#561

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 03:23
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #560
Das Jeder mit seiner Stasi-Akte unterschiedlich umgeht, ist für mich verständlich. Für mich ist nur unverständlich, wenn Bürger aus der BRD sich
als Sachverständige und als allwissend hinstellen und alle ehemaligen DDR-Bürgern, von den sog. Bürgerrechtlern abgesehen, die sich ja gerne
von den Brüdern und Schwestern aus der belehren lassen. Nach der Devise: von der BRD lernen, heißt siegen lernen.
Ich muss sagen, ich stelle nicht den Antrag auf Einsicht in meine Stasi-Akte! Die Gründe sind folgende: Das ich eine Akte habe, ist mir klar wie
Kloßbrühe, dass ergibt sich schon aus meiner ehemaligen Tätigkeit bei der DVP. Der betreffende Genosse war in der Woche mindestens 2 Tage
in meiner unmittelbaren Nähe, als hatte er Kenntnis über mein Tun im Dienst, was ja auch im Interesse der "Firma" lag.
Ich muss sagen, ich hatte nie in meiner gesamten Dienstzeit Probleme mit dieser Truppe. Zwei Beispiele zur Begründung.
Mein älterer Bruder war 1958 in die BRD "abgehauen". Nach einem halben Jahr kam er wieder. Er vermisste seine "Sandkastenliebe", mit der er noch nach
rd. 60 Jahren zusammen ist. Er war dafür 6 Monate in Haft.Da gab es noch in unserer Kreisstadt eine JVA. Ich ging 1961 für mehrere Jahre an die Grenze.
Als mein erster Sohn geboren wurde, stellte man fest, dass er schweres Asthma hat. Daraufhin wurde er für 3 Monate zum Kuraufenthalt nach Zypern
geschickt. Meine Ex-Frau ging einmal nicht zur Wahl. Ich hatte keine Problem damit, obwohl ich schon Offizier war.
Nach der Wende habe ich für 7 Jahre Dienst bei der West-Polizei. Dienst versehen. Eines taqes erhielt ich eine "Einladung" zu einem Gespräch. Dieses
Gespräch wurde in einem Dienstzimmer in einer Dienststelle, den Namen/Bezeichnung habe ich vergessen. Dieses Dienstzimmer befand sich im
Gebäude des Polizeipräsidenten von Berlin, Platz der Luftbrücke, Eingang vom Columbiadamm, für Berlin-Kenner. Dort wurde ich von 2 Personen zu
meiner Dienstgeschichte befragt. Ich war etwas bei der Befragung/Vernehmung, weil sich diese Herren nur für die Zeit, die ich bei der DVP war,
interessierten. Für mich einigermaßen verständlich. Wir in der DVP-Inspektion haben/konnten unsere Kaderakte "bereinigen". Jeder konnte entscheiden was die Kollgen aus dem Westen über ihn erfahren konnte/sollte.
Aus diesem Grund wußten manche BRD-Dienststellen nicht, wer die Person war, die aus der "Zone" kam
Ich weiß was ich in meiner beruflichen Tätigkeit gemacht habe. Andere Personen brauchen es nicht zu wissen.
Also, warum soll ich Geld ausgeben, nur weil ich meine Stasi-Akte sehen will? Ich würde gerne mal meine Grenzer-Akte sehen, aber das ist nicht moglich oder
von diesem Staat nicht gewollt, obwohl es mein Leben ist.




Interessanter Beitrag.Danke!

seaman


zuletzt bearbeitet 24.10.2014 03:31 | nach oben springen

#562

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 10:19
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Grenzerhans im Beitrag #560
Das Jeder mit seiner Stasi-Akte unterschiedlich umgeht, ist für mich verständlich. Für mich ist nur unverständlich, wenn Bürger aus der BRD sich
als Sachverständige und als allwissend hinstellen und alle ehemaligen DDR-Bürgern
, von den sog. Bürgerrechtlern abgesehen, die sich ja gerne
von den Brüdern und Schwestern aus der belehren lassen. Nach der Devise: von der BRD lernen, heißt siegen lernen.
Ich muss sagen, ich stelle nicht den Antrag auf Einsicht in meine Stasi-Akte! Die Gründe sind folgende: Das ich eine Akte habe, ist mir klar wie
Kloßbrühe, dass ergibt sich schon aus meiner ehemaligen Tätigkeit bei der DVP. Der betreffende Genosse war in der Woche mindestens 2 Tage
in meiner unmittelbaren Nähe, als hatte er Kenntnis über mein Tun im Dienst, was ja auch im Interesse der "Firma" lag.
Ich muss sagen, ich hatte nie in meiner gesamten Dienstzeit Probleme mit dieser Truppe. Zwei Beispiele zur Begründung.
Mein älterer Bruder war 1958 in die BRD "abgehauen". Nach einem halben Jahr kam er wieder. Er vermisste seine "Sandkastenliebe", mit der er noch nach
rd. 60 Jahren zusammen ist. Er war dafür 6 Monate in Haft.Da gab es noch in unserer Kreisstadt eine JVA. Ich ging 1961 für mehrere Jahre an die Grenze.
Als mein erster Sohn geboren wurde, stellte man fest, dass er schweres Asthma hat. Daraufhin wurde er für 3 Monate zum Kuraufenthalt nach Zypern
geschickt. Meine Ex-Frau ging einmal nicht zur Wahl. Ich hatte keine Problem damit, obwohl ich schon Offizier war.
Nach der Wende habe ich für 7 Jahre Dienst bei der West-Polizei. Dienst versehen. Eines taqes erhielt ich eine "Einladung" zu einem Gespräch. Dieses
Gespräch wurde in einem Dienstzimmer in einer Dienststelle, den Namen/Bezeichnung habe ich vergessen. Dieses Dienstzimmer befand sich im
Gebäude des Polizeipräsidenten von Berlin, Platz der Luftbrücke, Eingang vom Columbiadamm, für Berlin-Kenner. Dort wurde ich von 2 Personen zu
meiner Dienstgeschichte befragt. Ich war etwas bei der Befragung/Vernehmung, weil sich diese Herren nur für die Zeit, die ich bei der DVP war,
interessierten. Für mich einigermaßen verständlich. Wir in der DVP-Inspektion haben/konnten unsere Kaderakte "bereinigen". Jeder konnte entscheiden was die Kollgen aus dem Westen über ihn erfahren konnte/sollte.
Aus diesem Grund wußten manche BRD-Dienststellen nicht, wer die Person war, die aus der "Zone" kam
Ich weiß was ich in meiner beruflichen Tätigkeit gemacht habe. Andere Personen brauchen es nicht zu wissen.
Also, warum soll ich Geld ausgeben, nur weil ich meine Stasi-Akte sehen will? Ich würde gerne mal meine Grenzer-Akte sehen, aber das ist nicht moglich oder
von diesem Staat nicht gewollt, obwohl es mein Leben ist.



aus diesem Satz klingt fast ein Stolz, dass du mit einem "blauen Auge" davon gekommen bist. Meines Wissens gab es nur bei den Nazis Sippenhaftung also bei der SED offenbar nicht nach deinen Worten. Nun , da habe ich andere Berichte gehört. Manchmal haben die "Organe" eben auch geschlafen. Ich wäre übrigens ins Grübeln gekommen bei solchen Umweltbedingungen auf dem Arbeitsplatz, welcher Sorte Herrschaften ich da diene.

Ach übrigens, Alt Bundis interessiert die Stasi und ihre Akten einen feuchten Kehricht. Die Allermeisten sind da sowieso nicht aktenvermerkt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 24.10.2014 10:22 | nach oben springen

#563

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 10:31
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #562

Ach übrigens, Alt Bundis interessiert die Stasi und ihre Akten einen feuchten Kehricht. Die Allermeisten sind da sowieso nicht aktenvermerkt


Na @Gert , ob das mit dem Interesse der Alt-Bundis so stimmt?
Halten unsere Medien dieses Thema "Schdasi" nur wegen der verbliebenen 14 oder 15 Mio DDR- Leutchen am köcheln?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#564

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 10:42
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Gert--ich glaube schon,das so manchen Diensten im heutigen Lande, schon die Stasiakte interessiert. Klar dem einfachen Volke wohl nicht so sehr, den ist so was egal. Erfahrung aus den eigenen Bekanntenkreis.


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#565

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 10:55
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi,
Der "Stasiaktenbericht" von Grenzerhans könnte (fast) auch von mir sein. Würde ich bedenkenlos unterschreiben.
Also m.M. nach auch kein Grund, einzelne Sätze rauszupicken und "auszulegen". Ja, ich weis, macht man gern.
Gerd - Nun , da habe ich andere Berichte gehört.- Da ist so das Problem. Du hast andere Berichte gehört. (Und natürlich auch deine eigene Erfahrung mit der DDR bis zu deinem Abgang). Klar - aber warum stellst Du sie über die Erfahrung der Anderen ? Du hällst dich doch für einen Realisten ( klingt jedenfalls aus deinen Beiträgen raus)- dazu gehört auch so ein wenig die Akzeptanz der anderen Meinung/Darstellung/Erlebnisse.
Ach übrigens, Alt Bundis interessiert die Stasi und ihre Akten einen feuchten Kehricht. - Da hast Du wohl Recht . Bleibt die Frage -wissen die Altbundis da wirklich was konkretes - oder -was natürlich wesentlich wahrscheinlicher ist - glauben sie nur ?- "Haben sie mal gehört ?" Die Erfahrung (meine) sagt das Zweite.
Da liegt wohl das Problem der deutsch-deutschen Verständigung. ( na , eines)
73, Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#566

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 11:21
von seaman | 3.487 Beiträge

Mehrheitlich waren Alt- Bundesbürger ,die Interesse an ihren Akten haben/hatten, gleich nach der Wende aktiv um dieses Wissen schnellstens zu erlangen.Teilweise sogar aus beruflichen Gründen.....
Das hängt damit zusammen welche Personengruppen speziell aus der alten Bundesrepublik D. vom MfS erfasst wurden.

seaman


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#567

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 12:18
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #563
Zitat von Gert im Beitrag #562

Ach übrigens, Alt Bundis interessiert die Stasi und ihre Akten einen feuchten Kehricht. Die Allermeisten sind da sowieso nicht aktenvermerkt


Na @Gert , ob das mit dem Interesse der Alt-Bundis so stimmt?
Halten unsere Medien dieses Thema "Schdasi" nur wegen der verbliebenen 14 oder 15 Mio DDR- Leutchen am köcheln?



na für wen denn sonst ? Dass diese BUSt Behörde besteht ist auch kein Wunsch der über 60 Mio Alt Bundis, sondern der DDR Bürgerrechtler, das möchte ich mal ausdrücklich betonen. Was soll zum Beispiel einen eingeborenen Menschen aus meiner neuen Heimat D'dorf an der Stasi interessieren? Die wissen doch noch nicht mal genau, mit was für einem "Organ" sie es zu tun haben. Ne ne ich sage dir da ist null Interesse, mit Ausnahme von ein paar berufsmäßig damit zu tun habenden z.B. Journalisten.


.
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#568

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2014 12:23
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #565
Hi,
Der "Stasiaktenbericht" von Grenzerhans könnte (fast) auch von mir sein. Würde ich bedenkenlos unterschreiben.
Also m.M. nach auch kein Grund, einzelne Sätze rauszupicken und "auszulegen". Ja, ich weis, macht man gern.
Gerd - Nun , da habe ich andere Berichte gehört.- Da ist so das Problem. Du hast andere Berichte gehört. (Und natürlich auch deine eigene Erfahrung mit der DDR bis zu deinem Abgang). Klar - aber warum stellst Du sie über die Erfahrung der Anderen ? Du hällst dich doch für einen Realisten ( klingt jedenfalls aus deinen Beiträgen raus)- dazu gehört auch so ein wenig die Akzeptanz der anderen Meinung/Darstellung/Erlebnisse.
Ach übrigens, Alt Bundis interessiert die Stasi und ihre Akten einen feuchten Kehricht. - Da hast Du wohl Recht . Bleibt die Frage -wissen die Altbundis da wirklich was konkretes - oder -was natürlich wesentlich wahrscheinlicher ist - glauben sie nur ?- "Haben sie mal gehört ?" Die Erfahrung (meine) sagt das Zweite.
Da liegt wohl das Problem der deutsch-deutschen Verständigung. ( na , eines)
73, Hans




sagte ich doch, dass wahrscheinlich die Stasi geschlafen hat. So wie sie bei mir im Tiefschlaf war als ich noch in der DDR lebte mit meiner Einstellung zu diesem Staat, aus der ich keinen Hehl machte, mich an die nasse Grenze (6.GBK) in der Lübecker Bucht zu stellen. Habe ich nie
verstanden.


.
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#569

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.10.2014 01:10
von Grenzerhans | 274 Beiträge

Hallo, hochverehrte , intelligente Forumsmitglieder.
In den Jahren der "glücklichen" Wiedervereinigung mit der Diktatur der ehem. DDR und dem parlamentarisch beaufsichtigen Rechtsstaat, bezeichnet als BRD,werden Urteile in den Gerichten gesprochen, welche sogar Richter anderer Gerichten die Sprache verschlagen.
Urteile, die von "außen " beeinflußt wurden? Wie kann das in einem Rechtsstaat, wie der BRD,die ja führ ihr modernes Rechtssystem angeblich
bekannt ist, passieren.
Ich bitte bei der möglichen Diskussion die ehemalige DDR außen vorzulassen, dann könnte man beim römischen oder englischen
Rechtssytem anfangen und die DDR ist Vergangenheit, dass war ja sowieso ein Unrechtsstaat was aus glücklichen Herzen immer wieder zum Ausdruck gebracht wird.

Grenzerhans


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#570

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 11:09
von 82zwo | 123 Beiträge

Ich hätte meine Akte gerne gelesen.Nach Auskunft lag die in unserer Kreisstadt - für schnelleren Zugriff.
Ist jetzt leider nicht mehr vorhanden.



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#571

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 12:15
von Alfred | 6.857 Beiträge

Zitat von 82zwo im Beitrag #570
Ich hätte meine Akte gerne gelesen.Nach Auskunft lag die in unserer Kreisstadt - für schnelleren Zugriff.
Ist jetzt leider nicht mehr vorhanden.


Das hatte wohl nichts mit schnellen Zugriff zu schaffen.

Wenn eine Akte vorhanden war, befand sich diese immer bei der zuständigen Diensteinheit bzw. wenn diese nicht mehr aktuell war, in der entsprechenden Abteilung ( Abteilung XII ) im Archiv . ( Das war dann aber nicht in der Kreisdienststelle )


zuletzt bearbeitet 18.12.2014 12:16 | nach oben springen

#572

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 12:42
von Regina | 643 Beiträge

thomas48
Ich habe meine Akte schon lange, wollte ja mal was veröffentlichen.
Staunte nur was die Genossen alles über mich wußten und was nicht.



zuletzt bearbeitet 18.12.2014 12:43 | nach oben springen

#573

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 12:51
von katerjohn | 559 Beiträge

Meine Frau und ich haben aus verschiedensten Gründen keine Akteneinsicht beantragt.
Aber eine Frage bewegt mich ; Weihnachten 1971 hatten meine Grosseltern Goldene Hochzeit. Ich habe natürlich diese Feierlichkeit besucht und das obwohl ich wusste ,das die Geschwister meines Vaters aus Wien und aus Hannover da sein werden .
Ich war zu dieser Zeit noch strammer Grenzer und es würde mich schon interessieren ,ob Horch und Guck das mitbekommen hat .....


Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !
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#574

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 14:01
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von katerjohn im Beitrag #573
Meine Frau und ich haben aus verschiedensten Gründen keine Akteneinsicht beantragt.
Aber eine Frage bewegt mich ; Weihnachten 1971 hatten meine Grosseltern Goldene Hochzeit. Ich habe natürlich diese Feierlichkeit besucht und das obwohl ich wusste ,das die Geschwister meines Vaters aus Wien und aus Hannover da sein werden .
Ich war zu dieser Zeit noch strammer Grenzer und es würde mich schon interessieren ,ob Horch und Guck das mitbekommen hat .....


Wenn Du es ihnen nicht erzählt hast oder Deine Grosseltern nicht im Fokus des MfS standen, dürfte die Verwaltung 2000 als Militärabwehr kaum was davon mitbekommen haben, schließlich hatten sie ja keine Glaskugel.
Der @Gert wundert sich auch heute noch, warum er mit seiner nicht verleugneten Einstellung zur DDR zur 6. GBK kommen konnte.

Offensichtlich war die Überwachung dann wohl doch nicht so flächendeckend wie immer behauptet wird.


andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
Gert, katerjohn, RudiEK89 und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.12.2014 14:01 | nach oben springen

#575

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 17:00
von Krelle (gelöscht)
avatar

gelöscht


zuletzt bearbeitet 18.12.2014 17:49 | nach oben springen

#576

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.12.2014 20:08
von IM Kressin | 918 Beiträge

Hallo @andy,

in diesem Zusammenhang (eigene Stasi-Akte) kopiere ich den Text einer Bildbeschreibung meiner Galerie in den Thread.


"Ein Reporter ("IM Wallis") von den "Lübecker Nachrichten", der für BGS und Zoll zuständig war, versorgte die Stasi mit Fotos und Berichten.
1990/1991 wurde er wegen Landesverrat verurteilt."

_________________________________________________________________

Auf meine Anfrage "An den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes ..., damals kurz "Gauck-Behörde", vom 02.09. 1993, erhielt ich am 17.10.1996 die Auskunft,
daß ich in einem "Sicherungsvorgang" des Staatssicherheitsdienstes erfaßt war.

Die Aufnahme geschah ohne Kenntnis der betroffenen Person und enthielt Namen, Anschrift und Funktion der Person, die nach Auffassung des Staatssicherheitsdienstes in einem besonders zu sicherndem Bereich tätig war oder mit geheimzuhaltenden Unterlagen zu tun hatte.

Aus den aufgefundenen Karteikarten geht hervor, daß der Sicherungsvorgang zu meiner Person von der " HA I/Aufklärung Grenzkommando Nord " geführt wurde.
Ob sich "in den (zu diesem Zeitpunkt) noch ungeordneten Beständen" weiterer Unterlagen befinden, war nicht feststellbar.

Die "HA I" war zuständig für die Abwehrarbeit in der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen.



Nach der Grenzöffnung brauchte ich mich dem Postenführer beim ersten Zusammentreffen nicht mehr vorstellen.

Auf Grund der zahlreichen Schnappschüsse, die von GAK getätigt wurden, lag die Vermutung nahe, dass über Grenzbeamte Akten geführt werden, im konkreten Fall des "IM Wallis" hatten wir natürlich keinen Schimmer !

Existierte ggf. eine „Nebenakte“ zum „Sicherungsvorgang“ und wenn dem so ist,, wo wurde diese geführt?

Freundliche Grüße aus dem Norden von den lauenburgischen Seen
sendet Kressin


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!
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#577

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.12.2014 12:50
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #576
Hallo @andy,

in diesem Zusammenhang (eigene Stasi-Akte) kopiere ich den Text einer Bildbeschreibung meiner Galerie in den Thread.


"Ein Reporter ("IM Wallis") von den "Lübecker Nachrichten", der für BGS und Zoll zuständig war, versorgte die Stasi mit Fotos und Berichten.
1990/1991 wurde er wegen Landesverrat verurteilt."

_________________________________________________________________

Auf meine Anfrage "An den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes ..., damals kurz "Gauck-Behörde", vom 02.09. 1993, erhielt ich am 17.10.1996 die Auskunft,
daß ich in einem "Sicherungsvorgang" des Staatssicherheitsdienstes erfaßt war.

Die Aufnahme geschah ohne Kenntnis der betroffenen Person und enthielt Namen, Anschrift und Funktion der Person, die nach Auffassung des Staatssicherheitsdienstes in einem besonders zu sicherndem Bereich tätig war oder mit geheimzuhaltenden Unterlagen zu tun hatte.

Aus den aufgefundenen Karteikarten geht hervor, daß der Sicherungsvorgang zu meiner Person von der " HA I/Aufklärung Grenzkommando Nord " geführt wurde.
Ob sich "in den (zu diesem Zeitpunkt) noch ungeordneten Beständen" weiterer Unterlagen befinden, war nicht feststellbar.

Die "HA I" war zuständig für die Abwehrarbeit in der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen.



Nach der Grenzöffnung brauchte ich mich dem Postenführer beim ersten Zusammentreffen nicht mehr vorstellen.

Auf Grund der zahlreichen Schnappschüsse, die von GAK getätigt wurden, lag die Vermutung nahe, dass über Grenzbeamte Akten geführt werden, im konkreten Fall des "IM Wallis" hatten wir natürlich keinen Schimmer !

Existierte ggf. eine „Nebenakte“ zum „Sicherungsvorgang“ und wenn dem so ist,, wo wurde diese geführt?

Freundliche Grüße aus dem Norden von den lauenburgischen Seen
sendet Kressin




Hallo HaPe,

die HA I hatte bei den Grenztruppen neben den Abwehr-Diensteinheiten in jedem Grenzregiment auch eine s.g. Unterabteilung Aufklärung. Deren Aufgabe war die Verhinderung bzw. Aufklärung von Vorkommnissen an der Staatsgrenze. Dazu sollten Quellen (IM) im grenznahen Bereich auf westdeutscher Seite geschaffen werden. In diesem Zusammenhang wurden natürlich auch versucht, die an der Grenze auftretenden Angehörigen von Zoll und BGS zunächst zu identifizieren und dann evtl. auch anzuwerben. Wurden diese Zoll- oder BGS-Beamten identifiziert, wurden sie durch die zuständige DE in der Abt. XII des MfS erfasst und bei der HA VI auf Verbindungen in die DDR überprüft. Gab es Reiseziele in der DDR wurden diese aufgeklärt und bei Eignung legendiert mit dem Ziel kontaktiert, über diese bei weiteren Einreisen den direkten Kontakt zu den Beamten herzustellen.

Dazu wurden in den entsprechenden DE Handakten mit allen bekannten Informationen sowohl zur DDR-Verbindung als auch zum Beamten selbst geführt. Nach einer umfassenden Aufklärung der DDR-Verbindung und erfolgter Kontaktierung wurden die DDR-Verbindungen durch entsprechende Aufgabenstellungen auf ihre Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit überprüft. War diese gegeben, wurden sie als IM angeworben. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde ein sogenannter IM-Vorlauf angelegt, der bei erfolgreicher Werbung in einen IM-Vorgang umgewandelt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte je nach dem ein kürzerer oder längerer Zeitraum liegen. Fand sich keine "geeignete" DDR-Verbindung oder war die IM-Werbung erfolglos, wurde das vorhandene Material zur DDR-Verbindung in der Abt. XII des MfS archiviert. Die Handakte zum Beamten blieb in jedem Fall in der zuständigen DE.

So war es zumindest bei uns an der Berliner Grenze (GK-Mitte) geregelt und ich kann mir nicht vorstellen, dass es im GK-Nord oder GK-Süd grundsätzlich anders war.
Übrigens, während der Wende wurde in meiner Unterabteilung der gesamte Inhalt der Panzerschränke in Alu-Kisten verpackt und in einem Heizhaus der GSSD innerhalb von 3 Tagen verbrannt - seit dem weiss ich, wie schlecht Papier brennt.
Unsere damaligen "Kollegen" der UA Aufklärung im GR-6, welche für Euch in Lübeck zuständig gewesen sein dürften, werden es nicht viel anders gehalten haben.
Danach dürfte im Zentral-Archiv des MfS kaum was über Dich zu finden sein.



andy


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zuletzt bearbeitet 19.12.2014 12:55 | nach oben springen

#578

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.12.2014 13:00
von Alfred | 6.857 Beiträge

Andy,

ein IM - Vorlauf wurde eigentlich schon vor der Werbung angelegt. Dies war der sogenannte Teil 1, wo u.a. die Aufklärungsergebnisse zum "Kandidaten" abgelegt wurden. Teil 2 der Akte war von der Sache die Arbeitsakte des IM , wo u.a. die Treffberichte abgeheftet wurden.


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#579

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.12.2014 13:05
von IM Kressin | 918 Beiträge

Danke @andy

für Deine sehr detaillierte Antwort!


und Dank an @Alfred für die Ergänzung!


"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner! Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

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zuletzt bearbeitet 19.12.2014 13:06 | nach oben springen

#580

RE: Erfahrung mit der Eigenen Stasi Akte

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 19.12.2014 13:09
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #578
Andy,

ein IM - Vorlauf wurde eigentlich schon vor der Werbung angelegt. Dies war der sogenannte Teil 1, wo u.a. die Aufklärungsergebnisse zum "Kandidaten" abgelegt wurden. Teil 2 der Akte war von der Sache die Arbeitsakte des IM , wo u.a. die Treffberichte abgeheftet wurden.



Na klar wurde der IM-Vorlauf vor der Werbung angelegt. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass eine ZA mit der DDR-Verbindung auch ohne Anlage eines IM-Vorlaufes möglich war.


andy


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