#1

Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 13.11.2015 13:44
von der alte Grenzgänger | 1.010 Beiträge

Ich wollte es nicht im Thema "60 Jahre Bundeswehr" unterbringen- deshalb dieses neue Thema.
(obwohl es bestimmt teilweise schon in etlichen anderen Themen anklang..)
Zur Eröffnung habe ich einfach mal den Klauspeter aus obigem Thema zitiert:

....
Die NVA-Soldaten waren keine hirn- und willenlosen Befehlsempfänger. Sie waren klug genug, zwischen notwendigen Anforderungen oderSchikane zu unterscheiden. Von Soldaten hörte ich manchmal den Satz: "Für 20 Pfennig transportiert die Post jeden Brief". Der Minister für Nationale Verteidigung oder der Chef der PHV erhielten viele Beschwerden von Soldaten, und meist wurde diesen Beschwerden auch nachgegangen. Briefe von Soldaten mit schlimmen Zustandsschilderungen an ihre Betriebe wirbelten meist viel Staub auf; u.a. auch deshalb, weil solche Zustände die Gewinnung militärischen Nachwuchses erschwerten.

Klaus


Da ich mich jetzt nicht so an diverse Rechte, vielleicht gar nocht an eine Rechtsmittelbelehrung / Ermutigung zur Beschwerde oder so, erinnern kann, stelle ich es einfach mal zur Diskussion.
Habt Ihr erlebt, dass in Briefen an den Betrieb irgendwelche Missstände bei der Truppe geschildert worden sind (außer vielleicht leichte Beschwerden über die Qualität des Essens oder so)- die dann daraufhin sogar noch abgestellt wurden?
Hätte der Sekräteipartisan an den Regimenter geschrieben?
Viele Briefe an die PHV?
Viele Briefe an den Minister ?

Klingt ja, als wäre das fast der Normalfall gewesen ?
Oder liegt es daran, dass ich in der "Knochenmühle" Bad Frankenhausen gewesen bin? (allerdings erste Hälfte der 70er, vielleicht war es früher oder später anders)
Woanders und zu anderen Zeiten gab es vielleicht Demokratie?



Bis hier mehr Fragen als Antworten- versucht mal bitte, das Verhältnis umzukehren...

Danke schonmal

Siggi


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La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#2

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 13.11.2015 14:03
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

So kompanieintern konnte man zum Polit gehen wenn man ein Problem hatte, der hat sich eigentlich schon gekümmert.
War aber eher an der Grenze, zur Ausbildung hast du lieber nicht gezuckt wenn man dich voll zur Feile gemacht hat, ging ja allen so.
Aber auch am Kanten war es besser nicht wegen jedem Huster gleich zum Polit zu rennen, der unzufriedene Soldat war auch schnell weg von der Grenze und dann konntest du vielleicht jeden Tag irgendwo Wache schieben mit Tagedrücken ohne Ende.


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
(Anton Günther)
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#3

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 13.11.2015 17:14
von Gelöschtes Mitglied
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Vorab, ich kenne das Leben in einer GK nicht so richtig, war nur im GKN in den Gk's unterwegs und das auch nur stundenweise.
Also wie sollte es ander's sein, Grenzausbildungsregiment 5/Glöwen.
Hier gab es den Satz, "Der Soldat hat nur ein Recht und das besteht darin seine Pflichten zu erfüllen!"
Das betrachte ich als "Angstmacherei".
Wenn es Probleme gab, war der Gang zum "Polit" der Kompanie hilfreich, wenn das nicht half gab es den Weg zum Stellvertreter des Kommandeurs
für Polit, das ging ganz einfach, und ohne Termin.
OSL. Horst Jüttner hatte immer ein offenes Ohr für die Truppe! (Admin's bitte keine Moserei wegen Klarnamen, Guckt hier " Grenzalarm")
In besonderen Fällen war auch ein Gang zur "Verwaltung 2000" hilfreich.
Micha, der mit der V2000 ständig in Kontakt war.
Meine Hochachtung für diesen Mann.

Angefügte Bilder:
Erinnerung 094.jpg

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#4

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 13.11.2015 17:47
von damals wars | 12.213 Beiträge

Die"Altgrenzer", die nichts mehr zu verlieren hatten und die "gleichaltrigen Offiziere" hatten oft das meiste Verständnis,
und das Recht, sich zu beschweren, lies sich niemand nehmen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#5

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 13.11.2015 18:48
von TOMMI | 1.992 Beiträge

Ich hatte das schon einmal in einem anderen Thread geschrieben.
Bei uns war sozusagen die Stasi in Person des 2000er die inoffizielle Beschwerdeinstanz.
Diese Leute mussten sich immerhin drum kümmern, das die Stimmung auf einem
gewissen Level blieb.
Unser damaliger 2000er sagte zu uns: "Wenn Ihr Probleme habt, kommt zu mir, ich kläre das!"
Dies wurde auch angenommen, besonders Fälle von Ungerechtigkeiten wurden so geregelt.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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zuletzt bearbeitet 13.11.2015 18:49 | nach oben springen

#6

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 08:44
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #5
Ich hatte das schon einmal in einem anderen Thread geschrieben.
Bei uns war sozusagen die Stasi in Person des 2000er die inoffizielle Beschwerdeinstanz.
Diese Leute mussten sich immerhin drum kümmern, das die Stimmung auf einem
gewissen Level blieb.
Unser damaliger 2000er sagte zu uns: "Wenn Ihr Probleme habt, kommt zu mir, ich kläre das!"
Dies wurde auch angenommen, besonders Fälle von Ungerechtigkeiten wurden so geregelt.


Hattet ihr wirklich "euren" 2000er?
Wenn die schon mal in die Kompanie kamen, dann haben sie sich eigentlich nicht gleich dem erstbesten Soldaten der ihnen übern Weg lief vorgestellt und auf jeden Fall kamen da auch nicht immer die gleichen.
An Sprechzeiten kann ich mich da auch nicht entsinnen, eigentlich war man doch froh mit denen direkt nichts zu tun zu haben.


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zuletzt bearbeitet 14.11.2015 08:46 | nach oben springen

#7

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 09:10
von TOMMI | 1.992 Beiträge

Zitat von Hanum83 im Beitrag #6
Zitat von TOMMI im Beitrag #5
Ich hatte das schon einmal in einem anderen Thread geschrieben.
Bei uns war sozusagen die Stasi in Person des 2000er die inoffizielle Beschwerdeinstanz.
Diese Leute mussten sich immerhin drum kümmern, das die Stimmung auf einem
gewissen Level blieb.
Unser damaliger 2000er sagte zu uns: "Wenn Ihr Probleme habt, kommt zu mir, ich kläre das!"
Dies wurde auch angenommen, besonders Fälle von Ungerechtigkeiten wurden so geregelt.


Hattet ihr wirklich "euren" 2000er?
Wenn die schon mal in die Kompanie kamen, dann haben sie sich eigentlich nicht gleich dem erstbesten Soldaten der ihnen übern Weg lief vorgestellt und auf jeden Fall kamen da auch nicht immer die gleichen.
An Sprechzeiten kann ich mich da auch nicht entsinnen, eigentlich war man doch froh mit denen direkt nichts zu tun zu haben.



@Hanum83 Natürlich hatte der keine Sprechzeiten. Ich weiß auch nicht, was der so trieb im Hintergrund. Aber der suchte förmlich Kontakt, trat
(vielleicht auch übertrieben) freundlich und kumpelhaft auf, lief den Leuten meterlang hinterher, nur damit er ihnen die Hand geben konnte. Dann eben so Fragen: "Wie gehts euch, zuhause alles gesund, habt Ihr Probleme ??" etc. Dann eben auch dieses oben genannte Angebot. Es waren derer 2, die ich in meiner Dienstzeit erlebte. Der eine wurde vom anderen abgelöst. Sozusagen hatten wir "unseren". Inwieweit da Leute Kontakt aufnahmen, ob sie ihn offiziell ansprachen, keine Ahnung.


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#8

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 09:42
von damals wars | 12.213 Beiträge

Natürlich kannte ich unseren 2000er, wäre aber nie auf die Idee gekommen, persönlichen Kontakt mit ihm aufzunehmen.
Er kam auf die Kompanie zu KC, und musste halt am UvD vorbei, unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfuhr ich, wer er ist.
Mehr als ein "Guten Tag" und "auf Wiedersehen" war nicht drin, an eine persönliches Wort kann ich mich auch nicht erinnern.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
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#9

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 12:13
von Klauspeter | 991 Beiträge

Ich möchte noch einmal auf den Eingangsbeitrag zurückkommen.

Der User @der alte Grenzgänger hat mich zitiert, ich habe mich also schon zum Thema geäußert.
An die alten Dienstvorschriften der NVA komme ich nicht mehr so leicht heran.
Ich zitiere deshalb mal das NVA-Handbuch militärisches Grundwissen zu den Rechten des Armeeangehörigen.
Ich verkneife mir das Kommentieren und bringe gleichzeitig den § 6 des Soldatengesetzes der Bundeswehr.

1.2 Allgemeine Rechte (entsprechend dem NVA-Handbuch militärisches Grundwissen:

Der Armeeangehörige hat entsprechend dem Charakter unseres Staates die gleichen in der Verfassung garantierten Grundrechte wie alle anderen Bürger der DDR.Dem Armeeangehörigen werden die ihm zustehenden Rechte nach den Rechtsvorschriften und nach den militärischen Bestimmungen (Dienstlaufbahnordnung, Innendienstvorschrift) garantiert.

Zu den Allgemeinen Rechten der Armeeangehörigen gehören: das Recht auf politische und militärische Bildung und Weiterbildung; Besoldung und soziale Versorgung; kostenlose Gewährung von Unterkunft; Verpflegung, Bekleidung und Medizinische Betreuung; Erholungsurlaub; freie Urlaubsfahrten zwischen dem Dienstort und dem Wohnort oder zu einem Urlaubsort im Gebiet der DDR; Fahrpreisermäßigung bei Urlaubsfahrten zwischen dem Dienstort und dem Wohnort; Benutzen der Bibliotheken der NVA und Teilnahme an Film- und anderen kulturellen Veranstaltungen im Regiments- und im Kompanieklub; eigene kulturelle und sportliche Betätigung; Empfang von Besuchern, falls er kaserniert untergebracht ist; Inanspruchnahme von Leistungen der Militärhandelsorganisation (MHO) in der Kaserne; Wohnraumversorgung im Standortbereich, falls er Berufsunteroffizier, Fähnrich oder Berufsoffizier ist; Wahrnehmung staatlicher oder gesellschaftlicher Funktionen, insbesondere als Abgeordneter von Volksvertretungen; Eingaben und Beschwerden.


Und aus dem Soldatengesetz die staatsbürgerlichen Rechte des Bundeswehrsoldaten:

§ 6: Staatsbürgerliche Rechte des Soldaten
Der Soldat hat die gleichen staatsbürgerlichen Rechte wie jeder andere Staatsbürger. Seine Rechte werden im Rahmen der Erfordnernisse des militärischen Dienstes durch seine gesetzlich begründeten Pflichten beschränkt.

Klaus


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zuletzt bearbeitet 14.11.2015 12:15 | nach oben springen

#10

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 12:22
von Gert | 12.357 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #9
Ich möchte noch einmal auf den Eingangsbeitrag zurückkommen.

Der User @der alte Grenzgänger hat mich zitiert, ich habe mich also schon zum Thema geäußert.
An die alten Dienstvorschriften der NVA komme ich nicht mehr so leicht heran.
Ich zitiere deshalb mal das NVA-Handbuch militärisches Grundwissen zu den Rechten des Armeeangehörigen.
Ich verkneife mir das Kommentieren und bringe gleichzeitig den § 6 des Soldatengesetzes der Bundeswehr.

1.2 Allgemeine Rechte (entsprechend dem NVA-Handbuch militärisches Grundwissen:

Der Armeeangehörige hat entsprechend dem Charakter unseres Staates die gleichen in der Verfassung garantierten Grundrechte wie alle anderen Bürger der DDR.Dem Armeeangehörigen werden die ihm zustehenden Rechte nach den Rechtsvorschriften und nach den militärischen Bestimmungen (Dienstlaufbahnordnung, Innendienstvorschrift) garantiert.

Zu den Allgemeinen Rechten der Armeeangehörigen gehören: das Recht auf politische und militärische Bildung und Weiterbildung; Besoldung und soziale Versorgung; kostenlose Gewährung von Unterkunft; Verpflegung, Bekleidung und Medizinische Betreuung; Erholungsurlaub; freie Urlaubsfahrten zwischen dem Dienstort und dem Wohnort oder zu einem Urlaubsort im Gebiet der DDR; Fahrpreisermäßigung bei Urlaubsfahrten zwischen dem Dienstort und dem Wohnort; Benutzen der Bibliotheken der NVA und Teilnahme an Film- und anderen kulturellen Veranstaltungen im Regiments- und im Kompanieklub; eigene kulturelle und sportliche Betätigung; Empfang von Besuchern, falls er kaserniert untergebracht ist; Inanspruchnahme von Leistungen der Militärhandelsorganisation (MHO) in der Kaserne; Wohnraumversorgung im Standortbereich, falls er Berufsunteroffizier, Fähnrich oder Berufsoffizier ist; Wahrnehmung staatlicher oder gesellschaftlicher Funktionen, insbesondere als Abgeordneter von Volksvertretungen; Eingaben und Beschwerden.


Und aus dem Soldatengesetz die staatsbürgerlichen Rechte des Bundeswehrsoldaten:

§ 6: Staatsbürgerliche Rechte des Soldaten
Der Soldat hat die gleichen staatsbürgerlichen Rechte wie jeder andere Staatsbürger. Seine Rechte werden im Rahmen der Erfordnernisse des militärischen Dienstes durch seine gesetzlich begründeten Pflichten beschränkt.

Klaus



von wann ist dieser Punkt1.2 aus dem NVA Handbuch ?
Mir ist er nicht erinnerlich, MHO ist mir auch nicht bekannt aus meiner Dienstzeit!


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#11

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 12:35
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #10


von wann ist dieser Punkt1.2 aus dem NVA Handbuch ?
Mir ist er nicht erinnerlich, MHO ist mir auch nicht bekannt aus meiner Dienstzeit!

Ich habe die 10. Auflage vom 15.11.1980 verwendet.

Nachzulesen: http://home.snafu.de/veith/regeln.htm

Klaus


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#12

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 17:52
von der alte Grenzgänger | 1.010 Beiträge

Ich danke Euch erstmal für Eure Beiträge.
Der Vaunuller als Menschenfreund ist ja geradezu berufsbedingt ..
Dass die Soldaten der NVA nicht explizit in ihren Rechten (als DDR- Bürger) und öffentlich / schriftlich eingeschränkt worden sind, will ich schon glauben..
Gäbe ja auch keinen Grund dafür-
Praktisch wurden ja dann solche Rechte, wie dasjenige, nach Feierabend einen Spaziergang im Stadtpark zu machen und danach zwei, drei Bier zu trinken, auf andere, recht wirksame Weise eingeschränkt...
Aber wir hatten ja sowieso (fast) alle die nötige "Einsicht in die Notwendigkeit" ...

Aber wie war das nun mit den Briefen an den Minister?- oder an die PHV?- oder an den eigenen Betrieb?
Ich habe in meiner aktiven Zeit nie gehört: "Ich schreib jetzt ne Eingabe ..." (im zivilen war das ja doch in etlichen Fällen das geeignete Mittel ..)

Über ein Beispiel eines solchen Briefwechsels (ob erfolgreich oder nicht) würde ich mich freuen..

Wie gesagt- ich kann mir das nicht so recht vorstellen...

Siggi
(der als Resi auch mal einen Brief an sein Kollektiv geschrieben hat- dafür gabs nämlich Punkte im sozialistischen Wettbewerb !- habe ich also gern gemacht- zum Versaufen der Kollektivprämie war ich dann schon wieder zurück ...


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#13

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 18:20
von der alte Grenzgänger | 1.010 Beiträge

.. ich habe nur noch mal die Basics ergänzt:
(Verfassung der DDR von 1968 i.d.F. von 1974..)

Artikel 27
1 Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
2 Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens ist gewährleistet.


Siggi


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#14

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 18:35
von Gelöschtes Mitglied
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Über "Eingaben" nach außerhalb der Kaserne ist mir nichts bekannt, wurde wohl unter den Teppich gekehrt oder doch Regimentsintern gelöst.
Eine Sache ist mir allerdings bekannt, die so richtig Staub aufgewirbelt hat und einigen Verantwortlichen Schweiß auf die Stirn gezaubert hat.
Das war so 81/82, da gab es einen Verkehrsunfall auf der Fahrt von Glöwen nach Potsdam, ein Soldat kam ums Leben.
Die Obrigkeit hatte geplant eine Beisetzung mit militärischen Ehren am Heimatort Neuruppin, Trauerredner ein Politnik aus dem GAR-5.
Es gab Eingaben der Eltern bis ganz Oben.
Bei der Beisetzung war dann nicht ein Uniformierter anwesend.
Micha


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#15

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 19:03
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #12

Aber wie war das nun mit den Briefen an den Minister?- oder an die PHV?- oder an den eigenen Betrieb?
Ich habe in meiner aktiven Zeit nie gehört: "Ich schreib jetzt ne Eingabe ..." (im zivilen war das ja doch in etlichen Fällen das geeignete Mittel ..)



Eigentlich müssten diese Briefe und Eingaben noch erhalten sein.
Vielleicht liest das ein User, der in Strausberg arbeitet und kann Auskunft geben.

Mir ist bekannt, dass aufgrund solcher Eingaben auch Kontrollen übergeordneter Stäbe in Truppenteilen/Einheiten durchgeführt wurden - nach dem Motto: "Überprüft mal, was dort los ist!"

Im i-net habe ich bei flüchtigem Durchsehen wenig dazu gefunden.

Interessant, aber etwas allgemein ist dieses Material:
https://books.google.de/books?id=NACin95...B6rigen&f=false

Klaus


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#16

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 14.11.2015 23:00
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von Klauspeter im Beitrag #15
Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #12

Aber wie war das nun mit den Briefen an den Minister?- oder an die PHV?- oder an den eigenen Betrieb?
Ich habe in meiner aktiven Zeit nie gehört: "Ich schreib jetzt ne Eingabe ..." (im zivilen war das ja doch in etlichen Fällen das geeignete Mittel ..)



Eigentlich müssten diese Briefe und Eingaben noch erhalten sein.
Vielleicht liest das ein User, der in Strausberg arbeitet und kann Auskunft geben.

Mir ist bekannt, dass aufgrund solcher Eingaben auch Kontrollen übergeordneter Stäbe in Truppenteilen/Einheiten durchgeführt wurden - nach dem Motto: "Überprüft mal, was dort los ist!"

Im i-net habe ich bei flüchtigem Durchsehen wenig dazu gefunden.

Interessant, aber etwas allgemein ist dieses Material:
https://books.google.de/books?id=NACin95...n+von+nva-angehörigen&source=bl&ots=NlSTEjIkJG&sig=JC_d8CscBZKHQGggM_whj4fbhlw&hl=de&sa=X&ved=0CB0Q6AEwAGoVChMI1Peh5OuPyQIVRtwOCh1tiA-T#v=onepage&q=Eingaben%20und%20Beschwerden%20von%20nva-angeh%C3%B6rigen&f=false

Klaus



genau deshalb wurden 'probleme' eher intern gelöst, Klauspeter,
war dies auf kompanieebene nicht möglich, dann gab es ja noch den von der 2000 und dann war vieles unmögliche eben doch möglich.
keiner wollte auffallen, der 2000 schon gar nicht.
doch es lag an ihm missstände zu beheben und seine möglichkeiten einzuschätzen.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#17

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.11.2015 10:35
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Zitat von der alte Grenzgänger im Beitrag #13
.. ich habe nur noch mal die Basics ergänzt:
(Verfassung der DDR von 1968 i.d.F. von 1974..)

Artikel 27
1 Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
2 Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens ist gewährleistet.


Siggi


Schöner Artikel 27, 1 klingt nach einem Hauch von Toleranz.
Beißt sich aber halt mit diversen Straftatbeständen wie z.B. die "Öffentliche Herabwürdigung".
Der Absatz 2 ist ja sowieso der Schenkelklatscher schlechthin.
Stell mir gerade vor ich wäre damals einem beinharten Oberstleutnant mit meinen verfassungsgemäßen Rechten gekommen


"Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei"
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zuletzt bearbeitet 15.11.2015 10:43 | nach oben springen

#18

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.11.2015 10:44
von vk1 | 91 Beiträge

Kenne so einen Fall aus dem GWD. Ein Soldat unserer Kompanie war verheiratet, Frau ging fremd. Er war psychisch etwas abgedreht und litt Höllenqualen in der EK-Bewegung, er war besonders "Mode". Besuch eines Mitglieds seiner Brigade brachte die Zustände ans Licht und führte zu vielen Auswertungen/Diskussionen.

Ab da war er etwas geschützt, man fasste ihn mit "Samthandschuhen" an. Jedoch besserte sich die Situation nicht, auch dank Alk baute er immer mehr Mist und stand kurz vor Schwedt. Da ist er ausgetickt, hat im Suff einen W50 aus dem Fuhrpark gemopst und ist los mit gefälschtem Fahrtauftrag. Da er durch eine 30er Zone mit vollem Karacho gedüst ist fiel er den Genossen der VP auf, die den LKW stoppen wollten und den Stab informiert haben.

Ehe er jedoch an der Weiterfahrt gehindert werden konnte, ist er voll gegen einen Baum - man nimmt an, mit Absicht.

Ganz tragische Kiste gewesen.

Wie auch immer, "Beschwerden" über den Betrieb haben also schon etwas gebracht.


PiB 5 Pasewalk - 1985-1986
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#19

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.11.2015 10:48
von Hanum83 | 4.806 Beiträge

Ich kenne den "Brief an den Betrieb" eigentlich als Soldatenauszeichnung, ist mir auch mal rangeschnappt und war mir eher peinlich.


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#20

RE: Rechte der Soldaten in der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 15.11.2015 11:41
von Klauspeter | 991 Beiträge

Zitat von vs1400 im Beitrag #16


genau deshalb wurden 'probleme' eher intern gelöst, Klauspeter,
war dies auf kompanieebene nicht möglich, dann gab es ja noch den von der 2000 und dann war vieles unmögliche eben doch möglich.
keiner wollte auffallen, der 2000 schon gar nicht.
doch es lag an ihm missstände zu beheben und seine möglichkeiten einzuschätzen.
gruß vs


Ich gebe Dir durchaus recht, was die Versuche betrifft, Probleme möglichst intern zu regeln.
Das ging aber nicht immer. Ein Brief - von einem Armeeangehörigen im Ausgang in den Briefkasten geworfen - kam dann auch beim ZK, oder bei der Volkskammer, oder bei der Armeeführung an und wurde auch gelesen.

So eine Eingabe war immer für denjenigen, der sie in Empfang genommen hatte, ein "heißes Eisen".
Er hatte 2 Möglichkeiten:
Entweder auf die Eigabe reagieren - also das übergeordnete NVA-Führungsorgan informieren nach dem Motto: "Klärt das mal und informiert mich, was dran war an der Eingabe!" oder
abheften und liegenlassen nach dem Motto: "Klärt sich durch langes Liegenlassen von selbst!" Das ging dann sicherlich oft gut; es konnte aber auch passieren, das sich aus den in der Eingabe geschilderten Missständen beispielsweise eine Fahnenflucht ergab. Dann führten andere die Untersuchung und diese Untersuchungen waren meist sehr gründlich. Verantworten musste sich dann auch derjenige, der die Eingabe nicht ernst genommen hatte oder gar nicht darauf reagierte.

Ich kann auch bestätigen, dass die Kommandeure häufig hinweise von den Mitarbeitern der Militärabwehr bekamen, in denen es um Diebstahl durch Vorgesetzte, Misshandlung von Armeeangehörigen oder Schikane ging. Vorgesetzte haben dies Hinweise meist sehr ernst genommen.
Klaus


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