#21

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2009 19:03
von EK89/1 | 832 Beiträge

Hey buddy
War bestimmt nicht einfach mit den Verhören. Frage: wo fanden die Verhöre stadt?
War das in Schierke? In der Komp. im Bat. oder im Geb. neben der GK?
Ich weis ja auch nicht ob die Geb. zu deiner Zeit schon standen.
Warst Du in Blankenburg dan in der Grenzsicherung eingesetzt oder hast du den
Kanten nicht mehr gesehen?
Ich war auch in Schierke von 01/88 bis 04/89
Grüße
EK89/I

Angefügte Bilder:
GK Schierke 2.jpg

EK89/I
09/87-01/88 GAR5 Potsdam,GAK 7
01/88-04/89 7.GK "Lutz Meier" Schierke
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#22

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2009 19:04
von EK89/1 | 832 Beiträge

Hey buddy
War bestimmt nicht einfach mit den Verhören. Frage: wo fanden die Verhöre stadt?
War das in Schierke? In der Komp. im Bat. oder im Geb. neben der GK?
Ich weis ja auch nicht ob die Geb. zu deiner Zeit schon standen.
Warst Du in Blankenburg dan in der Grenzsicherung eingesetzt oder hast du den
Kanten nicht mehr gesehen?
Ich war auch in Schierke von 01/88 bis 04/89
Grüße
EK89/I


EK89/I
09/87-01/88 GAR5 Potsdam,GAK 7
01/88-04/89 7.GK "Lutz Meier" Schierke
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#23

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 11:14
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo zermatt,

ja, das Sicherheitsdenken war ein recht intensives solches. Ich steuere mal noch eine kleine Geschichte dazu bei.

Im Oktober 1984, nach 2 Grenzdurchbrüchen in 6 Wochen im Kompanieabschnitt, bei Pionierabeiten vorn (Abbau SM70), Pionierarbeiten hinten (Neubau Grenzsignalzaun), Urlaub des Kompaniechefs und einer ganzen Reihe von Lagen in der Grenzsicherung, erreichte mein Gemüt einen Zustand, der sich mit nervöser Erschöpfung charakterisieren lässt. An mehr als 4 Stunden Schlaf in der Nacht war nicht zu denken, zwischenzeitlich waren es nur 5 Stunden in der ganzen Woche (nicht zusammenhängend). Eines Nachts werde ich wieder mit einer Lage geweckt. Für die benötigte Streife war kein Fahrzeug da (ausgefallen, im Grenzdienst - ich weiß es nicht mehr). Schlaftrunken befahl ich den UAZ-Fahrer der KMS zum Einsatz. Was er mir nicht sagte und ich in dem Moment nicht wusste war, dass er am nächsten Morgen in den Regimentsstab befohlen war. Aber auch das war theoretisch egal - Grenzsicherung hatte Vorrang. Am nächsten Morgen kam der Fähnrich, der mit dem Fahrer in den Stab sollte und erhielt vom Fahrer die Information, er könne nicht fahren, er sei die Nacht über im Grenzdienst gewesen. Anstatt mir Meldung zu machen, was seine Pflicht war, rief er gleich im Bataillonsstab an. Von dort wurde ich sofort angerufen und erhielt einen Anschiss vom Diensthabenden. Bei der morgentlichen Lagemeldung kam ein zweiter vom stellvertreter Kommandeur TB dazu. Wütend erklärte ich: "Wenn das hier so weitergeht, frühstücke ich bald in Weimarschmieden!" - eine der Ortschaften unserem Abschnitt gegenüber. Zwei Stunden später wurde ich aus der Grenzkompanie abgezogen und sah die Grenze erst 1989 wieder, nach ihrer Öffnung. Ich, der Polit der Kompanie, hatte sage und schreibe, eine Fahnenflucht angdroht.

ciao Rainman

PS: Inzwischen habe ich Weimarschmieden zwar nicht gefrühstückt, aber zumindest Kaffee getrunken. Das war ich mir und meiner "Vorraussicht" schuldig.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 17:03
von buddy (gelöscht)
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Hallo EH89/1

Die Befragungen waren alle in Schierke.Ob jetzt in Haus A odert B weiß ich nicht mehr.
Ich habe mal skizzenhaft aufgezeichnet an welche Gebäude ich mich noch erinnern kann.
A = unsere Unterkunft ( 2.OG)
B = dort war u.a. der Komp.zug drin
C = Garagen
D = Hundezwinger ?
E = Kleines Nebengebäude (Papierkeller usw.
-----
Nach meiner Versetzung war ich dann etwas außerhalb von Blankenburg,unterhalb des Regenstein.
Ich glaube das hieß Lessingplatz.Bis zu meiner Entlassung Okt/74 habe ich das im Wald
liegende Munilager bewacht.Grenzsicherung war für mich vorbei.

gruß

Angefügte Bilder:
kase.jpg

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#25

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 17:35
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Tag Rainman,verdammt mutig deine Entscheidung hier mal eben eine Fahnenflucht
anzudeuten.
Hattest du keine Angst,das die Genossen irgenwas mit dir anstellen?



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#26

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 18:53
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
also ich für meinen Teil kann dazu auchnoch etwas beisteuern.
IM der Stasi wurde, wer erpressbar war, die Leutchen mit den Seefahrtsbüchern nahm man ganz gern dafür her, denn denen hätte man ganz sicher den nächsten Landgang in Rotterdam oder Antverpen vermiesen können.
In sofern komme ich in meinem persönlichen Umfeld auf ein Verhältnis 1 zu 7, denn wir hatten immer einen Informanten auf der Stube, die mit 8 Soldaten belegt war.
Ich hatte auch so meine Problemchen mit der A 2000, deshalb, hab ich, denke ich zumindest, einen ganz guten Einblick in die gesammte Angelegenheit.
Ob ich erpressbar bin, wurde auch ausprobiert, bei mir war der Erpressungsgrund mein Vater, Produktionsleiter einer Kranbaufirma, und somit auch sogenannter Auslandskader.
Mir wurde erklärt, wenn ich nicht kooperativ sei, könne mein Vater den Job als Auslandskader vergessen, der ja durchaus bei Auslandeinsätzen dafür auch mal richtiges Geld (US$) bekam.
Insgesamt war mein Vater 2 mal im Ausland, einmal im Irak und einmal in Nikaragua.
Insofern ließ ich mich nicht erpressen, aber um euch jetzt ein Gesamtbild bieten zu können, muß ich ganz weit ausholen, zurück in meine Schulzeit.

Ich wohnte und wohne immernoch an einem militärischen Übungsgelände, zu DDR-Zeiten nutzte das vorallem unser damaliger großer Bruder.
Ab der 5.Klasse nutzten auch alle Schüler unserer Kleinstadt einen Tag im September das Gelände, um an einem Schulwandertag Wildfrüchte, hier Hagebutte, zu sammeln.
1Kg Hagebutte pro Kopf war unsere Pflicht.
Je älter ich wurde, um so weniger interessierte mich diese Wildfruchtaktion, wir Jungs sammelten lieber Munition, die auf dem Gelände reichhaltig zu finden war.
Hagebutte war was für Mädchen.
Wir beschwerten also unser 1 kg Pflichthagebutte zusehends mit Steinen, waren schnell fertig und hatten Zeit für die richtig interesanten Dinge auf dem Übungsgelände.
So geschehen als ich 14 Jahre alt war, am Herbstwandertag der 8.Klasse.
Wir Jungs hatten uns schon ein paar Tage davor ausgemacht, wir wollten Wurst und Fleisch aus Dosen mittels eines Lagerfeuers zu einer warmen Mahlzeit verwandeln. Den Strich durch die Rechnung machte uns das schlechte Wetter an besagtem Wandertag, am Lagerfeuerort angekommen, bekamen wir das Feuer nicht an.
Doch russische Hilfe ließ nicht lange auf sich warten, ein Lt erkannte unser Problem und kam mit einer etwa 25 cm langen Stange "Etwas" (sah aus wie Kernseife) auf uns zu, brach ein Stück davon ab, und wir sollten es anzünden.
Ahhhh, dachten wir uns, Klasse, russischer Kohlenanzünder, das hat uns gefehlt.
Unser Feuer kam damit in Gang, und wir hatten unseren Spass, den Rest von der Stange packte ich in meinen Rucksack.
Abends zuhause zeigte ich voller Stolz meinem Vater den russischen Kohleanzünder, der freute sich aber garnicht und meinte; "Junge, das ist TNT, ein Sprengstoff".
Naja, er als Kampfgruppenkomandeur wirds wohl gewußt haben, und erklärte mir, das Zeug brennt wie Kohleanzünder, steckt man aber ne Zündkapsel rein, und erzeugt damit eine enorme Starttemperatur, dann Rumms.
OK, daß wollten wir aber nun ganz genau wissen und in den nächsten Wochen kam dazu das Experiment.
Opfer war ein Baum, den wir mittels einer Handleierbohrmaschine mit einem 16-er Bohrer anbohrten, richtig tief rein.
Dann kam der "russische Kohlenanzünder", den wir mit einem Messer zuschnitten, hinein.
In Ermangelung von Strom entschieden wir uns für ein sogenanntes S-Gerät, ein Schlagbolzen mit Feder gespannt, einem Splint als Sicherung, daran ein Schlüsselring und daran wiederum Angelschnur, darauf ein Zünder von einem Nebeltopf geschraubt, und das alles bis zum Splint in das Loch im Baum gesteckt, so das nur der Splint, Schlüsselring noch seitlich rausschaute.
Daran dann die Angelschnur befestigt, fertig zum Countdown.
Erst wollten wir unsere so angebrachte Versuchsanordnung von wandernden Touristen auslösen lassen, haben uns aber dann doch darauf geeinigt, selbst auszulösen.
Ein Rums, und der Baum viel um, ja doch, iss TNT, war die einstimmige Meinung.
So vergingen die Jahre, keiner dachte mehr daran, wir verließen die Schule, lenten Berufe und die ersten, der damaligen Kumpel wurden eingezogen, einer davon zu den Grenztruppen der DDR in eine PIK.
Er wurde ein halbes Jahr vor mir eingezogen, ich lernte ja noch einen ordentlichen Beruf.
Nach Abschluß meiner Lehre, war ich dann auch dran.
Die IM's auf der Knolle schätzten mich wohl wegen meiner Kletterei als zu gefährlich für den Kanten ein, weshalb ich direkt ins GR 8 nach Grabow in die Wachkompanie versetzt wurde.
Dort machte ich mir schnell einen Name, am ersten Tag dort gleich vom Spieß in den Ausgang geschickt, wegen Haarschnitt.
Nebenan, ein Elektroladen, Gelegenheit um Schukostecker und Kabel für ein UFO einzukaufen, gesagt, getan und am nächsten Tag kochte das Gerät schon Wasser.
Es kochte aber nur 2 Tage, dann hatte es einer der Gefreiten sich vom Spieß hochfädeln lassen.
Abens auf der Bude erzählte man von Gott und der Welt, so ich auch eines Tages vom "russischen Kohlenanzünder"
Ein Gefreiter, Seemann mit Seefahrtsbuch, war IM, den haben die dann sogar auf mich angesetzt.
Ich wurde wegen dem UFO zum Spieß beordert, trat dort ein, und der Spieß wollte Gründe wissen, und den Stromverbrauch von nem UFO.
Ich nannte sie ihm, und wir fanden gemeinsam ne Lösung, meine ersten elektrischen Arbeiten bei den Grenztruppen.
Auch ein Radio, es lief NDR, habe ich für meine Kameraden im Wachbereich installiert, gespeist aus ner VOLVO-Bootsbatterie, die automatisch am Signalzaun aufgeladen wurde, geniale Sache.
Eines Tages, ich war gerade auf dem BT11, wurde ich informiert, daß ich abgelöst werde und mich beim KC melden solle, der will bestimmt mit dir Kaffee trinken, sagte der Wachhabende durchs GMN.
Lol, ich abgestiegen, Ablösung kam, zurück, Waffe in den Ständer, und ging zum KC.
Der meinte zu mir, kommen sie mit, beim UVD sagte er, ich geh jetzt Kaffe trinken, ich grübelte schon wirklich.
Unterwegs sagte er mir aber, melden sie sich bitte im Zimmer A 2000.
OK, ich dahin, da saßen die 2 Herren in Lederjacke und legten mir eine Aussage von meinem ehemaligen Kumpel vor, der ja nun im 3.DHJ war, in der stand, er wüßte von mir, daß TNT brennt und das ich so ein Stück noch besitzen würde.
Derhatte in der PIK wohl TNT geklaut, war erwischt worden, und auf die Frage, was er wohl damit machen wolle, antwortete er, zuhause die Heizung anzünden, die nächste Frage die ihm gestellt wurde war klar.
So hatte ich nun eine Anzeige der Militärstaatsanwaltschaft Stendal vor mir liegen, in der ich des Besitzes von Waffen und Munition beschuldigt wurde.
Ich mußte in Untersuchungshaft, daß Problem war aber, das wir, die Wachkompanie auch die Zellen bewacht haben, das ging ja garnicht,
ich durfte keinen Kontakt zur Kompanie und zu niemand haben, deshalb übernahm die A2000 kurzer Hand die Arrestzellen, die hatten da richtig Sackstand wegen mir.
Ich war immernoch in Felddienst uniform und hatte auch meine Magazintasche mit 2 gefüllten Magazinen am Mann, hätte für ein bischen Dummheiten sicher ausgereicht.
Schlecht war die Einzelhaft, die Mücken, und daß mir kein Mückenmittel gegeben wurde, obwohl ich selbst was wenige Meter in meinem Spint hatte.
Gut war, ab da hab ich bei den Offizieren essen dürfen, ein frisches Brötchen am Morgen vertreibt manch Kummer und Sorgen.
Eines Tages mußte ich meinen Spint räumen, dazu mußte die ganze Kompanie inklusive UVD davor antreten, erst dann führten mich 2 A 2000 Leute in das Objekt.
Alle dachten, ich komme nach Schwed.
Statt dessen ging es auf eine weite Reise.
Ich wurde gefahren wie ein General.
Lada, der Fahrer ein Stabsfeld, Beifahrer Major und ich hinten.
Es ging zu mir nach Hause, erste Station war Erfurt.
Dort galt das Gleiche, keinen kontakt zur Außenwelt.
Wir waren dort angemeldet, aber irgendwas lief schief, kein Zimmer für mich.
Ich sollte bei den UaZ mit auf die Bude, bekam aber das Leitungsdienstzimmer des erfurter Regimentskomandeur.
Als ich dort an der Tür stand, fragte mich ein UaZ, du bist wohl der Fahrer, dem klappte aber die Kinnlade runter, als der Major mir Essen und Trinken auf dem Tablett brachte.
Am 2. Tag war dann mit nem Spezialkomando bei mir zu Hause Hausdurchsuchung,
allerhand wurde mitgenommen, nur TNT gab's keines.
Das einzige an Munition, was mir wirklich zur Last gelegt werden konnte, war eine KK-Patrone 22.lfB, nicht mal meine eigene, lächerlich eigendlich.
Da nix Belastendes gefunden wurde, hatte ich gleich im Anschluß VKU, bin praktisch mit dem Lada in den Urlaub, der war schon lang geplant, und wen hab ich da in Zivil mit meinem Motorrad getroffen, den Gefreiten mit dem Seemannsbuch, den hab ich aber eiskalt abblitzen lassen.
Der hatte bestimmt den Auftrag, mich weiter im Urlaub auszuspionieren, aber dem hab ich seinen Job so richtig vermasselt.
Nach dem Urlaub bin ich wieder zurückgereist.
Meine kameraden am KD dachten, ich wäre in Schwed gelandet, doch da stand ich wieder, das war eine Wiedersehensfreude.
Trotzdem war ich weg von der Wachkompanie, durfte keine Waffe mehr tragen und war ab sofort in der Zivilstelle als Regimentselektriker nur noch dem Regimentskomandeur und seinem Stelvertreter unterstellt.
Gepennt hab ich mit bei den Jungs der Baugruppe, hab so allerhand Berechtigungen wie Kinovorführer, Motorkettensägenführer, Baugeräteführer etc gemacht und kam im GR 8 viel rum.
Den Gruß habe ich nur ab Major aufwärts geleistet, (einzige Ausnahme, der Spieß der Wachkompanie, der Mann war in Ordnung) und wer mir deshalb doof kam, der hat das später ausbaden müssen.
Ansonsten hatte ich freies Feld, wie und wann Arbeiten erledigt wurden, konnte mir jederzeit einen Fahrer organisieren, wenn ich mal was außerhalb zu erledigen hatte.
So hab ich dort jede Grenzkompanie bereist.
Erst später im dritten DHJ kam ich an den Kanten nach Gandow, war dort als Gefreiter, der kein Postenführer war, der Pflegefall, da wehte der Wind wieder aus anderer Richtung, war mir aber weitgehends egal, da hab ich schon Tage gezählt.
Ich wurde jedenfalls dort von den Vorgesetzten so empfangen.
Ich wurde dort regelrecht verheitzt, Tags Grenze, Nachts Küche, oder umgekehrt, mit jeweils je 4 Stunden Pause dazwischen.
Schöne Nachtruhe war gestorben, genauso wie Waffenreinigen, die hat nach dem Dienst immer mit mir geduscht, wurde dann zerlegt auf die Heizung gepackt, und meißt von Waffen-UaZ selbst eingesammelt.
Ich weis noch, der Spieß dort hat, während ich im Bett lag und schlief, den Deckentausch gemacht, natürlich alles gleich neu bezogen.
Hatte ich mal A-Gruppe (12 Stundenschicht), war ich dann die nächste Schicht UVD oder GUVD.
UVD hatte ich immer vor einem Urlaub.
Als Abschiedsgeschenk hab ich dem KC und Polit am letzten Tag schon in Zivil meine Berechtigungen auf den Tisch geknallt, und das Kinoequipment verlangt, Wir haben dann die ganze Nacht Kino geschaut, der Film "Das fliegende Auge" fällt mir da jetzt so spontan ein, war auch mit dabei.
Die Beiden haben sich mächtig geärgert, weil es in Gandow keinen berechtigten Kinovorführer gab, und die Filme einfach so durchgereicht wurden.
Der Polit meinte noch zu mir, das hätten Sie ja am ersten Tag hier sagen müssen, sie wären anders eingeteilt worden, ich erwiederte, nein, das war nicht nötig, ich war ja hier nur der Pflegefall, der kein Postenführer war.

Das war wieder viel zu lang, ich bitte um Vergebung.

Gruß nightforce


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#27

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 19:03
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Hallo Zermatt,

ich bin gelegentlich ein recht impulsiver Mensch. Ich war einfach nur stinksauer und hab nicht lang nach einem Satz gesucht. Um es mal so zu sagen: Der Arsch von Fähnrich hat mich in die Pfanne gehauen und die Penner im GB hatten nur Schiss vor einem Anschiss vom GR und meterten mich gleich zusammen (O-Ton: "Sie sollten mal überlegen, ob Sie den richtigen Beruf gewählt haben!"). Als ich zwei Stunden nach meinem kurzen Ausbruch ins GB befohlen wurde, hatte ich keine Ahnung worum es ging. Irgend etwas hatte man immer "verbrochen". Erst im Regimentsstab klärte man mich auf und brachte mich sofort nach Erfurt zum Grenzkommando Süd. Dort wurde ich vom verantwortlichen Offizier für die Politkader empfangen. Ich sollte eine Stellungnahme schreiben. Ich fragte, welche Zeit sie umfassen sollte und wieviel Zeit ich dazu habe. Er antwortete wörtlich: "Wenn Du willst, fang bei Deiner Geburt an und wenn Du den ganzen Tag brauchst, brauchst Du ihn halt." Im Endeffekt war es tatsächlich eine zwölfseitige Stellungnahme. Wer die alles gelesen hat, weiß ich nicht. Kurze Zeit später wurde ich vor die Parteikontrollkommission des Grenzkommandos Süd zitiert. Dort entschied es sich. Wurde ich aus der Partei rausgeschmissen, hätte das gleichzeitig eine Degradierung zum Soldaten bedeutet, eine Rüge oder strenge RÜge hätten einen Verbleib als Offizier zur Folge gehabt. Die Grundlage des Verfahrens war meine Stellungnahme, die inzwischen durch Hervorhebungen und Anmerkungen recht bunt erschien. Vor mir war ein Major in der Mangel gewesen. Den hatten sie rausgeschmissen, sie waren also richtig warm. Ich bekam nach etwa einer Stunde eine strenge Rüge. Damals fühlte ich mich irgendwie "gerettet". Nach dem Prinzip der führenden Rolle der Partei, das galt tasächlich auch in der Armee, waren nun nur noch Strafen im Rahmen meines Verbleibs im Offizierskorps möglich (ich glaube, ich erhielt noch einen strengen Verweis durch den Leiter der Politabteilung des Regiments - das war's dann auch schon). Ich wurde kurzzeitig in die Nachrichten- und später dann fest in die Stabskompanie des Regiments versetzt und blieb in meiner Dienststellung als Politstellvertreter. Ende der eigentlichen Geschichte.

Nachbemerkungen dazu:

1. Ich erfuhr erst nach der Wende aus einer Einsicht in meine Kaderunterlagen, wo ich übrigens auch meine Stellungnahme fand und gleich an mich nahm, dass ich bereits seit Beginn meines Studiums an der Offiziershochschule für eine Kulturlaufbahn vorgesehen war. Das war der Grund, weshalb man recht schonend mit mir umging. Ich erfuhr erst fast 8 Jahre nach der ersten Entscheidung davon, als ich zum Studium nach Berlin delegiert wurde.
2. Ich hatte in der Grenzkompanie viele Probleme. Ich war nie Zugführer gewesen und wurde ohne jede Erfahrung sofort Stellvertreter des Kompaniechefs in der Kompaniesicherung. Da waren Fehler vorprogrammiert. Kompaniechef und Parteisekretär vergifteten zusätzlich noch die Atmosphäre. Ich habe, nach meiner heutigen Analyse, damals mit einem ziemlich guten Gespür rein unterbewusst den Satz gewählt, der mich aus dem Dilemma der Grenzkompanie rausholte ohne mich gänzlich zu demontieren. Mit Risiko zwar, aber in Stedtlingen damals rauszukommen - das war es wert. Glaub mir! Hätte ich das meinem bewussten Selbst überlassen, wäre es schief gegangen. Seitdem vertraue ich meinem Gefühl.
3. Was hat das ganze mit der Stasi zu tun? Tja, so richtig kann ich diese Frage eigentlich nicht beantworten. Mein ganzes Erlebnis mit diesen Leuten bestand aus folgender Episode: Etwa 4 Wochen nach meinem Abzug aus der GK saß ich in Dermbach in einer Kneipe mit mehreren Leuten aus dem Stab. Dabei war auch ein Unterleutnant der Verwaltung 2000. Irgendwann sah der mich an und fragte mich, wer ich eigentlich sein. Ich sagte, ich sei der ehemalige Polit aus Stedtlingen, worauf er sofort rausplatzte: "Ach, Du bist das arme Schwein!" Er biss sich zwar gleich auf die Lippe, aber ich hatte wieder ein Gefühl bekommen, wer so alles Stellungnahmen las.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 25.02.2009 19:13 | nach oben springen

#28

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 25.02.2009 23:40
von Bürger (gelöscht)
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Hallo!

nightforce welchem Märchenbuch bist Du denn entsprungen????? Wir schreiben das Jahr 2009

gruß Bürger


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#29

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.02.2009 01:23
von nightforce (gelöscht)
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@Bürger,
kein Märchen,
oder gilt bei dir der Spruch,
getroffene Hunde bellen, warst wohl auch IM?
wenn du was sachliches dazu zu sagen hast, dann tu es, ansonsten, wenn keine Ahnung, dann.......du weist schon.
Desweiteren bitte ich darum Beleidigungen zu unterlassen.
Gruß nightforce

zuletzt bearbeitet 26.02.2009 01:44 | nach oben springen

#30

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 26.02.2009 09:41
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen möchte mal etwas beisteuern zu den Briefen da ich damals schon ein fleißiger Schreiber war, das soll aber jetzt kein Eigenlob sein sondern einfach nur herüberbringen das jeden oder fasst jeden Tag ein Brief Richtung Heimat abging. Und so kam auch die selbe Anzahl von meiner jungen Ehehälfte zurück. Die Briefe vom Stab Nostorf wurden durch den der gerade Zeit hatte oder in diese Richtung fuhr, Nachrichten, Pioniere, Hunde LO jeden früh auf die Post nach Schwanheide gebracht, und so am späten Vormittag nach dem selben Muster wieder abgeholt. Der der sie mitbrachte verteilte sie auch gleich auf die Zimmer, auf den Tisch gelegt und so bekam die Truppe ihre Post ohne große Umwege über Zimmerhauptfeld oder Zimmer 2000. Ob nun diese Zahl bei letztgenannten an der Zimmertür stand wie hier mal diskutiert wurde, also Leute das ist jetzt 31 Jahre her könnte sein, könnte nicht sein. Jedenfalls weis ich noch das da immer so ein junger dynamischer Typ siehe mein Text Elbgrenze 3.8.08 aufkreuzte, wenn ich heute so daran denke der hatte ein Leben, ich sag mal so salopp der hatte schon den Kommunismus. Aber seinen Wagen, einen Lada den wusch er schön alleine weil hier mal geschrieben wurde das immer Fliegen dazu vergattert wurden. Eine Sache lässt mich aber zu 95% sicher sein das keine Briefkontrolle erfolgte und die hieß bei mir persönlich 501-Anlage/Selbstschussanlage. Das klingt jetzt vielleicht blöd aber über die Funktionsweise dieser Anlage hat meine Frau besser bescheid gewusst als….. , gerade weil ich so naiv war über jedes Vorkommnis im Abschnitt, Arbeitsabläufe oder einfache Begebenheiten am Tag zu schreiben. Welcher Draht war welcher, was passierte wenn und und und, ich nenn es heute jugendliche Naivität mit vielleicht etwas na so wie wir Männer eben sind. Schon aus dem Grund halte ich eine Briefkontrolle durch die Staatssicherheit im nach hinein für nicht gegeben. Natürlich muss man aber hinzufügen wenn Vorkommnisse so Republikflucht in der Verwandtschaft/Scheidungen wie schon angesprochen u.a. auftauchten das dann eine Tiefenprüfung und Überwachung erfolgte denn das war ja logische Notwendigkeit von Seiten des MFS. Also ich saß nicht in Schwedt ein, eventuell noch bei Wisidavo und seinem zusammengekniffenen Gesicht als Vollzugsbeamter, Gott sei Dank das blieb mir erspart. Schon das sagt mir das keine oder fasst keine Kontrolle erfolgte, schade das ich die Briefe Anfang der Wendezeit verbrannt habe, sie wären ein gutes Zeitzeugenprotokoll geworden. Noch mal zu diesen Begehen auf vor gelagerten Gebiet, also wir Pioniere standen oft nur wenige Meter von BGS oder ZGD entfernt siehe meinen Text Elbgrenze 22.10.08 .

Gruß

Rainer-Maria


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#31

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.02.2009 07:36
von Udo (gelöscht)
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2000 – ach ja, da habe ich auch noch eine Anekdote.
Es sollte in der Theodor-Körner-Kaserne in Dömitz ein Büro in der Nähe des Besucherraumes eingerichtet werden. Ich war der LO-Fahrer der die Möbelierung brachte. Vor dem Büro steht eine junge Frau, so Anfang 30, hübsch und schaut mich fragend an.
Ich natürlich total cool: „Na Süße, wo willst Du denn Deine Möbel hinhaben?“
Ohhhhhhh, da war was los. Ob ich nicht wüsste wer sie sei, was mir einfällt usw. usw.
Nach nicht einmal 3 Minuten stand der GUvD neben mir (von seinem Büro bis nach vorn sind es gut 400 Meter) und befahl mich zum Polit.
Der nahm mich dann freundlich zur Seite und erklärte mir, dass man die Ehefrau von einem 2000ner Offizier nicht anbaggern sollte.
Mir ist dann wirklich die Muffe gegangen, aber es ist überhaupt nichts passiert. Manchmal wurden die Befugnisse dieser Leute bestimmt überschätzt.
Udo


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#32

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.02.2009 12:38
von manudave (gelöscht)
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Feine Geschichte - ich hab echt gelacht - kann man sich so richtig vorstellen...


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#33

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.02.2009 14:08
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo Udo,

danke für die Anekdote. Ich, als alter Polit, habe mal schnell versucht, mich in Deinen Polit reinzuversetzen. Ich hätte wahrscheinlich einen ähnlichen Spruch gebracht. Was wäre die Alternative gewesen? Über sozialistische Moral und Ethik oder gar Benehmen zu predigen? Hätte doch keiner ernst genommen! Aber da sich die Süße recht schnell beschwert hat, konnte man die Tatsachen doch nutzen. Sie sieht, dass ich schnell reagiere (ist die Ehefrau zufrieden, freut sich der Mann [gelegentlich]) und ich habe einen coolen Spruch, mit dem ich einen meiner Unterstellten an einer Stelle treffe, die ihn nachdenklich stimmen könnte (erstes Prinzip der Pädagogik: Erst verunsichern, dann prägen). Außerdem wäre wohl aus einem Grund nichts hinterher gekommen. Nehmen wir mal an, sie hätte es ihrem Mann erzählt - he, welcher Ehemann hört schon seiner Angetrauten zu?!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#34

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.03.2009 08:35
von Udo (gelöscht)
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Noch eine kleine Anekdote oder: “Wie die Genossen von 2000 auch nützlich waren.“
Vorgeschichte:
Es war Ende 1986, ich war schon EK und hatte mir, um nicht bei Wind und Wetter Tag und Nacht irgendwo am Kanten zu bauen, einen ruhigen Platz als GUvP (Gehilfe des Unteroffiziers vom Kfz-Park) besorgt.
Gegen 21.30 Uhr kam mein UvP auf den Park. Er war fahrgeil und fragte, ob ich meine Autoschlüssel (LO) dabei habe – ich verneinte, diese lägen beim UvD (Unteroffizier vom Dienst).
Wir gingen gemeinsam über den Park und er fasste an jede Autotür, es hätte ja eine nicht verschlossen sein können. Irgendwann, wir hatten alle Fahrzeuge abgeklappert, machte er sich an Einsatz-UAZ (gedacht für den E-Fall und mit kompletter Technik (Funk) bestückt) des Bataillonskommandeurs zu schaffen und bekam diesen auch auf. Kurzgeschlossen, mich eingeladen und dann mit quietschenden Reifen über den Park gejagt. Natürlich musste diese „laute Fahrweise“ irgendwann gehört werden und tatsächlich tauchte der OvD in der Dunkelheit auf. Der machte uns erst mal richtig zur Sau und löste uns sofort vom Dienst ab.
Welche Strafe der Unteroffizier bekam ist mir nicht bekannt, ich jedenfalls wurde mit einer dreimonatigen Ausgangs- und Urlaubssperre beglückt.

Genau in diese Zeit fiel mein geplanter Erholungsurlaub. Ich war natürlich betrübt, aber ein Zimmergenosse sagte mir, dass seines Wissens der Erholungsurlaub nicht in die Ausgangs- Urlaubssperre reingehöre und ich mich mal über die Dienstvorschriften schlau machen sollte.
Ich sofort zum Hauptfeld, aber der erklärte mir, dass die einzige Dienstvorschrift die ich zu kennen habe sein Befehl sei. Hmm, nun stand ich da.
In der Theodor-Körner-Kaserne waren aber nicht nur die Sicherstellungskompanie, sondern auch eine Pio-Kompanie untergebracht und der Schreiber war ein Freund von mir und besorgte die Dienstvorschrift. Tatsächlich, der Erholungsurlaub zählte nicht in die A/U-Sperre. Ich zu meinem KC (Major) und ihm die Sache dargelegt. Der erklärte mir, solange er der Chef sei, bekomme ich in diesem Zeitraum keinen Erholungsurlaub. Da hatte ich wieder Trauer.
Tage später waren ein paar Militärschöffen (untere Dienstgrade) in der Kaserne. Diese befragt, gaben mir zwar Recht, wollten sich aber nicht einmischen.
Ich hatte mich mit den Genossen des Nachrichtenzuges angefreundet und saß häufig in der Nachrichtenzentrale zum Kaffeeklatsch. Durch Zufall bekam ich die Telefonnummer des Militärstaatsanwaltes des Regimentes (Grabow) in die Finger und rief da an.
Eine freundliche Stimme vermittelte mir, dass der Genosse gerade nicht im Zimmer sei, mich aber zurück rufen würde. Auf dessen Frage, wen denn der Militärstaatsanwalt zurück rufen solle antwortete ich: „Den Gefreiten Udo.“ Kurze Pause, dann die Nachfrage: „Einen GEFREITEN???“ Ich bejahte.
Es dauerte nur Sekunden bis der GUvD mich zum KC befahl. Dieser schrie mich an, was ich mir einbilde im Regiment und dann noch den Militärstaatsanwalt anzurufen.
Der Militärstaatsanwalt hat nie zurück gerufen und für mich schien die Sache und damit mein Urlaub erledigt zu sein. Es kam anders.
Ein paar Tage vor meinem geplanten Erholungsurlaub raunte mir unser Schreiber zu, dass ich doch meinen Urlaubantrag einreichen solle. Ich sagte ihm, dass dies doch sinnlos sei, doch er meinte, dass ich meinen Urlaub bekomme. Also den Antrag gestellt und auf die Bestätigung gewartet. Normaler Weise bekam man spätestens am Mittwoch die Bestätigung, wenn man am Freitag in den Urlaub wollte. Ich bekam sie Freitag um 12.00 Uhr und hatte damit eigentlich nicht mehr gerechnet. Kurzer Blick auf den Urlaubsschein und ich stellte fest, dass mir ein Tag zuviel genehmigt worden war. Diesen einen Tag brauchte ich doch noch für meinen letzten VKU um meine Zivilsachen zu holen. Ab zum Hauptfeld. Der erklärte mir die Richtigkeit des Urlaubsscheines und dass ich trotzdem meinen VKU bekomme.

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die nette Stimme in Grabow ein Offizier von der 2000 war, der dann über den großen Dienstweg eine Anfrage zuerst beim Bataillon und dann bei meinem KC gemacht hatte, warum wohl ein Gefreiter beim Militärstaatsanwalt anruft.
Da ging dem KC dermaßen die Muffe, dass er mir, um keinen weiteren Ärger zu haben, sogar einen Tag Urlaub geschenkt hat.
Fazit: 2000 war nicht immer schlecht.
In der Hoffnung, Euch jetzt nicht gelangweilt zu haben.
Udo


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#35

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.03.2009 09:03
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Hallo Udo,

nein, Du hast mich nicht gelangweilt. In Deiner Geschichte finde ich die alte Regel wieder, dass eine Bestrafung eine Strafe, aber keine Rache sein darf. Das haben manche Offiziere, zum Teil im Eifer des Gefechts zum Teil aus reiner Idnoranz, manchmal vergessen. Für so etwas wäre in der Kompanie normalerweise der Polit der erste Ansprechpartner gewesen, aus meiner Sicht. Denn die Tatsache, dass Vorschriften nicht eingehalten werden, wirkt sich schnell auf den Zustand (wir nannten ihn den politisch-moralischen Zustand) aus. Und das wäre die Spielwiese des Polits gewesen. Aber lassen wir das. Du hast genau das Richtige getan, um diese Selbstgerechten in die Wirklichkeit zurück zu holen. Beschwerden nach oben waren da ein sehr gutes Mittel. Als ich 1983 in die Grenzkompanie kam, hatte kurz zuvor ein Soldat einen Beschwerdebrief geschrieben, an Honecker oder den Ministerrat - weiß es nicht mehr so genau. Die daraufhin eintreffende Kontrollgruppe, beginnend bei Vertretern des Ministeriums, hatte mehr als Zugestärke. Die meisten Punkte der Beschwerde wurden zwar widerlegt, aber wenn man sucht, findet man immer was. Die Bestrafungen reichten bis ins Regiment hinauf. Dem Soldaten sollte danach nichts passieren. Er war Tabu.

Somit war es eigentlich egal, wer die Keule von oben schwang, ob nun die "2000" oder andere. Wenn man Angst davor hatte, gab man unten nach und hängte sogar noch Urlaub dran.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 04.03.2009 09:04 | nach oben springen

#36

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.03.2009 12:40
von Udo (gelöscht)
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Mich hat immer der lückenlose Informationsfluss in der DDR beeindruckt.
1.Bsp.
In meinem VKU bin ich von der Polizei in meiner Heimatstadt angehalten worden. Wie das so war, jeder hatte an seinem S 51 ein bisschen individuell rumgebastelt und einige Teile waren eingekürzt (Blinker und Kotflügel) andere Sachen waren ganz entfernt worden (Schalldämpfer). Natürlich gab es dafür 2 Stempel in die Fahrerlaubnis.
Nach Rückkehr zur Einheit meldete ich mich "Ohne Vorkommnisse". An das oben genannte Erlebnis dachte ich schon gar nicht mehr. Das Geschrei war groß, denn mein KC war über meine Stempel schon informiert. Samstags die Stempel, am Montag wusste das mein KC. Schneller gehts wohl nicht.
2.Bsp.
Wenn am Abend auf der Bude gesoffen wurde, konnte der KC am nächsten Tag zum Morgenappell (7.30) genau sagen, wer, was und wieviel getrunken hatte. Er machte sich daraus immer einen Spaß. O-Ton: Na Gefreiter Müller? Sie sehen aber auch nicht gerade frisch aus. Liegt es vielleicht an der halben Flasche Goldbrand die Sie gestern getrunken haben? Und Sie, Gefreiter Meier, hat der Pfeffi geschmeckt?
Verwunderlich war immer nur, dass derjenige (es waren immer verschiedene Genossen) der das Zeug rein gebracht hatte, nie belangt wurde. Um Spekulationen vorzubeugen: Die konnten nicht alle von der Stasi sein, außerdem habe auch ich manchmal ein paar Flaschen im Werkzeugkasten mit hinein gebracht.
Udo


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#37

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.03.2009 13:50
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Udo,
darf ich deinen Beitrag etwas korigieren?
Im GR 8 in Grabow gab es keinen Militärstaatsanwalt, selbiger tat seinen Dienst im Grenzkomando Nord mit Sitz in Stendal.
Ich weiß das sogenau, weil ich ihn dort besucht habe, wegen dem gegen mich eingeleiteten Verfahren, siehe langer Text von mir weiter oben.
Der Leiter der A 2000 in Grabow war 84 im Dienstgrad Major und hieß A..., und hatte ne hübsche schwarzhaarige Tochter.
Der Major war auch mit auf der beschriebenen Reise weiter oben mit dabei, und bei der Hausdurchsuchung bei mir zu Hause beschwichtigte er sogar die Leute der aus Erfurt hinzugezogenen Spezialeinheit.
Wahrscheinlich hast du mit dem telefoniert, der war menschlich ganz in Ordnung, und hat auch wegen der gefundenen KK-Patrone keinen Aufriss gemacht.
Die Erfurter waren da wie die Geier, haben sogar 9 mm Kartuschen vom Bolzenschußgerät mit einkassiert, ich fragte die dann noch ob se nen Sack davon brauchen.
Naja, ich wollte nicht abschweifen, es ging ja nur um den Militärstaatsanwalt.
Gruß nf


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#38

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 04.03.2009 14:03
von Udo (gelöscht)
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@nightforce
Durchaus möglich. Kann auch sein, dass der Major von der 2000 gesagt hat, dass der M-Staatsanwalt nicht da sei. Jedenfalls habe ich in Grabow angerufen. Schade, dass ich seine Tochter nicht kennenlernen durfte.


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#39

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.03.2009 13:01
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Hallo zusammen,

ich habe ein wenig mit mir gerungen, aber nun poste ich die Geschichte doch und auch an dieser Stelle. Ich halte nicht viel von Dämonisierungen. Sie verkleistern die Sicht auf die Menschen in den entsprechenden Organisationen, ihre Beweggründe und vor allem auf das in Zukunft Vermeidbare daran. Deshalb mal hier eine andere Stasigeschichte, zwar nicht aus den Grenztruppen unmittelbar, da aber der Mensch, um den es hier geht, seine Ausbildung an der Offiziershochschule der GT hatte, passt das schon.

Ich war im Studium an der Militärpolitischen Hochschule (seit 1988) mit einem Oberleutnant des Wachregiments Felix Dzierzynski auf einem Zimmer im Wohnheim. Er vertrat somit offen und in Uniform die Stasi. Er galt als sehr guter Text- und Songschreiber (Liedermacher). 1989 beschlossen wir, ein Programm zu schreiben für und über Wilhelm Pieck, dessen Namen die MPHS trug. Dem Zeitgeist in der Liedermacherei folgend, sollte es eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Leben und Tun in der DDR sein, gemessen an einem, der für uns immer nur auf Sockeln gestanden hat. Er schrieb die ersten Entwürfe, ich hatte die ersten Songs bereits vertont. Eines Tages wurde unser Lehrgangskommandeur in einer Dienstbesprechung beim Kommandeur der Hochschule (Generalmajor D.) mit einer Zeile aus dem Eröffnungssong des Programms konfrontiert ("Des Michels Mütze kratzt an unsern Ohren") und gefragt, ob er wüsste, woher das stammt. Der Lehrgangskommandeur verfügte nicht über die Informationsquellen (Stasi in der Truppe?) des Generals und verneinte. Der General wies laut auf unsere Lehrgruppe hin und das so etwas nicht gehe. Aber einfach verbieten wollte man es nicht, da staune ich übrigens bis heute noch drüber. Es wurde der Lehrstuhl Kulturwissenschaft mit Verstärkung aufgefordert, mit uns die Diskussion über den Text zu führen, mit dem Ziel, das Ding findet so nicht statt. Wir 15, unser Autor in der Mitte, saßen also eines schönen Tages 4 Obristen, mehreren Oberstleutnants und 2 Zivilbeschäftigten gegenüber. 3 Stunden wurde hart über den Text diskutiert und gestritten. Das einstimmige Endergebnis lautete: Der Song ist genau der Richtige für die Eröffnung eines Wilhelm-Pieck-Programms. Das Programm wurde von der Zeit überholt und niemals aufgeführt. Es existieren nur noch die Fragmente, die ich als Arbeitsgrundlage hatte. Ich lege die erste Seite meines Manuskripts mit dem Song (eingerahmt) mal bei.

Es mag nicht ganz in den heutigen Zeitgeist passen, aber auch das war "Stasi in der Truppe".

ciao Rainman

1.PS: Falls jemand mit dem Bild nichts anfangen kann: Des Michels Mütze ist die Nacht- oder auch Schlafmütze des Deutschen Mannes, vorzugsweise als lange, weiße Zipfelmütze mit Bommel.
2.PS: Ich habe keine Freigabe vom Autor für diesen Text. MS - wenn Du die Seite hier findest, melde Dich bei mir.
Angefügte Bilder:
W_Pieck_Manuskript_Seite01.jpg

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.03.2009 13:08 | nach oben springen

#40

RE: Stasi in den Truppen

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 06.03.2009 17:46
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Abend Rainman,

du hast also auf deiner Klampfe die Akkorde gespielt.Schön wenn man jetzt
noch die Melodie hören könnte,welche Richtung war es denn,wenn du es beschreiben
müsstest. (ja ich weiss,ist schwer)



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