#21

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 01:45
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
die erlebnisse die mario röllig erzählt und welchen knacks seine psyche dabei bekam möchte ich nicht kommentieren, da keine u-haftanstalt der welt besonders angenehm ist und wohl jeder so reagieren würde wie er.


Hallo GW,

als ich den Film sah, war ich der Meinung es handelt sich um einen besonders sensibelen Menschen. Es ist schoen anzuerkennen, dass das Gefaengnis nicht angenehm war. Dass alle so reagiert haetten wir er, moechte ich aber bezweifeln. Deswegen ist der Fall m.E., umso tragischer.

Zitat von GilbertWolzow
nur leider ist den filmemachern bei der sequenz 4,55 wieder ein fehler unterlaufen (gewollt? - da ich nicht mehr an zufälle glaube): "Aus seinen Stasi- Akten erfährt er 1987, das er im geheimen "Untersuchungsgefängnis Nummer 1" in Berlin- Hohenschönhausen gefangen gehalten wurde." dies ist falsch, denn dem untersuchungsgefangenen wurde mit beginn der vernehmung gesagt, wo er sich befindet und was ihm vorgeworfen wurde.


ich zweifele hier nicht an Deiner Kompetenz, was dieses Thema angeht. Ich kommentiere nur was mir durch viele Dokus ermittelt wird, naemlich dass von dem MfS in Haft genommene Personen normalerweise nie erfuhren wo sie waren. Z.B. sie wurden mit einem Barkas durch die Stadt stundenlang gefahren, sodass sie nie erfuhren wo sie hingetragen wurden.

War es in der Regel so, dass immer am Beginn der Vernehmung preisgegeben wurde wo der Gefangene sich befindet, oder nur in Hohenschoenhausen?

Danke,
Duane


zuletzt bearbeitet 08.11.2009 01:48 | nach oben springen

#22

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 10:32
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Berliner

als ich den Film sah, war ich der Meinung es handelt sich um einen besonders sensibelen Menschen. Es ist schoen anzuerkennen, dass das Gefaengnis nicht angenehm war. Dass alle so reagiert haetten wir er, moechte ich aber bezweifeln. Deswegen ist der Fall m.E., umso tragischer.
Duane



ja @duane, mario rölling ist homosexuell. das homosexuelle menschen meistens feinfühliger sind als heterosexuelle dürfte bekannt sein. daher wird er diese ausnahmesituation an seiner psyche viel stärker empfunden haben als andere menschen.

anmerkung: ich möchte jetzt keine (!!!) diskussion über die sexuelle orientierung einzelner hier führen.

zu dem sogenannten stundenlangen "umherkutschieren" : benzin war auch im mfs nur begrenzt vorhanden, also musste auch damit sparsam umgegangen werden. ein stundenlanges umherfahren ist schon aus diesem grund ausgefallen. nur mal zur zeitlichen orientierung: eine fahrt von der keibelstrasse aus berlin-mitte zur ossietzkystrasse nach berlin-pankow hat ca. 30 minuten gedauert. von der normannenstrasse in berlin-lichtenberg bis zur freienwalderstr. nach berlin-hohenschönhausen dürfte etwa 20 minuten gedauert haben.

weisst du wie lange dir eine autofahrt in einem fensterlosen transporter ohne deine armbanduhr vorkommt? vorallem, es kam noch die angst vor dem ungewissen dazu...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#23

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 10:42
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Berliner


War es in der Regel so, dass immer am Beginn der Vernehmung preisgegeben wurde wo der Gefangene sich befindet, oder nur in Hohenschoenhausen?



soweit mir bekannt war, wurde dem zugeführten und dem untersuchungsgefangenen grundsätzlich erklärt, wo sie sich befinden, was gegen sie vorgeworfen wird, mit den entsprechenden §§, ob sie das stgb oder die stpo wünschen und das ein tonbandmitschnitt gefertigt wird.

meine erkenntnisse beruhten nur auf berlin- hohenschönhausen (ha IX) und die berliner keibelstrasse (bv berlin abt. IX). auch ich war mir diesbezüglich nicht zu 100 % sicher und habe in der letzten zeit erneut noch einen ehem. vernehmer aus der bv frankfurt/ oder und einen aus der bv potsdam befragt. beide bestätigten mir ebenfalls den v.g. sachverhalt.

nach der vernehmung wurde diese belehrung grundsätzlich von der befragten person unterschrieben.


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#24

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 11:34
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
nach der vernehmung wurde diese belehrung grundsätzlich von der befragten person unterschrieben.



Ja eben....nach der Vernehmung....die zog sich ja bekanntlich über Monate hin ne.....


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#25

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 12:05
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
nach der vernehmung wurde diese belehrung grundsätzlich von der befragten person unterschrieben.



Zitat von Mongibella
Ja eben....nach der Vernehmung....die zog sich ja bekanntlich über Monate hin ne.....


schön hier diesbezügliche fachleute zu haben, dann brauche ich mich ja nicht zu bemühen. wenn die vernehmung zu ende war, musste das tonband abgeschrieben werden und dann dem zu vernehmenden vorgelegt werden. dieses abschreiben konnte schon ein paar stunden dauern und hiess für den zuvernehmenden, zeit, zeit, zeit, im ungewissen und in einem oftmals leeren raum.
ach übrigens, ich kenne genug vernehmungen die blos ein paar stunden dauerten...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#26

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 12:50
von Mongibella (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
schön hier diesbezügliche fachleute zu haben, dann brauche ich mich ja nicht zu bemühen.



Ach keine Ursache GW...mach ich doch gern....aber naja, deine Sicht is auch von nöten....

Zitat von GilbertWolzow
wenn die vernehmung zu ende war, musste das tonband abgeschrieben werden und dann dem zu vernehmenden vorgelegt werden. dieses abschreiben konnte schon ein paar stunden dauern und hiess für den zuvernehmenden, zeit, zeit, zeit, im ungewissen und in einem oftmals leeren raum.
ach übrigens, ich kenne genug vernehmungen die blos ein paar stunden dauerten...



....blos ein paar Stunden...???.....pro Tag....


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#27

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 08.11.2009 15:14
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Mongibella

Zitat von GilbertWolzow
schön hier diesbezügliche fachleute zu haben, dann brauche ich mich ja nicht zu bemühen.



Ach keine Ursache GW...mach ich doch gern....aber naja, deine Sicht is auch von nöten....

Zitat von GilbertWolzow
wenn die vernehmung zu ende war, musste das tonband abgeschrieben werden und dann dem zu vernehmenden vorgelegt werden. dieses abschreiben konnte schon ein paar stunden dauern und hiess für den zuvernehmenden, zeit, zeit, zeit, im ungewissen und in einem oftmals leeren raum.
ach übrigens, ich kenne genug vernehmungen die blos ein paar stunden dauerten...



....blos ein paar Stunden...???.....pro Tag....



-------------------------------
Mensch Leute kommt wieder runter, ich kenne aus meinen täglichen Dienstgeschäft - heute und nicht vor 25 Jahren - popelige "Einreisebefragungen" die sich über Stunden u.a. bis in den nächsten Tag hinein hinziehen und nur auf eine Überreaktion eines gestreßten Kontrollbeamten zurückzuführen sind.
Also alles braucht seine Zeit, ist heute wie damals.

Mike59


zuletzt bearbeitet 08.11.2009 15:15 | nach oben springen

#28

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 06:11
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
ja @duane, mario rölling ist homosexuell. das homosexuelle menschen meistens feinfühliger sind als heterosexuelle dürfte bekannt sein. daher wird er diese ausnahmesituation an seiner psyche viel stärker empfunden haben als andere menschen.

anmerkung: ich möchte jetzt keine (!!!) diskussion über die sexuelle orientierung einzelner hier führen.


Hallo GW,

nein, das war nicht meine Absicht. Um ehrlich zu sein, habe ich den Clip gestern ueberhaupt nicht angesehen, nur die Stelle auf die Du hingewiesen hast. Den Clip sah ich mir vor 3 Wochen vollstaendig an, aber erst jetzt ist es mir wieder eingefallen, dass er ausser sensibel, vielleicht auch ein homosexueller sein koennte. Durch Deinen Text oben ist es mir trotzdem klar, dass wir jetzt auf der gleichen Wellenlaenge sind.

Zitat von GilbertWolzow
zu dem sogenannten stundenlangen "umherkutschieren" : benzin war auch im mfs nur begrenzt vorhanden, also musste auch damit sparsam umgegangen werden. ein stundenlanges umherfahren ist schon aus diesem grund ausgefallen. nur mal zur zeitlichen orientierung: eine fahrt von der keibelstrasse aus berlin-mitte zur ossietzkystrasse nach berlin-pankow hat ca. 30 minuten gedauert. von der normannenstrasse in berlin-lichtenberg bis zur freienwalderstr. nach berlin-hohenschönhausen dürfte etwa 20 minuten gedauert haben.

weisst du wie lange dir eine autofahrt in einem fensterlosen transporter ohne deine armbanduhr vorkommt? vorallem, es kam noch die angst vor dem ungewissen dazu...


waere es trotzdem moeglich, dass bei bestimmten festgenommen Personen lange "herumkutschiert" wurde um eine bestimmte psychologische Wirkung zu erzielen? Das sind Aussagen von betroffenen, die dieses behaupten. Mir scheint es nicht sehr weithergeholt, dass es sowas gab.

Wieder vielen Dank fuer Deine sachliche und ausfuehrliche Antwort. Das weiss ich zu schaetzen.

Duane


zuletzt bearbeitet 09.11.2009 06:22 | nach oben springen

#29

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 07:05
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Augenzeuge

In Antwort auf:
Und warum erwähnt niemand die naheliegende Tatsache, dass die Birthler-Behörde immer noch mehrere Dutzend ehemalige hauptamtliche Stasimitarbeiter beschäftigt, unter anderem als »Wachpersonal«? Und dass Stasis die einstigen Häftlinge ständig einzuschüchtern versuchen durch Lügen, Verleumden, Prozessieren?



Hast du da auch Beweise für?

Berliner

In Antwort auf:
War es in der Regel so, dass immer am Beginn der Vernehmung preisgegeben wurde wo der Gefangene sich befindet, oder nur in Hohenschoenhausen?



Die Aufzeichnung der Vernehmung erfolgte gem. § 106 StPO, hierüber wurde der Verwahrhäftling bei laufendem Band informiert, dabei erhielt er auch Informationen wo er sich befindet und über die aktuelle Uhrzeit. Hier spreche ich jedoch nur für die BV Neubrandenburg. Vom Hören weiß ich jedoch, dass es andernorts auch so geregelt war.

Mara

In Antwort auf:
Ja eben....nach der Vernehmung....die zog sich ja bekanntlich über Monate hin ne.....



Mara es tut mir leid, aber du beziehst dich hier auf das gesamte Untersuchungsverfahren während Gilbert von den einzelnen Vernehmungen sprach. Zum Grund der Dauer hat Gilbert ja schon etwas geschrieben, mit Schreibmaschine ging es natürlich schneller und um so mehr der Verwahrhäftling zum streichen bzw. ändern anregte um so länger dauerte es natürlich.

In Antwort auf:
....blos ein paar Stunden...???.....pro Tag....



Pro Vernehmung, diese fanden nicht jeden Tag statt.

Berliner

In Antwort auf:
waere es trotzdem moeglich, dass bei bestimmten festgenommen Personen lange "herumkutschiert" wurde um eine bestimmte psychologische Wirkung zu erzielen? Das sind Aussagen von betroffenen, die dieses behaupten. Mir scheint es nicht sehr weithergeholt, dass es sowas gab.



Nein, das Benzinkontingent war sehr begrenzt! Sinnlos wurde hier als nicht "herumkutschiert". Jedoch eine Verlegung von Rostock nach Neubrandenburg (107km bzw. 66,2 Meilen) auf der Landstraße mit dem B1000 brauchte halt gute 2,5 Stunden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 09.11.2009 07:18 | nach oben springen

#30

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 07:31
von sentry | 1.108 Beiträge

Ich bin 1984 mehr oder weniger zufällig in die Fänge des MfS geraten. Meiner Familie wurde zu Last gelegt, eine Republikflucht vorbereitet zu haben. Allerdings habe ich dies mit Gewissheit erst erfahren, als mir etliche Jahre später meine Akten vorlagen.
Ich wurde praktisch beim nach Hause kommen an der Wohnungstür eingesackt und zum Verhör gebracht, was für mich alles in allem 17 Stunden am Stück dauerte. Mir wurde weder gesagt, mit welchem Untersuchungsorgan ich es zu tun habe, noch hat sich irgend jemand vorgestellt noch wurde mir gesagt, weswegen ich überhaupt da war.
Auch wusste ich nicht, wo sich die ganze Zeit über meine Familie befand. All diese Fakten und Umstände konnte man lediglich anhand der gestellten Fragen und gemachten statements der Genossen mutmaßen.
(Beispiel: "Sie können froh sein, dass sie nicht bei der Kriminalpolizei gelandet sind." oder "Was wir Ihnnen vorwerfen, ist schlimmer als Mord."(!)

Allerdings hatte ich nicht den Status eines Untersuchungsgefangenen. Ich weiß gar nicht, was für einen Status ich hatte - Verdächtiger, wenn es so was gibt.
Das Verhör fand in Berlin-Mitte in der Keibelstraße statt. Es wurde der direkte Weg gewählt und auch sonst kein Versuch unternommen, dieses zu verschleiern.

Im Grunde hat mir dieses Erlebnis 10 Jahre Ungewissheit und haufenweise Fragen beschert. Ein wenig konnten wir uns, durch den Vergleich der uns gestellten Fragen zusammenreimen. Der Rest meiner Familie war zeitgleich auch beim Verhör - bis zu 24 h lang.
Im Grunde ist mir z.B. bis heute nicht ganz klar, wie ich mit diesem Verdacht im Genick zwei Jahre später zur Grenze eingezogen wurde und sogar mit der höchsten "Blutgruppe" mit den Hacken an der weißen Linie stehen durfte. Denn obwohl wir entlastet wurden und ich sicher eine Hunderprozent-Durchleuchtung erfahren habe, konnte doch niemand sicher sein, ob diese Behandlung nicht in meinem Kopf ein Umschwenken ausgelöst hätte. Warum die das riskiert haben und mich nicht lieber nur nach Eggesin geschickt haben - keine Ahnung.
Tatsächlich habe ich gelegentlich, wenn ich bei Winterdienstmaßnahmen auf der Autobahn da vorne an der Linie stand, gedacht: "Eigentlich musst Du jetzt diesen einen kleinen Schritt machen, nur um denen den Finger zu zeigen, ihnen klarzumachen, dass sie nicht allmächtig und allwissend sind und diesmal einen echten Fehler gemacht haben."
Aber - ich bin nun mal ein Kopfmensch - ich habe, wie immer, die Pro's und Kontra's abgewogen, was mich wohl da drüben erwarten würde ohne anständige Ausbildung, Verwandten auf der Tasche liegend, was vor allem meine zurückgelassene Familie erwarten würde und meine Kameraden in der SiK, von denen vielleicht welche als Mitschuldige oder Mitwisser herhalten müssten, Repressalien und Einschränkungen und dass dieser trotzige Beweggrund denn wohl doch ein bisschen zu ärmlich wäre. Und dann bin ich eben da geblieben udn irgendwann hat sich alles fast von allein zum Guten gewendet.


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#31

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 10:17
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo sentry,
vielen Dank für den guten und offenen Beitrag aus deinem Leben. Er passt zum heutigen Tag.

Gruß, Augenzeuge


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#32

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 14:06
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Mongibella

Zitat von Merkur
Allerdings weiß ich, dass es keine "Diversionsabteilung" im MfS gab. Daher interessiert es mich, wen man denn meint.



Du weisst aber schon wie es richtig heissen muss in MfS-allemannisch....dat is doch echt wieder Krümelkacken hier ob es echt so hiess oder wie ihr es genannt habt....du weisst doch was gemeint ist....

Zersetzen war doch euer Job....da wo ihr es nötig erachtet habt.....wie ihr es bezeichnet habt, tut da nich zu....

Mara





Ach ja, wie liebe ich doch diese pauschalen Wertungen


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#33

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 17:21
von S51 | 3.733 Beiträge

[quote="sentry"](Beispiel: "Sie können froh sein, dass sie nicht bei der Kriminalpolizei gelandet sind." oder "Was wir Ihnnen vorwerfen, ist schlimmer als Mord."(!)
quote]

Grummel!!! "... froh sein, dass sie nicht bei der K gelandet sind..." Grummel!!!
Ich hoffe doch, so schlimm waren wir nicht. Allerdings habe ich es erlebt, dass mir ein Beschuldigter sagte, er wäre jetzt lieber bei der anderen Feldpostnummer. Da gäbe es Kaffee und nicht so ein dünnes Zeug, dass wir Tee nannten. Dabei hatte ich den selber aufgesetzt! Und was anderes hatten wir auch nicht.
Zur Verdeutlichung kleine Ergänzung der Biografie S51:
Nach der Zeit an der Grenze kam ich zur Polizei. Erst Schupo in Sachsen, dann Schule und Schupo in Berlin. Schließlich zur Revierkriminalstelle Berlin-Karlshorst und dann zur Offiziersschule Aschersleben. Von dort zur KIII in Berlin - Rathausstraße. In dieser Zeit alle drei Wochen eine Woche im Dauerdienst. Das waren jene, die außerhalb der Dienstzeit den "ersten Angriff" erledigten. Also Tatortarbeit quer durch das StGB, erste Vernehmungen, Spurensicherung, ggf. Festnahmen und Übergabe an Fachkommissariat bzw. Staatsanwaltschaft oder bei 213 eben auch MfS.
Am Anfang stand, egal welcher Sachverhalt, oft nur eine "Zuführung zur Klärung eines Sachverhaltes". Daraus wurde, wenn ein dringender Tatverdacht gegeben war und die Schwere der Beschuldigung dies rechtfertigte beim Beschuldigten eine vorläufige Festnahme. Die durfte nicht länger als 24 Stunden dauern. Entweder Spurenlage und Vernehmungen rechtfertigten in dieser Zeit einen Haftbefehl und damit die U-Haft (das entschied der Richter) oder der Beschuldigte war frei zu lassen.
Vor Vernehmungen musste immer belehrt werden. Sachverhalt, gegebenenfalls Aussagverweigerungsrechte, gesetzliche Grundlagen. Ansonsten war die Vernehmung rechtlich wertlos. Bei Vernehmungen hieß es mitschreiben, tippen und sich danach hierfür die Unterschrift vom Betreffenden holen. Tonband war nicht, solche Technik hatten wir nicht. Geständnisse waren nicht viel wert, da sie ja im Verfahren jederzeit widerrufen werden konnten. Objektive Beweise zählten weitaus mehr.
Bei Gefangenentransporten wurde immer vor Fahrtantritt auf Ziel, Zweck und gesetzliche Grundlagen hingewiesen und dies dokumentiert. Anders ging es nicht. Gericht oder umgekehrt Haftanstalt hätten mir den Gefangenen ohne Dokumentation gar nicht abgenommen. Und schließlich war dies ja auch meine Absicherung, um mich vor eventuellen falschen Beschuldigungen zu schützen. Denn mein Gegenüber kannte seine Rechte und Möglichkeiten auch.
Gefahren wurde immer die kürzeste Strecke, denn unser Spritkontingent galt insgesamt und Tatortarbeit macht zu Fuß (weil der Wartburg stehen bleiben muss) nicht so richtig Laune.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#34

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 17:46
von a1 otti | 188 Beiträge


Volle Zustimmung S51!!!
Genauso kenne ich es auch von "früher". Sicher gab es auch die unrühmlichen Ausnahmen, aber die gibt es überall und gab es damals sicher auch in der BRD.

Ich denke aber, dass sentry nur das wiedergegeben hat, was ihm von der "anderen Feldpostnuummer" gesagt wurde.

Ralf



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#35

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 18:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von S51
Allerdings habe ich es erlebt, dass mir ein Beschuldigter sagte, er wäre jetzt lieber bei der anderen Feldpostnummer. Da gäbe es Kaffee und nicht so ein dünnes Zeug, dass wir Tee nannten. Dabei hatte ich den selber aufgesetzt! Und was anderes hatten wir auch nicht.



Erstmal danke für deinen Beitrag, sehr informativ. Ich hoffe er wird nicht gleich zerrissen, nur weil er nicht den gängigen Vorurteilen (Geheimtransporte, nicht wissen wo man ist, etc.) entspricht .

Besonders danke ich dir für deine Aussage oben. Als ich in einem anderen Thread mal erwähnt habe, einige Verwahrhäftlinge gaben an lieber bei uns zu sein, wurde dies natürlich sofort als MfS-Lüge abgestraft.

Sicher dachte nicht jeder so, aber diese Fälle gab es, ob es hier einigen paßt oder nicht. Von daher freue ich mich über diese Bestätigung von anderer Seite.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 09.11.2009 18:42 | nach oben springen

#36

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 19:08
von josy95 | 4.915 Beiträge

Ohne selbst einmal ernsthaft zu DDR- Zeiten(!) in die Fänge bestimmter Abteilungen geraten zu sein, erlaube ich mir aber dahingehend ein Statement, das es immer darauf ankam, wem man als handelnde Person (en!) gegenüber saß. Da wird es gestern wie heute eben die "Gesetzestreuen" gegeben haben, die ihren Dienst nach (DDR-) Vorschriften und Gesetzen gemacht haben, mußten. Und eben diese, die aus reiner Macht- und Erfolgsbesessenheit, Karrieregeilheit sich anderer "Praktiken" bedient haben. Diese Praktiken gibt es auch heute noch zur Genüge. Was bei einigen Damen und Herren dieser Branche jegliche Gesetzestreue ausblendet und auch in diesen Gremien zu teilweise mafiosen Strukturen führt, die für den Betroffenen immer schwer beweisbar und zu durchbrechen sind.
Es ist schwer und wird schwer bleiben, wenn nicht manchmal sogar unmöglich, deartiges Unrecht lückenlos aufzuarbeiten.

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#37

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.11.2009 23:23
von sentry | 1.108 Beiträge

Zitat von S51

Grummel!!! "... froh sein, dass sie nicht bei der K gelandet sind..." Grummel!!!
Zitat vom Stasi-Mann - musst Du den angrummeln
Vor Vernehmungen musste immer belehrt werden.
Nicht bei mir.
Sachverhalt (nein), gegebenenfalls Aussagverweigerungsrechte (nein), gesetzliche Grundlagen (nein). Ansonsten war die Vernehmung rechtlich wertlos (hat die wohl einen Schei* interessiert). Bei Vernehmungen hieß es mitschreiben, tippen und sich danach hierfür die Unterschrift vom Betreffenden holen. Tonband war nicht, solche Technik hatten wir nicht.
Schicke Uher-Tape-Recorder beim Mfs, anschließend Transcript erstellt und vom Delinquenten abzeichen lassen (natürlich ungelesen, ich hatte keinen Bock, noch 2 Stunden dazubleiben).
Bei Gefangenentransporten wurde immer vor Fahrtantritt auf Ziel (nein), Zweck und gesetzliche Grundlagen (nein) hingewiesen und dies dokumentiert. Anders ging es nicht. (doch)



(Alles blaue ist von mir, natürlich nur gültig für das von mir erlebte und wie gesagt: MfS)


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#38

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.11.2009 04:50
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.

Zitat von Berliner
waere es trotzdem moeglich, dass bei bestimmten festgenommen Personen lange "herumkutschiert" wurde um eine bestimmte psychologische Wirkung zu erzielen? Das sind Aussagen von betroffenen, die dieses behaupten. Mir scheint es nicht sehr weithergeholt, dass es sowas gab.


Nein, das Benzinkontingent war sehr begrenzt! Sinnlos wurde hier als nicht "herumkutschiert". Jedoch eine Verlegung von Rostock nach Neubrandenburg (107km bzw. 66,2 Meilen) auf der Landstraße mit dem B1000 brauchte halt gute 2,5 Stunden.



Zitat von Feliks D.
Erstmal danke für deinen Beitrag, sehr informativ. Ich hoffe er wird nicht gleich zerrissen, nur weil er nicht den gängigen Vorurteilen (Geheimtransporte, nicht wissen wo man ist, etc.) entspricht .


Hallo Felix D., Hallo GilbertWolzow,

zunaechstmal vielen Dank fuer Eure Antworten auf meine Fragen. Ich kann mir vorstellen, dass Ihr Euch gefragt habt, was ich mit der bloeden Fragerei will. Es ist doch klar, Benzin war begrenzt, wir haben es gesagt und damit erledigt...

Ja, vielleicht wollte ich etwas anderes erreichen, mal schauen.

Ihr kommt mit Fakten und Erfahrungen von Eurem Dienstzeit beim MfS, welche wir respektieren. Ihr sagt die Wahrheit (von Eurem Standpunkt aus) und seid sachlich, und somit verdient unseren Respekt.

Die Zeugen, die solche Aussagen treffen, bringen auch Fakten und Erfahrungen von ihrer Gefangenschaft beim MfS. Sie sagen die Wahrheit (von ihrem Standpunkt aus) und geben ihre Erlebnisse sachlich wieder, und somit verdienen auch unseren Respekt.

Zu sagen, dass in dieser Zusammensetzung niemand befangen ist, ist zumindest naive, wenn nicht gleich unwahr. Aber alle Aussagen zunaechst zu wuerdigen, zeigt m.E. Staerke und oeffnet die Tuer, weiterhin Respekt waltenzulassen.

Ich wollte nur meine Meinung dazu sagen, die "Fragerei" erklaeren, und damit die Hoffnung mitteilen weiterhin mit Euch an sachlichen und wahrheitsgemaessen Diskussionen teilzuhaben.

Duane


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#39

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.11.2009 07:16
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Dafür sind wir ja hier, um Fragen zu beantworten. Gerne auch 3 und 4 mal, Vorurteile gibt es ja schon genug.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#40

RE: DDR-Opfer kämpft gegen Verleumdung, der Fall Mario Röllig

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.11.2009 15:35
von Maxwell | 30 Beiträge

Als ich in einem anderen Thread mal erwähnt habe, einige Verwahrhäftlinge gaben an lieber bei uns zu sein, wurde dies natürlich sofort als MfS-Lüge abgestraft.

@ Feliks D.
Das waren dann bestimmt die gewesen, die nach der Vernehmung in die "Anscheisserzelle" gegangen sind ?!



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