#1

Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 04:54
von SCORN (gelöscht)
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In Anlehnung an das Thema: „Hat die Mauer/Grenze den Dritten Weltkrieg verhindert bzw. die globalen Machtverhaeltnisse stabilisiert?“ moechte ich dieses Thema eroeffnen: „Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?“

Als Ausgangspunkt stelle ich folgendes Zitat zur Diskussion ein:


(Zitat: Milton Bearden, ehemaliger langjaehriger Leiter der Abteilung Sowjetunion /Europa der CIA)
„Ehrlicherweise muss die Rolle der Nachrichtendienste beider Seiten- lassen sie mich hinzu fuegen: aller Nachrichtendienste in Ost und West- als Beitrag dazu gesehen werden, dass der 45 Jahre dauernde Kalte Krieg kalt blieb und nicht heiss wurde......In der Tat ist hier die Frage angebracht, wie sehr das allgemeine Niveau des Verstaendnisses, das den Kalten Krieg kalt hielt, durch die von der HVA unter M. Wolf und spaeter von W.Grossmann gesammelten nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zusaetzlich gefoerdert wurde.....
Das Verdienst vieler Aufklaerer der HVA und der Militaeraufklaerung lag nicht nur in der Beschaffung von Informationen........sondern auch in deren Bewertung einer unmittelbaren, mittelbaren oder kuenftigen Gefahr fuer den Frieden bzw. in der Relativierung solcher Gefahrenanalysen.

Der Versuch objektiver und realistischer Einschaetzungen trug so dazu bei.....Provokationen und Zuspitzungen zu erkennen und zu beeinflussen und Heisspornen auf beiden Seiten- auch auf Seiten der Sowjetunion -entgegen zu treten."


SCORN


zuletzt bearbeitet 03.02.2010 06:13 | nach oben springen

#2

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg ein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 06:13
von CaptnDelta (gelöscht)
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Thread Thema korrigiert, ich nehme an das es so 'rum gemeint war.
-Th


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#3

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 07:06
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von SCORN

Als Ausgangspunkt stelle ich folgendes Zitat zur Diskussion ein:
(Zitat: Milton Bearden, ehemaliger langjaehriger Leiter der Abteilung Sowjetunion /Europa der CIA)
„Ehrlicherweise muss die Rolle der Nachrichtendienste beider Seiten- lassen sie mich hinzu fuegen: aller Nachrichtendienste in Ost und West- als Beitrag dazu gesehen werden, dass der 45 Jahre dauernde Kalte Krieg kalt blieb und nicht heiss wurde......In der Tat ist hier die Frage angebracht, wie sehr das allgemeine Niveau des Verstaendnisses, das den Kalten Krieg kalt hielt, durch die von der HVA unter M. Wolf und spaeter von W.Grossmann gesammelten nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zusaetzlich gefoerdert wurde.....
Das Verdienst vieler Aufklaerer der HVA und der Militaeraufklaerung lag nicht nur in der Beschaffung von Informationen........sondern auch in deren Bewertung einer unmittelbaren, mittelbaren oder kuenftigen Gefahr fuer den Frieden bzw. in der Relativierung solcher Gefahrenanalysen.

Der Versuch objektiver und realistischer Einschaetzungen trug so dazu bei.....Provokationen und Zuspitzungen zu erkennen und zu beeinflussen und Heisspornen auf beiden Seiten- auch auf Seiten der Sowjetunion -entgegen zu treten."


SCORN



Hi SCORN,

mich wuerde das originale englische Manuskript der Rede interessieren, aus welchem dieses Zitat von Bearden stammt. Soweit ich weiss soll er dies oder sowas aehliches auf einer Konferenz in Berlin gesagt haben. Wenn Du das hast, Danke!

Noch ein anderes Zitat von ihm, in welchem er das obige noch etwas verkuerzter rueberbringt:

Milton Bearden ueber den groessten Geheimdienst-Fehler der Westseite waehrend des Kalten Krieges

Als ich Milt Bearden, eine Schluesselfigur in den Sowjet-Operationen der CIA, fragte was er fuer den groessten Fehler der US Geheimdienste hielt, antwortete er:
"Wir hatten keine Vorstellung welche Sch... - Angst die Sowjetfuehrung vor uns hatte".


Quelle

-Th


zuletzt bearbeitet 03.02.2010 07:06 | nach oben springen

#4

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 09:21
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

diese tagung fand doch damals in einer kirche statt? na jedenfalls ist die broschüre dazu (veröffentlichung aller redebeiträge) z.zt. nicht zu bekommen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#5

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 09:51
von seaman | 3.487 Beiträge

Ja,in der Kirche Bln.Kreuzberg fand das Mai 2004 statt.
Milton Bearden sagte dort die oben zitierten Sätze.
Die deutsche Broschüre liegt mir vor.Zum englischen Originalext müsste ich beim Übersetzer nachfragen.

seaman


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#6

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 10:10
von CaptnDelta (gelöscht)
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Hier eine Abhandlung zum Thema

"Did East German Spies Prevent A Nuclear War?"
(Haben ostdeutsche Spione einen Atomkrieg verhindert?)
von Vojtech Mastny auf dem Parallel History Project:

http://www.php.isn.ethz.ch/collections/c...m?navinfo=15296
(sorry, leider nur in Englisch, ist ein bisserl viel zum Uebersetzen, falls jemand Zeit hat, bitte nur zu)

Ziemlich detaillierte, tiefgehende Einschaetzung, mit vielen Originalquellen. Ein paar Auszuege:







Er kommt also eher zum Schluss, das der Einfluss der HVA Spione auf das Geschehen eher gering, allerdings existent war (siehe 2. Zitat). Dieser Bericht wird interessanterweise auch von R. Rupp zitiert, obwohl der natuerlich eine andere Meinung vertritt.

Mastny ist Historiker an der Woodrow Wilson International School for Scholars in Washington DC, editor am Cold War History Project (CWHP) und Projectkoordinator am Parallel History Project der ETH Zuerich. Dieses Buch ist mir gerade empfohlen worden, hab's gerade gekauft, mal sehen wie das ist.

-Th

PS: @Gilbert: sehr schade. Waere schoen das irgendwie aufzutreiben...


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#7

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 10:24
von seaman | 3.487 Beiträge
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#8

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 10:34
von CaptnDelta (gelöscht)
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seaman,

Rupp zitiert darin sogar die von mir reingestellte Abhandlung von Mastny.

Zitat
»Did East German Spies Prevent A Nuclear War? – Haben ostdeutsche Spione einen Atomkrieg verhindert?« So lautet der Titel einer Studie des US-Strategen Vojtech Mastny, in der er die hochgefährliche »Ryan«-Krise im Zusammenhang mit dem US-geführten provokativen NATO-Manöver »Able Archer« 1983 untersucht.

Anscheinend hat er das Ding allerdings selber nicht gelesen?

-Th


zuletzt bearbeitet 03.02.2010 10:35 | nach oben springen

#9

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 10:42
von seaman | 3.487 Beiträge

Warum sollte er das nicht gelesen haben?

seaman


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#10

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 10:57
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von seaman

Warum sollte er das nicht gelesen haben?

seaman

Lies das Ding mal in Gaenze. Rupp zitiert nur einen Halbsatz aus dem Zusammenhang, stellt allerdings diesen Bericht so dar, als ob es seine Meinung unterstuetzt. Das tut der Bericht allerdings nicht.

Das gleiche uebrigens mit den Zitaten von Ben Fisher. Waere auch schoen wenn Rupp, wie allgemein ueblich und in dem Artikel von Mastny praktiziert, seine Quellen als Fussnoten abgeben koennte. Dann koennte man auch die Aussage von Robert Gates nachvollziehen (die hoechstwarscheinlich die von Milton Bearden ist - siehe unten)

-Th


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#11

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 11:13
von seaman | 3.487 Beiträge

Dies ist ein gekürzter Text,der in einer Zeitung wiedergegeben ist.
Bei dem Originalvortrag von Rupp wurden die Zitate mit Quelle angegeben.
Ben Fisher war u.a. sogar zugegen und bestätigte die Ausführungen.
So z.b.,dass die Amis von dieser ernsten Lage 83 nichts wussten und erst später von den Briten informiert wurden,wie dicht der Dritte Weltkrieg drohte.
Prof. Mastny schreibt ja selber"ostdeutsche Spione die an am besten gehütetsten Geheimnisse der NATO herankamen und an die Sowjetunion weiterleiteten".

seaman


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#12

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 12:18
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von seaman
Dies ist ein gekürzter Text,der in einer Zeitung wiedergegeben ist.
Bei dem Originalvortrag von Rupp wurden die Zitate mit Quelle angegeben.Ben Fisher war u.a. sogar zugegen und bestätigte die Ausführungen.


Koenntest Du mal bitte den Artikel *mit* Quellenangaben finden. Zuviel Ungereihmtes drin in dem Ding...

Zitat von seaman
So z.b.,dass die Amis von dieser ernsten Lage 83 nichts wussten und erst später von den Briten informiert wurden,wie dicht der Dritte Weltkrieg drohte.

...genau eben wegen so Zitaten. Reagan hat Andropow am 23. Dezember 1983 geschrieben (einen Monat nach der Uebung) und ihn dahingehend beruhigt.

Zitat von seaman
Prof. Mastny schreibt ja selber"ostdeutsche Spione die an am besten gehütetsten Geheimnisse der NATO herankamen und an die Sowjetunion weiterleiteten"

Das heisst aber nicht das das irgendwas bewirkte (das schreibt er uebrigens da auch, inklusive Gruende). Was Rupp haette als Effekt uebernehmen koennen, war die Analyse das es (im Zusammenhang mit der Durchdringung) vor allem das war, was man *nicht* fand, war wertvoll fuer die oestlichen Auswerter.

-Th


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#13

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 12:43
von seaman | 3.487 Beiträge

Irgendwie muss man doch einfach,die Aussagen von Mastny(siehe oben) und Ben Fisher zusammenfassen.

Fisher schätzte bei der gleichen Veranstaltung(Rupps Beitrag)ein,dass die US-Geheimdienste die ostdeutsche HVA bis 1989 unterschätzte.
Nach Experteneinschätzungen war die HVA der effektivste und beste Nachrichtendienst im Warschauer Pakt.
80% aller Informationen zur Bundesrepublik D.und zur NATO stammten innerhalb des Warschauer Vertrags von der HVA.
Diese Fülle von Informationen sollen bei der Entscheidungsfindung in Moskau während der Situation 1983 keine Rolle gespielt bzw.etwas bewirkt haben?

Lies doch mal in dem Konferenzreader nach....da sind alle Beiträge enthalten.

seaman


zuletzt bearbeitet 03.02.2010 12:46 | nach oben springen

#14

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 12:59
von Alfred | 6.853 Beiträge

Ich geh schon davon aus, dass die Nachrichten von NATO und Co einen gewissen Einfluss auf diese Herren hatten. ( Leider haut das mit dem Bild nicht hin)

Habe dem mal abgeholfen.....
AZ


Dateianlage: Angefügte Bilder:
bild.jpg

zuletzt bearbeitet 03.02.2010 15:05 | nach oben springen

#15

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 13:28
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von seaman
Irgendwie muss man doch einfach,die Aussagen von Mastny(siehe oben) und Ben Fisher zusammenfassen.
Fisher schätzte bei der gleichen Veranstaltung(Rupps Beitrag)ein,dass die US-Geheimdienste die ostdeutsche HVA bis 1989 unterschätzte.

Und ich glaub' da hat bis jetzt auch niemand das Gegenteil behauptet. Das hat IIRC auch Robert Gates gesagt.

Zitat von seaman
Nach Experteneinschätzungen war die HVA der effektivste und beste Nachrichtendienst im Warschauer Pakt.
80% aller Informationen zur Bundesrepublik D.und zur NATO stammten innerhalb des Warschauer Vertrags von der HVA.

Wie gesagt, dazu war bisher im Thread kein Widerspruch.

Zitat von seaman
Diese Fülle von Informationen sollen bei der Entscheidungsfindung in Moskau während der Situation 1983 keine Rolle gespielt bzw.etwas bewirkt haben?

Genau da liegt der Hase im Pfeffer, zumindest mal fuer das vielzitierte Beispiel von 'Able-Archer 83'. Ist ja nicht (nur) meine Meinung, sondern Mastny und Fisher (welche Rupp als Experten zitiert) kommen zu dem Urteil, das in diesem Fall

Zitat
If anybody could claim credit for preventing in November 1983 a tragedy that could have ensued from the “Able Archer” being discussed in the Moscow politburo, it is those unknown Soviet intelligence analysts who, whether out of common sense or because of incompetence, failed to provide policymakers with the potentially explosive information.

und

Zitat
What inadvertently helped to keep the relationship stable was not what East German spies had been able to find out about NATO but rather the information they were unable to find because it did not exist. NATO’s defensive doctrine and strategy was an open book for them, but for evidence of an imminent enemy attack they would look in vain.

Es ist ja net so das garnix war. Aber warum uebertreiben?

Von daher tippe ich eher mal auf ein wenig versuchter Profilierung in Richtung "Weltrettertum" vom Herrn Rupp in seinem Artikel.

Zitat von seaman
Lies doch mal in dem Konferenzreader nach....da sind alle Beiträge enthalten.

Du meinst den von Odense? Der hat die fehlenden Zitate?

Uebrigens, man koennte doch die Beinahekatastrophe von 1983 (Able Archer) mal mit der Atomkriegs-Uebung der Sowjets im Juni 1982 vergleichen. Vor allem auch die Reaktionen der Gegenseite.

-Th


zuletzt bearbeitet 03.02.2010 13:51 | nach oben springen

#16

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 14:44
von SCORN (gelöscht)
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Zitat von CaptnDelta


Er kommt also eher zum Schluss, das der Einfluss der HVA Spione auf das Geschehen eher gering, allerdings existent war (siehe 2. Zitat).



das mag schon sein cptn.dass der "einfluss"auf das geschehen in diesem fall eher gering war.(andere quellen sprechen der HVA in dieser sache aber doch einen hohen informationsgewinn zu) aber darum ging es auch weniger und schon gar nicht ausschlieslich um "able archer" . viel wichtiger war doch die informationsgewinnung,weiterleitung und dann die entsprechende auswertung mit den daraus resultierenden konsequenzen im handeln der fuehrung des warschauer paktes explizit der militaerischen fuehrung der sowjetunion und zwar im gesamten zeitraum des wirkens der HVA.

gruss SCORN


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#17

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 14:47
von Rhönräuber | 197 Beiträge

Die Frage lautet : Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

Ich würde sagen ja.
Insgesamt wird man wohl keine Übereinstimmung bei der Bewertung des Themas erzielen. Muss man ja auch nicht.
Stellt sich mir die Frage, warum die Tätigkeit der Aufklärer heute überwiegend negativ angesehen wird?
Haben diese Menschen nicht dazu beigetragen, dass durch ihre Informationen (beispielsweise in der Kuba-Krise, bei Aktivitäten zur Aufklärung im Zusammenhang mit der Aufgabenstellung "RJAN"/übersetzt nuklearer Raketenangriff oder bei diversen NATO-Übungen wie "Able Archer", "Wintex/Cimex" u. a.) zu keinen Misserverständnissen zwischen der NATO und dem Warschauer Vertrag kam ? Gerade diese Missverständnisse hätten zu Fehleinschätzungen führen können, die Konsequenzen für uns alle gehabt hätten.
Gerade zum Anfang der 1980er Jahre war das Verhältnis zwischen den Großmächten extrem gespannt und die Kriegsgefahr groß, was den meisten heute kaum noch bewusst ist. Als im November 1983 "Able Archer" in Westeuropa stattfand und u. a. der vollständige Ablauf einer Kernwaffenfreigabe durchexerziert worden ist, ging die militärische Führung der Sowjetunion davon aus, dass die NATO den Erstschlag vorbereiten würde. Verstärkt wurde die Ansicht der Sowjets noch durch neue Elemente der Übung. So wurden nukleare Mittelstreckenraketen ins Feld geführt und zugleich absolute Funkstille befohlen. Auch die Staatsoberhäupter der NATO-Mitgliedsstaaten waren zum ersten Mal in die Übung eingebunden, worauf man in Moskau auf eine hohe politische Bedeutung schloss. Die Streitkräfte, insbesondere die strategischen Raketentruppen, wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Ich denke, dass nicht unehrenhaftes darin besteht, wenn Quellen der HV A oder der VA des MfNV durch ihre Informationen dazu beigetragen haben, die Lage real einzuschätzen. Durch ihre Informationen konnte nach Moskau gemeldet werden, dass die NATO keinen atomaren Erstschlag gegen den WV plante.
Wie ja auch hier http://www.antikriegsforum-heidelberg.de...rcher_rupp.html
Richtig eingeschätzt wurde.


Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
zuletzt bearbeitet 03.02.2010 15:02 | nach oben springen

#18

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 15:36
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von SCORN

Zitat von CaptnDelta


Er kommt also eher zum Schluss, das der Einfluss der HVA Spione auf das Geschehen eher gering, allerdings existent war (siehe 2. Zitat).



das mag schon sein cptn.dass der "einfluss"auf das geschehen in diesem fall eher gering war.(andere quellen sprechen der HVA in dieser sache aber doch einen hohen informationsgewinn zu) aber darum ging es auch weniger und schon gar nicht ausschlieslich um "able archer" . viel wichtiger war doch die informationsgewinnung,weiterleitung und dann die entsprechende auswertung mit den daraus resultierenden konsequenzen im handeln der fuehrung des warschauer paktes explizit der militaerischen fuehrung der sowjetunion und zwar im gesamten zeitraum des wirkens der HVA.

gruss SCORN


Hallo SCORN,
wichtig ist doch, was am Ende 'raus kommt. Wenn ich mich hinstelle und sage "Ich hab' den 3. Weltkrieg verhindert weil ich Informationen geliefert hab", und zitiere gleichzeitig einen Bericht der besagt das diese Informationen nie weitergegeben wurden, dann kriegt die ganze Sache ein Element der Unglaubwuerdigkeit.

Es ging in diesem von mir eingestellten Bericht von Mastny um "Able Archer-83", dieses Ereigniss wird auch oft als potentieller Kriegsausloeser genannt (war ja auch). Allerdings, bei genauerem Nachsehen war der Einfluss dann doch nicht so hoch (die Auswerter gaben die Info's nicht weiter). Ich hab' nicht behauptet das die HVA-Leute ihren 'Job' nicht gemacht haetten, im Gegenteil. Allerdings hatte es anscheinend nicht den Einfluss, den Rupp uns gerne glauben machen moechte, das war mein Punkt.

Ich moechte damit nicht sagen, das die Taetigkeit der Agenten insgesamt nicht auch einen stabilisierenden Einfluss hatte. Bearden beschreibt das recht gut in seinem Buch (z.B. mit dem Telefon auf dem Aktenschrank).

Man muss halt die individuellen Faelle 'rausziehen und analysieren was wirklich war. Sowjetunion im Juni 1982 waere so ein aehnlicher Fall.

-Th


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#19

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 17:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Thema ist doch hier,haben Geheimdienste West oder Ost....

Diese Frage muss man eindeutig mit "Ja" beantworten.
Ausgehend davon,dass die Pattsituation während des Kalten Krieges,bis zum Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems,die Gewähr für die Erhaltung des Friedens war,sollte man m.M. nach bedenken:
Beiden Seiten wurde durch die Transparenz der militärischen Schlagkraft des Gegners klar,dass die Möglichkeit eines heißen Krieges jederzeit gegeben war,jedoch durch den Einsatz atomarer Waffen für beide Seiten tödlich sein würde.Diese Transparenz wurde in erster Linie mit nachrichtendienstlichen Mitteln erreicht.Diese beidseitigen Aufklärungsergebnisse waren es auch,die zwangsläufig zu dieser Pattsituation zwischen NATO und Warschauer Vertrag führten.Andersrum war aber auch der Verdacht des Unterlaufens dieser Situation durch das gegnerische Lager Mitauslöser geheimer Informationsbeschaffung.
Worum geht es denn bei dem angeblich"zweitältesten Gewerbes der Welt"?
Immer geht es doch darum,durch Sammeln und Auswerten von Informationen über den Gegner,für das eigene Land Gefahren zu erkennen und die eigene Regierung vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.Jeder Auslandsnachrichtendienst steht immer vor der gleichen Aufgabe,als Dienstleister im Auftrag seiner Regierung,Absichten und Ziele,Strategien und Taktiken sowie alle verfügbaren Ressourcen der Gegenseite aufzuklären.
Das geschieht unter Zeitdruck,um möglichst frühzeitig Informationen beim Gegner zu erlangen,dass die eigene Regierung bei unliebsamen politischen/militärischen Entwicklungen die für den Bestand und sie selbst gefährlich sein können oder nachteilig für ihre Interessen wären,gegensteuern kann.
Auslandsaufklärung ist also von ganz verständlichen und sachlichen Interessen geprägt.
Das die Pattsituation während des Kalten Krieges nicht aus dem Ruder lief,daran haben anteilig die Geheimdienste West wie Ost ihren Anteil,denke ich.
Und noch was,Völkerrecht verbietet Spionage nicht,nicht nur deshalb,weil sich schon ewig alle Staaten dieses Mittels bedienen.

seaman


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#20

RE: Haben die Geheimdienste in Ost und West dazu beigetragen dass aus dem Kalten Krieg kein Heisser wurde?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.02.2010 19:27
von Jameson | 759 Beiträge

Ich denke ja, die verschiedenen Dienste haben einen entscheidenden Anteil daran, mal abgesehen von dem Fähnrich in Bad Saarow ;-)
Exaktes Wissen um den Gegner garntiert doch nur ein Gleichgewicht. Das da seitens des MfS und der Verwaltung Aufklärung der NVA gute Arbeit geleistet wurde ist belegt und unbestritten, nur die Darstellung ist eben meistens einseitig. Es kann eben nicht sein was nicht sein darf.

Ahoi Jameson



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