#101

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 06:22
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Wir hatten einen ständig besetzten Turm (BT11 alte Bauart) dort war der Sperrstreifen nur ca. 30 Meter breit, dort MUSSTE sogar vom Turm gefeuert werden, zu dem Zwecke war der Bereich auch nachts beleuchtet.
War der mulmigste Postenpunkt, hieß auch unter den Soldaten der 501-Turm weil du quasi dort als lebendige Mine sitzen musstest.
Bei Auslösung GSZ in dem Bereich sackte dir dort immer das Herz in die Hose.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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zuletzt bearbeitet 14.04.2016 06:32 | nach oben springen

#102

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 09:59
von bürger der ddr | 3.642 Beiträge

Auch wenn das jetzt OT ist, zu meiner Zeit durfte kein KFZ ohne Sicherung im Abschnitt bleiben. Aus diesem Grund mußten wir einen LKW der PIk (LKW war an einem Hang abgerutscht, war kurz vor der "Seitenrolle") mit einem anderen LKW mit Spill bergen.
Das Fahrzeug war aus eigener Kraft nicht zu bewegen und wenn dann unter Lebensgefahr. Den Befehlen mußte aber genüge getan werden und so wurde das Fahrzeug unter Einsatz zusätzlicher Sicherungskräfte in der Nacht geborgen und in einer Grenzkompanie abgestellt.

Damals wäre es manchmal wirklich leicht gewesen die "Fliege" zu machen. wir waren mit schwerer Technik an der Linie und der Sicherungszug hatte nicht immer ein gutes "Schußfeld". Die Minensperre war vor den Bauarbeiten geräumt worden. In der gesamten Zeit meines Grundwehrdienstes hat es nicht ein Vorkommnis in dieser Richtung gegeben. Ich habe es schon einmal erwähnt, der Sicherungszug kam immer aus einem anderen Grenzregiment um mögliche Absprachen oder ähnliches zu vermeiden.

Wie wäre das wohl gewesen wenn ein Soldat im Wehrdienst versucht hätte die Flucht durchzuziehen? Meist waren bei den Bauarbeiten auch der BGS auf der anderen Seite anwesend.
Könnt Ihr euch noch an diese Zeit erinnern, das war nach dem "Einigungsvertrag" als die Grenze an einigen Stellen verlegt worden ist? Wie war die Beobachtung von Seiten BGS?



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#103

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 16:34
von B208 | 1.352 Beiträge

Zitat S51 : Das Treffen an sich war da das kleinste Problem. Die Visierung zwar grob aber dafür eingerichtet. Das Ziel musste an der Kante des Kornes von der Seite aus der es kam ankommen, dann traf das Geschoss auch. Nur, wenn es soweit kam, dann war schon alles S... (etwas sehr braunes...). Das haben wir auf dem Stand geübt wie wir auch das Ziehen und Einsatzbereit machen geübt haben.

@S51 , das mit dem genauen Treffen ist doch Theorie .
Wenn die Aufregung den Puls an die 120 bringt , dann nützt Dir auch keine eingeschossene Flinte was , dann flattert die Mündung im Rhythmus des Herzschlages und diese Wackler von einem Millimeter , sind dann auf 100 Meter schon ein paar Grad daneben , gerade bei einer groben Visierung . Da ziehlst du auf die Beine , sicherlich auf laufende Beine , musst mitziehen , drückst ab , verreisst ein wenig und Bums . Wenn eine Waffe keinen technischen Mängel hat , dann schiesst sie immer genau Fleck , nur der Schütze muss wissen wo dieser ist . Und wenn ich lese , dass da auch schon mal mit dem Kolben auf den Pritschenboden des LO im Takt geklopft wird und man sicherlich im täglichen Gebrauch der Waffen auch mal gegen die Metalleiter des BT schlägt oder sonst irgendwo anhaut , dann ist die Waffe nicht mehr auf dem Punkt , den ich vom Schiessplatz her kenne . Wie von einigen beschrieben waren nach der Grundausbildung die Schiessplatzbesuche nicht sehr oft und die Waffen von der Ausbildung wurden doch sicherlich nicht mit in die GK genommen . Wenn ihr Eure neue Waffe in der GK empfangen habt , konntet ihr mit der Waffe dann einen Probeschuß machen , oder musstet Ihr einen Probeschuß machen ?

B208


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#104

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 16:52
von damals wars | 12.213 Beiträge

Probeschüsse gab es nicht, und die Waffe aus der Ausbildung blieb auch in Perleberg.
Einmal wurden die Waffen auf der Kompanie im Grenzregiment vom General überholt,
brüniert und schossen im nächsten Feldlager auch besser.
Also hatten sie doch, wie vermutet, unter der schlechten Behandlung gelitten.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#105

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 18:02
von EK 70 | 233 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #104
Probeschüsse gab es nicht, und die Waffe aus der Ausbildung blieb auch in Perleberg.
Einmal wurden die Waffen auf der Kompanie im Grenzregiment vom General überholt,
brüniert und schossen im nächsten Feldlager auch besser.

Also hatten sie doch, wie vermutet, unter der schlechten Behandlung gelitten.


Im GR wurden keine Waffen überholt....brüniert wir sind täglich mit ihr aufgezogen.

Feldlager gabs nur in der GAR. War das nach 1970 anders??



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#106

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 18:12
von damals wars | 12.213 Beiträge

Wahrscheinlich.
Ich werde das nicht vergessen, weil ich ab diesem Zeitpunkt regelmäßig eine "Eins" schoss.
Feldlager gab es einmal in halben Jahr.
Da war dann jedes mal ein Gruppengefechtsschießen dabei.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
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#107

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 18:17
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #103
Zitat S51 : Das Treffen an sich war da das kleinste Problem. Die Visierung zwar grob aber dafür eingerichtet. Das Ziel musste an der Kante des Kornes von der Seite aus der es kam ankommen, dann traf das Geschoss auch. Nur, wenn es soweit kam, dann war schon alles S... (etwas sehr braunes...). Das haben wir auf dem Stand geübt wie wir auch das Ziehen und Einsatzbereit machen geübt haben.

@S51 , das mit dem genauen Treffen ist doch Theorie .
Wenn die Aufregung den Puls an die 120 bringt , dann nützt Dir auch keine eingeschossene Flinte was , dann flattert die Mündung im Rhythmus des Herzschlages und diese Wackler von einem Millimeter , sind dann auf 100 Meter schon ein paar Grad daneben , gerade bei einer groben Visierung . Da ziehlst du auf die Beine , sicherlich auf laufende Beine , musst mitziehen , drückst ab , verreisst ein wenig und Bums . Wenn eine Waffe keinen technischen Mängel hat , dann schiesst sie immer genau Fleck , nur der Schütze muss wissen wo dieser ist . Und wenn ich lese , dass da auch schon mal mit dem Kolben auf den Pritschenboden des LO im Takt geklopft wird und man sicherlich im täglichen Gebrauch der Waffen auch mal gegen die Metalleiter des BT schlägt oder sonst irgendwo anhaut , dann ist die Waffe nicht mehr auf dem Punkt , den ich vom Schiessplatz her kenne . Wie von einigen beschrieben waren nach der Grundausbildung die Schiessplatzbesuche nicht sehr oft und die Waffen von der Ausbildung wurden doch sicherlich nicht mit in die GK genommen . Wenn ihr Eure neue Waffe in der GK empfangen habt , konntet ihr mit der Waffe dann einen Probeschuß machen , oder musstet Ihr einen Probeschuß machen ?

B208


Wir konnten und mussten beides nicht, denn das nächste Schießen stand erst 4 Monate später an. Also mal so gesehen, ich bin ende Oktober 74 aus der Ausbildung am Kanten gekommen. Das nächste Schießen auf dem Schießplatz,fand erst ende März Anfang April 75 statt.


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#108

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 14.04.2016 18:18
von mibau83 | 831 Beiträge

# 106, das war das halbjährliche schießen auf dem stüp über 2-3 tage, geschlafen wurde da in zelten. kann man glaube ich nicht vergleichen mit dem, wie es hier die grenzer von vor 1970 schreiben,feldlager in hintersee in vorpommern.


zuletzt bearbeitet 14.04.2016 18:20 | nach oben springen

#109

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2016 00:15
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #103
Zitat S51 : Das Treffen an sich war da das kleinste Problem. Die Visierung zwar grob aber dafür eingerichtet. Das Ziel musste an der Kante des Kornes von der Seite aus der es kam ankommen, dann traf das Geschoss auch. Nur, wenn es soweit kam, dann war schon alles S... (etwas sehr braunes...). Das haben wir auf dem Stand geübt wie wir auch das Ziehen und Einsatzbereit machen geübt haben.

@S51 , das mit dem genauen Treffen ist doch Theorie .
Wenn die Aufregung den Puls an die 120 bringt , dann nützt Dir auch keine eingeschossene Flinte was , dann flattert die Mündung im Rhythmus des Herzschlages und diese Wackler von einem Millimeter , sind dann auf 100 Meter schon ein paar Grad daneben , gerade bei einer groben Visierung . Da ziehlst du auf die Beine , sicherlich auf laufende Beine , musst mitziehen , drückst ab , verreisst ein wenig und Bums . Wenn eine Waffe keinen technischen Mängel hat , dann schiesst sie immer genau Fleck , nur der Schütze muss wissen wo dieser ist . Und wenn ich lese , dass da auch schon mal mit dem Kolben auf den Pritschenboden des LO im Takt geklopft wird und man sicherlich im täglichen Gebrauch der Waffen auch mal gegen die Metalleiter des BT schlägt oder sonst irgendwo anhaut , dann ist die Waffe nicht mehr auf dem Punkt , den ich vom Schiessplatz her kenne . Wie von einigen beschrieben waren nach der Grundausbildung die Schiessplatzbesuche nicht sehr oft und die Waffen von der Ausbildung wurden doch sicherlich nicht mit in die GK genommen . Wenn ihr Eure neue Waffe in der GK empfangen habt , konntet ihr mit der Waffe dann einen Probeschuß machen , oder musstet Ihr einen Probeschuß machen ?

B208


von nem 11'er auf der lo-pritsche zb., B208,
ging diese waffe nicht kaputt, es konnte sich jedoch ein schuss lösen, wegen ausgeschlagenen schlagbolzen. die 'älteren agt's' entfernten
daher das magazin, aus reiner vorsicht.
die meisten erkennbaren technischen mängel, gab es zu meiner zeit mit dem verbogenen korn.
ich war nur stellv. des waffen- uffz., hatte wohl eher kein auge, augenmerk dafür. doch 'mein' waffen- uffz. wurde ja dementsprechend ausgebildet.
doch und dass war ein wirkliches manko,
bei derartigen waffen, im grenzalltag genutzt, hätte es zb. auch eine verkürztere wartungspraxis geben müssen.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#110

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2016 07:42
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #103
...@S51 , das mit dem genauen Treffen ist doch Theorie .
... Wenn ihr Eure neue Waffe in der GK empfangen habt , konntet ihr mit der Waffe dann einen Probeschuß machen , oder musstet Ihr einen Probeschuß machen ?
...


Probeschuss? Beim Militär...?
Das gab es auch bei der Polizei nicht, bei GT schon gar nicht. Einmal im Jahr, meist im September wurden die Waffen ausgetauscht, neu brüniert und gewartet. Kamen nach einigen Tagen etwas aufgemöbelt zurück. Nach einer Neueinstellung gab es am Korn rechts eine mit einem Körner angebrachte Markierung, die anzeigte, wie die Waffe schoß. Je nachdem, wie der Schlag saß, so schoss die Waffe. Idealerweise aber selten mittig.
So richtig wichtig war dies "in der Denke" aber auch nicht. Ganz anders als bei der Jagd, bei Präzisionsschützen oder heutzutage nachträglich für die Grenztruppe erscheinen mag, war eine eingeschossene Waffe nur wichtig, wenn eine Übung geschossen werden musste. Und dann verließ man sich eher darauf von welcher man aus der Vergangenheit her wusste "das sie schoss". Die Bedeutung, die bei Sportschützen oder heutzutage dem präzisen Schuss beigemessen wurde, die hatte er damals nicht. Daran hat die Schützenschnur nichts geändert. Denn als die Übung noch mit 10 Schuß auf 200 Meter geschossen wurde, hat man ausgesuchte Waffen (meist nicht die "eigenen") benutzt und als die Übung dann mit vier oder fünf Schuss auf 150 Meter auf den laufenden Schützen (eine etwa mannshohe Scheibe) geschossen wurde, da war der Treffersitz auf die Scheibe für das Umklappen unwichtig. Die Bedeutung, die die Waffe und ihr präzises Treffen heutzutage für Außenstehende außerhalb von GT eben für die Grenztruppe hat, die hatte dies intern damals so gar nicht. Waffeneinsatz war das Allerletzte, etwas, was für die absolute Mehrzahl im Grenzdienst nie vorkam und wenn doch, dann schon irgendwie funktionieren würde... Der Ablauf war geübt, halbwegs geübt, auf die Technik musste man eben vertrauen. Die MPi war nur ein alltägliches Arbeitsgerät, das möglichst nicht allzusehr rosten und im Notfall funktionieren sollte. Die "Kugel" würde schon irgendwie treffen. Das reichte aus, um aufzuhalten. Wäre es zu militärischen Konfrontationen gekommen, dann hätte man sie im Einsatz "eingeschossen". Ähnlich wie bei der Roten Armee im II. WK mit den entsprechenden eigenen Verlusten. Über das, was man heutzutage und aus der Sicht von Außen auch schon damals mit den Grenztruppen verbindet, die Frage nach dem "Schuss auf den Grenzverletzer" hat man sich zumindest offiziell seinerzeit gar keine Gedanken gemacht. Das Leben war nach Möglichkeit zu schonen, es war nur die äußerste Maßnahme. Und so viele Gedanken man sich im Dienst auch während der endlosen, oft ereignislosen Stunden gemacht hat, die Treffsicherheit hätte man eh technisch kaum beeinflussen können.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#111

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2016 08:05
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von B208 im Beitrag #103
...@S51 , das mit dem genauen Treffen ist doch Theorie .
Wenn die Aufregung den Puls an die 120 bringt , dann nützt Dir auch keine eingeschossene Flinte was , ...


Einsatznahe Schießausbildung, wie sie auch erst in den 80/90-er Jahren bei Polizeien und viel später beim Militär vorkam, das gab es bei GT jedenfalls zu meiner Zeit kaum. Kaum, weil wir in der GAK-Schulung durchaus den Griff zur Pistole bei Rangeleien während Festnahmen übten. Ohne zu schießen natürlich. Auch nur und ausschließlich dort. Oder den Zugriff bzw. Überfall auf verschanzte Angreifer (das war bei uns dann natürlich immer der BGS) aus der gedeckten Annäherung. Dann mit Platzpatronen in der MPi. Normalerweise jedoch hatten wir die gleichen militärischen Schießübungen, wie sie in der NVA mit den jeweiligen Waffen und bei der Polizei allgemein üblich waren. Mit der Pistole also stehend auf 25 Meter...
Stresstraining oder dergleichen - alles Pustekuchen. Gab es nicht, kannte ich damals allenfalls aus der Literatur.
Bei der Polizei habe ich dann später im Schießkino in Berlin unter recht realen Bedingungen auf Angreifer oder Geiselnehmer schießen geübt. Mit Pistole und ab 1988 auch der Klein-MPi Skorpion aber bei GT gab es das nicht.
Ob das, was man geübt hat, auch unter realen Bedingungen funktioniert hätte - das hätte man jeweils hinterher gewußt. Und natürlich gewinnt man mit jeder Festnahme an Routine. Geht der Puls runter und alles immer glatter.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#112

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 15.04.2016 10:49
von katze | 160 Beiträge

In der zeit 85 bis zur Wiedervereinigung diente ich in einer VPB (VP - Bereitschaft), schießen laut Plan, alle halbe Jahre. Da ich Gruppenfüher und stellv. Zugführer war, oblag auch mir die Ausbildung. Schießen mit ausgewählten Waffen gabs bei uns nicht, jeder schoß mit seiner persönlichen Waffe. Das diese mal ein anderer nutzte, kam nur vor, um zu prüfen, wie die Waffe schoß. Dann auch nur der Ausbilder. Einzel-, Gruppen- und Zugschießen, wobei, wie es der Name schon sagt, man bei Gruppen- bzw Zugschießen was "reissen" konnte. Die besten Schützen lagen dann eben am rechten bzw linken Flügel, mehr Munition hatten die aber nicht, in der Regel wurde dann eben Einzelfeuer geschossen, soweit es der Schießoffizier nicht mitbekam.
Waffen wurden nicht alle 1/2 Jahre zum brünieren etc abgegeben, nur dann, wenn dies unbedingt notwendig war.
In der Grundausbildung wurden die Wurzeln gelegt, desto besser der Gruppenführer/ Ausbilder desto besser die Gruppe. Galt vor allem beim Schießen.
Wobei wir bei der Grundausbildung nie sagen konnten, der kommt mal zu mir/uns in den Zug. Bei 5 Zügen Grundausbildung wurden diese dann auf die Kompanien verteilt. Wobei man in der regel sagte, die die 1. Zug sind kommen in die 1. Kompanie usw.

Wir als VPB stellten täglich eine Diensthabende Einheit, Stärke 1/3/18, je nach Bestand mit LO oder W 50. Unterstützung VPKA`s , BdVP oder eben Grenze. Bei flüchtigen Grenzgängern waren wir mit im Boot. Gerade wenn der Grenzgänger ein Angehöriger der sowjet. Besatzungsmacht war.

Wohin schießen,?- beim planmäßigen Schießen konnten wir auf laufende Ziele feuern, obwohl unser Schießplatz regelmäßig durch die Besatzungsmacht regelmäßig zerfahren wurde. Dank guter Warte des Schießplatzes, obwohl der Platz nicht ständig besetzt war.
Ja schießen,- laufunfähig war angesagt, wobei ich euch recht gebe, dass dies gar nicht so einfach ist, da zu treffen, wo man auch hingezielt hat.
Beim planmäßigen Schießen bewegten sich die Scheiben auf Schienen, da Beine angehalten, dann traf man da auch. Aber in der Wildnis, das Ziel bewegt sich nun eben mal NICHT auf Schienen.


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#113

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 00:53
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #1
Hallo, heute würde ich mich gerne an ein ganz heißes Eisen wagen: Die Frage, hätte man geschossen oder nicht und wenn ja wohin? Ganz wichtig: Es geht nicht um etwaige persönliche Schuld oder so oder die Frage 'Schießbefehl als solcher'. Deshalb müsst Ihr nicht persönlich von Euch erzählen, sondern könntet meinetwegen auch anonym von Euren Kumpels berichten, man hat ja eventuell Meinungen ausgetauscht?

Die Frage:
Falls ein Flüchtling gekommen wäre, hat man sich vorher überlegt, ob und wie man geschossen hätte? Meinetwegen immer zehn Meter dahinter zielen oder so? Oder hätte man das einfach reflexartig wie gelernt und befohlen abgespult, einfach weil man keine Zeit zum Denken gehabt hätte? Wie wäre das abgelaufen? Wie ist es abgelaufen? Was waren die Meinungen damals dazu?


hallo @Harzwanderer,
gibt es noch ne art resümmee von dir?

gruß vs ... zumal es ja dein thema ist ...


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#114

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 17:51
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Erstmal ein Riesendankeschön. Ihr habt genau kapiert, wie ich es gemeint hatte. Ohne Zerfleischen einfach sagen, wie man es gesehen hat.

Was ich vergessen hatte, wie ich drauf gekommen war:
Im Thread vom Paulus zum Saulus beschrieb ein Dresdner sehr eindrucksvoll seine Flucht. Einst war er selbst bei den Grenztruppen und hatte sich damals vorgenommen, bevor er schießt lässt er sich mit festnehmen. Als er später selber geflüchtet ist, hatte er genau geplant, wie er sich möglichst streßfrei für die Grenztruppen ergibt, damit die nicht noch schießen.

Mich hat erstaunt, wie "schlecht" und selten die Schießausbildung rein praktisch gewesen zu sein scheint. Trotz Schützenschnur. Schon die Beschreibung der Waffen klingt ja finster. Dabei hat die DDR die doch selbst hergestellt?
Vermutlich wollte man wirklich schießen durch festnehmen ersetzen. Allerdings wurden bis fast zur Wende (Februar 89 Chris Gueffroy) Leute noch richtig erschossen.

Wie wurde man eigentlich psychologisch auf das Schießen vorbereitet? Angst vor dem GV scheint ja eine große Rolle gespielt zu haben. Vielleicht auch vor Agenten aus dem Westen und Angreifern. Aber was war, wenn da nun plötzlich ein 20-Jähriger aus dem Osten in einer Jeans quer zum Zaun rennt? Dann ist doch das erwartete Bild völlig erschüttert worden? Hat man da nochmal differenziert oder war der Ablauf immer gleich? Hat man sich gesagt, das kann auch ein gut verkleideter CIA-Agent sein oder so?


zuletzt bearbeitet 16.04.2016 18:20 | nach oben springen

#115

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 18:16
von Hansteiner | 1.422 Beiträge

Ich denke da an den Abschnitt 12.GK Wahlhausen.
hier war der Po LPG-Hof, das sog. "Schwalbennest", BT-11 "Engstelle" und BT-6 "Lindewerra"
bei Eintritt des Falles X- hattest du keinerlei Zeit groß zum überlegen, weil du keine "Vorwarnzeit" hattest !

und Angst glaube ich nicht, eher vor den Konzequenzen eines GD hinterher !

VG H.



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#116

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 18:17
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Was ist denn GD bitte? Grenzdurchbruch?
Kennt eigentlich jemand Leute, die für nicht schießen oder ähnliches in Schwedt waren? Sind eventuell welche im Forum?


zuletzt bearbeitet 16.04.2016 18:18 | nach oben springen

#117

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 18:18
von Hansteiner | 1.422 Beiträge

Endschuldige, GD steht für Grenzdurchbruch.

H.



Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#118

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 18:49
von Alfred | 6.861 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #116
Was ist denn GD bitte? Grenzdurchbruch?
Kennt eigentlich jemand Leute, die für nicht schießen oder ähnliches in Schwedt waren? Sind eventuell welche im Forum?



Entsprechende Verurteilungen - Schwedt - gab es nicht.
Dies hatten wir hier schon ausführlich.

Hier einige Zahlen.

Von 1979 bis 1990 erfolgte durch die Grenztruppen die Festnahme von
2 905 Personen, die versuchten, die Staatsgrenze zu verletzen bzw. zu durchbrechen.
Bei diesen fast 3.000 Festnahmen wurde 148 mal die Schusswaffe eingesetzt und davon waren 107 Fälle nur Warnschüsse.
Es gab aber auch Verletzte und Tote. Zwischen 1979 und 1990 wurden 24 Personen verletzt und 17 getötet.


zuletzt bearbeitet 16.04.2016 19:13 | nach oben springen

#119

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 19:04
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #114
Erstmal ein Riesendankeschön. Ihr habt genau kapiert, wie ich es gemeint hatte. Ohne Zerfleischen einfach sagen, wie man es gesehen hat.

Was ich vergessen hatte, wie ich drauf gekommen war:
Im Thread vom Paulus zum Saulus beschrieb ein Dresdner sehr eindrucksvoll seine Flucht. Einst war er selbst bei den Grenztruppen und hatte sich damals vorgenommen, bevor er schießt lässt er sich mit festnehmen. Als er später selber geflüchtet ist, hatte er genau geplant, wie er sich möglichst streßfrei für die Grenztruppen ergibt, damit die nicht noch schießen.

Mich hat erstaunt, wie "schlecht" und selten die Schießausbildung rein praktisch gewesen zu sein scheint. Trotz Schützenschnur. Schon die Beschreibung der Waffen klingt ja finster. Dabei hat die DDR die doch selbst hergestellt?
Vermutlich wollte man wirklich schießen durch festnehmen ersetzen. Allerdings wurden bis fast zur Wende (Februar 89 Chris Gueffroy) Leute noch richtig erschossen.

Wie wurde man eigentlich psychologisch auf das Schießen vorbereitet? Angst vor dem GV scheint ja eine große Rolle gespielt zu haben. Vielleicht auch vor Agenten aus dem Westen und Angreifern. Aber was war, wenn da nun plötzlich ein 20-Jähriger aus dem Osten in einer Jeans quer zum Zaun rennt? Dann ist doch das erwartete Bild völlig erschüttert worden? Hat man da nochmal differenziert oder war der Ablauf immer gleich? Hat man sich gesagt, das kann auch ein gut verkleideter CIA-Agent sein oder so?


Genauso wie in anderen Armeen auch


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#120

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 16.04.2016 19:11
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #114

Wie wurde man eigentlich psychologisch auf das Schießen vorbereitet? Angst vor dem GV scheint ja eine große Rolle gespielt zu haben.


Nur vorschriftenmäßig.
Die Psyche meldet sich ja mit einem schlechten Gewissen. Das wurde natürlich nicht thematisiert, ebensowenig, aus verständlichen Gründen, die Angst vor Begegnungen.
Mit einem "posttraumatischen Belastungssyndrom", damals "Grenzermacke" genannt, mußte man allein fertigwerden. Bei Auswüchsen wurden Diejenigen von der Grenze wegversetzt - im Interesse der Grenzsicherung. Es mag ihnen dann besser gegangen sein. Aber daß seine Symptome behandelt wurden, nehme ich nicht an.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.04.2016 19:13 | nach oben springen


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