#1

Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 11:18
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Im Januar 1990 gab es einen ersten inoffiziellen Kontakt von Offizieren und Zivilbeschäftigten
der OHS zu einer Grenzschutzabteilung des Bundesgrenzschutzes (BGS)
der BRD.

Mehr dazu hier:

http://www.aggi-info.de/fileadmin/Artikel/info%2007/Art8.pdf

TH

P.S.: Der link funzt!


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 07.01.2010 11:19 | nach oben springen

#2

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 11:24
von karl143 (gelöscht)
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@ TH,
nicht nur der Link funzt. Warum sollte er auch nicht :-)

Nein, auch der Beitrag ist sehr interessant. Was waren das für Zeiten?


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#3

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 11:25
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Zitat von karl143
@ TH,
nicht nur der Link funzt. Warum sollte er auch nicht :-)
Nein, auch der Beitrag ist sehr interessant. Was waren das für Zeiten?



Interessante, Spannende, Aufregende Zeiten.

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#4

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 12:22
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Interessanter, spannender Bericht, Thunderhorse!
Danke dafür!


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#5

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 13:06
von Bergmensch (gelöscht)
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Ja das war doch schon normal für diese Zeit in 1990.
Ich war damals in Leitender Funktion in der Freiwilligen Feuerwehr Wernigerode und auch wir streckten unsere Hände nach den Feuerwehren in Braunschweig, Goslar und Bad Harzburg aus um eine Länderübergreifende Zusammenarbeit zustande kommen zu lassen. Und das war nicht Einseitig. Auch die Westfeuerwehren waren um Kontakte erfolgreich bemüht.
So habe ich z.B. schon Anfang 1990 an der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Goslar teilgenommen.
Diese Zusammenarbeit wurde in den nächsten Wochen und Monaten noch viel weiter ausgebaut.
Und das war auch gut so und hat viele Elemente der Wiedervereinigung vorweggenommen.
Die Menschen wollten das einfachso.


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#6

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 14:44
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Zitat von Bergmensch
Ja das war doch schon normal für diese Zeit in 1990.



Ganz so normal war manches zu jener Zeit eben noch nicht.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#7

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 16:49
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Die grossen Weiten des WWW--ich kann nichts lesen,leider.



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#8

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 21:43
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Nach dem anklicken des Link erscheint bei mir die PDF-Datei.

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#9

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 07.01.2010 21:50
von Augenzeuge (gelöscht)
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Doch Thunderhorse, eine schöne Erinnerung an turbulente Zeiten, wo man sich auch irgendwie zwischen den Welten oder Systemen befand....

Gruss, AZ


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#10

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 08.01.2010 19:49
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Thunderhorse
Nach dem anklicken des Link erscheint bei mir die PDF-Datei.

TH



Jetzt klappt es auch nicht.Pech.



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#11

RE: Erste Kontakte mit dem „Gegner“

in Grenztruppen der DDR 08.01.2010 19:56
von Augenzeuge (gelöscht)
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Nur für dich, zermatt:

Rudolf Model, Suhl
Erste Kontakte mit dem „Gegner“
Der Lehrstuhl Staat und Recht an der Offiziersschule (OHS) der Grenztruppen der DDR
„Rosa Luxemburg“ erhielt im Januar 1990 die Aufgabe, Themen des bürgerlichen Rechts
in das Lehrprogramm aufzunehmen. Ich war Lehrer im Hochschuldienst an diesem Lehrstuhl.
Im August 1989 hatte ich nach 32 Dienstjahren meine aktive Dienstzeit beendet,
war aber schon während meiner letzten Dienstjahre in der Rechtsausbildung tätig. Der
Leiter des Lehrstuhls beauftragte mich nun, Ausbildungunterlagen zu zwei spezifischen
Themen auszuarbeiten. Es ging um das „Bundesgrenzschutzgesetz“ (BGSG) und um das
„Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch die Vollzugsbeamten
des Bundes“ (UzwG).
Ich sollte je eine Vorlesung, ein Studienmaterial sowie eine Ausbildungsunterlage für ein
Unterrichtsgespräche erarbeiten. Als ich die Aufgabe erhielt, habe ich erstmals erfahren,
daß es diese Gesetze in der Bundesrepublik Deutschland gibt. Mit anderen Worten – ich
hatte davon keine Ahnung. Zudem standen mir aus der bisherigen Sperrliteratur lediglich
die Gesetzestexte ohne jegliche Kommentar zur Verfügung. Und natürlich fehlte mir jeder
praktische Bezug.
Im Januar 1990 gab es einen ersten inoffiziellen Kontakt von Offizieren und Zivilbeschäftigten
der OHS zu einer Grenzschutzabteilung des Bundesgrenzschutzes (BGS)
der BRD. Das geschah mit Kenntnis der Führung unserer Lehreinrichtung, leitende Offiziere
nahmen allerdings nicht teil.
Ich erinnere mich gut an ein erstes Zusammentreffen. Unserer Einladung folgend hatten
uns die Beamten der Grenzschutzabteilung besucht. Wir trafen uns in einer Gaststätte.
Von Beginn an gab es auf beiden Seiten keinerlei Berührungsängste. Es war eine sehr
lockere, fast freundschaftliche Atmosphäre.
Während dieses Treffens kam ich ins Gespräch mit einem der Offiziere des BGS. Als ich
von der mir gestellten Aufgabe sprach, bot er mir sofort Unterstützung an. Er lud mich ein,
nach Coburg zu kommen und ihn im Objekt seiner Grenzschutzhundertschaft zu besuchen.
Ich nahm diese Einladung an. Der Lehrstuhlleiter war mit einer Konsultation in
Coburg einverstanden. Er hatte dafür grünes Licht erhalten. Da eine Kommandierung
natürlich nicht möglich war, erhielt ich einen Tag Urlaub und fuhr mit meinem PKW in die
„Höhle des Löwen“.
Es war schon ein eigenartiges Gefühl, als ich mit meinem Skoda zum Tor der Grenzschutzabteilung
fuhr. Wie wird man mich empfangen ? Wie werden sich die Angehörigen
des BGS gegenüber einem ehemaligen Offizier der Grenztruppen der DDR verhalten ?
Ich hatte sie immerhin in der Vergangenheit als Gegner zu betrachten. Werden sie mich
das spüren lassen ?Solche und ähnliche Gedanken waren mir schon während der Fahrt
durch den Kopf gegangen.
Ich war angemeldet und durfte problemlos passieren. In der Nähe des Tores wurde mir
ein Parkplatz zugewiesen. Während ich darauf warte, daß ich abgeholt würde, sah ich mir
interessiert den Betrieb am Kaserneneingang an. Vieles kam mir bekannt vor und erinnerte
mich an die Zeit, da ich als Offizier vom Dienst (OvD) auch für die Ordnung an
einem Kasernentor verantwortlich war.
Im Objekt der Grenzhundertschaft wurde ich sehr freundlich empfangen. Die zu dieser
Zeit anwesenden Führungskräfte wurden mir vorgestellt. Es entwickelte sich eine lebhaft
Unterhaltung, die von gegenseitiger Neugier gekennzeichnet war. Ein Offizier stand bereit,
mir den ganzen Tag über Rede und Antwort zu stehen. Mir ging es besonderes um die
Kommentierung einzelner Paragraphen des BGSG und des UzwG und ich wollte mir
Beispiele für deren Durchsetzung in der Praxis geben lassen. Herr I. war mir dabei ein
angenehmer und sachkundiger Gesprächspartner.
Besonders wertvoll waren mir auch schriftliche Kommentare zu den Gesetzen, die ich
mitnehmen durfte. Ausführlich wurden einzelne Paragraphen erläutert und es wurden
anschauliche Beispiele aus dem Truppenleben hinzugefügt- Das kannte ich in solcher
Form aus meiner bisherigen Tätigkeit nicht. Nun hatte ich eine gute Grundlage für die
Erarbeitung eines Studienmaterials.
Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, daß die zu diesem Thema an die
Offiziersschüler zu vermittelnden Kenntnisse informativen Charakter haben sollten. Den
angehenden Grenzoffizieren der DDR sollten sachbezogene Kenntnisse über die Handlungsgrundsätze
des BGS vermittelt werden. In den später zu erarbeitenden Ausbildungsunterlagen
wurde dann ausdrücklich betont, daß durch die Grenztruppen der DDR
weiterhin die für sie geltenden Vorschriften anzuwenden seien. Mit keiner Silbe wurde
damals daran gedacht, daß ein gutes halbes Jahr später die NVA und die Grenztruppen
der DDR vor ihrer Auflösung stehen könnten bzw. schon aufgelöst sein würden.
Als in unseren Gesprächen die wesentlichsten fachlichen Probleme erschöpft waren, ging
unsere Fachsimpelei in eine allgemeine Plauderei über. Begebenheiten aus dem Truppenleben
wurden erzählt und oft konnte ich Ähnlichkeiten feststellen. Emotional bewegt
und auch etwas vorwurfsvoll sprach mein Partner aber auch über Probleme, die sich z.B.
aus der Existenz einer verminten Staatsgrenze ergaben. So berichtete er mir, daß infolge
eines Unwetters erdverlegte Minen vom Territorium der DDR auf bundesdeutsches Gebiet
geschwemmt wurden. Spielende Kinder hätten an einem Hang zwischen Erde und Geröll
die scharfen Minen entdeckt. Ich hatte Verständnis für diese Emotionen, solche Vorkommnisse
waren mir bekannt.
Während meines Aufenthalts in Coburg oder bei anderen Zusammenkünften mit Beamten
des BGS wurde allerdings weniger über die Vergangenheit, dafür mehr über die Zukunft
gesprochen. Allgemein wurde davon ausgegangen, daß die beiden deutschen Staaten für
einen bestimmten Zeitraum nebeneinander bestehen und allmählich zusammenwachsen
würden. Damit würde sich der Charakter der Staatsgrenze zwischen beiden Staaten verändern,
bis diese schließlich gegenstandslos würde. Aus dem BGS und den Grenztruppen
der DDR könnte später ein Grenzschutzorgan gebildet werden.
Die erst 1984 fertiggestellte Kaserne der OHS lag mit ihrem Standort Suhl aus der Sicht
eines vereinigten Deutschland sehr zentral. Es war vorstellbar, daß sie eine Bildungseinrichtung
des zukünftigen Grenzschutzorgans werden könnte. Aus meiner Sicht eignete
sie sich gut als Lehreinrichtung und ich erinnere mich, daß auch die Beamten des BGS
das so sahen.
Im Frühjahr 1990 konnte ich aber schon ein Schreiben lesen, welches ein Beamter des
BGS von höherer Stelle erhalten hatte. Er hatte sich bis dahin für die Kontakte zwischen
der Grenzschutzabteilung und der OHS engagiert. Diesem Scheiben konnte man
entnehmen, daß sich die Situation bald verändern werde und die Kontakte damit
gegenstandslos würden. Das bestätigte sich dann auch bald. Ich weiß jedoch, daß sich
aus den damaligen Kontakten eine Reihe persönlicher Freundschaften entwickelt und
erhalten hat.


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