#81

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 19:41
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Hier zum Beispiel. Details musste Dir aus den Archiven raussuchen.

Zitat
Am 9. November steht in der Berliner Morgenpost, dass der Verkehrssenator überlegt, den Ku'damm zu schließen, wenn die DDR-Bürger kommen. Um 12 Uhr trifft sich im Reichstag die Kommission "Arbeitsplätze für Berlin". Walter Momper leitet sie. Jörg Rommerskirchen hat einen Pilotenkoffer voller Arbeit mitgebracht und blättert sich am Rand durch einen Stapel Akten. Ein Saaldiener kommt und bittet ihn ans Telefon. Sein Bekannter Peter Brinkmann, ein Bild-Zeitungsredakteur, lässt ihm ausrichten: Die Krenz-Leute sprechen über Reisefreiheit, das wird heute noch ganz ernst. Rommerskirchen geht zu Momper und flüstert ihm von hinten ins Ohr: "Walter, da passieren heute noch ernsthafte Dinge." Der Regierende dreht sich um: "Verbürgst du dich für die Quelle?" Der Staatssekretär überlegt. "Ja", sagt er. Momper wendet sich zum Verkehrssenator, der neben ihm sitzt: Er solle die BVG informieren, dass sie sich zumindest auf einen Wochenendnachtverkehr vorbereitet. Keiner weiß genau, was jetzt folgen wird. Der Senatssprecher entwirft eine Zeitungsanzeige, die die Berliner ermuntern soll, sich auf die DDR-Besucher zu freuen.


http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/...10%2F02%2Fa0001


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zuletzt bearbeitet 08.12.2015 19:44 | nach oben springen

#82

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 19:47
von Alfred | 6.862 Beiträge

Die Öffnung der GÜSt in Berlin am 9.11.1989 war weder mit der sow. Partei und Staatsführung, noch mit dem sow. Generalstab abgestimmt.


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#83

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 19:48
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Du behauptest ernsthaft, das hat die mächtige SED ganz alleine entschieden? Ohne Wissen ihrer Besatzungsmacht? Alleine das Abtauchen ist ein sicheres Zeichen, dass man genau wusste, wann man besser abtaucht. Wie Kennedy, als die Mauer gebaut wurde.


zuletzt bearbeitet 08.12.2015 19:49 | nach oben springen

#84

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 19:56
von Alfred | 6.862 Beiträge

Ganz einfach, am 9.11. sollten die GÜSt in Berlin nicht geöffnet werden. Es ging um GÜSt zur BRD, da sollten welche geöffnet werden. Weil die GÜSt in Berlin geöffnet wurden, gab es am 10.11. 1989 ja auch Ärger aus Moskau.


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#85

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:04
von Alfred | 6.862 Beiträge

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt:


"Der Operativen Führungsgruppe gehörten sieben leitende Kader an, die gegen 08.00 Uhr im Arbeitszimmer des Generalsekretärs eintrafen und folgende Aufgaben hatten:

(1) Informationen über die Gesamtlage auf dem Territorium der DDR zu sammeln und zu analysieren,
(2) Ununterbrochen die Lage des Gegners einzuschätzen.
(3) Schlussfolgerungen bzw. Vorschläge für gesamtstaatliche Führungsentscheidungen vorzubereiten.

Gleichzeitig hatte ich die Aufgabe, stets engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe Armeegeneral Snetkow, zu halten und ihn über alle wichtigen Ereignisse oder Entscheidungen zu informieren. Nach einer kurzen gegenseitigen Information über die entstandene Lage habe ich den Oberkommandierenden der Westgruppe und meine drei Partner in Moskau, Warschau und Prag telefonisch über die Lage in der DDR informiert.

Gegen 08.30 Uhr rief ich den Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snetkow, an und informierte ihn über die auf Grund der Öffnung der Grenzübergangsstellen zu Westberlin in Berlin entstandene Lage. Ich entschuldigte mich bei ihnen für unser Versäumnis, ihn nicht rechtzeitig über die geplante Öffnung der Grenzübergangsstellen in Berlin informiert zu haben und teilte ihm mit, dass ich in die Vorbereitungsmaßnahmen nicht einbezogen war. Das stieß bei ihm auf Unverständnis und er stellte mit die berechtigte Frage: „ Was ist denn bei Euch eigentlich los ? Wie kann man solche Maßnahmen ohne die Armeeführung durchführen?“

Ich versicherte ihm, alle von uns eingegangenen Verpflichtungen gegenüber der Westgruppe werden erfüllt.

An der militärischen Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin gibt es keine Abstriche. Ich bat ihn nochmals um Entschuldigung und äußerte im Auftrag von Minister Keßler die Bitte, er möge sich mit den zuständigen Militärs der drei Westmächte in Berlin in Verbindung setzen und sie bitten, nach Möglichkeit für Ruhe und Ordnung an der Grenze von westlicher Seite aus zu sorgen.

Dieser Bitte ist Armeegeneral Snetkow voll nachgekommen.

Der Chef des Stabes der Westgruppe, Generalleutnant Fursin hat mich in einem Fernschreiben über das Gespräch mit dem Leiter der beim Oberkommandierenden der Westgruppe akkreditierten Militärverbindungsmissionen informiert. (Anlage 3 )

Gegen 09.00 Uhr rief der sowjetische Botschafter Kotschemasow bei Egon Krenz an. Ich hörte nur, wie Egon Krenz sagte: „Bei mir ist General Streletz, der kann besser Russisch als ich, der wird Ihnen die Lage erläutern“. Kotschemasow stellte mir die Frage, wer hat Euch die Genehmigung zur Öffnung der Berliner Grenzübergangsstellen gegeben? Mit wem ist dieser Schritt abgestimmt worden? Mit ihm seien nur Maßnahmen abgesprochen, die die Öffnung der Grenzübergangsstellen an der Staatsgrenze der DDR zur BRD betrafen. Berlin hat einen besonderen „Viermächte – Status“ und die Handlungsweise der DDR – Organe hat der Autorität der Sowjetunion großen Schaden zugefügt.
Ich antwortete dem Botschafter, dass ich in die Vorbereitung und Durchführung dieser Maßnahme nicht einbezogen war.
Seine Antwort war, das kann doch nicht sein, die Grenze untersteht doch Euch. Meine Antwort war: An der militärischen Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin gibt es keine Abstriche.

Ich werde dieses Problem Egon Krenz vortragen, er möchte doch bitte nochmals in 30 Minuten anrufen, dann antworte ich ihm auf seine Fragen.
Ich informierte Egon Krenz über den Inhalt des Gespräches. Seine Entscheidung war: Wenn er in einer halben Stunde anruft, sag ihm, er soll sich mit Außenminister Oskar Fischer in Verbindung setzen.

Nach einer halben Stunde rief der Botschafter erneut an. Ich teilte ihm mit, dass Oskar Fischer die Weisung hat, ihm die Zusammenhänge der Öffnung der GÜST in Berlin zu erläutern. Er sagte gut, dann werde ich Oskar Fischer anrufen.

Gegen 09.45 Uhr erfolgte der 3.Anruf vom sowjetischen Botschafter. Er teilte mir Folgendes mit: Moskau ist über die Handlungsweise zur Öffnung der Berliner GÜST verstimmt. Im Interesse der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der DDR wäre es zweckmäßig, sofort ein Telegramm von Egon Krenz an Michael Gorbatschow zu schicken und unser Vorgehen in Berlin zu begründen. Ich sagte dem Botschafter, dass ich sofort Egon Krenz darüber informieren werde. Egon Krenz beauftragte mich ein solches Schreiben an Gorbatschow vorzubereiten. Der Stellvertretende Außenminister, Kurt Nier, und ich haben das bekannte Telegramm an Gorbatschow vorbereitet.

Das Dokument habe ich gegen 11.00 Uhr Egon Krenz während der ZK – Sitzung zur Unterschrift vorgelegt. (Anlage 1)

Zwischen den Gesprächen mit Botschafter Kotschemasow habe ich meine drei Partner, die Generalstabschefs in Moskau, Warschau und Prag angerufen und sie über die Lage in der Lage in der DDR, vor allen Dingen in Berlin informiert.

Ich versicherte meinen Partnern

- Es gibt keine „Verbrüderung“ mit dem Westen
- Die militärische Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin wird aufrechterhalten
- Trotz dieser Ereignisse, der Öffnung der Grenzübergangsstellen, nicht der Grenze, bleibt die NVA ein zuverlässiger Bündnispartner im Warschauer Vertrag
- Wir werden auch weiterhin, wie bisher, alle eingegangenen Bündnisverpflichtungen und Pläne der Zusammenarbeit erfüllen
- Es gibt keinen Grund, an der Zuverlässigkeit der NVA zu zweifeln
- Die neue Partei – und Staatsführung wird die erforderlichen Maßnahmen der Erneuerung einleiten, um eine stabile Lage in der DDR wieder herzustellen.

Meine Partner bedankten sich für die Information. Sie bekundeten ihre Bereitschaft, uns bei Notwendigkeit zu unterstützen und wünschten mir und uns viel Erfolg bei der Lösung der anstehenden schwierigen Aufgaben."


DoreHolm, passport und Stringer49 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#86

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:06
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #81
Hier zum Beispiel. Details musste Dir aus den Archiven raussuchen.

Zitat
Am 9. November steht in der Berliner Morgenpost, dass der Verkehrssenator überlegt, den Ku'damm zu schließen, wenn die DDR-Bürger kommen. Um 12 Uhr trifft sich im Reichstag die Kommission "Arbeitsplätze für Berlin". Walter Momper leitet sie. Jörg Rommerskirchen hat einen Pilotenkoffer voller Arbeit mitgebracht und blättert sich am Rand durch einen Stapel Akten. Ein Saaldiener kommt und bittet ihn ans Telefon. Sein Bekannter Peter Brinkmann, ein Bild-Zeitungsredakteur, lässt ihm ausrichten: Die Krenz-Leute sprechen über Reisefreiheit, das wird heute noch ganz ernst. Rommerskirchen geht zu Momper und flüstert ihm von hinten ins Ohr: "Walter, da passieren heute noch ernsthafte Dinge." Der Regierende dreht sich um: "Verbürgst du dich für die Quelle?" Der Staatssekretär überlegt. "Ja", sagt er. Momper wendet sich zum Verkehrssenator, der neben ihm sitzt: Er solle die BVG informieren, dass sie sich zumindest auf einen Wochenendnachtverkehr vorbereitet. Keiner weiß genau, was jetzt folgen wird. Der Senatssprecher entwirft eine Zeitungsanzeige, die die Berliner ermuntern soll, sich auf die DDR-Besucher zu freuen.


http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/...10%2F02%2Fa0001



Zunächst Danke für die Mühe. Wir sind am Tag der Maueröffnung. Die Nachrichtenübermittlung erfolgt über einen Journalisten. Es ist im Westen nicht verborgen geblieben, dass die D.D.R.-Regierung unter Druck kam. Es wäre nun gut zu wissen, ob wann, wo und in welchem Umfang eine Information D.D.R. - Senat von Berlin / Sowjet-Union westliche Alliierte. Eine grobe Prinzipinformation ja, aber Detail ?

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#87

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:14
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #85
Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt:


Man muss das klarer auseinanderhalten.
Herr Streletz ist nicht die DDR. Er spricht für die NVA bzw. als Sekretär des NVR. Aber nicht für die DDR. Zudem gab es zu dieser Zeit auch in der DDR verschiedene Machtblöcke.

Die DDR war zudem nicht (anders als Streletz bzw. Snetkow das sieht) verpflichtet, die NVA über alles zu informieren.

Zitat von Alfred im Beitrag #85
An der militärischen Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin gibt es keine Abstriche.


Aus alliierter Sicht hatte die DDR innerhalb von Berlin exakt NICHTS militärisch zu sichern. Und mit diesem Gesichtspunkt muss man das Thema "die DDR hatte die Alliierten nicht informiert" mal genauer beleuchten: Aus Sicht der drei Westalliierten war schon das Aufstellen der "Mauer" entgegen des Vier-Mächte-Status. Also die werden mit Sicherheit nichts gegen die Öffnung gehabt haben. Bezogen auf die UdSSR fällt der DDR ein anderes Argument auf die Füße: Die DDR hatte immer behauptet, der Bau der "Mauer" sei souveräne Entscheidung der DDR gewesen, die UdSSR hatte dem öffentlich nicht widersprochen. Daher gab es gar keinen Grund, irgendwen zu informieren. Wer souverän aufbaut, kann auch wieder souverän abbauen.

Zu einigen zuvor angesprochenen Fragen später.


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#88

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:19
von Hanum83 | 4.808 Beiträge

Als ich 83 nachts am Kolonnenweg mal paar Worte mit GL Baumgarten gewechselt habe kam der mir menschlich nicht so vor als wenn der jemanden an die Wand stellen würde.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#89

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:31
von marc | 577 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #87
Zitat von Alfred im Beitrag #85
Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt:


Man muss das klarer auseinanderhalten.
Herr Streletz ist nicht die DDR. Er spricht für die NVA bzw. als Sekretär des NVR. Aber nicht für die DDR. Zudem gab es zu dieser Zeit auch in der DDR verschiedene Machtblöcke.

Die DDR war zudem nicht (anders als Streletz bzw. Snetkow das sieht) verpflichtet, die NVA über alles zu informieren.

Zitat von Alfred im Beitrag #85
An der militärischen Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin gibt es keine Abstriche.


Aus alliierter Sicht hatte die DDR innerhalb von Berlin exakt NICHTS militärisch zu sichern. Und mit diesem Gesichtspunkt muss man das Thema "die DDR hatte die Alliierten nicht informiert" mal genauer beleuchten: Aus Sicht der drei Westalliierten war schon das Aufstellen der "Mauer" entgegen des Vier-Mächte-Status. Also die werden mit Sicherheit nichts gegen die Öffnung gehabt haben. Bezogen auf die UdSSR fällt der DDR ein anderes Argument auf die Füße: Die DDR hatte immer behauptet, der Bau der "Mauer" sei souveräne Entscheidung der DDR gewesen, die UdSSR hatte dem öffentlich nicht widersprochen. Daher gab es gar keinen Grund, irgendwen zu informieren. Wer souverän aufbaut, kann auch wieder souverän abbauen.

Zu einigen zuvor angesprochenen Fragen später.



Die Alliierten-Rechte in Berlin wurden durch den Mauerbau nicht beschnitten.

Das Ob ja, das Wie nicht! Die Karten für den Verlauf der Grenzabsperrungen in Berlin wurden 1961 bei der GSSD in Wünsdorf gezeichnet und Hoffmann, Mielke, Maron und anderen dort zur Kenntnis gebracht.



zuletzt bearbeitet 08.12.2015 21:29 | nach oben springen

#90

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:45
von Alfred | 6.862 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #87
Zitat von Alfred im Beitrag #85
Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt:


Man muss das klarer auseinanderhalten.
Herr Streletz ist nicht die DDR. Er spricht für die NVA bzw. als Sekretär des NVR. Aber nicht für die DDR. Zudem gab es zu dieser Zeit auch in der DDR verschiedene Machtblöcke.

Die DDR war zudem nicht (anders als Streletz bzw. Snetkow das sieht) verpflichtet, die NVA über alles zu informieren.

Zitat von Alfred im Beitrag #85
An der militärischen Grenzsicherung zur BRD und zu Westberlin gibt es keine Abstriche.


Aus alliierter Sicht hatte die DDR innerhalb von Berlin exakt NICHTS militärisch zu sichern. Und mit diesem Gesichtspunkt muss man das Thema "die DDR hatte die Alliierten nicht informiert" mal genauer beleuchten: Aus Sicht der drei Westalliierten war schon das Aufstellen der "Mauer" entgegen des Vier-Mächte-Status. Also die werden mit Sicherheit nichts gegen die Öffnung gehabt haben. Bezogen auf die UdSSR fällt der DDR ein anderes Argument auf die Füße: Die DDR hatte immer behauptet, der Bau der "Mauer" sei souveräne Entscheidung der DDR gewesen, die UdSSR hatte dem öffentlich nicht widersprochen. Daher gab es gar keinen Grund, irgendwen zu informieren. Wer souverän aufbaut, kann auch wieder souverän abbauen.

Zu einigen zuvor angesprochenen Fragen später.




Sicher war Streletz nicht die DDR.

Aber immerhin unterstanden ihm ab dem 10.11. 1989 als Leiter der op. Führungsgruppe wichtige Bereiche. Und dieser Befehl stammte von Krenz und der hatte ja wohl doch einiges zu sagen ..

Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen und (falls vorhanden) Vorschau-Grafiken der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
Führungsgruppe 108122015.jpg
Führungsgruppe 208122015.jpg

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#91

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:49
von Stringer49 | 700 Beiträge

Ich möchte noch einmal auf die Information der Alliierten kommen. Hier das Telegramm, welches die Botschaft Frankreichs bei der Regierung der D.D.R. November 10 1989 an das Aussenministerium sandte (es ist gewiss von der damaligen Botschafterin Mrs TIMSIT bestätigt worden, der Name ist unten zu lesen)

Ich habe es nicht übersetzt, damit ich nicht parteiisch erscheine. Das Telegram lässt nicht erkennen, dass der französische Alliierte zuvor informiert wurde:



Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#92

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 20:52
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Zitat
Zunächst Danke für die Mühe. Wir sind am Tag der Maueröffnung.



Nicht nur. Wenn de das liest, findest Du Stolpe und Schröder (Chef der Senatskanzlei) haben das vorab verhandelt. Der Spiegel hat da Artikel zu. Im Palast-Hotel.


zuletzt bearbeitet 08.12.2015 20:54 | nach oben springen

#93

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:09
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #92

Zitat
Zunächst Danke für die Mühe. Wir sind am Tag der Maueröffnung.


Nicht nur. Wenn de das liest, findest Du Stolpe und Schröder (Chef der Senatskanzlei) haben das vorab verhandelt. Der Spiegel hat da Artikel zu. Im Palast-Hotel.




Ich gehe davon aus, dass diese Information gewiss nicht über den Entwurf vom 6 November hinausging, denn sonst (warum auch ?) hätte man nicht diesen Gesetzesentwurf gemacht und die Leute noch mit der Frage des Geldes verärgert. Wenn wir also über einen geregelten Frei-Gang (30 Tage, Ausreise-Visum war zuvor zu verlangen, viele Versagungsgründe) dann habe ich keine Zweifel.

Zwischen diesem 6 November und dem Tag des Mauerfalls glitt die D.D.R.-Führung in ein Chaos; ich entsinne noch die Kolonnen an der Grenze bei Vojtanov, die Tchechoslovakei wurde auf ein kurzer Strecke als Transit benützt. Ich zweifele jedoch, dass der dann (Obristen-Verordnung) beginnende nicht mehr eingeschränkte Verkehr noch mitgeteilt werden konnte.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#94

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:10
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Bin ja nicht so:

Zitat
Die DDR soll geplante Reiseerleichterungen vertraulich bereits am 29. Oktober 1989 dem damaligen Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Walter Momper (SPD) angekündigt haben. Das sagte Momper, heute Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, dem "RBB-Inforadio". Bei einem Geheimtreffen im Palasthotel in Ost-Berlin, das auf Vermittlung des damaligen evangelischen Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe zustande kam und an dem außer Momper dessen Mitarbeiter Dieter Schröder, der Ost-Berliner Oberbürgermeister Erhard Krack (SED) und Politbüromitglied Günter Schabowski teilnahmen, seien Lockerungen "noch vor Weihnachten" angekündigt worden.

Stolpe sagte der Zeitung "B.Z." dazu: "Es war unser Anliegen, dass Momper das offiziell von der DDR-Führung erfährt, damit sich West-Berlin vorbereiten kann." Ein genauer Termin sei aber bei dem geheimen Treffen nicht mitgeteilt worden. Tatsächlich begann der Momper-Senat noch am selben Tag, zusammen mit der Polizei, den öffentlichen Verkehrsbetrieben und der Gesundheitsverwaltung den Westteil der Stadt auf einen eventuellen Ansturm von DDR-Bürgern vorzubereiten.



http://www.welt.de/politik/article395759...er-alle-an.html


Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.12.2015 21:11 | nach oben springen

#95

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:21
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #94
Bin ja nicht so:[...].


[...]

In Deutsch sagt man wohl : Ich bin zutiefst gerührt, sniff. Vielen Dank natürlich.

« Lockerungen » vs. Freizügigkeit wie sie der Obristen-Entwurf vorsah. Wenn die Diskussion nur um die Lockerungen (6 November, Entwurf) geht, ziehe ich meinen Einwand zurück. Wenn es um rechtlich vorgesehene Situation vom November 9 geht (vor Schabowski), sehe ich weiterhin, dass die an Moskau gegebenen Informationen mit dem Text der Obristen auseinanderfallen.

Es war eine sehr interessante und entspannte Diskussion. Danke an alle.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.12.2015 21:21 | nach oben springen

#96

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:24
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #90
Sicher war Streletz nicht die DDR.

Aber immerhin unterstanden ihm ab dem 10.11. 1989 als Leiter der op. Führungsgruppe wichtige Bereiche. Und dieser Befehl stammte von Krenz und der hatte ja wohl doch einiges zu sagen ..


Nein, der hat überhaupt keine Bedeutung zum Mauerfall. Absolut keine. Der Befehl ist einen Tag später abgefaßt, kann also nichts zum Tag des Mauerfalls beitragen. Und Herr Streletz kann keine Rechte zum Tag des Mauerfalls ableiten.

Im Übrigen regelte der Befehl Aufgaben "nach innen", eine Vertretung nach außen war damit nicht gegeben. Wenn Herr Streletz dem Herrn Snetkow Mitteilungen macht, war er jedenfalls über diesen Befehl nicht dazu legitimiert.

Leider veröffentlichst Du die spannenden Seiten nicht. Ich habe den Wortlaut des Befehls für Dich: http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Bef...erteidigungsrat


Hanum83 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#97

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:26
von Mart | 735 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #91
Ich möchte noch einmal auf die Information der Alliierten kommen. Hier das Telegramm, welches die Botschaft Frankreichs bei der Regierung der D.D.R. November 10 1989 an das Aussenministerium sandte (es ist gewiss von der damaligen Botschafterin Mrs TIMSIT bestätigt worden, der Name ist unten zu lesen)

Ich habe es nicht übersetzt, damit ich nicht parteiisch erscheine. Das Telegram lässt nicht erkennen, dass der französische Alliierte zuvor informiert wurde:


Es gab überhaupt keinen Grund für die DDR, die westlichen Allierten zu informieren - das hast Du nun von mehreren bestätigt bekommen.


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#98

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:32
von Harzwanderer | 2.943 Beiträge

Die westlichen Alliierten haben es schon alleine dadurch erfahren, dass alle drei ständig Verbindungsoffiziere im Rathaus Schöneberg hatten. Wenn also Momper das am 29. Oktober von der DDR gesagt wurde, saßen die dabei, wenn Momper es seinen Leuten weitererzählt hat und die Planungen eingeleitet. Und bei der Polizei gab es solche Verbindungsoffiziere auch. Es war eine alliierte Stadt komplett unter deren Kontrolle.

Die SU dürfte das aber noch weiter vorab mit den Westalliierten über alliierte Kanäle geklärt haben, ohne dass Deutsche davon erfahren haben müssen.

Das französische Telegramm ist nur eine Lagemeldung von dem Abend.

Und der Herr GO Streletz ist nur noch eine Mücke auf der Windschutzscheibe der Geschichte.


zuletzt bearbeitet 08.12.2015 21:36 | nach oben springen

#99

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:36
von Hanum83 | 4.808 Beiträge

Zitat von Mart im Beitrag #96
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Bef...erteidigungsrat



Hab das jetzt schön in Ruhe durchgelesen, da schwafelt der zu dem Zeitpunkt immer noch vom Gegner, also wie mit dem irgendeine neue DDR hätte entstehen können ist mir schon immer unerklärlich gewesen.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
zuletzt bearbeitet 08.12.2015 21:41 | nach oben springen

#100

RE: Momper wusste von den neuen Reiseregelungen...

in DDR Staat und Regime 08.12.2015 21:43
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #98

[...]
Das französische Telegramm ist nur eine Lagemeldung von dem Abend.



Aber gut, es ist eben nicht eben nicht für alle ersichtlich. Wenn Du es so siehst... Lassen wir es

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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