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Vor 20 Jahren, 10. Oktober 1989 DDR Diskussion im SED Politbüro

in Das Ende der DDR 10.10.2009 18:18
von Augenzeuge (gelöscht)
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10. Oktober 1989
DDR Diskussion im SED Politbüro
Quelle: Zelikow 131

Igor Maximytschew, Kotschemassows Stellvertreter an der Botschaft in Ost-Berlin, war ein aufmerksamer Beobachter der Ereignisse. Für ihn ist eine der zentralen Fragen, warum die Sowjetunion, »deren Einfluß auf die DDR entscheidend war, nichts unternahm (außer den fruchtlosen Versuchen Gorbatschows, Honecker die Vorteile dem Perestroika zu ›verkaufen‹), um den Deckel des Kessels, in dem der Druck fast die kritische Marke erreichte, wenigstens ein wenig anzuheben«.

Maximytschew hat dafür zwei Erklärungen: Erstens seien die sowjetischen Apparatschiks so sehr daran gewöhnt gewesen, den »Willen der Partei« mit dem »Willen des Volkes« gleichzusetzen, daß sie sich das umstürzlerische Potential von Volksbewegungen nicht vorzustellen vermochten.

Zweitens habe die sowjetische Regierung selbst keine Lösung für die ostdeutsche Krise gewußt: »Alle Vorschläge, unserem Mißbilligung des selbstmörderischen Kurses der ostdeutschen Führung Ausdruck zu geben, wurden mit der Begründung abgelehnt, daß die Lage in der Republik vollständig in die Verantwortung der deutschen Führung falle. Wenn man ihr etwas aufzwinge, würde man ihr diese Verantwortung mit allem, was daraus folgte, abnehmen. In wenigem offiziellen Worten wurde die Weigerung, Druck auf Honecker auszuüben, damit erklärt, daß wir, um den Erfolg der Perestroika sicherzustellen, Stabilität in dem ›sozialistischen Gemeinschaft‹ benötigten, zu deren Stützpfeilern die DDR gehörte. Inoffiziell hieß es außerdem, daß Honecker die Situation in der DDR besser kenne als jeder sonst und daß er alles tun werde, um eine Explosion zu verhindern, von deren Ausbleiben sein eigenes Schicksal abhing. In der Woche vom Honeckers Sturz verfaßten Krenz und Schabowski eine Erklärung, in der den DDR-Bürgern Reformen versprochen wurden. Das Politbüro diskutierte am 10. und 11. Oktober ausführlich über die innere Lage. Honecker vertrat dabei die Ansicht, daß ein radikalem Wandel größere Gefahren mit sich bringen würde als die Verteidigung des Status quo. Die Erklärung wurde schließlich angenommen, aber unter »einer dicken Schicht der üblichen Phrasen« begraben. Nachdem sich die SED gegen die »chinesische Lösung« entschieden hatte, war Honeckers Position unhaltbar geworden, und am 18. Oktober wurde er schließlich von einer Gruppe von Politbüromitgliedern unter der Führung von Krenz abgesetzt. Die neue Parteiführung wollte Gorbatschows Modell folgen und den Forderungen der Bevölkerung entgegenkommen, um das sozialistische System zu retten.


zuletzt bearbeitet 10.10.2009 18:19 | nach oben springen



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