#81

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 15:28
von Sonny (gelöscht)
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@ Gilbert

Das ist natürlich die Frage, wie man "Kommunismus" definiert. Wenn es nach der marxistischen Lehre das Endstadium der gesellschaftlichen Entwicklung sein soll, dann gab es ihn in der UdSSR, der DDR usw. natürlich nicht, sondern lediglich den Sozialismus.

Umgekehrt wurde und wird Sozialismus (im Unterschied zum Kommunismus) speziell im Westen (und heute gesamteuropäisch) als demokratisch (d.h. durch Wahlen legitimiert) definiert. (Diverse demokratische Parteien, in Deutschland z.B. die Linke, nannten und nennen sich ja "sozialistisch".)

Speziell in der DDR waren sich die Machthaber und Propagandisten wohl selbst nicht immer ganz klar darüber, ob sie nun sozialistisch oder kommunistisch sein wollten: So war ab etwa 1980 in zunehmendem Maße nicht mehr von "Genossen", sondern von "Kommunisten" die Rede, wenn es um SED-Mitglieder ging. So heißt es in einem ADN-Text zu einem Pressefoto eines NVA-Soldaten aus dem Jahr 1981:

Unteroffizier Dieter S. gehört zu den besten Kommunisten seiner Einheit. Er wurde 1979 Kandidat und im Oktober 1980 Mitglied der SED.

Der (aus der DDR stammende) Journalist Günther Drommer bemerkt (in seinem Buch "50 Jahre DDR") dazu bissig:

Anfang der achtziger Jahre konnten es die führenden Ideologen in der DDR nicht mehr abwarten. Aus jedem SED-Mitglied wurde über Nacht ein Kommunist, obwohl doch allen klar war: Bis zum Kommunismus, einer Art idealen Menschen-Gemeinschaft, war noch ein sehr langer Weg zurückzulegen. Führender "Kommunist" jener Jahre war übrigens Günter Schabowski, der später binnen kürzester Zeit zu den gründlichsten Abschwörern gehörte.


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#82

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 16:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Je prekärer die Lage wurde, um so verschwurbelter wurde die Argumentation. Je weniger sachliche Argumente man in den Medien anbringen konnte, um so mehr musste man ideologisch auf den Sack hauen (wegen dem Staub). Dann konnte ein kritischer Stift nicht oder nur sehr schlecht gegen an, denn dann hätte er ja nicht nur kritisiert, sondern wäre ein ideologischer Abweichler gewesen. Mit entsprechenden Folgen.
Das ist heute nicht so sehr viel anders. Mann möge sich nur den Aufschwung allenthalben ansehen - wartet nur, es sind noch fünf Tage...
Aber zum Thema: Das MfS war nur ein Geheimdienst, der im Wesentlichen Informationen beschaffte. Die politische Umsetzung war Sache der Politik und es hätte sicher nicht in das Selbstbild von "Schild und Schwert der Partei" gepasst, die Partei auszubooten.
Das war einfach nicht drin. Genauso wenig, wie sich die NVA, die GT und die Polizei vorstellen konnte, auf das Volk insgesamt loszugehen. Auf einzelne "Störer" ja. Auch auf Gruppen von "Störern" aber nicht auf das eigene Volk, so wie es 1989 als Gegenpol auftrat. Da war der Endpunkt erreicht. Weiter zu gehen hätte einfach nicht zum Selbstverständnis von Volksarmee oder Volkspolizei gepasst.
Das war, denke ich, der Hauptgrund, warum alles so relativ friedlich ablief.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 24.09.2009 16:00 | nach oben springen

#83

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 16:38
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammem, mein Schwiegervater, der ehemalige Mitarbeiter der Transportpolizei vom Leipziger Hauptbahnhof würde sagen: " Was hätte das werden sollen, Sohn schießt auf Vater, Bruder auf Bruder, Freund auf Freund und so ließe sich das noch beliebig fortsetzen"?
So wie ich ihn kenne und ich kenne ihn mittlerweile über 37 Jahre würde er noch anfügen: " Aber heute wäre er sich da nicht mehr so sicher, sollte es einmal...zu einer...ähnlichen Situation kommen."
Na ja, der alte Mann ist über 83 Jahre, also wenn er es nicht beurteilen kann, wer dann?

Gruß Rainer- Maria


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#84

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 17:33
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

danke sonny, für deine schnelle antwort. ja, du hast den damaligen sprachlichen spargat sehr genau bezeichnet. das wir in der ddr keinen kommunismus, ich behaupte sogar sozialismus, hatten dürfte uns allen, glaube ich, klar sein.
so wie früher die führenden genossen die worte so leichtfertig in den mund nahmen, so schnell sind wir heute, unbewusst dabei, dass selbe zu tun.

@augenzeuge, ich hoffe ich brauche deine frage nicht mehr zu beantworten, denn ich glaube @sonny, hat das ausgezeichnet getan...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#85

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 17:40
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Tja, leider wurden ja alle Analysen und Lageberichte des MfS und sämtlicher Kreisstellen konsequent ignoriert bzw. nicht für voll genommen. Also aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, dass eine Machtübernahme durch das MfS bereits im Frühjahr 89 eindeutig die beste Lösung gewesen wäre oder besser noch schon 1980/81.

Leider bestand damals dazu wohl weder die Möglichkeiten noch der absolute Wille.




Oha...
Erst einmal meine ich, dass nicht alle Lageeinschätzungen des MfS, auch nicht im Verantwortungsbereich der Kreisdienststellen, konsequent ignoriert worden sind. Eine solche Pauschaleinschätzung halte ich für verkehrt. Bei Bedarf können wir da gern tiefergehend diskutieren.
Eine "Machtübernahme" durch das MfS halte ich für falsch und utopisch. Eine solche Handlung geht völlig am Sinn und Zweck des MfS vorbei. Wer hätte denn dann das MfS führen sollen ? Mir fällt nur einer ein, der dazu die nötige Weitsicht und die Rückendeckung aus Moskau gehabt hätte, Mischa Wolf.
Feliks, wechsel mal das Koppel auf Deinem Foto...



zuletzt bearbeitet 24.09.2009 17:41 | nach oben springen

#86

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 17:42
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow

@augenzeuge, ich hoffe ich brauche deine frage nicht mehr zu beantworten, denn ich glaube @sonny, hat das ausgezeichnet getan...



Ja, das hat er sehr gut gemacht!


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#87

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 19:25
von Grete85 | 840 Beiträge

Zitat von Grete85
Hallo zusammen,
der "dicke" Helmut K. hat nach seiner "Abdankung" in einem Gespräch gesagt:".....Die jetzige Gesellschaftsordnung in diesem Land ist nicht des Weisheits letzter Schluß...." Ja welche ist es dann?? Kapitalismus,Sozialismus oder Kommunismus?????? Jeder nach seinen Fähigkeiten?(Da würden einige ganz schön alt aussehen.)Oder jeder nach seinen Bedürfnissen?(da würde es auch wieder nur gekloppe ums Geld gehen.) Bis jetzt ist die Menschheit noch nicht soweit,sich am Erfolg des Anderen zufreuen,eher am Mißerfolg. Doch der Mensch ist ein Herdentier und er braucht einen(sehr weisen)Anführer.Die, die wir bis jetzt gehabt haben,haben alle nüscht getaugt. Und die gerade wieder ins Rennen geschickt werden, können auch uns nicht so richtig vom Hocker reißen.
Ob ein Geheimdienst uns weiter bringt? Doch das wäre ja wieder eine Diktatur.Wie auch immer, es ist noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Gruß Grete



Hallo,

hat sich schon mal einer Gedanken über eine funktionierende Gesellschaftsordnung für diese jene Menschheit gemacht?Sowas in der Richtung Zufriedenheit für alle.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#88

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 19:52
von Augenzeuge (gelöscht)
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[/quote]
Hallo,
hat sich schon mal einer Gedanken über eine funktionierende Gesellschaftsordnung für diese jene Menschheit gemacht?Sowas in der Richtung Zufriedenheit für alle.
Gruß Grete[/quote]

Ja Grete, das ist das Problem, ich kenne welche, die waren bis 11/89 mit allen in der DDR zufrieden.....


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#89

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 19:55
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

zufriedenheit für alle?das wird es wohl nie geben


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#90

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 20:18
von Grete85 | 840 Beiträge

Hallo,
das sehe ich auch.Aber wenigstens annähernd.

Gruß Grete


--------------------------------------------------
Geschichte ist nichts anderes
als die Unfallchronik der Menschheit.

Chales Talleyrand,französicher
Staatsmann (1754-1838)
--------------------------------------------------
Gedient von Frühjahr 1982 bis Frühjahr 1985 beim
VEB Landesverteidigung, Betriebsteil Grenzsicherung Rhön
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#91

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 24.09.2009 21:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Merkur

Feliks, wechsel mal das Koppel auf Deinem Foto...



psssst, das koppel stimmt, denn es ist eine uniform vom nva-wachregiment mit sitz in strausberg. was mich auch betrübt, denn er könnte ja auch eine richtige uniform "von felik´s" abbilden...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 24.09.2009 21:29 | nach oben springen

#92

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 25.09.2009 08:01
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Leider habe ich von der richtigen kein ordentliches Bild, da ich nur Ärmelband und Schulterklappen noch zu Hause liegen habe. Wenn ich mal ein richtig gutes Bild finde werde ich es natürlich verwenden. Also falls jemand ein optisch ansprechendes hat nur her damit.


In Antwort auf:
"Wunschzettel" im Innenministerium

Neue Kompetenzen für Geheimdienst

Das Innenministerium will offenbar Aufgaben des Verfassungsschutzes und der Polizei zusammenfassen. Einem Zeitungsbericht zufolge kursiere im von Schäuble geführten Ministerium ein Papier mit weitreichenden Forderungen zur inneren Sicherheit. Es gehe um ein Art Wunschzettel
Dem Papier zufolge soll der Verfassungsschutz künftig Computer online durchsuchen dürfen.
Das Bundesinnenministerium will den Verfassungsschutz einem Zeitungsbericht zufolge nach der Bundestagswahl mit zahlreichen neuen Kompetenzen ausstatten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat das von Wolfgang Schäuble (CDU) geführte Ministerium ein Konzept ausgearbeitet, um sich mit weitreichenden Forderungen zur inneren Sicherheit auf die Koalitionsverhandlungen vorzubereiten. Es trägt demnach den Titel "Vorbereitung Koalitionspapier" und zielt darauf ab, die Aufgaben von Verfassungsschutz und Polizei zusammenzufassen.

Wie die "SZ" berichtet, soll der Verfassungsschutz künftig etwa Computer online durchsuchen dürfen. Bisher dürfe das nur das Bundeskriminalamt. Zudem fordere das Ministerium, dem Verfassungsschutz den Zugriff auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung sowie Lausch- und Spähangriffe in Privatwohnungen zu erlauben. Der genetische Fingerabdruck solle als "erkennungsdienstliche Standardmaßnahme" eingeführt werden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das Ministeriums-Papier. Den Sicherheitsbehörden soll demnach die Infiltration im kriminellen und verfassungsfeindlichen Milieu erleichtert werden.

Mit dem Forderungskatalog waren laut "SZ" mehrere Abteilungen des Innenministeriums befasst. Schäubles Büroleiter Bruno Kahl sagte der Zeitung auf Anfrage, es handele sich um ein Papier, das bisher nicht zur Leitungsebene des Hauses gelangt sei. Es gehe um eine Art Wunschzettel der Referate des Ministeriums am Ende der Legislaturperiode. Das Papier sei jedoch kein Koalitionsverhandlungs-Papier, sondern ein "Ministeriums-Internum".

AFP




Na ja, so langsam schwinden dann ja die Unterschiede dahin.

Ob heute noch alle die damals so unbedingt demonstrieren mußten um unseren Staat zu zerstören heute mit dem Wissen immer noch auf die Straße gehen würden????




Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#93

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 25.09.2009 08:45
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Augenzeuge
... ich kenne welche, die waren bis 11/89 mit allen in der DDR zufrieden.....



Lass mich raten: die Westverwandtschaft? ach nee, die hatten Mindestumtausch...
Dann fallen mir nur noch Neugeborene ein.


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#94

RE: Das MfS - ein "Retter der DDR"?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 25.09.2009 10:14
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Leider habe ich von der richtigen kein ordentliches Bild, da ich nur Ärmelband und Schulterklappen noch zu Hause liegen habe. Wenn ich mal ein richtig gutes Bild finde werde ich es natürlich verwenden. Also falls jemand ein optisch ansprechendes hat nur her damit.


uuuups @feliks ich hatte dir schon eine "richtige" eingestellt. es ist aber die mos´er-uniform und nicht die ausgangsuniform des wr f.dzierzynski----> http://www.forum-ddr-grenze.de/t1463f63-...4.html#msg25758

hier mal noch eine andere:

Angefügte Bilder:
45.jpg

* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 25.09.2009 10:38 | nach oben springen



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