#1

Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 01:20
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Ja, der "Bitterböse Klassenfeind"...

An alle NVA-ler und ehem. Angehörigen der Bewaffneten Organe der DDR - kamt ihr berufsbedingt auch mal mit Angehörigen der Bundeswehr in Kontakt?
Mich würden eure Eindrücke interessieren - was dachtet ihr euch, wenn ihr den "anderen deutschen Soldaten" begegnet seid?

Dachtet ihr "Mann, und das sollen die Massenmörder aus dem Politunterricht sein? Die ticken doch wie wir...",

oder eher "Der Imperialist soll mal nicht so freundlich tun, ich kenne dein wahres Gesicht",

oder eher "Boah, haben die Scheiss-Uniformen!"?

Und wenn ihr ihnen nie damals begegnet seid - wie habt ihr sie euch vorgestellt? Als Soldaten wie ihr auch, als SS-Parodie mit NATO-Fahne, oder als planlose Gurkentruppe?


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

- Karl Jaspers
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#2

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 01:45
von Gelöschtes Mitglied
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Erstmal Tachjesacht, willkommen hier.
Vorab, ich war nie so richtig an der Linie, nur Ausbildungseinheiten. Kontakt zu einem Soldaten der Bundeswehr hatte ich, im Urlaub in Alt Schadow
(Spreewald). Ob er nun noch aktiv war, keine Ahnung. Vollkommen unkompliziert, selbe Pension daher natürlich Gespräche ganz offen.
Was den bitterbösen Klassenfeind betrifft, Es wurde in den Politschulungen ein "Feindbild" aufgebaut.
Aus heutiger Sicht sage ich mal, es wurden Augen verschmiert.
Ob Bundeswehr oder US-Army, alles Salonsoldaten, 17.00 Uhr Feierabend und gut. Am Wochenende war sowieso frei.
Außerdem waren wir moralisch überlegen.
Soll heißen, Freitagabend losmarschiert und am Sonntagabend wäre der Ostblock am Atlantik gewesen.
Nur meine Erfahrung und ich habe eine Zeit lang dran geglaubt.
Gerd


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#3

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 01:45
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Gesamtdeutscher Kamerad im Beitrag #1
Ja, der "Bitterböse Klassenfeind"...

An alle NVA-ler und ehem. Angehörigen der Bewaffneten Organe der DDR - kamt ihr berufsbedingt auch mal mit Angehörigen der Bundeswehr in Kontakt?
...- was dachtet ihr euch, wenn ihr den "anderen deutschen Soldaten" begegnet seid?

Dachtet ihr "Mann, und das sollen die Massenmörder aus dem Politunterricht sein? Die ticken doch wie wir...",

oder eher "Der Imperialist soll mal nicht so freundlich tun, ich kenne dein wahres Gesicht",

oder eher "Boah, haben die Scheiss-Uniformen!"?

Und wenn ihr ihnen nie damals begegnet seid - wie habt ihr sie euch vorgestellt? Als Soldaten wie ihr auch, als SS-Parodie mit NATO-Fahne, oder als planlose Gurkentruppe?


Bundeswehr nicht. Die kam an der Grenze nicht in Uniform vor und war bei Einweisungen in Zivil keine Besonderheit. BGS, Zoll und ggf. Landespolizei und alliierte Soldaten schon.
Das waren Vertreter ihres Staates, ihres Systems wie wir auch. Unser Pendant auf der anderen Seite. Offiziell waren sie die "hassenswerten Steigbügelhalter des Imperialismus". Oder ähnlicher Titulierungen. Besser waren wir umgekehrt für sie auch nicht. Das wußten wir. Das bekamen wir öfter verbal aus dieser Richtung vermittelt. Nur stammte dieses Bild, da wie dort, eben von Leuten, deren Job es war uns da wie dort "scharf" zu machen. Wir waren diesbezüglich viel gewohnt und haben Politik und deren Vermittler nur begrenzt ernst genommen. Im Falle des Falles hätten sie uns da von Gegenüber unter Feuer genommen wie wir sie auch. Weder sie noch wir hätten an der "großen Politik" dann noch etwas ändern können. Das war dann eben Pech. Sie waren wie wir auch von ihrem offiziell mehr oder weniger vorgegebenen Bild da vorne überzeugt. Mehr oder weniger aber im "Falle des Falles" eben auch mehr. Wir waren keine Freunde, keine Feinde aber halt immer mal Gegner. Sie haben ihre Arbeit gemacht und meist war es nichts persönliches... anders als heutzutage im Hinterher gerne postuliert waren sie einem rein menschlich eher egal. Manchmal haben sie uns geärgert, manchmal wir sie und meist kamen wir recht neutral mit ihnen aus. Sie mit uns auch. Manchmal sogar recht gut. Wenn ich da an die Zeit des Barierrebaues von Westseite und die Zusammenarbeit miteinander denke. Ab und zu hat man sich gegrüßt, ab und zu hat man sich gegenseitig den Dienst nicht unnötig schwer gemacht. Der Gedanke, das sie ihre Waffen ebenso wenig wie wir nur zur Staffage dabei hatten, der war im Hinterstübchen immer allgegenwärtig. Wenn alles gut lief, dann passierte da vorne nichts, gar nichts. Schief gehen bis zum Äußersten konnte es jedoch auch jederzeit. Das hat man nie vergessen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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zuletzt bearbeitet 20.01.2016 01:54 | nach oben springen

#4

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 06:55
von damals wars | 12.204 Beiträge

oder eher "Boah, haben die Scheiss-Uniformen.

Im kalten Winter 1984/1985 sah ich im (West-)Fernsehen einen Bericht, wie die Soldaten der Bundeswehr in ihren (Winter?) Uniformen froren.
Da lobte ich mir doch meine Watte, die einen (8- stündigen) Dienst im Freien ermöglichte.
Na gut, die Filzstiefel wurden nur ausweisnahme ausgegeben, Platz für die Dinger hatten wir nicht wirklich auf der Stube.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#5

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 08:24
von Fritze | 3.474 Beiträge


oder eher "Der Imperialist soll mal nicht so freundlich tun, ich kenne dein wahres Gesicht",


Für eine Historiker hast Du ne ganz schön derbe Sprache ! Imperialisten waren und sind Grosskapitalisten mit Macht und Raumhunger !
Bin gespannt ,was da noch so kommt !
Immer ruhig auf den Schwimmhäuten bleiben !


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#6

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 08:51
von Rainer-Maria Rohloff | 1.377 Beiträge

Kennt Einer den B208? Ich schon, hatte mal einen Tag lang das Vergnügen. Ein feiner Kerl, gerade zu, registriert seine Umgebung sehr genau, sollte es mehr davon geben. Nun war der Kerl in jungen Jahren auch mal beim Bundesgrenzschutz.

Aber ne, weg vom Positiven. Weil, ich bekomme bei solchen Themen immer mein altes Vietnamtrauma. Kurz, das waren deren Freunde, sind es heute noch, sind den Amis damals nicht in deren mordenden Arm gefallen. Haben nur zugeschaut, nix getan, haben Ami auch Zuflucht/Lazarette auf deutschem Boden gewährt, und so liese sich das fortsetzen.......

Rainer-Maria....und der ist garantiert Keiner, dem die alten Zeiten....nur mir mißfällt heute immer etwas das "Äh entschuldigt Männers im Osten, ich war zwar BGS, ZGD, BW aber ich habe wirklich nur gedient, ehrlich, könnt Ihr glauben, war ne sehr schöne Zeit"



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#7

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 10:03
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Also ich habe nur in Erinnerung-- Als ich das erste Mal am Kanten war und der begann mit einer Einweisungsfahrt durch den Bat. Abschnitt. Traten auf der westlichen Seite 3 oder 4 Beamte vom BGS in Erscheinung. Meine Gedanken waren im ersten Moment--man die sind auch nicht viel älter,wie Du selbst. Ich habe sie nicht als Feind gesehen,muß aber sagen es waren meine Wiedersacher und sie taten im Prinzip das gleiche, wie ich selber.
Hinzufügen möchte aber auch, während des Grenzdienstes--wenn der BGS oder der ZGD an der Grenze in Erscheinung trat --meldete man es an der Füst. weiter und damit war es das auch schon. Man sah es gelassen und registrierte es, es war ganz normaler Alltag.
Zu BW kann ich nicht viel sagen, nur ich hatte mich mal mit einigen Kumpels unterhalten. Die mir sagten--für uns war die NVA genauso unser Feind, wie wir es für sie waren.
Naja dieses Problem haben wir ja heut zu Tage nicht mehr,heute bekommt man das Feindbild 1000 km von der Heimat von der Politik vorgesetzt.


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zuletzt bearbeitet 20.01.2016 10:17 | nach oben springen

#8

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 10:15
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #5

oder eher "Der Imperialist soll mal nicht so freundlich tun, ich kenne dein wahres Gesicht",


Für eine Historiker hast Du ne ganz schön derbe Sprache !


Als Historiker muss ich vor Allem eins können - mich in die Gedankenwelt der Personen hineinzuversetzen, deren Geschichte ich studiere. Dazu gehört dann schon auch mal ein etwas krasserer Ausdruck. Übertreibung macht anschaulich.

Das muss auch sein, denn sonst kommt nur eins 'raus dabei - eine Nacherzählung alter Ereignisse, aber so, als ob die Protagonisten Menschen von heute wären. Und das geht nicht - und genau das ist das Problem bei vielen Interpretationen der Geschichte. Vieles, was wir heute für grauenhaft hielten, war und ist in einigen Kulturen normal. Könntet ihr euch vorstellen, zu Allerheiligen auf Omas Grab ein Picknick zu machen, mit den Leuten vom Picknick nebenan zu quatschen, während im Hintergrund eine Band spielt, und ein Bauchladenverkäufer geht herum und verkauft Lollis in Schädelform? Hierzulande undenkbar - aber besonders in Mexiko, Guatemala, und anderen Ländern Mittelamerikas ist das ganz normal. Da feiert man, dass die verstorbenen Verwandten am sog. "Día de los Muertos" mal aus dem Jenseits vorbeikommen, und dann schmeisst man ihnen zu Ehren eine Party mit Ringelpiez und massenweise Fressalien. Ein Tag der Freude, des Beisammenseins - sowas wäre hierzulande doch undenkbar bzw. der, der es täte, wäre schnell als kranker Freak verschrieen.

Und lasst mich eins sagen: Die BRD und DDR von vor dreißig Jahren sind derart fremde und vertraute Welten, dass man sich umso mehr hüten muss, hier die Maßstäbe von heute anzusetzen - gerade die vermeintliche Vertrautheit des Ganzen verlockt dazu.


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

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zuletzt bearbeitet 20.01.2016 12:38 | nach oben springen

#9

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:13
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #4
oder eher "Boah, haben die Scheiss-Uniformen.

Im kalten Winter 1984/1985 sah ich im (West-)Fernsehen einen Bericht, wie die Soldaten der Bundeswehr in ihren (Winter?) Uniformen froren.
Da lobte ich mir doch meine Watte, die einen (8- stündigen) Dienst im Freien ermöglichte.]


Der BW-Parka ist richtig gut, nur die Wintermütze war mangelhaft. Deswegen trage ich zum Schneeschippen auch immer meine "gesamtdeutsche Kombi" (BW-Parka NATO-oliv, NVA-Wintermütze steingrau).


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

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#10

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:16
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Da lobte ich mir doch meine Watte, die einen (8- stündigen) Dienst im Freien ermöglichte[b][/b

Ja,und was hatte man alles drunter Hubert ?


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#11

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:31
von bürger der ddr | 3.638 Beiträge

Ich habe den BBKF nur aus der Ferne gesehen als ich meinen Dienst bei der PIK abdiente. Gedanken habe ich mir nicht gemacht, das waren für mich sichtbare "Vertreter" einer anonymen Masse und die Bedeutung dieser Masse kannte ich durch den "Klassenstandpunkt".

Heute sehe ich das anders, die Jungs haben zwar für ein anderes System gedient waren und sind dabei genauso wie wir. Für mich war der Kapitalismus abschreckend und durch diesen Zusammenhang auch seine "Diener". Heute weiß ich was es für vielfältige Gründe gibt um in einer Armee zu dienen. Einmal wie damals der Wehrzwang und für die Berufsoldaten gab es Gründe angefangen von der Überzeugung, gutes Geld, Machtgeilheit und Waffenfetischisten....
Bitte, es soll sich keiner von den Gründen angesprochen fühlen, es soll keine Herabwürdigung sein nur eine Aufzählung von möglichen Gründen. Heute sehe ich das lockerer, hüben wie drüben gab es verschiedene Typen und das Prinzip ist irgendwie überall gleich.

Durch die Berufsarmee hat sich meine Einstellung wieder etwas gewandelt, auf der einen Seite seh ich das positiv aber auf der anderen Seite denke ich an die "bezahlten Befehlsempfänger", wird da noch etwas hinterfragt?



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#12

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:44
von Klauspeter | 989 Beiträge

Du hast interessante Fragen gestellt. Ich versuche, ehrlich zu antworten.

Die ersten Soldaten, Unteroffiziere, Offiziere und Generale der Bundeswehr habe ich 1989 während und nach der Wende an unserer Unteroffiziersschule kennengelernt. Sie suchten das Gespräch mit uns und wir mit ihnen. Es waren interessante Gespräche und ich habe damals erlebt, wie sich Bundeswehrangehörige bei Kommandeurstagungen für die Interessen der NVA-Angehörigen einsetzten.

Einige Bemerkungen zum Feindbild der NVA.

Sicher kennst Du das Buch "Vom Sinn des Soldatseins" (Militärverlag der DDR Berlin), das jeder NVA-Soldat zu Beginn seines Dienstes erhielt.
Im Kapitel VI "Vom Klassenfeind" hieß es: "Für den Soldaten des Sozialismus ist der Feind immer konkret. Wer die Waffe gegen uns trägt, ist unser Feind." (Seite 50).
Ich hatte häufig Gelegenheit, die politische Schulung mit Soldaten durchzuführen. Nie konnten wir uns darauf einigen, dass derjenige unser Feind ist, der die Waffe gegen uns trägt. Ich erinnere mich an Soldaten, die in der Diskussion sagten, dass ihr Verwandter in der BRD auch zum Wehrdienst einberufen wurde und damit nicht automatisch zum Feind wird.

Meistens wurde sehr offen und ehrlich diskutiert. Phrasen mochten die Soldaten nicht, sie hörten dann meist auf zu diskutieren.
Geeinigt haben wir uns meist darauf, dass alle die, die bewaffnet unsere Grenze überschreiten und uns angreifen, auch unsere Feinde sind.

Soweit ich das beurteilen kann, ist es uns in der NVA nie gelungen, ein Feindbild Bundeswehr herauszubilden. Verständlich - die Bundeswehr hatte bis zu diesem Zeitpunkt - so wie die NVA - keine Kriegseinsätze durchgeführt.

Ein ziemlich stabiles Feindbild gab es zu den US-Streitkräften. Fotos und Filmaufnahmen aus dem Vietnam-Krieg waren da hilfreich.

Klaus


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#13

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:45
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von bürger der ddr im Beitrag #11
Durch die Berufsarmee hat sich meine Einstellung wieder etwas gewandelt, auf der einen Seite seh ich das positiv aber auf der anderen Seite denke ich an die "bezahlten Befehlsempfänger", wird da noch etwas hinterfragt?


Mehr denn je, das kann ich bestätigen. Die Truppe ist deutlich kritischer geworden. Afghanistan hat der BW eines beschert - viel mehr Einsatzerfahrung, als man je gewollt hat. Das erstmalige Ausgesetztsein in einer richtigen Gefechtssituation - das steckt eine Armee nicht einfach weg und gut is.

Ich will hier niemanden zum humanistischen Menschheitshelfer vergöttlichen - obwohl es natürlich auch die gibt, ich habe sie getroffen, und das waren auf ihre Art bewundernsweerte Menschen - aber kritische Stimmen gibt es aus jeder Ecke. Sehr interessant Bücher wie "Armee im Aufbruch", die ein paar sehr kritische Fragen stellten (und prompt von gewissen Stellen zu einer gewissermaßen noch faschistischeren Mördertruppe erklärt wurden, als man die BW da ohnehin schon sieht).

Ich frage mich, wie die NVA damit umgegangen wäre. Was die da oben davon gehalten hätte, kann man sich ausmalen. Als man sich allmählich Gedanken über "Wintermarsch" 1981 machte, sagte ein Oberstleutnant sinngemäß etwa, er hoffe, dass es nicht knallt. Sofort wurde er aus dem Dienst entlassen (in der Wendezeit wurde er, als militärische Wiedergutmachung, noch zum GenMaj d. Res. - EDIT: Wieder zum OSL gemacht, sorry - ernannt - was nahelegt, dass seine damalige Entlassung eine Entscheidung des Politbüros des ZK war, die gegen den Willen der übrigen militärischen Führung gefällt wurde). Wenn es 81 - oder Prag 1968, da saßen je eine Mot.-Schützen-Div. und Pz.-Div in den Startlöchern - wirklich zum Einmarsch gekommen wäre, was hätten die Berufssoldaten dann gesagt?


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

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#14

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 11:57
von Klauspeter | 989 Beiträge

Zitat von Gesamtdeutscher Kamerad im Beitrag #13

[...]
Wenn es 81 - oder Prag 1968, da saßen je eine Mot.-Schützen-Div. und Pz.-Div in den Startlöchern - wirklich zum Einmarsch gekommen wäre, was hätten die Berufssoldaten dann gesagt?



Wenn und Aber und Hätte ...
M.E. sollten Historiker nicht so argumentieren, weil es nicht mehr als Gedankenspiele sind.

Wenn damals die 11.MSD (Halle) oder die 7.PD (Dresden) den Befehl erhalte hätte, dann wären sie einmarschiert.
Einen solchen Befehl gab es aber nicht. Über das "Warum?" könnten wir jetzt lange diskutieren.

Klaus


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zuletzt bearbeitet 20.01.2016 11:58 | nach oben springen

#15

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 12:05
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #14
[quote=Gesamtdeutscher Kamerad|p516901]
Wenn und Aber und Hätte ...
M.E. sollten Historiker nicht so argumentieren, weil es nicht mehr als Gedankenspiele sind.



In meiner Zunft ist es so: In einer informellen Diskussion ist ein wenig "Hätte, hätte, Fahrradkette..." schon erlaubt. Nur wehe dem, der sowas unreflektiert publiziert.

Was gemacht wird - und das gehörte ja auch auf beiden Seiten zur Offiziersausbildung - ist die Rekonstruktion eines potentiellen Angriffsszenarios. Meistens enden diese mit "rauchender Krater, wo mal Deutschland war".

Solche Gedankenspiele sind hier mehr persönlicher Natur, als beruflicher. Bitte nicht falsch zu verstehen.


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

- Karl Jaspers
Klauspeter hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 14:07
von damals wars | 12.204 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #10
Da lobte ich mir doch meine Watte, die einen (8- stündigen) Dienst im Freien ermöglichte[b][/b

Ja,und was hatte man alles drunter Hubert ?

Alles!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#17

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 15:26
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Gesamtdeutscher Kamerad im Beitrag #13
Zitat von bürger der ddr im Beitrag #11
Durch die Berufsarmee hat sich meine Einstellung wieder etwas gewandelt, auf der einen Seite seh ich das positiv aber auf der anderen Seite denke ich an die "bezahlten Befehlsempfänger", wird da noch etwas hinterfragt?


Mehr denn je, das kann ich bestätigen. Die Truppe ist deutlich kritischer geworden. Afghanistan hat der BW eines beschert - viel mehr Einsatzerfahrung, als man je gewollt hat. Das erstmalige Ausgesetztsein in einer richtigen Gefechtssituation - das steckt eine Armee nicht einfach weg und gut is.

Ich will hier niemanden zum humanistischen Menschheitshelfer vergöttlichen - obwohl es natürlich auch die gibt, ich habe sie getroffen, und das waren auf ihre Art bewundernsweerte Menschen - aber kritische Stimmen gibt es aus jeder Ecke. Sehr interessant Bücher wie "Armee im Aufbruch", die ein paar sehr kritische Fragen stellten (und prompt von gewissen Stellen zu einer gewissermaßen noch faschistischeren Mördertruppe erklärt wurden, als man die BW da ohnehin schon sieht).

Ich frage mich, wie die NVA damit umgegangen wäre. Was die da oben davon gehalten hätte, kann man sich ausmalen. Als man sich allmählich Gedanken über "Wintermarsch" 1981 machte, sagte ein Oberstleutnant sinngemäß etwa, er hoffe, dass es nicht knallt. Sofort wurde er aus dem Dienst entlassen (in der Wendezeit wurde er, als militärische Wiedergutmachung, noch zum GenMaj d. Res. ernannt - was nahelegt, dass seine damalige Entlassung eine Entscheidung des Politbüros des ZK war, die gegen den Willen der übrigen militärischen Führung gefällt wurde). Wenn es 81 - oder Prag 1968, da saßen je eine Mot.-Schützen-Div. und Pz.-Div in den Startlöchern - wirklich zum Einmarsch gekommen wäre, was hätten die Berufssoldaten dann gesagt?




Hallo,

wann wurde wer zum Generalmajor der Reserve ernannt ?

Das wüsste ich wohl.

Das würde mich ja mal interessieren. Mir ist auch keine Entscheidung des PB zur Entlassung eines OSL bekannt. Um einen OSL zu entlassen brauchte man kein Politbüro, das reichte locker der Chef Kader General Ludwig aus.


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#18

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 16:30
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #17
Hallo,

wann wurde wer zum Generalmajor der Reserve ernannt ?

Das wüsste ich wohl.

Das würde mich ja mal interessieren. Mir ist auch keine Entscheidung des PB zur Entlassung eines OSL bekannt. Um einen OSL zu entlassen brauchte man kein Politbüro, das reichte locker der Chef Kader General Ludwig aus.


Klaus Wiegand hieß der Mann, war Dozent an der MPLH "Wilhelm Pieck" und 1980 Manöverbeobachter. Er sagte später selber, dass ihm klar war, dass hier ein Einmarsch geplant wurde - und machte den Fehler, damals unter Studenten zu sagen, er wolle nicht, dass es soweit käme. Er wurde verpetzt und nach Strich und Faden demoliert (u. A. aus der SED ausgeschlossen).

Den Degradierungsbefehl - erstmal haben sie ihn zum Soldaten gemacht - unterzeichnete übrigens (damals noch) GenLt. Horst Brünner, zu dieser Zeit in der PV. Das ist, wenn ich das richtig verstehe, in der innerparteilichen Hackordnung eine Idee höher, als der Chef Kader.

Ich habe mich übrigens verlesen - sie haben nur seinen alten Dienstgrad (OTL/OSL) wiederhergestellt. Also kein GenMaj. Aber immerhin, Rehabilitation.

Nachzusehen in dieser Doku: https://www.youtube.com/watch?v=u3YoAStjUMQ


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

- Karl Jaspers
zuletzt bearbeitet 20.01.2016 16:37 | nach oben springen

#19

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 16:58
von Alfred | 6.854 Beiträge

Hallo,

es wurde kein entsprechender Einmarsch geplant, da kann der Herr erzählen was er möchte.

Das Thema VR Polen hatten wir schon, einfach mal suchen.


damals wars und Gesamtdeutscher Kamerad haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Kontakt mit dem BbKf?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2016 17:37
von Gesamtdeutscher Kamerad | 154 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #19
Hallo,

es wurde kein entsprechender Einmarsch geplant, da kann der Herr erzählen was er möchte.

Das Thema VR Polen hatten wir schon, einfach mal suchen.




Gefeuert wurde er trotzdem. Ob Einmarsch oder nicht, eine m. E. reichlich überzogene Maßnahme.


"Wer einen kommenden Krieg für sicher hält, wirkt gerade durch diese Gewißheit mit, daß er entsteht. Wer den Frieden für sicher hält, wird unbesorgt und treibt ohne Absicht in den Krieg. Nur wer die Gefahr sieht und keinen Augenblick vergißt, kann sich vernünftig verhalten und tun, was möglich ist, um sie zu beschwören."

- Karl Jaspers
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