#61

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:03
von Gert | 12.367 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #59
Hat man beim Zoll oder BGS damals auch von "Grenzverletzern" gesprochen?

Moskwitschka




nein, man redete mich weder mit Bürger Gert G. an noch mit Grenzverletzer Gert G., sie waren sehr höflich wie @linamax schon schrieb, wir waren ab sofort Herr Gert G.


.
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zuletzt bearbeitet 09.04.2016 16:06 | nach oben springen

#62

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:11
von Ratze | 404 Beiträge

Zu den letzten 3 Anmerkungen:
Es wurden keine Fotos gemacht, wozu auch! Denn nach Abfahrt der Flüchtlinge waren sie weg und nicht mehr verfügbar. Ich bin auch damals davon ausgegangen niemanden wieder zu treffen. Bis auf 2 ist das auch nie wieder passiert.
Die Flüchtlinge liefen im Ratzeburger Abschnitt auch bei Landwirten/Anwohnern auf und von denen wurde die Landespolizei oder der Zoll gerufen. In ganz seltenen Fällen der BGS. Deshalb wurden extra Aufkleber mit den Telefonnummern des BGS gedruckt, die imGrenzraum verteilt wurden. Das führte dann wieder zu Stress mit dem Zoll, weil die Nummern nicht drauf standen. Dann rüsteten die ihre Schaukästen wieder u.a. mit Fotos aus der Quelle BGS auf. Aber Zuständig für die Befragung war der BGS. Ab 88 war der Zollkommisar immer dabei. Unser war gut befreundet mit dem damals noch unbekannten Stasi IM Harald Wallis. die Stasiakte des Zollkommissars möchte ich g gern mal sehen. Konnte interessant sein.


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#63

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:13
von Ratze | 404 Beiträge

Nee, Grenzverletzer nannte man die nicht. Es waren Flüchtlinge aus der DDR


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#64

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:15
von B208 | 1.354 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #59
Hat man beim Zoll oder BGS damals auch von "Grenzverletzern" gesprochen?

Moskwitschka



Den Begriff Grenzverletzer für Flüchtling hab ich das erste Mal hier gelesen .

B208


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#65

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:21
von B208 | 1.354 Beiträge

Ratze , kannst Du Dich noch an den Moment erinnern , als in Deiner Verantwortung als I/S das erste Mal das Telefon klingelte und Du über eine Flucht informiert wurdest ?

Grüße nach RZ


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#66

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:56
von Ratze | 404 Beiträge

Nicht wirklich. Aber ich meine es war ein Gefreiter der 5./_KP Utrecht, der vom BT 11 Neuhof kam. Es lief in derRegel so ab:
Telefon nachts
Kurz ins Bad
Frau machte Brote
Ins Auto und zur Kaserne, dauerte in RZ damals insges. Keine30 Minuten
Was weiter geschah habe ich schon beschrieben.
War immer spannend, die Geschichten der Flucht zu hören, zum Feierabend war dann bereits beinah alles erledigt, der Flüchtling duhr am Tag darauf spätestens weg.


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#67

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 16:56
von Moskwitschka | 2.533 Beiträge

Das ist jetzt OT Aber ich will jetzt zum BGS keine neues Thema aufmachen.

Auf einer HP Erinnerungen an die Zeit beim Bundesgrenzschutz habe ich von einer Zonengrenzfahrt gelesen, die 1961 vom Bundesgrenzschutz mit einer Jugendgruppe durchgeführt wurde. War das eine einmalige Geschichte, von der ein Zeitzeuge berichtet? Oder gehörte das zur Öffentlichkeitsarbeit des BGS?

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

zuletzt bearbeitet 09.04.2016 16:59 | nach oben springen

#68

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 17:31
von Ratze | 404 Beiträge

Moin, der BGS hat im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit viele Gruppen betreut. In der Regel 45 Vortrag in einem Informations Raum in ,der Kaserne und dann bei den Ratzeburgern 2 - 3 Punkte an der Grenze aufgesucht und da erklärt was man sehen konnte und was verdeckt war. In Lübeck war durch die Besucher der Stadt mehr los als im beschaulichen Ratzeburg. Aber es gab viele Interessierte, man muss allerdings auch sagen, dass es für diese Fahrten einen Zuschuss aus der Bundeskasse gab und das Mittagessen in der Kaserne preiswert und reichhaltig war.


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#69

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 19:20
von Waldersee | 83 Beiträge

Hier sind jetzt mehrere Fragen zu beantworten:
Zu den Grenzinformationsbesuchen:
Diese waren bei uns in Lübeck in den Sommermonaten der Hauptbestandteil der Arbeit. JEDEN TAG hatten wir bis zu sieben / acht Gruppen, die im 60 Minuten Takt das Standardprogramm
- 45 Min Vortrag
- 90 Min Grenzfahrt
- eventl. noch Mittagessen
bekamen. Nachmittags fingen die Gruppen mit dem Essen an.
Wir von I/S übernahmen nur noch Militär und VIP Gruppen.
Ein Kollege nahm am Telefon die Anmeldungen an und verteilte dann an die Hundertschaften vorgedruckte Auftragzettel. Aus allen Hundertschaften hatten wir einen Pool von ausgebildeten Grenzführern.
Schlimm wurde es bei Verspätungen der Gruppen, dann musste ein Kollege "Krisenmanagenment" machen. An manchenTagen waren wir fix und fertig.
Wohlgemerkt: Das alles lief NEBEN dem Tagesgeschäft.:-)
In den letzten Jahren vor Grenzöffnung hatten wir bis zu 20000 (!) Besuchern pro Jahr.

Zu den Fotos von Flüchtlingen:
Ratze hat es richtig gesagt...Es wurde NICHT fotografiert!

Zu dem Wort Grenzverletzer:
Bei uns unbekannt und nicht imGebrauch
So, ich glaube jetzt habe ich zu allen Fragen geantwortet.


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#70

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 19:31
von B208 | 1.354 Beiträge

Ja, so kenne ich das auch , meist ein Reisebus , vorab eine Einweisung im Inforaum , Bilder , Modell Grenzaufbau , Waffen , Fragen beantworten und oftmals Falschwissen korrigieren , dann zur Grenze , meist B208 oder Schlagbaum Dutzow/Rosenhagen , dabei der Einweisende vom BGS , der im Bus mit an die Grenze für , in der Regel ein stellv. Zugführer , im Dienstkfz meist 3 Beamte mit normaler Bewaffnung . An der Grenze dann Einweisung , Fragen beantworten und Falschwissen korrigieren , z.B. Niemandsland , Zaun ist die Grenze usw .
B208


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#71

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 19:35
von B208 | 1.354 Beiträge

@Waldersee und Deine Erinnerungen über Deine Gefühle beim ersten Anruf " Flüchtling" ?

Gruß B208


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#72

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 19:39
von furry | 3.581 Beiträge

Mal schnell und kurz eingeschoben.
Möchte mich bei den Usern des BGS und des Zolls für die sachlichen Berichte bedanken.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#73

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 19:56
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Waldersee im Beitrag #51
Zitat von damals wars im Beitrag #49
Wozu wurden den die Waffen behalten?
Gab es beim BGS eine Spezialeineit nach dem Vorbild der https://de.wikipedia.org/wiki/Brandenbur...zialeinheit%29?
GSG 10 oder so?

Hallo damals wars,
nein, eine GSG 10 gabs nicht. Die GSG 9 war die letzte Grenzschutzgruppe die so benannt wurde.
Zu den Waffen. Jede Grenzschutzabteilung an der innerdeutschen Grenze hatte ihren eigenen Grenzeinweisungsraum. Unser Lübecker Raum war - weil wir in Sachen Grenzinformationsbesuchen - bundesweit mit an der zahlenmäßigen Spitze lagen, bis ca. 100 Personen Platz. Durch Mittel des Bundes und insbesondere auch durch das Förderprogramms des Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen hatten wir den Raum im ersten Stock des Stabgebäudes mit treppenartig ansteigenden Podesten und perfekter Bestuhlung (wie eine Uni-Hörsaal) ausgestattet. Fest eingebaute Dia- und Filmtechnik, große, verschiebbare Karten und Projektionswände und ein - eine ganze Wand einnehmendes - Reliefmodell der Grenze vom Priwall bis zum Ratzeburger See.
Und so ein "Schmuckstück" musste mit Artefakten ausgestattet werden. Das waren eben auch Schaufensterpuppen mit Originaluniformen und Waffen.
Wir hatten ein alte russische MPi 41 mit Trommelmagazin, ein Karabiner Simonov, eine AK 47 und eine AK 47 lmG.
Ende der 80ziger Jahre mussten leider alle Waffen zu Dekowaffen umgbaut werden, da sie zwar angschlossen, aber eben öffentlich ausgestellt wurden.


Russische MP 41 mit Trommelmagazin - meinen allergrößten Respekt. Immer gut wenn man mit Profis arbeiten kann. Du warst beim I/S?
PPSch 41und MP 41 sind zwei verschiedene Waffen.


zuletzt bearbeitet 09.04.2016 20:01 | nach oben springen

#74

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 20:12
von Waldersee | 83 Beiträge

Jup, vergessen!
Ich bin Ende 1975 als 22jähriger Oberwachtmeister in das I/S Büro in der damaligen GSA II/7 gekommen. Den ersten Flüchtling hatte ich dann Anfang 1976. Mein Chef Oberstabsmeister i. BGS Sch. war in Sachen Grenschutzhauptpersonalrat in Bonn.
Lief dann genauso ab wie Ratze es erzählt hat:
Anruf in der Nacht durch den OvD, Puls hoch und sich einreden: Du machchst das schon.
Frischmachen, meine Verlobte machte Kaffee. Runter zum Auto und im Tiefflug zur Abteilung. Kurze Einweisung durch den OvD und dann erster Kontakt.
Ich möchte hier noch mal kurz was klarstellen, dass grundsätzlich auch beim BGS eine Hierarchie bestand und ich selbstverständlich dem OvD und dem später eintreffenden EO (Erreichbarer Offizier) nachgeordnet war. Aber...immer waren diese Beamten "froh" wenn I/S kam und die Sache übernahm oder zumindestens Tipps geben konnte.
Mir gegenüber hat in 15 Jahren Grenzschutzabteilung nie einer den "Vorgesezten" raushängen lassen. Wir hatten immer ein sehr sachliches, manchmal freundschaftliches und immer faires Verhältnis.

Alles andere mit den Flüchlingen lief dann wie bereits beschrieben ab.


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.04.2016 20:18 | nach oben springen

#75

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 21:18
von LO-Wahnsinn | 3.496 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #72
Mal schnell und kurz eingeschoben.
Möchte mich bei den Usern des BGS und des Zolls für die sachlichen Berichte bedanken.


Ich schliesse mich dem an, ein interessanter Thread mal zu erfahren wie der Ablauf war.

Eine Frage hätte ich, bischen Psychologie.
Wie waren die innerlichen Gefühle, was habt ihr über die Ankommenden gedacht?
Insbesondere bei Fahnenflüchtigen, wie fühlte man sich, hattet ihr Angst?
Ich frage deshalb, weil der Geflüchtet ja auch bewaffnet sein konnte und nicht in Fluchtabsicht kommen.
Hattet ihr bei der ersten Begegnung ein unsicheres Gefühl, oder war es eher eine Art Lampenfieber?


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#76

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 09.04.2016 23:01
von Ratze | 404 Beiträge

Lampenfieber beim ersten, na klar. Für diese Befragungen waren wir, mindestens ich, nicht geschult. Also versuchen alles zu erfragen was einen neugierigen BGS' per interessiert. Zum Glück war es meistens so, das das Gespräch in 2 Etappen ablief. Der Flüchtling durfte ja ruhen, nach so 90 Minuten, oder er fuhr zur Bekleidung kaufen, dannkonnte mnan mit den Berichten anfangen und im 2. Teil die Fragen nach schieben die man noch hatte. Angst vor Soldaten gab es nicht. Warum auch, die wollten doch zu uns. Wenn sie geschickt worden waren hätten die uns auch nichts getan, dann hätten sie ja die Normannen Straße melden müssen. Schiss eigentlich bei den ersten nur vor den Bossen aus Bramstedt.was hat der wenig gefragt, wollte man sich sicher nicht sagen lassen.


Waldersee, Moskwitschka und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#77

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.04.2016 01:49
von B208 | 1.354 Beiträge

Wurden alle Fragen beantwortet oder gab es auch Soldaten , die keine Angaben machen wollten , oder die nachweislich falsche Angaben gemacht haben ?

Gab es da für Euch erkennbar eine Veränderung im Verhalten der Soldaten , wenn sie in Zivil umgekleidet waren und sich ihrer Uniform " entzogen " haben ?

Und gab es manchmal mundartbedingte Verständigungsprobleme ? So nach dem Motto , ein Sachse in Holstein .

B208

Ich hoffe Ihr stellt keine Überstunden in Rechnung . Bei so vielen Fragen .


zuletzt bearbeitet 10.04.2016 01:54 | nach oben springen

#78

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.04.2016 07:33
von Hanum83 | 4.808 Beiträge

Wenn ein Soldat alleine ankam, wart ihr da auch misstrauisch ob alles mit rechten Dingen vonstatten gegangen war in Sachen Flucht?
Ich meine, wurde gefragt wo der zweite Soldat vom Postenpaar abgeblieben ist oder war das eher egal?


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 10.04.2016 07:33 | nach oben springen

#79

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.04.2016 08:43
von Waldersee | 83 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #78
Wenn ein Soldat alleine ankam, wart ihr da auch misstrauisch ob alles mit rechten Dingen vonstatten gegangen war in Sachen Flucht?
Ich meine, wurde gefragt wo der zweite Soldat vom Postenpaar abgeblieben ist oder war das eher egal?


hallo Hanum83,
zu Deiner und den vorherigen Fragen:
Misstrauen hatten wir eigentlichn nicht. Sicher war da immer eine gewisse Vorsicht, aber wichtig war für uns, dass wir einige erste Fragen loswerden konnten. Wie vorher schon beschrieben hatten wir bei uniormierten Flüchtlingen sowieso nur wenig Zeit bis zur Abgabe an den BND:
Unsere "innere" Haltung zu den Flüchtlingen war wohl immer auf den Befrager bezogen. Ich jedenfalls ging immer sehr offen mit ihnen um.
Selbstverständlich sahen Flüchtlinge nicht alles..wir saßen mit Ihnen meistens in unseren Pausenraum im Stab. Das interessanteste war wohl dort die Kaffeemaschine. Karten und Fotos zeigten wir nur kurz zur unnd zur Nachtzeit hatten wir meistens auch Zivil an. Aber...wer denn tatsächlich geschickt worden war...mein Gott, über den BGS konnte man bei Tagen der offenen Tür mehr erfahren, als in solch einer Nacht und der Ablauf einer Fluchtbehandlung sollte bekannt gewesn sein. Von Interesse war wohl nur Wer, Wiel lange und Welche Fragen stellt.
Und wie Ratze ja auch schonan anderer Stelle beschrieben hat, das MfS hatte ganz andere Quellen.
Die Frage, ob sich ein uniformierter Flüchtling verändert hat, wenn er die Uniform auszog, fand ich sehr gut. Ich meine JA, auf alle Fälle.
Irgendwie merkte er dann, dass nun wirklich was Neues anfängt...war wohl schwierig für manchen.
Ich war aber auch froh, dass ich bei der Flucht einer ganzen Familie (Ende der 80ziger) im Urlaub war. Mütter und Kinder in solch einer Extremsituation...schwierig...
Genau so schwierig war es aber auch, wenn die Kollegen vom BGS-See mal wieder eine Wasserleiche aus der Ostsee gezogen hatten.


Moskwitschka, B208 und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.04.2016 08:44 | nach oben springen

#80

RE: Erste Stunden nach erfolgreichem Grenzdurchbruch (Flucht)

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 10.04.2016 09:25
von Ratze | 404 Beiträge

Moin
@B208 langsam werden die Fragen zahlungspflicht. Bisher ging es ja noch, also nur Kaffee bald kommt der Kuchen dazu.
Aber zur Sache. Die zogen ihre Haut (Uniform) aus und waren anders. Ist doch bei uns ähnlich gewesen, wenn ich die Uniform abgelegt hatte war vieles anders. Es gab bei mir meine ich, muss das aber noch mal nachlesen, einen Soldaten und einen Zivilen, die unabhängig von einander vieles vergessen hatten, bei denen hatte ich auch in einer abschließenden Beurteilung zur Glaubwürdigkeit das im Bericht vermerkt. Bis auf die beiden war der letzte Satz immer, dass die glaubwürdig waren.
Bei einer Familie, die über den Schaalsee kam, wobei eines der beiden Kinder sich am Zaun verletzt hatte ging schon an die Nerven. Aber das happy Ende war ja nah. Also die Fahrt über Giessen zur Bekannten. Da kann ich Waldersee gut verstehen, dasswrfroh warsilchen Fall nicht bearbeiten zu müssen.


Fritze, B208, eisenringtheo und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
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