#61

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 11.04.2016 20:02
von Rainer-Maria Rohloff | 1.364 Beiträge

Stimmt schon linamax siehe "denn Schritt nach Westen machte" nur ich nehme mal an, dann wären Zwei von Drei so richtig schön die Dummen gewesen.Siehe dazu der Vortext von mir und da ging es speziell um die Kontrolle der Schweinwerferanlagen feindwärts( genauer dem Glühlampenwechsel).

Denn BGS/ZGD hätte den Mann Hundertpro in die Mitte genommen(zum Schutze wohl?) weil, Denen wäre gar nichts anders übrig geblieben. Ja und selber? Deswegen schrieb ich ja sinngemäß"Was wäre wohl passiert"

Rainer-Maria



nach oben springen

#62

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 11.04.2016 20:11
von Freienhagener | 3.861 Beiträge

Zitat von TAO im Beitrag #58
Nach welchem Paragraphen des DDR-StGb bzw. Militärstrafgesetzbuches (?) wurde denn eigentlich jemand verurteilt, wenn er nachweislich oder auch unnachweislich daneben schoß?
Stelle mir gerade was anderes vor, da türmt irgendein Unbedeutender (der der DDR vielleicht eh nicht viel genutzt hat) und man kriegt es erst zu spät mit, um ihn mit oder ohne Waffe noch zu stoppen. Das Leben wäre dann ja wahrscheinlich für den AGT, abgesehen vom Knast, für die Zukunft in der DDR nicht mehr ganz so einfach.


Das wurde bewußt unklar gelassen. Gern erwähnte man ganz pauschal das Militärgefängnis Schwedt.
Tatsächlich aber kamen Weniger dort hin, als man dachte.
Die betroffenen Posten wurden vom MfS "in die Mangel genommen" - und irgendwann wieder in Ruhe gelassen, wenn sich ein absichtliches Danebenschießen nicht nachweisen ließ. So haben es Kameraden von mir erlebt.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 11.04.2016 20:12 | nach oben springen

#63

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 11.04.2016 20:43
von freddchen | 58 Beiträge

Die zweite Teilfrage ("...wohin hätte man gezielt?") hat sich aus meiner Sicht garnicht gestellt. Da die Grenzposten in unterschiedlichstem Territorium zurecht kommen mussten und ein Verhalten bestenfalls situationsabhängig war.

Entgegen vieler bekannter Medien- und Politikerberichte, auch heute noch, waren Angehörige der GT keine ausgebildeten Scharfschützen. Und so konnte das Ergebnis im Ernstfall nur Zufall sein. Unsere schärfste Waffe waren die Sinne.

In der Ausbildung nahm das Schießen selbst nur einen lächerlichen Anteil ein, mit Waffen die quasi schrottfreif waren. In meiner ganzen Zeit an der Grenze fuhr unser Zug nur 1(!) Mal zum Schießen auf einen Übungsplatz. Danach wußte ich auch hier, dass ich mit dieser Waffe niemals einen gezielten Treffer landen konnte.

Der EINZIGE scharfe Schuss, der in meiner Zeit an der Grenze abgegeben wurde, war der eines vertrieften Dauer-WE (Objektwache), der nach einer 2-Stunden-Schicht beim Entladen der Waffen die Module irgendwie durcheinanderbrachte. Schuss ging in die Luft, ernste Minen und Schimpfe vom Haupfeld, konnte eben passieren...


Freienhagener hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#64

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 11.04.2016 23:45
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von TAO im Beitrag #58
Nach welchem Paragraphen des DDR-StGb bzw. Militärstrafgesetzbuches (?) wurde denn eigentlich jemand verurteilt, wenn er nachweislich oder auch unnachweislich daneben schoß?
Stelle mir gerade was anderes vor, da türmt irgendein Unbedeutender (der der DDR vielleicht eh nicht viel genutzt hat) und man kriegt es erst zu spät mit, um ihn mit oder ohne Waffe noch zu stoppen. Das Leben wäre dann ja wahrscheinlich für den AGT, abgesehen vom Knast, für die Zukunft in der DDR nicht mehr ganz so einfach.


Gemäß StGB der DDR § 22, Absatz 2, Satz 3 als Teilnehmer einer Tat hier der Beihilfe zu § 213 (2), Satz 3 (schwerer Fall, da als Gruppe) mit einer Haftstrafe bis zu 5 Jahren. Wobei § 22 Absatz 4 StGB der DDR die Möglichkeit einer Strafminderung bot. Da die Tat mit mehr als einem Jahr bedroht wurde, machte man sich so eines Verbrechens schuldig.
Weiß ich noch, da man mir 1984 deswegen an´s Zeug wollte.
Allerdings gab es eben auch gesetzliche Ausschlußgründe, wie die Gefahr, Unbeteiligte zu treffen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400, bürger der ddr und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#65

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 00:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Allerdings will ich damit nicht geschrieben haben, das ich im Falle der Fälle nicht doch geschossen und getroffen hätte. Es war nur halt so, das die Geschosse unweigerlich auf BRD-Gebiet gegangen wären, zahlreiche Unbeteiligte und auch die eigenen Leute auf dem BT Schanzenauslauf in der Schußlinie waren. Wie wir in deren Schußlinie auch. Deshalb habe ich entschieden, die Waffen auf den Schultern zu lassen. Das war im Frühsommer 1984 zwischen der Führungsstelle unterhalb des Wurmberges im Harz. Zwei Mann sind uns da durch.
Das hat mir einen ganz "eigenen Tag" eingebracht. Alle Drei (mein Dokumentierer und der Posten auch) wurden jeder in einem anderen Fahrzeug nach Halberstadt ín´s Grenzregiment gefahren. Ohne das, zumindest in meinem Fall der begleitende KC auch nur ein Wort gesprochen hätte. Dort hat mich der Regimentspolit mit solch netten Worten wie "müsste man behandeln wie solche Leute... empfangen und erst als letzter kam ich beim MSA dran. Der hat meine Meldung aber gar nicht abgewartet sondern sinngemäß abgekürzt etwa so "...sie haben so gehandelt, weil Unbeteiligte hätten getroffen werden können..." Da wußte ich, ich würde davon kommen. Vorher hätte ich kein Jota dafür gegeben, die Kompanie noch mal zu sehen.
Ich bin dann etwa drei Wochen gar nicht mehr zum Grenzdienst raus sondern habe im Stahlwerk Ilsenburg an Neueraufträgen gearbeitet. Eine Schulterstütze für das Fotografieren mit dem 500-Teleobjektiv habe ich dort gebaut und, das war eine Idee eines Genossen, eine Stütze für das Fotografieren vom B-Turm ohne Stativ. Deren Arme stützen sich auf den Fensterrahmen ab. Waffen bekam ich in dieser Zeit nicht aber man ließ mich allein mit dem Dienst-S51 zur Arbeit fahren. Und meine Beförderung fiel aus...
Wohlgemerkt, zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits erfolgreiche Festnahmen und später dann auch. Allerdings immer ohne Anwendung einer Waffe.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400, furry, Rainer-Maria Rohloff, Fritze, bürger der ddr, 1941ziger und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.04.2016 00:01 | nach oben springen

#66

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 00:11
von S51 | 3.733 Beiträge

Die Waffe, ob MPi oder Pistole war die Ultima Ratio. Wäre in Frage gekommen, wenn es ich eine Festnahme anders nicht hätte durchziehen können und das dann auch noch möglich und gerechtfertigt gewesen wäre. Es ging immer nur darum, den oder diese Menschen festzunehmen. mehr nicht. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, wohin ich ziele. Das hätte eh der Augenblick entschieden, dann war eh alles zu spät. Als GAK hatte ich meist mehr Möglichkeiten als ein Posten auf der Linie. ich konnte Wege abschneiden, den Festnahmeort oft auch ein bisschen aussuchen. Da war Gewalt meist nicht nötig. Dazu habe ich versucht, bei einer Festnahme den Leuten klare Perspektiven zu geben. Kein Widerstand hieß eben, es passiert ihnen nichts. Das habe ich notfalls auch durchgesetzt. Denn je weiter hinten, um so mutiger wurden manche der eigenen Helden...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400, Heckenhaus und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#67

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 01:20
von vs1400 | 2.392 Beiträge

aus meiner heutigen erkenntnis,
war diese/ unsere waffe die schlechteste wahl für derartige ansprüche.

doch genau dies war der masse nicht bewußt und genau dass lässt sich bisher gut erkennen.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#68

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 02:41
von S51 | 3.733 Beiträge

Das würde ich nicht so sagen. Die Visierung hätte besser sein können, die Reihenfolge der Schaltung anders (Einzelfeuer zuerst) aber für damalige Verhältnisse war die AK schon in Ordnung. Für eine automatische Waffe recht treffsicher und feuerstark. Sie entsprach dem damaligen Stand der Technik. Wir waren dort als Soldaten. Die Pistole brauchte bei schlechtem Licht viel Übung aber das hatte die Makarow seinerzeit mit den allermeisten Faustfeuerwaffen gemeinsam. Was schlecht war, war die Praxis junge Wehrpflichtige mit kaum ausreichender Rechtsausbildung auf einen Posten zu schicken, wo es ausgebildete Polizisten gebraucht hätte. Sie waren sicher billiger.. Diesen Wehrpflichtigen dann mit massiver ideologischer Dröhnung Angst vor Versagen zu machen. Doppelt schlecht war, das Fehlverhalten nie geahndet wurde. Doppelt, weil dies einmal dazu führen konnte, das die Scharfmacher Oberwasser bekamen, man mit dem Hinweis auf Gesetze und daraus folgender Rechte schon fast als Defätist da stand und weil es die Grenzer so später der heutigen Justiz ausgeliefert hat.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


Hanum83, furry, Fritze, bürger der ddr, 1941ziger, Heckenhaus, Damals87, DoreHolm, Wahlhausener und vs1400 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#69

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 07:40
von sentry | 1.097 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #57

Wimre haben wir zur Balistik der AK 47 gelernt, daß die Flugbahn des Geschosses nicht einer Parabel gleicht, sondern durch irgendwelche physikalische Gesetze auf den ersten 100 m erst mal leicht ansteigt, um danach in eine Parabelkurve überzugehen. Das heiß praktisch, daß auf kurze Entfernung der Treffer oberhalb der gedachten Lauflinie liegt.


Bei einer exakt horizontal gehaltenen Waffe wird die Flugbahn wegen der Gravitation niemals höher liegen als die Lauflinie. Das passiert erst, wenn man die Waffe auch in einem gewissen Winkel nach oben hält.
Wenn man über Kimme und Korn ein Ziel anvisiert, passiert das automatisch, weil die Visierlinie über dem Lauf, aber nicht parallel zu ihm liegt. Der Winkel steigt, je größer die an der Kimme eingestellte Entfernung ist.


zuletzt bearbeitet 12.04.2016 07:40 | nach oben springen

#70

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 07:40
von damals wars | 12.167 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #64
Zitat von TAO im Beitrag #58
Nach welchem Paragraphen des DDR-StGb bzw. Militärstrafgesetzbuches (?) wurde denn eigentlich jemand verurteilt, wenn er nachweislich oder auch unnachweislich daneben schoß?


Gemäß StGB der DDR § 22, Absatz 2, Satz 3 als Teilnehmer einer Tat hier der Beihilfe zu § 213 (2), Satz 3 (schwerer Fall, da als Gruppe) mit einer Haftstrafe bis zu 5 Jahren. Wobei § 22 Absatz 4 StGB der DDR die Möglichkeit einer Strafminderung bot. Da die Tat mit mehr als einem Jahr bedroht wurde, machte man sich so eines Verbrechens schuldig.
Weiß ich noch, da man mir 1984 deswegen an´s Zeug wollte.
Allerdings gab es eben auch gesetzliche Ausschlußgründe, wie die Gefahr, Unbeteiligte zu treffen.


Wir durften auch nicht "feindwärts" schießen,wenn die Gefahr bestand, westliches Territorium zu treffen, wenn ich das richtig in Ernnerung habe.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#71

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 07:46
von damals wars | 12.167 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #67
aus meiner heutigen erkenntnis,
war diese/ unsere waffe die schlechteste wahl für derartige ansprüche.

doch genau dies war der masse nicht bewußt und genau dass lässt sich bisher gut erkennen.

gruß vs



Es war sicher auch die einzig bezahlbare und der Aufgabe gerechte und moderne Waffe.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
nach oben springen

#72

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 09:26
von bürger der ddr | 3.625 Beiträge

@S51 , Danke für Deine ausführlichen Schilderungen!



nach oben springen

#73

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 12:53
von Rainer-Maria Rohloff | 1.364 Beiträge

Siehe unser Hubert (wars H? Also ich hau das immer durcheinander)mit:

"Wir durften auch nicht "feindwärts" schießen,wenn die Gefahr bestand, westliches Territorium zu treffen, wenn ich das richtig in Ernnerung habe."
Textauszug ende

Ehrlich wieder, weil ich doch so ne ehrliche Haut bin, ich kannte das damals gar nicht. Und erinnere mich auch nicht, das uns Pionieren in irgend einem Unterricht oder Politkram da was drüber verklickert wurde? Vielleicht könnte ja mal ein anderer Expionier beitragen wie Der das damals mitbekam....oder eben nicht?

Deswegen war ja immer meine Bange im Hinterkopf(siehe meine Vortexte hier), was machen die auf dem Turm wenn da jetzt Einer aus der Dreiergruppe los läuft gen Westen? Denn die Truppe hatte uns fast immer im Blick. Ich sah den zweiten Mann und mich dann sofort (gedanklich) im Kugelhagel vom BT11 oder eben BT9. Dabei hätte ich doch die jugendliche Ruhe in Person sein müssen da Turmbesatzung(laut Vorschrift) hätte gar nicht ballern dürfen. Also ne war ich naiv...oder besser formuliert "damals wohl einfach nicht unterrichtet".

Rainer-Maria



nach oben springen

#74

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 18:36
von zweedi04 | 375 Beiträge

Theoretisch hätte die Turmbesatzung doch aufs Vorgelagerte Schießen können. Durch den Schusswinkel von oben nach unten wäre das Projektil nicht aufs Territorium der BRD gekommen, sondern hätte entweder getroffen oder wäre im Boden verschwunden. Die Gefahr, dass Abpraller (Querschläger) das BRD-Gebiet erreichen war dabei sehr gering.


Lebenskunst ist - "Im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen"
Rainer-Maria Rohloff hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#75

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 12.04.2016 23:54
von S51 | 3.733 Beiträge

Na ja, wer mit der AK, Stahlkern und Leuchtspur schon mal auf dem Schießstand nachts geschossen hat, der weiß, das es da fast immer Abpraller gab, sobald sie auf etwas hartes wie Steine oder so traf und nicht hineinging. Vollkommen egal, in welchem Winkel. Ursache dafür dürfte der Stahlkern gewesen sein, der ähnlich wie heutige bleifreie Munition eben extrem zu Querschlägern neigte.
Im Harz jedoch gab es immer Steine...
In der Anordnung 13/81 stand meines Wissens, das die Anwendung der Schußwaffe feindwärts nur unter strikter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen zulässig war. Diese Anordnung stand aber nur einem ausgewählten Kreis der Grenzer zum Studium zur Verfügung. Eben denen, die schon feindwärts bestätigt waren oder werden sollten. Für alle aber galt der gesetzliche Ausschlußgrund, das ein Geschoss nicht auf Nachbargebiet, hier der BRD gehen durfte. Es gab auch durchaus, zwar wenige aber eben doch Fälle, wo ganz vorne geschossen wurde. Oft mit tragischem Ausgang.
Dazu kam eben doch die Einstellung in der Führung, das ein Grenzdurchbruch schlimmer war als eine zu weite Auslegung der Regeln. Für letzteres wurde man nicht bestraft, für ersteres schon bis hin zur Kompanieführung. Sich da auf die Hinterbeine zu stellen und auf Gesetze zu pochen hatte dann schon etwas von "Fettnäpfchensucht". Ohne die Rückendeckung vom KC, Hptm Neitz... hätte es mich wohl einige Male abserviert. In dem Punkt war ich sehr treffsicher.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#76

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 13.04.2016 00:43
von vs1400 | 2.392 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #68
Das würde ich nicht so sagen. Die Visierung hätte besser sein können, die Reihenfolge der Schaltung anders (Einzelfeuer zuerst) aber für damalige Verhältnisse war die AK schon in Ordnung. Für eine automatische Waffe recht treffsicher und feuerstark. Sie entsprach dem damaligen Stand der Technik. Wir waren dort als Soldaten. Die Pistole brauchte bei schlechtem Licht viel Übung aber das hatte die Makarow seinerzeit mit den allermeisten Faustfeuerwaffen gemeinsam. Was schlecht war, war die Praxis junge Wehrpflichtige mit kaum ausreichender Rechtsausbildung auf einen Posten zu schicken, wo es ausgebildete Polizisten gebraucht hätte. Sie waren sicher billiger.. Diesen Wehrpflichtigen dann mit massiver ideologischer Dröhnung Angst vor Versagen zu machen. Doppelt schlecht war, das Fehlverhalten nie geahndet wurde. Doppelt, weil dies einmal dazu führen konnte, das die Scharfmacher Oberwasser bekamen, man mit dem Hinweis auf Gesetze und daraus folgender Rechte schon fast als Defätist da stand und weil es die Grenzer so später der heutigen Justiz ausgeliefert hat.


ich würde dieses "wir" nicht auf andere beziehen wollen, S51,
mit dem soldat sein.
die masse der agt waren gwd'ler und sie kamen lediglich ihrer damaligen wehrpflicht nach.
eine wirkliche option gab es für sie nicht.

die ausbildung, in der einheit / gk, war ne farce. sie bezog sich eher auf gefechtausbildung für mot schützen und ner eventuellen schützenschnur bzw. ner eichel derer.

ja, es hätten nur berufskader seien sollen bzw. saz, die es gewollt hätten ...
doch, dass manko war dieses visier, denn nicht selten wurde waffen mit zb. verbogenem korn ausgesondert.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


zuletzt bearbeitet 13.04.2016 00:44 | nach oben springen

#77

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 13.04.2016 00:48
von vs1400 | 2.392 Beiträge

Zitat von zweedi04 im Beitrag #74
Theoretisch hätte die Turmbesatzung doch aufs Vorgelagerte Schießen können. Durch den Schusswinkel von oben nach unten wäre das Projektil nicht aufs Territorium der BRD gekommen, sondern hätte entweder getroffen oder wäre im Boden verschwunden. Die Gefahr, dass Abpraller (Querschläger) das BRD-Gebiet erreichen war dabei sehr gering.



war die schussabgabe von bt's, zweedi04,
nicht eigentlich untersagt ... wimre ... ?

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


nach oben springen

#78

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 13.04.2016 01:28
von S51 | 3.733 Beiträge

Ich wüsste nicht, das die Schussabgabe vom B-Turm je untersagt wäre (1983-85). Einige B-Türme wurden nicht benutzt, weil die wenigen Posten (im Oberharz vier Posten zwischen Brocken und Wurmberg) im Abschnitt dadurch zu unbeweglich waren und weil die KGSi natürlich vollkommen grundlos davon ausgingen, das die schlafenden Posten von dort oben zumindest nachts sowieso nichts mitbekommen würden.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen

#79

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 13.04.2016 11:26
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #60
Zitat von Rainer-Maria Rohloff im Beitrag #59
Soweit ich mich erinnere Hanum hatten wir selber die Kaschi dabei und Sicherheitsposten ....also ob Der jetzt mitlief, keine Ahnung mehr, ich erinnere mich eher an Uffz. oder Lolli. dann Gefreiter und Soldat(somit zu Dritt) Und Lolli immer vorneweg, da war wohl sehr viel Vertrauen in Gefreiten und Soldaten?

Könnte auch sein, das Posten immer am LKW blieb und der stand doch jedes Mal nahe an oder hinter der Gasse(freund/feindwärts) Ist jetzt fast vierzig Jahre her....leichte Erinnerungslücken lassen somit grüßen.

Rainer-Maria


Ich kenn nur unbewaffnete Pios feindwärts, wie sollen die auch werkeln mit Kaschi und das Ding irgendwo in die Botanik stellen, naja.
Absicherung bei kleineren Arbeiten ein bis zwei Postenpaare, entweder mit Offizier aber ein Feldwebel/Fähnrich hat es auch gemacht.
Bei größeren Bau-Geschichten waren wir als Grenzkompanie eh raus, da waren extra welche da zum Absichern, vermute mal die SIK.


Das mußte nicht sein.
War selber für 3 Monate zu solch einem Sicherungszug abgestellt.
Der setzte sich aus Gefreiten des ganzen Regimentes zusammen.
Wie gesagt, ein Zug und unser oberster Vorgesetzte trug nicht die Waffenfarbe der GT.
Es waren größere Bauarbeiten im Bereich der 7. und 8. GK des 2. Batt. des 4. Reg.
Oder auch kurz : Hohengandern und Wallhausen

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
GZB1 und Hanum83 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#80

RE: Schießen oder nicht und wohin hätte man gezielt?

in Grenztruppen der DDR 13.04.2016 18:24
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #77
Zitat von zweedi04 im Beitrag #74
Theoretisch hätte die Turmbesatzung doch aufs Vorgelagerte Schießen können. Durch den Schusswinkel von oben nach unten wäre das Projektil nicht aufs Territorium der BRD gekommen, sondern hätte entweder getroffen oder wäre im Boden verschwunden. Die Gefahr, dass Abpraller (Querschläger) das BRD-Gebiet erreichen war dabei sehr gering.



war die schussabgabe von bt's, zweedi04,
nicht eigentlich untersagt ... wimre ... ?

gruß vs



Nein, war nicht untersagt, zumindest im GKM nicht. Ohne die Möglichkeit einer Schussabgabe, und wenn es auch nur ein Warnschuss war, hätteste dort bei einigen Postenbereichen "ne Sprint-Güst ohne Kontrollen" aufmachen können, da der Abschnitt dort nur ca. 8 - 10 m tief war.


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.04.2016 18:42 | nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Die Bundeswehr und gezielte Tötungen in Afghanistan
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Georg
137 08.01.2015 09:39goto
von Georg • Zugriffe: 5286
"Nicht alles war schlecht", ZDF-History
Erstellt im Forum Presse Artikel Grenze von Heckenhaus
74 06.02.2014 21:39goto
von ratata • Zugriffe: 3696
Gezieltes Töten von Terrorverdächtigen ist rechtens
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Polter
10 04.10.2012 20:46goto
von Wanderer zwischen 2 Welten • Zugriffe: 616

Besucher
18 Mitglieder und 71 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 1901 Gäste und 141 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14370 Themen und 558010 Beiträge.

Heute waren 141 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen