#381

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.05.2016 22:10
von Hapedi | 1.877 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #380
Zitat von Signalobermaat im Beitrag #377
Schade, daß man eine offene Grenze nicht mal üben konnte und dann wie beim PC Knopf drücken und vorherige Situation wieder herstellen.
Spaß bei seite.Viele wären schon aus Neugier erst einmal rüber, vor allem hätten uns die Hoch und Fachschulabsolventen gefehlt, der Westen hätte sie alle mit Kußhand genommen,ob er sie gebraucht hätte oder nicht, schon um der DDR zu schaden.Viele Bundesbürger wären arbeitslos geworden, weil gut ausgebildete DDR Leute für billgeres Geld gearbeitet hätten, nur um nicht arbeitslos zu werden.Die Geheimdienste hätten ein riesiges Potential für Agenten gehabt, die sie zurückgeschickt hätten, als 5. Kolonne.Analog zur Situation vor 1961, wo viele Erstzuzüge und Rückkehrer vorher angeworben wurden.
Wir hätten uns nen Wolf gelaufen und hätten es trotzdem nicht in Griff bekommen.
Es hatte ja seinen Grund, die Grenzen 1961 erst einmal zu schließen.Um sie wieder zu öffnen hätte es langfristig ein paar Veränderungen in Ökonomie und Gesellschaft geben müssen u.a.das GG nicht auf die DDR auszudehnen und einiges mehr.
Ich denke mal, daß es darüber schon in oberen Kreisen Diskussionen gab, aber man kam zu keinem vernünftigem Kompromiß.
Soweit mir bekannt, soll Mielke schon ein recht akzeptables Reisegesetz zur Diskussion gestellt haben, was abgelehnt wurde.
Mich hätte wirklich mal interessiert, wie das über Nacht ab10.11.89 in Kraft getretene Reisegesetz in der DDR Perspektive gelaufen wäre,ohne
die DDR aufzugeben.Sicherlich nur mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und der planmäßigen Wiedervereinigung und mit Kompromissen für beide Seiten.



Diese Gedanken hätte ich von Dir nicht vermutet



Das war doch jetzt ironisch gemeint , Thomas

gruß hapedi



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#382

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 06:16
von damals wars | 12.149 Beiträge

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#383

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 12:58
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #334
Hallo @Josef,

bei deinem Einstieg dachte ich, ein interessierter junger Mann, dem man aufrichtig seine Fragen beantworten sollte.. Nun artet das ganze aber nach meiner Meinung in ein verhörartiges, provokantes einseitiges Fragespiel aus!
Warum schilderst du nicht mal die Einflüsse, die dich und deine Auffassungen geprägt haben? Welche Gedanken sind in deinem Freundes- und Familienkreis zu vergangenen bzw. aktuellen politischen Ereignissen vorhanden?
Wie überall ist es auch im Forum immer „Ein Geben und Nehmen“.
Ich bin eigentlich sehr überrascht, dass bei deinen doch teilweise provokanten Fragestellungen,
sehr offene und ehrliche Antworten gegeben wurden!
MfG

GKUS64



Ich habe Fragen gestellt, kein Verhör unternommen.

Natürlich ist mir die Vorstellungswelt des MfS fremd und wird es vermutlich bleiben, wahrscheinlich ebenso wie Euch meine Haltung fremd erscheint. Hinzu kommt, dass ich einer andern Generation angehöre. Dennoch möchte ich darum bitten, mir nichts zu unterstellen, sondern mich gleichfalls zu fragen, falls es Unklarheiten gibt. Irgendwo hat jemand nach meinem Geburtsdatum gefragt. Das möchte ich nicht angeben. Als Zeitrahmen irgendwo zwischen 1980 und 1985. Genügt das?

Zu meinen Auffassungen und Prägungen: Ich bin als Arbeiterkind geboren und habe erlebt, wie man dafür im BRD-Bildungssystem auch in den 90er Jahren gebremst wurde. Die Anwalts- und Arztkinder wurden nicht einmal gemustert, ich wurde noch eingezogen. Ich habe mich durch das System geboxt, Abi und Studium gemacht, trotz der Hürden, die sich hier nicht alle beschreiben lassen, es wiche auch völlig vom Thema ab.

Aufgrund meiner Erlebnisse habe mich mich bis vor einigen Jahren politisch engagiert, bei den Sozialdemokraten, war dann aber vom neoliberalen Kurs enttäuscht und habe diese Partei verlassen. Dann die Erfahrungen der letzten Jahre, ich bin von den Sozis aus nach links gedriftet, aber damit kein "Salonsozialist" geworden, wie hier im Forum unterstellt, und auch kein "Sponti" oder Ähnliches. Ich bin bis jetzt nicht wieder in irgendeine Partei eingetreten und habe es auch nicht vor.

Ich habe mich ein wenig an der DDR orientiert, ihre Geschichte hobbymäßig gelesen (nein, die von Passport empfohlenen MfS-Bücher habe ich noch immer nicht ganz gelesen, kann ich nicht, da finde ich selbst die Honecker-Memoiren angenehmer). Mir ist klar geworden, dass natürlich nicht alles gut war, aber auch nicht alles schlecht.

Meine Freunde? Wählen AfD ! Meistenteils, zumeist die Männer, auch nicht alle, manche wählen auch "grün" - die Frauen. Sozialisten in meinem Alter gibt es kaum. Die DDR kennt keiner. Ok, einer kennt sie noch, als Kleinkind, er lehnt sie aber vehementest ab und ich denke, wählt auch AfD. Es befinden sich in meinem Freundeskreis viele typische AfDler: Gut ausgebildete junge Männer, die kaum einen Fuß in die Tür kriegen beruflich, und auch nicht in den Statistiken auftauchen, weil sie sich entweder endlos weiterbilden oder in diversen Jobs durchhangeln, die aber nicht ihrem Bildungsstand entsprechen, so wie ich es auch mache.

Auch wenn es heißt: Allen geht es gut, stimmt das nicht ! In meiner Generation geht es genau denen gut, die einen Betrieb vom Vater geerbt haben oder die einen Vater auf höherem Posten haben, der sie da reingebracht hat. In einem Fall auch die Mutter. Die anderen spielen die "Gesichtswahrer" und lächeln. Aber gut geht es nur wenigen, es gibt kaum Kinder (im Osten sieht es anders aus, die kriegen auch in prekärer Situation noch mal ein Kind), es gibt kaum eigenen Wohnraum - im Sinne von Eigentumswohung/Haus etc. Wenn ich vergleiche, was ich mit Anfang 30 habe und erreichen kann und dazu im Vergleich meine Eltern, die die fetten 70er und 80er in der BRD "mitgenommen" haben, falle ich schwer ab, obwohl ich mehr gelernt und gemacht habe...

Hier wurde auch mal das Thema Rente thematisiert: Ich weiß nicht, ob ich bis 70 oder 75 arbeiten muss, und ob es dann dafür eine Rente noch gibt. Privat vorsorgen kann ich nicht groß, wie auch. Ich will das aber jetzt auch nicht zerpflückt bekommen oder 1000 Tipps bekommen, mach so, mach so ; es ist eine Info, fürs "Geben und Nehmen". Damit ihr mich einschätzen könnt. Ich bin kein Journalist, der hier MfSler verhört, um irgendwas daraus zu stricken, sowas interessiert mich nicht. Ich bin hier nur zum Privatvergnügen.


zuletzt bearbeitet 17.05.2016 13:15 | nach oben springen

#384

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 13:31
von Ebro | 565 Beiträge

Na, ist doch mal ein Beitrag!



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#385

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 14:19
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

Hallo @Josef,

jetzt habe ich mich wirklich echt gefreut (über deinen ausführlichen und aufrichtigen Beitrag) und bin auch etwas kleinlaut geworden. Also meinen ersten guten Eindruck hast du jetzt bestätigt und ich nehme auch meine Falscheinschätzung zurück. Mein Beitrag war ja auch etwas provokant. Stelle weiter Fragen, die dich interessieren, nur so kommt es zu einer immer besseren Verständigung. Die ersten "Wessis", denen man kurz nach der Wende begegnete stellten wenig Fragen, sie behaupteten einfach Dinge, das ergab natürlich Verärgerung.

Mach weiter so Josef, vielleicht trinken wir mal ein Bier zusammen!

MfG

GKUS64


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#386

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 16:01
von Ebro | 565 Beiträge

Gut, werde ich mal etwas weiter meinen Werdegang beleuchten.
Ich wurde vom stellv. Leiter meiner neuen Kreisdienstelle nach der Verpflichtung und Ernennung von der Bezirksverwaltung abgeholt. Hatte schon etwas Bammel, als ich dann dort aufschlug. Wurde den anderen Mitarbeitern dann offiziell vorgestellt und einem Referat zugeteilt. In diesem Referat waren MA, die sich um die Volkswirtschaft, (Linie XVIII), des Verkehrs ( XIX) und der Ermittlung (VIII) kümmerten.
Mein Dienstzimmer teilte ich mit zwei anderen MA, zuerst war ausgiebiges DV-Studium angesagt.
Ich wurde wohltuend behutsam behandelt, begleitete die anderen MA des Referates häufig als Fahrer, um auch das neue Territorium kennenzulernen. Nach einigen Tagen wurde ich dann in dem Betrieb, den ich später eigenverantwortlich zu betreuen hatte, in der Kaderabteilung, beim Parteisekretär und Betriebsdirektor offiziell vorgestellt.
Nach und nach übergab mir der bisherige verantwortliche MA seine IM, d.h er nahm mich zu Treff`s mit und machte uns bekannt. Desgleichen geschah bei den Inhabern von konspirativen Wohnungen.
Auch wurde ich mit vorhandenen Materialien (op. Personenkontrolle, laufende Überprüfungen usw.) bekannt gemacht, die "meinen" Betrieb betrafen.
Ein Tag war zum Lernen der Speicherüberprüfungen, ein Tag Mitarbeit im Keller (VSH-Speicher der Kreisdienststelle), ein Tag in der Meldestelle der VP.
War ja alles neu und ungeheuer interessant und so verliefen die ersten Wochen recht rasant.



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#387

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 16:17
von Sperrbrecher | 1.655 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #383
Ich habe mich ein wenig an der DDR orientiert, ihre Geschichte hobbymäßig gelesen.
Mir ist klar geworden, dass natürlich nicht alles gut war, aber auch nicht alles schlecht.

Auch wenn es heißt: Allen geht es gut, stimmt das nicht !

Du hast aber nie selbst dort gelebt und das dortige Leben "genießen" können.

Als ich ungefähr in Deinem jetzigen Alter war, habe ich die DDR illegal verlassen.
Nicht spontan, sondern nach jahrelanger Vorbereitung und Planung. Wahrscheinlich auch deshalb war ich
erfolgreich. Ich habe seitdem nicht eine Minute meinen Schritt bereut. Auch wenn das Leben hier im Westen
nicht immer einfach war. Es war doch tausendmal besser, als in der DDR.

Ich konnte essen und trinken was mir schmeckte, lesen was mich interessierte, gehen/reisen wohin ich wollte und
sagen was ich dachte. Wenn es morgens um 6 Uhr klingelte, dann wusste ich, dass es höchsten der Telegrammbote sein konnte.

Durch glückliche Umstände wurde ich bereits drei Jahre nach meiner Flucht amnestiert. Der Haftbefehl wurde
aufgehoben und ich konnte wieder in meine Heimat reisen. Es war erschreckend erneut zu sehen, unter welchen
Umständen ich dort gelebt hatte und die Leute dort weiterhin leben mussten. Viele der unangenehmen Erinnerungen
hatte ich vergessen (oder wahrscheinlich nur verdrängt, wenn mich das Heimweh nach Dresden plagte).

Erst durch meine häufigen Besuche in der DDR wurde mir so richtig klar, welchen Gewinn ich damit gemacht hatte,
nunmehr in einem freien Lande, der Bundesrepublik, leben zu dürfen.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


Hapedi und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#388

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 16:25
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #387
Zitat von Josef im Beitrag #383
Ich habe mich ein wenig an der DDR orientiert, ihre Geschichte hobbymäßig gelesen.
Mir ist klar geworden, dass natürlich nicht alles gut war, aber auch nicht alles schlecht.

Auch wenn es heißt: Allen geht es gut, stimmt das nicht !

Du hast aber nie selbst dort gelebt und das dortige Leben "genießen" können.

Als ich ungefähr in Deinem jetzigen Alter war, habe ich die DDR illegal verlassen.
Nicht spontan, sondern nach jahrelanger Vorbereitung und Planung. Wahrscheinlich auch deshalb war ich
erfolgreich. Ich habe seitdem nicht eine Minute meinen Schritt bereut. Auch wenn das Leben hier im Westen
nicht immer einfach war. Es war doch tausendmal besser, als in der DDR.

Ich konnte essen und trinken was mir schmeckte, lesen was mich interessierte, gehen/reisen wohin ich wollte und
sagen was ich dachte. Wenn es morgens um 6 Uhr klingelte, dann wusste ich, dass es höchsten der Telegrammbote sein konnte.

Durch glückliche Umstände wurde ich bereits drei Jahre nach meiner Flucht amnestiert. Der Haftbefehl wurde
aufgehoben und ich konnte wieder in meine Heimat reisen. Es war erschreckend erneut zu sehen, unter welchen
Umständen ich dort gelebt hatte und die Leute dort weiterhin leben mussten. Viele der unangenehmen Erinnerungen
hatte ich vergessen (oder wahrscheinlich nur verdrängt, wenn mich das Heimweh nach Dresden plagte).

Erst durch meine häufigen Besuche in der DDR wurde mir so richtig klar, welchen Gewinn ich damit gemacht hatte,
nunmehr in einem freien Lande, der Bundesrepublik, leben zu dürfen.





danke für diese Beschreibung : bis auf die Zeit von der Flucht bis zur Amnestie ( bei mir statt 3, 7 1/2 Jahre "Wartezeit ) könnte dieser Post aus meinem Erfahrungsschatz sein. Nicht eine Sekunde bereute ich es, in den Westen meines Heimatlandes gegangen zu sein, die Bestätigung dafür bekam ich bei meinen Reisen nach Thüringen jedesmal erneut, wenn ich hinter Wartha die Grenzlinie passiert hatte bei der Ausreise,es war ein absolut geiles Gefühl diese Linie als freier Mann überschreiten zu dürfen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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Geld ist geprägte Freiheit!
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zuletzt bearbeitet 17.05.2016 16:26 | nach oben springen

#389

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 16:46
von damals wars | 12.149 Beiträge

Ich gehe mal davon aus, das Josef es nicht bereut, in Bayern zu leben.

Tränen aufwisch, weiter im Thema, oder ist jemand im Auftrag des MfS...?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
02_24 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#390

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 16:53
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #387
Zitat von Josef im Beitrag #383
Ich habe mich ein wenig an der DDR orientiert, ihre Geschichte hobbymäßig gelesen.
Mir ist klar geworden, dass natürlich nicht alles gut war, aber auch nicht alles schlecht.

Auch wenn es heißt: Allen geht es gut, stimmt das nicht !

Du hast aber nie selbst dort gelebt und das dortige Leben "genießen" können.

Als ich ungefähr in Deinem jetzigen Alter war, habe ich die DDR illegal verlassen.
Nicht spontan, sondern nach jahrelanger Vorbereitung und Planung. Wahrscheinlich auch deshalb war ich
erfolgreich. Ich habe seitdem nicht eine Minute meinen Schritt bereut. Auch wenn das Leben hier im Westen
nicht immer einfach war. Es war doch tausendmal besser, als in der DDR.

Ich konnte essen und trinken was mir schmeckte, lesen was mich interessierte, gehen/reisen wohin ich wollte und
sagen was ich dachte. Wenn es morgens um 6 Uhr klingelte, dann wusste ich, dass es höchsten der Telegrammbote sein konnte.

Durch glückliche Umstände wurde ich bereits drei Jahre nach meiner Flucht amnestiert. Der Haftbefehl wurde
aufgehoben und ich konnte wieder in meine Heimat reisen. Es war erschreckend erneut zu sehen, unter welchen
Umständen ich dort gelebt hatte und die Leute dort weiterhin leben mussten. Viele der unangenehmen Erinnerungen
hatte ich vergessen (oder wahrscheinlich nur verdrängt, wenn mich das Heimweh nach Dresden plagte).

Erst durch meine häufigen Besuche in der DDR wurde mir so richtig klar, welchen Gewinn ich damit gemacht hatte,
nunmehr in einem freien Lande, der Bundesrepublik, leben zu dürfen.





Du vergleichst die DDR mit der a l t e n BRD, dieser Vergleich hinkt in meinen Augen. Heute klingelt um sechs in der Früh kein Telegrammbote (der ist schon lange wegrationalisiert), auch kein Postbote, der kommt vielleicht abends um sechs, weil er seine horrende Tour nicht geschafft hat, oder das Päckchen liegt bei den Nachbarn oder vor der Türe. Noch schlechter geht es den Hermesfahrern, die mit ihren armseligen Privat-PKW zu einem Hungerlohn kommen müssen. Was glaubst Du, wohin ein solcher Bote reisen kann?

Ich kann heute auch nicht munter durch die Gegend reisen, mit welchem Geld denn, und äußern darf man sich mit meiner Meinung auch nicht, das hat Konsequenzen zur Folge, nicht so schlimm wie bei dem bewussten MfSler, der nach BaWü geladen wurde, weil ein Chef einen Stasimann sehen und vertreiben wollte, aber in diese Richtung geht es und die kenne ich sehr gut. Früher musste ich in gewissen Zirkeln meine Herkunft verschweigen. Wenn ich es nicht tat, hatte es unangenehme Folgen. Sowas prägt. Man hält seinen Mund. Die Lektion will man nicht mehrfach kriegen.

Bananen darf ich essen, nur sie schmecken mir nicht. Ich verzichte freiwillig auf diese Produkte, die unreif hierher kommen und mit einem chemischen Sprüh auf reif gebracht werden. Ich verzichte auf die, ohne öko zu sein, weil die Leute, die sie anbauen, nichts dafür kriegen und das ganze unter Bedingungen passiert, da kaufe ich mir lieber vom Bauer hier vor Ort einen Sack Kartoffeln aus sauberer Erde, ohne Gentechnik und der Bauer hat was für sein Geld und die Fuhre wurde nicht um die halbe Welt gekarrt. So unterscheiden sich die Werte und Vorstellungen.


damals wars, bürger der ddr, SCORN und SET800 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#391

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 17:36
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #390
[quote=Sperrbrecher|p543188][quote=Josef|p543166]I

Du vergleichst die DDR mit der a l t e n BRD, dieser Vergleich hinkt in meinen Augen. Heute klingelt um sechs in der Früh kein Telegrammbote (der ist schon lange wegrationalisiert), auch kein Postbote, der kommt vielleicht abends um sechs, weil er seine horrende Tour nicht geschafft hat, oder das Päckchen liegt bei den Nachbarn oder vor der Türe. Noch schlechter geht es den Hermesfahrern, die mit ihren armseligen Privat-PKW zu einem Hungerlohn kommen müssen. Was glaubst Du, wohin ein solcher Bote reisen kann?





Im Prinzip hat die Stasi die Sozialpartnerschaft in der BRD flankiert, indem sie eine DDR mitgestaltet hat, in der es eben für alle reichen sollte.
Der große Unterschied und der große Denkfehler im Bezug auf den Brückenschlag in die Jetztzeit ist, daß diese neue Ordnung ihre häßliche kapitalistische Fratze nicht mehr schminken muß, da die ostdeutsche Drohkulisse weggefallen ist.
Man kann einfach nicht die Einzelsieger des marktwirtschaftliches Systems als repräsentativ hinstellen wenn es bei dessen Verlierern um Obdachlosigkeit, Berufsverbot und ein Leben unter dem Existenzminimum geht während die Verlierer des anderen Systems lediglich um die Nichterfüllung von Berufsträumen, Reise- und Konsumzielen trauern.
Das Konzept das die Stasi zu verteidigen hatte war ein aus heutiger Sicht modernes, intern seriös durchbilanziertes tragbares Modell in dem die breitestmögliche Einbeziehung der Bevölkerung in Wertschöpfung und Verteilung das oberste Ziel war.
Die Staatsgründer der DDR hatten Krieg und Hunger persönlich erfahren, kannten die Chronologie des innerstaatlichen Terrors und die darauf folgenden Katastrophen im Gegensatz zu uns nicht nur aus der Zeitung, die mußten genauso rangehen wie sie rangegangen sind, gaben ihre Erfahrungen weiter und oft sind Stasikader bloß Staffelläufer dieser Garde gewesen, die aus dem Widerstand im 3. Reich kamen.
Wie es ohne Drohkulisse läuft haben uns die Hartzreformen gezeigt, da gab es die Linke nur als Regionalmacht und alle nachfolgenden Reparaturmaßnahmen dieses Unrechtsaktes wären ohne die nicht zustandegekommen genausowenig wie es vor 40 Jahren eine derartige Partizipation am Wirtschaftswunder gegeben hätte wenn es den Leunawerker mit seiner kostenlosen Kinderbetreuung, den billigen Ferienplatz und die fast kostenlose Wohnung nicht gegeben hätte.
Mögen unsere anhaltend fluchtbegeisterten Mitforisten darüber schwärmen wie sie wollen, die Gescheiterten dieser Epoche sind leise und bleiben im Hintergrund, es steht aber fest daß jenes Scheitern auf einem dramatischeren Niveau als das in der DDR stattgefunden hat.
Mag man darüber ermessen wie man will, die Spielregeln im Arbeiter- und Bauernstaat waren ehrlicher, verständlicher, konsequenter und gerechter als jene die Showmaster Adenauer Tag für Tag neu aufstellte und notfalls auch mit dem Teufel paktierte, wenn es einen kurzfristigen Profit brachte.
Wer weiß ob es ohne so jemanden überhaupt eine RAF gegeben hätte, es war eben drüben genausowenig demokratisch wie hier und wenn man wirklich alles beleuchtet, kommt man von alleine drauf.
Der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte angesichts solcher Nachbarn eine klare Existenzberechtigung.



Josef, 02_24, vs1400, damals wars und SET800 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#392

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.05.2016 22:23
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Zitat von Hapedi im Beitrag #381
Zitat von thomas 48 im Beitrag #380
Zitat von Signalobermaat im Beitrag #377
Schade, daß man eine offene Grenze nicht mal üben konnte und dann wie beim PC Knopf drücken und vorherige Situation wieder herstellen.
Spaß bei seite.Viele wären schon aus Neugier erst einmal rüber, vor allem hätten uns die Hoch und Fachschulabsolventen gefehlt, der Westen hätte sie alle mit Kußhand genommen,ob er sie gebraucht hätte oder nicht, schon um der DDR zu schaden.Viele Bundesbürger wären arbeitslos geworden, weil gut ausgebildete DDR Leute für billgeres Geld gearbeitet hätten, nur um nicht arbeitslos zu werden.Die Geheimdienste hätten ein riesiges Potential für Agenten gehabt, die sie zurückgeschickt hätten, als 5. Kolonne.Analog zur Situation vor 1961, wo viele Erstzuzüge und Rückkehrer vorher angeworben wurden.
Wir hätten uns nen Wolf gelaufen und hätten es trotzdem nicht in Griff bekommen.
Es hatte ja seinen Grund, die Grenzen 1961 erst einmal zu schließen.Um sie wieder zu öffnen hätte es langfristig ein paar Veränderungen in Ökonomie und Gesellschaft geben müssen u.a.das GG nicht auf die DDR auszudehnen und einiges mehr.
Ich denke mal, daß es darüber schon in oberen Kreisen Diskussionen gab, aber man kam zu keinem vernünftigem Kompromiß.
Soweit mir bekannt, soll Mielke schon ein recht akzeptables Reisegesetz zur Diskussion gestellt haben, was abgelehnt wurde.
Mich hätte wirklich mal interessiert, wie das über Nacht ab10.11.89 in Kraft getretene Reisegesetz in der DDR Perspektive gelaufen wäre,ohne
die DDR aufzugeben.Sicherlich nur mit gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen und der planmäßigen Wiedervereinigung und mit Kompromissen für beide Seiten.



Diese Gedanken hätte ich von Dir nicht vermutet



Das war doch jetzt ironisch gemeint , Thomas

gruß hapedi


Nein, war nicht ironisch gemeint.
Bin mit seiner Meinung einverstanden, dachte immer er ist ein alter Genosse, der vom normalen Leben der einfachen DDR Menschen nicht viel wusste (ist kein Vorwurf).
Die Bürger wollten gar nicht in den Westen, sie wollten hier in der Heimat was NEUES aufbauen, dann später wegen den Genossen Krenz sahen sie, hat alles keinen Zweck.


Hanum83 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#393

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 00:13
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Josef im Beitrag #383

[...]

Hier wurde auch mal das Thema Rente thematisiert: Ich weiß nicht, ob ich bis 70 oder 75 arbeiten muss, und ob es dann dafür eine Rente noch gibt. Privat vorsorgen kann ich nicht groß, wie auch.

[..]




Wie sagte Herr Lehmann so schön: "...da scheißt der Hund drauf". Und Janis Joplin war der Meinung: "Lebe kurz aber heftig". Irgendwo dazwischen müsste die Wahrheit für die Kommenden liegenden, statt zu hoffen, dass die kompostierten Konsumdenker von heute noch ein paar Krümel übrig lassen.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 18.05.2016 00:16 | nach oben springen

#394

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 09:31
von Josef | 631 Beiträge

Zitat von Kalubke im Beitrag #393
Zitat von Josef im Beitrag #383

[...]

Hier wurde auch mal das Thema Rente thematisiert: Ich weiß nicht, ob ich bis 70 oder 75 arbeiten muss, und ob es dann dafür eine Rente noch gibt. Privat vorsorgen kann ich nicht groß, wie auch.

[..]




Wie sagte Herr Lehmann so schön: "...da scheißt der Hund drauf". Und Janis Joplin war der Meinung: "Lebe kurz aber heftig". Irgendwo dazwischen müsste die Wahrheit für die Kommenden liegenden, statt zu hoffen, dass die kompostierten Konsumdenker von heute noch ein paar Krümel übrig lassen.

Gruß Kalubke



Auf genau dem Trip sind einige meiner Altersgenossen. Das ist der eine Teil, der andere Teil ist bieder, konservativ und angepasst = die "ich bin ganz ohne eigene Meinung"-Leute.


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.05.2016 09:34 | nach oben springen

#395

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 10:04
von sentry | 1.091 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #391

Man kann einfach nicht die Einzelsieger des marktwirtschaftliches Systems als repräsentativ hinstellen wenn es bei dessen Verlierern um Obdachlosigkeit, Berufsverbot und ein Leben unter dem Existenzminimum geht während die Verlierer des anderen Systems lediglich um die Nichterfüllung von Berufsträumen, Reise- und Konsumzielen trauern.
Das Konzept das die Stasi zu verteidigen hatte war ein aus heutiger Sicht modernes, intern seriös durchbilanziertes tragbares Modell in dem die breitestmögliche Einbeziehung der Bevölkerung in Wertschöpfung und Verteilung das oberste Ziel war.


Tut mir leid, aber das klingt ein Vierteljahrhundert nach Ende der DDR immer noch nach irgend etwas zwischen Stabü 8. Klasse, Politunterricht und Karl Eduard.
Mit realistischer Einschätzung der Situation in der DDR und heute hat das nichts zu tun.


80er und Waldmeister haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#396

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 11:00
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #395
Zitat von Hackel39 im Beitrag #391

Man kann einfach nicht die Einzelsieger des marktwirtschaftliches Systems als repräsentativ hinstellen wenn es bei dessen Verlierern um Obdachlosigkeit, Berufsverbot und ein Leben unter dem Existenzminimum geht während die Verlierer des anderen Systems lediglich um die Nichterfüllung von Berufsträumen, Reise- und Konsumzielen trauern.
Das Konzept das die Stasi zu verteidigen hatte war ein aus heutiger Sicht modernes, intern seriös durchbilanziertes tragbares Modell in dem die breitestmögliche Einbeziehung der Bevölkerung in Wertschöpfung und Verteilung das oberste Ziel war.


Tut mir leid, aber das klingt ein Vierteljahrhundert nach Ende der DDR immer noch nach irgend etwas zwischen Stabü 8. Klasse, Politunterricht und Karl Eduard.
Mit realistischer Einschätzung der Situation in der DDR und heute hat das nichts zu tun.




Schnitzler hatte nun mal Recht mit seinen Kapitalismusanalysen, zumal er in Nachwendeinterviews auch dessen wirtschaftliche Überlegenheit eingestand, verkehrt war nur die Schlußfolgerung, daß das Proletariat allein zur Diktatur berechtigt und qualifiziert sein soll.
Die Wahrheiten zum System sind geblieben und diese Wahrheiten sind älter als die Laufzeit des sozialistischen Experiments.
Was heißt eigentlich durchbilanziert ?
Nun wir hatten ja damals bekanntlich die Umweltgruppen, die Fotos vom Silbersee bei Wolfen, die Dreckschleudern von Buna und Bitterfeld oder was auch immer den westlichen Journaillen zukommen ließen, damit sie es als Modul für ihr antisozialistisches Feindbild verbauen mögen.
Das klappt ja auch bis in die heutige Zeit, da ist die Propaganda plötzlich nicht mehr ausgeleiert.
Der große Denkfehler daran ist, daß auch die kapitalistische Großchemie ohne jene Dreckschleudern nicht ausgekommen ist und die nur nach Bhopal, Kalkutta oder Mexiko verlagert hat um die bis dahin nur zu einem unvermeidbar exorbitanten Umweltopfer weiterzubetreiben (auch in Buna ist das passiert), somit ist die Sache nicht aus der Welt sondern nur aus der Wahrnehmung der Profiteure geschafft worden.
Und wenn sich jene Profiteure daraus eine Überlegenheit basteln, so sollen sie das tun, wir hatte diese Probleme vor der Haustür und die Stasi mußte sich halt um diese instrumentalisierten Umweltaktivisten kümmern, die es eigentlich auch besser wußten, welchen Preis Wohlstand und Fortschritt in der zivilisierten Welt hat.
Hier war eine Gratwanderung zu meistern, die man mit Geduld, offener Kommunikation und einer gnadenlos ehrlichen Ansage der Randbedingungen auch geschafft hätte, dorthin war man ja zwischenzeitlich auch unterwegs für eine kurze Zeit zwischen Stasi und Finanzdiktatur.
So wie sie war, würde auch ich die DDR nicht zurück haben wollen, der Reparaturstau des Heimatsystems war allerdings im Frühjahr 1990 vor der letzten Weiche geringer als der den wir heute haben und nochmal- es muß für alle reichen, da nützt auch der privat geschaffte Quantensprung des Besitzstandes nichts, weil er alles andere als repräsentativ und erst recht nicht vorbildlich ist, wenn man das Preisschild dazu betrachtet.



Josef hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.05.2016 12:27 | nach oben springen

#397

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 11:10
von sentry | 1.091 Beiträge

Nur weiter...liest sich großartig, wenn es auch mehr über Dich als über bestehende und vergangene System im deutschsprachigen Raum aussagt.

P.S: Und was heißt nun eigentlich durchbilanziert?


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#398

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 11:17
von Moskwitschka | 2.529 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #396

Und wenn sich jene Profiteure daraus eine Überlegenheit basteln, so sollen sie das tun, wir hatte diese Probleme vor der Haustür und die Stasi mußte sich halt um diese instrumentalisierten Umweltaktivisten kümmern, die es eigentlich auch besser wußten, welchen Preis Wohlstand und Fortschritt in der zivilisierten Welt hat.



Hier mal ein Beitrag von einem ehemaligen Mitarbeiter des MfS, der die instrumentalisierten Umweltaktivisten ernst nahm:

Zitat von Gast im Beitrag RE: Braunkohleveredelungskombinat Schwarze Pumpe - damals und heute
Es gab aktive Umweltgruppen, die sich auch in der Martin-Luther-King-Kirche in Hoyerswerda zusammenfanden und mit Spruchbändern und Plakaten ihre Forderungen erhoben. Man war aber mit ihnen im Gespräch und legte ihnen auch die Gründe und Ursachen auf den Tisch, warum diese oder jene Maßnahme noch nicht realisiert wurde.
Ich hatte in dieser Richtung auch die sogenannte A.._karte gezogen, denn ich war dazu auserkoren worden, mit diesen Aktivisten nicht nur den Kontakt zu halten, sondern auch ihre Petitionen entgegen zu nehmen. Ich fertigte daraufhin einen sogenannten Forderungskatalog an, dessen Abarbeitungsstand dann Gegenstand der Aussprachen war. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, wonach aus dieser Gruppe jemand verhaftet wurde. Ausreiseanträge ja, die gab es auch innerhalb dieser Gruppierungen, wobei ich manchmal mich des Eindruckes nicht erwehren konnte, dass der Umweltschutz bei diesen Leuten nur ein Vorwand war, um die Republik zu verlassen.
Diejenigen, denen der Umweltschutz wirklich ein Bedürfnis war, mit diesen Leuten konnte man auch reden, es waren oftmals auch wissenschaftlich-technische Kader, die wußten, wovon sie sprachen und was sie einforderten.
In anderen Standorten gab es ganz andere Situationen. Wenn ich an Espenhain und die Gruppe um den Umweltpfarrer denke. Die Forderungen waren berechtigt und die Betriebsführung, wie auch die Parteiorganisation war dieser Auseinandersetzung auch nicht gewachsen. Hinzu kam, dass die örtlichen Diensteinheiten des MfS mit ihrer Vorgehensweise, die Konfrontation mit und den Widerspruch in der Bevölkerung regelrecht herausforderten. Da habe ich auch von Übergriffen, Ausschreitungen und Verhaftungen gehört.
Ich betone es noch einmal an dieser Stelle, die Forderungen der Anwohner waren berechtigt - wir waren aber nicht in der Lage diese Probleme kurzfristig zu lösen. Und letztendlich ist es auch eine Frage, wie gehen ich mit diesen Menschen um. Bin ich bereit einen Konsenz zu finden oder schlage ich in meiner Ohnmächtigkeit wie verwundetes Tier um mich.
Es ist schon so wie @werner, @andy und auch andere Mitstreiter es schrieben, es waren Menschen die mit ihren Stärken aber auch Menschen mit ihren charakterlichen Schwächen, die in unseren Reihen ihren Dienst versahen.

Vierkrug


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#399

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 11:26
von Kalubke | 2.296 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #391


[...]
Mag man darüber ermessen wie man will, die Spielregeln im Arbeiter- und Bauernstaat waren ehrlicher, verständlicher, konsequenter und gerechter als jene die Showmaster Adenauer Tag für Tag neu aufstellte und notfalls auch mit dem Teufel paktierte, wenn es einen kurzfristigen Profit brachte.
Wer weiß ob es ohne so jemanden überhaupt eine RAF gegeben hätte, es war eben drüben genausowenig demokratisch wie hier und wenn man wirklich alles beleuchtet, kommt man von alleine drauf.
Der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte angesichts solcher Nachbarn eine klare Existenzberechtigung.



Nicht nur wegen der Nachbarn. Mit den eigenen Leuten hatte man sich auch beschäftigt.

Gruß Kalubke



zuletzt bearbeitet 18.05.2016 23:38 | nach oben springen

#400

RE: MfS Inland - Fragen zum persönlichen Erleben

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 18.05.2016 11:49
von 80er | 569 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #396
[...] ... um diese instrumentalisierten Umweltaktivisten kümmern, die es eigentlich auch besser wußten, welchen Preis Wohlstand und Fortschritt in der zivilisierten Welt hat. [...]


Glaubst du tatsächlich selber was du schreibst?


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