#41

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 07:04
von manudave (gelöscht)
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Suhler Jagdwaffen sind schon ein Begriff - als kleiner Bub war das der wertvollste Teil meiner Briefmarktensammlung - die Serie "Jagdwaffen aus Suhl".

Später hab ich dann heraus bekommen, dass die Dinger massenhaft gedruckt wurden.


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#42

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 11:44
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von S51

Der Jagdleiter bewahrte "seine" Waffen in einem großen Panzerschrank auf. Zusätzlich musste jeder Jäger einen eigenen Stahlblechschrank mit zwei unabhängigen Schlössern und extra Munitionsfach besitzen und vom ABV abnehmen lassen. Sonst gab es kein Gewehr.



Die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit im Ummgang mit Waffen und Munition (aber auch Sprengmitteln und Giften) hatte in der DDR ein hohes Niveau erreicht. Das betraf nicht nur die Jagd, sondern auch die GST, die Sammler von Waffen oder Personen, welche Schusswaffen im privaten Besitz hatten.
Auch bei der Fahndung nach Waffen in der DDR spielten Jagdwaffen eine untergeordnete Rolle. Es war relativ selten, dass Jagwaffen verlustig gingen bzw. durch Nachlässigkeit zeitweilig außerhalb der Verfügungsgewalt durch die Erlaubnisträger gerieten. Meist ließ sich der Verlust von Jagdwaffen schnell klären und die Waffen wurden wiederbeschafft.
Wesentlich problematischer und häufiger dagegen waren GSSD-Waffen, welche sich illegal im Umlauf befanden oder Fundwaffen, die es auch relativ häufig gab.



zuletzt bearbeitet 27.12.2009 11:45 | nach oben springen

#43

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 12:05
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Merkur, bitte mal für nen unwissenden Zivilisten:
Was sind GSSD-Waffen?


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#44

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 12:07
von manudave (gelöscht)
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@Heldrasteiner

Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland


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#45

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 12:30
von Merkur | 1.018 Beiträge

Nochmal ein paar grundsätzliche Dinge zur Jagd in der DDR:
Die Jagd wurde durch Jagdgesellschaften ausgeübt, die auf der Grundlage eines Musterstatuts arbeiteten und den Jagdbehörden der Kreise unterstellt waren.
Jagen durften in der DDR nur Personen, die Mitglied einer Jagdgesellschaft und im Besitz einer gültigen Jagderlaubnis waren.

Die Jagd mit der Schusswaffe war verboten:
- in umfriedeten Grundstücken
- in einer Entfernung von weniger als 200 m von bewohnten Grundstücken/Unterkünften
- in/an Orten, wo die Ordnung und Sicherheit gestört oder das Leben von Menschen gefährdet war (Spielplätze, Ausflugsorte, Verkehrsstraßen etc.) Ausnahmsweise konnte seuchenverdächtiges oder seuchenkrankes (z. B. Tollwut) Wild, Raubwild oder Raubzeug von Angehörigen der Jagdgesellschaft erlegt werden. Der zuständige Kreisarzt hatte diese Maßnahme anzuweisen und die VP die Sicherheit zu gewährleisten.
- während der Dunkelheit mit Licht- und Leuchtkörpern (Scheinwefern, Lampen usw.)

Die Jagderlaubnis konnte Personen erteilt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten, vorbildlich am Aufbau des Sozialismus teilnahmen (der DDR also postiv gegenüberstanden)und mit Erfolg die Jagdprüfung abgelegt hatten.
Inhaber einer Jagderlaubnis waren i. V. m. einer Erlaubnis der DVP (unpersönlicher Jagdwaffenschein) zur zeitweilgen Führung einer Jagdwaffe berechtigt. Die ständige Führung einer Jagdwaffe bedurfte einer besonderen Erlaubnis.

Jagdbeschränkungen
Es war in der DDR verboten:
- Schalenwild (Rot-, Damm-, Muffel-, Schwarz- und Rehwild) mit Schrot- oder Postenbeschuss zu erlegen
- Treibjagden zur Nachtzeit zu veranstalten
- Federwild zur Nachtzeit zu jagen (gestattet war die Jagd auf Gänse, Enten, Schnepfen, Auer- und Birkhähne sowie Fischreiher und Taucher (keine menschlichen !!) auf künstlichen Fischteichen)
- Fallen, Schlingen und Fanggruben ohne Erlaubnis der zuständigen Organe anzulegen
- Schalenwild in einer Entfernung von weniger als 200 m von Futterstellen zu erlegen
- jagdbare Tiere zu vergiften
- Gelege auszunehmen, Jungtiere herauszuholen, Nester von jagdbaren Vögeln zu vernichten
- in der Schonzeit zu jagen (die Schonzeit bestand nicht für Schwarzwild, wilde Kaninchen, Füchse, Iltisse, große Wiesel und Bleßhühner)

Der Jagdschutz oblag in der DDR der VP, den Jagdbehörden, Jagdleitern und den ständigen Stellvertretern sowie den Inhabern einer Jagderlaubnis. Der Jagdschutz umfasste den Schutz des Wildes vor Wilderern, Raubwild, wildernden Hunden und Katzen sowie die Durchsetzung der zum Schutze des Wildes und der Jagd erlassenen Vorschriften.

Jagdwaffen und patronierte Munition durften nur in massiv umschlossenen Räumen, deren Fenster vergittert und deren Türen außen mit Stahlblech beschlagen und mit zwei Sicherheitsschlössern versehen waren, oder in Panzer-/Stahlschränken, deren Türen mit Sicherheitsschlössern versehen waren, gelagert werden. Für die Lagerung war eine Erlaubnis der VP erforderlich.
Jagdwaffen und patronierte Munition waren stets so zu sichern, dass sie nicht verloren gingen, von Unbefugten benutzt oder entwendet werden konnten.
Die Jagdbehörden, Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe und Jagdleiter hatten über den Bestand, den Zu- und Abgang von Jagdwaffen und patronierter Minition einen Nachweis zu führen, der der VP bei Kontrollen vorzulegen war.



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#46

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 13:09
von S51 | 3.733 Beiträge

Teilweise war dies schon ein wenig paranoid.
Nach einer Entenjagd hatte ich abgeschossene Schrothülsen (da waren also weder Pulver, noch Zündsatz oder gar Geschosse drin) in den Seitenwagen meiner MZ gelagert. Die sollten schließlich nicht in der Botanik rumgammeln sondern über Sero entsorgt werden. Aber die Maschine musste wegen eines Motorschadens (Kolbenfresser, in der Tankstelle hatte die Mischpumpe beim Gemisch nicht richtig funktioniert) zwischendurch in die Werkstatt. An die alten Hülsen hatte ich nicht mehr gedacht.
Da war Zustand in der Werkstatt angesagt! Die Kripo der Heimatstadt war zur Besichtigung eingerückt, machte erst allen die Hölle heiß (was für eine Gefahr bestanden habe und dergleichen) und hat dann umgehend über den Fahrer bei mir eine Kiste Bier als "Ausgleich bestellt".
Zu bestimmten Zeiten (Leipziger Messe, 1. Mai, 7. Oktober) galt ein Jagdverbot und wir mussten unsere Waffen beim Jagdleiter abgeben. Wenn der Generalsekretär (Honecker) in Leipzig war, mussten wir unsere Eisen beim VPKA (Volkspolizeikreisamt) zur Inventur abgeben. Man hat sich amüsiert, weil es so offensichtlich war. Als besonders vertrauensvoll empfanden wir solche Geschichten allerdings nicht.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 27.12.2009 13:09 | nach oben springen

#47

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 27.12.2009 22:33
von SCORN (gelöscht)
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Zitat von Heldrasteiner

Was ist von der Fabrik denn übrig geblieben? Skydiver, weißt Du da was?



wie schon gesagt ist die firma merkel mit ca 200 mitarbeitern auf dem suhler friedberg das grösste teilchen was übrig geblieben ist. mit exclusiven waffen haben sie sich ihre existenz auf dem weltmarkt sichern können. darüber hinaus sind die kreis freie stadt suhl und der landkreis hildburghausen, die kreise in deutschland mit der höchsten dichte an renomierten büchsenmachern und waffengeschäften, und das ist gut so! zum überwiegenten teil sind sie aus dem "FAJAS" hervor gegangen. handwerk und tradition haben sich hier behaupten können.


zuletzt bearbeitet 27.12.2009 22:38 | nach oben springen

#48

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 20.07.2013 12:30
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Das Bundesarchiv hat Dokumente zur einstigen DDR-Diplomatenjagd online gestellt:

http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichke...index-0.html.de

Im Jagdlager gab es (laut Tafel 11 im Link) sogar ein "Betzelt" und ein "MHO-Verkaufszelt"!


zuletzt bearbeitet 20.07.2013 12:34 | nach oben springen

#49

RE: Jäger in der DDR

in Leben in der DDR 20.07.2013 13:51
von SET800 | 3.097 Beiträge

Hallo,
Westbeziehungen waren kein Hindernis für den Jägerstatus. Mein Onkel war in den 60er und 70ern Jäger, wünschte sich auch mal und per Paket erhalten mannches Stück Jagsbekleidung. Beruflich war er Schlosser an einem Reichsbahn-AW.



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