#61

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 14:07
von Gert | 12.354 Beiträge

die Anwesenheit des MfS war mir in der Grenzkompanie schon bewusst, sie war in der Gestalt eines jungen Leutnant z.S.daherkommend. Er tauchte von Zeit zu Zeit in den Stuben auf, überaus freundlich, fast schon eine aufgesetzte Freundlichkeit so empfand ich das damals. Einmal machte ich noch schnell einen "Feindsender" auf dem Radion weg, aber zu spät er hatte es gemerkt.Nein nein, lassen sie doch den Sender drauf, ist doch flotte Musik , was ich dann nur kleinlaut bestätigen konnte.(ich war immer ehrlich, das war aber in diesem Staat nicht so praktisch wie ich heute in meiner Altersweisheit weiß ). Danach bekam ich sicher einen Eintrag in das natürlich geheim geführte Klassenbuch.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#62

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 14:11
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #1

1. Was hast Du gemacht in den 80ern, was waren Deine Aufgaben, wie bist Du zur Stasi gekommen, ... ?


Von Schule über Berufsausbildung, Wehrdienst, Studium eine Menge.
Beim MfS war ich nie...also aktiv, habe aber mein Stichwort gesehen, dass mich doch ermuntert hat, eine nicht ganz ernst gemeinte, aber wahre Antwort zu geben:

"Lada"

Das Fahren eines Ladas war in den Augen vieler Mitbürger ein beinahe untrügliches Indiz für eine MfS-Tätigkeit, wahrscheinlich eher in der Provinz als in der Hauptstadt, aber begegnet ist mir diese urban legend sowohl im wirklichen Leben als auch hier im Forum einige Male.
Zum Beweis brauchte es dann meist nur noch eine weitere Kleinigkeit: ein Telefon.

Lada UND Telefon - das konnte nur "Stasi" sein... Ja, das Leben war manchmal ganz einfach gestrickt


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zuletzt bearbeitet 11.05.2016 14:11 | nach oben springen

#63

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 14:16
von Josef | 631 Beiträge

Wenn dann mal jemand was zum Thema schreiben würde, wäre das ein Grund zur Freude. Bisher kam nicht wirklich was, außer von Ebro. Das soll hier kein Plauderfaden werden mit den üblichen Verschwörungstheorien.


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#64

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 14:18
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #63
Wenn dann mal jemand was zum Thema schreiben würde, wäre das ein Grund zur Freude. Bisher kam nicht wirklich was, außer von Ebro. Das soll hier kein Plauderfaden werden mit den üblichen Verschwörungstheorien.



du bist ein bischen penetrant oder?


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#65

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 14:30
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #63
Das soll hier kein Plauderfaden werden mit den üblichen Verschwörungstheorien.


Is' ja ehrenhaft, dass Du versuchst, Deinen Thread sauber zu halten, aber dressieren wirst Du die Herde hier nicht.
Wenn Dich die Geschichte von Ossi-Park interessiert, sind die Plaudereien vielleicht auch ganz hilfreich.
Verschwörungstheorien hingegen habe ich in diesem Thema noch gar nicht gesehen.


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#66

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:01
von Josef | 631 Beiträge

Bitte zurück zum Thema. Wer nichts zu sagen hat, schweigt lieber - oder geht in die "Kneipe".


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#67

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:02
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #61
die Anwesenheit des MfS war mir in der Grenzkompanie schon bewusst, sie war in der Gestalt eines jungen Leutnant z.S.daherkommend. Er tauchte von Zeit zu Zeit in den Stuben auf, überaus freundlich, fast schon eine aufgesetzte Freundlichkeit so empfand ich das damals. Einmal machte ich noch schnell einen "Feindsender" auf dem Radion weg, aber zu spät er hatte es gemerkt.Nein nein, lassen sie doch den Sender drauf, ist doch flotte Musik , was ich dann nur kleinlaut bestätigen konnte.(ich war immer ehrlich, das war aber in diesem Staat nicht so praktisch wie ich heute in meiner Altersweisheit weiß ). Danach bekam ich sicher einen Eintrag in das natürlich geheim geführte Klassenbuch.



Hallo,Zum "Klassenbuch" ein Zitat aus Kishons Satire: Das Geheimnis der Dritten Schraube.

https://de.scribd.com/doc/163148638/Das-...-Ephraim-Kishon Seite 48


Gründliche, mit staatlicher Unterstützung durchgeführte Nachforschungen haben keinen einzigen Fall von drei Schraubenlöchern ergeben, die mit allen drei dazugehörigen Schrauben ausgestattet gewesen wären. Vor kurzem wurde in einer Waffenfabrik im oberen Galiläa ein feindlicher Spion entdeckt der sich dadurch verraten hatte daß er alle Schraubenlöcher mit Schrauben versah.



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#68

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:19
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #63
Wenn dann mal jemand was zum Thema schreiben würde, wäre das ein Grund zur Freude. Bisher kam nicht wirklich was, außer von Ebro. Das soll hier kein Plauderfaden werden mit den üblichen Verschwörungstheorien.

Na gut dann,ich war 13 Jahre bei der VI,im Wesentlichen an der Grenzübergangsstelle Drewitz,als Westler kennt Du sie vielleicht eher als Dreilinden,heute sagt so manch einer Passtempler dazu.Ich habe dort alles mögliche gemacht,von der Pike auf angefangen,irgendwann das was man beim MfS gemeinhin operative Arbeit nannte.Nebenbei wurde ich noch von der Truppe zu der ich gehörte zu deren Parteisekretär gewählt und habe die Funktion nebenbei und ehrenamtlich bis zum Ende ausgeübt.Mit anderen Worten,nach heutiger Sicht,ein ganz schlimmer Finger.
Und ich habe mich damals dabei nicht unbedingt schlecht gefühlt,ich hatte nicht vordergründig das Gefühl,ich gehöre einem Unterdrückungsorgan einer Diktatur an.In der Funktion als "Passtempler"war ich der Meinung ich realisiere hoheitliche Aufgaben eines souveränen Staates an deren Grenze und ich stand ja im Wesentlichen nicht an einer Stelle wo es darauf ankam niemanden durchzulassen,ich stand an einer Stelle die dafür gemacht war,dass die, die die Berechtigung dazu haben das dürfen,eben nach den geltenden Regeln des betreffenden Staates.Natürlich war mir auch damals schon klar,dass ich dem gemeinen DDR-Bürger ein elementares Menschenrecht,nämlich die Freizügigkeit im Reiseverkehr zu verweigern hatte,dass habe ich auch in mehreren Fällen konkret getan.Ich habe diese Aufgabe akzeptiert und durchgesetzt,wohlwissend und über die Jahre immer mehr,gerade als Parteiarbeiter,dass dieses Vorgehen nicht die Lösung des Problems des Staates mit seinen Bürgern und deren Bedürfnissen sein kann.Ich habe nur keine andere Möglichkeit gesehen den Staat und das politische System zu dem ich stand zu erhalten.Für mich war es eine"Zwischenlösung" von der ich hoffte, wir,irgendjemand hat früher oder später eine "Idee" wie man dieses"Manko"überwinden kann und es gelingt der Übergang zu"geordneten Verhältnissen".Aus heutiger Sicht,sicher war das nur eine Illusion nach dem Prinzip"Die Hoffnung stirbt zuletzt",ich wusste es aber damals nicht besser und ich wollte,dass dieses"Projekt DDR" eine Erfolgsstory wird,dafür war ich bereit"Kompromisse" einzugehen.
Was die benannte operative Arbeit angeht,ich habe versucht die damalige andere Seite aufzuklären,"Abschöpfung des Reiseverkehrs" nannte sich das damals im Stasi-Jargon,heute würde man bespitzeln dazu sagen. Beide Aufgaben,die Durchsetzung hoheitlicher Regelungen eines Staates und die Aufklärung einer vermeintlich gegnerischen Seite hielt ich für legitim und tue das vom Prinzip auch heute noch.
Natürlich ist mir heute klar, dass es in diesem Staatsorgan auch Bereiche gab die massiv innere Opposition bekämpft und verfolgt haben,durchaus die Kriterien einer Geheimpolizei erfüllten, und ich habe durchaus auch denen zugearbeitet,ich bin heute nicht unbedingt stolz darauf,dass ich das getan habe und der Staat,bzw.sein Organ MfS sich genötigt sah solches zu tun.Aber wer kann schon auf sein ganzes Leben mit Stolz zurückblicken.
Nun hoffe ich wenigstens auf eine Drei.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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zuletzt bearbeitet 11.05.2016 15:34 | nach oben springen

#69

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:25
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #68
Was die benannte operative Arbeit angeht,ich habe versucht die damalige andere Seite aufzuklären,"Abschöpfung des Reiseverkehrs" nannte sich das damals im Stasi-Jargon.


Kannst Du mal ein, zwei Beispiele nennen, was das gewesen sein könnte oder auf was ihr bei der Aufklärung Augenmerk gelegt habt?
Waren die Möglichkeiten da nicht sehr begrenzt?


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#70

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:43
von Ebro | 565 Beiträge

Ergänzend zu meinem Beitrag #50:

Hinzu kam noch erschwerend, dass mein Vater genau zu diesem Zeitpunkt eine Reise in dringenden Familienangelegenheiten in die BRD beantragt hatte. Und Westkontakte von Verwandten 1. Grades von Angehörigen des MfS ging ja nun gar nicht.
Ich bin also hin zu meinem alten Herrn und versuchte ihm den Besuch bei seiner Cousine, die er schon -zig Jahre nicht gesehen hatte, auszureden. Vergeblich, er erklärte mir, dass er nichts Verbotenes macht und nur die Möglichkeit wahrnimmt, die ihm seitens des Staates DDR eingeräumt wird. Hatte er ja auch recht. Trotz der Auswirkungen, die das für meine weitere Tätigkeit nach sich zog, blieb er dabei.



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#71

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 15:50
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #69


Kannst Du mal ein, zwei Beispiele nennen, was das gewesen sein könnte oder auf was ihr bei der Aufklärung Augenmerk gelegt habt?
Waren die Möglichkeiten da nicht sehr begrenzt?


Wir hatten einen ganzen "Wunschkatalog" anderer Abteilungen zu Adressen,speziell in Westberlin,Berufsgruppen und Studienrichtungen,spezielle Firmen und Institutionen zu denen Informationsbedarf bestand.
Und die Möglichkeiten waren durchaus nicht so begrenzt.Wer in die DDR einreiste musste auf den auszufüllenden Zählkarten neben den Personalien Arbeitsstelle und Tätigkeit angeben.Natürlich hätte er auch Bäcker oder Schornsteinfeger schreiben können,niemand hätte das überprüfen können und man hätte sich nicht für ihn interessiert.Aber zum Einen waren das eben auch nur Deutscheund ein guter Deutscher macht in der Regel keine falschen Angaben auf ein amtliches Formular und zum Anderen war es ähnlich wie bei den von mir geschilderten Umständen innerhalb der DDR,man konnte sich einfach nicht vorstellen,dass sich wirklich jemand dafür interessiert.
Ansonsten war ich auf dieser Güst ziemlich"freiberuflich" tätig,ich bin den ganzen Tag durch die Bereiche geschlichen und habe nach meinen"Opfern" gesucht,bzw.die Passkontrolleure haben mich informiert wenn ihnen etwas interessantes unter die Finger gekommen ist. Und dann wurden letztlich"guter Kop,böser Kop"gespielt,ich war in dem Fall immer der Gute,von dem man froh war,dass endlich mal ein Netter mit Verständnis kommt. Wir haben jedes Problem, dass es im Rahmen der Abfertigung gab ausgenutzt um nebenher ein bisschen zu Schwatzen.Wenn es gar nicht anders ging haben wir ein Problem organisiert.Und dann muss ich den Wessis sagen,die Wenigsten wollten in solch einem Gespräch ihr Licht unter den Scheffel stellen,man wollte schon kundtun was man für eine Nummer ist,besonders wenn man das einem kleinen weltunerfahrenen"Zonendödel"mitteilen kann.
Eitelkeit,einer der Lieblingstodsünden des Teufels.


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zuletzt bearbeitet 11.05.2016 16:08 | nach oben springen

#72

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:11
von sentry | 1.077 Beiträge

Alles klar...konnte mir als oller SiK-Soldat nur nicht vorstellen, was es da so aufzuklären gibt, wenn man Menschen, deren Dokumente und einen kurzen Blick in das Fahrzeug zur Verfügung habt.

Mit Deiner Schilderung macht das alles schon wieder Sinn und die Sache rund.
Schönen Dank dafür.


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#73

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:14
von TAO | 232 Beiträge

Die Scheidungsrate bei MfS-Mitarbeitern soll relativ hoch gewesen sein. Habe das mal von jemanden gehört der zu DDR-Zeiten Schöffe war und auch mit Scheidungen zu tun hatte. Ein Grund soll der häufige Dienst , aber auch die Verschwiegenheitspflicht der Mitarbeiter sowie halt gewisse "vorgeschriebene Verhaltensregeln " gewesen sein.
Kann das jemand von den Ehemaligen aus eigener oder allgemeiner Erfahrung bestätigen?


zuletzt bearbeitet 11.05.2016 16:14 | nach oben springen

#74

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:20
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von TAO im Beitrag #73
Die Scheidungsrate bei MfS-Mitarbeitern soll relativ hoch gewesen sein. Habe das mal von jemanden gehört der zu DDR-Zeiten Schöffe war und auch mit Scheidungen zu tun hatte. Ein Grund soll der häufige Dienst , aber auch die Verschwiegenheitspflicht der Mitarbeiter sowie halt gewisse "vorgeschriebene Verhaltensregeln " gewesen sein.
Kann das jemand von den Ehemaligen aus eigener oder allgemeiner Erfahrung bestätigen?

Also ich kann das nicht bestätigen.Es kam ja noch dazu,dass man sich faktisch eine Eheschliesung genehmigen lassen musste.Sprich,man musste vor Eheschließung die Personalien der zu Beklückenden bei Kader und Schulung abgeben,und die haben dann auch geschaut ob es wirklich die Richtige ist.


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#75

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:23
von passport | 2.628 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #71
Zitat von sentry im Beitrag #69


Kannst Du mal ein, zwei Beispiele nennen, was das gewesen sein könnte oder auf was ihr bei der Aufklärung Augenmerk gelegt habt?
Waren die Möglichkeiten da nicht sehr begrenzt?


Wir hatten einen ganzen "Wunschkatalog" anderer Abteilungen zu Adressen,speziell in Westberlin,Berufsgruppen und Studienrichtungen,spezielle Firmen und Institutionen zu denen Informationsbedarf bestand.
Und die Möglichkeiten waren durchaus nicht so begrenzt.Wer in die DDR einreiste musste auf den auszufüllenden Zählkarten neben den Personalien Arbeitsstelle und Tätigkeit angeben.Natürlich hätte er auch Bäcker oder Schornsteinfeger schreiben können,niemand hätte das überprüfen können und man hätte sich nicht für ihn interessiert.Aber zum Einen waren das eben auch nur Deutscheund ein guter Deutscher macht in der Regel keine falschen Angaben auf ein amtliches Formular und zum Anderen war es ähnlich wie bei den von mir geschilderten Umständen innerhalb der DDR,man konnte sich einfach nicht vorstellen,dass sich wirklich jemand dafür interessiert.
Ansonsten war ich auf dieser Güst ziemlich"freiberuflich" tätig,ich bin den ganzen Tag durch die Bereiche geschlichen und habe nach meinen"Opfern" gesucht,bzw.die Passkontrolleure haben mich informiert wenn ihnen etwas interessantes unter die Finger gekommen ist. Und dann wurden letztlich"guter Kop,böser Kop"gespielt,ich war in dem Fall immer der Gute,von dem man froh war,dass endlich mal ein Netter mit Verständnis kommt. Wir haben jedes Problem, dass es im Rahmen der Abfertigung gab ausgenutzt um nebenher ein bisschen zu Schwatzen.Wenn es gar nicht anders ging haben wir ein Problem organisiert.Und dann muss ich den Wessis sagen,die Wenigsten wollten in solch einem Gespräch ihr Licht unter den Scheffel stellen,man wollte schon kundtun was man für eine Nummer ist,besonders wenn man das einem kleinen weltunerfahrenen"Zonendödel"mitteilen kann.
Eitelkeit,einer Lieblingstodsünden des Teufels.



Es gab auch Ausnahmen. Wir hatten einen Bundesbürger einmal zum Arbeitsort mit falschen Angaben erwischt. Stand doch in der Spalte Arbeitsstelle : Kultusministerum der BRD. Aber dieses Ministerium gibt es halt nur auf Länderebene. Unser KE hat sich gefreut. Es stellte sich heraus das es ein gehobener Beamter des BMI war.


passport


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#76

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:26
von Ebro | 565 Beiträge

Ich kann es aus den mir bekannten Dienstellen auch nicht bestätigen. Persönlich mit meiner Einer seit 41 Jahren, mein Schwager mit meiner Schwester seit 35, also trotz der schweren Böen im Leben alles gut.
Aber richtig gesagt, bei frischen Bindungen wurde schon auf "Ordnung" geachtet. Ich hatte mal in meinem Referat einen blutjungen Anfänger, der mußte sich nun gerade ein Mädel mit äusserst operativer westlicher Verwandtschaft anlachen. Als es richtig ernst wurde, wurden tiefgründige Gespräche seitens Kader und Schulung und der Leitung der DE mit ihm geführt.



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#77

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:26
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Zitat von Ebro im Beitrag #70
Ergänzend zu meinem Beitrag #50:

Hinzu kam noch erschwerend, dass mein Vater genau zu diesem Zeitpunkt eine Reise in dringenden Familienangelegenheiten in die BRD beantragt hatte. Und Westkontakte von Verwandten 1. Grades von Angehörigen des MfS ging ja nun gar nicht.
Ich bin also hin zu meinem alten Herrn und versuchte ihm den Besuch bei seiner Cousine, die er schon -zig Jahre nicht gesehen hatte, auszureden. Vergeblich, er erklärte mir, dass er nichts Verbotenes macht und nur die Möglichkeit wahrnimmt, die ihm seitens des Staates DDR eingeräumt wird. Hatte er ja auch recht. Trotz der Auswirkungen, die das für meine weitere Tätigkeit nach sich zog, blieb er dabei.

Meine Schwiegermutter ist als Altersrentner,nach einem Beschwerdebrief wegen ursächlicher Ablehnung der Reise,an den 1,Sekretär der SED-Bezirksleitung, regelmäßig in den Westen gefahren,mit Genehmigung der Firma und ohne das sie IM war,denke ich jedenfalls.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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zuletzt bearbeitet 11.05.2016 16:39 | nach oben springen

#78

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 16:59
von grenzergold | 187 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #69
Zitat von KARNAK im Beitrag #68
Was die benannte operative Arbeit angeht,ich habe versucht die damalige andere Seite aufzuklären,"Abschöpfung des Reiseverkehrs" nannte sich das damals im Stasi-Jargon.


Kannst Du mal ein, zwei Beispiele nennen, was das gewesen sein könnte oder auf was ihr bei der Aufklärung Augenmerk gelegt habt?
Waren die Möglichkeiten da nicht sehr begrenzt?


Ich habe da vielleicht ein Beispiel grenzergold


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#79

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 17:04
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Das sind genau die Vordrucke die wir beschrieben haben,ich kann nur auf dem Tablet den Text nicht entziffern.Ich schaue später mal auf dem PC,vielleicht kann man es dort lesen,dann sage ich was dazu.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#80

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.05.2016 17:12
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Also ich möchte mal sagen--ich hatte nie was mir dem MfS zu tun gehabt. Und Angst und Schrecken haben die mich auch nie eingejagdt. Bei uns auf der Werft gab es im Verwaltungsgebäude ein Büro was sie hatten und das war kein Geheimnis--stand ja ein Schild an der Tür. Das hat kein Kollege für voll und wahr genommen-man hatte ja mit seiner eigenen Arbeit genug zu tun. Genauso war es, wenn man als Jugendlicher aus der Disco kam und zum Bahnhof musste--wir mussten dann immer am Hauptgebäude der Stasi dran vorbei. Draußen standen Nachts zwei Posten-die wir hin und wieder mal belegten--in der Form--Wie viel Tage haste denn noch--Da hat uns keiner angehalten und verfolgt. Sicher haben die meisten Bewohner der DDR gewusst das es dieses Organ gab, aber ich nehme mal an,nur die wenigsten haben sich Gedanken drüber gemacht: Wenn mir heute,jemand erzählen will das es nur das Böse war und dann noch jemand der kaum in der DDR gelebt hat oder überhaupt nicht. Dann kann ich beruhigt sagen,das gleiche,was Abteilungen des MfS getan haben--tat und tut der BND und der Verfassungsschutz heute auch. Und wenn nicht, könnte man sich viel Steuergelder sparen.


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