#41

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 17:10
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

[quote="wosch"] ... Die Vor-und Nachteile, die man hatte bezüglich Mitgliedschaft, oder Nichtmitgliedschaft bei den Pionieren, bei der FDJ und bei der GST, setzten sich in Bezug auf die SED nicht fort?, wer soll das denn glauben, wo die meisten Mitglieder der SED doch nur reingegangen sind, weil man es von ihnen verlangte. ... [/quote]
Hallo wosch,

jeder kann die Welt sehen, wie er es will. Ich werde nicht abstreiten, dass es Leute gab, die überredet, breitgeschlagen, bequatscht und vielleicht von dämlichen Parteifunktionären, und auch die gab es, mit Zugeständnissen, Erpressungen oder Lockmitteln in die Partei geholt wurden. Diese Erscheinungen gab es. Wenn Du aber schreibst: "Die meisten", dann ist das entweder eine Lüge, oder der Versuch in dieser Diskussion manipulativ zu überhöhen, aber in jedem Fall ist es falsch und für mich persönlich sogar eine Beleidigung.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#42

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 17:23
von Skydiver (gelöscht)
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Hi Rainman,

wosch beschreibt ausdrücklich die Zeit vor 62, da warst Du gerade 2 Jahre alt. Die Zwangsvereinigung von SPD und KPD war 1946.


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#43

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 18:12
von Luchs (gelöscht)
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Ich glaube, hier wird vieles zu einseitig gesehen. Immer nur bezogen auf den Staat. Es gab andere Möglichkeiten der Nachteile.

Meine Frau ist kurz vor ihrer praktischen Gesellenprüfung von der zuständigen Mitarbeiterin ihres Betriebes angesprochen worden, ob sie nicht in die Partei eintreten will. Sie wollte nicht!

Das Gespräch wurde hinter verschlossenen Türen fortgesetzt. Nach einiger Zeit merkte man, dass man meine Frau nicht überzeugen konnte.

Bei der Gesellenprüfung dann bekam sie eine schlechtere Note auf ein sauber gearbeitetes Gesellenstück, als eine Kollegin, die ein unsauber gearbeitetes Gesellenstück ablieferte, aber in die Partei eingetreten war.

Hier hatte wahrscheinlich jemand seinen Vorsatz, alle Lehrlinge in die Partei zu werben, nicht erfüllt.
Viele Grüße
Micha


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#44

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 18:36
von Affi976 (gelöscht)
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Was sagt ihr denn zu folgendem:
Meine Tochter wollte 1998 den Beruf der Krankenschwester erlernen. Zuvor hatte sie schon ein Fachschulstudium als Sozialassistent abgeschlossen.
Die Ausbildungstätte, ein kirchliches Krankenhaus, hat sie mit Kusshand, auf Grund schon eines Berufs und wirklich dufter Noten, genommen.
Als sie dann aber verkündet hat, unsere Familie ist nicht kirchlich gebunden und sie würde auch nicht in die Kirche eintreten, wurde trotz guter Leistungen, der Ausbildungsvertrag nach einem halben Jahr gekündigt. Ihre Freundin hatte sogar "VIEREN", war aber kirchlich engagiert und durfte bleiben. Und das in einem freiheitlich demokratischen Staat!!!!
VG Affi


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#45

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 18:44
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

ja bei der kirche geht so waskenne eine frau,die war in einem kirchlichen kindergarten angestellt(natürlich kichenmitglied)hat sich dann von ihrem mann getrennt(sie hatte einen anderen,die liebe eben)was folgte war rausschmiß wegen unsittlichem lebenswandel(katholisch?


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#46

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 18:59
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

[quote="Skydiver"]Hi Rainman,

wosch beschreibt ausdrücklich die Zeit vor 62, da warst Du gerade 2 Jahre alt. Die Zwangsvereinigung von SPD und KPD war 1946.[/quote]
Hallo Skydiver,

das mag sein, dass wosch nur diese Zeit gemeint hat. Aber meine Eltern und viele Genosse, die ich kennenlernte, waren oder gingen zu dieser in der Partei. Sie haben mir etwas anderes mitgegeben. Die Aussage von wosch ist einfach nur tendenziös. Das bringt mich auf die Palme. Aber immer nur ruff auf die Menschen. Hauptsache die Meinung stimmt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#47

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 18:59
von Gelöschtes Mitglied
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Also bei mir auf der Arbeit war es auch so,dass die "Bolchenträger" nicht gern gesehen waren und die meisten in unserer Brigade mit diesen SED-Leuten nichts am Hut hatten.
Wie schon mal gesagt,diese bekloppten Zeitungsschauen,wo sie sich selber die Taschen voll logen,diese ganze Propagandamaschinerie hat uns überhaupt nicht gefallen.1000%Wahlbeteiligung,800% mehr Ernte eingefahren.... ihr wisst was ich meine.
Ich muß dazu sagen,die große Mehrheit in unserem Team war nicht in der Partei.
Aber die wenigen,die drinnen waren,bestimmten mit ihrer Gesinnung,wo der Hase langzulaufen hatte.
Sie alleine wußten ja was wir wollten......und was gut für uns war.
Wer anfing zu diskutieren,war nicht für die Republik.Alle waren gleich "Konterrevolutionäre" und Staatsfeinde.
Total verbohrt,die wollten gar nichts anderes hören in den Betrieben.
Bei der Mehrheit von euch hier war das eventuell anders,weil die meisten von euch eine gemeinsame Überzeugung als Offiziere etc.in den Kasernen usw.hatten.Aber das Leben draussen sah doch nun wirklich anders aus.Das kann mann doch nicht jedes mal leugnen.
Es gab die "Diktatur des Proletariats",aber das war für viele nicht mal eine halbwegs gute Demokratie.
Dazu fällt mir wieder der "Ohrwurm" die Partei die Partei die hat immer Recht ein.......Na ja,dazu möcht ich jetzt nichts weiter sagen.Ich bin ja "Baujahr" 62 und als wir im "Real existierenden Sozialismus" unsere Lehre machten,ging uns dieser ganze Kram schon mächtig....ich sags mal nett,auf's Gemüt.
Mit ihrem alleinigen Anspruch,der "wahre Vertreter der Arbeiterklasse" zu sein,machten sie sich nun wirklich nicht beliebt.
Was ich davon hatte,schrieb ich auch schon in einem anderen Beitrag.
Zwangsversetzung...in eine andere Abteilung,unter dem Deckmantel "Sozialistische Hilfe".
Meisterschule ohne SED war für mich ADEEEEEE.
Dafür wurde dann ein "Neuer" geschickt,der nicht mal ne Ausbildung in unserem Beruf hatte,aber ein Bonbon.Ich/wir waren gelernte(Hebezeug/Krantechniker) aller Kran/Maschinenarten die es gab.
Alle Schweißprüfungen der DDR hatten wir/ich in der Tasche gehabt,sämtliche Qualifikationen/Pässe zum Bedienen für Krananlagen aller Art,Führerscheine etc.
Doch das Bonbon wurde Meister,durch seine Parteischule......
Von der Praxis hatte der Mann bis zum Schluß keine Ahnung,keine Kran/Hebezeugausbildung,Null Schweißerqualifizierung etc.Und der sollte uns was erzählen......
Hat er dann auch.
Noch ne'kleine Geschichte:Wir sollten alle 4 Laufräder an einem 20-Tonner Doppel-Brückenlaufkran wechseln,als wir wieder beim montieren waren fragte er mich,ob wir denn die Federringe richtig herum aufgelegt hätten....ohne Worte....ich dachte der will mich verars....,nö,er meinte es ernst!!!!
Nun will ich nicht behaupten,dass alle Genossen in einer Meisterposition so...ich nenn es mal.... unwissend,waren.
Und noch eine kleine Anekdote:
Wenn wir während den Pausen in der Werkstatt NDR 2 hörten,ging das soweit,dass die lieben Genossen Stomkabel vom Radio durchgeschnitten haben.Diese Aktion haben die demokratischen Wächter und Staatshüter 3 x veranstaltet.
Wir waren viele Junggesellen und überhaupt ein junges Kollektiv.
Die Revanche ließen wir uns nicht nehmen.
Es kam die Zeit der Friedensfahrt und dort saßen die Genossen dann immer vorm Radio,diesmal blieb ihres stumm.
Wir waren sehr schnell lernfähig,wenn wir denn auch wollten......
Schade das die Partei bzw.der Staat nicht viel eher mehr Demokratie zugelassen hat.(Waren halt alte greise Betonköppe)
Es wäre vielleicht einiges anders oder besser gekommen......

Gruß ek40


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#48

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 19:00
von Affi976 (gelöscht)
avatar

@Pitti,
gleiches Krankenhaus, aber zu DDR - Zeiten.
Eine Krankenschwester, seit vielen Jahren in diesem Haus, der Mann mein Kollege, also Musiker, beider Sohn, will wegen Hundesport, zur Volkspolizei als Hundeführer. Alles wurde sehr geheim gehalten, als es dann aber doch rauskam, war das Geschrei dieses Krankenhauses groß. Dann kam aber die "Wende" , Sohni war noch nicht bei der VP und hatte dann einen anderen Beruf gewählt, somit war der Fall erledigt!
VG Affi


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#49

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 19:10
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Nach der Grenzöffnung war ich in Braunlage,kam dort mit einen älteren Herren ins Gespräch.Wir unterhielten uns über dies und jenes und zum Schluß sagte er.Junge auch hier brauchste das richtige Parteibuch.Was sagt das aus,erst einmal vor der eigenen Tür kehren.


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#50

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 19:22
von Mike59 | 7.977 Beiträge

[quote="Rostocker"]Nach der Grenzöffnung war ich in Braunlage,kam dort mit einen älteren Herren ins Gespräch.Wir unterhielten uns über dies und jenes und zum Schluß sagte er.Junge auch hier brauchste das richtige Parteibuch.Was sagt das aus,erst einmal vor der eigenen Tür kehren.[/quote]

----------------------

Diese Aussagen aus dem Munde Demokratie gewohnter, in den Altländern aufgewachsener Bundesbürger kenne ich auch. Ich hatte ein ähnliches Erlebnis als ich bei meinem Personalrat vorstellig wurde. In welcher Gewerkschaft bist du denn? war die Frage nachdem ich mein Problem geschildert hatte.

Im Westen halt nichts neues.

Mike59


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#51

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 21:00
von wosch (gelöscht)
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[quote="Rainman2"][quote="wosch"] ... Die Vor-und Nachteile, die man hatte bezüglich Mitgliedschaft, oder Nichtmitgliedschaft bei den Pionieren, bei der FDJ und bei der GST, setzten sich in Bezug auf die SED nicht fort?, wer soll das denn glauben, wo die meisten Mitglieder der SED doch nur reingegangen sind, weil man es von ihnen verlangte. ... [/quote]
Hallo wosch,

jeder kann die Welt sehen, wie er es will. Ich werde nicht abstreiten, dass es Leute gab, die überredet, breitgeschlagen, bequatscht und vielleicht von dämlichen Parteifunktionären, und auch die gab es, mit Zugeständnissen, Erpressungen oder Lockmitteln in die Partei geholt wurden. Diese Erscheinungen gab es. Wenn Du aber schreibst: "Die meisten", dann ist das entweder eine Lüge, oder der Versuch in dieser Diskussion manipulativ zu überhöhen, aber in jedem Fall ist es falsch und für mich persönlich sogar eine Beleidigung.

ciao Rainman[/quote]

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Hallo Herr Hauptmann a.D.!
Ich möchte erst einmal auf Deine, von mir rot hervorgehobenen Worte, eine Antwort geben: Das was ich geschrieben und Du meintest in dieser Weise rügen zu müssen, ist weder eine Lüge, noch der Versuch diese Diskussion manipulativ zu überhöhen(um mal bei Deiner Wortwahl zu bleiben), und auch weder falsch und erst recht nicht ein Grund dafür, daß Du dich hier als persönlich beleidigt fühlen mußt!! Was ich geschrieben hatte, entspricht dem, was mein Erinnerungsvermögen Heute noch aus dieser Zeit vor 1962 hergibt und da war ich schon im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, nämlich 19 Jahre, also in einem Alter, wo schon etliche von den hier im Forum Anwesenden die ersten Weihen des Sozialismus erhalten hatten und entweder auf einer OHS oder in den bewaffneten Diensten mit den "Ballerbüchsen" rumspielen durften. Also bitte stelle mein Urteilsvermögen nicht in Frage und unterstelle mir bitte nicht, daß ich hier versuche im Forum Lügen aufzutischen!! Wenn ich geschrieben hatte "die meisten", dann habe ich auch die Meisten gemeint und weder Deine Familie noch Dein Von Dir erwähnten Bekanntenkreis speziell benannt. Wenn Du meinst, diese gehören nicht zu der von mir benannten Katogorie der "meisten", so sei doch wegen mir stolz auf sie, aber unterstelle mir bitte nicht, daß ich sie in diese Katogerie mit einbezogen hätte! Wie du selber geschrieben hast, gab es auch "dämliche" Parteifunktionäre die im Zusammenhang mit Zugeständnissen, Erpressungen oder Lockmitteln, Leute überedet hatten, in die Partei einzutreten. Warum mußten denn diese Leute von solchen dämlichen Parteifunktionären überhaupt mit solchen Mitteln überredet werden, wenn nach Deiner Meinung die Meisten doch ganz freiwillig in die Partei gegangen sind?? Was glaubst Du denn, wie beliebt die Partei in den 50er Jahren war, in den Jahren wo man die Bauern in die Genossenschaften presste, den selbstständigen Handwerkern ihre Geschäfte wegnahm bzw, sie in die Produktinonsgenossenschaften des Handwers preßte, in den Jahren, in denen die Begriffe "Ungeziefer" und "Kornblume" geprägt wurden, in den Jahren als die Flüchtlingszahlen aus der DDR sich in Millionenhöhe bewegte, die Niederschlagung des Aufstandes mit all seinen Folgen noch in den Köpfen der Bevölkerung immer parat war, in den Jahren, in denen ein "unbedachtes Wort" ein kleiner Witz über Die Partei und deren Führung, dich für Jahre ins Gefängnis bringen konnte, in den Jahren , in denen die "Rote Hilde" das scheckliche Aushängeschild der sozialistischen Justiz war?? Nein, diePartei war seinerzeit gefürchtet und für den Großteil der Bevölkerung galt nur: immer schön die Schnauze halten, damit Du nicht mit denen in Berührung kommen tust, und auch nicht mit ihrem Schild und Schwert. Ja, lieber Klaus-Peter, ich erzähle Dir was Anderes, als Du es auf Deiner OHS gelernt hast und ich erzähle Dir auch was Anderes, als Du es dann später als Polit. weiter gegeben hast, aber warum soll es falsch sein, wenn ich aus meinem erlebten Leben, aus einer Zeit, die Du nur subjektiv kennen kannst, von dem was man Dir erzählt hatte. Du magst ja der Meinung sein, daß das alles stimmte, hast Du aber schon mal selbst darüber nachgedacht, daß man Dir vielleicht nicht immer die ganze Wahrheit erzählt hatte??
Jetzt soll es für´s Erste reichen, vielleicht kommt ja noch mehr zu diesem Thema von mir, aber erwarte dann nicht, daß ich Unwahrheiten erzähle indem ich schreibe, wie es nicht war.
Schönen Gruß aus Kassel
Wosch


zuletzt bearbeitet 07.12.2009 21:07 | nach oben springen

#52

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 21:59
von ostler (gelöscht)
avatar

Wenn ich meinen Vorredner höre .... 53 wurden die staatlichen Organe angegriffen und die Partei warf mit Wattebällchen. Das stelle sich mal heute einer vor, mit welcher Antwort gerechnet werden kann. Es war doch eher umgedreht. "Privilegien", wenn es die überhaupt in der DDR gab, genoß vor allem die Arbeiterklasse. Jeder Betrieb vor allem wichtige Betriebe etc. hatte Sonderversorgungseinrichtungen. In den Betrieben wurde der Plan abgearbeitet und dann war Päuschen angesagt auch wenn es noch Stunden Arbeitszeit gab. Qualifizierungsmöglichkeiten wurden einem hinter hergeschmissen auch ohne Parteibuch. Es gab Montage-Betriebe die haben ihre Arbeiter mit Taxis zur Arbeit kutschiert. Die haben für ihre paar Stündchen Arbeit am Tag soviel Lohn bekommen, das die zum Beispiel jeden Abend an der Hotelbar im Neptun ihr Geld verprassen konnten. Im Prinzip war es doch so, wenn im Betrieb ein Arbeiter mit der Faust auf den Tisch haute mußte sich der Leiter krumm machen. Wenn man sein verpfuschtes Leben jetzt noch nachträglich der Partei in die Schuhe schieben möchte ist das einfach lächerlich.

....

Das größte Privileg gegenüber heute war natürlich das Recht auf Arbeit!


zuletzt bearbeitet 07.12.2009 22:04 | nach oben springen

#53

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 22:11
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

[quote="ostler"] "Privilegien", wenn es die überhaupt in der DDR gab, genoß vor allem die Arbeiterklasse.
Das größte Privileg gegenüber heute war natürlich das Recht auf Arbeit![/quote]

Hallo Ostler,

danke für deinen ersten Beitrag. Aber auch du hast hier das Recht, dich vorzustellen.

Nun, das Recht schloss auch die Pflicht mit ein, wollen wir nicht vergessen. Im Übrigen sollten wir mal die Privilegien der Arbeiterklasse der BRD vor 1990 mit deinen Aufführungen vergleichen. Wäre sicher interessant....und aufschlussreich.

Gruss, AZ


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#54

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 22:18
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
avatar

Da siehst du mal,ostler, was der einfache arbeitende Mann, der Proletarier in der DDR für ein hohes Ansehen genoss. Nun ja, also mit dem Taxi sind wir nicht auf Arbeit gefahren, aber mit Wartburg- Tourist...Betriebswagen für die Monteure mit Chauffeur...der hat sich dann den ganzen Tag die Nudel langgezogen in den Kasernen der GSSD ( Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in der DDR)...oder er hat mit unseren russischen Freunden Domino gespielt.
War sein gutes Recht, der Mann mußte fit sein früh und morgens .wenn er Monteure kutschierte über hunderte Kilometer.
Heute nur zum Vergleich, da kutscht er die Truppe 500 km, dann malocht er denn ganzen Tag mit und Abends gehts 500km zurück...und irgendwann kommt der Sekundenschlaf bei Tempo 140...ade, du schöne Welt und vier seiner Kollegen gleich mit.
Das war ein Leben, nein, als arbeitender Mann in der alten DDR,das Geld stimmte und du warst Abends noch fit für die Schöne Zuhause, also ich habe keinen Tag bereuht.

Gruß Rainer- Maria


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#55

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 22:31
von wosch (gelöscht)
avatar

[quote="ostler"]Wenn ich meinen Vorredner höre .... 53 wurden die staatlichen Organe angegriffen und die Partei warf mit Wattebällchen. Das stelle sich mal heute einer vor, mit welcher Antwort gerechnet werden kann. Es war doch eher umgedreht. "Privilegien", wenn es die überhaupt in der DDR gab, genoß vor allem die Arbeiterklasse. Jeder Betrieb vor allem wichtige Betriebe etc. hatte Sonderversorgungseinrichtungen. In den Betrieben wurde der Plan abgearbeitet und dann war Päuschen angesagt auch wenn es noch Stunden Arbeitszeit gab. Qualifizierungsmöglichkeiten wurden einem hinter hergeschmissen auch ohne Parteibuch. Es gab Montage-Betriebe die haben ihre Arbeiter mit Taxis zur Arbeit kutschiert. Die haben für ihre paar Stündchen Arbeit am Tag soviel Lohn bekommen, das die zum Beispiel jeden Abend an der Hotelbar im Neptun ihr Geld verprassen konnten. Im Prinzip war es doch so, wenn im Betrieb ein Arbeiter mit der Faust auf den Tisch haute mußte sich der Leiter krumm machen. Wenn man sein verpfuschtes Leben jetzt noch nachträglich der Partei in die Schuhe schieben möchte ist das einfach lächerlich.

....

Das größte Privileg gegenüber heute war natürlich das Recht auf Arbeit![/quote]

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Na Towarisch Ostler, wenn Du aus Schwerin kommst, dann kennst du sicher auch das "Naherholungsheim" Bützow-Dreibergen. Unterhalte Dich mal mit Leuten, die in den 50er Jahren da ihren "Urlaub" drin verbringen durften. Ein Beispiel wie gut es dem Arbeiter im Umkreis dieser Anstalt ging, in Mecklenburg und in der ganzen DDR: Die "privilgierten" Arbeiter durften damals (1961) für 1,54 Mark-Ost im Stundenlohn auf dem Bau arbeiten, oder für 1,57 Mark-Ost für 100 % im Leistungslohn schuften. Wenn sie dann mit 210 % abgerechnet hatten bekamen sie etwa 3,20 Brutto. Und ab und zu wurden die Normen erhöht, sodaß man beim nächsten Mal mehr schuften mußte, um auf die 210 % zu kommen. Die Akkord-Arbeit im Westen wurde seinerzeit so betitelt::"Akkord ist Mord", obwohl das Leistungsprinzip weitaus schlimmer war!! Zudem Zeitpunkt bekam der Bauarbeiter für die gleiche Arbeit schon einen Stundenlohn von ca 3,20 DM und im Akkord (was die Wenigsten machten9 , konnte er schon mal das 3 bis 4 fache verdienen.Ich war auch ein Arbeiter, aber von den Privilegien, von denen Du hier berichtest, habe ich nichts mitbekommen. Statt dessen durften wir "freiwillige" Aufbaustunden" leisten, an 2/3 Sonntagen im Jahr und uns statt im Neptun an der Hotelbar zu vergnügen, am Wochenende schon mal ne Flasche "Grünen" oder Weinbrandverschnitt reinhauen. Und in Mecklenburg war man doch sowieso noch ärmer dran, als im Rest der Republik, für ´ne Fahrradkette mußten wir nach West-Berlin fahren. Ich weiß leider nicht, wie alt Du bist, eventuell hätte ich Dir sonst ein paar Fragen gestellt.
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 07.12.2009 22:39 | nach oben springen

#56

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 22:43
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
avatar

Wolfgang, wenn mein Vater aus den 50er Jahren erzählte muss ich immer sagen, das war eine andere Zeit in dieser der DDR.
Er hatte damals lange nicht das Geld, was er 20Jahre später im selben Beruf... als Drei-Schicht Arbeiter verdient hatte.
Da lagen Welten dazwischen, was die Kohle betraf.
Du und deine Zeit und wir und unsere Zeit in dieser DDR....Welten...muss ich mal so sagen und das ist überhaupt nicht negativ gemeint.

Gruß Rainer- Maria


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#57

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 23:10
von Sonny (gelöscht)
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@ Rainman

Zitat
Wenn Du aber schreibst: "Die meisten", dann ist das entweder eine Lüge, oder der Versuch in dieser Diskussion manipulativ zu überhöhen, aber in jedem Fall ist es falsch und für mich persönlich sogar eine Beleidigung.



Ich verstehe deine Aufregung nicht. Daß du zur Minderheit derer gehörtest, die weder durch Druck, noch um sich persönliche Vorteile zu verschaffen (sondern aus echter Überzeugung) in die SED eingetreten bist, das zweifelt doch niemand an.

Aber daß dies nur eine Minderheit war, das sehe ich genauso wie Wosch.


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#58

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 23:15
von Sonny (gelöscht)
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@ Affi

Zitat
Was sagt ihr denn zu folgendem:
Meine Tochter wollte 1998 den Beruf der Krankenschwester erlernen. Zuvor hatte sie schon ein Fachschulstudium als Sozialassistent abgeschlossen.
Die Ausbildungstätte, ein kirchliches Krankenhaus, hat sie mit Kusshand, auf Grund schon eines Berufs und wirklich dufter Noten, genommen.
Als sie dann aber verkündet hat, unsere Familie ist nicht kirchlich gebunden und sie würde auch nicht in die Kirche eintreten, wurde trotz guter Leistungen, der Ausbildungsvertrag nach einem halben Jahr gekündigt. Ihre Freundin hatte sogar "VIEREN", war aber kirchlich engagiert und durfte bleiben. Und das in einem freiheitlich demokratischen Staat!



Das ist nicht ungewöhnlich. Die Kirchen haben nun einmal (aus verschiedenen historischen Gründen) gewisse Sonderrechte (u.a. im Bereich des Arbeitsrechts), und das muß dann eben jeder berücksichtigen, der dort arbeiten will.

Vereinfacht gesagt war dies seinerzeit eine Kompromißlösung zwischen den verschiedenen politischen Lagern --- quasi als "Gegenleistung" gab es dann paritätische Mitbestimmung, Tarifautonomie, Einheitsgewerkschaft u.a.m.


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#59

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 23:18
von Sonny (gelöscht)
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@ Pitti

Zitat
ja bei der kirche geht so waskenne eine frau,die war in einem kirchlichen kindergarten angestellt(natürlich kichenmitglied)hat sich dann von ihrem mann getrennt(sie hatte einen anderen,die liebe eben)was folgte war rausschmiß wegen unsittlichem lebenswandel(katholisch?



Kann eigentlich nur katholisch gewesen sein, ja.

Auch z.B. der Zölibat oder die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen dürfte sich ein "normaler" Arbeitgeber nicht erlauben --- und daß in Bayern die katholischen Bischöfe vom Staat (und nicht von der Kirche selber) bezahlt werden, gehört auch in diese Kategorie.


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#60

RE: Was hiess das, "in der Partei" zu sein?

in Leben in der DDR 07.12.2009 23:20
von Sonny (gelöscht)
avatar

@ Mike

Zitat

Zitat
Nach der Grenzöffnung war ich in Braunlage,kam dort mit einen älteren Herren ins Gespräch.Wir unterhielten uns über dies und jenes und zum Schluß sagte er.Junge auch hier brauchste das richtige Parteibuch.Was sagt das aus,erst einmal vor der eigenen Tür kehren.



Diese Aussagen aus dem Munde Demokratie gewohnter, in den Altländern aufgewachsener Bundesbürger kenne ich auch. Ich hatte ein ähnliches Erlebnis als ich bei meinem Personalrat vorstellig wurde. In welcher Gewerkschaft bist du denn? war die Frage nachdem ich mein Problem geschildert hatte.

Im Westen halt nichts neues




Das beschränkt sich aber im wesentlichen auf den Öffentlichen Dienst.


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