#1

Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 05.11.2009 21:17
von Widder | 21 Beiträge

Wie war das bei Euch?Könnt Ihr Euch im Grenzdienst also in den Schichten an Schweigeschichten erinnern?Über was konntet Ihr Euch überhaupt mit dem Posten oder Postenführer unterhalten? Grüße aus Sachsen



zuletzt bearbeitet 06.11.2009 08:21 | nach oben springen

#2

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 05.11.2009 22:55
von Rainman2 | 5.752 Beiträge

Hallo Widder,

da ist wohl zu Deiner Frage noch Schweigen angebracht. Ich habe eine solche Schicht nicht erlebt. Naja, Kunststück, ich war schließlich Polit. Da hat immer einer erzählt - nämlich ich!

Ich habe es also auch nur gehört, dass es sogenannt "DV-Schweigeschichten" gab. Es war eine der härtesten Strafen, die EK's über einen Posten verhängen konnten. Die Sache wurde nach Dienstvorschrift durchgezogen. Jedes Wort außerhalb der notwendigen Weisungen, Befehle und Meldungen war verboten. So etwas muss scheußlich sein, vor allem Nachts im Wald. Die andere Frage geht wohl an die, die als Soldaten draußen waren.

ciao Rainman


@all: Hallo, hier ist mal wieder ein Grenzerthema! Sogar eins für Geschichten! Nur mal so als Hinweis!


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#3

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 05.11.2009 23:10
von altgrenzer (gelöscht)
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Moin,

Schweige-Schichten kenne ich nicht. War zwar Uffz., aber kenne sowas trotzdem nicht aus meinem oder anderen Zügen. Die EK-Bewegung hielt sich bei uns in bescheidenen, eher lustigen Grenzen (zum Glück auch).

Mal was Lustiges, hat zwar nichts mit EK zu tun, aber egal:

Morgens nach einer eiskalten Nachtschicht im Winter. Posten steigt in den P3 und es stank nach Mist. Keiner der Beiden wollte so richtig mit der Sprache raus... kurz vor der Kompanie klärte der PF die Geschichte auf:

Da hatten die Beiden die ganze Nacht auf einem Misthaufen gesessen! Hat zwar gestunken, aber war schön warm.

Wir haben Wochen später noch gelacht darüber. Der Postenplatz hieß von da an "Misthaufen" statt Holzladeplatz (bei Wehnde).

Ich war vor 2 Wochen wieder dort und hab das meiner Frau erzählt

Und auf dem Kutschenberg bei Ecklingerode hab ich mir eine Pfeife angezündet. Dieselbe kleine Holzpfeife wie vor 31 Jahren. Aus dem Nebengebäude der ehemaligen Grenzkompanie stieg Rauch. Aber mir fehlte der Mut, zu schauen, ob da einer ist, den ich von früher her kenne. Beim Nächstenmal geh ich da rein und sag wenigstens guten Tach ;)

--Rolf


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#4

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 05.11.2009 23:12
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Bruder Rainman, ich mußte einmal unseren Major H. ,unseren Stabschef, über den ich hier schon öfters geschrieben hatte, von Boizenburg nach Dömitz fahren.
Ich bekam einfach kein Thema hin, über was sich der Gefreite Rainer- Maria mit dem Mann unterhalten konnte.
Ich war total blockiert ob seiner Ausstrahlung, den vor dem harten Knochen hatten selbst die EKs Dampf und er wusste wohl auch nicht so recht, was er sich mit mir Jüngling unterhalte sollte.
Es wurde eine schöne " Fastschweigefahrt",und Gott war ich froh, das ich die Rücktour alleine...

Gruß, dein Bruder im ...na, du weißt schon
Rainer- Maria


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#5

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 08:18
von sentry | 1.077 Beiträge

Schweigeschichten als planmäßiges Mittel der Erziehung unliebsamer Posten sind mir nicht in Erinnerung. In Marienborn hatten wir im Gegensatz zur grünen Grenze fast ausschließlich feste Postenpunkte. D.h. die Postenpaare lungerten überwiegend auf Türmen oder turmähnlichen Gebilden 'rum. Sie hockten also auf relativ engem Raum beieinander.
Je nach Anlage des Postenpunktes war es üblich, dass der Posten 2 Stunden stehen musste und dann 30 Minuten Pause bekam. Vorgeschrieben war eine Halbe/Halbe-Einteilung, aber das war dem E nicht zuzumuten, wenn er Lupo dem E-Tod entgehen wollte.
Dadurch dass der Posten auf vielen PP's draußen stand, während der E drinnen hockte, war sowieso sehr häufig Schweigen angesagt. Ich habe -zig Schichten verbracht, auf denen ich kaum ein Wort mit dem Posten bzw. Postenführer redete. Da gabs maximal alle 2 Stunden den Satz: "Posten, mach mal ne Halbe!", auf Deutsch: "Posten, Du kannst mal 30 Minuten Pause machen!"
Ein weiterer Aspekt war die ständige Müdigkeit. Selbst auf E-Schichten auf einem BT-11, wo ja nun beide drinnen hockten, wurde oftmals sehr wenig gesprochen. Man döste so vor sich hin, sah aus dem Fenster, nahm die enorm umfangreichen Beobachtungs- und Meldeaufgaben wahr, rauchte viel, aß und trank ein bisschen, hat im Kopf analysiert ob man ein Schläfchen riskieren kann und nur gelegentlich ein bisschen small getalkt. Man war einfach zu tranig, um zu kommunizieren.

Posten, die den E's blöd gekommen waren oder auch jene, die man im Verdacht hatte, all zu offenherzig nach oben Bericht zu erstatten (heute würde man "IM" sagen), wurden in Marienborn entweder mit "akurater Dienstdurchführung" und/oder "Durchstehen" bestraft.
Ersteres bedeutete, dass der Posten auf einem zugewiesenen Platz zu stehen hatte (z.B. "Postenkachel" an Kontrollpunkten) mit akurater Anzugsordnung, Hacken zusammen, Fußspitzen fußbreit auseinander, die Waffe vorschriftsmäßig mit Lauf nach oben und ausgeklappter Schulterstütze über der Schulter mit kurzem angezogenem Trageriemen, der Daumen senkrecht nach oben unter dem Trageriemen. Alle Beobachtungen und Meldungen mussten in Lichtgeschwindigkeit und exakt kommen und vor allem BEVOR der Postenführer sie selbst aufklärte. Forciert wurde das Ganze mit der Drohung, den Posten ansonsten wegen mangelhafter Dienstdurchführung oder sogar Verletzung der Grenzsicherheit auslösen zu lassen. Das wäre in Marienborn die ultimative Erniedrigung und Höchststrafe gewesen. Man wäre der Loser der Einheit gewesen.
Das ganze hatte den Vorteil, dass es praktisch unangreifbar war. Der Posten konnte den PF nicht anschei*en, weil alles, was er forderte im Grunde durch die Vorschriften und den Befehl zum Grenzdienst gedeckt war.

"Durchstehen" war perverser und in gewisser Weise auch für den E gefährlich. Dem Posten wurden in der gesamten Schicht jegliche Pausen verweigert oder nur die allernötigsten (Pinkeln oder so) erlaubt. Keine Zigaretten und selbst die Postenverpflegung ist dann in der Regel unangetastet wieder mit zurück in die Einheit gegangen.
Ich selbst habe einmal wegen typisch berlinerischer, leicht arroganter Abiturienten-Aufmüpfigkeit gegenüber einem E durchstehen müssen - 9 Stunden Nachtschicht in Schweinekälte draußen auf dem Dach eines Stellwerkes mit vielleicht 2 m² "Auslauf". Nach 2 Stunden denkt man noch, "der Ars* hat meine Pause vergessen". Nach 3 Stunden, denkt man, "ok heute gibts was zurück, für meine vorlaute Dreckfresse". Nach 4 Stunden wusste man, dass es heute das volle Programm zurückgibt. Ich dachte: "OK, das kannst Du jetzt nicht mehr ändern, aber du hältst das jetzt durch und lässt Dir nicht anmerken, dass Du leidest!" Der E saß in einer kleinen Bude auf dem Dach, ich stand auf einem kleinen Umlauf mit Geländer, der nur 2 Bretter breit war. Also den Rücken der Bude zugekehrt und schön aufgepasst, dass einem nichts entgeht. Ab und zu 'mal im Augenwinkel in die Bude gepeilt, ob er in Folge des "Tropentests" (Heizung voll an) und der Langeweile nicht am Einnicken ist...
Nach 6 Stunden oder so ist ihm wohl durch den Kopf gegangen: "Wenn der das in der Einheit einem Offizier erzählt, kann er mir den Abgang versauen!" (Nur wenige Tage später war Entlassung - die heiße Phase also.)
Er öffnete ein Fenster und rief nach draußen: "Posten, wenn Du mal eine rauchen willst, musst Du mich nur fragen!"
Ich habe "fuck you" gedacht und "Alles klar!" gesagt....und nicht gefragt. Sooo abhängig war ich nicht, als dass ich nicht mal eine rauchfreie Schicht durchgehalten hätte. Lediglich die Kälte und die geringfügige Abwechslung, die die Zeit ein klein bisschen schneller vergehen lässt, wäre schön gewesen.
Das hat natürlich die Unsicherheit beim E noch verstärkt. Das hat mich allerdings nicht zum Sieger dieses Kleinkrieges gemacht...aber ich hab's ihm so schwer wie möglich gemacht.
In Marienborn wurde normalerweise auf Stube nicht viel über die Schicht erzählt. Solche Ereignisse sollten Sache des Postenpaares bleiben. Als ich wieder auf Stube kam, saß mein Stuben-E schon da. Er hatte die gleiche Schicht auf der Autobahn. Ich betrat die Hütte betont relaxt mit einem Lächeln im Gesicht und als er mich dann tatsächlich fragte, wie die Schicht gewesen wäre, war mir klar, dass die Sache zwischen den E's vorher diskutiert worden war...das kleine E-Gericht hatte sozusagen das Strafmaß festgelegt. Ich antwortete: "Alles ok - Durchgestanden!" und grinste ihn an, was ihn offensichtlich wiederum unsicher machte, ob das tatsächlich so war, oder ob mein Postenführer weich geworden war und mich nur instruiert hätte, dies zu sagen...keine Ahnung wie das weiterging, war mir auch egal, denn ich war echt fertig auf den Ketten.


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#6

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 11:17
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo zusammen,
Schweigeschichten sind so das Schlimmste was einem passieren konnte.Nicht nur für dem"Bestraften", nö auch dem"Durchführenden".Zumal ich damals gerne geredet habe. Wir hatten zu meiner Zeit in Spahl leider auch so ein Fall.Da ja alle jeder mit jedem raus gehen mußte,hat sich das schnell rum gesprochen.Da haben selbst wir Uffis mitgemacht.Es hat aber gewirkt,wurde ein guter Kumpel.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#7

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 12:41
von P3 | 357 Beiträge

Nur die Androhung einer Schweigeschicht hat so manchen Querulanten wieder auf die Linie gebracht.
War ohnehin schon manchmal schlimm, wenn mit einem maulfaulen Posten oder Postenführer neun Stunden zusammen Dienst schieben musste. Gerade nachts und noch auf einem B-Turm !

Gruß P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#8

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 13:32
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Schon beim Antreten zu Vergatterung,wenn man wuste, wer geht mit wem raus.Vielen schon von einigen EK;s die Worte--heute wird Dienst nach Vorschrift gemacht---da wusste man. Irgendwo brannte mal wieder die Luft zwischen den EK,s und den Glatten.Ist mir selber mal so gegangen,und der PF ließ sich laufend Grenzstreifen geben.Für mich war der Nachteil,ich musste als Posten jedes mal die Beatkiste auf den Puckel mitschleppen.Ansonsten wurde sie immer unten im Turm stehen gelassen.Und die 8Std schweigen habe ich gelassen hingenommen--hab mir einfach gesagt,schauste 8Std aus dem Fenster ohne nachzudenken.
Aber meistens waren solche Zwistigkeiten nach 2 Tagen wieder beendet.Weil man sich im klaren war,man muss miteinander auskommen.Es war halt so ein Privileg der EK,s was immer weitergereicht wurde.


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#9

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 16:18
von karl143 (gelöscht)
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Wenn ich das bisher geschriebene mir so verinnerliche, dann kann ich den Frust verstehen. Auch das man nicht genau weiß, wie man sich verhalten soll. Wenn man die Streifen sah, habe ich nie daran gedacht, das diese Sachen auch vorkommen können. Ihr saht immer so einig aus - wie zwei gute Bekannte.


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#10

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 16:39
von altgrenzer (gelöscht)
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Zitat von karl143
Wenn ich das bisher geschriebene mir so verinnerliche, dann kann ich den Frust verstehen. Auch das man nicht genau weiß, wie man sich verhalten soll. Wenn man die Streifen sah, habe ich nie daran gedacht, das diese Sachen auch vorkommen können. Ihr saht immer so einig aus - wie zwei gute Bekannte.



Wie jetzt!? Du standst wohl auf der anderen Seite

Wie auch immer, ich hab da auch manchmal rübergewunken (gewinkt?) wenn ich in der Spätschicht nach dem Ausgang noch einen sitzen hatte ;)

--R.


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#11

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 16:57
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von karl143
Wenn ich das bisher geschriebene mir so verinnerliche, dann kann ich den Frust verstehen. Auch das man nicht genau weiß, wie man sich verhalten soll. Wenn man die Streifen sah, habe ich nie daran gedacht, das diese Sachen auch vorkommen können. Ihr saht immer so einig aus - wie zwei gute Bekannte.

#

Siehste @Karl,so kann man sich täuschen.
Bei uns in der Kompanie wurden oft Schweigeschichten durchgezogen.Wenn ein Glatter geputscht hat,gabs ne EK-Versammlung.Hier wurde die Bestrafung festgelegt.Eine Schicht nach DV war für manche nicht unbedingt das schlimmste,aber für manche halt auch die Höchststrafe.Man muß bedenken das es für den EK ja nur diese eine Schicht war.Doch die bestrafte Blase hatte unter Umständen tagelange Schweigeschichten,z.B.eine volle Woche durchzustehen.Und das hat jeden Glatten gebrochen,weil die psychologische Belastung aus hier schon mehrmals genannten Gründen extrem hoch war.Eigentlich wartete man innerlich auf den "Tag der Abrechnung",eben auf einen Amoklauf.Mich wunderte es bis heute das dies in unserer Kompanie ausblieb.Gottlob! Bei uns gingen Bestrafungen bis in den Urlaub oder Ausgang rein.Das heißt,der wurde gestrichen und man hatte dafür solch besch.....A-Gruppe!Und mit Ausgang und Urlaub waren wir nun wahrlich nicht reich gesegnet!Der EK-Hebel war ziemlich lang.

gruß ek40


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#12

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 18:08
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo,

in der Zeit, als ich in der GK in Spahl/Rhön war, haben wir soweit ich mich erinnern kann,selten Schweigeschichten durchgezogen.Ich hab mich als Uffi mit den E`s eigentlich ganz gut verstanden.Bei uns gab es eher für"spitzes"Verhalten einen "Boiler", so`n Kännchen Kaffee a 15 Tassen oder verschärfte "Reviere". "Zornigen"Grenzdienst haben wir eigentlich eher selten machen müssen, um einen wieder auf"Linie" zubringen.


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#13

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 18:25
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Ich war bei meinen letzten Reservistendienst in einer Aufklärungskompanie in Belitz Heilstätten.Was da ablief an EK-Bewegung,da war die E-Bewegung bei den Grenztruppen wie ein kleiner Ulk dagegen.Als Resi hab ich manchmal nur den Kopf geschüttelt.Und zu mir selber gesagt,sei froh das du nicht in so einen Sauhaufen deinen Grundwehrdienst ableisten mustest.
Nur mal ein Beispiel:Der Glatte hatte Ausgang,muste aber die EK,s fragen ob er gehen durfte.Wenn das bestätigt wurde,bekam er Einkaufzettel von denen mit und musste den erst mal abarbeiten.Mich fragte der Glatte--Herr Reservist,darf ich heute im Ausgang gehen---Was soll man darauf antworten,sagte nur ist mir egal mach wie du denkst.Und das alles war noch nicht mal das schlimmste.


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#14

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 19:10
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Hallo,
Schweigeschichten gab es bei uns auch.
Man muß aber fairrerweise sagen, das dieser Bestrafung immer auch etwas "grob fahrlässiges" vorrausgegangen war.
Schlimmste Bestrafung - im wiederholungsfall - doppelt so schlimm
Selbst der Weihnachtsbaum war da nicht so extrem.
Kennt dies noch jemand bzw. war das auch in anderen Kompanien eine "Erziehungsmethode" von Soldaten,die ein halbes und ein halbes und ein halbes Jahr nicht zusammenzählen konnten?


Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#15

RE: Schweigeschichten

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 19:51
von Pitti53 | 8.783 Beiträge

Zitat von sentry
Schweigeschichten als planmäßiges Mittel der Erziehung unliebsamer Posten sind mir nicht in Erinnerung. In Marienborn hatten wir im Gegensatz zur grünen Grenze fast ausschließlich feste Postenpunkte. D.h. die Postenpaare lungerten überwiegend auf Türmen oder turmähnlichen Gebilden 'rum. Sie hockten also auf relativ engem Raum beieinander.
Je nach Anlage des Postenpunktes war es üblich, dass der Posten 2 Stunden stehen musste und dann 30 Minuten Pause bekam. Vorgeschrieben war eine Halbe/Halbe-Einteilung, aber das war dem E nicht zuzumuten, wenn er Lupo dem E-Tod entgehen wollte.
Dadurch dass der Posten auf vielen PP's draußen stand, während der E drinnen hockte, war sowieso sehr häufig Schweigen angesagt. Ich habe -zig Schichten verbracht, auf denen ich kaum ein Wort mit dem Posten bzw. Postenführer redete. Da gabs maximal alle 2 Stunden den Satz: "Posten, mach mal ne Halbe!", auf Deutsch: "Posten, Du kannst mal 30 Minuten Pause machen!"
Ein weiterer Aspekt war die ständige Müdigkeit. Selbst auf E-Schichten auf einem BT-11, wo ja nun beide drinnen hockten, wurde oftmals sehr wenig gesprochen. Man döste so vor sich hin, sah aus dem Fenster, nahm die enorm umfangreichen Beobachtungs- und Meldeaufgaben wahr, rauchte viel, aß und trank ein bisschen, hat im Kopf analysiert ob man ein Schläfchen riskieren kann und nur gelegentlich ein bisschen small getalkt. Man war einfach zu tranig, um zu kommunizieren.

Posten, die den E's blöd gekommen waren oder auch jene, die man im Verdacht hatte, all zu offenherzig nach oben Bericht zu erstatten (heute würde man "IM" sagen), wurden in Marienborn entweder mit "akurater Dienstdurchführung" und/oder "Durchstehen" bestraft.
Ersteres bedeutete, dass der Posten auf einem zugewiesenen Platz zu stehen hatte (z.B. "Postenkachel" an Kontrollpunkten) mit akurater Anzugsordnung, Hacken zusammen, Fußspitzen fußbreit auseinander, die Waffe vorschriftsmäßig mit Lauf nach oben und ausgeklappter Schulterstütze über der Schulter mit kurzem angezogenem Trageriemen, der Daumen senkrecht nach oben unter dem Trageriemen. Alle Beobachtungen und Meldungen mussten in Lichtgeschwindigkeit und exakt kommen und vor allem BEVOR der Postenführer sie selbst aufklärte. Forciert wurde das Ganze mit der Drohung, den Posten ansonsten wegen mangelhafter Dienstdurchführung oder sogar Verletzung der Grenzsicherheit auslösen zu lassen. Das wäre in Marienborn die ultimative Erniedrigung und Höchststrafe gewesen. Man wäre der Loser der Einheit gewesen.
Das ganze hatte den Vorteil, dass es praktisch unangreifbar war. Der Posten konnte den PF nicht anschei*en, weil alles, was er forderte im Grunde durch die Vorschriften und den Befehl zum Grenzdienst gedeckt war.

"Durchstehen" war perverser und in gewisser Weise auch für den E gefährlich. Dem Posten wurden in der gesamten Schicht jegliche Pausen verweigert oder nur die allernötigsten (Pinkeln oder so) erlaubt. Keine Zigaretten und selbst die Postenverpflegung ist dann in der Regel unangetastet wieder mit zurück in die Einheit gegangen.
Ich selbst habe einmal wegen typisch berlinerischer, leicht arroganter Abiturienten-Aufmüpfigkeit gegenüber einem E durchstehen müssen - 9 Stunden Nachtschicht in Schweinekälte draußen auf dem Dach eines Stellwerkes mit vielleicht 2 m² "Auslauf". Nach 2 Stunden denkt man noch, "der Ars* hat meine Pause vergessen". Nach 3 Stunden, denkt man, "ok heute gibts was zurück, für meine vorlaute Dreckfresse". Nach 4 Stunden wusste man, dass es heute das volle Programm zurückgibt. Ich dachte: "OK, das kannst Du jetzt nicht mehr ändern, aber du hältst das jetzt durch und lässt Dir nicht anmerken, dass Du leidest!" Der E saß in einer kleinen Bude auf dem Dach, ich stand auf einem kleinen Umlauf mit Geländer, der nur 2 Bretter breit war. Also den Rücken der Bude zugekehrt und schön aufgepasst, dass einem nichts entgeht. Ab und zu 'mal im Augenwinkel in die Bude gepeilt, ob er in Folge des "Tropentests" (Heizung voll an) und der Langeweile nicht am Einnicken ist...
Nach 6 Stunden oder so ist ihm wohl durch den Kopf gegangen: "Wenn der das in der Einheit einem Offizier erzählt, kann er mir den Abgang versauen!" (Nur wenige Tage später war Entlassung - die heiße Phase also.)
Er öffnete ein Fenster und rief nach draußen: "Posten, wenn Du mal eine rauchen willst, musst Du mich nur fragen!"
Ich habe "fuck you" gedacht und "Alles klar!" gesagt....und nicht gefragt. Sooo abhängig war ich nicht, als dass ich nicht mal eine rauchfreie Schicht durchgehalten hätte. Lediglich die Kälte und die geringfügige Abwechslung, die die Zeit ein klein bisschen schneller vergehen lässt, wäre schön gewesen.
Das hat natürlich die Unsicherheit beim E noch verstärkt. Das hat mich allerdings nicht zum Sieger dieses Kleinkrieges gemacht...aber ich hab's ihm so schwer wie möglich gemacht.
In Marienborn wurde normalerweise auf Stube nicht viel über die Schicht erzählt. Solche Ereignisse sollten Sache des Postenpaares bleiben. Als ich wieder auf Stube kam, saß mein Stuben-E schon da. Er hatte die gleiche Schicht auf der Autobahn. Ich betrat die Hütte betont relaxt mit einem Lächeln im Gesicht und als er mich dann tatsächlich fragte, wie die Schicht gewesen wäre, war mir klar, dass die Sache zwischen den E's vorher diskutiert worden war...das kleine E-Gericht hatte sozusagen das Strafmaß festgelegt. Ich antwortete: "Alles ok - Durchgestanden!" und grinste ihn an, was ihn offensichtlich wiederum unsicher machte, ob das tatsächlich so war, oder ob mein Postenführer weich geworden war und mich nur instruiert hätte, dies zu sagen...keine Ahnung wie das weiterging, war mir auch egal, denn ich war echt fertig auf den Ketten.




sentry in marienborn gabs eine ausnahme wo das fast nicht ging.a3 die führungsstelle.meist durch den zf. 1 pf und 2 posten besetzt.als ich 1976 in der sik ankam fiel mir schon auf das der pf drinnen laaange pausen machte,wahrend die 2 posten draußen länger stehen mußten.nach 1-2 schichten fragte ich mal die anderen zf was das bedeuten sollte.antwort:laß die mal machen...ich ließ aber nicht..in der nächsten schicht legte i c h die ablösungen fest.der pf hat empört versucht zu meutern,mußte sich aber letzlich beugen(leutnant gegen pf ging ja wohl schlecht?)na ja.ergebnis war,die posten hats gefreut die pf weniger wenns mit mir auf die füst ging...wurde ich deshalb zum polit erkoren?


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#16

RE: Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 20:52
von PF75 | 3.291 Beiträge

schweigeschichten waren halt ein mittel der disziplinierung,wurden aber nicht oft angewendet.die jungen gen. hatten dann sehr schnell mitbekommen das ihnen noch einiges an erfahrung im GD. fehlt,meistens reichte eine schicht war bloß blöd wenn man PF war.ansonsnten gab an der Elbe noch das Hanghuhn für vorlaute Typen,Pf ging am Deichfuß und der Posten lief am hang so das er gerade über die Deichkrone sehen konnte(offifielle Begründung verdecktes beobachten).auch mit der R 109 D (die scicke blechkiste)in der hand tragegestell war kaputt und dann ständig auf Empfang bei ständiger bewegung im abschnitt,das machte auch sehr schnell aufmüpfige leute gefügsam.


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#17

RE: Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 06.11.2009 21:06
von Gelöschtes Mitglied
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[quote="PF75"]schweigeschichten waren halt ein mittel der disziplinierung,wurden aber nicht oft angewendet.die jungen gen. hatten dann sehr schnell mitbekommen das ihnen noch einiges an erfahrung im GD. fehlt,meistens reichte eine schicht war bloß blöd wenn man PF war.ansonsnten gab an der Elbe noch das Hanghuhn für vorlaute Typen,Pf ging am Deichfuß und der Posten lief am hang so das er gerade über die Deichkrone sehen konnte(offifielle Begründung verdecktes beobachten).auch mit der R 109 D (die scicke blechkiste)in der hand tragegestell war kaputt und dann ständig auf Empfang bei ständiger bewegung im abschnitt,das machte auch sehr schnell aufmüpfige leute gefügsam.[/quote]

Na ja @PF75,

das mit dem wie oft kann man so nicht verallgemeinern.Bei dir was es weniger und in unserer Einheit mehr.Bei uns wurde diese Strafe öfters verhängt,zumal das dann noch mit den vierteljährlichen losging.
Ich will damit sagen das diese Strafe keine Eintagsfliege in Riebau war.Ich habe als Blase welche mitgemacht und auch genug als EK.

ek40


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#18

RE: Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 08.11.2009 15:41
von Widder | 21 Beiträge



Zuerst einmal einen schönen Sonntag Euch allen noch.Ja auch bei uns in Breitenrode gab es etliche dieser Schweigeschichten.Ein Soldat hatte da besonders drunter zu leiden.Heute nach all den Jahren würde ich diese Art der Strafe als unmenschlich bezeichnen.Schließlich waren wir ja jeden Tag mit 60 scharfen Mumpeln draußen. Viele Grüße aus Sachsen!



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#19

RE: Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 28.11.2009 10:23
von Harsberg | 3.242 Beiträge

na, da bin ich doch froh, hatte meinen Dienst Ende der 50ger Jahre,
da konnte man sich noch über alles unterhalten, sogar mit dem ZF, mit dem ich 10 m Streifen gelaufen bin.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#20

RE: Schweigeschichten im Grenzdienst

in Grenztruppen der DDR 16.03.2013 00:39
von 82zwo | 123 Beiträge

ja bei uns war ein Soldat der hat bei einer Nachtschicht immer mal mit der Kaschi geklappert
also halb durchgezogen und zurückschnappenlassen so das der andere nicht ahnte hat er durchgeladen ???
nach 1 oder 2 Schweigeschichten kam das dann irgendwie raus und er wurde versetzt
und durfte irgenwo Objektwache schieben



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