#21

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 02:26
von chucky | 1.213 Beiträge

ich kann nur für mich sprechen .
keiner hatte etwas auszustehen denn ich kann mir nicht vorstellen das einer
der zu seinen meister sagte du arsch das dann gleich die stasi dastand


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#22

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 02:33
von Sonny (gelöscht)
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@ Sauerländer

Was soll es bringen, daß du hier die „Bild-Zeitung“ zitierst? Sollten wir hier im Forum nicht ein höheres Niveau anstreben?

In der Tat hat Kerstin Kaiser 1994 auf ihr Bundestagsmandat verzichtet --- was nicht jeder getan hätte...

Was eher zu befremden vermag, ist der gute Herr Platzeck: Er verkündet vollmundig, Frau Kaiser (auf Grund ihrer Biographie) als Ministerin nicht akzeptieren zu wollen --- als Abgeordnete und Vorsitzende seiner Koalitionsfraktion (die ihn wählen und seine Regierung mittragen soll) ist sie ihm gleichwohl lieb...

Das ist unehrlich und unredlich --- aber spätestens seit seinem inszenierten Rücktritt als SPD-Bundesvorsitzender ist Platzeck ja ohnehin nur noch eine politische Witzfigur...


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#23

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 03:04
von Sauerländer (gelöscht)
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@Sonny:

Mir ist bewußt, daß die Bild für viele gleich ein Reizwort ist, egal was darin steht.

Vorher habe ich auch die Infos von wikipedia und von ihrer eigenen Seite eingestellt.
Ich suche Dir aber gern noch andere Berichte aus anderen Zeitungen raus, die nicht Bild heißen.
Wenn Du mit der Bild ein Problem hast: Die zitieren aus ihrer 300-seitigen Akte, dann ließ doch nur was in " " steht, da hast Du den originalen Wortlaut.

Wenn jemand als Quelle gewonnen wurde, weil er über eine bestimmte Gruppe, zu der er Kontakt hatte, etwas relevantes aussagen konnte, so ist das eine Sache.

Was mich an ihr stört ist, daß sie Belangloses geliefert hat über belanglose Leute.
Daß sie darum gebeten hat (ob unter Tränen oder nicht) daß sie nicht abgeschaltet wird.

Wenn die Stasi einen IM hielt, weil er wertvolle Informationen lieferte, ist das eine Sache.
Wenn ein IM nix Gescheites lieferte, aber darum bat doch IM bleiben zu dürfen, dann sagt das doch etwas über die Person des IM aus.
Entscheidet sie oder Stasi-Kontakt ob sie wichtig ist ?
Anscheinend hat sie die Stasi benutzt und nicht umgekehrt.
Sie hat ja sogar ihren Ex-Verlobten in die Pfanne gehauen.

Das sagt mir etwas zu ihren Beweggründen: "Ich habe Macht über andere, ich kann mit meinen Informationen anderen schaden, ich kann meinem Ex-Verlobten eins auswischen." Geheult hat sie, weil ein Machtverlust bevorstand.

Sie hat auf ihr Bundestagsmandat verzichtet ? Ja, nachdem sie dafür nicht haltbar war und dazu gedrängt wurde.

Sie hat niemandem geschadet ? Ja hast Du denn mit allen denen gesprochen, über die sie berichtet hat ? Nur wenn diese alle schriftlich erklären "die Aussage der IM Katrin bei der Stasi hat mir - meines Wissens nach - nicht geschadet" dann kannst Du dies behaupten. Dies aber auch nur, wenn die Opfer ihre eigene Akte eingesehen haben und dort nichts negatives aus Richtung der IM Katrin drinstand.

Versteht mich bitte nicht falsch:
Ich habe hier schon mal geschrieben, daß es mir nicht zusteht zu urteilen - schon gar nicht generell über alle Stasi-Mitarbeiter bzw. in diesem Fall über eine IM - aber es hat sicher unterschiedliche Beweggründe gegeben, IM zu sein.
Dies kann z. B. sein, daß man aufrecht zu dem System stand und es unterstützen wollte.

IM Katrin hatte aber nichts relevantes für die Aufgaben des "Geheimdienstes eines souveränen Staates" zu melden, trotzdem wollte sie unbedingt weitermachen. Was sind ihre Gründe ?

In einem langen Post zu turtles Urlaub hatte ich geschrieben, daß manche mitmachten (Gruppenzwang) aber trotzdem nachdachten, bei anderen schlug "eine Ader durch", und dies scheint mir so ein Fall zu sein.

Für mich sieht das nach Machtstreben aus, und daß sie in die Politik drängt bestätigt dies nur.
Wäre sie Straßenbahnschaffnerin, Ärztin, Verkäuferin etc. hätte ich ein anderes Gefühl.

Als Politikerin will sie wieder über andere Menschen bestimmen, an Strippen ziehen etc.
Das verursacht bei mir Bauchschmerzen und meine Verwunderung, daß die Menschen sie auch noch gewählt haben. Alles vergessen ? Oder wußten sie es nicht?
Erklär es mir.

Auch, und zum Herrn Platzek:
Den verstehe ich nun wirklich nicht. Der hätte doch bequem in der bisherigen Koalition weitermachen können, da hätte er auch eine Mehrheit gehabt.
War es wirklich seine eigene Entscheidung ? Oder hat die SPD-Zentrale ihm geraten, dies mal als Experiment zu machen, um zu sehen wie man mit der Linken zusammenarbeiten kann ?
Die SPD verliert dramatisch an Stimmen, als einziger Koalitionspartner steht nur noch die Linke zur Verfügung, mit denen kein anderer will. Da hört man plötzlich nach der Wahl, daß man sich doch mal unterhalten müssen, man solle das doch nicht generell ablehnen etc.
Das ist die Taktik: die Bevölkerung soll sich scheibchenweise daran gewöhnen, dann fällt es auf Bundesebene nachher nicht mehr so auf.
Gysi und dann auch noch Lafontaine, dessen Villa "Palast des gerechten Sozialismus" genannt wird.
Was treibt diese Leute in die Politik ? Der ehrliche Wunsch, das Leben der Bevölkerung zu verbessern ?

Politik ist ein schmutziges Geschäft, egal wohin man sieht.


zuletzt bearbeitet 24.10.2009 03:10 | nach oben springen

#24

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 03:20
von Sauerländer (gelöscht)
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Zitat von chucky
ich kann nur für mich sprechen .
keiner hatte etwas auszustehen denn ich kann mir nicht vorstellen das einer
der zu seinen meister sagte du arsch das dann gleich die stasi dastand



Also Chucky Du hast eine etwas unortodoxe Orthografie, aber ich weiß was Du meinst:

Wenn er zu seinem Meister sagt "Du Arsch" dann ist das eine zivilrechtliche Angelegenheit. (Vielleicht wußte dies Stasi ja auch das er wirklich ein Arsch war.)
Wenn er aber in der Öffentlichkeit verkündet "Honecker ist ein Arsch" dann war das eine strafrechtliche Angelegenheit (vermute ich).


Mal so zum Ausgleich ein Witz:

Kommt ein Mann in eine Bank und sagt zum Kassierer:" Geben Sie mir mal 20.000 Mark Sie Arschloch". Der Kassierer erbleicht und fragt: "Was ?" "Nun geben Sie mir schon 20.000 Mark Sie Arschloch".

Der Kassierer geht zu seinem Chef: "Da draußen steht einer, der sagt zu mir: Geben Sie mir 20.000 Mark Sie Arschloch". Der Direktor: "Ist das denn ein Kunde von uns?" Der Kassierer sieht in die Unterlagen und sagt: "Ja, der ist Kunde, der hat 2,5 Mio auf dem Konto."

Der Direktor: "Ja dann geben Sie ihm doch die 20.000 Mark Sie Arschloch!"





zuletzt bearbeitet 24.10.2009 03:21 | nach oben springen

#25

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 03:27
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Sauerländer
Was mich an ihr stört ist, daß sie Belangloses geliefert hat über belanglose Leute.



Was stört dich daran? Es zeigt doch, daß ihre Tätigkeit mehr oder minder harmlos war.

In Antwort auf:
Daß sie darum gebeten hat (ob unter Tränen oder nicht) daß sie nicht abgeschaltet wird.



Das muß man vor dem Hintergrund sehen, daß sie weiterhin in diesem Staat leben wollte/mußte --- da machte sich so ein Makel nicht gut, sie wollte sich das nicht antun.

Ich sprach ja die Selbstgerechtigkeit an, mit der Leute, die nie in einer Diktatur leben mußten, dieses Thema behandeln --- du lieferst nun ein Beispiel dafür.

In Antwort auf:
Sie hat auf ihr Bundestagsmandat verzichtet ?



Genau. Und das hätte nicht jeder getan --- es ist ihr somit hoch anzurechnen.

In Antwort auf:
Sie hat niemandem geschadet ? Ja hast Du denn mit allen denen gesprochen, über die sie berichtet hat ?



Ich nicht, aber sie hat es getan (was sicherlich nicht einfach für sie war) --- somit sollte diese Sache geklärt sein.

In Antwort auf:
Ich habe hier schon mal geschrieben, daß es mir nicht zusteht zu urteilen - schon gar nicht generell über alle Stasi-Mitarbeiter bzw. in diesem Fall über eine IM



Eben --- und daran solltest du dich dann auch halten!

In Antwort auf:
Als Politikerin will sie wieder über andere Menschen bestimmen, an Strippen ziehen etc.
Das verursacht bei mir Bauchschmerzen und meine Verwunderung, daß die Menschen sie auch noch gewählt haben. Alles vergessen ? Oder wußten sie es nicht?
Erklär es mir.



Das ist doch nicht weiter schwierig: Sie engangiert sich in unserem demokratischen System (das sie ausdrücklich befürwortet) --- und sie hat dafür ein Mandat der Wähler in Brandenburg bekommen.

In Antwort auf:
Auch, und zum Herrn Platzek:
Den verstehe ich nun wirklich nicht. Der hätte doch bequem in der bisherigen Koalition weitermachen können, da hätte er auch eine Mehrheit gehabt.
War es wirklich seine eigene Entscheidung ? Oder hat die SPD-Zentrale ihm geraten, dies mal als Experiment zu machen, um zu sehen wie man mit der Linken zusammenarbeiten kann ?



Es war wohl seine eigene Entscheidung. Die CDU in Brandenburg hat erkannt, daß ihr die ewige Juniorpartnerschaft in der GroKo nicht nutzt, entsprechend stark waren die Stimmen in der Partei, die Koalition zu beenden; umgekehrt hat die Linke die Chance erkannt und ergriffen, an die Regierung zu kommen; Platzeck wiederum denkt sich, daß er die Linke lieber auch mal in der Regierung (d.h. Verantwortung) haben will und nicht immer nur in der (bequemen) Opposition --- so kommen Regierungsbündnisse zustande, das ist völlig normal in der Demokratie.


zuletzt bearbeitet 24.10.2009 03:30 | nach oben springen

#26

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 03:36
von Sauerländer (gelöscht)
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So Sonny, nun wieder zu Dir:
Ich hoffe, das Niveau des folgenden Autors ist Dir recht, ist man gar nicht Bild-Zeitung, noch nicht mal aus dem Westen:

20.10.2009 · 07:20 Uhr

Kerstin Kaiser (Linke) und Matthias Platzeck (SPD) in Potsdam. (Bild: AP) Vom Teufel geritten
Über die mögliche rot-rote Koalition in Brandenburg
Von Joachim Walther
Die Brandenburger SPD ist wild entschlossen, die SED-Nachfolgepartei an die Teilhabe der Macht zu hieven. Doch statt nach dem bundesweiten Stimmenverlust die Flucht nach vorn anzutreten, sollten sich die Sozialdemokraten auf die wohlbegründete Differenz zu den Kommunisten besinnen.

Es droht Rot-Rot im Lande Brandenburg. Fatalerweise leb ich da, und die Perspektive ist mehr als unerfreulich. Vor 20 Jahren hielt ich es für völlig ausgeschlossen, jemals wieder von den Nachfahren der Einheitspartei regiert oder mitregiert zu werden. Für mich, für viele, die diesen Staat als Diktatur erlebt haben und auch heute so bezeichnen, war und bleibt das der demokratische Lackmustest. Nun ist das Papier im Reagenzglas Brandenburg wieder rot, dunkelrot.

Ministerpräsident Platzeck und die Brandenburger SPD sind wild entschlossen, die SED-Nachfolgepartei an die Teilhabe der Macht zu hieven. Der Teufel, der sie dabei reitet, ist der bundesweite Stimmen- und Bedeutungsverlust der SPD, den die sozialdemokratischen Linken stoppen möchten durch ein Kuschelvorspiel und eine schlussendliche Vereinigung mit der postkommunistischen Linken. Statt panisch die Flucht nach vorn anzutreten, sollten sich die Sozialdemokraten auf die inhaltlich wie historisch wohlbegründete Differenz zu den Kommunisten besinnen, haben sie doch ihre Erfahrungen mit denen gemacht: in der Weimarer Republik, bei der Zwangsvereinigung, den Verfolgungen danach, der Demontage Willy Brandts, um nur einiges zu nennen. Alles vergessen und vergeben?

Vergessen auch die Vorgänge nach der deutschen Einheit: das trickreiche Mauscheln mit dem SED-Vermögen, der hinhaltende Widerstand gegen die Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur, der Stimmenfang mit populistischem Schalmeienspiel und all die andere unglaubwürdige Anpassungsakrobatik?

Vergessen, wer da in Brandenburg zur Machtteilhabe drängt? Der taktische Verzicht der singenden Prinzipalin Kerstin Kaiser auf ein Ministeramt ist so durchsichtig wie peinlich, wenngleich der Grund wenig überraschend ist: Auch sie diente der Staatssicherheit einst als Spitzel. Die anderen inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter an der Linkenspitze scheinen da nicht mehr zu zählen: der Landesvorsitzende Thomas Nord, die Landtagsabgeordneten Henschke und Scharfenberg und so weiter.

Auch dass die Mehrheit der linken Landtagsfraktion selbstverständlich früher schon Genosse war, stört nicht. Jedenfalls nicht im Lande Brandenburg, das der vormalige Ministerpräsident und einst als IM "Sekretär" geführte Manfred Stolpe launisch als "kleine DDR" bezeichnete. So ganz daneben lag und liegt er dabei nicht. Nach 15 Jahren Brandenburg-Erfahrung habe ich den Eindruck, nirgendwo sonst in Deutschland geht es derart ideologisch zu, nirgendwo sonst ist die Stimmung so politisch polarisiert, nirgendwo sonst gefällt man sich so in Geschichtsvergessenheit und nostalgischer Rückwendung, nirgendwo sonst wird die Demokratie so massiv geschmäht und die gewonnene Freiheit verschmäht wie hier.

Und nicht zufällig installierte Brandenburg als letztes neues Bundesland einen Stasi-Beauftragten. Neulich sagte eine Buchhändlerin eine vereinbarte Lesung mit der Begründung ab, sie wolle keinen Ärger bekommen mit ihrer Hauptkundschaft. So weit sind wir gekommen. Stolpes langer Schlagschatten liegt noch immer über dem Land. Der gegenwärtige und zukünftige Ministerpräsident ist dessen politischer Ziehsohn, hielt ihm die Hand in schweren Tagen und meint nun, auch der Linken die Hand reichen zu müssen.

Die zwei Hände im Emblem, das kennen wir schon. Und falls es an einem Parteinamen für die finale Fusion mangelt, so habe ich einen politisch probaten Vorschlag parat. Wie wäre es denn mit: Sozialistische Einheitspartei Deutschland? Kurz und bündig: SED.

Joachim Walther, geboren 1943 in Chemnitz (Sachsen), studierte an der Humboldt-Universität Berlin Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Er war seit 1968 beim Ost-Berliner Buchverlag "Der Morgen" als Lektor und Herausgeber tätig und arbeitetet für die Wochenzeitschrift "Die Weltbühne"; später dann als Redakteur für die Literaturzeitschrift "Temperamente". Seit 1983 ist Walther als freiberuflicher Schriftsteller tätig. In seinen Werken setzte er sich immer wieder mit Fragen auseinander, die das starre DDR-Regime für ihn aufwarf. Werke u.a. "Risse im Eis" (1989), "Protokoll eines Tribunals" (1991), "Verlassenes Ufer" (1994) und "Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der DDR" (1996).



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#27

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 03:42
von Sonny (gelöscht)
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@ Sauerländer

Es wäre ganz gut, wenn du hier deine eigenen Gedanken schreiben würdest, anstatt das Forum immer nur mit solch endlosem abgetippselten Sermon zu überschwemmen.

Geht das?


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#28

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 04:06
von Sauerländer (gelöscht)
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nee, geht nicht.
Da ich die Akte der IM Katrin nicht selber eingesehen habe, lasse ich den Autor zu Wort kommen, der die Akte durchforstet hat.

Da Dir die Bild nicht recht war, habe ich Dir was aus dem Bereich hohes Niveau rausgesucht. Auch nicht recht ?

Wenn andere, studierte Leute interessante Gedanken haben, kann man die dann nicht zitieren ?

Davon ab: Hast Du alle meine Posts gelesen ? Wieviele davon stammen von anderen ?

Willst Du mir unterstellen daß ich keine eigene Meinung habe oder zu eigenen Gedanken fähig bin ?

Kennst Du den Begriff "Suggestivfrage" ?


zuletzt bearbeitet 24.10.2009 04:08 | nach oben springen

#29

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 04:59
von Sauerländer (gelöscht)
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Und zum Schluß für Dich noch was zum lesen, diesmal aus dem Stern:



Frau Kaiser von der Stasi
Ist es noch Ostalgie oder schon Gedächtnisverlust? In Brandenburg kandidert eine ehemalige Stasi-Mitarbeiterin für die Linkspartei, in Ostdeutschland prangt Ernst Thälmann auf 613 Schildern von Straßen und Plätzen. Wolfram Weimer beschreibt das verquere Bild der DDR.


Hatte Nickis scharf im Blick: Kerstin Kaiser, Kandidatin der Linkspartei
© Michael Urban/ ddp
Deutschland feiert zwanzig Jahre Mauerfall. Doch an das Grauen der DDR-Diktatur erinnert niemand mehr. Ostalgie ist in Mode, die DDR wird verklärt, und die alten SED-PDS-Linkspartei-Kader reiben sich über die kollektive Amnesie die Hände. Immer mehr Stasi-Mitarbeiter wollen nun sogar zurück in die aktive Politik - so in Brandenburg, wo die Linkspartei mit Kerstin Kaiser bei den anstehenden Landtagswahlen eine Frau zur Ministerpräsidenten machen will, die für die Stasi in ganz besonderen Fällen aktiv war - wenn es darum ging, intime Details ihres Umfeldes auszuspionieren. Über Mitstudentinnen meldete sie der Stasi nicht nur, wer "keinen gefestigten Klassenstandpunkt" habe oder wer in Klausuren abschreibe, sondern wer "Nickis auf bloßer Haut" trage und wer "sexuell stark bedürftig" sei.

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Jetzt ist die eifrige Stasi-Dame Spitzenkandidatin im Linksparteien-Herzland Brandenburg und soll den einstigen Bürgerrechtler und Sozialdemokraten Mathias Platzeck um die politische Macht bringen. Nach jüngsten Umfragen liegt die Linkspartei in Brandenburg sogar vor der CDU.


Die DDR auf dem Navi
Während die Opferverbände über den Fall Kaiser entsetzt sind, regt sich im Land eigentlich niemand mehr auf. Auch nicht darüber, dass den Bürgerrechtlern und Opfern des DDR-Regimes weder Denkmäler noch Straßennamen gewidmet werden. Dagegen prangt der Name von Karl Marx, dem geistigen Vater der kommunistischen Bewegung, 550 Mal auf Schildern im Straßenbild Ostdeutschlands. 250 Straßen oder Plätze sind nach seinem Mitstreiter Friedrich Engels benannt, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kommen zusammen sogar auf 596 Straßen. Absoluter Spitzenreiter ist der frühere KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann, an den 613 Straßen und Plätze erinnern. Jedes Navigationssystem zeigt: Ostdeutschland ist auch 2009 noch Thälmann-Land.

Doch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall werden im Osten nicht nur die kommunistischen Helden verherrlicht. Auch ihre Institutionen: 337 Mal erinnern "Straßen der Jugend" an den kommunistischen FDJ-Jugendkult, 285 Mal verewigen "Straßen der Einheit" an die Zwangsvereinigung von SPD und KPD. 220 Mal bewahren "Straßen der Freundschaft" den "Bruderbund mit der Sowjetunion".

Das Problem mit dem Überdruss
Vor allem die Linkspartei wehrt sich vor Ort gegen eine Rücknahme dieses DDR-Kults, ja gegen eine kritische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit insgesamt. Sie kocht lieber Diktatur-Verniedlichungs-Süppchen mit einer Prise Ostalgie. Das wird dann unter dauerndem Eindreschen auf die Einheit, die Demokratie und ihre "sozialen Schieflagen" umgerührt. Die ideologische Rezeptur für dieses Gebräu liefert die Rosa-Luxemburg-Stiftung. In einer ihrer Publikationen heißt es: "Wer heute noch mehr Würdigung für die Opfer der SED-Diktatur wünscht, scheint sich der Tatsache nicht bewusst zu sein, dass eine Gedenkstättenpädagogik viel Überdruss erzeugt." Überdruss! So, so. Die Opfer stören die Täter.

Der Vorstandsvorsitzende der Luxemburg-Stiftung ist übrigens ein brandenburgischer Genosse von Frau Kaiser: Heinz Vietze. Im Wendejahr 1989 war er Bezirkschef der Potsdamer SED, verfolgte gnadenlos Bürgerrechtler und verteidigte bis zuletzt die Mauer - noch im Herbst 1989 wollte er lieber schießen und internieren als Freiheit gewähren. Aber: Erinnern wir besser nicht daran. Sie wissen schon - der Überdruss.


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#30

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 09:40
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Hallo Sauerländer,

um das gleich vorweg zu schreiben: Ich habe mit der einstigen DDR- Geheimpolizei nichts am Hute und möchte auch hier niemanden zur Seite springen.

Es gibt aber ein paar Dinge, die für mich als Ossi, welcher auch den Westen sehr gut kennt, nun mal für Frau Kaiser sprechen:

In Brandenburg wählte nahezu jeder Dritte DIE LINKE und das, obwohl die Vergangenheit der Spitzenkandidatin hinreichend bekannt war.

Frau Kaiser geht mit der dunklen Seite ihrer Biographie ehrlich um und suchte das Gespräch mit den durch sie Bespitzelten. Bis jetzt gibt’s da niemand, der Frau Kaiser im Nachhinein ernsthaft belastete. Selbst die von dir zitierte „BLÖD“- Zeitung konnte offensichtlich nach dem 300- Seiten Aktenstudium niemanden ausfindig machen.

Ihre Spitzeldienste liegen mehr als 20 Jahre zurück. Sie war damals noch ein sehr junges Mädchen. Rückwirkend betrachte ich (viele andere offenbar auch) das als eine Jugendsünde.
Dass dies DDR- Opfer anders sehen, respektiere ich, kann aber nicht alleiniger Maßstab bei der Beurteilung eines Menschen und seiner Biographie sein.

Darüber hinaus gefällt mir an der ganzen Stasidiskussion die weit verbreitete „Aktengläubigkeit“ nicht. Das sind widerrechtlich angelegte Akten einer Geheimpolizei. Diese heute als „Heiligtum“ und Quelle aller Wahrheiten über Menschen, welche sich mit diesem Geheimdienst in sehr jungen Jahren eingelassen haben anzunehmen, halte ich in einem Rechtsstaat für absurd.

All das können Schreiberlinge – die meisten kommen aus dem Westen unseres Landes – beklagen, ja sogar in Brandenburg die „kleine DDR“ wieder entdecken. Letzteres ist natürlich völliger Unsinn und beweist nur, dass diese Meinungsmacher selbst nach 20 Jahren nicht kapiert haben, wie eine große Zahl von Menschen im Osten wirklich tickt.

Einen netten Gruß
Daniel


Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#31

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 09:42
von Merkur | 1.021 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
Ist schon irre was die Dame, die in Brandenburg mitregieren will, auf dem Kerbholz hat.



Dieser Kommentar lässt mich trotz des Morgens nur müde gähnen. Ist schon klar, Fr. Kaiser ist von den Linken, war mal IM, da hat man richtig was auf dem Kerbholz. Da interessiert des den objektiven Augenzeugen nicht, dass in Deutschland schon Personen regiert oder mitregiert haben, die im Vergleich ganz anderes auf dem Kerbholz hatten oder bei denen ein Kerbholz gar nicht ausreichte. Aber die waren halt nicht beim MfS oder kamen von den Linken, daher war es sicher in Ordnung





zuletzt bearbeitet 24.10.2009 09:46 | nach oben springen

#32

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 10:08
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Merkur

Zitat von Augenzeuge
Ist schon irre was die Dame, die in Brandenburg mitregieren will, auf dem Kerbholz hat.



Dieser Kommentar lässt mich trotz des Morgens nur müde gähnen. Ist schon klar, Fr. Kaiser ist von den Linken, war mal IM, da hat man richtig was auf dem Kerbholz. Da interessiert des den objektiven Augenzeugen nicht, dass in Deutschland schon Personen regiert oder mitregiert haben, die im Vergleich ganz anderes auf dem Kerbholz hatten oder bei denen ein Kerbholz gar nicht ausreichte. Aber die waren halt nicht beim MfS oder kamen von den Linken, daher war es sicher in Ordnung






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Nun Merkur, lenk mal mit dem Hinweis auf Deine Müdigkeit nicht von Deiner Vergangenheit ab. Erzähl mir doch lieber mal, was Deine Stellung (Dienstrang) und Dein Arbeitsbereich im MfS war, damit ich Dich besser einschätzen kann. Solltest Du Dich im Dienst auch besonders ausgezeichnet haben, laß es mich wissen, Orden und Auszeichnungen haben mich schon immer interessiert. Lang zurück liegende negative Begebenheiten könnte man gegebenen Falls, als "Jugendsünden" deklarieren.
Ich bin schon richtig neugierig!!
Schönen Gruß aus Kassel.
wosch


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#33

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 10:18
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Merkur

Zitat von Augenzeuge
Ist schon irre was die Dame, die in Brandenburg mitregieren will, auf dem Kerbholz hat.


Dieser Kommentar lässt mich trotz des Morgens nur müde gähnen. Ist schon klar, Fr. Kaiser ist von den Linken, war mal IM, da hat man richtig was auf dem Kerbholz. Da interessiert des den objektiven Augenzeugen nicht, dass in Deutschland schon Personen regiert oder mitregiert haben, die im Vergleich ganz anderes auf dem Kerbholz hatten oder bei denen ein Kerbholz gar nicht ausreichte. Aber die waren halt nicht beim MfS oder kamen von den Linken, daher war es sicher in Ordnung




Naja merkur, ich nehme an, wenn du noch gähnst, dann bist du noch nicht richtig ausgeschlafen.
Ganz sicher war es nicht deine Absicht, meinen Satz etwas zusammenhanglos erscheinen zu lassen. Du bist ja einer von den objektiven Guten...und dieser Beitrag ist sicher deiner Müdigkeit geschuldet. Aber du reitetst auf mir rum, obwohl ich nur die von Frau Kaiser zugegebenen Fakten zitiert habe.
Für mich sind die schlimm, für dich nicht. Ok. Wir werden auch einen Minister in der Vergangenheit finden, der sich unreell verhielt. Genau das wird ja immer von den Verharmlosern der Stasi gerne benutzt, um die nun mal begangenen Schandtaten zu relativieren. Aber Menschen, die weinerlich um weitere Spitzeltätigkeit bitten, die findet man doch nicht so häufig.

Ach ja, mit 18 ist man ja auch noch keine Persönlichkeit, nur eine klare Überzeugung hat man, jaja- wie das zusammenpasst weiß ich nicht. Man ist jung und unerfahren, aber sexuell kann man die Mitbürger schon einschätzen, toll.

Allerdings, auch ich rechne es der Dame hoch an, dass sie eine eigene Homepage über ihre Vergangenheit konstruiert hat und ihr Verhalten zu erklären versucht. Sie spielt mit offenen Karten. Das ist gut und ein Anfang. Hier könnte sie auch für dich ein Vorbild sein, merkur! Aber du kanst ja nicht mal sagen, was du genau getan hast...schade eigentlich.


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#34

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 10:22
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von chucky
Hallo,
darf ich nur eine Frage stellen.
Ich glaube nicht das es mit eurer Stasi so schlimm wart wie Ihr schreibt.
Die ganze DDr müsste ja ausgerottet gewesen sein.iCH HABE VIEL SCHEISE GEBAUT,
aber ich hab keine Stasi gesehen.wer nicht gerade mit Heil Hitler ins Parteihaus gerant ist hatte keine Probleme



Naja chucky, wir wollen ja hier objektiv bleiben. Aber wenn du, wie du schreibst, viel Scheisse gemacht hast, dann gebe ich dir einen Tip, stelle mal einen Antrag auf Akteneinsicht. Dann reden wir weiter.


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#35

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 10:34
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Sonny

Zitat von Augenzeuge
Ist schon irre was die Dame, die in Brandenburg mitregieren will, auf dem Kerbholz hat.


Ja, was hat sie denn "auf dem Kerbholz"?
Hat sie Blut an den Händen? Hat sie jemanden ans Messer geliefert? Hat sie ein menschliches Schicksal zerstört oder nachhaltig geschädigt?




Bist du wirklich sicher, dass du, der diese Zeit nicht oder kaum persönlich erlebt hat, ein so klares Urteil auf der Basis eines Berichte sprechen kann?
Kerbholz hat nicht nur etwas mit Messer und Blut zu tun. Und Stasi Akten sollte man nicht mit Grimms Märchen vergleichen- was soll das? Demnächst vergleichen wir noch die Kinderheime im Westen mit den U-Haft-Anstalten der DDR.

Und eins noch. Wie kannst du von Sauerländer fordern, das er auf die Zeitungsberichte verzichten soll, die zu unserer Meinungsbildung doch beitragen, zumal du ja sogar auf der Basis eines Berichtes deine Meinung klar herausbildest? Hier muss ich doch an deiner Objektivität etwas zweifeln, schade. Du konntest das schon besser.


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#36

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 14:21
von Sauerländer (gelöscht)
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Tut mir leid, wenn ich hier schon wieder einen "Sermon" einstellen muß, aber ich halte den Artikel für interessant.
(Wer das nicht findet, möge jetzt bitte weiterscrollen!)



Stasi-Spitzel drängen in die Parlamente
Von Martin Lutz und Uwe Müller 25. September 2009, 04:00 Uhr

In Brandenburg kandieren acht MfS-Zuträger auf den Wahlzetteln der Linkspartei für den Bundestag und Landtag

Berlin - Brandenburg steht im Ruf, eine "kleine DDR" zu sein. Nach dem politischen Umbruch vor 20 Jahren konnten dort zahlreiche Stützen der Diktatur ihre Karrieren nahtlos fortsetzen. Mit diesem Umstand werden am Sonntag auch die Bürger in der Wahlkabine konfrontiert. Wenn sie ihre Stimmzettel für die Bundes- und Landtagswahl ausfüllen, stoßen sie bei der Linkspartei auf die Namen von mindestens acht Kandidaten mit Stasi-Vergangenheit. Eine derart hohe Zahl gibt es in keiner anderen Partei und in keinem anderen Bundesland.

In Sachsen können Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes aus dem Landtag ausgeschlossen, in Thüringen für "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Auf solche Vorkehrungen hat Brandenburg verzichtet. In dem Land hat die Linkspartei, einzigartig in der Republik, gleich ihre beiden höchsten politischen Ämter an ehemalige Stasi-Spitzel vergeben. Fraktionschefin Kerstin Kaiser, die als Spitzenkandidatin für den Potsdamer Landtag antritt, war einst IM "Kathrin". Ebenso wie sie ließ sich der Parteivorsitzende Thomas Nord, der jetzt erstmals in den Berliner Reichstag einziehen will, vom Ministerium für Staatssicherheit als nebenberuflicher Denunziant anwerben.

Bundesweit bekannter sind die Genossen André Brie (Deckname IM "Peter Scholz") und Rolf Kutzmutz (IM "Rudolf"), die sich als Direktkandidaten um ein Mandat im Bundestag bewerben. Der stellvertretende PDS-Bundesvorsitzende und "Vordenker" Brie musste sich 1992 vorübergehend zurückziehen, nachdem seine fast zwei Jahrzehnte währende IM-Laufbahn publik geworden war. Kutzmutz hingegen war in der Partei stets für höhere Aufgaben gut. Daran änderte sich nichts, als der Immunitätsausschuss des Bundestages 1998 seine Verstrickung förmlich feststellte.

In den Potsdamer Landtag strebt Axel Henschke. Er wäre 2002 beinahe Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Frankfurt/Oder geworden. Als Stasi-Wachsoldat hatte er dort einst unter anderem auf "Republikflüchtlinge" im MfS-Untersuchungsgefängnis aufgepasst, später spitzelte er als IM "Ingolf Köhler". Ehemalige politische Häftlinge des SED-Regimes sind empört. "Die Linkspartei verhöhnt mit ihrer Personalpolitik die Stasi-Opfer", sagt Hugo Diederich von der Vereinigung Opfer des Stalinismus.

Akten aus der Birthler-Behörde belasten den Deutschlehrer Joachim Pfützner, der ebenfalls in den Landtag will. Zwar ist keine Verpflichtungserklärung vorhanden, doch der Pädagoge lieferte handschriftliche Berichte. Sie signierte er ebenso mit dem Decknamen "Meyer" wie eine Quittung über eine Geldzuwendung. Das MfS lobte "gute Ergebnisse". Landtagskandidatin Ursel Degner aus Henningsdorf hatte einst Kommilitonen im Studentenwohnheim ausgespäht. In ihrer Verpflichtungserklärung versprach IM "Christiane", sie werde die vom MfS gestellten Aufgaben "gewissenhaft ausüben".

Ein einflussreicher Mann im Potsdamer Parlament ist Hans-Jürgen Scharfenberg. Der innenpolitische Sprecher seiner Fraktion hatte sich 1978 als IM "Hans-Jürgen" zur "inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS" verpflichtet. Als Assistent an der Akademie für Staat und Recht in Potsdam-Babelsberg, der zentralen Kaderschmiede der DDR, berichtete Scharfenberg kontinuierlich aus dem Innenleben der Einrichtung und schwärzte auch Kollegen an. Im Falle eines Wahlsieges der Linken soll er Nachfolger des scheidenden Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) werden.

Die brandenburgische SPD hat über derartige Verstrickungen immer wieder mit großer Nachsicht hinweggesehen. Das geht auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe zurück, der selbst Stasi-Kontakte gepflegt hatte und dem Aufklärung wohl deshalb nicht sonderlich am Herzen lag. Sein Nachfolger Matthias Platzeck (SPD) setzt dessen Linie fort. Vorwürfe gegen Stasi-Schergen deutet er mitunter als "Herumgehacke auf den Ossis". Vielleicht auch, weil Platzeck ein Bündnis mit der Linken, laut jüngsten Umfragen mit 27 Prozent auf Platz zwei hinter der SPD, durchaus als "Option" ansieht.

Seine mögliche Koalitionspartnerin Kerstin Kaiser verbreitet auf ihrer Internetseite sogar ein Platzeck-Zitat zu ihrer Entlastung. Es lautet: "Im Jahre 2009 sind zwei Jahrzehnte seit unserer friedlichen Revolution vergangen. Und wer sich 20 Jahre ernsthaft bemüht hat, unser Gemeinwesen zu gestalten und die Demokratie voranzubringen, hat ein Recht darauf, dass seine gesamte Lebensleistung gewürdigt wird." Ihren Schutzpatron lässt Kaiser noch damit zu Wort kommen, dass nicht ausgegrenzt werden dürfe, "wer offen zu seiner Vergangenheit steht".

Der vermeintlich offene Umgang entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Märchen. Kaiser hat nach dem Zusammenbruch der DDR öffentlich nur das eingeräumt, was ohnehin schon bekannt geworden war. In den eigenen Reihen kam das zunächst überhaupt nicht gut an. Mitten im Bundestagswahlkampf 1994 warf ihr das damalige PDS-Vorstandsmitglied Karin Dörre vor, "die Partei über das wahre Ausmaß ihrer Stasi-Zuträgerei belogen" zu haben. Kaiser müsse abtreten, sonst werde Mauschelei mit dem MfS "endgültig eine Empfehlung für Spitzenämter" in der PDS, die bloß vorgebe, eine "Partei der Erneuerung" zu sein.

Doch Kaiser dachte nicht an Rücktritt. Vielmehr ließ sie sich von dem Anwalt und CDU-Politiker Peter-Michael Diestel eine angeblich "sehr geringe Verstrickung" mit dem MfS-Apparat bescheinigen. Erst als sie von fast allen ihren Fraktionskollegen im Bundestag zum Mandatsverzicht aufgefordert worden war und der Schriftsteller Stefan Heym zudem drohte, nicht neben einer Denunziantin Platz nehmen zu wollen, zog sie sich zurück. Später erklärte Kaiser ihren Genossen den perfekten Umgang mit der Geschichte: "Wir haben gelernt, dass es allemal besser ist, die Dinge zu benennen, als sie unter den Teppich zu kehren. Wir haben dabei Federn gelassen und uns trotzdem kein dickes Fell zugelegt." In einer windungsreichen Erklärung zu ihrem Fall spricht sie von einem "Fehler" in jungen Jahren. Wie die meisten stasi-belasteten Linken entschuldigt sich Kaiser mit keiner Silbe bei den Opfern.

Während ihres Studiums in Leningrad hatte das SED-Mitglied reihenweise Kommilitonen denunziert, etwa wegen des Tragens von unsauberen Jeans oder weil sie Westsender einschalteten. Kaiser war eifrig, sie machte auch Angaben zu Nebengeschäften eines russischen Dozenten. Die Information gelangte zum sowjetischen Geheimdienst, mit unbekannten Folgen für den Wissenschaftler. Selbst die Entlobung von ihrem damaligen Lebenspartner berichtete IM "Kathrin" bereitwillig. Dabei äußerte sie die Vermutung, der Freund könne von ihrer Kooperation mit dem MfS wissen. Prompt ordnete dieses eine Überprüfung an.

Als die Stasi den Bund mit "Kathrin" schon lösen wollte, bekundete diese ihren Wunsch, weitermachen zu dürfen. Anfangs habe sie die Aufgabe stolz und "wie ein Jungpionier" übernommen, nun wünsche sie "nicht auf ein totes Gleis gestellt" zu werden. Fünf Jahre später archivierte der Geheimdienst endgültig den Vorgang.


Der Berliner Stasi-Landesbeauftragter Martin Gutzeit sagt: "Die Beteuerung der Linken, sie habe mit der Stasi gebrochen, drückt sich nicht in ihren Personalentscheidungen aus." Der Mitbegründer der Ost-SPD vermutet hinter dem Antritt der Stasi-Kandidaten eine gezielte Strategie: "Die Partei versteht sich auf die Kunst grober Tabubrüche. Sie will eine Spitzelkarriere als normalen Teil einer ostdeutschen Biografie salonfähig machen." Brandenburg scheint dafür das ideale Experimentierfeld zu sein.

http://www.welt.de/die-welt/politik/arti...Parlamente.html


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#37

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 14:27
von Sonny (gelöscht)
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@ Sauerländer

Zitat von Sauerländer
Wenn andere, studierte Leute interessante Gedanken haben, kann man die dann nicht zitieren ?



Kann man schon. Aber es ist sinnvoller (nicht zuletzt aus Gründen der Übersichtlichkeit), einfach nur die Links anzugeben, allenfalls die entscheidenden Passagen zu zitieren (vielleicht sogar in eigenen Worten) --- dies zeigt dann, daß man den Text auch wirklich verstanden und sich Gedanken darüber gemacht hat.

Genau dies vermisse ich über weite Strecken in deinen Beiträgen.

In Antwort auf:
Davon ab: Hast Du alle meine Posts gelesen ? Wieviele davon stammen von anderen ?

Willst Du mir unterstellen daß ich keine eigene Meinung habe oder zu eigenen Gedanken fähig bin ?



Wo du eigene Gedanken geschrieben hast, habe ich das sehr wohl zur Kenntnis genommen und z.T. auch darauf geantwortet.

-----

@ Danny

Guter Beitrag! Volle Zustimmung


zuletzt bearbeitet 24.10.2009 14:29 | nach oben springen

#38

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 14:35
von Sauerländer (gelöscht)
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Hallo Sonny, welcome back
(ist ja spät geworden mit uns beiden gestern Nacht

Die Artikel stelle ich nicht als nur link ein, da nach einiger Zeit der link nicht mehr funktionert, der Text also weg ist und der nachfolgende Fred damit ein bißchen sinnlos und unklar wird.

Auch kann ich (für mich) wichtige Passagen im Forum markieren.

Wer wissen will, was in dem Artikel steht, kann im Forum das kurz querlesen um zu entscheiden ob er das genau lesen will und muß im browser nicht immer hin und her springen. Sind also mehr praktische oder "Bequemlichkeitsgründe".

Ich darf Dir versichern das ich die Texte auch selber lese und mir Gedanken darüber mache, ob es sinnvoll und weiterführend ist, den Text ins Forum zu packen. Beim obigen Artikel gibt es auch zig andere, die ich vorher gelesen habe, aber dieser passte am besten ins Thema, er fasste dies alles am kürzesten zusammen. Auch habe ich nach seriösen Quellen gesucht, damit Du mich nicht wieder wegen der "Bild" anmeckerst.
Ich hoffe, ich konnte Dich zufriedenstellen.

Back to you.


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#39

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 14:46
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge
Bist du wirklich sicher, dass du, der diese Zeit nicht oder kaum persönlich erlebt hat, ein so klares Urteil auf der Basis eines Berichte sprechen kann?



Eben NICHT --- deswegen bin ich ja so zurückhaltend, wenn es um die Vorwürfe gegen Kerstin Kaiser geht. Ich war niemals in der Situation, von der Stasi angworben zu werden --- somit kann ich nicht sagen, wie ich mich da verhalten hätte.

Grundlage solcher Vorwürfe kann nur die Sach- und Aktenlage sein --- und die belastet Frau Kaiser bisher nicht nennenswert.

In Antwort auf:
Kerbholz hat nicht nur etwas mit Messer und Blut zu tun. Und Stasi Akten sollte man nicht mit Grimms Märchen vergleichen- was soll das?



Sagen wir es so: Jemand hat etwas auf dem Kerbholz, wenn er anderen Menschen geschadet hat --- was Frau Kaiser ja offenkundig NICHT getan hat.

Stasi-Akten sind, wie Danny schon schrieb, mit einer gewissen Vorsicht zu genießen --- nicht alles, was dort steht, entspricht den Tatsachen, noch wurde alles von den Informanten auch genau so abgeliefert.

In Antwort auf:
Wie kannst du von Sauerländer fordern, das er auf die Zeitungsberichte verzichten soll, die zu unserer Meinungsbildung doch beitragen, zumal du ja sogar auf der Basis eines Berichtes deine Meinung klar herausbildest?



Das habe ich ja bereits im Beitrag an ihn geschrieben.

Daß ich mir meine Meinung nur auf Grund eines Berichtes gebildet haben soll, vermag ich nicht recht nachzuvollziehen. Wie kommst du auf diese Idee, bzw. worauf spielst du da konkret an?

Die Vorwürfe gegen Frau Kaiser sind ja nun auch alles andere als neu, sondern spielten bereits bei der Bundestagswahl 1994 (also vor 15 Jahren) eine Rolle. Seitdem ist wenig Neues in dieser Sache aufgetaucht, und insgesamt bewertet man das Stasi-Thema heute auch gelassener als damals, wenige Jahre nach der Wende --- insofern kann ich die jetzige Kampagne nicht so ganz nachvollziehen, sondern halte sie für überwiegend politisch motiviert.

In Antwort auf:
Hier muss ich doch an deiner Objektivität etwas zweifeln, schade. Du konntest das schon besser.



Absolut objektiv wird man niemals sein können, aber man sollte sich darum bemühen --- ich denke schon, daß ich das tue.


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#40

RE: Brandenburg stellt sich der Stasi-Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.10.2009 15:00
von Sonny (gelöscht)
avatar

Zitat von Sauerländer
Hallo Sonny, welcome back
(ist ja spät geworden mit uns beiden gestern Nacht



In dieser Hinsicht hat du mich dann sogar noch übertroffen

In Antwort auf:
Die Artikel stelle ich nicht als nur link ein, da nach einiger Zeit der link nicht mehr funktionert, der Text also weg ist und der nachfolgende Fred damit ein bißchen sinnlos und unklar wird.

Auch kann ich (für mich) wichtige Passagen im Forum markieren.



Gut, das ist ein Argument. Allerdings sind zumindest bei den größeren Zeitungen/Zeitschriften Artikel auch nach Jahren noch abrufbar, werden dann inzwischen auch extra archiviert (z.B. bei Spiegel oder Zeit); vor einiger Zeit fand ich (zu einem anderen Thema) einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1949 --- mit so einer "Halbwertszeit" sollten wir hier im Forum leben können

Wenn du der Gefahr begegnen möchtest, daß irgendwann nur noch ein toter Weblink dasteht, dann kannst du ja den Artikel kurz zusammenfassen oder einzelne, besonders entscheidende Passagen zitieren --- aber nicht immer gleich den ganzen Artikel.

Doch da scheinst du eine andere Philosophie zu haben als ich --- deswegen möchte ich, nachdem wir unsere Standpunkte ausgetauscht haben, diesen Aspekt nicht weiter vertiefen

In Antwort auf:
Ich darf Dir versichern das ich die Texte auch selber lese und mir Gedanken darüber mache, ob es sinnvoll und weiterführend ist, den Text ins Forum zu packen. Beim obigen Artikel gibt es auch zig andere, die ich vorher gelesen habe, aber dieser passte am besten ins Thema, er fasste dies alles am kürzesten zusammen. Auch habe ich nach seriösen Quellen gesucht, damit Du mich nicht wieder wegen der "Bild" anmeckerst.
Ich hoffe, ich konnte Dich zufriedenstellen.



Ich bezweifle nicht, daß du die Artikel auch gelesen und verstanden hast.

Wenn ich den Bild-Artikel bemängelt habe, dann auch weniger wegen fehlender Seriosität (ich gehöre nicht zu den "Bild-Hassern"), sondern wegen der eindeutigen Positionierung dieser Zeitung speziell zu Themen, die mit der DDR oder der Linken zusammenhängen --- und da ist die Welt, die ja ebenfalls aus dem Springer-Verlag stammt, naturgemäß nicht besser.


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