem alten zerschossenen (Wehrmachts) Bus vorbei. Willi flüchtete, Helmut hinterher, Elli bekam kalte Füße, sie blieb.

Ich vermute die zeitversetzte Flucht einfach wegen des Risikos geschnappt zu werden. Kann mir vorstellen, dass Willi an einem verabredeten Platz auf Helmut wartete. Danach könnten die Brüder (im Raum Hannover?)zunächst vergeblich auf die nachrückende Elli gewartet haben um dann weiter Richtung Westen zu ziehen.

Auf diesem Weg könnte dann mein Vater den Werbern der Fremdenlegion in die Arme gelaufen sein. Die machten damals, vor allem mit viel Alkohol, die Jungs "gefügig".
Jedenfalls ist sehr komisch dass,
mein Vater am 9. August 1950in Marseille den Vertrag bei der FFL unterschrieb, während sich Helmut am 21. August 1950in Nieukerk anmeldete und zwar aus Straelen, Paesmühle kommend. Paesmühle war zu der Zeit ein Heim (Auffanglager) für Elternlose und Kriegsvertriebene Jugendliche.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Willi und Helmut als "Westagenten" in ihre nun folgende Situation begaben.
Willi war ca. 3 1/2 Jahre in Indochina, war 1/2 Jahr Gefangener der Vietminh, wurde verwundet, nahm mit seinem Regiment (ca. 80 Überlebende) an der Schlacht um Dien Bien Phu teil.
Helmut tingelte von 1950 - 1954 am Niederrhein als Melker, landwirtschaftlicher Arbeiter umher. Er war in vier Jahren bei mindestens 10 Bauern untergekommen.

Jetzt hab ich schon wieder so ne Litanei verfasst, na hoffentlich langweilt Euch das nicht?

Aber Rolf, Deine "Theorie" könnte sich (wenn ich darüber nachdenke) am Schluss dann doch irgendwie mit meiner Idee decken:

Was wäre passiert, hätten die Brüder 1954 (im ertsen Beitrag beschrieben) eine Rückkehr versucht? Da könnte ich mir vorstellen, dass sie vor die Wahl gestellt wurden - entweder ihr geht in den Bau, oder ihr arbeitet für uns?! Damit könnte man dann vielleicht auch die "unproblematische" Rückkehr Helmuts 1957 erklären.

Aber so richtig bin ich auch davon nicht überzeugt. Was sollten die Brüder im Westen als Agenten?

Um die Verwirrung zu komplettieren, meine (ausgedachte) Variante:

Aug./Sept. 1954: versuchte und gescheiterte Rückkehr - vermutlich wegen Willis FFL Vergangenheit.
Nov. 1956: Helmut plagt das Heimweh - In Kürze heiratet sein Bruder und gründet eine Familie - kurzzeitige Rückkehr ins Rheinland, vielleicht gibt es da "Kontakte"?
Jan. 1957: Abmeldung nach "Neukirchen" - Übertritt in die DDR - jetzt wird Helmut "geworben", denn Heirat noch 1957 und "normales" Leben in einem Dörfchen und LPG?!

Hier noch einige rätselhafte, merkwürdige Dinge:
- In Omas Küche in Ziesar hängt bis sie (1972) stirbt, das Portrait ihres Sohnes Willi in Uniform der Legion?
- Oma hört im Radio (wann?), dass ein Ex-Legionär namens Willi von den Franzosen erschlagen wurde. Ab da gibt es zu Willi keinen Kontakt mehr.
- Willi stirbt 1985 und liegt ca. vier Wochen unentdeckt in seiner Wohnung. Obduktion ohne Ergebnis.
- Helmut erzählt (zu vorgerückter Stunde) in der Familie, er wisse wo die jungen Mädchen hingebracht werden, die aus den Heimen verschwinden.

Ach so, Rolf wie recherchiere ich Verbindungsoffiziere?

Jetzt hör ich mal auf, das Durcheinander ist komplett.







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#4

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.11.2008 11:48
von Francis | 168 Beiträge

Langweilen? Bist du irre? Das ist super spannend finde ich!


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#5

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.11.2008 13:20
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo Francis,

freue mich , wenn Du die Geschichte "spannend" findest. Hatte schon , mein Geschreibsel wäre zu "PRIVAT" und könnte auf die Nüsse gehen.

Würde mich aber noch mehr freuen, wenn es hier Leute gibt, die irgendeine zu meiner Geschichte haben.


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#6

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.11.2008 12:15
von altgrenzer (gelöscht)
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hi Wolfgang,

die Recherche wird schwierig. Such mal im Telefonbuch nach Namen in den entsprechenden Orten. So hab ich das auch gemacht und wurde gleich beim ersten Anruf fündig.

Dann gibt es noch die deutsche Kriegsgräberfürsorge in München, die habe mir auch geholfen.

Viele Grüße aus Karlsruhe,
Rolf


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#7

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.11.2008 13:42
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo Rolf,

bei allem Respekt, ich kann Deinen Vorschlägen nicht folgen, aber vielleicht steh ich nur auf'm Schlauch?

Nach welchen Namen, in welchen Orten soll ich suchen?

Und die Kriegsgräberfürsorge ist für Gefallene/Vermisste der Weltkriege bzw. deren Gräber zuständig, was soll ich die da?


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#8

RE: Rückkehr in die DDR 1957

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.11.2008 16:11
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Übrigens Rolf, ist mir erst jetzt aufgefallen:

Die deutsche Kriegsgräberfürsorge hat ihren Sitz in Kassel.
Hingegen sitzt der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in München.


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