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#1

Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 12:01
von karl143 (gelöscht)
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Die Gemeinde Hessen ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Aue-Fallstein in S-A. Früher war dort ein GrBtl. der GT stationiert. Was kaum jemand weiß, ist ein vielleicht einmaliger Vorgang im Nachkriegsdeutschland. Die Gegend um Hessen herum war seit Jahrhunderten zu Braunschweig zugehörig. U. a. war dort die Sommerresidenz der Braunschweiger Herzöge. Im Jahre 1941 endete diese Zugehörigkeit abrupt.In diesem Jahr wurden Hessen und Pabstorf gegen Hornburg und Roklum eingetauscht. Hintergrund war das sog. Salzgitter Gesetz, demzufolge die dorten neuerbauten Stahlwerke an die ergiebigen Brunnen rund um Hornburg kamen. Irgendwie blieb das von den Besatzungsmächten nach Kriegsende unbemerkt. Der Tausch zwischen Preußen und Braunschweig hatte die Folge, das die Ortschaft Hessen eine Zeit lang ohne jede Besatzung blieb. Danach erfolgte die 44jährige Zugehörigkeit zur SBZ und später zur DDR. (Auszüge aus Wikipedia)


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#2

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 12:03
von manudave (gelöscht)
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Interessant,

wusste gar nicht, dass es solch einen Ort gibt.

Wie wird man erst angeschaut, wenn man sagt, dass man Bürgermeister von Hessen ist?
Ich glaube, dann wird die Jacke mit den Ärmeln hinten geholt...

Nichts für ungut - wirklich eine Bildungslücke.


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#3

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 12:19
von icke46 | 2.624 Beiträge | 39 Punkte
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Hallo,

das mit dem Ort Hessen kannte ich auch noch nicht - man wird alt wie eine Kuh, und lernt immer noch dazu.

Aber etwas ähnliches gab es auch auf dem Boden der späteren DDR - siehe

http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Republik_Schwarzenberg

Gruss

icke



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#4

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 14:11
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von icke46
Aber etwas ähnliches gab es auch auf dem Boden der späteren DDR - siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Republik_Schwarzenberg

Offtopic, da gab's 'nen ganzen Roman dazu (Stefan Heym). Und spaeter hab' ich da mein erstes Moped gekauft...
-Th


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#5

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 14:18
von icke46 | 2.624 Beiträge | 39 Punkte
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Hallo, Captn,

wieso ist es OffTopic;-)? Nur weil es dazu einen Roman von Stefan Heym gab - daher kenne ich Schwarzenberg überhaupt;-). Und das es zum Kriegsende einige Wunderlichkeiten gab, kann man durchaus sagen - auch wenn Schwarzenberg nicht an der Grenze lag.

Das Du allerdings Dein erstes Moped in Schwarzenberg gekauft hats, ist nun wirklich OffTopic.

Gruss

icke



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#6

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 19:23
von Sonny (gelöscht)
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Zitat von manudave
Wie wird man erst angeschaut, wenn man sagt, dass man Bürgermeister von Hessen ist?
Ich glaube, dann wird die Jacke mit den Ärmeln hinten geholt...



Es gibt auch Sachsen (bei Ansbach, Bayern) und Thüringen (Vorarlberg, Österreich). Nicht zu vergessen Hessisch Oldendorf, das in Niedersachsen liegt (allerdings eine hessische Vergangenheit hat).

Zum eigentlichen Thema: Das mit Hessen wußte ich auch noch nicht, aber die Demarkationslinie orientierte sich nicht immer an den historischen Grenzen. Das Amt Neuhaus/Elbe dürfte bekannt sein, aber auch zwischen Harz und Rhön wurden einige Orte "getauscht", um Bahnlinien freizubekommen (darunter immerhin eine kleine Stadt wie Bad Sachsa, das von Thüringen zu Niedersachsen kam --- im Gegenzug Blankenburg/Harz von Braunschweig zur DDR).


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#7

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 19:48
von karl143 (gelöscht)
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Hallo Sonny,
das die DL nicht immer mit den historischen Grenzen übereinstimmte, damit hast du vollkommen Recht. Du erwähnst Blankenburg/Harz.Im vorletzten Urlaub erfuhr ich durch einen alten Blankenburger auch diese Geschichte. Blankenburg, und zum Beispiel das Kloster Drübeck bei Wernigerode gehörten ewig zur Braunschweigischen Landeskirche. Auch zu DDR Zeiten. Es gerät zu oft in Vergessenheit, wo sich die alten Zugehörigkeiten befanden. Zum Amt Neuhaus hatte ich hier schon mal was geschrieben. Besonders in den alten Bundesländern, und hier speziell in Ländern, wie Niedersachsen, Baden-Württemberg zum Beispiel, die künstlich geschaffen wurden, hast die verrücktesten Grenzen. Direkt vor Bremen liegt die Gemeinde Thedinghausen. Sie gehörte bis 1977 zum Reg.-Bezirk Braunschweig und wurde von dort verwaltet. Das heißt, die Autos hatten ein BS als Nummernschild, statt der nieders. Versicherung VGH gab es die Öffentliche aus Braunschweig usw.
Man kann garnicht alles aufzählen.


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#8

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 22:01
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Es gibt da noch ein paar Orte, die kurzerhand eingetauscht wurden:
Neuseesen, Asbach, Sickenberg
Ersteres liegt jetzt in Hessen, letztere beide in Thüringen.
Diese Orte wurden wegen der sog. "Whisky-Wodka-Linie" im Rahmen des Wanfrieder Abkommens getauscht - also auch kein historischer Grenzverlauf in diesem Bereich.


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#9

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 18.10.2009 22:18
von Andreas67 (gelöscht)
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Ja endlich schreibt mal einer über den Ort Hessen.
Fahre dort fast jeden Tag durch. Die Kaserne steht noch, wurde später als Asylantenheim genutzt.
Gibt es vielleicht jemanden, der dort gedient hat?


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#10

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 19.10.2009 15:56
von Sonny (gelöscht)
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@ Karl

Was Blankenburg betrifft, so blieb der westliche Teil des ehem. Kreises Blankenburg (mit der Stadt Braunlage) bei Niedersachsen und hieß dann noch bis zur Kreisreform "Landkreis Blankenburg", allerdings mit Sitz in Braunlage und dem Kennzeichen BRL.

Die Kirche hat die deutsche Teilung in gewisser Weise nicht vollzogen, auch Schmalkalden gehörte stets zur Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Mich würde mal interessieren, wie das in der Praxis aussah, d.h. wie ein DDR-Gebiet vom Westen aus "verwaltet" werden konnte.

In Niedersachsen ist es aber mitunter auch so, daß man an den alten Landesgrenzen auch dort festgehalten hat, wo es nicht sehr sinnvoll erscheint. So gibt es einen Ort (Fürstenhagen, Stadt Uslar), der zu Niedersachsen gehört, aber (auf öffentlichen Straßen) nur über hessisches Gebiet erreichbar ist. In Baden-Württemberg (meiner alten Heimat) gab es sehr viele Exklaven, die dann aber durch ein Landesgesetz (noch vor der Kreisreform) beseitigt wurden. Geblieben ist bis heute die Exklave Büsingen am Hochrhein, die vollständig von der Schweiz umschlossen ist.

Ganz interessant auch der Fall Lindau (Bodensee): Stadt- und Landkreis gehörten nach 1945 nicht (wie das übrige Bayern) zur amerikanischen, sondern (wie das benachbarte Württemberg-Hohenzollern) zur französischen Zone. Eigentlich wollten es die Franzosen auch nach WH eingliedern, aber Bevölkerung und Kommunalpolitiker wehrten sich nach Kräften dagegen, so daß Lindau erst mal den merkwürdigen Status hatte, keinem Bundesland anzugehören. Erst 1955 wurde es dann wieder offiziell nach Bayern "rückgegliedert".

Zugegeben, das war jetzt (im Zusammenhang mit der Innerdeutschen Grenze) etwas off topic

-----

@ Heldrasteiner

Das waren wohl die Orte, die man tauschte, um die wichtige Bahnlinie Göttingen - Eichenberg - Bebra freizubekommen (d.h. komplett der US-Zone zu unterstellen). Ähnlich war es ja mit Bad Sachsa, das an der Bahnlinie Northeim - Ellrich - Nordhausen liegt (die als eine der wenigen grenzüberschreitenden Strecken auch zu Zeiten der Teilung in Betrieb war, allerdings grenzüberschreitend nur im Güterverkehr).

Andere Bahnstrecken (wie die Halle-Casseler Bahn bei Arenshausen, oder die "Kanonenbahn" bei Geismar) wurden dagegen unterbrochen.


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#11

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 19.10.2009 22:39
von Bergmensch (gelöscht)
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Ich danke Euch für die Infos. Hochinteressantes Thema. Teilweise schon gekannt und nun wieder aufgefrischt.


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#12

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 20.10.2009 09:34
von josy95 | 4.929 Beiträge | 99 Punkte
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Nach Aussagen meines Vaters und auch von älteren Kollegen, soll es nach 1945 eine ähnliche Situation im Bereich des heutigen Bahnhofes Goetheweg an der Brockenbahn gegeben haben. Ein kleiner Gebietsteil, über das die Gleisanlage der Brockenbahn führte, blieb wohl nach den Festlegungen von Jalta und Potsdam britisches Besatzungsgebiet. Um den Betrieb der Brockenbahn wieder aufnehmen zu können, einigte man sich wohl ziemlich schnell über einen Gebietsaustausch, da betreffendes Gelände nur wenige Hektar groß war. Einige sprachen davon, das man den Gebietsaustausch im Harz vorgenommen hat, andere sagten wiederum, der Austausch hat mit einer Fläche in Berlin stattgefunden.

Wer weiß mehr dazu oder hat dementsprechende Quellen?


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zwei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#13

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 20.10.2009 21:36
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Hatte ich hier im Forum schon drüber geschrieben Thomas.


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#14

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 20.10.2009 22:30
von Thunderhorse | 4.260 Beiträge | 632 Punkte
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Zitat von josy95
Nach Aussagen meines Vaters und auch von älteren Kollegen, soll es nach 1945 eine ähnliche Situation im Bereich des heutigen Bahnhofes Goetheweg an der Brockenbahn gegeben haben. Ein kleiner Gebietsteil, über das die Gleisanlage der Brockenbahn führte, blieb wohl nach den Festlegungen von Jalta und Potsdam britisches Besatzungsgebiet. Um den Betrieb der Brockenbahn wieder aufnehmen zu können, einigte man sich wohl ziemlich schnell über einen Gebietsaustausch, da betreffendes Gelände nur wenige Hektar groß war. Einige sprachen davon, das man den Gebietsaustausch im Harz vorgenommen hat, andere sagten wiederum, der Austausch hat mit einer Fläche in Berlin stattgefunden.
Wer weiß mehr dazu oder hat dementsprechende Quellen?
josy95



Bei den Hirschhörnern an der Haltestelle Goetheweg führte die Trasse der Brockenbahn ca. 300 m durch das Gebiet der britischen Zone.
Es war ein Gebietsvorsprung in Form eines Dreiecks.
Nachdem die sowjetischen Truppen in ihr Gebiet eingerückt waren wurde hier eine Grenzkorrektur durchgeführt.
Die regionalen Befehlshaber der beiden Mächte vereinbarten, dass ca. 40 Hektar, ausschließlich Waldgebiet und unbewohnt, der sowjetischen Zone zugeschlagen wurden.
Ein Gebietstausch fand nicht statt.
Damit war gewährleistet dass die Brockenbahn vollständig auf dem Gebiet der damaligen sowjetischen Zone, später DDR lag.

TH


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 20.10.2009 22:31 | nach oben springen

#15

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 22.10.2009 23:58
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@Karl143, sag mal da gab es damals bei uns so Geschichten das es um 45 zwischen den Engländern und den Russen einen Handel oder Spielerein um die Magdeburger Warte gegeben haben soll und ein paar Russen sollen das Gelände verspielt haben, obwoh in alten Karten ist das Gelände schon immer im heutigen Niedersachsen/Braunschweigischen.
Optimal war der Turm ja dann für Euch ... besser gings ja gar nicht.
Legenden zu Folge sollen dort ... natürlich gaaaanz inoffiziell GAKL der GT oben gewesen sein, gut das werdet Ihr wohl nicht mitbekommen haben .
Auch waren teilweise Bilder von Helmstedt oben im GAKL ( Glüsig) die laut Aussage von Aufklärern nicht vom Gebiet de DDR aus gemacht worden sein können .
Eigentlich hätte ich ja gar nicht da hin (GAKL) und hoch gedurft ... aber mit einer Streife ging das schon mal ... durfte bloß keiner wissen und mitkriegen ... also alles lief auch nicht immer nach Vorschrift bei uns


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#16

RE: Kapriolen in der deutschen (Auf)Teilung

in Die Grenze,Die Teilung,geteilte Familien 01.03.2015 17:16
von HRoemer | 1 Beitrag
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Zitat von Thunderhorse im Beitrag #14

Zitat von josy95
Nach Aussagen meines Vaters und auch von älteren Kollegen, soll es nach 1945 eine ähnliche Situation im Bereich des heutigen Bahnhofes Goetheweg an der Brockenbahn gegeben haben. Ein kleiner Gebietsteil, über das die Gleisanlage der Brockenbahn führte, blieb wohl nach den Festlegungen von Jalta und Potsdam britisches Besatzungsgebiet. Um den Betrieb der Brockenbahn wieder aufnehmen zu können, einigte man sich wohl ziemlich schnell über einen Gebietsaustausch, da betreffendes Gelände nur wenige Hektar groß war. Einige sprachen davon, das man den Gebietsaustausch im Harz vorgenommen hat, andere sagten wiederum, der Austausch hat mit einer Fläche in Berlin stattgefunden.
Wer weiß mehr dazu oder hat dementsprechende Quellen?
josy95


Bei den Hirschhörnern an der Haltestelle Goetheweg führte die Trasse der Brockenbahn ca. 300 m durch das Gebiet der britischen Zone.
Es war ein Gebietsvorsprung in Form eines Dreiecks.
Nachdem die sowjetischen Truppen in ihr Gebiet eingerückt waren wurde hier eine Grenzkorrektur durchgeführt.
Die regionalen Befehlshaber der beiden Mächte vereinbarten, dass ca. 40 Hektar, ausschließlich Waldgebiet und unbewohnt, der sowjetischen Zone zugeschlagen wurden.
Ein Gebietstausch fand nicht statt.
Damit war gewährleistet dass die Brockenbahn vollständig auf dem Gebiet der damaligen sowjetischen Zone, später DDR lag.

TH



Das Problem des Gebietsaustauschs im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Goetheweg der Brockenbahn beschäftigt mich schon seit meiner Jugendzeit (ich bin inzwischen Rentner) in der 50er Jahren. Grund sind mehrere Wanderkarten aus dieser Zeit, auf denen die Grenze noch die Brockenbahn kreuzte. Besonders deutlich ist das bei der folgenden, die vermutlich aus dem Jahr 1957 stammte (Lizenz-Nr. K10/57), eher später, weil die Rappbodetalsperre schon eingezeichnet ist, die erst 1959 fertiggestellt wurde.



Hier ist das fragliche Gebiet schraffiert. Interessanterweise ist aber, dass nicht nur das Gebiet östlich der späteren Grenze, das ein kurzes Stück der Brockenbahn enthält, sondern auch ein kleineres Gebiet westlich der korrigierten Grenze, die vom Eckersprung (=Quelle des Flüsschens Ecker, der unterste Punkt des schraffierten Gebiets) in Richtung Norden bis hinter Stapelburg durch die Ecker gebildet wurde. Die alte Grenze geht entsprechung der Schraffierung entlang dem jetzigen Goetheweg ca. 1 km in nordwestlicher Richtung und biegt dann entlang einem anderen Weg in östlicher Richtung bis zur Ecker ab.

Ich habe zunächst angenommen, dass dieses Gebiet vorher zur DDR gehörte und im Rahmen des Austauschs mit dem Gebiet am Bahnhof Goetheweg an die BRD fiel. Das ist aber ziemlich unwahrscheinlich, denn durch ihre zusammenhängende Lage hätten sich beide Gebietsteile vor dem Tausch gegenseitig zu einer Enklave gemacht. Anscheinend hat dieser westliche "Zipfel" nach dem Tausch auch zur DDR gehört und ist später der BRD überlassen worden, so dass an dieser Stelle die Ecker die Grenze bildete. Es wäre interessant, mehr darüber zu erfahren, vor allem die Gründe für diesen 2. Schritt der Korrektur. Vielleicht hing sie auch mit den Regelungen des Grundlagenvertrages 1972 zusammen, der den Betrieb der auf der Grenze liegenden Eckertalsperre betraf. Es gab ja zu dieser Zeit für uns in der DDR keine Landkarten mehr, die den exakten Grenzverlauf zur Bundesrepublik zeigten.

Es ist auch anzunehmen, dass der Tausch des Gebiets am Goetheweg erst relativ spät, keineswegs bereits 1945 erfolgte: Solange die Amis auf dem Brocken saßen (bis April 1947) gab es eigentlich keinen Grund, eine solche Korrektur vorzunehmen. Ich nehme sogar an, dass erst mit der Wieder-Inbetriebnahme der Brockenbahn im Mai 1949 der Gebietstausch der ansonsten unbedeutenden Fläche in Angriff genommen wurde. Insofern könnte die Aussage aus der "Harzbahnpost 10-3 "Reibungslos durchfuhren die Züge zum Brocken auf diesem kurzen Stück die britische Zone, bis der DDR-Ministerrat am 26. Mai 1952 mit einer Verordnung 'Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands' beschloss" doch richtig sein. Dafür spricht auch, dass die gezeigte Wanderkarte noch Ende der 50er Jahre (ohne Erklärung) diese Korrektur zeigte.

Ich bin übrigens auch im Besitz einer Wanderkarte von 1989 (Phoenix-Heimat- und Wanderkarte: Umgebung von Wernigerode; Verlag Jüttners Buchhandlung Wernigerode, vermutlich aber der Nachdruck einer viel älteren Karte), in der der Zipfel des Tauschgebietes jenseits der Ecker dem Osten zugeschlagen ist.


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