#1

Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 25.11.2015 13:23
von B208 | 1.352 Beiträge

Durch den Beitritt von @Ratze und @Waldersee in das Forum können wir da sicherlich viele Antworten und Geschichten über die Arbeit der I/S nach dem 9.11.89 bekommen .

Erste Treffen mit AGT (Greso), wie waren zwischenmenschlichen Empfindungen ,
wann und wie wurden die Aufgaben I/S der neuen Situation angepasst ,
wie wurden die Kontakte zur GT geknüpft und wie ausgebaut ,
ab wann konnte man von einem Vertrauensaufbau, wenn es ihn denn gegeben hat , sprechen ,
wann und wie wurde das Sachgebiet S umstrukturiert ,
was passierte mit den Unterlagen und und und ??????

B208


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#2

RE: Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 25.11.2015 15:02
von Waldersee | 83 Beiträge

Hallo 208,
grundsätzlich war es nach dem 9.11.1989 in den "ersten Wochen" alles noch sehr spärlich und vorsichtig, was sich in Sachen Grenzkontakten entwickelte. Beide Seiten wussten ja überhaupt nicht, wie sich die deutsch-deutsche Geschichte entwickelt. Aus späteren Gesprächen war, so glaube ich jedenfalls, insbesondere bei Angehörigen der DDR-GrTr und der NVA die feste Überzeugung vorhanden, dass sich zwei beider Seiten weiterentwicklen werden, aber auf keinen Fall eine Wiedervereinigung erfolgt. Immerhin waren da ja auch noch die Allierten auf beiden Seiten !!
Die allerwichtigste Aufgabe in der ersten Zeit war die Festlegung der kommenden und zu öffenden Grenzübergänge. Z.b. bei uns im Lübecker Bereich die Straße zwischen Lübeck-Eichholz und Herrenburg.

Hierzu wurden dann zwischen den regionlaen Politikern (Bürgermeister, Gemeindevertreter usw.) und zwischen GrTr und westdeutschen behörden Absprachen getroffen. Teilweise kamen die Bitten um Treffen über die noch bestehenden Grenzinformationspunkte (Telefon). In einigen Fällen sprachen aber GAK auch BGS- oder Zoll-Streifen direkt an...und umgekehrt.

Manchmal waren es auch die Bürger beider Seiten, die diese Entscheidungen forderten. So wie in Eichholz / Herrenburg wo auf beiden Seiten viele Bürger zusammenkamen und für eine Öffnung demonstrierten. An diesem Spätherbstabend saß ich über Eichholz im einer Bell UH-1D der BGS_Fliegerstaffel Küste, hatte einen Helm mit Bildverstärkerbrille auf und musste unserem Kommander am Boden laufend die "geschätzte" Zahl der Demonstranten auf Herrenburger Seite melden - bei offener Tür und bei ca. 4-5° Grad Celsius war das nicht spassig.
Wir erhielten dann aber die korrekte Zahlen...ein Reporter der Lübecker Nachrichten war einfach über Schlutup rübergefahren und berichtete dann in der Zeitung darüber.

So lief es auch an der Brücke Rotehnhusen am Ratzeburger See, wo auch die Anwohner beider Seiten die Wiedereröffnung der Straße forderten. Auf unserer Seite sprachen dann der stellv. Kommadeur unserer Abteilung mit einem Oberstabsfährich der GrTr die ersten Maßnahmen ab.
Unsere I/S Arbeit in der darauf folgenden Zeit war selbstverständlich weiterhin auch die Aufklärung. Nur jetzt hatten wir nach und nach immer mehr die Möglichkeit, uns dies auch vor Ort anzusehen.

Ich gebe aber auch zu, dass ein Teil der Gedanken auch dabei waren, wie es wohl weitergeht. Denn spätestens mit der deutschen Einheit waren BGS, Grenzzoll und GrTr in der alten Form passè.

Zusammenfassend kann ich aber im Rückblick sagen, dass die Zeit vom November 1989 bis zur deutschen Einheit einer der ereignisreichsten und bedeutensten meiner Dienstzeit war.

Noch ein kurzez Wort zu den Unterlagen. Hier war es wirklich so, dass, wenn nicht einzelne Angehörige der GrTr, des BGS oder des Zolls darauf geachtet hätten, viele Unterlagen vernichtet worden oder privat verschwunden wären.
An Grenzmuseen, Sammlungen oder Archive hat in dieser ereignisreichen Zeit doch keiner gedacht. Alle wollten doch ganz andere Dinge.

So ist vieles eben auch unwiederbringlich verschwunden oder verstaubt in Kellern oder auf Dachböden...

Es gibt hierzu ein lesenswertes Buch:
"Mauerfall und Wendezeit - Zeitzeugnisse von Polizisten aus Ost und West" vom Förderkreis Braunschweiger Polizeigeschichte. ISBN 978-3-86037-571-6.
Der Schwerpunkt liegt zwar bei der Landes-Verkehrspolizei...aber trotzdem.

Die Sachgebiete I/S wurden in den Abteilungen, die dann 1990/1991 aufgelöst wurden, nicht mehr umstrukturiert. Wir wurden nur nach und nach weniger, weil die Beamten dann in die neuen Funktionen in anderen Bereiche des BGS versetzt wurden.
Wo die Einheiten bestehen blieben, wurde Personal dazugenommen und später wurden dann daraus die Bereiche Lage / Öffentlichkeitsarbeit usw.
Ich verließ Lübeck Anfang 1991 und ging in den neuaufgestellten Bereich Luftsicherheit im damlaigen Grenzschutzkommando Küste in Bad Bramstedt. Der bestand dann wenige Wochen später aus einen Sachbearbeiter aus Bad Bramstedt, einem Hundertschaftsführer aus Lübeck und aus mir. So zusammengewürfelt sahen sehr viele Bereiche im neuen BGS aus.
Bereits wenig später kamen dann die übernommenen Angehörigen der GrTr dazu. Viele haben erst hospitiert, einige haben wir vor Ort ausgebildet und viele sind dann ganz normal als Bewerber zu uns gekommen.


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zuletzt bearbeitet 25.11.2015 15:51 | nach oben springen

#3

RE: Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 25.11.2015 15:29
von Ratze | 404 Beiträge

Hallo 208, oder besser moin moin
12.11.89 Eröffnung B 208, da gab es nur einen Handschlag zwischen dem Kdr. GSK K und dem Kdr. Bezirkskommando Schwerin, später dann auch der Vertreter des Abteilungsführers RZ (der planmäßige war in Namibia).
Eine Woche später Eröffnung in Marienstedt, also Zarrentin II. Da mußte ich aber früher weg, durch die 120 Flüchtlinge in der Kaserne hatte ich Spätschicht und mußte um 14.00 Uhr in der Kaserne sein. Da habe ich nur den Videofilm von Bedo M. gesehen, wie ein GrTr H sich mit Vertreterrn GSE und Zoll unterhielt.
Für mich ging es dann am 31.12. weiter. Ob da schon der Kontakt zu "meinem H" bestand, keine Ahnung. Herr Losemann, der letzte Landwirt vor der Grenze, drücke einem GAK und mir eine Säge in die Hand und wir sägten ein "Streichholz" durch. Den GAK habe ich nie wieder gesehen, der hatte sicher andere Problem, Fragen an die Zukunft.
Im April (glaube ich, müßte mal genau nachsehen) war dann die NATO Logistik Schule zum Besuch in RZ und auch in Wietingsbek. Dort übergab der US - Oberst eine Erinnerungsgabe an einen OLT. Ich mußte übersetzen.
Im Sachgebiet wurde abgerüstet. I/S mußte für ca. 6 Monate nebenbei Lehrgangsmeldung für SG Pers. übernehmen. Blöder Job. Das hat mich dann schon dazu bewegt, mich nach etwas anderem umzusehen.
Im Herbst sollten wir dann Modelle für eine Nachrichtensammelstelle entwickeln. Aufbau und Gliederung für den täglichen Dienst und im Bef - Kfz.
Da die Tel. Nr. vom Kommandeur Kreiskommando und Bezirkskommando vorlagen, konnte dort angerufen werden.
Bei meinem ersten Anruf in Schönberg - hörte die ich barschen Worte "Teilnehmer"; ich antworte mit "Grenzschutzabteilung Küste 2, Ratzeburg, Oberkommissar "Ratze", Sachgebeit Sicherheit, bitte den Kommandeur", da war Ruhe auf der anderen Seite.
Man war ja kaum noch an der Grenze und so gab es nur meinen smal talk mit den Hauptleuten.
Nach dem 03.10 war dann alles vorbei. Wir fuhren dann ja auch mal zum Fußball nach Rostock, fand ich irre.
Tschüß, so wie Waldersee schreibt, wurde viel vernichtet, weil die "Lagerzeit" von 5 - 10 Jahren abgelaufen war. Eingie Unterlagen sind, auf welchem Weg auch immer, ganz zufällig bei mir zu Haus gelandet und dienen jetzt als meine Erinnerung an damals. Die Masser gelang in den Reißwolf, nur Teile sind in Schleswig im Landearchiv unter der Lagernummer 561 mit dem entsprechendne Findbuch. Ich gehe davon aus, dass es aber noch viele weitere Sammler da gegeben hat, die jetzt ihre Schätze hüten oder lange vergessen haben.


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#4

RE: Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 25.11.2015 15:29
von IM Kressin | 918 Beiträge

Zitat von Waldersee im Beitrag #2


Es gibt hierzu ein lesenswertes Buch:
"Mauerfall und Wendezeit - Zeitzeugnisse von Polizisten aus Ost und West" vom Förderkreis Braunschweiger Polizeigeschichte. ISBN 978-3-86037-571-6.
Der Schwerpunkt liegt zwar bei der Landes-Verkehrspolizei...aber trotzdem.



... und einer der Autoren, die Beiträge zu diesem Buch beisteuerten, fungiert sogar als Admin im Forum @ABV !

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#5

RE: Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 25.11.2015 16:16
von Waldersee | 83 Beiträge

Ich möchte das Thema der "Unterlagen über die ehemalige Grenze" doch noch einmal aufnehmen. Es ist jetzt nicht so zu verstehen, dass fast alles vernichtet wurde....dann könnten wir hier im Forum die ganzen Bilder in der Galerie nicht sehen.
Wer "hüben und drüben" Zugriff auf die Bildarchive hatte- insbesonder in der Wendezeit - , an dem lag es, was damit passierte. Jetzt, ein Vierteljahrhundert nach Grenzöffnung tauchen ja immer noch Bilder im Internet auf, die NUR aus privaten Archiven stammen können und die so vor der Vernichtung bewahrt worden sind.
SEHR viele Bilder aus dem gesamten Nordbereich der Grenze sind im Archiv des Bundespolizeimuseums in Lübeck-St.Hubertus archiviert. Ich bin aber davon überzeugt, dass z.B. Bilder des BGS aus Niedersachsen, aus dem Harz oder aus Bayern bis heute dort nicht angekommen sind. Diese sind eher in regionalen Museen oder Sammlungen "gelandet".
Aus diesem Grunde nutze ich Urlaubsfahrten in Deutschland gern, um mir mal das eine oder andere kleine Museum anzusehen. Manchmal gibt es dort echte "Schätze".
Ich werde immer wieder in persönlichen Gesprächen von Ehemaligen gefragt, ob denn der Beamte "A" oder der Soldat "B" auf den Bildern ist...und wo man das Bild bekommt. Dies ist dann in fast allen Fällen aber unmöglich, das es so eine 100% Zuordnung beim damaligen BGS nicht gab. Die von GAK gefertigen Bilder waren da schon besser dokumentiert, sind aber wohl größtenteils im Schredder gelandet??


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#6

RE: Die Arbeit des Sachgebiet S in den BGS Abteilungen nach dem 9.11.89

in Bundesgrenzschutz BGS 13.12.2015 14:49
von ABV | 4.204 Beiträge

Zitat von IM Kressin im Beitrag #4
Zitat von Waldersee im Beitrag #2


Es gibt hierzu ein lesenswertes Buch:
"Mauerfall und Wendezeit - Zeitzeugnisse von Polizisten aus Ost und West" vom Förderkreis Braunschweiger Polizeigeschichte. ISBN 978-3-86037-571-6.
Der Schwerpunkt liegt zwar bei der Landes-Verkehrspolizei...aber trotzdem.



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